Türkei gerät ins Abseits

Gleich vorweg: In der Überschrift heißt es, die Türkei „gerät“ ins Abseits – was offen lässt, ob sie sich selbst ins Abseits begibt oder ob sie ins Abseits geschossen wird. Möglicherweise trifft beides zu.

Bereits am 16. Juli 2015 hat crimsonalter tiefe Besorgnis bezüglich der Türkei geäußert. crimsonalter erstellt brillante Analysen und viele seine Prognosen pflegen sich zu bewahrheiten. Ein Indiz dafür, dass er genau die wichtigen Faktoren unter die Lipe nimmt. Der Türkei hat cromsonalter das „Ukraine-Syndrom“ diagnostiziert, welches sich zunehmend breitmache. Ein bettroffenes Land hat das Gefühl, geopolitisch unersetzlich zu sein und verhält sich entsprechend großspurig.

Türkei und Ukraine haben gemeinsam, sich an der Schnittstelle von großen geopolitischen Kräften zu befinden. Das hat zur Folge, dass man von allen Seiten und von den wichtigsten Ländern der Welt umworben wird. Man kann die damit verbundene Last leicht als Vorteil fehlinterpretieren und die Partnerschaften überstrapazieren.

Die Türkei ist für Russland, China, die USA und die EU ein bedeutender Partner. Die Türkei hat im Versuch, zwischen den Interessen der großen Partner zu lavieren, ihre Eigenständigkeit weitgehend bewahrt. Vielleicht ist ihr der Erfolg zu Kopf gestiegen.

Als crimsonalter seinen Artikel verfasste, stockte das spektakuläre Pipelineprojekt Türkisch Stream, welches den Gastransit von Russland in die EU von der Ukraine unabhängig und ein gutes Stückweit von der Türkei abhängig gemacht hätte. Statt diese sagenhafte Gelegenheit beim Schopf zu ergreifen und den Deal einzutüten, wollte die Türkei sich noch bessere Bedingungen aushandeln.

Gleichzeitig hat die Türkei ihren anderen großen Partner, China, vor den Kopf gestoßen, indem sie sich zur Schutzherrin einer muslimisch-uigurischen ethnischen Minderheit im Nordwesten Chinas ernannt hat. Chinas nordwestliche Provinz ist eine Problemzone, so ähnlich wie es der Kaukasus bei Russland war. Und wo immer ein großer Staat eine Problemzone hat, sind die USA mit ihren Menschenrechtsorganisationen vor Ort und schüren ethnische und religiöse Spannungen. Die Türkei hat sich leider diesem hässlichen Spiel angeschlossen. Sie hat sogar den chinesischen Botschafter einbestellt, um ihm eine Lektion über Menschenrechte zu erteilen und um auf ihre Unzufriedenheit bezüglich der angeblichen Verletzung der Rechte von Uiguren hinzuweisen. Und das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Türkei im chinesischen Seidenstraßenprojekt als Brückenkopf zwischen Europa und Asien eine sehr wichtige Rolle einnimmt.

Beide Projekte – Türkisch Stream und die Neuen Seidenstraßen – tragen zu wirtschaftlicher Integration Eurasiens bei. Es ist daher in Washingtons Interesse, beide Projekte zu sabotieren.

Angesichts der Tatsache, dass die Türkei es sich gleichzeitig mit Russland und mit China verscherzte, drängte sich der Verdacht auf, dass die Türkei entweder die Orientierung in strategischen Fragen oder aber ihre politische Unabhängigkeit verlor. Die Türkei ist auf russisches Gas und chinesische Investitionen angewiesen und kann beides nicht aus anderen Quellen ersetzen. Wenn man bei klarem Verstand ist und selbst entscheidet, was man tut, pinkelt man in so einer Situation nicht beiden Großmächten ans Bein.

crimsonalter schlussfolgerte, dass Erdogan schleunigst die Macht im Land wieder zentrieren sollte, wenn sein Land nicht ins Abseits geraten sollte. Es ist wichtig, wie diese Aussage formuliert ist: Sie unterstellt, dass Erdogan die Politik im eigenen Land nicht unter Kontrolle hat. Das stimmt auch. Die Türkei hat eine mächtige und sehr aktive, aus den USA gelenkte politische Kraft mitten in der Regierungspartei. Erdogans Partei AKP hat die Wahlen in diesem Jahr überraschend nicht gewinnen können – zufälligerweise nachdem Erdogan bei den USA in Ungnade gefallen ist. Äußere Kräfte rütteln von innen heraus an der Türkei und Erdogan hat alle Mühe, den Laden zusammen zu halten.

Erdogans Außenpolitik sieht eine Ausweitung des außenpolitischen Einflusses vor. Im Visier ist da nicht zuletzt Syrien. Einfluss über die Nachbarländer kann man dadurch vergrößern, dass deren Staatlichkeit reduziert oder gar zerstört wird. Nun waren die USA schon seit vielen Jahren dabei, die Staatlichkeit im Nahen Osten systematisch zu zerstören. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob das Vorgehen der USA der Türkei in die Hände spielt. Die Türkei hat sich der Arbeit der USA angeschlossen, hat sich als Logistikzentrum, Ausbildungsstandort, Erholungsort und Waffenlieferant von Terroristen und anderen „moderaten Oppositionellen“ zur Verfügung gestellt.

Strategisch war das keine gute Entscheidung. Das schlimmste daran ist nicht einmal, dass ein Pakt mit Terroristen an sich nach hinten losgehen kann. Das schlimmste für die Türkei ist, dass die USA seit 2006 öffentlich einen Kurdenstaat propagieren, was bei Erdogan gewisse Alarmglocken hätte zum läuten bringen müssen.

Die Mehrzahl der Kurden bevölkert ein Gebiet an der Schnittstelle von Türkei, Syrien, Irak und Iran. Kurdische Autonomiebestrebungen sind in der Türkei ein riesiges Pulverfass. Erdogan musste schon immer sehr viel Energie in das „Kurdenproblem“ investieren, um diese Bevölkerungsgruppe unter Kontrolle zu halten. Wenn in direkter türkischer Nachbarschaft ein unabhängiger Kurdenstaat entsteht, verschärft das das türkische Kurdenproblem zwangsläufig. Und zwar nicht zu knapp. Es bedroht die türkische Staatlichkeit, um genau zu sein.

Erdogan und seine Strategen müssen diese Gefahr gesehen haben, sie ist zu offensichtlich. Irgendwas hat sie glauben lassen, dass sie diese Gefahr meistern können. Oder irgendwelche Vorteile schienen noch größer als die Gefahr. Jedenfalls hat sich die Türkei von den USA zum Tanz bitten lassen.

Die Probleme der Türkei begannen nicht erst seit Russlands Militäreinsatz in Syrien. Die Unterstützung der Kurden in Irak und Syrien durch die USA und andere Partner (unter anderem auch Deutschland) war der Türkei durchgehend ein Knochen im Hals und hat andauernd für diplomatische Spannungen gesorgt, Einbestellung des US-Botschafters inklusive. Die türkischen Militäroperationen in Syrien, offiziell gegen den IS gerichtet, trafen in Wirklichkeit fast nur die Kurden. Jeder weiss das, aber die westlichen Partner pflegten das Tuch des Schweigens darüber auszubreiten. Dabei sind die Kurden in Syrien praktisch die einzige große Gruppierung, die neben der regulären syrischen Armee gegen den IS kämpft.

Man könnte meinen, dass es eine paradoxe Situation ist. Während die einen Koalitionspartner die Kurden bewaffnen und ausbilden, werden die Kurden von einem anderen Koalitionspartner zerstört. Vor allem scheint es die Koalition nicht sonderlich zu stören. So paradox ist das aber nicht in einer Situation, in der jeder Koalitionspartner seine eigenen Terroristen in Syrien heranzüchtet und pflegt. Wenn Syrien endgültig zerstört ist, will jeder Koalitionspartner sich ein möglichst großes Stück davon von seinen Terroristen abschneiden lassen. Da in der US-Koalition ausnahmslos alle an diesem Drecksspiel beteiligt sind, kann auch niemand mit dem Finger auf einen anderen zeigen und sich öffentlich beschweren, weil postwendend analoge Anschuldigungen zurückkämen.

In dieser Situation taucht plötzlich Russland auf und verändert die Spielregeln komplett. Der Staat Syrien soll erhalten bleiben, die Terroristen werden eliminiert. Jahrelange türkische Investitionen in den IS und andere Oppositionelle drohen zu einem Totalverlust zu werden. Während im Westen die Zeichen der Zeit erkannt werden und alle fieberhaft daran arbeiten, sich in der veränderten Lage neu zu positionieren (bitte nicht verwechseln mit „plötzlich Moral entdecken“), bleibt die Türkei stur. Vielleicht weil die Türkei am tiefsten drin steckt. Weil es die türkische Grenze ist, über die der IS mit allem versorgt wird, was er zum Leben braucht. Weil es die Türkei ist, die einen lukrativen Ölhandel mit dem IS betreibt. Es hat auch damit zu tun, dass im Gegensatz zum Westen die türkische Spitze dem IS ideologisch nahe steht.

Während Russland schon mitten drin ist im Krieg gegen den IS, fordert Hakan Fidan, der Chef des türkischen Geheimdienstes MIT, dass man den IS als Realität anerkennen und akzeptieren müsse. Fidan plädiert dafür, ein IS-Konsulat in der Türkei zu eröffnen. Er wendet sich übrigens explizit an die westlichen Partner, die er aufruft, Russlands Pläne zur Unterdrückung der islamischen Revolution in Syrien zu vereiteln. Ein türkischer Staatsbeamter von ganz oben positioniert sein Land damit für den IS, gegen Russland, und im Spannungsverhältnis zum Westen. Mit dem IS gegen den Rest der Welt ist nichts anderes als eine geopolitische Isolation. Welche Drogen haben die türkischen Entscheider bei der Wahl dieser Strategie genommen? Eine alternative Erklärung ist, dass sie nicht Drogen, sondern große Geldsummen von gewissen Geheimdiensten eingenommen haben.

Die türkische Isolation hat sich noch verschlimmert, nachdem Russland ein paar diplomatische Fesseln abgelegt hat und nicht nur Militärziele, sondern auch die Wirtschaftsbasis des IS bombardierte. Frankreich schwenkte offen auf Russlands Seite. Jetzt kullerten die türkischen Pläne schon richtig den Bach herunter. Sollte die abgeschossene russische Su 24 die NATO-Staaten wieder auf türkische Seite ziehen, wie Pepe Escobar meint? Das ist eine plausible Erklärung. Sie reiht sich ein in die türkischen Versuche, den Westen gegen Russlands Koalition zu positionieren.

Aber wenn man als NATO-Mitglied ein russisches Flugzeug grundlos und provokativ abschießt, vergewissert man sich doch vorher, dass es von den Partnern korrekt aufgenommen wird? Es scheint sehr unwahrscheinlich, dass die türkische Spitze die möglichen Folgen ihrer Provokation nicht durchgespielt hat. Es scheint sehr unwahrscheinlich, dass die türkische Spitze bereit ist, für den IS in eine geopolitische Isolation zu geraten. Das steht in überhaupt keinem Verhältnis zu dem, was die Türkei in Syrien gewinnen kann.

Dass die türkische Spitze blöd geworden ist, ist eine denkbare Erklärung für das, was gerade geschieht. Aber das ist keine gute Erklärung. In der großen Politik ist man nicht blöd, sonst wäre man nicht dort. Wenn es von außen nach Blödheit aussieht, dann sieht man die wahren Gründe noch nicht.

Welche plausiblen Gründe kommen noch in Betracht? Verrat. Äußere Einflüsse. Die Türkei ist kein US-Vasall wie Deutschland, aber wenn es jemanden gibt, der die Türkei lenken kann, dann sind es die USA. Und zufälligerweise sind die strategischen Fehler der Türkei ganz im Sinne der USA.

Türkisch Stream vor dem Aus, China erzürnt, jetzt offene Konfrontation mit Russland begonnen. Je stärker der Konflikt zwischen Türkei und Russland, desto besser für die USA. Teile und Herrsche. Lasse die anderen gegeneinander kämpfen und wenn sie ausgeblutet sind, kommst du als Schlichter ins Spiel und nimmst beide unter Kontrolle. Denken Sie auch an Stratfors Ansage: Die Konfliktherde in Eurasien sind noch nicht verschmolzen. Den USA kann es völlig egal sein, welcher Funke den Großbrand entzündet. Ob es Terror in Paris oder ein Angriff auf Russland ist oder andere Aktionen, die in Zukunft noch kommen werden. Hauptsache, Eurasien brennt.

Die USA hoffen, dass Russland emotional reagiert. Wie naheliegend ist es doch, wenn Russland die Kurden mit netten Spielzeugen versorgt, damit die Kurden den Türken einheizen können. Das wäre eine tolle Möglichkeit, die gefallenen russischen Soldaten zig-fach zu rächen, ohne einen offenen Krieg gegen die Türkei zu beginnen, nicht wahr? Nein, das wäre keine gute Idee. Mit solchen Vergeltungsaktionen würde Russland US-Ziele befördern: Instabilität im Nahen Osten vermehren und zur Entstehung eines Kurdenstaats beitragen.

Wir sind Zeuge eines wahrhaft grandiosen diplomatischen Thrillers. Russland muss reagieren. Erdogan darf nicht einknicken, weil es ihn die ohnehin fragile Stabilität im Inneren kosten könnte. Beide Seiten müssen ihr Gesicht wahren in einer Situation, in der eigentlich nur einer das Gesicht wahren kann. Beide Seiten sind sich bewusst, dass ihre Konfrontation ihnen beiden schadet und den USA nützt.

Was in dieser Situation kommen muss, ist ein diplomatischer Tanz auf der Rasierklinge. Er ist schon in vollem Gange.

Der Westen wirft die Türkei Russland zum Fraß vor. Alle haben sich von der Türkei distanziert. Der Köder für Russland ist ausgelegt. Russland und Türkei wetzen verbal die Messer. Allerdings ist Russlands Spitze weder durch Drogen vernebelt noch verblödet noch von den USA kontrolliert. Die russische Spitze sieht sehr genau, welche Falle ihr gebaut wurde. Was wird Russland tun?

Russland wird die Türkei natürlich bestrafen. Öffentlichkeitswirksam. Aber wirtschaftlich vermutlich in einem erträglichen Ausmaß. Türkeis Dummheit soll sich nicht zu einem langen Konflikt auswachsen.

Russland wird vor allem seine Position im Nahen Osten extrem stark ausbauen. Der Abschuss der Su 24 löst noch mehr diplomatische Fesseln. Wenn man sieht, was Russland jetzt in Syrien macht, dann ist klar, dass bis hierhin alles nur eine Anti-Terror-Operation war. Jetzt ist es richtiger Krieg. Russland hat den syrischen Luftraum faktisch geschlossen für all jene, die Russland nicht wohl gesonnen sind. Russland wird die türkisch-syrische Grenze schließen und sämtliche Lieferungen an den IS zum Versiegen bringen. Die international nunmehr isolierte Türkei kann jetzt nichts dagegen machen.

Seit Wochen verhandeln Russland und USA hart darum, welche Gruppen in Syrien als Terroristen und welche als moderate Opposition einzustufen sind. Viel mehr terroristische Banden werden jetzt auf der richtigen Seite der Liste landen. Wenn sie überhaupt so lange überleben, wie die Verhandlungen um ihren Status andauern.

Was wird die Türkei tun? Wenn sie klug ist, wird sie ihre Strategen enthaupten und die politische Spitze von Verrätern befreien. Der Konflikt mit Russland kann am einfachsten beigelegt werden, wenn Erdogan sich öffentlich entschuldigt. Außenpolitisch wäre das der Weg der effizientesten Schadensbegrenzung. Schadensbegrenzung ist auch das beste, worauf die Türkei derzeit hoffen kann. Wenn die Türkei nicht klug ist, isoliert sie sich weiter. Das wäre der Weg der Schadensmaximierung.

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6 Kommentare zu “Türkei gerät ins Abseits
  1. SecurityScout sagt:

    Sehr guter Beitrag!
    Danke!

  2. Thomas sagt:

    Sehr viel Wahres, danke schön. Crimsonalter finde ich übrigens auch beeindruckend. Eine Frage nur: warum wäre denn ein Kurdenstaat so falsch? Glauben Sie wirklich, dass der superschwache Irak die Staatsbildung noch verhindern kann?

    • Analitik sagt:

      Ich bewerte nicht, ob ein Kurdenstaat falsch wäre. Ich stelle nur fest, dass seine Gründung den Nahen Osten destabilisieren würde. Warum ist das so?

      1. Egal, wie groß und wo genau ein Kurdenstaat entsteht, er stärkt die benachbarten Kurdenregionen dramatisch. Sagen wir, im Norden Iraks wird der Kurdenstaat ausgerufen, der Westen akzeptiert ihn und legalisiert ihn damit. Die syrischen, türkischen und vielleicht auch die iranischen Kurden sagen dann sofort: Wir wollen den Anschluss! In zwei bis drei zentralen Nahost-Staaten rumort es dann viel mehr als vorher.

      2. Wenn man einen Kurdenstaat gründet, wo zieht man seine Grenzen? Klar, irgendwo gibt es Kurdengebiete, wo Kurden die große Bevölkerungsmehrheit darstellen. Aber am Rand gibt es fließende Übergänge. Wo setzen Sie bei einem fließenden Übergang das Skalpell an? Wenn sie es eng am kurdischen „Zentrum“ ansetzen, bleiben viele Kurden außerhalb und unzufrieden – Instabilität an den neuen Grenzen vorprogrammiert. Wenn Sie die Grenzen großzügiger ziehen, geraten immer mehr nicht-kurdische Ethnien in den neuen Staat. Die wollen das aber gar nicht. Instabilität ist auch bei dieser Variante vorprogrammiert.

      3. Syrien und Irak sind als Staaten so aufgeweicht, dass sie sich nicht effektiv wehren könnten. Aber die Türkei gerät auch zwangsläufig in den Sog der kurdischen Instabilität, wenn ein Kurdenstaat gegründet wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Türkei bei so einem Ereignisverlauf explodiert oder implodiert, ist nicht klein. Dann hat die EU eine zweite Ukraine an ihrer Grenze, aber in noch größerem Maßstab.

      4. Wenn die Kurden einen eigenen Staat wollen, steht sofort eine Reihe weiterer Ethnien Schlange, die sagt: Wenn die Kurden einen eigenen Staat bekommen, wäre es nur gerecht, wenn wir auch einen eigenen Staat bekommen. Die Gründung eines Kurdenstaates wäre ein Präzedenzfall, der allen separatistischen Bewegungen den Rücken stärken würde. Gruppen, die heute zufrieden scheinen, würden nach dem Präzedenzfall halblaut rumoren. Gruppen, die heute nur halblaut rumoren, wären nach dem Präzedenzfall bereit, mit Waffengewalt für die ihnen zustehende Unabhängigkeit zu kämpfen.

      Ob richtig oder falsch – ein neu gegründeter Kurdenstaat würde enorm viel Wirbel im Nahen Osten entfachen. Blutigen Wirbel, versteht sich.

  3. Thomas sagt:

    Ich verstehe Sie, würde dazu nur hinzufügen.
    1. Das Kurdenproblem ist schon alt. Die heutige Situation ist immer noch Folge (70 Jahre) des 2.WK, der eingefrorenen Ergebnisse (Grenzziehungen)einer völlig anderen Zeit, das Erbe der Kolonialdenkweise sozusagen.
    2. Gelöst werden müssen die Probleme sowieso irgendwann und niemand denkt, dass das leicht werden wird.
    3. Rund um die Ukraine, die Türkei und im Großen Nahen Osten gibt es viele solche ungelösten Territorialprobleme. Wenn die Nordamerikaner in wenigen Jahren Ausgehverbot haben wird sich die multipolare Welt dazu verständigen. Darunter wird es nicht gehen. Danke nochmal und Grüsse…

    • sw sagt:

      Kurden“Problem“
      nicht 70 Jahre und 2.Weltkrieg sondern 1.Weltkrieg – Sykes-Picot-Abkommen und 1916. Also praktisch 100 Jahre.

  4. raw sagt:

    Wie immer vielen Dank für die tollen Analysen! 🙂