Angela Merkel – Die Unerwartete

Am 16. Dezember 2016 lief auf arte die Dokumentation „Angela Merkel – Die Unerwartete“. Hand hoch, wer die gesehen hat.

Später lief auf ard oder zdf eine gekürzte Fassung.

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Prognosen für 2017

Prognoseversuche für 2016 habe ich mit Kasino verglichen. 2017 ist noch schlimmer. Das liegt daran, dass wir Ende 2016 die Phase des maximalen Chaos (im Laienverständnis, Chaos = nix kapieren) betreten haben. Die alte Weltordnung ist zerstört worden, die neue Weltordnung wird jetzt geschmiedet werden. Die alte Weltordnung war stabil, die neue wird es auch sein. Aber der Übergang zwischen zwei Zuständen ist immer das Instabilste, in der Wahrnehmung der Menschen das Chaotischste. In der Übergangsphase werden viele Weichen gestellt. In der Übergangsphase gibt es die meisten und die radikalsten Veränderungen. Wir haben die Übergangsphase betreten. Wie der Zufall es will, werden 2017 Wahlen in Frankreich und Deutschland abgehalten. Die Unberechenbarkeit der ohnehin schwer durchschaubaren Situation wird dadurch nur vergrößert. Kleine Ereignisse können sehr große Auswirkungen haben.

Wie soll man im Chaos Prognosen aufstellen? Nun, Chaos ist in Wirklichkeit bestens geordnet und alles Geschehen unterliegt strengen Gesetzmäßigkeiten. Die Komplexität ist zwar sehr hoch, aber es gibt keine Unordnung im Chaos. Man muss die Komplexität verstehen, dann erkennt man die Ordnung im Chaos. Ich werde das versuchen und in einem Jahr werden wir sehen, wie gut es mir gelungen ist. Beachten Sie, dass gleich keine Berichterstattung folgt. Was gleich folgt, ist ein Test, dessen Ergebnis wir erst nach einem Jahr kennen werden.

Grob und wesentlich:

  • Die Welt wird multipolar werden. 2017 werden wir uns dem ein gutes Stück annähern. Ich weiss nicht, woran genau man das erkennen wird, aber es wird eindeutige Schritte geben.
  • Im Rahmen eines „Jalta 2.0“ Vertrages werden die Grundzüge der multipolaren Weltordnung festgezurrt. Jalta 2.0 ist natürlich nur eine metaphorische Bezeichnung. Da es sich dabei um einen Hinterzimmervertrag handeln wird, müssen wir Bürger nicht darüber unterrichtet werden. An den Taten werden wir es erkennen können, vielleicht schon gegen Ende 2017.
  • Die Achse Paris-Berlin-Moskau-Peking wird sich weiter festigen. Das heißt, Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok wird kommen. Noch nicht 2017, aber 2017 wird es näherkommen.

Feiner:

  • Trump wird einen Haufen Leute aus dem Fahrstuhl werfen. Das heißt, der Machtkampf der US-Eliten (nationales vs transnationales Oligarchat) wird sich weiter zuspitzen und richtig brutal werden.
  • 911 ist der wahrscheinlichste Anlass, um den Fahrstuhl zu säubern. Andere Anlässe sind auch denkbar. Wir können uns auf jeden Fall auf einen riesigen Skandal freuen. (Wenn es 911 ist, dann bedeutet es, dass Trump in einen Vernichtungskrieg zieht.)
  • Es werden ganz große Köpfe rollen. Also formal-juristisch auf der Anklagebank sitzen. Möglicherweise vor einem (internationalen) Tribunal.
  • Bürgerkriegsähnliche Zustände und Versuche einer farbigen Revolution in den USA sind möglich. Wenn, dann werden diese Versuche erfolglos sein und Trump bzw. sein Lager werden dadurch nur gestärkt. Metaphorisch: Feuer in den USA möglich, aber kein Großbrand.
  • Globale Finanzkrise. Trumps Feinde haben sowohl die Mittel als auch das Motiv, um die Blase platzen zu lassen.
  • Russland und USA zerstören gemeinsam den IS. Großer gemeinsamer Sieg über den Terrorismus, Trump zieht die USA gesichtswahrend aus dem Nahen Osten heraus.
  • Das Dreieck Moskau-Ankara-Teheran wird das beherrschende Element des Nahen Ostens. Alles andere im Nahen Osten wird sich an diesem Dreieck orientieren müssen.
  • Über Israel ziehen ganz düstere Wolken auf. Keine Ahnung, was genau passieren wird, aber irgendwas wird passieren. Die UN wird gegen Israel agieren. Das Geheul wird riesig sein. Das Geheul wird nicht helfen.
  • Schmutziges Spiel im entscheidenden Kampf um die neue Weltordnung. Terrorakte, Morde, abgestürzte Flugzeuge, gesunkene Schiffe, Explosionen, lauter ekelhafte Sachen. Die unsichtbare Krake gibt im Todeskampf noch mal alles.
  • Allerdings kein großer Krieg. Die neue Weltordnung wird ohne dritten Weltkrieg ausgehandelt.
  • Merkel fährt einen Antiflüchtlingswahlkampf, der die AfD neidisch macht, und gewinnt damit. Falls Merkel zusätzlich einen russophoben Wahlkampf führt (Putin hackt unsere Wahlhelfer usw.) und die SPD laut für die Verbesserung der Beziehungen zu Russland trommelt, dann verliert Merkel.
  • In Frankreich wird Fillon neuer Präsident.
  • Die EU wird gemäß den Ansagen transformiert. Das heißt, es geht mehr oder weniger weit in die beschriebenen Richtungen.
  • Die UN wird ein neues Gesicht zeigen.
  • Freiwillige Koalitionen an der UN vorbei wird es nicht mehr geben.
  • Die UN wird transformiert werden. 2017 erleben wir den Beginn dieses Prozesses. Regeln werden neu geschrieben. Neue Regeln werden dazukommen.
  • Die NATO wird einen Knacks erleben. Schrumpfung der NATO in Richtung ihrer alten Grenzen wird zumindest offen diskutiert.
  • Eurasische Sicherheitsstruktur mit Beteiligung Russlands und der EU wird Gesprächsthema.
  • Neue Weltwährung (als Ersatz für den scheidenden Dollar) wird offenes Gesprächsthema.

Und zuletzt:

  • Es werden große Ereignisse geschehen, die in meiner Liste so gar nicht auftauchen…

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Mein Tipp an alle für 2017: Panik einstellen und Lösungen suchen. Der Kapitalismus hat der Menschheit seinen Dienst erwiesen, aber die Zeit des Kapitalismus neigt sich dem Ende zu. Wir erkaufen uns Zeit, indem wir Trillionen Euro und Dollar drucken, die weiss Gott wo versickern. So wahrnsinnig viel Zeit können wir uns mit solchen faulen Tricks aber nicht erkaufen. Wir brauchen eine wirtschaftliche Organisationsform, die nicht von ewigem exponentiellem Wachstum ausgeht und die nicht auf solches angewiesen ist. Wir werden eine solche Organisationsform finden, daran besteht kein Zweifel. Die Frage ist nur, wie leicht wir sie finden und wie viel Leid wir beim Übergang erfahren. Wir können durch blinde Suche zum Ziel kommen und uns dabei Köpfe und Knie blutig schlagen an unsichtbaren Ecken und Kanten. Oder wir können Verstand und Kreativität einsetzen, gezielt und bewusst suchen und ohne großen Schaden ans Ziel kommen. Suchen Sie nach Lösungen. Wie sieht eine Wirtschaft aus, bei der Maschinen immer mehr Arbeiter überflüssig werden lassen, alle Menschen dennoch sinnvoll beschäftigt sind, die Menschen sich dabei weiterhin in Konkurrenz messen und dabei gewinnen und verlieren können, wobei extremer Reichtum und extreme Armut ausgeschlossen werden? Das ist die Frage aller Fragen, die jetzt alle Menschen beschäftigen sollte. Wir als Menschheit werden eine Antwort finden. Sie als Mensch entscheiden mit, wie schnell und schmerzlos uns das gelingt. Es kommt nicht darauf an, dass Sie die Lösung finden, es kommt darauf an, dass wir alle danach suchen – dann wird irgendwer die Lösung finden. Denken Sie in großem Maßstab. Wir brauchen ein neues Fundament, eine neue Wirtschaftsordnung.

Kommentare sind freigeschaltet, falls Sie eigene Prognosen aufstellen wollen. Es gilt die Kriegsregel, die sich zuletzt bewährt hat: Ihr Kommentar wird gelöscht, es sei denn, ich entscheide mich aus irgendwelchen Gründen für die Freischaltung. Leser, die letztes Jahr Prognosen abgegeben haben und ihre eigenen Prognosen hier nicht reflektiert haben, werden von mir besonders streng behandelt, wenn sie unter diesem Beitrag erneut Prognosen schreiben. Prognosieren ohne Reflektieren ist unartig.

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Ein Tribunal schwebt in der Luft

Das russische Verteidigungsministerium in einer Stellungnahme am 4. Januar:

Das russische Verteidigungsministerium kommentiert die Behauptung von CIA-Direktor John Brennan über die angebliche Verwendung der „Taktik der verbrannten Erde“ von Russland in Syrien:

Je näher die Ablösung der heutigen US-Administration rückt, desto mehr Röcheln hören wir von vielen russophoben Versagern [aus der US-Administration] in ihren Schwanengesängen. CIA-Direktor John Brennan sollte, bevor er über die angebliche Verwendung der „Taktik der verbrannten Erde“ von Russland in Syrien schwadroniert, die für die USA unmöglich wäre, sich lieber die Entstehungsgeschichte dieser Bezeichnung in Erinnerung rufen. Anfangen sollte er mit der Verwendung von Atombomben durch die US-Luftwaffe in Japan, wodurch Hiroschima und Nagasaki ausgelöscht wurden und über 200 Tausend Menschen den Tod fanden.

Weiter sollte er sich an die neunjährige Operation „Ranch Hand“ erinnern, die von 1962 bis 1971 von den USA in Laos und Vietnam durchgeführt wurde  und bei der die US-Luftstreitkräfte mehr als Hundert Tonnen des Entlaubungsmittels „Agent Orange“ über diese beiden Länder ausschütteten und damit tatsächlich alles Lebendige dort verbrannten. Für dieses schwerste Kriegsverbrechen wurde übrigens bis heute niemand in den USA zur Verantwortung gezogen.

Wir erinnern außerdem daran, dass die von den USA mit Hilfe von falschen Angaben der CIA entfachten größten Kriege der letzten Jahrzehnte in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen, überall mit der Zerstörung der wirtschaftlichen Infrastruktur dieser Länder durch die US-Luftstreitkräfte begannen, fortgeführt wurden und endeten. Und es ist kaum dem Zufall geschuldet, dass für die Aufträge zur Wiederherstellung der größten wirtschaftlichen und Infrastruktur-Objekte sonderbarerweise immer CIA- und Pentagon-nahe größte US-Konzerne an den vordersten Plätzen Schlange standen.

Und zum Schluss, was Syrien angeht. Dem scheidenden CIA-Direktor Brennan ist wohl bekannt, wie die „Internationale Koalition“ schon seit 2012 methodisch und konsequent die gesamte wirtschaftliche Infrastruktur Syriens zerstörte, um die legitime Regierung weitestmöglich zu schwächen, ungeachtet aller Strapazen für die Zivilbevölkerung, was in der Konsequenz in millionenfachen Flüchtlingsströmen endete. Das war lange vor dem Einsatz der russischen Luft- und Weltraumkräfte.

Auf wundersame Weise blieben nur die vom IS eroberten Objekte der Ölförderung von den Luftschlägen der USA und ihrer Koalition verschont, was den Rebellen monatliche Einnahmen in Höhe von Dutzenden Millionen Dollar durch illegalen Ölverkauf einbrachte und ihnen die Möglichkeit gab, mit diesem Geld weltweit Söldner anzuwerben.

Früher oder später wird sich jemand dafür verantworten müssen. Deshalb wird der Versuch von Herr Brennan, mit seinen Äußerungen seinen Hintern zu decken, kaum die Rettung bringen.

Über die realen Ergebnisse des russischen Einsatzes in Syrien ist John Brennan gut informiert. Diese haben wir speziell für die CIA und andere Geheimdienste im Rahmen des abschließenden Kollegiums des russischen Verteidigungsministeriums herangetragen. Aber das wichtigste Ergebnis ist, dass ohne die heutige US-Administration (genauer gesagt – ohne die CIA) es gemeinsam mit Iran und der Türkei erstmals gelungen ist, ein Waffenstillstandsabkommen mit der syrischen Opposition zu erreichen, welches seit dem 30. Dezember in Kraft getreten ist; sowie die Vorbereitungen für Verhandlungen in Astana zur Beilegung des syrischen Konflikts einzuleiten.

Zur Information:

Mit der Unterstützung der russischen Luft- und Weltraumkräfte wurden 12360 Quadratkilometer syrisches Territorium und 499 Siedlungen von Rebellen befreit.

725 Trainingslager, 405 Fabriken und Werkstätten zur Herstellung von Munition, anderthalb Tausend Einheiten Militärtechnik in der Hand von Terroristen, 35 Tausend Rebellen, unter ihnen 204 Feldkommandeure, wurden eliminiert.

448 Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge, 57 Raketenwerfer und 418 selbstgemachte Raketenwerfer, 410 Granatwerfer und mehr als 28000 Schusswaffen der Rebellen wurden sichergestellt. 26853 explosionsfähige Gegenstände wurden auf 1420 Hektar Fläche entschärft.

Dutzende Tonnen humanitäre Hilfe, Medikamente und dringender Alltagsgegenstände wurden nach Syrien geschafft und der Bevölkerung übergeben. Den russischen Hilfslieferungen haben sich die UN, Armenien, Weissrussland, Serbien, Indien, China und Kasachstan angeschlossen.

Übersetzung von mir.

Die Mitteilung spricht für sich. Ich möchte auf ein Detail hinweisen: „Früher oder später wird sich jemand dafür verantworten müssen. Deshalb wird der Versuch von Herr Brennan, mit seinen Äußerungen seinen Hintern zu decken, kaum die Rettung bringen.“ Das klingt wie die zarte Ankündigung eines Tribunals. Und Brennan wird schon mal persönlich ein Platz auf der Anklagebank versprochen. Wenn Russland so offen damit droht, dann weiss es vielleicht etwas, was der Öffentlichkeit noch verborgen ist…

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Asymmetrische Diplomatie

Obama hat kurz vor dem Jahreswechsel 35 russische Diplomaten ausgewiesen.

Üblicherweise wird sowas symmetrisch gekontert, indem das betroffene Land eine ähnliche Zahl von US-Diplomaten ausweist. Auge um Auge sozusagen.

Putin hat sich allerdings persönlich in die Angelegenheit eingemischt und beschlossen, es nicht den USA gleich zu tun. Stattdessen hat er die Kinder aller US-Diplomaten in den Kreml zur Neujahrsfeier eingeladen.

Was hat Putin mit dieser asymmetrischen Antwort bewirkt? Nun, Obama ist der Böse, der ausländische Diplomaten ausweist. Und Putin ist der Gute, der sich nicht provozieren lässt, sondern im Gegenteil, Güte zeigt. Unsere Medien hätten das gern verschwiegen, aber das Problem ist, dass Trump höchstpersönlich via Twitter darauf aufmerksam gemacht hat und Putin als „very smart“ lobte.

Hier Putins Mitteilung in der offiziellen englischen Übersetzung:

We regard the recent unfriendly steps taken by the outgoing US administration as provocative and aimed at further weakening the Russia-US relationship. This runs contrary to the fundamental interests of both the Russian and American people. Considering the global security responsibilities of Russia and the United States, this is also damaging to international relations as a whole.

As it proceeds from international practice, Russia has reasons to respond in kind. Although we have the right to retaliate, we will not resort to irresponsible ‘kitchen’ diplomacy but will plan our further steps to restore Russian-US relations based on the policies of the Trump Administration.

The diplomats who are returning to Russia will spend the New Year’s holidays with their families and friends. We will not create any problems for US diplomats. We will not expel anyone. We will not prevent their families and children from using their traditional leisure sites during the New Year’s holidays. Moreover, I invite all children of US diplomats accredited in Russia to the New Year and Christmas children’s parties in the Kremlin.

It is regrettable that the Obama Administration is ending its term in this manner. Nevertheless, I offer my New Year greetings to President Obama and his family.

My season’s greetings also to President-elect Donald Trump and the American people.

I wish all of you happiness and prosperity.

Dieser diplomatische Schachzug hat mehrere Vorteile. Erstens zeugt es von Größe, was nicht nur für die PR nach außen wichtig ist, sondern auch in Russland sehr positiv aufgenommen wurde. Zweitens übernimmt Putin damit die Initiative. Statt nach den Regeln zu spielen, die Obama ihm aufdrängen wollte, stellt Putin eigene Regeln auf. Er lädt die Kinder der US-Diplomaten ein. Damit versetzt er, drittens, die US-Diplomaten in eine Zwickmühle. Sie können die Einladung annehmen, womit sie sich einverstanden erklären, nach Putins Regeln zu spielen. Oder sie können die Einladung ablehnen und damit schlechte Manieren und Unhöflichkeit demonstrieren. Wie auch immer sie reagieren, es ist gut für Russland. Viertens verhindert Putin eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und den USA. Fünftens lässt Putin Obama dumm dastehen und spielt Trump einen Ball zu, den dieser dankend annimmt und verarbeitet.

Das ist die asymmetrische Putin-Diplomatie. Er macht das dauernd. Im Westen versucht man die Bürger möglichst wenig darüber zu informieren. Putin soll in den Zombieköpfen der böse Rüpel sein. In diesem Fall kamen die Medien nicht daran vorbei, weil Trump es ihnen vermasselt hat. Putins Reaktion hätte man sonst einfach verschwiegen, so wie die Medien auch sonst möglichst viel über seine wahren Worte und Taten verschweigen. Achten Sie einmal darauf, wie wenig Putin im Wortlaut zitiert wird. Er ist in den Medien täglich in aller Munde, aber er wird fast überhaupt nicht wörtlich zitiert. Das hat einen Grund. Es würde Sie nämlich aus der Matrix herausreißen.

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Nachtrag, 05.01.2017: Ein Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Mitteilung von Putin bereits eine deutsche Übersetzung hat.

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Das Overton-Fenster der Flüchtlingskrise

Silvester in Köln wurde zum Kristallisationspunkt der Flüchtlingskrise in Deutschland. In Köln kam das Problem zum Ausdruck, hier durchbrach es das Schweigegebot der politischen Korrektheit. Wenn man seinen Unmut über Flüchtlinge äußern will, muss man es nur mit Silvester in Köln in Verbindung bringen, dann geht fast alles.

Politik und Medien unterstützen das. In diesem Jahr wurde der Polizeieinsatz in Köln zum nationalen Topthema. Schaut her, wie tatkräftig wir gegen die negativen Seiten der Flüchtlingskrise vorgehen. Die Medien verkünden, dass Männer afrikanischen Aussehens kontrolliert wurden. Die Polizei hat das per Twitter verkündet. Merken Sie es? Wir kontrollieren die Flüchtlinge, weil sie wie Flüchtlinge aussehen. Das mag begründet sein oder nicht, das ist an dieser Stelle gar nicht der Punkt. Beachten Sie den Effekt. Die politische Korrektheit bezüglich der Flüchtlinge erleidet einen weiteren schweren Schlag. Die Flüchtlinge werden öffentlich als Sondergruppe anerkannt, die polizeiliche Sonderbehandlung verdient. Der Effekt wird verstärkt, indem die Polizei – oh wie unachtsam – öffentlich von „Nafris“ spricht und damit – oh, wie unbedacht – öffentliche Diskussionen lostritt, ob das denn geht. Im Staatsradio wird berichtet, dass das Volk viele Zusendungen zum Thema macht und sich mehrheitlich auf die Seite der Polizei schlägt. Spüren Sie, wie ein gesellschaftlicher Konsens entsteht, dass man Flüchtlinge besonders behandeln kann? Wir sind über das Stadium hinweg, wo man flüchtlingsbezogene Probleme ansprechen darf. Wir sind uns inzwischen einig, dass wir auf diese Probleme mit besonderen Taten reagieren dürfen.

Betten wir diese Beobachtungen in Kontext ein. Es ist noch kein Jahr her, dass besorgte Bürger mir in den Kommentaren versicherten, dass Merkel die Flüchtlingskrise nicht unter Kontrolle hat und politisch daran scheitern wird. Meine Meinung dazu von vor fast einem Jahr, als das Kölner Silvester-Trauma der Deutschen ganz frisch war, sich Bürgerwehren organisierten und die Panikmacher schon das baldige Ende des deutschen Staates ganz ganz sicher kommen sahen:

Es wird funktionieren. Es wird auch deswegen funktionieren, weil die Führung tatsächlich nicht vollends von den Bürgern abgekoppelt ist. Sie mutet den Bürgern viel zu, aber es ist ein kontrollierter Prozess. Der Staat erkennt sehr wohl, wo die Schmerzgrenze erreicht ist und steuert dann dagegen. Der deutsche Staat hat auch noch alle Mittel dazu. Die Polizei ist keineswegs machtlos gegenüber den Flüchtlingen. Sie hat einfach die Anweisung, nichts zu tun. Es braucht nur eine anderslautende Anweisung, damit die Polizei hart durchgreift. Für die Medien gilt das Gleiche.

(…)

Noch hat der deutsche Staat die Situation unter Kontrolle. Man sieht es daran, wie er die Situation steuert. Die Bürger bekommen das nicht mit, aber das ist auch nicht ihre Aufgabe.

Ich sehe noch keine kritische Grenze erreicht. Der Staat hat noch viel Spielraum.

Spüren Sie den Spielraum? Spüren Sie, wie die Regierung den Spielraum langsam, aber sicher vergrößert? Nur noch ein paar Monate und die Regierung steht für die volle Bandbreite der Reaktionen auf die Flüchtlinge: Von gnädiger Hilfe bis zur schonungslosen Abschiebung. Das Volk wird es danken. Die Opposition wird beim Thema Flüchtlingskrise keine Punkte sammeln können. Von Gutmütigkeit bis Härte wird die Regierung schon alle Positionen für sich beanspruchen.

Und wir haben endlich einen Anlass, um das schon mal in den Kommentaren zur Sprache gekommene Overton Window einzuführen! Das ist ein Modell von Joseph Overton und es besagt, dass es in einer Gesellschaft zu einem bestimmten Thema ein akzeptiertes Meinungsspektrum gibt – das Meinungsfenster. Dieses Fenster kann man verschieben und damit die öffentliche Meinung beeinflussen. Genau das erleben wir. Am Beispiel der Flüchtlinge in Deutschland nehmen wir drei Aussagen:

  • Flüchtlinge verdienen unbedingt unser Mitgefühl und unsere Hilfe
  • Flüchtlinge begehen Straftaten und verdienen nicht nur Mitgefühl
  • Flüchtlinge verdienen Sonderbehandlung und Strafen für ihre Straftaten

Ende 2015 war die politische Korrektheit Herr im Haus und nur die erste Aussage durfte öffentlich verbreitet werden. Dann kam Silvester in Köln. Das verschob das Overton-Fenster und die zweite Aussage wurde salonfähig. Die dritte aber noch nicht so richtig. Jetzt, erneut nach Silvester in Köln, ist die dritte Aussage auch salonfähig. Und die erste schon nicht mehr. Das ist ein gezielt gesteuerter Prozess. Die PR-Mitarbeiter der Polizei platzieren doch nicht zufällig „Nafris“ in ihrem Tweet. Sie machen das bewusst, um das Overton-Fenster zu verschieben. Die unangenehme Sonderbehandlung, die wir den Flüchtlingen von jetzt an angedeihen lassen können, verankern wir auch verbal. Ein Kanal für die Bürgeremotionen.

Das Meinungsfenster kann und wird auch weiter geschoben werden. Der nächste Punkt könnte sein:

  • Flüchtlinge verdienen vorsorgliche Abschiebung

Und dann wählen die AfD-Wähler von gestern morgen schon Merkel und die CDU. Weil Merkel und die CDU das Overton-Fenster verschieben und sich dafür feiern lassen werden. Es liegt nicht in unserer Hand, wenn wir wie Schafe sind, verstehen Sie? Man kann in uns mit den passenden Bildern beliebige Emotionen wecken. Wenn wir keinen Verstand haben, der über den Emotionen steht, sind wir genauso gut lenkbar wie Schafe.

Wenn Putin und Trump Merkel satt haben und die SPD als neue Regierungsmacht haben wollen, dann müssen sie nur weiter Gerüchte über Deutschland im Würgegriff russischer Hacker streuen, um der CDU russophobe Themen aufzuzwingen. Die SPD muss das so weit es geht aufbauschen, es als Schwachsinn denunzieren und sich auf Russlands Seite schlagen. Die CDU wird im Wahlkampf vermutlich das Flüchtlingsthema penetrieren und ins Zentrum rücken, dafür hat sie schon alles vorbereitet. Wenn die SPD sich dieses Thema aufzwingen lässt, ist sie hoffnungslos verloren. Die SPD braucht ein Thema, bei dem sie sich klar anders als die CDU positionieren kann und bei dem die Position der SPD dem Wahlvolk lieber ist als die Position der CDU. Puh… sehen Sie irgendwas am Horizont?

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Prognosenrückschau 2016

Anfang 2016 habe ich einige Prognosen für das Jahr 2016 gewagt. Jede Prognose muss daran gemessen werden, ob sie sich bewahrheitet. Heute bin ich Richter über meine eigenen Prognosen:

In Syrien wird man 2016 einen nationalen Konsens erreichen oder jedenfalls kurz davor stehen. Das heißt die syrische Opposition wird bekehrt und Teil des politischen Systems werden.

Treffer. Die syrische radikale Opposition ist gebrochen. Mit den heimischen Elementen wird fleißig gearbeitet, sie beteiligen sich an Verteidigung und lokaler Verwaltung. Die eingereisten Söldner werden gnadenlos bekämpft und in Idlib zusammengetrieben, wo bald über ihr Schicksal gerichtet werden wird.

Die Spannungen in der EU werden weiter wachsen. Es wird recht dramatisch werden. Unzufrieden sind sehr viele (wie schon seit Jahren), aber die Anheizer, die die Spaltung der EU kontrolliert vorantreiben, sind Polen und Großbritanien. Im Gegensatz zu allen anderen lassen sich diese beiden nicht von Deutschland kontrollieren.

Volltreffer. Brexit als Höhepunkt.

Die Spannungen zwischen den Ländern werden selbstverständlich begleitet von Spannungen innerhalb der Länder. Auch in Deutschland. Der Ton wird schärfer.

Schwer zu sagen, da ich keine systematischen Beobachtungen bezüglich dieses Punktes gemacht habe. Aus Großbritanien kamen nach dem Brexit alarmierende Signale. In Polen ist es sehr unruhig geworden. In Deutschland scheint es relativ ruhig zu sein – eine Verschärfung im Vergleich zum Vorjahr konnte ich nicht erkennen. Einerseits ist die AfD auf dem Vormarsch und in diesem Jahr in drei Landtage eingezogen. Das geht mit viel Hetze einher. Andererseits hat die Regierung das Wutventil bezüglich der Flüchtlingskrise geöffnet. Es ist viel Dampf abgelassen worden und das hat viel Druck vom Kessel genommen. Hier werden die Leser vielleicht besser urteilen können. Für mich bleibt dieser Punkt vorerst unklar.

Die EU wird zerrissen zwischen den Transatlantikern („wir legen uns unter USA, auch wenn es unseren Tod bedeutet!“) und ihren Konkurrenten („wir wollen nicht sterben, integrieren wir uns lieber in die neue Weltordnung!“). Eines der großen Seile, an denen sie in entgegengesetzte Richtungen ziehen, ist TTIP. Womöglich wird TTIP unterschrieben, aber in diesem Fall wird es noch große Probleme bei der Ratifizierung geben.

Treffer. TTIP ist begraben worden, mit CETA wurde ein komischer, faul riechender Kompromiss/Ersatz erreicht. Faul riechend für TTIP-Förderer, weil mit ein wenig Theater noch Ausstiegsklauseln und schwerwiegende Korrekturen eingebracht worden sind. Am lautesten nach den USA schreien erwartungsgemäß Polen und die baltischen „Tiger“. Deutschland und Frankreich dagegen haben eine neue EU verkündet, die ganz klar unabhängiger von den USA sein soll. Das Gerede von einer EU-Armee ist auch laut geworden, befördert nicht zuletzt durch Trumps Wahlsieg.

Es wird eine neue Weltfinanzkrise ausbrechen. Sie wird schlimmer als die 2008-Krise sein. Ausbruchsort vermutlich USA. Aber egal wo sie ausbricht, erfassen wird sie alle.

Daneben.

In USA/Mexiko wird es ein schlimmes Erdbeben geben, mit sehr schlimmen Folgen.

Auch daneben. Gemeint war ein geographisches Erdbeben. Bin enttäuscht von den Geologen, denen ich bei dieser Prognose vertraut habe. Hoffe, dass sie sich nicht nur um ein Jahr verschätzt, sondern sich komplett vertan haben. Befürchte, dass sie sich nur um ein oder ein paar Jahre verschätzt haben.

Russland und China arbeiten weiter fleißig an der Dedollarisierung und errichten im Eiltempo alternative Weltfinanzstrukturen.

Treffer. In den Medien wird wenig davon berichtet, aber der Prozess läuft. In China wird eine mächtige Goldbörse errichtet. In Russland hat man eine eigene Erdöl-Börse bereits eingerichtet, in China ist man dabei.

Russland und China arbeiten parallel daran, mehr Kontrolle über die westlichen Weltfinanzstrukturen zu gewinnen.

Hm. Darauf habe ich Laufe des Jahres nicht geachtet. Große Meldungen sind nicht ins Auge gesprungen. Russland und China arbeiten daran, die eigenen Finanzstrukturen von den westlichen unabhängig zu machen, was eine notwendige Vorbedingung ist. Aber das ist wohl nicht das, was ich prognostizieren wollte. Entweder gibt es entsprechende Arbeiten und sie werden nicht medial ausgeleuchtet oder ich lag falsch. Sagen wir, ich bin bei diesem Punkt daneben, sicher ist sicher. Das schlechte an der Prognose ist das „sie arbeiten daran“. Wahrscheinlich haben sie das auch, aber bei langen Prozessen, bei denen jahrelang im Hintergrund gearbeitet wird, bevor etwas sichtbares der Öffentlichkeit bekannt gemacht wird, sind solche Prognosenformulierungen nicht gut. „Sie kommen … erkennbar näher“ ist die bessere Formulierung, die ich mir für die Zukunft merken sollte.

Russland und China versuchen alles in ihrer Macht stehende, um die USA zu stützen, damit letztere möglichst sanft in der Krise landet.

Treffer. Putin hat Trump zum Gouverneur des nordamerikanischen Bezirks ernannt. Clintons Bananenrepublik ist untergegangen. Die weitere Zerstörung der USA durch das transnationale Oligarchat wurde damit vorzeitig beendet und mit Trump ist ein Kandidat gewählt worden, der sich auf die inneren Probleme der USA fokussieren will. Und wie pfleglich Putin und Lawrow mit den USA in der Syrien-Krise umgegangen sind, ist auch einer Erwähnung wert. Es hat aber auch Ohrfeigen gegeben, um den USA klar zu machen, dass Übermut nicht der richtige Weg ist, wenn man gerade dabei ist, als schwächelnder Koloss zu fallen.

Die Ukraine betreibt vorschriftsmäßig ihre Deindustrialisierung voran.

Oh ja… oh ja. Ich habe kaum mehr über die Ukraine berichtet, aber ich verfolge mit, was dort geschieht. Und was die einst großartige ukrainische Industrie angeht, die in einigen hochtechnologischen Bereichen mehr konnte als die deutsche Industrie, so ist alles sehr traurig heute und wird mit jedem Monat trauriger. Als Beispiel eine Meldung aus den letzten Tagen: Teile des Charkower Traktorenwerks werden zu Altmetall zersägt. Das ist ein Militärindustriegigant, der Panzer und Panzerfahrzeuge produziert und repariert, übrigens auch die ganze Zeit der „Antiterroroperation“, übrigens für die Junta in Kiew. Kiew, der nach eigener Aussage die EU vor der geballten Kraft des russischen Militärs verteidigt, verschrottet gerade sein wichtigstes Panzerwerk. Denken Sie sich den Rest über den Zustand der Ukraine, wenn Sie genug Phantasie aufbringen können.

Westliche Kredite (trotz eingetretenem Staatsbankrott) halten das ukrainische Nazi-Oligarchen-Regime am Leben.

Treffer. Die Geldströme sind nicht mehr so groß wie 2014, aber das Geld fließt in ausreichender Menge. Die EU bezahlt übrigens die ukrainischen Gasrechnungen direkt an Gasprom. Ich habe schon darüber berichtet, aber weil es sonst so selten erzählt wird, sei hier noch mal daran erinnert. Der damalige Fall war kein Einzelfall, dieser Melkprozess geht weiter und wird bis 2019 weitergehen – so lange wird die EU auf die Ukraine als Gastransitland noch angewiesen sein. Unsere Regierungen haben zusammen mit den USA die ukrainischen Faschisten an die Macht gebracht und wir EUler dürfen jetzt die großen ukrainischen Rechnungen zahlen, weil sie sonst das Gas abzapfen, das in den Transitleitungen in die EU unterwegs ist, was äußerst schmerzhaft für die EU-Wirtschaft werden kann. Besonderer Glückwunsch ergeht an alle Zombies, die 2014 mit lautem Gebrüll über Putin-Propaganda jedes Wort konstrukitver Kritik an der westlichen Ukraine-Politik niedergebrüllt haben. Ihr bezahlt jetzt mit eurem Steuergeld dafür. Was eigentlich zu wenig ist, weil es nicht direkt spürbar ist und daher nicht als Strafe wahrgenommen wird. Möge wenigstens die Scham euch ereilen und möget ihr in Zukunft nie wieder faschistische und sonstige radikale Elemente unterstützen und schönreden.

Jazenjuk wird als Sündenbock geopfert und geht in den verdienten Ruhestand in USA oder EU. Seinen Posten übernimmt die derzeitige Finanzministerin Jaresko oder Saakaschwili.

Treffer bezüglich Jazenjuk. Überraschung bezüglich des Nachfolgers. Jaresko und Saakaschwili sind beide direkte US-Puppen. Es wurde aber… Grojsman, ein unbeschriebenes Blatt aus Galizien. Hintergrund ist der Aufstand der ukrainischen Oligarchen gegen die US-Herren. Jaresko ist keine Finanzministerin mehr, Saakaschwili ist kein Gouverneur von Odessa mehr. Das übrige Dutzend ausländischer Minister (!) ist auch raus und die noch viel größere Horde ihrer ausländischen Mitarbeiter und Berater ebenso. Die ukrainischen Oligarchen haben gerochen, dass sie nur Bauernopfer in einem größeren Spiel sind und haben sich zusammengerauft im Überlebenskampf.

Vorgezogene Neuwahlen in der Ukraine.

Daneben.

Russland wartet bezüglich der Ukraine, bis die Frucht reif wird. Bis also die ukrainische Bevölkerung so wütend auf ihre Regierung und die marodierenden Nazi-Banden wird, dass sie (die Bevölkerung) selbst tätig wird und nicht wie bisher passiv abzuwarten versucht.

Treffer. Russland wartet und verrichtet vorbereitende Arbeiten im Hintergrund. Die Ukraine bleibt sich selbst und dem Westen überlassen, damit die Ukrainer, die ukrainischen Oligarchen und auch der Westen das Glück auskosten, das sie sich selbst beschert haben.

In den USA wird der Notstand ausgerufen. Polizei, Militär und Nationalgarde übernehmen die Steuerung des Landes praktisch in Militärverwaltung.

Daneben. Meine Güte, wie kam ich zu solch radikalen Prognosen… Es war glaube ich Ischtschenko, der solche Szenarien glaubwürdig an die Wand malte. Bei diesem Mann muss ich vorsichtiger sein.

Der Nahe Osten steht kurz vor einer Großexplosion. Iran versucht den Weg Russland zu gehen und sich nicht zu einem Krieg provozieren zu lassen. Provokationen wird es aber reichlich geben. Die Staaten, die gerade Einfluss verlieren (Saudi-Arabien, Türkei, Israel) erhöhen die Einsätze. Vielleicht explodiert es auch.

Treffer. Minenentschärfer Putin hat jedoch mit seinem Team eine Explosion verhindert und manchen Schlüsselteilnehmern die Einsicht vermittelt, dass eine Explosion in ihrem eigenen Haus nicht gut für sie ist. Saudi-Arabien ist eingeknickt und ist zum Rückzug angetreten. Die Türkei ist sogar schon ins russische Lager gewechselt. Als großer Brandstifter ist nur noch Israel geblieben, mal sehen, wie lange die das alleine durchhalten. Lob an den Iran. Haben sich nicht provozieren lassen und gewonnen.

In Zentralasien ist gerade noch rechtzeitig die Ernüchterung eingekehrt. Die US-Versuche, dort alles anzuzünden, stoßen auf beträchtlichen Widerstand. Die Geheimdienste haben aus den zuletzt am Fließband produzierten farbigen Revolutionen gelernt. Die Regierungen in Zentralasien haben mehr als genügend Beispiele gesehen, wohin die westliche Demokratisierung führt. Die USA reagieren wütend, verhängen vermutlich Sanktionen.

Insgesamt guter Treffer. Es gab einen Maidanversuch in Kasachstan und die Karabach-Region wurde auch schwer angezündet. In Karabach mussten Putin und Schoigu persönlich löschen. Wie erwartet haben die verzweifelten Versuche der USA keinen Erfolg gehabt. Die angekündigten wütenden US-Reaktionen kann ich nicht bestätigen.

Aus den USA kommen wie bisher und in zunehmend größerem Ausmaß gegensätzliche Signale und Handlungen. Die Eliten dort sind tief gespalten und tragen ihren Krieg zunehmend öffentlich aus.

Ins Schwarze!

Insgesamt 12 Treffer, 6 mal daneben und 1 mal unklar. Damit kann ich gut leben. Es freut mich, dass ich mich gerade bei den schlimmsten Prognosen getäuscht habe (Notstand in den USA, Erdbeben in den USA, Weltfinanzkrise).

Bemerkenswert ist natürlich auch, was an großen Dingen geschehen ist, was nicht prognostiziert wurde. Da fallen mir mindestens zwei Dinge ein. Der Schwenk der Türkei ins russische Lager, formal durch den Putschversuch eingeleitet. Und der Sturz des Hegemons USA, woran ich Anfang 2016 noch nicht zu träumen wagte.

An den Prognosen für 2016 haben sich manche Leser beteiligt. Wer in den Kommentaren des verlinkten Beitrages Prognosen aufgestellt hat, kann sie hier in den Kommentaren auseinander pflücken. Dazu bitte den Link des Prognosen-Kommentars mit angeben. Für die Kommentatoren, die ihre Prognosen aufgreifen, gilt: Ihr Beitrag wird veröffentlicht, es sei denn, er verletzt ein Mindestmaß an Höflichkeit und Respekt. Also wie vor der Schließung der Kommentare.

Für alle anderen, die von der Kommentarfunktion in diesem Beitrag Gebrauch machen, gilt: Ihr Kommentar wird gelöscht, es sei denn, er wird aus irgendwelchen Gründen nicht gelöscht. Zu den irgendwelchen Gründen gehört nicht, dass Sie versuchen mir nach dem Mund zu reden. Bleiben Sie, wer Sie sind, die Kommentarfunktion ist nicht Ihretwegen derart beschnitten.

Wie üblich ist der Prognosen-Beitrag mit „Humor“ verschlagwortet, um deutlich zu machen, dass es ein Spiel ist. Prognosen sind von Berichterstattung zu unterscheiden. Der heutige Journalismus, inklusive des freiwilligen Blogger-Journalismus, bewegt sich immer mehr von Berichterstattung weg und immer mehr zu Prognosen hin. Prognosen sind Klugscheißerei und keine Berichterstattung, dessen sollte man sich immer bewusst sein.

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Schulz ist raus

Mit Blick auf die bevorstehenden Prognosen zum Jahresbeginn habe ich schon gebangt, dass die Bundestagswahl zu viele mögliche Optionen offen lässt. Drei Kandidaten waren noch möglich: Merkel, Schulz und Gabriel. Die entscheidende Frage wird sein, welcher Kandidat im Wahlkampf gegen Russland hetzt und welcher eine klar prorussische Position einnimmt. Der prorussische Kandidat wird gegen den Russlandhetzer gewinnen. Nachdem das sogar in den USA so gelaufen ist, könnte man annehmen, dass es bei den US-Vasallen klingelt und die sich ein paar Gedanken machen. Im Prinzip aber kann jeder Kandidat sich für die eine oder die andere Strategie entscheiden, woraus sich bei drei Kandidaten recht viele Möglichkeiten ergeben, was nicht so angenehm ist, wenn man sich vornimmt, das Ergebnis zu prognostizieren.

Stellen Sie sich vor, Schulz wird von der SPD nominiert und er fährt, genau wie Merkel, die Russlandhetze-Strategie. Das wäre der Horror schlechthin. Wählen Sie, ob Sie sich von der roten oder von der schwarzen Pille umbringen lassen. Von dem ausgehend, was in Deutschland gesprochen wird, wäre das aber eine Option für den Wahlkampf.

Einen Teil der Spekulationen können wir nun beiseite schieben. Es sieht so aus, dass die feindliche Übernahme der SPD durch Schulz nicht gelungen ist. Gabriel ist der einzige große SPD-Hirsch geblieben, der noch Anspruch auf die Kanzlerkandidatur hat. Gehen wir mutig davon aus, dass er der Kanzlerkandidat wird.

Wir gehen also von zwei Kandidaten aus, die sich bezüglich ihrer Haltung zu Russland so oder so positionieren können. Das ergibt nur noch vier mögliche Konstellationen. Beide gegen Russland, beide dafür, jeweils einer dafür und der andere dagegen. Ich möchte ausschließen, dass sich beide russlandfeindlich positionieren. Gabriel war diesbezüglich zurückhaltend in den letzten Jahren und er wird nicht umsonst in Moskau gewesen sein. Seine Position sei als russlandfreundlich angenommen. Damit verengt sich das Feld der Möglichkeiten auf zwei.

Die Frage ist, was Merkel tut. Den Taten nach ist sie dem transatlantischen Oligarchat längst nicht so ergeben, wie es ihren Worten nach aussieht. Deutsche Firmen dürfen kräftig in Russland investieren. Nord Stream 2 wird planmäßig vorangetrieben. Die diplomatischen Beziehungen zu Russland sind angespannt, aber alles andere als abgebrochen. Die Integration Deutschlands und der EU in Chinas Neue Seidenstraßen wird nicht beworben, aber es gibt auch nicht den Hauch einer Absage, stattdessen werden Pilotprojekte still und ohne Medienwirbel umgesetzt. Merkel hat den USA kein einziges geostrategisches Geschenk gemacht. Der Mediengestank lässt das nicht vermuten, aber es ist so.

Merkel ist Opportunistin, sie hat schon bewiesen, wie sie sich von einem Tag auf den anderen um 180 Grad drehen kann, wenn es ihr politische Vorteile einbringt. Als das Kernkraftwerk in Japan medienwirksam explodierte und die Grünen die Champagner-Korken knallen ließen, zerstörte Merkel die grüne Party sofort und knallhart, indem sie die Initiative an sich riss und plötzlich stark für ein Verbot der Kernkraftwerke in Deutschland war, obwohl es die CDU war, die den Weiterbetrieb befürwortete. Der Stimmenfang der Grünen war beendet, noch bevor er begonnen wurde. Deswegen fällt es mir schwer zu glauben, dass Merkel die russophobe Haltung im Wahlkampf durchziehen wird. Die erfahrung der letzten Zeit zeigt, dass das eine schädliche Haltung ist und die Erfahrung mit Merkel zeigt, dass sie ihre Haltungen wie die Socken wechseln kann, wenn es ihr nützlich ist.

Stand jetzt erscheinen mir zwei Konstellationen möglich. Die erste: Merkel und Gabriel gehen beide auf Schmusekurs zu Russland. Dann tippe ich auf Merkel. Die zweite Konstellation: Merkel wählt die Strategie der Russlandhetze, versucht es also Clinton gleich zu machen und zu sagen, der böse Gabriel da, der ist für die Russen, also müsst ihr mich wählen. Dann tippe ich auf Gabriel. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, warum Merkel das tun sollte, aber es ist mein Entgegenkommen an meine scharfen Kritiker. Ich habe noch keine Argumente gesehen, die mich an die zweite Möglichkeit glauben lassen, aber ich kann etwas übersehen haben. Schicken Sie mir bitte keine Mails mit dem Argument, dass Merkel Psychopathin ist, das wandert unbeantwortet in den Papierkorb.

Jedenfalls ist es angenehm, dass sich mit der Absage von Schulz das Feld der Möglichkeiten verengt hat. Das muss nicht besser sein, aber angenehmer zum analysieren ist es. Die Prognose von Norbert Häring hat sich nicht bewahrheitet, so wie es im Moment aussieht.

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Wie kommt man in einen vollen Fahrstuhl?

In Fachkreisen gibt es die Fahrstuhlmetapher, um das Verhalten von Eliten beim Auftauchen neuer Spieler zu verdeutlichen. Stellen Sie sich einen vollen Fahrstuhl vor. Der Fahrstuhl ist ein Sozium (Organisation, Staat, Welt, je nach Betrachtungsebene) und die Eliten haben diese Welt unter sich aufgeteilt, d. h. der Fahrstuhl ist voll. Für weitere Eliten ist kein Platz. Jetzt formiert sich aber doch eine neue Elite, die in den Fahrstuhl will.

jim_garrison schrieb kurz nach der Wahl Trumps:

Also, die Fahrstuhltür öffnet sich und der neue Spieler auf dem Flur, also Trump, sieht, dass im Fahrstuhl kein freier Platz ist. Der Fahrstuhl ist voll mit anderen Spielern, die schon lange hier sind, das sogenannte Establishment. Die Spieler, die Eliten (Elitengruppen) sind diejenigen, die über die Ressourcen des Landes verfügen (Finanzen, Bürokratie, Sicherheitsorgane, Medien usw.). Es gibt keine Ressourcen, die niemandem gehören.

Der neue Spieler kann in dieser Situation mehrere Strategien verfolgen.

Erstens kann man die Fahrtstuhl-Passagiere in Ruhe lassen und die Treppe nehmen. Das heißt, man bleibt Außenseiter und im Endeffekt ein Verlierer. Das würde bedeuten, dass Trump nur die eigenen präsidialen Vollmachten verwenden und damit seine Politik gestalten würde. Dann wird er nichts bewirken können und als einer der schwächsten US-Präsidenten der Geschichte in Erinnerung bleiben. Wer weiss, vielleicht ist Schüchternheit eine heimliche Eigenschaft von Trump…

Zweitens kann man versuchen, sich in den Fahrstuhl zu zwängen, ungeachtet der Tatsache, dass es für die anderen spürbar unkomfortabler wird und dass der Fahrstuhl wegen Überladung stecken bleiben könnte. Das ist der Weg des Durchsetzens seiner Absichten gegen das gesamte Establishment, wobei man fast allen Spielern irgendwelche Ressourcen wegnimmt. Man drückt seine Leute in die Sicherheitsorgane, in den Parteiapparat, in die Finanzkreise, schafft sich Stützen in den Medien usw. Natürlich trifft man dabei auf sehr viel Widerstand. Gegen den Neuling werden Bündnisse geschmiedet und der Ausgang ist völlig offen, vom Amtsenthebungsverfahren (…) bis zur physischen Beseitigung.

Der dritte Weg ist, jemanden aus dem Fahrstuhl zu werfen und sich mit den Verblieben gemütlich einzurichten. Zur Illustration dieser hypothetischen Möglichkeit schauen wir uns die saudischen Skandale der letzten Jahre an. Wenn es wirklich etwas gibt, das die Offiziellen Saudi Arabiens mit dem Terrorakt 9/11 verbindet, dann bedeutet es, dass die Administration von Bush Junior es gewusst und gedeckt hat, dass die Administration von Obama es ebenfalls gewusst und gedeckt hat, und zusätzlich noch die Entstehung des IS gedeckt hat. Die Explosion dieser „saudischen Neutronenbombe“** fegt Bushs, Clintons, einen wesentlichen Teil der CIA und andere von der Bildfläche. Den frei gewordenen Platz kann man mit den eigenen Leuten besetzen und sie in eine ernsthafte Macht verwandeln, mit deren Stütze man die eigenen Reformen durchbringen kann. Allerdings kann das als Nebeneffekt das Kräfteverhältnis im Nahen Osten radikal verändern.

Natürlich gibt es auch andere Strategien, aber das sind die wesentlichen.

** Noch mal, das ist eine Illustration. Die „Neutronenbombe“ kann vieles sein. Zum Beispiel die Finanz- und Steuermachenschaften, Drogenhandel und anderes. Das Wichtigste ist, dass die Untersuchung, im Idealfall eine objektive, die anvisierte Elitengruppe mit öffentlicher Zustimmung zerstört.

Übersetzung von mir.

Schauen wir mal. InfoWars hält das Thema 9/11 am Kochen und rückt Trump als Aufklärer ins Rampenlicht. Zum Beispiel hier im Februar 2016. Trump selbst hat das Thema im Wahlkampf nicht aufgegriffen, aber wenn er darauf angesprochen wurde, hat er sich der offiziellen Verschwörungstheorie nicht angeschlossen.

Ende November hat InfoWars nachgelegt und ein Trump-Interview vom Tag des Terrorakts ausgegraben, in dem Trump sagt, dass das Gebäude unmöglich durch die Flugzeuge hätte einstürzen können, sondern dass es von innen gesprengt worden sein musste.

Ja ja ja, irgendwer hat alle Videoaufnahmen vom 11.09.01 und den Tagen danach säuberlich archiviert und beginnt jetzt damit, die passenden Stückchen aus dem Archiv zu holen. Natürlich dramaturgisch korrekt, mit idealem Spannungsbogen. InfoWars rollt den Roten Teppich zum dritten Weg aus und versucht Trump mit 9/11 eine bestimmte Bombe in die Hand zu legen.

Im Gegensatz zu jim_garrison halte ich die Sprengkraft der angeführten Beispiele nicht für vergleichbar. 9/11 hat erheblich größeres Explosionspotential im Vergleich zu den anderen genannten Themen. Und während jim_garrison gerade mal davon spricht, der US-Regierung eine Deckung der Terrorakte zuzuschreiben (also Duldung), drängt InfoWars mit dem Trump-Interview von 2001 darauf, die Organisation der Terrorakte durch die US-Regierung zum Thema zu machen. Das ist erheblich schwerwiegender als Duldung. Aber auf Organisation läuft es hinaus, wenn denn endlich eingestanden wird, dass die drei Gebäude gesprengt wurden. Dann würde Trump nicht nur den Fahrstuhl der US-Eliten säubern, sondern auch gleich den Fahrstuhl der Geopolitik. Der Moralapostel der Welt, der in Wirklichkeit den größten Terrorakt der Menschengeschichte gegen die eigene Bevölkerung organisiert hat, wäre im geopolitischen Fahrstuhl nicht mehr legitim. Es wäre der rituelle Tod des selbsterklärten „Exceptionalism“. Es wäre der endgültige, nun auch vor den Augen der Zombies vollzogene Sturz des Hegemons.

Warten wir ab, welchen Weg Trump nimmt und welche Bombe er wählt, wenn er den dritten Weg beschreitet.

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Nachtrag, 28.12.2016: Alex Jones, das Gesicht von InfoWars, hat Ende 2015 ein halbstündiges Interview mit Donald Trump geführt. Die persönliche Verbindung zwischen den beiden macht das oben Geschriebene noch relevanter. Und wenn man zusätzlich bedenkt, wie lange, wie tief, wie hartnäckig und wie erfolgreich Alex Jones bei bestimmten Elitenkreisen herumwühlt, winkt uns Safari 2 mit dem Zaunpfahl entgegen.

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Haus zum Rothen Schild

Herzlich willkommen zur Weihnachtsparty bei Analitik. Es wird besinnlicher Spekulatius aufgetischt.

Von der Familie Rothschild haben Sie bestimmt schon mal gehört. Eine äußerst einflussreiche Familie, so viel ist sicher.

Die Gründer der Rothschild-Dynastie lebten in Frankfurt im „Haus zum Rothen Schild“. Irgendwann wurde daraus der Familienname Rothschild. Rot ist die Hausfarbe der Rothschilds.

Die öffentliche Stimme des Hauses Rothschild ist die britische Zeitschrift „The Economist„. Das Logo der Zeitschrift ist passenderweise ein rotes Schild mit der Aufschrift „The Economist“. Die Titelbilder des Blattes sind ein Füllhorn von Symbolen. Ganze Heerscharen von Interpreten befassen sich mit der Enträtselung der Botschaften.

Ich schlage dieses Werbevideo vor:

Womit brüstet sich das Haus Rothschild?

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Kommentare sind freigeschaltet. Ich probiere folgende weihnachtliche Festregel aus: Ihr Kommentar wird gelöscht, es sei denn, er wird rein subjektiv für freischaltenswert erachtet. Bis zur Sichtung und Freischaltung kann mehr als ein Tag vergehen.

Nachtrag, 27.12.2016: Kommentare sind wieder deaktiviert.

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…und schon wieder ein toter Täter

Das Theaterstück für die Zombies geht weiter.

Der Täter wurde getötet. Seine Aussagen würden nur die offizielle Darstellung stören. Oh, er kann keine Aussagen mehr machen. Sehr schön.

Und die Spurensucher haben noch mal in den LKW reingeschaut und – siehe da! – liegt da doch noch ein Handy des Täters.

Wenn man denkt, dass etwas nicht mehr steigerbar ist, wird man immer wieder eines besseren belehrt… Ich muss jetzt irgendwie mit meiner Ratlosigkeit fertig werden. Ich kann einfach nicht glauben, dass dieser Haufen Scheiße so gefressen werden kann, wie er dargeboten wird. Das können nicht mal mehr die dümmsten Zombies hinnehmen. Das ist selbst für Zombies hochgradig beleidigend und entehrend. Wenn das hingenommen wird, dann können die morgen ankommen und vor Ihren Augen jemanden abknallen und sagen „Was? Wir? Nein, der ist gestolpert, das sehen Sie doch. Da haben wir auch einen Bordstein.“ und Sie würden auf den von Schüssen durchlöcherten Toten schauen und sagen „Stimmt. Er ist eindeutig gestolpert.“ Es ist völlig surreal, aber genau das passiert gerade. Wir als Bürger sollen jetzt sagen: „Stimmt. Er ist eindeutig gestolpert.“

Die Medienhäuser brennen nicht, auf den Straßen sind keine verrückt gewordenen Menschenmassen, also haben wir es gesagt. Schweigen ist Zustimmung. „Er ist gestolpert. Eindeutig.“

Wie kann man diesen Surrealismus erklären? Eine Erklärung ist, dass die geistige Degradation so weit fortgeschritten ist, dass wir sprichwörtlich dümmer sind als unsere Haustiere. Eine andere Erklärung ist, dass wir zwar erkennen, was für ein erbärmlich schlechtes Drehbuch uns aufgetischt wird, aber so tun als ob es vernünftig ist, weil wir intuitiv spüren oder sogar logisch erkennen, dass wir jetzt, in diesem Moment, dieses Drehbuch brauchen, weil es nützlich ist. Noch eine Erklärung ist, dass die Menschen Angst haben, der offiziellen Darstellung zu widersprechen. Oder die Menschen widersprechen, aber nur flüsternd in der eigenen Küche, nicht aber im öffentlichen Raum.

Ich hoffe, es ist nicht die erste Erklärung.

Wie im bereits verlinkten Artikel beschrieben worden ist, wird die EU einen einheitlichen EU-Flüchtlingspass einführen, was seit 2015 geplant ist. Dann sind alle Flüchtlinge EU-Flüchtlinge, egal wo sie sich aufhalten. Dann können die Flüchtlinge aus jedem EU-Land abgeschoben werden, egal wo sie eingereist sind und wo sie angemeldet sind.

Der grenzübergreifende Flüchtlingspass wird also kommen. Und – welch Zufall – der uns präsentierte Täter ist einer, der EU-Grenzen durchquert hat. Er hat dabei großen Schaden angerichtet. (Angeblich er.) Die betroffenen EU-Länder haben dabei nicht gut zusammengearbeitet. Und die Neu-EU hat die Regelung der Asylfragen ohnehin zentralisieren wollen, woran wir uns auch erinnern. Wir haben zufälligerweise genau den richtigen Täter, um die EU-Pläne öffentlich zu legitimieren. Diese nicht mehr neuen Pläne kann man jetzt geradezu als Rettung bewerben.

Es ist zum verzweifeln. Können wir unsere Probleme denn nicht normal lösen? Muss alles erst derart durch den Lügenfleischwolf gedreht werden, bis das Gehirn blutet?

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