Papst vs Dostojewski

Am 4. Juli 2019 hat sich Wladimir Putin im Vatikan mit Papst Franziskus getroffen. Putin hatte eine Delegation von Ministern im Schlepptau, die er dem Papst vorstellte. Putin traf sich nicht nur mit dem Papst, sondern anschließend auch mit dem Staatssekräter Vatikans. Über die Inhalte der Gespräche wurde auf der Kreml-Seite nichts bekannt gegeben.

Was zum Teufel hat Putin mit dem Papst zu besprechen? Und dann noch mit dem Staatssekräter des Vatikan? Zum Spaß treffen sie sich jedenfalls nicht.

Am Abend des gleichen Tages nahm Putin zusammen mit Italiens Ministerpräsident Guiseppe Conte an einer Veranstaltung teil und sagte dort unter anderem folgendes:

Und natürlich verbinden uns geschichtsträchtige und tiefe kulturelle Verbindungen. Lieber Guiseppe, du hast die russische Literatur erwähnt. Ich muss sagen, wir hatten dieses Thema auch im Gespräch mit dem römischen Papst. Und der Pontifex erlaubte mir öffentlich auszusprechen, dass eines der Bücher, das immer auf seinem Tisch liegt, ein Klassiker der russischen Literatur ist, das sind sowohl Dostojewski als auch Tolstoi.

Eigentlich sagte er sogar mehr. “Ich”, so sagte er, “sage meinen Priestern, dass man ohne die Bücher von Dostojewski, ohne die Bewusstmachung seiner Philosophie in all ihrer Tiefe, nicht ein wirklicher Priester sein kann”.

Wissen sie, das sagt vieles aus. Das sagt uns etwas über unsere gemeinsamen tiefen geistigen Wurzeln. Genau deshalb verlaufen unsere Aktivitäten im gesellschaftlichen Bereich so erfolgreich.

Übersetzung und Hervorhebung von mir.

Kaum jemand hat dieses Zitat von Putin mitbekommen. Und von denjenigen, die es mitbekommen haben, haben nur wenige verstanden, was es bedeutet.

Ein paar Kontext-Details sind notwendig, um es zu verstehen. Erstens ist es gut zu wissen, dass die katholische Kirche durch Abspaltung von der orthodoxen Kirche im 11. Jahrhundert entstanden ist. Die orthodoxe Kirche ist die von Jesus Christus gegründete Ursprungskirche. Organisatorisch nahm sie die Form von vielen regionalen Patriarchaten an, die einander gleichwertig sind und zueinander keine formale Hierarchie aufweisen. Das ist bis heute so in der orthodoxen Kirche. Das römische Patriarchat gehörte zu den größten und verdiente sich in den ersten Jahrhunderten großes Ansehen bei den anderen Patriarchaten. Mit der Zeit reichte es Rom aber nicht, der Erste unter Gleichen zu sein. Rom verlangte von den anderen Patriarchaten eine formal-hierarchische Unterwerfung, mit dem Endergebnis der Abspaltung. Wenn Putin also die tiefen geistigen Wurzeln von Russland und Europa anspricht, dann sind das orthodoxe Wurzeln, denen auch der Katholizismus entstammt.

Zweitens ist es gut zu wissen, dass Dostojewski ein russisch-orthodoxer Christ war. Als Autor hat er Glaubensfragen durchaus intensiv thematisiert. Dostojewski verwendete immer wieder einen Trick, um seine radikalsten Überzeugungen mitzuteilen: er legte sie gern in den Mund von geistig kranken oder zumindest sehr sonderbaren Gestalten. So geschehen unter anderem in seinem Roman “Der Idiot”, verfasst in den 1860-ern. Der Idiot, das ist Fürst Myschkin, ein geistig kranker Mann, der durch Zufall in die feine Petersburger Gesellschaft eintritt und sich dort als vernünftigster Mensch herausstellt. Aus diesem Roman ein kleiner Ausschnitt zum gegebenen Thema:

»Pawlischtschew war ein heller Geist und ein Christ, ein wahrer Christ«, sagte der Fürst plötzlich; »wie konnte er nur einen unchristlichen Glauben annehmen? Der Katholizismus ist geradezu ein unchristlicher Glaube!« fügte er mit blitzenden Augen hinzu, indem er vor sich hinschaute und alle Anwesenden gleichsam mit einem Blick zusammenfaßte.

»Na, das ist denn doch zuviel gesagt«, murmelte der Alte und blickte Iwan Fjodorowitsch erstaunt an.

»Wieso soll denn der Katholizismus ein unchristlicher Glaube sein?« fragte Iwan Petrowitsch, sich auf seinem Stuhl umwendend. »Und was für ein Glaube ist er denn?«

»Erstens ist er ein unchristlicher Glaube!« erwiderte der Fürst in großer Erregung und mit übermäßiger Schärfe. »Das ist das erste; und zweitens ist der römische Katholizismus sogar schlimmer als der Atheismus selbst; das ist meine Meinung! Ja, das ist meine Meinung! Der Atheismus predigt nur das Nichts; aber der Katholizismus geht weiter: er predigt einen entstellten Christus, einen durch Verleumdung und Beschimpfung karikierten Christus, das reine Gegenteil von Christus! Er predigt den Antichrist, das schwöre ich Ihnen, das versichere ich Ihnen![253] Das ist meine persönliche, langgehegte Überzeugung, die mir schon viel Pein bereitet hat … Der römische Katholizismus glaubt, daß ohne eine universale Herrschgewalt die Kirche auf Erden nicht bestehen kann, und ruft: ›Non possumus!‹ Meiner Ansicht nach ist der römische Katholizismus überhaupt kein Glaube, sondern einfach eine Fortsetzung des weströmischen Kaisertums, und es ist bei ihm alles, vom Glauben angefangen, dieser Idee untergeordnet. Der Papst hat ein Land in Besitz genommen, einen irdischen Thron bestiegen und das Schwert ergriffen; seitdem geht alles in dieser Art weiter; nur haben sie zum Schwert noch die Lüge, die Intrige, den Betrug, den Fanatismus, den Aberglauben und das Verbrechen hinzugefügt; sie haben mit den heiligsten, aufrichtigsten, schlichtesten, wärmsten Empfindungen des Volkes gespielt; alles, alles haben sie für Geld, für gemeine weltliche Macht hingegeben. Und das wäre nicht die Lehre des Antichrists?! Wie hätte da nicht der Atheismus von ihnen ausgehen sollen? Der Atheismus ist von ihnen ausgegangen, geradezu aus dem römischen Katholizismus! Der Atheismus hat zuallererst mit ihnen selbst angefangen: konnten sie denn auch sich selbst Glauben schenken? Er gewann dann aus dem gegen sie bestehenden Widerwillen Stärke; er ist ein Produkt ihrer Lüge und geistigen Kraftlosigkeit! Der Atheismus! Bei uns sind es bisher nur die höheren Schichten, die ihre Wurzel verloren haben und nicht mehr glauben, wie Jewgeni Pawlowitsch neulich sehr schön gesagt hat; aber dort, in Westeuropa, hören schon gewaltige Massen des eigentlichen Volkes auf zu glauben, früher aus Unwissenheit und Unwahrhaftigkeit, aber jetzt schon aus Fanatismus und aus Haß gegen die Kirche und gegen das Christentum.«

Der Fürst hielt inne, um Atem zu schöpfen. Er hatte furchtbar schnell gesprochen. Er war blaß und hatte keine Luft. Alle wechselten Blicke miteinander; aber endlich begann der Alte herzlich zu lachen. Fürst N. nahm[254] seine Lorgnette heraus und betrachtete den Fürsten unverwandt. Der deutsche Dichter kam aus seiner Ecke hervorgekrochen und näherte sich mit einem unangenehmen Lächeln dem Tisch.

»Sie ü-ber-trei-ben sehr«, sagte Iwan Petrowitsch, dieses Wort in die Länge ziehend, in etwas gelangweiltem Ton; es klang sogar so, als ob er sich über etwas schämte; »auch in der dortigen Kirche gibt es höchst achtungswerte, tu-gend-hafte Vertreter …«

»Ich habe nie von einzelnen Vertretern der Kirche gesprochen. Ich rede von dem, was das Wesen des römischen Katholizismus ausmacht; ich rede von Rom. Kann denn eine Kirche vollständig verschwinden? Ich habe das nie gesagt!«

»Einverstanden; aber all das ist bekannt und braucht daher nicht gesagt zu werden, und … es gehört zur Theologie …«

»O nein, o nein! Nicht nur zur Theologie, ich versichere es Ihnen, nein! Das geht uns weit mehr an, als Sie meinen. Gerade darin besteht unser ganzer Irrtum, daß wir noch nicht einsehen können, daß das nicht ausschließlich eine theologische Angelegenheit ist! Auch der Sozialismus ist ja ein Produkt des Katholizismus und des katholischen Wesens! Auch er ist, ebenso wie sein Bruder, der Atheismus, aus der Verzweiflung hervorgegangen, als Gegensatz zum Katholizismus im moralischen Sinn, um einen Ersatz für die verlorengegangene moralische Macht der Religion zu bilden, um den geistigen Durst der lechzenden Menschheit zu stillen und sie zu retten, nicht durch Christus, sondern ebenfalls durch Gewalttätigkeit! Das ist ebenfalls eine Freiheit durch Gewalttätigkeit; das ist ebenfalls eine Vereinigung durch Schwert und Blut! ›Erdreiste dich nicht, an Gott zu glauben; erdreiste dich nicht, Eigentum zu besitzen; erdreiste dich nicht, eine eigene Persönlichkeit zu haben! Fraternité ou la mort! Zwei Millionen Köpfe!‹ ›An ihren Taten sollt ihr sie erkennen‹, heißt es in der Schrift. Und glauben Sie[255] nicht, daß das alles so harmlos und für uns ungefährlich wäre; o nein, wir müssen Wider stand leisten, und auf das schnellste, auf das schnellste! Unser Christus muß als Schild dem Westen entgegenstrahlen, unser Christus, den wir uns bewahrt und den sie überhaupt nicht gekannt haben! Wir dürfen uns nicht sklavisch von den Jesuiten angeln lassen, sondern wir müssen ihnen jetzt entgegentreten, indem wir ihnen unsere russische Zivilisation bringen; und man darf bei uns nicht sagen, daß ihre Predigt elegant sei, wie sich soeben jemand geäußert hat …«

»Aber erlauben Sie, erlauben Sie«, unterbrach ihn Iwan Petrowitsch, der sich unruhig rings umblickte und sogar ordentlich Angst bekam; »alle Gedanken, die Sie da vortragen, sind ja gewiß sehr löblich und patriotisch; aber es ist doch alles im höchsten Grade übertrieben, und … es wäre das beste, wenn wir das Thema abbrächen …«

»Nein, übertrieben ist es nicht, eher zu schwach ausgedrückt; ja, es ist zu schwach ausgedrückt, weil ich nicht imstande bin, die richtigen Worte zu finden; aber …«

»Er-lau-ben Sie!«

Der Fürst schwieg. Er saß, gerade aufgerichtet, auf seinem Stuhl und blickte, ohne sich zu regen, Iwan Petrowitsch mit flammendem Blick an.

»Mir scheint, daß der Vorfall mit Ihrem Wohltäter Sie gar zu sehr übernommen hat«, bemerkte der Alte freundlich, und ohne seine Ruhe zu verlieren. »Sie sind etwas hitzig … vielleicht infolge Ihres einsamen Lebens. Wenn Sie mehr unter Menschen lebten (und ich hoffe, daß man sich in der guten Gesellschaft über Sie als über einen beachtenswerten jungen Mann freuen wird), so wird sich Ihre Lebhaftigkeit gewiß mildern, und Sie werden sehen, daß das alles weit einfacher ist … Und zudem gehen solche seltenen Fälle meiner Ansicht nach teils aus unserer Übersättigung hervor, teils aus … einer Art von Sehnsucht.«[256]

»Ganz richtig, ganz richtig!« rief der Fürst. »Ein vortrefflicher Gedanke! Jawohl, aus einer Art von Sehnsucht, aus einer Art von Sehnsucht! Aber nicht aus Übersättigung, sondern im Gegenteil aus Durst … nicht aus Übersättigung, darin haben Sie sich geirrt! Aus Durst ist noch zu wenig gesagt: aus brennendem, fieberhaftem Durst! Und … und glauben Sie nicht, das geschehe in so geringem Umfang, daß man darüber lachen dürfe; verzeihen Sie, man muß verstehen, in die Zukunft zu schauen! Wenn unsere Landsleute das Ufer erreicht haben und zu der Überzeugung gelangt sind, daß das das Ufer ist, dann freuen sie sich darüber gleich dermaßen, daß sie sofort weitergehen, so weit wie nur irgend möglich; woher kommt das? Da wundern Sie sich nun über Pawlischtschew und schreiben alles seiner Verdrehtheit oder seiner Herzensgüte zu; aber dem ist nicht so! Und nicht uns allein, sondern gar Europa setzt in solchen Fällen unsere russische Leidenschaftlichkeit in Erstaunen: wenn bei uns jemand zum Katholizismus übertritt, dann wird er auch gleich unfehlbar Jesuit und gleich einer der schlimmsten; und wenn einer Atheist wird, dann fordert er unfehlbar sofort eine gewaltsame Ausrottung des Gottesglaubens, das heißt also eine Ausrottung mit dem Schwert. Woher kommt das? Woher auf einmal ein solcher Fanatismus? Wissen Sie es wirklich nicht? Das kommt daher, daß der Betreffende ein Vaterland gefunden hat, das ihm hier fehlte, und sich darüber gefreut hat; er hat ein Ufer gefunden, Land gefunden und hat sich hingeworfen, um es zu küssen! Nicht aus bloßer Eitelkeit, nicht immer nur aus häßlichen, eitlen Motiven werden die Russen Atheisten oder Jesuiten, sondern auch aus seelischem Schmerz, aus seelischem Durst, aus Sehnsucht nach Höherem, nach einem festen Ufer, nach einer Heimat, an die sie aufgehört hatten zu glauben, weil sie sie niemals gekannt hatten! Atheist zu werden ist für einen Russen so überaus leicht, leichter als für alle übrigen Menschen in der ganzen Welt! Und unsere Landsleute[257] werden nicht einfach Atheisten, sondern glauben unfehlbar an den Atheismus, wie an einen neuen Glauben, ohne zu bemerken, daß sie an ein Nichts glauben. So groß ist unser seelischer Durst! ›Wer keinen Boden unter sich hat, der hat auch keinen Gott!‹ Dieser Ausdruck rührt nicht von mir her, sondern von einem altgläubigen Kaufmann, mit dem ich auf einer Reise zusammentraf. Er drückte sich allerdings nicht ganz so aus, sondern sagte: ›Wer sich von seiner Heimat losgesagt hat, der hat sich auch von seinem Gott losgesagt.‹ Man braucht nur daran zu denken, daß bei uns die gebildetsten Leute sogar in die Sekte der Geißler eintraten … Und inwiefern ist übrigens in solchem Falle das Geißlerwesen schlechter als der Nihilismus, das Jesuitentum und der Atheismus? Man kann vielleicht sogar sagen, daß es mehr innerliche Tiefe besitzt! Aber da sieht man, wie weit jene Sehnsucht gelangt ist …! Man zeige den fieberhaft dürstenden Gefährten des Kolumbus das Gestade der Neuen Welt, man zeige dem Russen das wahre Russentum, man lasse ihn dieses Gold, diesen Schatz finden, der seinen Augen bisher in der Erde verborgen ist! Man zeige ihm, wie sich in der Zukunft die Erneuerung und Auferstehung der ganzen Menschheit vielleicht einzig und allein durch den russischen Gedanken, durch den russischen Gott und den russischen Christus vollziehen wird, und man wird sehen, welch ein starker, wahrheitsliebender, weiser, sanfter Riese vor den Augen der erstaunten Welt heranwachsen wird; erstaunt und erschrocken wird die Welt aber allerdings sein, weil sie von uns nur das Schwert erwartet, das Schwert und Gewalttätigkeit; denn da sie nach sich selbst urteilt, kann sie sich uns nicht ohne Barbarentum vorstellen. So ist das bisher gewesen, und dieses Sehnen wird, je länger es dauert, immer stärker und …«

Aber hier trat plötzlich ein Ereignis ein, und die Rede des Fürsten wurde in einer ganz unerwarteten Weise unterbrochen.

Aus dieser Quelle zitiert.

Wenn der katholische Papst seinen Priestern ein tiefes Durchdringen von Dostojewskis Philosophie empfiehlt, damit sie richtige Priester werden können, kann das unter Einbezug des Kontextes schon sonderbar wirken, nicht wahr?

Der Papst und Putin zünden eine Bombe im Vatikan. Wohin das wohl führen soll…

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UN-Reformen betreffen Sicherheitsrat

Tiefgreifende UN-Reformen sind vom UN-Generalsekretär öffentlich angekündigt worden. Jetzt werden Details bekannt. In der gemeinsamen Stellungname von Russlands Präsident Putin und Boliviens Präsidenten Morales heißt es unter anderem:

Президенты подчеркнули важность обновления архитектуры международных отношений, с тем чтобы она отражала разнообразие современного мира, высказались в пользу продолжения межправительственных переговоров по вопросу реформы Совета Безопасности ООН в целях его демократизации и приведения в соответствие с современными международными реалиями, прежде всего путем включения в его состав развивающихся стран Азии, Африки и Латинской Америки.

Übersetzung:

Die Präsidenten betonten die Bedeutung der Erneuerung der Architektur internationaler Beziehungen, damit sie die Vielfalt der modernen Welt wiederspiegelt. Die Präsidenten sprachen sich für die Weiterführung von Verhandlungen auf Regierungebene bezüglich der Reform des UN-Sicherheitsrats aus, mit dem Ziel seiner Demokratisierung und seines Umbaus. Der UN-Sicherheitsrat soll demokratisiert und in eine Form gebracht werden, die den modernen internationalen Realitäten entspricht, in erster Linie durch Einbezug von Entwicklungsländern aus Asien, Afrika und Lateinamerika in den Sicherheitsrat.

Der Sicherheitsrat ist das Herzstück der UN. Der soll reformiert werden.

Das heiße Eisen im Sicherheitsrat ist das Veto-Recht. Es würde mich nicht wundern, wenn es auch hier Änderungen geben wird. In 4-6 Jahren ist die Zeit dafür reif.

In der zitierten Stellungname finden sich viele andere interessante Punkte. Viele Verbrechen der Matrix werden dort offen beim Namen genannt. Unter anderem wird der “kolonialen Philosophie im Geist der Monroe-Doktrin” eine klare Absage erteilt. Putin gibt keine leeren Bekundungen ab. Wenn er das sagt, ist das übel für die USA und ihren Plan, wenigstens in Südamerika Herr zu bleiben. Die USA können froh sein, wenn sie selbst nicht in Stücke geteilt werden.

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In der Kürze liegt die Würze (25) – Papst vs Putin

Zwei interessante Fakten:

  1. Der römische Papst wird auf Lebenszeit gewählt.
  2. Wladimir Putin hat sich bereits mit dem dritten getroffen.

Geklaut von hier und fleißig selbst übersetzt.

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Putin im Wortlaut

Heute möchte ich einige Leseempfehlungen aussprechen.

In den Kommentaren wurde auf den Anti-Spiegel verlinkt. Das ist eine empfehlenswerte Lektüre in deutscher Sprache für alle, die etwas über Russland erfahren wollen. Der Autor Thomas Röper übersetzt unter anderem Putins Reden und hat darüber ein ganzes Buch herausgebracht.

Dabei ist mir aufgefallen, dass im Westen zwar viel über Putin gesprochen wird, aber er selbst nie zu Wort kommt.

Jaa, das hat sehr gute Gründe. Die Lügen der Qualitätspresse über Putin würden nämlich nicht überleben können, wenn die Menschen in Deutschland sehen und hören könnten, was Putin sagt und tut. Putins Wortlaut ist auf russisch und englisch frei, kostenlos und erschöpfend auf der Homepage des russischen Präsidenten verfügbar. Bei Thomas Röper findet man auch Übersetzungen ins Deutsche. Leseempfehlung.

Weiterhin möchte ich auf eine Sprechstunde Putins mit den führenden Köpfen der großen internationalen Nachrichtenagenturen verweisen. Es ist einfach unglaublich, mit welcher Leichtigkeit Putin die obersten Fragesteller der Welt an die Wand nagelt.

Außerdem hat es ein Interview mit der Financial Times gegeben, das weltweit Wellen geschlagen hat. Das hier hat die Financial Times aus dem Interview gemacht, hier können Sie das Inerview in voller Länge und kostenlos genießen. Wenn Interviews geschichtsträchtig sein können, fällt dieses Interview in diese Kategorie. Während ich diesen Beitrag verfasste, stellte ich fest, dass Thomas Röper an einer vollständigen Übersetzung des Interviews arbeitet. Den letzten Teil der Übersetzung mit allen Links zu den vorherigen Teilen gibt es hier. Ruhm und Ehre für Herrn Röper für diese Arbeit!

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In der Kürze liegt die Würze (24) – Bloomberg hat es mitbekommen

Ende März 2019:

Haben alle mitbekommen, dass Putin die OPEC, eines der globalpolitischen Machtinstrumente der USA, entführt hat? Die heißt jetzt OPEC+ und ist zu einem russischen Machtinstrument geworden.

Ende Juni 2019:

Russland vollendet die OPEC-Übernahme mit einem Deal mit den Saudis

Bloomberg hat es jetzt auch mitbekommen. Übersetzung von mir.

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Umfassende UN-Reformen angekündigt

Auf der Hauptsitzung des St. Petersburger Wirtschaftsforums am 7. Juni hat UN-Generalsekretär Guterres verkündet:

Поэтому я объявляю фундаментальные реформы ООН, с тем чтобы организация могла лучше служить миру и народам.

Übersetzung:

Deswegen verkünde ich fundamentale Reformen der UNO, damit diese Organisation der Welt und den Völkern einen besseren Dienst leisten kann.

Fundamentale Reformen. Jetzt ist es höchstoffiziell. Langjährige Blog-Leser wissen, dass wir eine Transformation der UN erstmals Anfang 2017 prognostiziert und das Thema seitdem auch mitverfolgt haben.

Das Sitzungsprotokoll ist natürlich wärmstens zur Lektüre empfohlen (hier auf englisch).

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Guter Polizist, böser Polizist

Die meisten Leser kennen vermutlich das Spiel “Guter Polizist, böser Polizist”. Das Ziel des Spiels ist es, einen dritten Teilnehmer, der sich nicht dem Willen der Polizisten fügt, zur Kooperation zu bewegen. Dazu droht der böse Polizist ganz üble Sachen an und kann den dritten Teilnehmer bei Bedarf auch peinigen. Der gute Polizist bietet dagegen Kooperation an und sagt Dinge wie: “Wenn du kooperierst, hört das Arschloch da auf, dich zu quälen. Außerdem verspreche ich dir, dass wir dir zusätzlich diese Kleinigkeit Gutes tun werden, die dein schweres Schicksal erleichtern wird. Wenn du nicht kooperierst, kann ich dir leider nicht helfen und du musst dein Schicksal mit dem Arschloch da ausmachen”. So wechseln sich der böse und der gute Polizist ab und zermürben auf diese Weise selbst hartnäckige Fälle.

Vielleicht ist schon jemandem aufgefallen, dass Putin und Trump genau dieses Spiel spielen.

Abstrahieren wir uns von den konkreten Inhalten der Politik von Putin und Trump, so stellen wir fest, dass von Putin ununterbrochen konstruktive Vorschläge unterbreitet werden und von Trump ununterbrochen Drohungen und Sanktionen ausgehen. Die Rollen sind ganz klar verteilt.

Das ist politisches Judo. Die Spaltung in den USA verhindert, dass Trump mit Putin zusammenarbeiten kann. Aber die beiden versuchen gar nicht, gegen die noch bestehende globalistische Kraft mit eigener Kraft gegen zu wirken. Das wäre viel zu aufwendig und aufreibend. Stattdessen nehmen Putin und Trump antagonistische Rollen ein, lassen die Globalisten sich austoben und schicken deren Kraft ins Leere. Formal getrennt und uneinig, arbeiten Putin und Trump als guter und böser Polizist aber sehr wohl sehr eng zusammen, und bewirken im Zusammenspiel genau das, was sie brauchen – sie bauen die Welt um.

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Trump, der Außenseiter

Die britische Queen hat während ihrer langen Regierungszeit 12 US-Präsidenten empfangen, darunter Trump. Nur drei von ihnen wurde ein offizielles Staatsbankett von der Queen zuteil, darunter Trump.

Warum ist das einer Erwähnung wert? Weil viele Menschen glauben, dass Trump ein Außenseiter ist. Dann fragen sich diese Menschen (unter anderem), warum Sonderermittler Mueller Trump nicht schuldig gesprochen hat. Die Menschen spüren, dass fehlende Beweise kein hinreichender Grund dafür sind. Wenn aber Mueller wollte – und auch konnte – aber Trump doch nicht schuldig sprach, muss es einen Grund dafür geben. Daraufhin sind die Menschen geneigt, allen möglichen Behauptungen aus der “alternativen” Presse Glauben zu schenken. Trump sei gekauft worden, oder er sei erpresst worden, oder er sei von vornherein ein Neocon.

Auf falschen Annahmen basierende Schlussfolgerungen sind beliebiger Stuß. Wenn Mueller wollte und konnte, aber nicht tat, hat er offensichtlich Trump gekauft. Klingt vernünftig. Was aber, wenn Mueller nicht wollte oder nicht konnte? Dann ist die Schlussfolgerung absolut wertlos. Ohne die Korrektheit der Vorbedigung ist jede Schlussfolgerung wertloser Müll. Verlieren Sie das nicht aus den Augen.

Trump ist kein Außenseiter. Verwechseln Sie nicht seine Rolle mit seinem Status. Sonst landen Sie auf dem Niveau von Fans, die die Schauspielerin Lena Headey beschimpfen, weil die von ihr verkörperte Figur Cersei Lannister so unsympathisch ist.

Manche Menschen warten seit fast drei Jahren auf ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump. Diese Menschen glauben innig daran, dass es so kommen muss. In ihrer Vorstellungswelt muss es das, weil sie von der Annahme ausgehen, dass Trump ein von allen verhasster Außenseiter ist, der durch irgendeinen blöden Zufall oder eine Manipulation US-Präsident geworden ist. Und auch wenn der Glaube dieser Menschen seit fast drei Jahren gnadenlos an der Realität zerschellt, glauben sie weiter daran.

Hinterfragen Sie nicht nur die Schlussfolgerungen. Graben Sie tiefer, bis zu den Annahmen, und hinterfragen Sie auch diese. Falsche Annahmen zu säen (auch damit die Menschen eigene falsche Schlussfolgerungen ziehen) ist ein grandioses Mittel der Manipulation, das gezielt eingesetzt wird. Das Witzige und Hinterhältige ist, dass man eine falsche Annahme säen kann und darauf basierend verschiedene “Experten” in den Medien platziert, die eine große Vielfalt von Schlussfolgerungen präsentieren. Die Schlussfolgerungen können sich aufs härteste widersprechen und so eine Meinungsvielfalt suggerieren, während sie alle auf der gleichen falschen Annahme basieren und damit lediglich eine große Vielfalt von Müll darstellen. Aber aus diesem Gewirr von Müll, das wie Meinungsvielfalt aussieht, kommt der Mensch nicht raus, solange er nicht die Falschheit der Grundannahme erkennt.

PS: Trump bietet den Briten ein großes Handelsabkommen mit den USA an – wenn die Briten sich von der EU befreien. Er drängt sie also zu einem No-Deal-Brexit und verspricht dafür US-Cookies.

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Das Angebot der USA an Russland

Im “The National Interest”, dem Sprachrohr von Henry Kissinger, erschien neulich ein interessanter Artikel. Der Autor schlägt vor, mit Russland einen Deal über Einflusssphären auszuhandeln.

Den Inhalt fasse ich plakativ so zusammen: Maduro hält sich nur wegen der Einmischung der Russen. Dabei gibt es doch die Monroe-Doktrin, die besagt, dass die USA ein Recht darauf haben, die westliche Hemisphäre, also die beiden amerikanischen Kontinente, nach Belieben zu kontrollieren. Das gilt auch für Kuba. Die USA sind aber auch moralisch verwerflich, sie haben Russlands Einflusssphäre in Osteuropa mit der NATO-Erweiterung schamlos verletzt. Obama hat sich ungeniert in der Ukraine eingemischt und dort ein US-Regime installiert, dessen Militär den USA untersteht. Georgien wird auch in die US-Einflusssphäre reingezogen usw. Russland rächt sich mit seiner Einmischung in Venezuela und durchkreuzt uns dort echt alle Pläne. Hey Russland, warum gehen wir uns eigentlich gegenseitig auf den Sack? Machen wir es so: Ihr überlasst uns Kuba und Venezuela und akzeptiert damit unsere Einflusssphäre. Wir akzeptieren im Gegenzug, dass Russland auch eine Einflusssphäre hat. Wir verzichten darauf, Georgien und die Ukraine in die NATO reinholen zu wollen und ziehen uns aus beiden Ländern militärisch komplett zurück. Wir ziehen unser Militär auch aus Osteuropa zurück und hören auf, dort permanent unsere Militärübungen durchzuführen. Dafür überlasst ihr uns aber Kuba und Venezuela. Und Nicaragua. So sollten wir es machen. Das ist nicht schändlich und nicht verwerflich. Große Mächte haben schon immer Einflusssphären in ihrer direkten Nachbarschaft angestrebt, das ist ganz normal. Die US-Vorgängerregierungen haben dieses Prinzip missachtet, aber Trump sollte und könnte das wieder gerade biegen.

Wenn Sie sich die Mühe machen, dem Link zu folgen, stellen Sie fest, dass der Artikel fast genauso plakativ ist wie die Zusammenfassung. Das ist ein wirklich schöner Artikel, ohne heuchlerisches Werte-Geschwafel, sehr direkt und ehrlich. Das ist auch ein seltener und unverstellter Einblick in echte Geopolitik. Genau so können Sie sich die Gespräche und die Inhalte in den Hinterzimmern vorstellen. Wenn der Deal eingetütet wurde und ein Kontinent gegen einen anderen eingetauscht wurde, heißt es auf der anschließenden Pressekonferenz, dass man sich geeinigt hat, zum Wohle der Demokratie und der heiligen Menschenrechte eng zusammenzuarbeiten, bla bla bla. Wenn der Deal nicht zustande kam, heißt es auf der Pressekonferenz, dass die Differenzen nicht überwunden werden konnten, aber man dabei verblieben ist, dass Demokratie und Dialog die einzigen Instrumente sind, die man jemals einzusetzen gedenkt, bla bla bla.

Lesen Sie den Artikel.

Also, die USA unterbreiten Russland einen Vorschlag über einen öffentlichen Kanal. Was entnehmen wir daraus? Die USA gestehen ihre Niederlage ein. Die USA sind seit dem Zerfall der Sowjetunion zum Welthegemon aufgestiegen und haben sich einfach alles genommen, was sie haben wollten. Sie mussten keine geopolitischen Deals eingehen und schon gar nicht mussten sie jemandem große Zugeständnisse anbieten. Jetzt müssen sie. Die Hegemonie ist vorbei, wir wissen das längst. Man sieht das jetzt immer mehr und immer deutlicher in der Öffentlichkeit. Die USA sind jetzt in der Verteidigungsposition und kämpfen darum, wenigstens den  Einfluss in der direkten Nachbarschaft behalten zu können.

Was wird aus dem Angebot? Nichts. Vor fünf Jahren hätte man es machen sollen, dann hätte daraus etwas werden können. Aber jetzt, wo der Krieg entschieden ist und Russland gesiegt hat, wird Putin alles nehmen. Georgien, die Ukraine, Osteuropa und halb Südamerika. Und halb Afrika. Und noch viel mehr.

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Das Volk hat gesprochen

Für die EU-Wahlen wurde aus allen Rohren großes Tam-Tam gemacht. Wie wichtig die Wahlen sind! Deine Stimme, Bürger, deine Stimme ist so wichtig!

So viel Gelaber hat der Bürger über sich ergehen lassen, so viele Emotionen wurden in ihm geweckt. Dann ist der Bürger am Sonntag ausnahmsweise aus dem Haus gegangen, um ein Kreuz auf ein Blatt Papier zu malen. Dann hat der Bürger sich eine Nacht lang um den Schlaf gebracht, um die live-Auszählung der Stimmen bis in die Morgenstunden mitzuverfolgen. Wie spannend, wie aufregend, wie wichtig das alles war! Der Bürger ist sich bewusst, welchen Anteil er an der Gestaltung der EU-Politik genommen hat. Wow!

Das EU-Parlament, an dessen Wahl sich der Bürger beteiligt hat, entscheidet nichts grundlegendes.

Die EU-Kommission und ihr Präsident entscheiden verdammt viel. Bei der Wahl des neuen Präsidenten, die in vollem Gange läuft, darf der Bürger nicht mitwirken.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank entscheidet verdammt viel. Die Neubesetzung des Postens steht an. Der Bürger darf nicht mitwirken.

Der Präsident des Europäischen Rates ist eine bedeutende Figur. Die Neubesetzung steht an. Der Bürger darf nicht mitwirken.

Das Volk hat gesprochen. Die Demokratie lebt.

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