Der transatlantische Traum von der großen Koalition

Die erneute große Koalition rückt näher. Urteilt man nach diesem Artikel, so ist die Frage nicht mehr nach dem ob, sondern nach dem wie der GroKo.

Wir erkennen interessante Forderungen. Sigmar Gabriel soll aus dem Kabinett rausfliegen und durch Martin Schulz ersetzt werden. Weiterhin soll Jens Spahn einen Ministerposten bekommen.

Die Namen hatten wir doch alle schon mal auf einem Fleck. Der SPON-Schreiberling wünscht sich, dass der größte Multipolarist der bisherigen Groko weicht und dafür zwei Transatlantiker reinkommen. Wir werden sehen, wie weit dieser transatlantische Wunschzettel berücksichtigt wird. Die Forderung ist an sich schon bemerkenswert. Es scheint, dass jemand schon weiss, dass die GroKo unausweichlich ist und dass es nur noch darum geht, sie möglichst weit mit den eigenen Leuten zu besetzen.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit:

Prognosenrückschau 2017

Anfang 2016 habe ich einige Prognosen für das Jahr 2017 gewagt. Jede Prognose muss daran gemessen werden, ob sie sich bewahrheitet. Heute bin ich Richter über meine eigenen Prognosen:

Die Welt wird multipolar werden. 2017 werden wir uns dem ein gutes Stück annähern. Ich weiss nicht, woran genau man das erkennen wird, aber es wird eindeutige Schritte geben.

Treffer. Der gefallene Hegemon zieht sich in Wahnsinnsgeschwindigkeit überall aus der Welt zurück. Die transatlantische Scheidung läuft auf Hochtouren und die EU versucht das zu nutzen, um sich zu einem eigenständigen Pol zu mausern. Im Nahen Osten hat sich klar das Dreieck Russland-Iran-Türkei herausgeschält, welches die Politik und die Entwicklung des gesamten Nahen Ostens für Jahrzehnte bestimmen wird.

Im Rahmen eines “Jalta 2.0” Vertrages werden die Grundzüge der multipolaren Weltordnung festgezurrt. Jalta 2.0 ist natürlich nur eine metaphorische Bezeichnung. Da es sich dabei um einen Hinterzimmervertrag handeln wird, müssen wir Bürger nicht darüber unterrichtet werden. An den Taten werden wir es erkennen können, vielleicht schon gegen Ende 2017.

Treffer. Was sich bereits abzeichnet:

  • Die USA ziehen sich im Wesentlichen auf ihren Kontinent zurück. Nicht mal Südamerika wird den USA geschenkt.
  • Die EU wird transformiert, wobei die Führung an das Tandem Deutschland-Frankreich geht, wobei Deutschlands derzeit überproportional starke Position bereits gestutzt wird, während Frankreich an Gewicht zulegt und weiter zulegen wird. Ein einzelner EU-Hegemon steht ganz klar nicht auf dem Plan.
  • Der Nahe Osten wird von der Triade Russland-Iran-Türkei geführt werden. Das hat bereits offen begonnen.
  • Israel baut sich eine neue Zuflucht im Grenzgebiet zwischen Argentinien und Chile. Interessierte mit Russisch-Kenntnissen können sich hier, hier und hier informieren.
  • Noch manche andere Dinge zeichnen sich ab, aber das oben aufgeführte soll vorerst genügen.

Die Achse Paris-Berlin-Moskau-Peking wird sich weiter festigen. Das heißt, Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok wird kommen. Noch nicht 2017, aber 2017 wird es näherkommen.

Treffer. Macron gibt den guten Jungen und ist immer auf einer Wellenlänge mit Putin. Merkel gibt weiterhin die russophobe Hexe, aber Nord Stream 2 wird planmäßig vorangetrieben, genauso wie andere Seidenstraßen-Projekte, die wenig bis keine Beachtung in den Qualitätsmedien finden.

Trump wird einen Haufen Leute aus dem Fahrstuhl werfen. Das heißt, der Machtkampf der US-Eliten (nationales vs transnationales Oligarchat) wird sich weiter zuspitzen und richtig brutal werden.

Treffer. Die Köpfe rollen in den USA. Die Eliten dort haben sich wahrlich brutal verbissen.

911 ist der wahrscheinlichste Anlass, um den Fahrstuhl zu säubern. Andere Anlässe sind auch denkbar. Wir können uns auf jeden Fall auf einen riesigen Skandal freuen. (Wenn es 911 ist, dann bedeutet es, dass Trump in einen Vernichtungskrieg zieht.)

Die 911 Karte wurde nicht gezogen. Bei dem Sexismus-Skandal ist nicht klar, wer diese Hochzeit tanzt, die Köpfe rollen auf beiden Seiten. Bei der Pädophilen-Karte ist für mich unklar, wie weit sie gespielt wurde. Mein Kenntnisstand ist, dass sich etwas bewegt, aber die Medien schweigen sich aus. Die Bewertung dieser Prognose kann man positiv wie negativ ziehen, je nachdem wie man sie interpretiert. Ich sage, das ist kein Treffer. Im Fahrstuhl spritzt das Blut in Strömen, einen riesigen Skandal haben wir auch, aber was da geschieht, geschieht nicht in der Klarheit, wie ich es gedacht hatte.

Es werden ganz große Köpfe rollen. Also formal-juristisch auf der Anklagebank sitzen. Möglicherweise vor einem (internationalen) Tribunal.

Daneben.

Bürgerkriegsähnliche Zustände und Versuche einer farbigen Revolution in den USA sind möglich. Wenn, dann werden diese Versuche erfolglos sein und Trump bzw. sein Lager werden dadurch nur gestärkt. Metaphorisch: Feuer in den USA möglich, aber kein Großbrand.

Treffer. Lustigerweise haben sich die Puppenspieler nichts neues einfallen lassen und den uralten US-Bürgerkrieg stumpf in der Version 2.0 aufgelegt.

Globale Finanzkrise. Trumps Feinde haben sowohl die Mittel als auch das Motiv, um die Blase platzen zu lassen.

Daneben. Ich glaube, das ist nicht das erste mal, dass meine Horror-Prognosen bezüglich Finanz-Krisen scheitern.

Russland und USA zerstören gemeinsam den IS. Großer gemeinsamer Sieg über den Terrorismus, Trump zieht die USA gesichtswahrend aus dem Nahen Osten heraus.

Treffer mit Abstrichen. Die Feierlichkeit der gemeinsamen Vernichtung wurde verhindert durch die massive und langandauernde Russland-Hetze in den USA, die es Trump bis jetzt nicht möglich machte, die Kooperation mit Putin offen zu gestalten. Also muss jeder für sich feiern. Aber der IS ist offiziell zerstört. Die USA haben wie üblich für den IS gekämpft, aber verglichen mit den Jahren zuvor gab es auch ein wenig verdeckte Hilfe. Der Rückzug der USA aus dem Nahen Osten ist nur halb abgeschlossen.

Das Dreieck Moskau-Ankara-Teheran wird das beherrschende Element des Nahen Ostens. Alles andere im Nahen Osten wird sich an diesem Dreieck orientieren müssen.

Mitten ins Schwarze.

Über Israel ziehen ganz düstere Wolken auf. Keine Ahnung, was genau passieren wird, aber irgendwas wird passieren. Die UN wird gegen Israel agieren. Das Geheul wird riesig sein. Das Geheul wird nicht helfen.

Treffer mit Abstrichen. Trumps trojanisches Geschenk an Israel treibt die Isolation Israels voran und versetzt die gesamte arabische Region in Aufruhr. In diesem Aufruhr wird irgendwas ausgeheckt. Abstriche gibt es dafür, dass die UN nicht die prominente öffentliche Rolle gegen Israel eingenommen hat, die ich erwartet habe. Das große Geheul kam entgegen der Erwartung nicht aus Israel gegen die Welt, sondern umgekehrt aus der gesamten Welt gegen Israel (und USA).

Schmutziges Spiel im entscheidenden Kampf um die neue Weltordnung. Terrorakte, Morde, abgestürzte Flugzeuge, gesunkene Schiffe, Explosionen, lauter ekelhafte Sachen. Die unsichtbare Krake gibt im Todeskampf noch mal alles.

Jetzt musste ich den Nachrichtenstrom des Jahres noch mal durchgehen, damit ich den Schmutz aus den Vorjahren nicht mit dem Schmutz von 2017 durcheinander bringe. Ja, wir haben viel Terror gesehen. Wie in den Vorjahren hat es nicht nur die arabischen Länder und ander Opfer des Westens getroffen, sondern auch die westliche Welt selbst.

Allerdings kein großer Krieg. Die neue Weltordnung wird ohne dritten Weltkrieg ausgehandelt.

Treffer. Wobei hier die Klarstellung angebracht ist, dass mit Weltkrieg in der Prognose der klassische Weltkrieg gemeint war, wie er als Angsmacher in den Köpfen der Menschen verankert ist – wenn Großmächte sich mit Panzern, (Atom-)Raketen, Kriegsschiffen und anderem klassischen Kriegsgerät klassisch auf dem Schlachtfeld gegenüber stehen. Auf der anderen Seite sind wir seit Jahren in einem hybriden Weltkrieg, der von den meisten Menschen als solcher nicht wahrgenommen wird.

Merkel fährt einen Antiflüchtlingswahlkampf, der die AfD neidisch macht, und gewinnt damit. Falls Merkel zusätzlich einen russophoben Wahlkampf führt (Putin hackt unsere Wahlhelfer usw.) und die SPD laut für die Verbesserung der Beziehungen zu Russland trommelt, dann verliert Merkel.

Daneben, aber nicht völlig. Merkel hat die vorbereitete Antiflüchtlingskarte nicht gespielt. Hätte sie mal besser auf mich gehört… Gewonnen hat sie zwar, aber nicht so dolle. Der Krampf der Regierungsbildung hält noch an. Die SPD hätte auch besser auf mich hören sollen, aber statt laut für Beziehungsverbesserungen mit Russland zu trommeln, haben sie Transatlantiker-Schulz an die Spitze gehievt. Das haben sie nun davon. Die FDP hat vorgemacht wie es geht – Lindner hat nur einmal halblaut was von Anerkennung der Krim geflüstert und man schaue sich das Ergebnis an! Die AfD hat die Flüchtlingskarte gespielt und war auch sehr erfolgreich damit. Aber die Politiker glauben immer noch, dass das Gesellschaftsbild, wie es von den Hurenmedien aufdringlich propagiert wird, das echte Gesellschaftsbild wiederspiegelt und somit relevant ist. Deswegen haben sich die großen Parteien nicht getraut, das zum Thema zu machen, was den Menschen wichtig ist und sich lieber der von den Medien orchestrierten politischen Korrektheit verpflichtet. Dabei hat die US-Wahl 2016 gezeigt, dass die Medien keinesfalls die vierte Macht sind, als die sie gern bezeichnet werden. Sie haben das Negativ des echten Gesellschaftsbildes gezeichnet und geschlossen Wahlwerbung für Clinton gemacht, aber Trump wurde trotzdem gewählt. Weil Trump die Themen angesprochen hat, die den Menschen wichtig waren. Da hat die Hetze der Medien auch nichts genützt. Die Partei, die sich das als erste in Deutschland traut, wird in Zukunft gewinnen. In diesem Jahr haben sich weder CDU noch SPD getraut und sie haben beide verloren.

In Frankreich wird Fillon neuer Präsident.

Ohje, wer war noch mal Fillon?

Die EU wird gemäß den Ansagen transformiert. Das heißt, es geht mehr oder weniger weit in die beschriebenen Richtungen.

Volltreffer.

Die UN wird ein neues Gesicht zeigen.

Daneben.

Freiwillige Koalitionen an der UN vorbei wird es nicht mehr geben.

Das stimmt wiederum.

Die UN wird transformiert werden. 2017 erleben wir den Beginn dieses Prozesses. Regeln werden neu geschrieben. Neue Regeln werden dazukommen.

Die ersten Schritte haben wir gesehen, also Treffer. Es waren ganz kleine Schritte, aber sie waren da.

Die NATO wird einen Knacks erleben. Schrumpfung der NATO in Richtung ihrer alten Grenzen wird zumindest offen diskutiert.

Treffer mit Abstrich. Die NATO hat einen wahrlich massiven Knacks erlebt. Trump vergrault sämtliche Vasallen und erpresst sie öffentlich. Die EU baut eine parallele militärische Struktur auf. Trump hat schon offen kritisiert, dass er keinen Bock hat, NATO-Partner zu verteidigen, die weniger zahlen, als Trump fordert. Fehlt nur die offene Diskussion zur Schrumpfung der NATO. Dafür gibt es den Abstrich.

Eurasische Sicherheitsstruktur mit Beteiligung Russlands und der EU wird Gesprächsthema.

Daneben.

Neue Weltwährung (als Ersatz für den scheidenden Dollar) wird offenes Gesprächsthema.

Daneben. Am Ersatz für den Dollar wird weiter fleißig gearbeitet, aber das Thema ist nicht in die breite Öffentlichkeit gelangt. Fachkreise und manche alternative Medien zählen nicht für “offenes Gesprächsthema”.

Es werden große Ereignisse geschehen, die in meiner Liste so gar nicht auftauchen…

Daneben. Überraschenderweise hat es keine großen Überraschungen gegeben. Das liegt an meiner Fehleinschätzung bezüglich des Höhepunktes des Chaos. Den Höhepunkt habe ich 2017 erwartet, aber das hat sich nicht bewahrheitet und 2016 war der reale Höhepunkt. 2017 lief ruhiger und geregelter ab. Wir waren in diesem Jahr bereits auf dem absteigenden Ast, was das Chaos betrifft.

Die drei wesentlichen Prognosen waren richtig. Bei dem Versuch, Details vorherzusagen, ist dann doch einiges schief gelaufen. Insgesamt 14 Treffer und 9 mal daneben. Gesamttrefferquote liegt bei knapp 61 %. Letztes Jahr waren es 63 %.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit: , , , , , , , , , , ,

Die internationale US-Koalition unter Trump

Die UN hat eine Resolution über den Status von Jerusalem verabschiedet, praktisch als Reaktion auf Trumps Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels.

Trump hat vor der Resolution offen gedroht, dass er denjenigen Staaten, die US-Gelder erhalten, aber nicht mit den USA abstimmen, die Geldflüsse abwürgen wird.

Was ist die Drohung der USA heute wert? Und wer stellt sich in einer strittigen Frage noch auf die Seite der USA? Nun, die internationale US-Koalition in der Jerusalem-Frage umfasst neun Staaten:

  • USA
  • Israel
  • Guatemala
  • Honduras
  • Marshall Islands, Micronesia
  • Nauru
  • Palau
  • Togo

So sieht sie aus, die Isolation der USA. Mit Trumps Unterschrift. Großartiger Mann. Dass er der ganzen Welt per Drohung zu befehlen suchte, wie sie abzustimmen hat, verstärkt das Bild der Isolation immens.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit: , ,

Frohe Weihnachten!

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit:

Christophe de Margerie

Christophe de Margerie war bis zu seinem Tod im Jahr 2014 der Vorstandsvorsitzende des französischen Energieriesen Total. 2014, wir erinnern uns, entbrannte der offene Krieg zwischen dem Westen und Russland. In diesem Krieg trat der Westen aber nicht geschlossen auf, denn schon sehr früh zeigte sich, dass die USA nicht nur mit den Vasallen, sondern zugleich gegen seine eigenen Vasallen ins Feld zog. Auf den Fahnen stand “Gegen Russland!” und die offizielle europäische Propaganda singt dieses Lied immer noch ihren Bürgern vor. Aber den europäischen Eliten wurde schnell klar, dass der offizielle Kampfspruch nur die halbe Wahrheit aussprach und die zweite Losung, “Gegen Europa!”, nicht ausgesprochen, aber sehr intensiv verfolgt wurde.

Christoph de Margerie war ein Repräsentant derjenigen europäischen Eliten, die gewillt waren, den Selbstmord zu verweigern und sich gegen den politischen Herren aus Übersee aufzulehnen. In der Phase der schlimmsten Russland-Hetze und der Verkündung von Sanktionen hat Total an den Großprojekten in Russland festgehalten. De Margerie hat sich offen für eine Partnerschaft mit Russland und gegen die US-Hegemonie ausgesprochen. Dafür musste er bei einem “Unfall” sterben. Die Liste der Bestrafungen Frankreichs aus dieser Kriegsphase ist lang.

Total ist standhaft geblieben und hat sich nicht aus Russland zurückgezogen. Russland hat seinen ersten arktischen Flüssiggas-Tanker “Christophe de Margerie” getauft, zu ehren des verstorbenen Total-Chefs. Russland hat eine Tradition der Ehrung echter Helden. Der neue Tanker ist übrigens nicht nur der erste in Russland, sondern der erste weltweit – er ist gleichzeitig ein Eisbrecher und kann 2,1 m dickes Eis brechen. Entwickelt und gebaut speziell für die Polarmeer-Route, um russisches Flüssiggas auf kürzestem Weg zu den asiatischen Märkten zu befördern. Das Projekt wurde sanktioniert, aber Russland hat es dennoch fertiggestellt – im hohen Norden, wie es nirgendwo sonst realisiert worden ist. Total wird mitverdienen.

Die Christophe de Margerie steuert jetzt Großbritanien an, denn die Briten frieren sich gerade den Allerwertesten ab, während gleichzeitig eine wichtige Öl- und Gas-Pipeline wegen dringender Reparaturarbeiten ausfällt. So sieht er aus, der moderne hybride Krieg. Die britische Premier May versucht mit Russland-Hetze zu punkten, und gleichzeitig bittet ihr Land um russisches Erdgas aus einem vom Westen sanktionierten Projekt – und bekommt es. Da kann einem schon schwindlig werden.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit: , , ,

Trumps Geschenk an Israel

Trump hat es getan! Er hat Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkannt. Und er hat den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angeordnet. Kritische Geister haben schon immer gewusst, dass Trump ein verdeckter Agent Israels ist.

Hinsichtlich der Anerkennung wäre ein offizielles Dokument hilfreich, welches und Auskunft gibt, was genau anerkannt wird. Dass Jerusalem gemeinsame Hauptstadt der Israelis und der Palästinener ist und bleiben soll, ist internationaler Konsens. Damit Trumps Anerkennung etwas Neues darstellt, muss sie über den Status Quo hinausgehen. Das wäre zum Beispiel die Anerkennung von ganz Jerusalem als israelische Hauptstadt. Haben wir derartige offizielle Ankündigungen oder Dokuemente?

Hinsichtlich der Verlegung der Botschaft wurde angekündigt, dass kein bestehendes Gebäude genommen werden soll (das hätte schnell gehen können), sondern dass ein neues Gebäude gebaut werden wird. Jetzt wird feierlich ein passendes Plätzchen gesucht, dann ein Gebäude geplant, dann bürokratischer Kram abgewickelt, dann gebaut und irgendwann könnte es fertig werden. Es ist möglich, den Umzug für Ewigkeiten in die Länge zu ziehen.

Trumps Entscheidung hat auch sofortige Nebenwirkungen:

  • Trump brüskiert die islamische Welt. Zu einem Zeitpunkt, an dem die islamische Welt sich ohnehin von den USA abwendet. Die USA haben den Krieg im Nahen Osten gegen Russland verloren. Trump tritt aus der Verlierer-Rolle heraus nach. Arabische Länder, die noch vor kurzem vom Westen gegeneinander ausgespielt wurden, kommen jetzt einander näher. Ein gemeinsamer Feind verbindet und Trump macht die USA zum gemeinsamen Feind. Wer im arabischen Raum jetzt noch pro USA ist, ist automatisch ein Verräter – dank Trump. In welche Lage versetzt das die arabischen Eliten, die sich noch weiter auf die USA stützen wollten?
  • Trump brüskiert die EU. Die EU hat sich sofort klar gegen die US-Entscheidung positioniert. Ein weiterer Schlag gegen die transatlantischen Bande, ein neuer Stein des Anstoßes. Die transatlantische Scheidung läuft auf Hochtouren.
  • Nachdem die USA militärisch verloren haben, zündet Trump mit seiner Entscheidung eine Bombe unter der Autorität der USA als Vermittler im israelisch-palästinensischen Konflikt. Ein Vermittler muss neutral sein, zumindest formell. Trump hat dieses Prinzip mit den Füßen getreten, hat sich formell klar auf die Seite Israels gestellt. Schwach und parteiisch – das ist die schlechteste Ausgangslage für einen Vermittler. Trump arbeitet an der Zerstörung der US-Vermittlerrolle im israelisch-palästinensischen Konflikt.

Das “Geschenk” ist keines. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Trump hat die Anerkennung, die nirgendwo in der Welt auf Zustimmung stößt, zu einem Zeitpunkt vollzogen, da die USA international alle wichtigen Spieler gegen sich aufgebracht haben. Das ist ganz wichtig. Als vor vier Jahren die Ukraine angezündet wurde und die USA zu den Fahnen riefen, sind alle Vasallen gefolgt und waren mit größtem Eifer dabei. Hätten die USA damals die Anerkennung Jerusalems vollzogen und die Vasallen zum Mitmachen aufgerufen, hätten sich alle mit Jubelgesang angeschlossen. Aber die Welt ist jetzt, nach vier Jahren, eine ganz andere. Die USA sind kein Hegemon mehr. Der mächtige und wohlwollende Zar hat seinen Sitz in Moskau. In Washington hampelt ein “Psychopath” herum, der die USA in weniger als einem Jahr international isoliert hat. Die Anerkennung zum jetzigen Zeitpunk vertieft die Isolation der USA und bringt den Rest der Welt enger zusammen im Widerstand gegen den “Psychopathen”. Trump hat so lange gewartet mit der Anerkennung, bis klar war, dass sie die Spaltung zwischen den USA und dem Rest der Welt nur weiter vertiefen würde.

Trump ist großartig. Einfach sagenhaft, wie er den Sturz des Hegemons abwickelt.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit: , , , , ,

Die Fronten in Deutschland

Die politische Front in Deutschland verläuft nicht mehr zwischen CDU und SPD. Die Front verläuft – sehr grob vereinfachend – zwischen Transatlantikern und Multipolaristen.

Große Koalition

Die große Koalition hat seit dem US-Verrat in der Ukraine offen die multipolare Linie eingenommen, von der es für sie auch kein zurück mehr gibt. An den Gegnern und Befürwörtern der großen Koalition können Sie derzeit mit großer Klarheit die Feinde und Freunde der multipolaren Welt erkennen. Die große Koalition ist das einzige politische Gebilde, was Deutschland zur multipolaren Welt streben lassen kann. Alles andere wird diesen Weg sabotieren.

SPD

Das Gesicht der Transatlantiker in der SPD ist Martin Schulz. Er versucht alles mögliche gegen die große Koalition zu unternehmen. Erst macht er eine kategorische Absage, dann, als es nicht durchgeht, legt er möglichst viele Steine in den Weg.

Das Gesicht der Multipolaristen ist Sigmar Gabriel. Er prügelt auf den USA herum, pflegt enge Kontakte zum Kreml.

CDU

Als Gesicht der Transatlantiker wird der bis vor kurzem unbekannte Jens Spahn intensiv aufgebaut. Er schießt gegen Merkel und die große Koalition.

Merkel ist das Gesicht der Multipolaristen. Sie legt sich offen mit Trump an, setzt gegen US-Widerstand wirtschaftliche Großprojekte mit Russland um.

FDP

Es mag vielleicht manchen überraschen, dass ausgerechnet die FDP sich im Rahmen der Bundestagswahl 2017 besonders verdient um die multipolare Linie gemacht hat. Lindner hat dem giftigen deutschen Jamaika den Dolch ins Herz gerammt. Aber die FDP gehört so umfänglich der deutschen Wirtschaft wie keine andere Partei und die deutsche Wirtschaft ist derzeit die treibende Kraft der multipolaren Linie, so dass es in Wirklichkeit nicht verwunderlich ist, dass die FDP so gut mitspielt.

Grüne

Deutschlands Kriegspartei, die sich als Naturfreund tarnt. Die grüne Außenpolitik treibt Deutschland konsequent in jeden möglichen Konflikt mit Russland – wer daraus nicht schlau wird, ist selbst schuld. Aber die Grünen sind grün und grün steht für Naturliebe und so! Der Trick ist so billig wie wirksam. Ein Häckchen fürs Gewissen im Gegenzug für CIA-Einfluss im deutschen Bundestag oder gar der deutschen Regierung – so lautet der Deal. Herzlichen Glückwunsch, wer darauf reinfällt.

Wie man sieht, gehört jeweils eine kleine Partei komplett einem Lager an, während die beiden großen Parteien CDU und SPD zerrissen sind. Irgendwann im Wahlkampf kam mir angesichts der unfassbar unverhohlenen massenmedialen FDP-Werbung der Gedanke, dass auf eine schwarz-gelbe Mehrheit spekuliert wird. Sieht man sich jetzt die Fronten an, wirkt das umso plausibler. Merkel hat die SPD zur Wahl zerpflückt – Steinmeier ins Abseits geschoben und die Parteiführung Transatlantiker-Schulz zugeschustert. Dann hat es aber doch nicht gereicht und jetzt läuft eine unfassbar komplizierte und mühsame Operation “Zurück zur GroKo”. Erst glaubhaftes “wir-wollen-alle-wirklich-Jamaika”-Theater, dann Lindners Heldentat (gewiss im Alleingang!), dann die Zermürbung von Schulz. Das alles begleitet von permantem Störfeuer. Erinnern Sie sich zum Beispiel noch an den CSU-Menschen, der kurz nach den ersten Anzeichen für mögliche GroKo-Sondierungen “im Alleingang” irgendeine Entscheidung traf, die diametral den SPD-Grundsätzen zuwiderlief? Das war nicht im Alleingang, sondern in Rücksprache und auf Anordnung der transatlantischen Drahtzieher. So enttarnen sich die Agenten, so müssen sie sich enttarnen, weil die Situation so kritisch ist, dass getarnte Agenten geopfert werden müssen. Und auf der SPD-Seite ploppten umgehend die Agenten aus dem gleichen transatlantischen Lager hoch, die sofort möglichst hysterisch in der Presse herumschrien, dass diese CSU-Aktion den Tod der GroKo bedeutet, unbedingt!

Der politische Kampf in Deutschland entfaltet sich zwischen Transatlantikern und Multipolaristen. Auf der multipolaren Linie sind schwarz-gelb und GroKo. Auf der Seite der Transatlantiker ist alles andere – Jamaika, Minderheitsregierung der Linken mit der AfD und sonstige Späße. Nachdem es für schwarz-gelb nicht gereicht hat, bleibt den Multipolaristen nur die GroKo. Der Kampf darum ist ein Kampf um Deutschlands Platz in der neuen multipolaren Welt. Eine andere Welt wird es nicht geben. Wenn jetzt noch Transatlantiker ans Ruder gelangen, werden sie die ersehnte US-Hegemonie nicht zurückholen, aber im Versuch, es doch zu tun, werden sie gegen die multipolare Welt kämpfen und damit Deutschlands Rolle in dieser Welt mindern. Die Hoffnung, dass dieser Blödsinn nicht begangen wird, ruht… nicht auf dem Wahlvolk, sondern auf der deutschen Industrie und deren Möglichkeiten, die deutsche Politik zu beeinflussen. Das Wahlvolk ist vernebelt von Propaganda, die Industrie aber zählt Geldscheine und Gewinnaussichten, und Aussichten gibt es derzeit nur in der multipolaren Welt. Die Wirtschaft ist deswegen schon auf Kurs und ihre Vertreter sind dabei, die Politik auf Kurs zu bringen.

Und wer hilft den deutschen Multipolaristen? Trump! In seiner großen Rede in Florida von vor ein paar Tagen kommt er unter anderem auf die NATO zu sprechen (Video, ab Minute 53). Er brüstet sich damit, wie er die NATO-Staaten aufforderte, zu zahlen. Die NATO-Partner seien unverschämt, die USA nicht zu bezahlen. Und wenn die USA dann wegen so einem nicht zahlenden Partner in einen Krieg gegen Russland ziehen müssen, ne ne ne… Gut in Fahrt gekommen, kommt Trump direkt auf Deutschland und Merkel zu sprechen. “Ich sagte, Angela, lass uns ein wenig von eurem Cash zukommen! Denn wir verteidigen sie, wir haben 40.000 Soldaten in Deutschland. Ich sagte, Angela, lass mal was rüberwachsen. Sie sagte, Donald, die Deutschen wären darüber nicht erfreut. Ich sagte, weisst du was?! Die Amerikaner sind nicht erfreut über den aktuellen Zustand!” Herrlich! Wessen Position wird dadurch geschwächt? Die Position all der Spahns und Schulzes, die auf transatlantische Bande setzen. Trump zeigt den deutschen Eliten, dass es keine transatlantische Einigkeit mehr gibt und dass es sie nicht mehr geben wird. Hinter dem Ozean verlangt ein psychopatisch wirkender US-Präsident höhere Vasallenabgaben, während aus Asien verlockende Angebote für große wirtschaftliche Zusammenarbeit angeboten werden. Die Transatlantiker-Lemminge mögen sich noch so sehr abstrampeln, der Zug ist auf strategischer Ebene schon längst abgefahren. Auf taktischer Ebene kann man ihm noch zu Fuß auf den Gleisen hinterherlaufen, während Klügere die guten Plätze im neuen Zug besetzen. Und so führt an der großen Koalition kein Weg vorbei, außer dem Weg in den Abgrund.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit: ,

Fehlerhaftes Axiom

Es folgt eine zusammenfassende Übersetzung des Beitrags “Fehlerhaftes Axiom“.

“Es gibt keinen Preis, den Russland nicht für die Ukraine bezahlen würde” – das ist das wichtigste Axiom, mit dessen Anwendung die westliche Koalition, gemeinsam mit Israel und einer Gruppe arabischer Staaten, einen Fehlstart in der Ukrainekrise hingelegt haben, mit dem eigentlichen Ziel, Russlands Einmischung in Syrien zu verhindern. Der Putsch in der Ukraine wurde seit langem vorbereitet, war aber zu den Neuwahlen [regulär Anfang 2015] geplant. Putin hat das so bestätigt, dass der Putsch zu den Neuwahlen geplant war, aber vorgezogen wurde. Der Grund für die Eile war die Angst, dass Russland es wagen könnte, sich im Nahen Osten einzumischen und dort das Fest des Westens stören könnte. Bei der Umverteilung im Hauptspiel wurde die Ukraine von Beginn an als Joker zurückgehalten, für den Fall, dass Putin sich in den geplanten Mega-Raub und die Neuziehung von Grenzen einmischen würde. Die Gewissheit über “es gibt keinen Preis…” gründete sich auf die Meinung zahlreicher Experten, Analysen, Berichte, sowie den zahlreichen Bestätigungen dieses Axioms durch russischsprachige Juden, die im Westen als Russlandexperten gelten. Das ist wirklich so, die stehen dort verschiedenen Instituten vor und sind Mitglieder in Think Tanks und machen ein gutes Geschäft, indem sie ihre kostbare Meinung verteilen, sowohl über Russland als auch über alle ehemaligen Territorien des Russischen Imperiums.

Das von ihnen hergeleitet Axiom “es gibt keinen Preis” war entscheidend für die Wahl der Ukraine als Joker in diesem Spiel und gab dem Westen das Gefühl der völligen Sicherheit, dass für den Fall des Falles eine todsichere Falle zur Verfügung steht, die, wenn sie zur richtigen Zeit gestellt wird, Russland von der Einmischung in das Hauptspiel abhält, so dass Russland still und schweigend, sich in das winzige Territorium des Donbass und Charkows verbeißend, zusehen wird, wie vor seinen Augen alle Zukunftsperspektiven untergehen und für Jahrzehnte eine unausweichlich abhängige Position übrig bleibt.

Da das Axiom “es gibt keinen Preis” tatsächlich ein Axiom war [als wahr vorausgesetzt, ohne Inbetrachtziehung der Möglichkeit, dass es falsch sein könnte], wurde auch sofort der höchste Preis verlangt – die Beerdigung Russlands als unabhängigen Staat. Sie waren sicher, dass Russland sich in ein Stück ukrainischer Steppe verbeißen wird und dem Westen den Rest der Welt überlässt, dass Russland sich von den Märkten abschneiden lässt und zur billigen Tankstelle Chinas wird.

Sie haben sich brutal verkalkuliert.

Die Auslandsaufklärung Russlands arbeitet sehr gut und Putin kannte diese Pläne schon vor langem. Ausgehend von den Plänen des Westens und ihrem Schizo-Axiom wurde der eigene Plan aufgestellt.

Der Gegner war so sehr von seinem Axiom überzeugt, dass sogar reale Schritte und Entscheidungen Putins seit dem Putsch als Bluff aufgefasst wurden. Obwohl unmittelbar Maßnahmen unternommen wurden – eine Neuordnung der russischen Industrie mit Berücksichtung des Ausschlusses russisch-ukrainischer Partnerschaften, der Bau neuer Straßen zur Umgehung der Ukraine, einschließlich des Baus der Kertsch-Brücke – waren die Experten sicher, dass Russland gezwungen sein wird, einen Landweg zur Krim zu erobern. Alternative Gastransit-Strecken nach Europa erschienen nicht bedrohlich, es reichte zu zeigen, dass die EU den Prozess mit Sonderregeln stoppen konnte. Aber Putin gab zu verstehen, dass er keine Eile hatte und dass es andere Alternativen gab. Der Westen mischte sich in die anderen Alternativen ein und für Monate wurde alles in Frage gestellt, aber Putin demonstrierte erneut Gelassenheit, wartete auf einer Position, ohne aufzuhören, auf anderen Positionen zu arbeiten – nur zu den ukrainischen Varianten wendete er sich nicht zu. Die West-Experten sind nicht von ihrem Axiom abgerückt und warteten, aber es gab nichts, worauf es sich zu warten lohnte. Sie konnten nicht verstehen, dass es kein Bluff war, dass Putin die Zeit anders misst, nicht so, wie sie es gewohnt waren.

Ein Beispiel für das Messen der Zeit… Als im Irak der Krieg, d.h. die Demokratisierung begann, stellten sich die Saudis, Kataris und andere Zwerge natürlich auf die Seite der USA und halfen, den Irak in Stücke zu reißen, und damals haben sie gewonnen, aber in der Zeit haben sie schon damals verloren, denn der Irak und das irakische Volk werden nicht vergehen und die Eroberer werden dort nicht für immer bleiben und sobald die Überlebenden sich berappelt haben, werden sie allen alles erinnern, mit allen Konsequenzen. Nun werden die Saudis im Irak auf Jahrzehnte verhasst sein, sie werden dort keine Geschäfte machen können, ihre Bürger werden sich nicht sicher im Irak bewegen können, werden dort ihre Firmen nicht aufmachen können usw. Amerika ist weit weg, aber die Saudis und die Iraker sich nah beieinander, deswegen müssen sie die Zeit anders messen, und nicht nur die Zeit. Denn der heutige Sieg bedeutet, dass du morgen und für Jahrzehnte verloren hast, genau am Tag des Sieges hast du bereits verloren.

Putin misst die Zeit anders, nicht so wie es westliche geopolitiche Experten gewohnt sind. Bei jedem Subjekt [selbtständger Staat] oder Objekt [abhängiger Staat] wird die Zeit anders gemessen und werden die Handlungen an die besondere Zeit angepasst, die in diesem oder jenem Ort gilt.

Die Zeit in der Ukraine wirkt so, dass, je länger die Tatenlosigkeit Russlands in dieser Richtung andauert, desto näher Russlands Sieg in der Ukraine, ohne etwas dafür zu tun. Für den Westen wirkt die Zeit in der Ukraine exakt umgekehrt – je länger der Westen dort wirkt, desto näher ist seine unausweichliche Niederlage gegen Russland auf dieser Front, selbst wenn Russland gar nicht zu diesem Krieg erscheint.

Die Zeit in Syrien musste man so lange hinziehen, bis der letzte Hirte kapiert hatte, dass der Westen und der IS eins sind. Der gesamte Nahe Osten musste die Folgen des westlichen Handelns sehen und verstehen, dass es für jeden das Ende bedeutet, ohne starke Hilfe von außen. Dann, als alle diesen Zustand erreicht haben, musste man reingehen und anschaulich gewinnen, damit seine Stärke zeigen, eine Alternative zum Tod zeigen, an die man glauben konnte. Und dann – in Sotschi sitzen und darauf warten, dass die Vasall-Bewerber um Audienz bitten. FERTIG.

Die Einsätze begannen zu sinken, der Preis der Ukraine fiel, aber Putin bezahle den kleineren Preis nicht und den noch kleineren auch nicht. Das Axiom erwies sich als fehlerhaft, genauso wie das von der Erdscheibe.

Das wirkliche Axiom geht so: Es gibt keinen Preis, den Russland bereit ist für die Ukraine zu zahlen, wenn Russlands zukünftige Interessen davon berührt sind. Wir werden gar nichts zahlen, denn die Zeit selbst und Tatenlosigkeit werden die Ukraine unausweichlich wie eine reife Frucht in unseren Korb fallen lassen.

Russlands außergewöhnlicher geopolitischer Sieg in einer strategisch wichtigen Weltregion wird weitreichende Konsequenzen für alle haben – für die Verlierer, die Gewinner und die Staaten des Nahen Ostens, ebenso für Afrika und, natürlich, für Europa und die USA.

Die Niederlage des Westens und seiner Koalition ist katastrophal für sie selbst und grundlegend für die zukünftige Machtverteilung. Dank Russlands Einmischung wurde das wichtigste Ziel nicht erreicht – die Aufteilung von sieben Staaten in neue Gebilde, mit anschließender Kontrolle der dortigen Territorien, Ressourcen und Politik für Jahrzehnte.

Öl, Gas, die Territorien und alles, was daraus folgt, werden der Westen und seine Verbündete nicht bekommen. Alle Völker des Nahen Ostens, Afrikas und Asiens haben anschaulich gesehen, dass die Pläne der mächtigen westlichen Koalition, einschließlich superreicher Nahost-Staaten, von Russland im Alleingang zerstört wurden. Das lässt Russlands Aktienwert um zehnfache Größenordnungen steigen und senkt im gleichen Ausmaß die Aktienwerte der Verlierer.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit: , , , ,

Sudan will Russlands Vasall werden

Am 23. November war Sudans Präsident al-Baschir zu Besuch bei Putin und sagte dort unter anderem das:

Zunächst einmal möchte ich Ihnen für die Einladung nach Russland danken. Wir haben lange von dieser Visite geträumt.

(…) Wir sind Russland dankbar für die Position, die es auf internationalen Foren einnimmt. Uns ist die schützende Haltung wichtig, die Russland gegenüber dem Sudan einnimmt.

Unsere Positionen stimmen bei den meisten Fragen überein. Zuallererst sind wir gegen die US-Einmischung in die inneren Angelegenheiten arabischer Länder, und das betrifft unter anderem die Einmischung der USA im Irak.

Wir sind der Meinung, dass die Probleme in der Region durch die Einmischung der USA entstanden sind. Und wir sind der Meinung, dass die Situation in unserem Land (die Situation in Darfur, im Südsudan) die gleiche Ursache hat: die US-Politik. Als Ergebnis ist unser Land in zwei Teile zerfallen, was die Situation nur verschlimmert hat, und wir benötigen Schutz vor den aggressiven Handlungen der USA.

(….)

Uns besorgt auch die Situation im Roten Meer. Wir sind der Meinung, dass die Einmischung der USA in diese Fragen ebenfalls ein Problem darstellt. Und wir würden diese Frage gern hinsichtlich der Nutzung von Stützpunkten am Roten Meer diskutieren.

Was die Neuausstattung unserer Streitkräfte angeht, haben wir mit dem Verteidigungsminister [Schoigu] einen Expertenaustausch vereinbart.

Weiterhin möchten wir Fragen über die Arbeit russischer Unternehmen diskutieren, unter anderem im Bereich Geologie, Fragen bezüglich der zivilen Nutzung von Atomtechnologien und der Errichtung von Elektrizitätskraftwerken. Wir haben Möglichkeiten und Interesse, diesen Bereich zu entwickeln.

Was den Import von Getreide angeht, der schon erwähnt wurde – eine Million Tonnen – das sind für uns sehr erfreuliche Zahlen und wir sind Ihnen sehr dankbar. Wir sind sehr interessiert in stärkeren Beziehungen zu russischen Unternehmen aus dem Bereich der Ölförderung, der Landwirtschaft und dem Gebiet des Eisenbahnbaus.

Sudan hat große, weit verzweigte Beziehungen in Afrika und wir können, unter anderem, Russlands Beziehungen zu afrikanischen Ländern fördern. Man kann sagen, dass Sudan Russlands “Schlüssel” zu Afrika sein kann. Wir sind Mitglied der Afrikanischen Union, wir haben wunderbare Beziehungen zu allen afrikanischen Ländern, und wir sind bereit eine entsprechende Rolle zu spielen. Wir sind ebenso interessiert in der Entwicklung unserer Beziehungen zur BRICS.

Übersetzung von mir.

Al-Baschir bittet offen um Schutz vor den USA. Er bietet Russland eine Militärbasis am Roten Meer an. Als Gegenleitung für den Schutz bietet al-Baschir wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie Vermittlungsdienste und damit Zugang zu afrikanischen Ressourcen und Märkten an.

Genau so wird es kommen. So ein Treffen der Präsidenten ist immer der letzte Schritt einer langen Vorarbeit, die irgendwo mit einer Idee beginnt, dann von Diplomaten sondiert wird, dann von den Außenministerien durchgekaut wird und dann von den Präsidenten besiegelt wird.

Bezüglich der Militärbasis gibt es hier interessante Überlegungen. Das Rote Meer und der Sueskanal stellen ein Nadelöhr der großen globalen Handelsströme dar. Wer dieses Nadelöhr kontrolliert, hat viel Einfluss auf den Handel. Israel hat einen Marinehafen am Roten Meer und kann damit das Meer kontrollieren. Die USA sind mit ihren Flotten dauerpräsent und üben damit ebenfalls Kontrolle aus. Selbst ein kleiner russischer Marinehafen, nicht viel mehr als ein Versorgungspunkt, wäre ausreichend, um das Kräfteverhältnis zu kippen.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit: , , , ,

Deutschlands Führungsrolle in der EU schrumpft

In den Kommentaren ist der Hinweis schon ein oder zweimal gefallen – Deutschland wird die aktuelle totale Dominanz in der EU nicht durchhalten. Jemand hat beschlossen, für mehr Gleichgewicht zu sorgen und Frankreichs Rolle in der EU auf Deutschlands Kosten aufzuwerten.

Woran merken wir das? An allerlei Kleinigkeiten:

  • Die Wahlen in Deutschland schwächen Merkel und reduzieren insgesamt die Geschlossenheit der Regierung. Wenn die große Koalition weiterbesteht, ist sie kleiner geworden, wird instabiler. Jamaika wäre überhaupt eine verseuchte Regierungskoalition mit knapper Mehrheit und größtmöglicher Instabilität. In jedem Fall wird die neue Regierung im Inneren schwächer sein als die alte Regierung.
  • Merkel ist formell sowohl mit Putin als auch mit Trump zerstritten. Deutschland darf gegenüber den Großmächten die Miesepeter-Rolle spielen. Macron dagegen hat sich sowohl mit Putin als auch mit Trump gutgestellt und darf gegenüber den Großmächten den Kumpel auf gleicher Wellenlänge geben. Beachten Sie, dass Macron als politischer Nobody kurz nach Amtsantritt sowohl von Putin als auch von Trump schwergewichtig in Frankreich besucht wurde, wodurch ihm viel politisches Gewicht verliehen wurde.
  • Bei der Aufteilung des Brexit-Nachlasses werden Deutschland saftige Stücke vorenthalten. Zwei EU-Behörden wandern aus Großbritanien nach Frankreich und in die Niederlande ab. Ein weiteres Beispiel dafür, wie EU-Einfluss an Deutschland vorbei auf Frankreich (und zur Not jemand anderen, Hauptsache nicht Deutschland) verteilt wird.

Alles wirkt ganz natürlich, wie zufällig.

_________

Nachtrag, 2. Dezember 2017:

Noch ein Beispiel. Frankreich hat Ende September die Besetzung des EU-Militärausschusses mit einem deutschen General verhindert. Den Posten bekam schließlich ein Italiener. Der Ausschuss ist “für die Umsetzung der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik verantwortlich”. Die formale Führung der neuen EU-Armee bekam Deutschland damit aus der Hand gerissen.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit: ,