Oink!

In seiner Rede vor der Nationalversammlung (Obacht, viele Buchstaben!) sagte Putin zum Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag unter anderem:

Но ещё и своих сателлитов мобилизуют: они так аккуратненько, но всё-таки американцам подхрюкивают по этому вопросу.

Übersetzung:

Aber sie [die USA] mobilisieren auch ihre Satelliten: Und diese oinken, wenn auch vorsichtig, den Amerikanern in dieser Frage bei.

Hehehe. Wie der Kater zurecht bemerkt, vergleicht Putin die Angesprochenen mit Schweinen, die an der US-Leine laufen.

Damit will er die Alteuropäer aus der Reserve locken. Er attestiert ihnen Schweinegrunzen und einen Vasallenstatus gegenüber den USA. Das ist viel weniger wahr als noch vor fünf Jahren. Alteuropa führt einen offenen Krieg gegen die USA, so offen und heftig, dass es sogar die Bewohner der heillosen Matrixtiefen zweifellos mitbekommen. Putin koaliert und kooperiert mit genau diesem Alteuropa gegen alle denkbaren Widerstände und Intrigen. Er will diese Koalition ausbauen und festigen und unterstützt Alteuropa enorm. Wozu die unangenehme Herabsetzung? Weil Alteuropa im absoluten Kriegsmodus angekommen ist und eine Rückkehr in die gemütliche transatlantische Vasallenzeit nicht mehr möglich ist, es bis zur Emanzipation aber noch ein weiter Weg ist. Sticheleien, die vor wenigen Jahren noch Russland und Alteuropa abgestoßen hätten, haben jetzt den Effekt, Alteuropa aggressiver zu machen – gegen die USA und für eine klarere Kooperation mit Russland. Putin ist ein geopolitischer Spieler mit meisterlichem Gefühl für Timing.

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Die beste Weltmeisterschaft der Geschichte

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat sich in Moskau mit Putin getroffen. Infantino nannte die 2018 in Russland ausgetragene Fußball-Weltmeisterschaft “die beste Weltmeisterschaft der Geschichte”. Putin zeichnete Infantino mit dem Orden der Freundschaft aus.

So endet die FIFA-Intrige. All die Korruptionsermittlungen, die Absetzung von Sepp Blatter, die Gigatonnen Gülle in der Westpresse haben ihr Ziel nicht erreicht. Die Schweizer Staatsanwälte haben Ihren Auftrag nicht erfüllen können und keine Korruption gefunden, mit deren Veröffentlichung man hätte versuchen können, Russland die Weltmeisterschaft zu entreißen. Blatters Nachfolger Infantino hat sich nicht den Russlandhassern angeschlossen. Und die mentale Gülle wirkte auch nicht wie gewünscht, weil zu viele Menschen aus dem Westen selbst vor Ort waren und sich ein eigenes Bild machen konnten von der Weltmeisterschaft und von der Präzision der westlichen Berichterstattung.

Jetzt sorgen Putin und Infantino dafür, dass die Verbindung zwischen Russland und der FIFA erhalten bleibt und ausgebaut wird. Für hemmungslosen Russlandhass wird es im Weltfußball in absehbarer Zukunft keinen Platz geben.

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Gedächtnisverlust als Wirkung moderner Kriegsführung

Viktor Marachowski hat einen spannenden Beitrag herausgebracht. Titel: “Effekt der ‘Waffen des XXI. Jahrhunderts’ bekannt geworden: Die Opfer verlieren das Gedächtnis”.

Hier die Übersetzung, basierend auf DeepL und von mir gründlich nachbearbeitet (an der menschlichen Sprache beißt sich auch die beste KI noch immer großartig die Zähne aus):

Zuerst die Nachrichten. Der BBC-Produzent Riam Dalati, der etwas zu viel getwittert hat, hat seinen Twitter-Account vor der Öffentlichkeit verborgen.

Zur Erinnerung: Am Tag zuvor veröffentlichte dieser Mitarbeiter der British Broadcasting Corporation ein paar Tweets über den berühmten Gasangriff in Duma. Für diejenigen, die es vergessen haben: Der große Angriff geschah im vergangenen Frühjahr. Nach Angaben des vereinigten Westens ließen Hubschrauber der syrischen Armee “zwei Fässer Chlor” oder “zwei Streubomben” oder sogar “Sarinmunition” (je nach Quelle) auf eine Stadt fallen, die von der militanten Gruppe Dschaisch al-Islam gehalten wurde. Siebzig Menschen wurden getötet.

Als Beweis für das Verbrechen präsentierte die “Weiße Helme” Filmgesellschaft eine herzzerreißende Szene im Krankenhaus, wo Ärzte krampfhaft Wasser über vergiftete Kinder gossen und versuchten, deren Leben zu retten.

Eine Woche lang wurde in den Schlagzeilen über dieses Verbrechen geschrien, untermauert mit den Aufnahmen der “Helme” von den kaum lebendigen Kindern.

Die Führer der Weltfreiheit, von Trump bis zum letzten Macron, sprachen mit Härte und mit kalter, rechtschaffener Wut darüber.

Eine Woche später starteten die USA, Frankreich und Großbritannien einen gemeinschaftlichen Raketenvergeltungsschlag gegen Syrien – auch berühmt, weil er gemäß Syrien und Russland mit einem Totalversagen und gemäß den USA mit einem kompletten Erfolg endete.

Und weitere Zehn Tage später traf eine Delegation von 17 Teilnehmern der berühmten Duma-Filme in Den Haag ein – darunter einer der Jungen, die an einer Vergiftung vor der Kamera starben. Die Teilnehmer erzählten, dass es gar keinen Angriff gab: es gab einen Film. Der Junge erzählte, wie die Männer von den “Weißen Helmen”, Freunde der Militanten, die damals die Stadt hielten, ihn für Datteln anheuerten und wie sie ihn aus irgendeinem Grund in einem Krankenhausgebäude bewässerten.

Aber dieses Briefing wurde von allen fortschrittlichen Ländern ignoriert, weil es vom lügnerischen Russland organisiert wurde.

Monate sind vergangen. Und nun gab Produzent Dalati vorsichtig zu: “Nach einer sechsmonatigen Untersuchung können wir ohne Zweifel sagen: Die Szene im Krankenhaus wurde inszeniert. Niemand ist dort gestorben.” Er fügte jedoch hastig hinzu: “Es GAB einen Angriff. Sarin wurde nicht verwendet. Wir sollten auf den Abschluss der OPCW (Organization for the Prohibition of Chemical Weapons) warten, die den Einsatz von Chlor oder etwas anderem beweisen wird.”

Dann erkannte er schnell, dass er selbst das nicht hätte schreiben sollen, und sein Twitter wurde schlagartig “privat”. Die BBC antwortete auf die Fragen der frechen russischen Medien gereizt, dass “es die persönliche Meinung des Mitarbeiters war”.

…Und jetzt das Wichtigste. Es ist zuglich das Traurigste.

Über den Anflug von Ehrlichkeit beim Produzenten berichteten laut Google News:

  • Russische Medien
  • RT
  • Sputnik
  • Einige kleine kroatische, serbische und pakistanische Seiten

und sonst niemand.

Natürlich kann man sagen: Was soll’s, es war eine Fälschung. Was soll’s, deswegen wurden Hundert Raketen auf ein Land abgefeuert, dem es ohnehin nicht gut geht. Das ist doch auch schon lange her. Die Öffentlichkeit ist nicht mehr interessiert, die Öffentlichkeit will die aktuellen Neuigkeiten erfahren. Wegen einer anderen Fälschung wurde ganz Irak zerstört, sollen wir uns also jetzt plötzlich Sorgen machen?

Aber die Sache ist die, dass die BBC die Ergebnisse der Untersuchung genauso gut hätte veröffentlichen können, zum Beispiel irgendwo in der Rubrik “Meinung”. Und das Gleiche hätten auch all die anderen Medien tun können, die vor einem Jahr über das abscheuliche Verbrechen von Putin und Assad heulten. Und diese Widerlegung hätte dem von den führenden Massenmedien produzierten Propaganda-Weltbild in keiner Weise geschadet.

Denn wir leben in einer Zeit, in der die Grundinhalte vergangener Jahre, wie etwa die “Widerlegung in den Medien”, einfach irrelevant und bedeutungslos geworden sind.

Im weit entfernten 20. Jahrhundert, als der Durchschnittsbürger eine einzige Zeitung (“The Times” oder “Время” oder “Zeitung” oder “Le Tempe”) abbonierte, hätte die zuerst mit der Schlagzeile “Iwanow tötete Petrow” erscheinen und dann am nächsten Morgen eine Widerlegung veröffentlichen können: “Iwanow hat Petrow doch nicht getötet”. Und Iwanow konnte sich in der Stadt zeigen und wusste, dass in den Augen der überwältigenden Mehrheit seiner Mitbürger sein guter Ruf wiederhergestellt war.

Aber jetzt ist die Realität in den Händen der Medien schlimmer als Knetgummi. Das ist sowohl eine Sandburg als auch ununterbrochene Wellen, die diese Burg unterspülen. Im Gedächtnis der Massen”existiert” nur das wirklich, was permanent reingehämmert wird. Schwächen Sie das Einhämmern ab – und selbst die Erinnerung an Dinge, die scheinbar unmöglich zu vergessen sind, wird verschwinden. Und umgekehrt: Nehmen Sie beispielsweise für einige Jahre die Nachfahren sowjetischer Soldaten, die die Ukraine befreit haben, ins Dauerfeuer aus Fantasien und Zweigen der künstlichen Realität – und diese Nachfahren werden stolz darauf sein, sich Bandera-Jünger zu nennen.

Der Angriff in Duma war inszeniert? Versuchen Sie, einen Menschen in irgendeiner europäischen Stadt anzuhalten, der im April 2018 vor dem Fernseher prustete und “Assad, dieser Bastard” flüsterte und ihn darauf anzusprechen. Er wird wahrscheinlich fragen: “Duma? Verzeihung, wo ist das überhaupt?” In seiner Erinnerung gibt es ein allgemeines Wissen: “Der syrische Tyrann Assad bombardiert seine eigenen Bürger mit Sarin”. Denn sowohl vor der Fälschung der “Weißen Helme” als auch nach der Fälschung der “Weißen Helme” wurde ihm das dutzende Male eingetrichtert und aus jeder Ecke wiederholt.

Genau genommen ist “die Waffe des XXI. Jahrhunderts” genau das: eine kontrollierte durchfließende Realität, die durch den Kopf eines einzelnen Bürgers gelegt wird. Wenn das Gedächtnis und die Weltsicht des Menschen nicht mehr ihm selbst gehören, sondern ihm per Abonnement gestreamt werden, ist das im Prinzip eine schlimmere Bedrohung als jeder “Klimawandel”.

Man sollte übrigens nicht denken, dass wir hier vor “Gedächtniswaffen” geschützt sind, die auf Wunsch der Besteller die Realität des Publikums erzeugen. Das ist nicht der Fall. Natürlich hat unser Land seine eigenen Informationsabwehrsysteme, aber sie arbeiten nur gegen große Ziele. Und so wird jedem unserer Landsleute mindestens einmal am Tag ins Ohr geflüstert: “Höre nicht auf die Propaganda des Kremls – es ist eine Lüge. Lies nicht die staatlichen Medien – sie lügen. Glaub ihnen nicht. Glaub an die Sensationen, die deine Freunde aus sozialen Netzwerken dir von anonymen Quellen weitergeleitet haben. Diese würden nie lügen.”

Nein, natürlich wäre es töricht zu sagen, dass “die russischen Medien immer die Wahrheit berichten”. So lange Hellseher mit ägyptischen Pyramiden, Werbung für Mistomyzin und Meister des kontaktlosen Kampfes ihren festen Platz in den Staatssendern haben, würde eine solche Aussage lächerlich klingen.

Aber Russland bombardiert wenigstens niemanden auf der Grundlage irgendwelcher talentlosen Videoproduktionen. Und diesen Fakt, den wichtigsten, wird man nicht abstreiten können.

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Oligarchischer Kapitalismus

Der ehemalige Bürgermeister der Stadt New York, Milliardär Michael Bloomberg (sein Vermögen wird von Forbes auf 46,2 Milliarden Dollar geschätzt), will mindestens 500 Millionen Dollar aus der eigenen Tasche in den kommenden Präsidentschaftswahlkampf in den USA investieren, wie Politico mit Berufung auf Mitglieder der demokratischen Partei berichtet. Der ehemalige Bürgermeister hat bereits eine Mannschaft versammelt, die sich seit Ende November mindestens einmal in der Woche im Stabquartier von Bloomberg Philanthropies in Manhattan zur Diskussion von Plan A und Plan B versammelt, wie Politico berichtet. Plan A ist einfach: Bloomberg tritt selbst als Kandidat der demokratischen Partei an. Plan B sieht vor, dass Bloomberg mit allen verfügbaren Mitteln den Kandidaten der demokratischen Partei unterstützt, um Trumps Wiederwahl zu verhindern, so Politico.

… Und diese Leute wollen uns Demokratie lehren und uns etwas über russische Oligarchen erzählen. Ein Oligarch ist ein Superreicher, der mit seinem Geld und seinen Verbindungen die Staatspolitik beeinflussen kann. Und beeinflussen kann er sowohl die Wahlen als auch die Gesetzgebung. In den USA herrscht oligarchischer Kapitalismus. In Russland kann man sich schwerlich einen Unternehmer vorstellen, der ähnliche Ankündigungen macht. Und das bedeutet, dass es in Russland keine echten Oligarchen mehr gibt.

Zitiert aus einem russischen Telegram-Kanal, Übersetzung von mir.

Ich wollte schon seit langem einen zumindest kleinen Artikel mit der Überschrift “Der letzte Oligarch” schreiben, um den gleichen Gedanken zu vermitteln. Der letzte russische Oligarch war Chodorkowski. Er führte den letzten großen Versuch, die russische Politik zu bestimmen und wurde dafür von Putin abgesägt. Das war Anfang der 2000-er. Seitdem gibt es in Russland keine Oligarchen mehr, sondern nur Superreiche. Sie können sich von ihrem Geld allen möglichen Luxus kaufen, nur eben keinen politischen Einfluss in Russland. Und nachdem der Westen in den letzten Jahren seine entfesselte Sanktionspolitik gegen Russland und alles Russische führt, sind den russischen Superreichen die Fluchtwege abgeschnitten und Putin zwingt sie in Russland gar zu Sonderabgaben.

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In der Kürze liegt die Würze (20) – Energie

Wenn man die Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse beiseite lässt, ist die Geschichte der menschlichen Zivilisation im Kern die Geschichte von der Entwicklung von energetischen Ressourcen. Von der eigenen Muskelkraft zur Muskelkraft der Tiere, zur Energie des fallenden Wassers und des Windes, nach der Erkundung der Geheimnisse der Dampfenergie zu energetischen Ressourcen, die sich in “schwarzen Steinchen”, Erdöl und Erdgas verbergen, und als Spitze der heutigen Entwicklung – die Nutzbarmachung der Energie der Atomkerne des Urans und Plutoniums.

Von hier, übersetzung von mir.

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Tschüss INF, hallo neue Unsicherheit

Die USA haben den INF-Vertrag aufgekündigt. Noch mal zur Erinnerung:

Bereits 2007 hat die russische Militärführung dafür plädiert, aus dem Vertrag auszusteigen. Zum einen, weil zahlreiche andere Staaten solche Raketen entwickelten, zum anderen weil die USA Raketenabwehrsysteme in Osteuropa einzurichten begannen. Der damalige russische Verteidigungsminister Iwanow nannte den INF-Vertrag ein Relikt des Kalten Krieges und sagte, dass Russland Kurz- und Mittelstreckenraketen bräuchte. 2013 dann hat Russlands Präsident Putin offen ausgesprochen, dass der Vertrag schlecht für Russland ist. Es sei nicht klar, warum die Sowjetunion diesen Vertrag unterschrieben habe.

Wir haben also einen Vertrag, der schlecht für Russland, aber gut für Europa ist.

USA und Russland bedrohen sich durch Langstreckenraketen. Mit Kurz- und Mittelstreckenraketen bedrohen sich Russland und West-Europa. Wenn Trump also den INF-Vertrag aufkündigt, dann steigen die Spannungen in den Generalstäben der EU-Staaten. Umso mehr, als Trump deutlich macht, dass für den Schutz Europas durch die USA ab sofort eine Sondersteuer fällig wird.

Putin hat sich bereits gemeldet. Im Gespräch mit Lawrow und Schoigu haben alle drei ihre Rollen gehabt:

  • Lawrow durfte erläutern, wie die USA nach und nach einseitig aus vielen Verträgen ausgestiegen sind und wie sie bestehende Verträge verletzt haben. Und wie Russland sich über zwei Jahrzehnte hinweg immer wieder bemüht hat, Verhandlungen zum Erhalt der Verträge zu initiieren. Das tat Lawrow, damit niemand vergisst, wer Schuld an der ganzen Misere hat. Wenn die Europäer bald heulend angelaufen kommen, werden Lawrows Aussagen zitiert und die Kläger an die USA weitergeleitet.
  • Schoigu teilte mit, dass die russische Armee bereit ist, Kalibr in bodenbasierter Version sowie neue Mittelstrecken-Hyperschallraketen zu entwickeln. Ohne Budgetanpassungen! Interne Umstrukturierungen würden ausreichen. Zur Info: Die existierenden Kalibr verletzten den INF-Vertrag nicht, weil sie nur see- und luftbasiert eingesetzt werden. Aber es braucht keine Hochleistungen, um den Startkontainer, der auf Schiffen eingesetzt wird, auf der Erde oder auf einem Spezial-LKW zu montieren. Was die Hyperschallraketen angeht, hat Russland die luftbasierte Mittelstreckenrakete Kinschal und die bodenbasierte Langstreckenrakete Avangard. Beide Systeme werden in Serie gefertigt. Die Lücke zur bodenbasierten Mittelstreckenrakete zu schließen dürfte auch nicht viel Zeit in Anspruch nehmen.
  • Putin gab folgende Anweisungen: Wir verhalten uns spiegelbildlich zu den USA; die USA steigen aus dem Vertrag aus, wir auch; die USA entwickeln bodenbasierte Mittelstreckenraketensysteme, wir tun das auch. Da unsere Verhandlungsangebote konsequent abgelehnt wurden, machen wir von jetzt an keine neuen Angebote mehr. Wir warten, “bis unsere Partner reif werden” (Zitat). Und wir setzen unsere neuen Systeme nicht in denjenigen Regionen ein, in denen auch die USA ihre bodengestützten Mittelstreckenraketen nicht einsetzen.

Letzteres ist ein Wink an die EU und an Japan. Die EU hat bereits bodenbasierte US-Systeme (Polen, Rumänien), von denen sich Mittelstreckenraketen ohne irgendwelche Modifikationen am System einsetzen lassen. Japan hat gerade erst beschlossen, es der EU in dieser Hinsicht gleich zu tun. Das bedeutet, dass Putins wohlwollende Regelung nicht auf EU und Japan anzuwenden ist.

Der Kater sprüht vor Begeisterung und erklärt, was es für die EU bedeutet (zusammenfassende sinngemäße Übersetzung):

Trump hat uns befreit und die Europäer sind jetzt in einer verdammt ausweglosen Lage. In JEDEM Szenario eines hypothetischen zukünftigen Krieges (und diese Szenarien liegen immer auf dem Tisch und müssen in jedem Fall berücksichtigt werden) wird die EU garantiert zerstört – egal wie der Krieg endet. Egal wer den hypothetischen Krieg beginnt, egal wer ihn gewinnt – der EU-Raum wird garantiert ausgelöscht. Im Falle eines zukünftigen Krieges hängt es nun allein von Russland ab, ob die EU überlebt oder stirbt. Deswegen muss die EU um jeden Preis dafür sorgen, dass Russland seine Atomwaffen nicht auf auf die EU richtet, und das geht nur, wenn die EU die bei sich stationierten US-Waffen hinauswirft. Wir sind in diesem Spiel die Guten und verteidigen uns nur, aber die EU wird im Falle des Falles auf jeden Fall und vor allen anderen verrecken. Dafür gibt es jetzt keine Schranken. Deswegen hat Putin auch gesagt: Keine Abrüstungsinitiativen mehr!

Das ist das große Schachspiel, dessen sich die wenigsten Menschen bewusst sind.

Man könnte meinen, dass die USA mit ihren Waffen aus der EU zu werfen nur eine Möglichkeit ist. Die andere könnte doch sein, mehr US-Waffen in die EU reinzuholen, um Russland Paroli zu bieten. Diese scheinbare Lösung hat zwei Probleme: Erstens führt sie dazu, dass Russland umso mehr eigene Raketen auf di EU richten wird, je mehr US-Raketen in der EU stationiert sind, was im Falle des Krieges zu einer umso gründlicheren Auslöschung der EU führen wird. Das eigentliche Problem würde also gar nicht gelöst werden. Zweitens würde diese “Lösung” bedeuten, dass die EU ihren gerade hart erarbeiteten Emanzipationskampf komplett aufgibt und sich Trump zu Füßen wirft und ihm alles Geld in den Rachen wirft, was er nur verlangt. Denn Trump verlangt schon für den jetzigen Zustand viel mehr Vasallensteuer von der EU, als diese bereits entrichtet. Was käme erst, wenn die USA plötzlich in der Rolle wären, die EU gegen neueste russische Raketensysteme schützen zu dürfen…

Tatsächlich ist die Dynamik im aktuellen Krieg schon so weit fortgeschritten, dass sich kein Scheideweg auftut. Es gibt nur einen Ausweg und es ist der gleiche wie bisher. Die EU muss sich von den USA frei machen. Die Auflösung des INF-Vertrags und die neue Sicherheitslage, die sich dadurch ergibt, sorgen nur dafür, dass die EU umso schneller den einzigen Ausweg nehmen muss und umso weniger Spielraum hat, auf diesem Weg eigene Forderungen zu stellen.

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EU legt los mit Dedollarisierung

2018 ist Donald Trump aus dem Iran-Deal ausgestiegen. Den EU-Partnern, die unbedingt drin bleiben wollten und wollen, hat er mit Androhung von Sanktionen verboten, Handel mit dem Iran zu treiben. Die EU reagierte trotzig, aber die europäischen Banken zogen die Schwänze ein und wollten keine Finanzgeschäfte mit dem Iran abwickeln. Wenn die privaten Banken nicht wollen würden, werde man eben selbst einen Mechanismus schaffen, so die EU. Anfang 2019 ist es so weit. Der Mechanismus ist startklar. Es ist eine Tauschbörse. Iranisches Öl gegen Waren aus der EU. Keine Dollar im Spiel. Die Dedollarisierung schreitet voran, unaufhaltsam.

Wem haben wir es zu verdanken? Trump. Ohne seine Arschtritte hätte sich die EU niemals aus ihrer Lethargie aufgerafft.

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Medwedew abgeschottet

In den letzten Monaten ist aufgefallen, dass Russlands Premierminister Medwedew häufig nicht an den Sitzungen des russischen Sicherheitsrates teilnimmt. So auch bei der letzten Sitzung, in der Venezuela und der Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag besprochen wurden.

An der Liste der Teilnehmer erkennt man übrigens die Leute, die genug Vertrauen genießen, um an den sensibelsten sicherheitskritischen Informationen teilzuhaben.

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Warum poltert Italien gegen Frankreich?

Die italienische Regierung hat sich auf Frankreich eingeschossen. Die Gelbwesten werden offen zur Standhaftigkeit aufgemuntert, Macron sei ein schlechter Präsident, Frankreich unterdrücke afrikanische Länder und Italien werde deswegen EU-Sanktionen gegen Frankreich beantragen. Und so weiter, stets in diesem partnerschaftlichen Tenor.

Die zombiegerechte Erklärung dafür aus dem letzten verlinkten Beitrag:

Eigentlich wollte Luigi Di Maio nur mal wieder einen raushauen. Irgendwas, das ihn und seine Fünf-Sterne-Bewegung in die Medien zurückbringt.

Ja, so einfach ist die Welt. Di Maio sitzt den ganzen Tag herum und überlegt sich, wie er endlich wieder eine Schlagzeile bei SPON ergattern kann. Wie könnte man das besser erreichen, als durch einen Frontalangriff auf den großen Nachbar Frankreich.

Wer noch glaubt, dass die große Politik aus ein wenig mehr Tiefe besteht als dem stumpfen und möglichst idiotischen Buhlen um Matrix-Aufmerksamkeit, dem sei noch mal an Bannon erinnert:

[Bannon] spricht fast im Klartext darüber, wie die EU zu zerschlagen ist und über seine persönliche Antipathie gegenüber Macron. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass dieser Vortrag vor dem Beginn der Gelbwesten-Proteste in Frankreich gehalten wurde. Bannon tourt gerade durch Europa und versammelt “The Movement” – eine Koalition europäischer Politiker, die die EU zerstören werden.

Zufall mit Ansage ist der schönste Zufall.

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Neuer Angriff auf Venezuela

Der venezolanische Oppositionsführer Guaidó erklärt sich zum Präsidenten. Das Weiße Haus unterstützt ihn offen aus allen Rohren und erkennt ihn als legitimen Präsidenten an. Teile Südamerikas schließen sich den USA an. Nur wenige Wochen zuvor war Präsident Maduro kurz nach seiner Vereidigung nach Moskau gereist.

Putin erkennt Maduro offiziell an. Trump erkennt den selbsternannten Oppositionellen offiziell als Präsidenten an. So sieht er aus, der Krieg um Südamerika. Hier im Blog haben wir schon vor langer Zeit festgehalten, dass Trump Europa und Asien an Russland abtritt, aber um Südamerika kämpfen wird:

Was haben wir gesehen? Trump poltert besonders stark gegen Iran und Nordkorea, spielt ihnen aber in Wirklichkeit zu. Die eurasischen Schauplätze schenkt er also her – genau das bewirkt sein “dummes” Verhalten. Venezuela will er dagegen mit Demokratie bescheren. Offenbar gibt es bezüglich Südamerika keinen Deal mit Putin – dort wird ernsthaft gekämpft. Das macht Sinn. Den eigenen Hinterhof wollen die USA nicht verschenken und kämpfen noch darum. Der Rest ist bereits abgeschrieben. Zum abgeschriebenen Rest gehören die treuen Vasallen in ganz Eurasien, die Trump mit jeder nur denkbaren Gelegenheit vergrault.

Russland wiederum hat in den letzten Jahren Milliarden Dollar in Venezuela investiert – und tat es sicher nicht in der Absicht, Venezuela an die USA abzutreten.

Nun ist Venezuela nicht erst seit gestern im Krieg und die USA mischen sich nicht erst seit heute ein. Warum also erst jetzt der massive Angriff auf Maduro? Brasiliens neuer Präsident Bolsonaro hat wie die USA öffentlich den selbsternannten Präsidenten als legitimen Herrscher anerkannt. Die USA haben auf Brasilien gewartet. Und wir wissen nun, wie Bolsonaro geopolitisch zu verorten ist.

Es ist wirklich traurig um Südamerika und die Menschen dort. Aber das Leid kommt nicht unerwartet (Einschätzung von Februar 2016):

Es sieht überall schlecht aus. Aber derzeit sieht es überall in der Welt schlecht aus. Die jetzige Krise ist eine Weltkrise. Alle Großmächte kämpfen derzeit, niemand hat etwas zu lachen, nicht mal USA oder China. Und der Tiefpunkt ist noch lange nicht erreicht. Es wird für alle noch schlimmer werden. Südamerika wird mit am meisten leiden.

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