Notizen zu Putins Valdai-Auftritt

Putin hat auch in diesem Jahr an der abschließenden Sitzung des Valdai-Forums teilgenommen. Dazu einige Anmerkungen:

  • Putin hat sich das Thema “Wir retten den Planeten” gekrallt und damit die grüne Agenda an sich gezogen.
  • Das Thema Umweltschutz hat längst einen festen Bestandteil auf der weltweiten Agenda. Aber ich würde die Diskussion gern erweitern und über die wichtige Aufgabe sprechen, wie wir uns vom maßlosen, durch nichts begrenzten Überkonsum lösen, zugunsten eines wohlüberlegten und vernünftigen Wohlstandes; wenn wir nicht nur im heutigen Tag leben, sondern auch an morgen denken.” Damit ist die Forderung nach der Ablösung der kapitalistischen Wirtschaftsweise von der obersten politischen Ebene ausgesprochen worden. Warum das nur eine Frage der Zeit war, kann man hier nachlesen.
  • Putin bezeichnet Zentralbank und Regierung als wichtigste Regulationswerkzeuge der Staatspolitik. Das sollte interessant sein für Leute, die in pseudo-alternativen Medien davon lesen, dass die russische Zentralbank Rotschild gehört, bla bla, Russland wird deswegen untergehen, bla bla. Putin hat die russische Zentralbank im Vorbeigehen als sein Werkzeug bezeichnet. Blog-Leser wissen seit zwei Jahren bescheid, aber jetzt haben wir es auch direkt aus Putins Mund.
  • Thema Karabach: Aserbaidschan und Armenien sind für Russland gleich lieb und teuer. Der aktuelle Krieg ist eine Tragödie, aber Russland nimmt keine Partei für eine der beiden Seiten. Putin telefoniert täglich sowohl mit Aliew (Präsident Aserbaidschans) als auch mit Paschinjan (Premierminister Armeniens). Die Betonung der täglichen Telefonate finde ich sehr interessant, weil es zeigt, dass die offiziellen Meldungen des überaus ausführlichen Kreml-Blogs weit, weit, weit weg von Vollständigkeit sind.
  • Die Türkei hat laut Putin mehr Souveränität als die EU. Die Gas-Pipeline in die Türkei ist z.B. viel schneller durchgezogen worden, als Nord Stream 2 in die EU. Auch in Sicherheitsfragen ist die Türkei souverän: Erdogan hat sich für eine gute Luftverteidigung entschieden und sich zügig S-400 eingekauft, das aktuell beste System auf dem Markt.
  • Erdogan ist ein flexibler Verhandlungspartner, mit ihm findet man immer eine Lösung. Die Arbeit mit ihm ist nicht nur angenehm, sondern auch zuverlässig (siehe obige Beispiele über schnell abgewickelte Großprojekte). Speziell das sollte interessant sein für Leute, die an pseudo-alternativen Medien hängen und eine Feindschaft zwischen Russland und Türkei wahrnehmen. Für Putin ist Erdogan ein angenehmer und zuverlässiger Partner.
  • Putin sieht Deutschland auf dem Weg zu einer wirtschaftlichen und politischen Supermacht. Er präzisiert nicht, wie weit Deutschland schon auf diesem Weg fortgeschritten ist. Wir hatten es im Blog schon mehrfach: Putin ist Deutschland sehr wohlgesonnen und die Rettung Deutschlands und der EU vor dem Abgleiten in totales Chaos ist Putin zu verdanken. Putins Andeutung auf Deutschlands zukünftige Supermacht-Rolle sollte den noch lebendigen Deutschen ein unüberhörbarer Aufruf sein, die aktuell häufig anzutreffende Verzagtheit abzulegen und die Ärmel hochzukrempeln. Es gibt einen Weg nach vorne und dabei sogar Unterstützung von Putin.
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Karabach-Konflikt

Bezüglich des aktuellen Karabach-Krieges gab es von meiner Seite bereits einen kurzen Kommentar vom 30. September:

Armenien hat sich Russlands Schutz zu Nutze gemacht und sich in diesem Konflikt stur gestellt. Seitdem es diesen Konflikt gibt. Russland will den Konflikt auflösen, aber Armenien stellt sich stur. Also ist in Armenien vor einiger Zeit ein Oppositioneller per Maidan an die Macht gekommen. Er hat die Ehre, Armenien durch eine unangenehme Zeit zu führen, in der sich Armenien wird beugen müssen. Kompromissbereitschaft ist gefordert, die notfalls, wie gerade jetzt, militärisch erzwungen werden wird. Russland beeilt sich nicht, zu Hilfe zu kommen. Putin hat den armenischen Häuptling per Telefon schon zwei mal abgespeist. Hier bahnen sich tiefgreifende regionale Veränderungen an. Die westliche Presse schweigt übrigens weitgehend zu diesem Konflikt (verglichen mit den vom Westen gesteuerten Farbrevolutionen im Sowjetraum). Daran erkennen Sie, dass das keine westliche Agenda ist.

Mit Armeniens Premierminister Paschinjan gab es insgesamt vier dokumentierte Telefonate seit Ausbruch des Krieges: am 27. September, 29. September, 2. Okrober und 5. Oktober. Alle auf Initiative der armenischen Seite. In allen ging es um den aktuellen Krieg. Putin drückte seine Besorgnis aus und betonte die Notwendigkeit des Waffenstillstandes. Punkt. Mehr nicht. Eine Aufforderung, die gleichermaßen an beide Seiten gerichtet war, ohne Bevorzugung von Armenien.

In der Zwischenzeit, am 1. Oktober, gaben Russland, USA und Frankreich eine kurze gemeinsame Erklärung ab: Wir sind sehr besorgt, wir rufen beide Seite dringend dazu auf, die Kriegshandlungen einzustellen.

EU und die USA haben damit zu verstehen gegeben, dass sie sich aus dem Konflikt heraushalten – sie unterstützen keine der beiden Seiten.

Am 7. Oktober wurde Putin in einem Interview deutlicher: Russland hat Verpflichtungen gegenüber Armenien, was gemeinsame Verteidigung angeht, aber der Konflikt spiele sich gar nicht auf armenischem Territorium ab.

Tja, sowas aber auch…

Bergkarabach gehört laut Pariser Friedenskonferenz von 1920 und laut Beschluss der Sowjetunion von 1921 zu Aserbajdschan. Wohnen tun dort aber seit Ewigkeiten ethnische Armenier. Es ist also nicht einfach.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind viele Leser dieses Blogs schwer an diesem Konflikt interessiert (warum auch immer) und suchen sich Informationen dazu. Was man dazu in alternativen Quellen findet, dürfte gut und gerne zu tiefer Besorgnis oder gar Panikattaken führen. Da schaut doch der Putin zu, wie Erdogan über seinen aserbaidschanischen Proxy Russlands treuen Partner Armenien fertig macht. Söldner aus Syrien sollen in Karabach am Werke sein. Alles ist verloren?!

Schauen wir uns an, was Putin am 14. Oktober mit Erdogan zu besprechen hatte. Sie haben ausführlich über Karabach gesprochen, beide sind schwer für eine politische Lösung des Konflikts. Putin ist besorgt über die Söldner aus Nahost. Putin erhofft sich von der Türkei einen konstruktiven Beitrag zur Deeskalation.

Moment mal. Das klingt doch alles nicht nach Konflikt zwischen Putin und Erdogan? Putin ruft die Türkei nicht auf, sich herauszuhalten. Putin erwartet einen konstruktiven Beitrag der Türkei im Konflikt. Merken Sie den Unterschied?

Weiter. Putin und Erdogan haben über Syrien und Libyen gesprochen und die effektive Koordination hervorgehoben, die zur Stabilisierung und einem Voranschreiten auf dem politisch-diplomatischen Parkett in diesen beiden Gebieten beiträgt.

Moment mal. Erzählen nicht tausend (u.a. alternative) Medien, dass Russland und Türkei sich in Libyen einen Krieg gegeneinander liefern? Tun sie. Aber was interessieren uns (alternative) Medien, wenn wir für die Beziehung zwischen Putin und Erdogan Primärquellen haben? Zwischen Russland und Türkei gibt es in Syrien und Libyen eine effektive Koordination. Zitat von Putins offizieller Quelle. Bezüglich Karabach gibt es von Putin die Erwartung eines konstruktiven Beitrages der Türkei. Zitat von Putins offizieller Quelle. An allen drei Schauplätzen, wo Russland und Türkei angeblich gegeneinander im Krieg sind, klingt es aus Putins Mund so, als ob sie sehr gut miteinander agieren.

In militärischer Hinsicht verliert Armenien übrigens. Ach ja, die von der Türkei ausgesandten Söldner. Wall Street Journal berichtet davon. Da heulen sich die Söldner aus, weil es unter ihnen so viele Verluste gibt. Viele wollen nach Hause. Irgendwo in Artikeln oder Kommentaren haben wir schon das Thema gehabt, dass die Söldner des syrischen Krieges ein Problem sind, dessen man sich entledigen muss, und dessen man sich unter anderem dadurch entledigen kann, indem man die Söldner in anderen Konfliktherden verheizt. So wie in Karabach. Von wo die Söldner schon weg wollen, obwohl sie auf der Seite der militärischen Sieger kämpfen. So ein Zufall aber auch.

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Die glorreiche US-Flotte

Das U.S Naval Institute (eine militärische Vereinigung, besetzt mit hochrangigen ehemaligen Militärs) begeistert mit dem Plan, Piraten von der Leine zu lassen. Für die USA sei Piraterie sogar legal, weil die USA jegliche Abkommen, die Piraterie irgendwie unter Verbot stellen, nie unterzeichnet bzw. nicht ratifiziert haben. Das sind die ernsthaften Pläne einer militärischen Denkfabrik, eine Antwort darauf, was die USA China auf den Weltmeeren entgegensetzen können. Piraten! Als Werkzeug gegen Chinas Zivilflotten, um Chinas Handel zu lähmen.

Und an anderer Stelle, bei Forbes, können wir analoge Aufrufe gegenüber Russland nachlesen. Demnach sollen im Falle eines Krieges US-Kriegsschiffe die russischen Handelsschiffe angreifen.

Elendes Elend. Immerhin setzen sich die US-Militärs realistische Ziele.

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Impfung für die Matrix

Russland hat seine erste Impfung gegen die Königsgrippe registriert. (Über zwanzig weitere Covid-Impfungen sind in Russland in Entwickung und mindestens eine ebenfalls kurz vor der Registrierung.)

Der Westen schäumt und baut argumentative Barrikaden auf, um den Einsatz der russischen Impfung bei sich auszuschließen. Das ist alles berechenbar bis in die Details. Von Bezrukow haben wir erfahren, dass die Welt sich in wirtschaftliche Blöcke aufteilen wird, die sich voneinander isolieren werden. Das betrifft natürlich auch pharmazeutisches High-Tech. Von Bezrukow haben wir auch erfahren, dass ein Drittel der Welt russisches High-Tech einkaufen will (das eine Drittel, das sich weder den USA, noch der EU, noch China anschließen will). Und aus diesem Drittel der Welt stehen die Kandidaten bereits Schlange und drängen sich um den ersten Platz. Die Präsidenten der Philippinen und Serbiens haben jeweils verkündet, persönlich die ersten Empfänger der russischen Impfung sein zu wollen.

Das Lustige an der Geschichte ist Russlands Trolling:

Mit diesem Bild wurde der erste registrierte Impfstoff gegen die Königsgrippe der Welt vorgestellt.

Ja, wirklich!

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Geopolitik von Andrej Bezrukow – Teil 2

Von Andrej Bezrukow (wir haben ihn hier kennengelernt) gibt es einen interessanten Vortrag im Netz. Im ersten Artikel über seine geopolitischen Thesen mag manchen aufgefallen sein, dass Bezrukow ausgerechnet über die russischen Aussichten in der neuen Weltordnung wenig gesagt hat. Das ist im nunmehr verlinkten Vortrag anders, Russlands Chancen und Aussichten werden ziemlich intensiv thematisiert. Ich möchte auf diesen Aspekt nicht ausführlich eingehen. Kurz gesagt liegen Russlands Aussichten in zwei Punkten: 1. Vermittler in sämtlichen Konflikten auf eurasischem Territorium (China-Japan, Indien-Pakistan, Iran-Türkei und andere), 2. Vertrieb von Infrastruktur- und Hochtechnologien an dasjenige Drittel der Welt, das sich nicht von USA, China oder EU abhängig machen will und gewillt ist, diese Technologien von Russland zu beziehen. Mein Kommentar: Beide Punkte sind nicht bloß Aussichten, sondern sehr konkrete strategische Pläne, deren Umsetzung fleißig vorangetrieben wird, unter anderem von Bezrukow selbst.

Von großem Interesse für die Blog-Leser dürfte Bezrukows Darstellung der sechs großen Elitengruppen in den USA sein.

  1. Wall Street – globale Finanzeliten. Das ist eine durch und durch globalistische Elite, die keinerlei Verpflichtung gegenüber den USA verspürt. Diese Elite war bereit, die USA zu verlassen und sich überall in der Welt niederzusetzen und überall auf der Welt Geld zu drucken. Strauss-Kahn war ein Vertreter dieser Elite, er hat den Ausstieg aus dem Dollar und den Einstieg in ein supranationales Geldsystem vorangetrieben. Das wurde selbst dem sanften Obama zu bunt, der bestimmt hat, dass der Dollar (sprich: die Weltwährung) US-amerikanisch bleibt. Wie Strauss-Kahn aus dem Weg geräumt wurde, kann jeder googeln, der es nicht mehr in Erinnerung hat.
  2. Die Industrieelite. Das sind die guten alten Industriekapitalisten mit ihren Werken, Fabriken und Ölförderanlagen. Die Industrieelite ist äußerst unzufrieden mit der Finanzelite, weil die Finanzelite seit langer Zeit nicht mehr in die Industrie investiert und das Geld lieber ins Ausland schafft und dort die Konkurrenz der US-Industrieeliten wachsen lässt.
  3. Die Militärelite. Sie fürchtet sich vor geopolitischen militärischen Konkurrenten, vor denen sie sich fürchten müsste.
  4. Die Medienelite. Eine käufliche Prostituierten-Elite, derzeit im Bett der Finanzelite zu Diensten.
  5. Die akademische Elite. Auch käuflich, schreibt das, wofür sie bezahlt wird.
  6. Die Beamtenelite. Diese Elite passt sich den Gegenbenheiten an und wechselt bei Bedarf die Seiten.

Im aktuellen Elitenkrieg in den USA stehen die Industrie- und die Militäreliten, vertreten von Donald Trump, auf der einen Seite, und die globalistischen Finanzeliten mit bezahltem Anhang auf der anderen Seite.

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Motivationsreden von Trump und Merkel

Trumps Motivationsrede für die USA.

Merkels Motivationsrede für die EU.

Für ein vergleichendes Auf-Sich-Wirken-Lassen.

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Geopolitik von Andrej Bezrukow

Viele Menschen lechzen in Zeiten von Lügenpresse nach alternativen Sichtweisen und Informationsquellen. Die Matrix stellt diesen Menschen pseudo-alternative pseudo-Experten zuhauf bereit. Die Menschen gehen diesen auf den Leim und landen wieder dort, wo sie eigentlich weg wollten – in der Matrix.

Heute möchte ich auf einen echten Experten aufmerksam machen: Andrej Bezrukow (Андрей Безруков). Er ist Oberst a. D. des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR und hat zwei Jahrzehnte in den USA gelebt und gearbeitet, bevor er 2010 aufgedeckt wurde. Im Rahmen eines Gefangenenaustausches kam er zurück nach Russland und arbeitet dort in vielen Positionen fleißig weiter. Unter anderem betreibt er Öffentlichkeitsarbeit. Er ist selbstverständlich parteiisch und es gehört zu seinem Beruf, seine Parteilichkeit auf subtilen, schwer zu entdeckenden Wegen wirken zu lassen. Damit hebt er sich wohltuend von der Quälitätspresse ab, die längst nicht mehr versucht, auch nur den Anschein von Neutralität walten zu lassen, sondern offen, ungeniert, dumm und mit der Brechstange ganz parteiische Hetze betreibt.

Es gibt von Bezrukow einiges zu lesen und zu sehen. Als Kostprobe möchte ich einige seiner Positionen zur aktuellen und mittelfristigen Geopolitik, die er in einer Videokonferenz dargelegt hat, hier zusammenfassen. Nachfolgend also meine Wiedergabe von Bezrukows Aussagen. Etwaige Kommentare meinerseits werden in Klammern untergebracht.

Die Corona-Krise ist der Startschuss für eine tiefgreifende geopolitische Transformation. Diese wird Zehn Jahre dauern. [Wir erinnern uns an Prognose von Zehn Jahren von König Abdullah II.]

In dieser Periode der Transformation werden die Staaten im Mobilisations-Modus operieren, wie in Kriegszeiten. Das heißt, die Gürtel werden enger geschnallt, die Bevölkerung streng kontrolliert.

Nach Beendigung der Transformation wird die Kontrolle gelockert werden. Die Menschen werden dann ihre Privatsphäre zurückfordern und diese Forderung wird auch mehr oder weniger erfüllt werden. Eine Kontrolle auf Schritt und Tritt wird jedenfalls abgeschafft.

Im Ergebnis der Transformation wird die Welt in regionale wirtschaftliche Zonen zerfallen.

Folgende Ideen sind jetzt gefragt und stellen das aktuelle ideologische Bedürfnis dar:

  • Gerechtigkeit (zunehmende Schere zwischen Reich und Arm schließen)
  • Kollektivismus (Wohl der Gesellschaft über dem Wohl des Individuums)
  • Primat der Natur (Natur-bewahrende Lebensweise)

Wer diese Ideen auszuformulieren und in politisches Handeln zu transformieren vermag, wird die Welt anführen.

Die regionalen Wirtschaftszonen, die sich herausbilden werden, benötigen folgende Voraussetzungen:

  • Ein großer Markt, der unter eigener Kontrolle steht
  • Ein monetäres Emissionszentrum (eigene Währung für den Markt)
  • Eine konstitutionelle Idee, eine philosophische Denkrichtung
  • Infrastrukturelle Basistechnologien (Energie, Transport, Informationsnetzwerke usw.)

Welche Blöcke wird es geben? Ein Block wird der angelsächsische Block sein, bestehend aus USA, Kanada, Großbritanien, Australien (eventuell auch Mexiko wegen der Nähe und Abhängigkeit zu den USA). Diese Länder sind sprachlich und kulturell eng verwandt, haben einen ausreichend großen Markt, den Dollar und alle Basistechnologien.

Ein weiterer Block wird sich um China herum bilden.

Außerhalb von Blöcken stehen unter anderem Japan, Russland und Westeuropa (gemeint sind Deutschland, Frankreich, Italien und Benelux).

Japan hat eine eigene starke Währung, aber nicht alle Basistechnologien und überhaupt keine eigenen Ressourcen. Zu fremd für die Angelsachsen, verfeindet mit China.

Westeuropa hat das gleiche Problem wie Japan: Währung ist da, aber Technologien und Ressourcen fehlen.

Russland hat alle nötigen Technologien und Ressourcen, aber kein Emissionszentrum und vor allen Dingen keinen ausreichend großen Markt, auch nicht mit allen ehemaligen Sowjetstaaten zusammen nicht. Russland wird daher mit irgendwem koalieren müssen, ein Beitritt in den chinesischen Block ist aber wegen der zu starken kulturell-philosophischen Differenzen nicht zu erwarten. Während China auf eine Ost-West-Achse ausgerichtet ist, bietet sich für Russland eine Nord-Süd-Achse an.

Westeuropa, Japan und Indien werden sich entscheiden müssen, mit wem sie koalieren.

Auf die Frage, warum in seinen Überlegungen die EU überhaupt nicht auftaucht, gibt Bezrukow seine Prognose ab: Die EU wird auf ihren Kern, die Gründerstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, zusammenschrumpfen. Wirtschaftlich wird Westeuropa mit den USA und mit China konkurrieren können, wegen des Fehlens kritischer Infrastruktur wird es aber keinen eigenen Block bilden können.

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Anarchie in den USA

Kann man die Ausschreitungen in den USA parteipolitischen Lagern zuordnen? Konkret: In Welchen Städten/Staaten sind größere Ausschreitungen zu verzeichnen? Welche Partei stellt dort jeweils die Regierung? Wo stellt sich die Lokalpolitik auf die Seite der Aktivisten und wo gegen diese auf?

Hat ein Presseorgan bereits eine Statistik oder Übersicht zu diesen sehr naheliegenden Fragen aufgestellt?

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75 Jahre des Großen Sieges

Wladimir Putin hat, wie vor Monaten angekündigt, einen Artikel zum Zweiten Weltkrieg verfasst. Das Original gibt es hier. Die offizielle englische Übersetzung gibt es hier. Eine Übersetzung ins Deutsche von Thomas Röper gibt es hier. Eine weitere Übersetzung ins Deutsche von Sputnik (basierend auf einer Veröffentlichung im National Interest) gibt es hier.

Die beiden Deutsch-Übersetzungen habe ich nicht geprüft und kann für die Korrektheit und Vollständigkeit nicht bürgen. Wer des Russischen mächtig ist, sollte auf jeden Fall das Original lesen. Wer des Englischen mächtig ist, sollte die offizielle Übersetzung des Kreml heranziehen. Wer nur des Deutschen mächtig ist, muss hoffen, dass die Übersetzungen ins Deutsche gescheit sind. Da es eine offizielle englische Übersetzung gibt, werde ich keine eigene Übersetzung anfertigen.

Den Artikel empfehle ich ganz klar zur Lektüre, auch für Putin-Feinde zur Kenntnisnahme der Position des Siegers des Zweiten und Dritten Weltkrieges. Meine schon vor Jahren erklärte Absicht, einen Artikel zur Rolle Polens im Zweiten Weltkrieg zu schreiben, ist damit auch abgegolten.

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Nachtrag, 22.06.2020: Eine offizielle deutsche Übersetzung von der russischen Botschaft gibt es hier.

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Russland entwischt in die technologische Zukunft

In den letzten Wochen mehren sich Zuschriften und Kommentare, in denen Leser verzweifelt oder erbost darüber sind, dass Russland in der Grippekrise eine ganze Reihe von digitalen Technologien ausprobiert und einführt, die als Überwachungstechnologien fungieren können.

Die Erbostheit wird garniert mit: “Russland/Putin hat mich enttäuscht, es stellt sich raus, dass Putin auch nur ein Gates ist”.

Erstens: Mittel und Zweck sind nicht das Gleiche. Jeder Mensch hat tödliche Waffen in seiner Küche stehen, weil sich diese tödlichen Waffen als verdammt nützliche Helfer beim Zubereiten von Nahrung erwiesen haben. Hin und wieder werden diese Werkzeuge tatsächlich als Waffen verwendet, mit Todesfolge. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, diese Waffen aus den Küchen der Welt zu verbannen. Es kommt auch niemand auf die Idee, diese Werkzeuge als per se böse einzustufen, weil diese offensichtlich zum Töten verwendet werden. So verdammt kompliziert ist die Welt.

Zweitens: Die Frage ist nicht, ob digitale Technologien kommen werden. Sie sind schon da, Big Data ist längst da. Die Technologien werden sich weiter ausbreiten und Big Data wird exponenziell wachsen. Man kann das mögen oder nicht, aber Fragen des Mögens sind nicht Gegenstand dieses Blogs. Ich persönlich mag die Durchdringung des Lebens mit diesen Technologien übrigens auch nicht. Was spielt das für eine Rolle bei Analysen der Sachlage?

Drittens: Die Frage ist, wer Kontrolle über die digitalen Technologien und die damit gesammelten Daten hat. Aus russischer Sicht verheißt es sicher nichts Gutes, wenn die Technologien und die Daten nicht unter russischer Kontrolle sind. Aus chinesischer Sicht verheißt es nichts Gutes, wenn sie nicht unter chinesischer Kontrolle sind. Aus deutscher Sicht verheißt es nichts Gutes, wenn sie nicht unter deutscher Kontrolle sind. An der Stelle der europäischen Kommentatoren, die sich über Russland aufregen, würde ich mir lieber Sorgen um das eigene Heimatland machen. Russland hat Glück, denn Russland wird eigene Technologien haben und die Daten seiner Bürger selbst besitzen. Und was ist mit Missbrauch? Kann und wird es geben, wie überall auch, angefangen mit der Küche und den Messern. Haben die Russen mehr oder weniger Missbrauch zu befürchten, wenn die Technologie nicht in der Hand ihrer Regierung, sondern in der Hand offen feindlicher Regierungen ist?

Viertens: Was ist mit dem Nutzen? Von wem haben die Russen mehr Nutzen vom Einsatz der Technologien zu erhoffen – von ihrer eigenen Regierung oder von der Regierung der USA? Wird Bill Gates dafür sorgen, dass die russischen Behörden aus den Big Data ablesen können, wo Probleme liegen und wie effektiv vergangene Lösungsversuche waren? Wird Bill Gates dafür sorgen, dass russische Behörden intrabehördlichen Datenaustausch betreiben, so dass Menschen für ihre amtlichen Anträge nur einen digitalen Antrag von Zuhause aus ausfüllen müssen und der Rest automatisch geschieht? Gerade jetzt wird das Realität in Russland. Bill Gates hat nichts dazu beigetragen und wird nie dazu beitragen, solchen Nutzen müssen die Russen schon selbst für sich generieren, was sie auch tun. Wird Bill Gates denn wenigstens die Gewinne vom Einsatz seiner Technologien zum Nutzen der Russen ausgeben? Warum zum Teufel sollte er das? Dabei ist der Nutzen riesig. Nur eine kleine Handvoll von Ländern wird im Besitz digitaler Spitzentechnologien sein. Bei dieser Handvoll Ländern wird die übrige Welt einkaufen müssen. Und diese digitalen Technologien haben auch noch gigantische Gewinnmargen. Dazu kommt der politische Einfluss auf die Länder, denen man seine digitalen Lösungen verkauft. Dazu kommen die gigantischen positiven Effekte auf die Wirtschaftskraft und die Produktivität, die der Einsatz digitaler Technologien mit sich bringt.

Warum sollte sich Russland all das entgehen lassen? Machen Sie sich keine Sorgen um Russland. Russland wird das Unausweichliche zu eigenen Gunsten zu nutzen wissen. Nur wenige Länder werden dieses Glück haben. Die übrigen Länder werden die gleichen Technologien bekommen – in abgespeckten Versionen, zu horrenden Preisen, mit beschränktem Nutzen für sich selbst und mit weit größerem Missbrauchspotential, als wenn diese Technologien in eigenem Besitz wären.

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