Abtritt von der großen Bühne

Heute gibt es einen kleinen Artikel des sprechenden Katers. Übersetzung (und Überschrift) von mir, Artikel minimal gekürzt.

Die Hausherren des westlichen Globalismus haben global verloren. Sie wurden vor einem Jahr matt gesetzt, danach mussten sie überlegen, wie genau sie abtreten. Die UdSSR beispielsweise ist abgetreten zum Applaus und Demagogie über Freiheit, über die Ablehnung des Autoritarismus und anderer schädlicher Ismen, über die Auflösung des Länderblocks des Warschauer Pakts. Der vorgeschobene Grund war, dass die UdSSR es so gewollt hat, um der Freiheit willen und damit alle selbstständig werden usw. Das muss man sich in Erinnerung holen, um zu verstehen, welcher äußere Tanz die Kapitulation eines gigantischen Staates begleitet, eines Staates mit einem gigantischen Militärblock, vielen Verbündeten, einem riesigen Militärpotential, das ist wichtig. Treffen, lächeln, streiten; äußerlich einige Schwierigkeiten in den Beziehungen, dann die Überwindung der Schwierigkeiten, denn wir alle sind Menschen. Dann das Aufgeben der eigenen Märkte, dann der Verbündeten, aber nicht mit diesen Worten, nein. Das ist eine Perestroika („Umbau“) des Bewusstseins, das ist freier Handel, das ist die Befreiung der Länder des Warschauer Paktes von der Last der schlechten Jahre usw. Haben wir uns das in Erinnerung geholt? Gut. Anders geht es nicht. Haben am Anfang viele Menschen gewusst was passiert und wohin das alles führt? Nein, sagen wir es offen, es waren nicht viele. Nicht mal die Verbündeten haben es verstanden, deswegen haben es manche nicht geschafft, in Ruhe bis zum Ende zu fahren, mancher schaffte es nicht mal ZU FLIEHEN. Warum? Weil nicht verstanden wurde, was passierte und was weiter passieren würde. Und passiert war eine Kapitulation, sie wurde nur mit einem engen Kreis der Herren des heutigen westlichen Globalismus besprochen. Alles, was vereinbart wurde, wurde nur stückchenweise umgesetzt. Wenn die nächste Etappe anstand, hat nur ein gewisser Personenkreis im US-Außenministerium und im Kreml vom nächsten Schritt oder von Teilen dieses Schrittes gewusst.

Das ist ein langer Prozess, ein schleichender Prozess, das Volk muss dabei nichts verstehen, übrigens das Volk der gesamten Erde. Denn es hätten mehr Kriege beginnen können als geplant waren, ein unkontrolliertes Chaos. Und wenn in der UdSSR bekannt geworden wäre, dass… es hätte ein Blutbad geben können, bei dem sehr viele zu Hackfleisch verarbeitet worden wären, das hätte ein langes und blutiges Schlachtfest werden können. Ich erkläre einfach kurz IHRE Position und warum es jetzt immer so gemacht wird und nicht anders, ich habe über die Ursachen geschrieben. Heute braucht niemand Millionen Hungernde in zerstörten Städten wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Das wäre ein zweifelhafter Sieg. Sie haben ohne einen verlorenen Soldaten alles bekommen, was sie niemals, mit keinem Krieg, hätten bekommen können. Aber so ist das Volk ausgeraubt und das Land zerrissen. Die Territorien, die über Jahrhunderte angegliedert wurden, wurden mit einem Lächeln im Gesicht abgegeben und am Ende ist man noch allen etwas schuldig geblieben. Sie kennen diese Geschichte.

Jetzt haben die gestrigen Gewinner verloren. Genau deshalb hat Trump gewonnen, denn es konnte nicht anders sein. Selbst wenn er nicht gewonnen hätte, hätte er gewonnen, verstehen Sie mich? Trump hätte gewonnen, selbst wenn er verloren hätte.

Von denen, die der Macht des Weißen Hauses nahe standen, verstehen nur wenige, was passiert ist, wann und wie. Sie sind hysterisch und denken wirklich, dass das alles nur ein schreckliches Missverständnis ist und dass es nur Trump ist… sie verstehen nicht, wie es dazu kommen konnte und sie glauben nicht, dass sie Trump nicht einfach aus dem Weg räumen können, sie haben bis zum 20. Januar geträumt. Es wird nichts, nicht im Februar, nicht im Mai, nicht am Ende seiner ersten Amtszeit, es wird nie etwas.

Wichtig ist, was in den USA passieren wird. Ich habe geschrieben, was passieren wird – ein großes Kanada und die erste wichtige Etappe besteht darin, eine Wirtschaft ohne die ehemaligen Vorzüge zu gestalten, ohne die Möglichkeiten, die freiwillig an China abgegeben wurden und… ohne viele andere Dinge. Wie man an den Vereinbarungen erkennt, wird ein großer Teil der Produktion in die USA zurück kehren, ich habe darüber geschrieben, so passiert es auch. Diejenigen, die zur Rückkehr auserkoren wurden, aber sich sperren und in China oder anderswo bleiben wollen, wird man rausdrücken. Es ist offensichtlich, dass die Bedingungen des Überlebens der USA unter den neuen Umständen auch besprochen wurden. Die zweite Etappe… ist wohl noch zu früh zu beschreiben zum jetzigen Zeitpunkt, aber als Variante habe ich bereits darüber geschrieben – eine Abspaltung von Teilen der USA, eine Teilung der USA in zwei Kanadas… aber das kommt erst in etwa fünf Jahren…

Es ist sehr dumm, jetzt jedem Rascheln des gefallenen Laubes vom Vorjahr zu lauschen und die Aufmerksamkeit auf Kleinigkeiten zu lenken. Es ist nicht wichtig, was gesagt werden wird. Wichtig ist, was de facto aus den Taten hervorgehen wird, oft aus unbemerkten Taten.

Vieles wird noch kommen, es wird glückliche Wahlen geben, bei denen die richtigen Leute an die Macht kommen, aber es wird auch Unglücksfälle geben, wenn jemand es nicht schafft zu fliehen. All das wird es geben und es passiert schon jetzt. Manch einer ist schon gekommen, manch einer geht bereits oder ist schon gegangen. So wie ich es geschrieben habe, wird alles sehr natürlich aussehen. Daran, wer kommen wird, werden wir sehen können, wie der Einfluss verteilt wurde und… noch vieles mehr.

Niemand wird überraschend auf die Bühne treten, niemand.

Ohne weiteren Kommentar oder Erläuterungen. Vielleicht hilft es dem ein oder anderem, sich in der aktuell schwer verständlichen Zeit zu orientieren.

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Gedanken über die zukünftige EU-Armee – zweite Ergebnisse

Es geht munter weiter mit der EU-Armee. Die letzten Fortschritte (Deutschland weitet seinen Bundeswehreinsatz in Mali aus) wurden hier berichtet.

Jetzt meldet die FAZ, dass Rumänien und die Tschechische Republik jeweils eine Brigade unter deutsches Kommando übergeben. Die Niederlande hat inzwischen 2/3 ihres Heeres unter deutsches Kommando gestellt. Weitere deutsch-niederländische, deutsch-französische und deutsch-norwegische Partnerschaften sind angekündigt worden. Genau so entsteht sie, die EU-Armee. Schritt für Schritt, mit Deutschland als Kern und Kommandostab und den anderen EU-Ländern als Zubringern unter deutschem Kommando. Was die Rolle der USA in der NATO ist, soll Deutschlands Rolle in der neuen EU-Armee werden.

Mit den USA ist alles abgesprochen. Neuer US-Verteidigungsminister Mattis betont die Bedeutung der NATO, von der Leyen kündigt an, dass Europa endlich mehr in die NATO investieren wird. Trump hat seine NATO-Kritik reduziert. Warum ist das alles so? Weil es einen Deal gibt. Trump will die USA von der NATO befreien, Merkel ist einverstanden, man hat sich über den Übergang geeinigt. Deutschland übernimmt von den USA den europäischen NATO-Teil (ohne Großbritanien). Skanadale sind unnötig. Wir haben uns alle lieb, die NATO ist ganz wichtig – das ist die PR des Deals. So können alle in Ruhe an der Auflösung der NATO und am Aufbau der EU-Armee arbeiten, ohne es offiziell verkünden oder zugeben zu müssen.

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Aus einem anderem Blickwinkel

Trump hat Gina Haspel zur Deputy Direktor der CIA ernannt. Haspel war in das Folter-Programm der CIA involviert.

Die Logik der Trump-Gegner ist klar. Haspel ist eine Folterin und wird von Trump eingesetzt, weil er die Folter aufleben lassen will.

Befreien wir uns von derlei eindimensionalen Denkweisen. Nicht, um einen ultimativen Gegenbeweis zu führen, sondern um unsere Gedanken ein wenig über den Tellerrand dieser Sichtweise schweifen zu lassen.

Haspels Karriere bei der CIA wurde ihr intern vermasselt. Sie war loyal und hat Schmutzarbeit verrichtet. Sie selbst hat nicht gefoltert, das behaupten die Zeitungen gar nicht. Aber sie hat eine Foltereinrichtung geleitet und sie hat Beweisvideos auf Befehl von oben vernichten dürfen. Gerade wegen dieser Videovernichtung wurde ihr aber die CIA-Karriere zerstört. Die üblichen internen Intrigen.

Jetzt bringt Trump ihre Karriere wieder in Schwung und macht Haspel zur Nr. 2 in der CIA. Alle gucken auf ihre Foltervergangenheit. Worauf nicht alle gucken ist, dass sie in CIA-Kreisen offene Rechnungen hat, die sie in ihrer neuen Position wird begleichen können. Irgendwelche CIA-Kreise haben Haspel aufs Abstellgleis geschoben, dafür dass sie Befehlen gehorchte. So etwas kann wütend machen, nicht wahr? Interessant ist auch, dass an Haspels Beliebtheit und Wertschätzung seitens der Kollegen nicht gerüttelt wird, das geben die kritisierenden Artikel offen zu. Das heißt diese offenbar fähige, beliebte und loyale Frau, wurde aus dem Weg intrigiert von irgendwelchen Kreisen, die es sich selbst gemütlich machen wollten in der CIA. Man nennt es Korruption, wenn es jenseits der westlichen Welt geschieht. Nichts ungewöhnliches. Interessant ist, dass Trump ausgerechnet sie, die fähig, beliebt und loyal zu sein scheint, und die gleichzeitig allen Grund hat, auf verkrustete interne CIA-Strukturen sauer zu sein, in das Rattenloch CIA wirft, auf einer Position, die ein Aufräumen möglich macht.

Dieses Puzzle-Stückchen fügt sich sehr gut in das Gesamtbild ein. Und wenn sich ein Puzzlestückchen von allen Seiten so gut in ein komplexes Gesamtbild einfügt, ist das vielleicht kein Zufall.

Der Fahrstuhl ist voll. Trump muss aber seine Leute reinbringen. Behalten Sie Haspel im Auge. Sie könnte eine Bombe in den CIA-Fahrstuhl werfen.

Nachtrag, 9. Februar 2017: Ein Leser hatte neulich auf einen guten Artikel über Trumps Politik hingewiesen. Greift andere Themen als dieser Artikel auf, aber die Intention ist genau die gleiche: Trumps Logik verstehen, statt sich in Hysterie zu suhlen.

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Kanzlerkandidat Schulz

Bei der Lektüre von Schulz‘ Antrittsrede als Kanzlerkandidat sind ein paar Dinge aufgefallen:

  • GeoPolitik vs Alltagssorgen. Während gerade jetzt die ganz großen Strukturen der Weltordnung neu gestaltet werden, sucht Schulz das krasse Gegenteil davon. Wandputz in den Schulen, Kitas im ländlichen Raum, Sportvereine, Nachbarschaftsinitiativen. Die Rede war voll von solchen Inhalten. Pfleger und Busfahrer, ihr seid direkt angesprochen.
  • Steuergerechtigkeit als zentrales Wahlkampfthema angekündigt.
  • Zur USA: „… in dem Land, das eins für Freiheit und Toleranz stand.“ Das ist Abgrenzung.
  • „Allerdings bin ich sicher, dass nun europäische Politiker, wenn sie nach Washington reisen, der US-Regierung erklären werden, dass das internationale Völkerrecht  und die Menschenrechte auch für Donald Trump gelten. Da bin ich sicher! Denn die transatlantische Partnerschaft ist wichtig und muss weiter ein fester Bestandteil für Europa und für Deutschland sein.“ Das ist auch Abgrenzung, aber jetzt präzisiert. Schulz grenzt sich von Trump ab und verlangt die Partnerschaft zur alten „Völkerrecht und Menschenrechte“-USA. Das kann eine Solidaritätsbekundung mit den Clinton-Eliten sein, muss aber nicht. Es kann auch eine Ausrede sein: wir würden ja gerne, wenn… wobei dann eine nicht einlösbare Bedingung gestellt wird.
  • Die AfD als „Rattenfänger“ und „Schande für die Bundesrepublik“ tituliert.
  • Hat Flüchtlinge in Schutz genommen.
  • „Null-Toleranz-Politik“ gegen Straftäter-Flüchtlinge.
  • Drohung an die EU-Oststaaten, ihre Subventionen zu streichen, wenn die keine Flüchtlinge übernehmen.
  • Orban zum Arschloch der EU erklärt. Für ein Abschneiden Ungarns aus der EU? Positionierung gegen koopertive Politik zu Russland?
  • „Europapolitik ist deutsche Innenpolitik und deutsche Innenpolitik wirkt in Europa.“ Jaaa, das Vierte Reich! „Wer das gegeneinander stellen will, versündigt sich an den Zukunftschancen unserer Kinder und der nachfolgenden Generationen!“ Wer gegen das Vierte Reich ist, begeht eine Todsünde! Schulz hat die Vierte Reich Politik Deutschlands in der EU nicht erfunden. Aber er spricht es so offen an, wie ich es bisher noch nicht gehört habe. Die EU-Partner müssen in Jubel ausgebrochen sein ob der offenen Ankündigung, dass EU-Politik und deutsche Innenpolitik das Gleiche sind.
  • Schulz spricht seinen wenig ruhmreichen Werdegang an, um damit der Konkurrenz zuvor zu kommen. Klassisches Manöver. Wenn es Unangenehmes über dich zu sagen gibt, was deinen politischen Konkurrenten bekannt ist, dann komme ihnen zuvor und sag es selbst, rücke es dabei ins Positive. Du weisst wie es ist unten zu sein, du weisst wie es ist aufzustehen, du weisst wie man von ganz unten nach ganz oben kommt. Und ihr Wahlvolk kommt wie ich von ganz unten nach ganz oben, wenn ihr mich wählt.
  • Gegen elitäre und arrogante Kommentare. Abgrenzung zur Oberschicht, Solidaritätsbekundung mit der Unterschicht.
  • Menschen zuhören will er, sie in ihrem Lebensalltag treffen. Implizit: Anders als Merkel, die weit weg ist und über den Dingen schwebt. Erneut Solidaritätsbekundung mit der Unterschicht.
  • Kitas vs. Wolkenkratzer der Banken – für Schulz sind die Kitas die Leuchttürme Deutschlands. Erneut Solidaritätsbekundung mit der Unterschicht und Abgrenzung zur Oberschicht.
  • Gegen „neoliberale Ideologie“ ausgesprochen, gegen „Schlanker Staat“ und gegen „Privat statt Staat“.
  • Schulz, der Buchhändler. „Mir als Buchhändler ist es besonders wichtig“. Hach, er ist so sehr einer von uns einfachen Menschen.

Dieser Rede nach zu urteilen will Schulz die Menschen aus der Unterschicht einfangen. Die Hartz4-Empfänger und die Malocher, die irgendwann mal die SPD gewählt haben, aber inzwischen die Linke und die AfD wählen oder längst gar nicht mehr wählen gehen. Diesen Menschen will sich Schulz als Messias verkaufen. Der vom Abstieg bedrohte Teil der Mittelschicht kann sich ebenfalls angesprochen fühlen.

Außenpolitische Kernbotschaften:

  • USA, du bist nicht mehr unser Herr.
  • Deutschland ist EU, EU ist Deutschland. Ihr Ostaffen werdet von mir getreten, wenn ich Kanzler werde.

Auffallend ist das Fehlen einer klaren Positionierung zu Russland.

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Trump und das Einreiseverbot für Muslime

Trump hat die Einreise von Muslimen aus einigen muslimischen Ländern eingeschränkt. Das Geheul war groß. Wenn das Geheul der „Qualitätsmedien“ groß ist, muss etwas Gutes passiert sein. Was könnte an dem Einreiseverbot gut sein?

Der sprechende Kater liefert die Idee. Wer reist aus den muslimischen Ländern des Nahen Osten in die USA ein? Es sind vielfach die Agenten der Clintons, McCains und anderer transnationaler Eliten. Die US-Agenten in Gestalt von Menschenrechtlern, Oppositionellen und anderen Engeln müssen hin und wieder in die USA, um sich wichtige Anweisungen persönlich bei den Herren abzuholen. Und auch ganz wichtig: um sich nach getaner schmutziger Arbeit in den USA abzusetzen und sich einen ruhigen Lebensabend als Internetagent zu gönnen. Das ist das Schema, nach dem die USA ihre ausländischen Agenten anheuern. Die Fluchtmöglichkeit in die USA ist wichtiger Teil des Deals.

Was bewirkt Trumps Einreiseverbot, außer dem Geheul der Medien? Die Clinton-Agenten können nicht mehr direkt mit der Basis kommunizieren. Und sie können auf einmal nicht mehr in die USA fliehen, wenn es daheim plötzlich eng wird. Wenn man es aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist das Einreiseverbot nicht gegen die muslimische Welt gerichtet, sondern für sie.

Inzwischen jubelt die Presse wieder. Ein US-Gericht hat das Einreiseverbot vorläufig außer Kraft gesetzt. Inmitten des Jubelgeschreis erfahren wir folgendes:

Trump hatte verfügt, dass Flüchtlinge aus aller Welt für 120 Tage nicht in die USA einreisen dürfen, jene aus Syrien wurden sogar auf unbestimmte Zeit ausgesperrt. Außerdem verhängte er einen 90-tägigen Einreisestopp für Menschen aus den mehrheitlich muslimischen Ländern Syrien, Iran, Irak, Sudan, Somalia, Libyen und Jemen. Offiziellen Angaben zufolge wurden in den vergangenen Tagen 60.000 Einreisevisa gestoppt. Nach Medienberichten waren es mehr als 100.000.

Interessant. Das Einreiseverbot war also zeitlich begrenzt. 90 Tage für Personen aus Syrien, Iran, Irak, Sudan, Somalia, Libyen und Jemen. Das sind genau die Länder, bei denen man vermutet, dass deren Menschen ständig Urlaub in den USA machen, oder?

Warum war das Einreiseverbot für drei Monate beschränkt? Weil drei Monate offenbar genug Zeit sind, damit die Geheimdienste der beschränkten Länder die Clinton-Agenturen entscheidend dezimieren, vielleicht sogar säubern können.

Man darf sich fragen, warum Trump all die anderen muslimischen Länder nicht mit dem Einreiseverbot belegt hat, wenn es ihm um die Muslime als solche gegangen wäre. Diese Frage sollten sich insbesondere all jene stellen, die einen verrückten Moslem-Hasser als beste Erklärung der spannenden Ereignisse bevorzugen.

Syrien ist ein Fall für sich. Die syrische „gemäßigte“ Opposition wurde von der Obama-Regierung offiziell unterstützt. Bald wird Trump beginnen, die syrische Terroristenbrut zusammen mit Russland, Türkei und Iran zu säubern. Wohin werden die Agenten der Vorgänger-US-Regierung fliehen? Zu ihren Herren, den Clintons und McCains. Die Agenten seiner Feinde kann Trump im eigenen Land nicht gebrauchen.

Diese Gedanken sind Ihnen zu gewagt? Nun, man kann sich die Ereignisse damit erklären, dass Trump ein Verrückter ist. Das ist eine furchtbar schlechte Erklärung, aber sie mag vielen angenehm erscheinen. Man kann auch nach einer logischen, vernünftigen Erklärung für die Ereignisse suchen. Das Einreiseverbot als Teil einer koordinierten Geheimdienstoperation zwecks Säuberung der Clinton-Agenturen ist eine logische, vernünftige Erklärung. Sie fügt sich widerspruchslos in das Bild ein, das sich um Trump herum abzeichnet.

Safari 2 lässt grüßen.

Michael Flynn neben Wladimir Putin auf der zehnjährigen Jubiläumsfeier von RT im Jahr 2015. Flynn ist inzwischen Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump.

Nachtrag, 06. Februar 2017: Ex-CIA-Chef sagt, dass Trumps Dekret den US-Spionen schadet. Ein Leser hat auf den Artikel hingewiesen.

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Bei der Tagesschau nachgefragt

Die Tagesschau hat am 24. Januar getitelt: „Russischer Medienfeldzug gegen Merkel?“ Kai Küstner ist als Autor für den Artikel verantwortlich.

Im Artikel heißt es:

Es ist noch keine eineinhalb Jahre her, dass die EU sich auf Wunsch ihrer Mitgliedsstaaten eine Art ‚Spezialeinheit‘ zugelegt hat, die sich russischer Propaganda widmet. Rund 2500 Beispiele von Falschinformationen habe diese ‚Task Force‘ seitdem festgestellt, berichtet jetzt ein EU-Offizieller.

Weiter im Text gibt es interessante Infos über diese „Spezialeinheit“:

Dort ist die Arbeitsgruppe, die im September 2015 ihre Arbeit aufnahm, angesiedelt. In Brüssel verfügt sie lediglich über zehn Mitarbeiter, ihr würden aber in Europa rund 400 Informanten zuarbeiten, heißt es. Hauptaufgabe der ‚Anti-Propaganda-Einheit‘ ist es, Falschinformationen richtigzustellen.

Was es im Artikel nicht gibt, sind irgendwelche Quellen oder Angaben, die eine Überprüfung zuließen. 2500 Beispiele gibt es! Wo sind sie? Ich würde sie gern sehen. Ein EU-Offizieller hat das behauptet. Welcher? Name? Ich würde ihn gerne anschreiben, vielleicht rückt er die Liste der Beispiele raus.

Dabei muss die Tagesschau ein Interesse daran haben, diese Liste der Beispiele der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese Liste entlarvt doch das böse, böse Russland! Wozu sie verheimlichen?

Ich habe es bereits mehrfach geschrieben: Wenn anonyme Offizielle zitiert werden und auch sonst keine überprüfbaren Quellen angegeben werden, und dabei gegen einen politischen Feind gehetzt wird, ist die Sache in der Regel faul. Aber ich wollte der Tagesschau die Gelegenheit geben, das Gegenteil zu beweisen und habe die Redaktion kontaktiert:

Betreff: Nachfrage zu „Russischer Medienfeldzug gegen Merkel?“

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Beitrag „Russischer Medienfeldzug gegen Merkel?“, online erschienen unter http://www.tagesschau.de/ausland/merkel-eu-russland-101.html behauptet der Autor Kai Küstner, dass die „Spezialeinheit“ rund 2500 Beispiele von Falschinformationen gesammelt hat.

Meine Fragen dazu:

1. Können Sie auf einen öffentlich zugänglichen Bericht verweisen, in dem die rund 2500 Beispiele für Falschinformationen aufgeführt sind?

2. Haben Kai Küstner oder andere Mitarbeiter der Tagesschauredaktion Einblick in die Beispiele genommen?

3. Welcher EU-Offizielle hat die Information von den rund 2500 Beispielen genannt?

Mit freundlichen Grüßen

Zehn Minuten später bekam ich eine Antwort:

Liebe Zuschauerin, lieber Zuschauer,
liebe Userin, lieber User,

vielen Dank für Ihr  Interesse an den Beiträgen von ARD-aktuell. Es ist
schön, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, uns Ihre Frage, Meinung oder
einen Themenvorschlag per E-Mail zu schicken.
Sie erhalten diese automatische Antwort, da es der Redaktion angesichts der
Fülle an Zuschriften leider nicht möglich ist, jede E-Mail persönlich zu
beantworten. Wir versichern Ihnen aber, dass alle Mitteilungen von uns
gelesen, ausgewertet, weitergeleitet oder auch in Redaktionssitzungen
diskutiert werden.

Nochmals herzlichen Dank für Ihre Zuschrift. Wir würden uns freuen, wenn
Sie die Angebote von ARD-aktuell als Zuschauer und User weiter begleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Zuschauerservice
ARD-aktuell / tagesschau.de
www.tagesschau.de

Tja. Nun ist mehr als eine Woche vergangen und es hat keine andere Antwort gegeben, außer dieser automatisch generierten höflichen „Sie können uns mal…“ – Antwort.

Das finde ich sehr enttäuschend. Denn ich möchte meine Fragen wirklich beantwortet haben.

Vielleicht mögen Sie diese Fagen auch der Tagesschau stellen. Vielleicht haben Sie mehr Glück und bekommen eine Antwort – dann teilen Sie es hier mit.

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Rochade in der SPD

Gabriel hat überraschend auf die Kanzlerkandidatur verzichtet. Er übernimmt das Außenministerium von Steinmeier und Schulz wird Kanzlerkandidat.

Die mutigen Gedankenspiele von vor einem Monat bekommen einen Strich durch die Rechnung. Und Norbert Häring ist mit seiner Prognose bezüglich Schulz‘ Rolle im Wahlkampf wieder voll im Rennen. (Hier geht es direkt zum vollen Artikel von Häring.)

Zumindest über Steinmeier gibt es keine offenen Fragen. Er hat gegen Russland gehetzt und auch gegen Trump. Auch in seiner Abschiedsrede hat er noch mal gegen Trump nachgetreten. Die Flucht in das sichere „höchste“ Amt der Bundesrepublik macht es möglicht. Für die Real(außen)politik der niedrigen Ämter ist Steinmeier nicht mehr zu gebrauchen. Während sich Russland und USA einander annähern, sollte man keinen Außenminister haben, der schon beiden ins Wohnzimmer gedüngt hat.

Gabriel sagt in seiner Antrittsrede ein paar interessante Dinge:

Ich habe mich in den Wochen nach der Wahl Donald Trumps gefragt, was hätte die Welt wohl über Deutschland und Europa gesagt, wenn wir dieses Freihandelsabkommen mit Kanada nicht geschafft hätten. Und wie unglaubwürdig wären heute unsere Rufe nach einem Stopp des Protektionismus.

CETA als Werkzeug, um die EU gegen die USA positionieren zu können? Schaut her, wir wollen, aber ihr (USA) wollt nicht! Was für ein Theater. Aber genau solche großen Steine des Anstoßes braucht es, um die größte denkbare Kehrtwende der EU-Politik zu begründen. Die USA werden zu Protektionisten und die EU lechzt nach Freihandelsabkommen, die ihr von den USA verwehrt werden. China, Russland, Neue Seidenstraßen – wir kommen!

Ich glaube, wir sind gerade Zeitzeugen einer Neuvermessung der Welt.

Das nur so nebenbei. Vielleicht gibt es immer noch Menschen, die das nicht glauben wollen. Inzwischen schreiben es aber nicht nur die Think-Tank Strategen, sondern posaunt es auch die Politik laut in die Welt hinaus. Die Zombies werden langsam auch darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Weltordnung sich gerade verändert.

Die Grundpfeiler deutscher Außenpolitik jedenfalls sind heute wichtiger denn je: Europa, – und so schwer es manchem fallen mag- Transatlantische Partnerschaft, Multilateralismus.

So schwer es manchem fallen mag? In Bezug auf die transatlantische Orientierung Europas? Wem und seit wann fällt das schwer in Deutschland? Welche Elitenkreise meint Gabriel damit? Er sagt es nicht, aber diese Kreise existieren.

Außenpolitik ist heute internationale Politik im Horizont einer gerechteren und stabileren Globalisierung, die weniger Verlierer und mehr Gewinner braucht. Nur wenn wir nachhaltig globale Gerechtigkeit stärken werden wir auch mehr Sicherheit bekommen.

Gabriel sagt damit, dass wir sehr für die multipolare Weltordnung sind.

Dafür haben wir etwas anzubieten: Europa. Auch wenn es heute selbst in schwierigem Zustand ist, bleibt Europa das größte Zivilisationsprojekt des 20. Jahrhunderts.

Das war ungeschickt… Wir sind längst im 21. Jahrhundert, aber Gabriel hat beim Preisen Europas den Rückblick auf das vergangene Jahrhundert im Angebot.

In diesem Jahr geht es in Europa ums Ganze.

Jupp.

Und auch die enge transatlantische Partnerschaft ist Leitlinie deutscher Außenpolitik. Und was immer aus den USA für Töne zu uns herüber schallen: Für uns muss es eine Orientierung bleiben!

(….)Aber wir werden auch selbstbewusst die Räume nutzen müssen, die möglicherweise durch eine Abkehr der Vereinigten Staaten von der internationalen Kooperation und im internationalen Handel neu entstehen. Die Partnerschaft mit China auf eine neue und faire Grundlage zu stellen, den Asean-Staaten nach der Kündigung des Handelsabkommens TPP Europa und Deutschland als Alternative anzubieten und auch die deutsch-indischen Regierungskonsultationen und das G 20 Treffen zu nutzen, um unser Land und auch Europa als weiterhin faire aber auch als selbstbewusste Partner anzubieten. Das öffnet uns solche Räume, die wir entschlossen und entschieden betreten und nutzen sollten.

Der hervorgehobene Abschnitt hat es stark in sich und spricht für sich, mit jedem Satz, jedem Teilsatz und jedem Wort. China, Asien, wir kooommen!

Gibt es irgendwo im Internet die volle Antrittsrede von Schulz zu lesen?

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Propaganda vs. Propagandakrieg

Propaganda hat es schon immer gegeben. Ohne die im deutschen Alltagsgebrauch gebräuchliche negative Konnotation ist Propaganda einfach nur eine systematische Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Das ist nicht automatisch etwas schlechtes und böses.

Die Regeln der Propaganda sind universell und seit Jahrzehnten und Jahrhunderten im Grunde unverändert. Vor etwa einem Jahrhundert wurden diese Regeln prägnant in Buchform veröffentlicht. Sie waren damals nicht neu und sie sind auch heute aktuell.

Aber etwas hat sich verändert. Bis vor etwa 20 Jahren fand Propaganda in geschlossenen gesellschaftlichen Räumen statt. Es gab die Bevölkerung, deren Meinung kontrolliert werden musste. Es gab die meinungsbildenden Medien des Landes. Es gab die Regierung mit den hinter ihr stehenden Eliten, die mit Hilfe der Medien die Bevölkerung des eigenen Landes beeinflussten. Das war im Westen so und im Osten und überall sonst. Die Situation stellte sich so dar, dass die Eliten ersten Ranges die Kontrolle über die Medien in einem geographischen Gebiet hatten und damit die Menschen im gleichen geographischen Gebiet beschallten und kontrollierten. Diese Systeme waren nicht völlig abgeschlossen und wasserdicht. Sänger, Künstler, Politiker, Wissenschaftler, Techniker, Militärs und viele andere sind um die Welt gereist und kamen mit fremder Propaganda in Kontakt. Auch gab es Versuche, die eigene Propaganda in fremdem Gebiet zu installieren. Der auf diese Weise entstandene Kontakt zu fremder Propaganda betraf aber nur einen geringen Prozentsatz der Bevölkerung. Die große Masse der Menschen befand sich sicher unter der Propaganda-Glocke ihres Landes. Alles, was die Menschen über das eigene Land und über fremde Länder erfuhren, erfuhren sie über die Medien ihres Landes, die alle mehr oder weniger kunstvoll der staatlichen Zensur unterworfen waren.

Bis vor etwa 20 Jahren war Propaganda also etwas, das sich zwischen den Eliten des Landes und der Bevölkerung des Landes abspielte. Wir abstrahieren die Tatsache, dass bei Vasallenstaaten die Eliten des Vasallenstaates als Mittler zwischen fremden Eliten und eigener Bevölkerung fungieren. Das Entscheidende ist, dass die Eliten, die die wirtschaftlich-militärische Kontrolle über ein geographisches Gebiet hatten, auch die Medienkontrolle über das gleiche Gebiet hatten und damit die Propaganda ein Transfer zwischen diesen Eliten und der Bevölkerung des kontrollierten geographischen Gebiets war. Propaganda war etwas, das sich primär innerhalb des gleichen Lagers abspielte.

Die Globalisierung der Informationsmedien, massiv vorangetrieben durch das Internet, hat die oben beschriebene Struktur aufgebrochen. Das Internet ist für die Mehrheit der Bevölkerung verfügbar. Plötzlich haben nicht nur ein paar Wissenschaftler, Politiker, Artisten usw. Zugang zu fremder Propaganda, sondern praktisch die gesamte Bevölkerung. Der weitgehend geschlossene Propagandaraum wurde geöffnet. Das einzige, was jetzt noch ernsthafte Hürden darstellt, sind Sprachbarrieren. Die Sprachbarrieren werden aber nicht von Dauer sein. Die neuen Generationen lernen alle englisch und alle wichtigen Länder verbreiten ihre Propaganda nicht nur in der Landessprache, sondern auch auf englisch. Mit Grundkenntnissen in englisch können Sie heute die Propaganda der USA, der EU, Russlands und Chinas problemlos empfangen. In Schlüsselregionen wird die Propaganda fremder Mächte sogar in der regionalen Landessprache dargeboten. Damit haben alle Welteliten ersten Ranges Zugang zu allen Menschen dieser Welt. Propaganda spielt sich nicht mehr nur im eigenen Lager ab, sondern zeitgleich voll interaktiv über die Lagergrenzen hinweg.

Aus geschlossenen Propagandaräumen ist ein offenes globales Schlachtfeld entstanden. Früher wurden die Gehirne der Menschen freundlich bearbeitet. Das war ein einseitiger Prozess innerhalb eines verbündeten Lagers. Heute werden in den Gehirnen der Menschen blutige Schlachten zwischen feindlichen Lagern geführt. Heute müssen die Eliten um die Gunst der eigenen Bevölkerung kämpfen. Heute müssen die Eliten weltweit aktiv sein und auch um fremde Bevölkerungen kämpfen. Früher wurden die Eliten nicht nennenswert gestört bei der Beeinflussung ihrer Untergebenen. Heute stören sich die Eliten dabei gegenseitig. Früher wurde den Menschen relativ gemütlich ein Weltbild eingeimpft. Heute ist die Gemütlichkeit dahin, die Menschen sind zum Schlachtfeld geworden.

Die Globalisierung der Informationsströme, die mit dem Internet die Ebene der einfachen Menschen, die Ebene der Menschenmassen, erreicht hat, hat das Wesen der Propaganda qualitativ verändert. Die Eliten können ihre Untergebenen nicht mehr wirksam vor fremder Propaganda schützen. Die Eliten müssen im Propagandakrieg auf dem offenen Schlachtfeld um ihre eigenen Untergebenen kämpfen. Feindliche Ansichten abzuschotten geht nicht mehr. Man muss die eigene Bevölkerung von der eigenen Sichtweise überzeugen – gegen die Argumente der feindlichen Eliten. Die einfachen Menschen sind gezwungen, sich selbst zwischen konkurrierenden Weltbildern zu orientieren. Die Menschen können nicht davor flüchten. Sie können nicht einfach sagen, dass sie diese Schlacht in ihren Köpfen nicht wollen. Sie können nicht schutzsuchend zu ihrer Regierung laufen und nur deren Propaganda konsumieren. Denn die Mitmenschen, Freunde, Verwandte und Kollegen, haben heute die Wahl, sich nicht der einen staatlichen Propaganda zu bedienen, und wenn die Menschen die Wahl haben, werden sie von dieser Wahl Gebrauch machen. Das heißt, früher oder später werden alle Menschen damit konfrontiert, dass einige ihrer Freunde, Verwandten und Kollegen ihr Weltbild in ganz zentralen Punkten nicht teilen. So dass keine gemeinsame Basis mehr gefunden werden kann. Die Menschen können sich diesem Propagandakrieg nicht entziehen. Er wird sie früher oder später ereilen. Die Leser dieses Blogs gehören vermutlich mehrheitlich zu den Leuten, die schon ereilt worden sind.

Das ist eine Tragödie. So wie jeder Krieg eine Tragödie ist. So wie jeder Krieg, wird auch der heutige Propagandakrieg irgendwann enden. Es fragt sich nur, wie genau.

Der erste Gedanke ist natürlich der an Internet-Zensur, an das chinesische Modell. Aber das funktioniert in China schlecht und wird im Westen gar nicht funktionieren. In Zeiten, als es keinen interaktiven Propagandakrieg gab, hat der Westen nämlich aus PR-Zwecken die Meinungsfreiheit zu einer zentralen Säule des westlichen Weltbildes erklärt. Pech, dass sich die Zeiten geändert haben. Das Einführen unverhohlener Zensur zerstört das westliche Weltbild, das durch diese Zensur doch gestärkt werden sollte. Und verdeckte Zensur, so wie früher, funktioniert in Zeiten der globalisierten Informationsströme nicht mehr. Die Lügen von Politik und Medien werden von RT und anderen ausländischen Medien ganz einfach entblößt und die heimische Bevölkerung hat guten Zugang zu diesen Informationen. Und wir sind damit nur am Anfang des Prozesses, das wird sich in Zukunft weiter verstärken. Zensur ist keine Option. Taktisch mag es wie eine Option erscheinen, aber strategisch schaufelt man sich damit das eigene Grab.

Die Wahrheit zu sprechen ist eine weitere Option. Hier hat der Westen aber das gleiche Problem wie bei Zensur. Wahrheit zerstört das westliche Weltbild, welches auf Lügen aufgebaut ist.

Das Weltbild zu ändern ist ebenfalls eine Option. Das ist allerdings eine sehr dramatische Lösung mit sehr weitreichenden Folgen. Viele alte Eliten werden weichen müssen, wenn dieser Weg eingeschlagen wird. Reparationszahlungen können fällig werden. Große gesellschaftliche Turbulenzen sind nicht nur möglich, sondern äußerst wahrscheinlich. Feindlich gesonnene Länder können den Übergangsprozess nutzen, um die Macht (zumindest teilweise) an sich zu reißen. Wenn man das neue Weltbild ebenfalls auf Lügen baut, hat man strategisch nichts gewonnen. Allerdings kann man nach der chaotischen Übergangsphase einen stabilen Zustand erreichen, wenn man sich entscheidet, das neue Weltbild nach der Wahrheit auszurichten.

Diskussionen des Weltbildes zu tabuisieren ist eine Option. Im Rahmen dieser „Lösung“ hören die Menschen praktisch auf, sich über brisante Politik auszutauschen, um den Hausfrieden zu erhalten. Wer doch darüber reden will, wird ignoriert oder von den anderen ausgegrenzt. Das mag passieren, wenn die Gesellschaft sich weigert, eine tragfähige Lösung zu erarbeiten. Aber das Problem wird dadurch nicht gelöst, sondern aufgeschoben. Während man sich mit einer Scheinlösung verkrampft, sucht und findet die Konkurrenz echte Lösungen. Man wird abgehängt. Und in das gepflegte Weltbild-Vakuum wird irgendwann die Konkurrenz eindringen.

Die totale Verblödung der Bevölkerung ist eine Option, die auch aus der Kategorie Scheinoption ist. Wenn man die gesamte Weltbevölkerung verblöden könnte, wäre das ein Mittel. Aber wenn man nur die eigene Bevölkerung verblödet und die feindlichen Eliten kluge und denkfähige Bevölkerung erhalten können, ist der langfristige Ausgang vorhersehbar. Es ist dem Westen nicht gelungen, die gesamte Weltbevölkerung zu verblöden und das Zeitfenster für diese Versuche ist vorerst geschlossen. Die Verblödungsstrategie sollte daher rasch aufgegeben werden, sonst steht der Westen in Zukunft mit lauter Idioten gegen kluge Feinde auf dem Schlachtfeld. Die Verfeinerung dieser Strategie, nämlich die Verblödung der Massen bei gleichzeitiger bester Förderung des Eliten-Nachwuchses, funktioniert langfristig auch nicht. Damit beschränkt man sich darauf, kluge Köpfe nur aus einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung zu erziehen, während der größte Teil des Potentials schlicht vergeudet wird. Nach nur wenigen Generationen tut sich bei dieser Strategie der Abgrund auf. Vorausgesetzt, dass die feindlichen Eliten ihre Bevölkerung in der Masse bilden und nicht verblöden.

Am Ende läuft es natürlich darauf hinaus, dass die Menschheit ein Weltbild findet, welches weltweit geteilt werden kann. Es muss nicht überall identisch sein, aber es darf sich in Kernpunkten nicht widersprechen. Der Westen wollte das westliche Weltbild zum universellen Weltbild machen. Das ist misslungen und die mediale Hysterie der letzten Jahre ist Ausdruck dieses Scheiterns. Der tiefere Grund dafür ist natürlich das Scheitern des Westens bei der Etablierung der westlichen Hegemonie. Im wesentlichen ist es nicht gelungen, russische und chinesische Eliten in die Hierarchie des Westens einzugliedern. Der Kampf der Eliten wird fortgeführt und der Propagandakrieg ist eine Begleiterscheinung dieses Elitenkampfes.

Nach einer kurzen Phase der US-Hegemonie, die mit der aufdringlichen Dominanz des westlichen Weltbildes verbunden war, erleben wir jetzt den Übergang zur multipolaren Weltordnung. Die Bedeutung des westlichen Weltbildes wird sich auf die zukünftige Bedeutung des Westens in der multipolaren Welt reduzieren. Die anderen Mächte werden an Bedeutung gewinnen und damit auch deren Weltbilder. Für die Menschen im Westen wird der Übergang also am unangenehmsten. Nun, so ist das bei einem Abstieg. Interessant wird sein, welches Weltbild sich als Basis der multipolaren Weltordnung herauskristallisiert.

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Gedanken über die zukünftige EU-Armee – erste Ergebnisse

Brainstorming vom 16. November:

Im gleichen Grundsatzpapier, in dem die EU-Armee angekündigt wurde, wurde auch ihr offensiver Einsatz angekündigt. Die Schwäche des Königs war erkannt, die Vasallen müssen jetzt selbst ran, um „die Demokratie in der Welt zu verteidigen“. Lassen wir diesbezüglich die Gedanken schweifen.

(….)

Eine neue Armee muss man in der Praxis erproben. Zur rechten Zeit braucht es einen kleinen Konflikt, in dem man Erfahrungen sammeln kann, um Schwachstellen aufzudecken und Verbesserungspotentiale zu erkunden. (….) Wenn man sich die Weltkarte anschaut, stellt man fest, dass der einzige Ort, dem sich die EU militärisch widmen kann, der Norden Afrikas ist. (…)

In Nordafrika ist Libyen der beste Kandidat. (…) Wir (die EU) werden wohl im Laufe des kommenden Jahrzehnts die Demokratie nach Libyen bringen müssen

Der Spiegel verkündet nun die frohe Botschaft:

Scheitert Mali, drohen Chaos und neue Flüchtlingsströme. Daher weitet die Bundesregierung den Bundeswehreinsatz in Westafrika noch einmal aus, um das bitterarme Land in eine „friedliche Zukunft zu führen“.

Fantastisch.

Die Regierung tut alles, um meine Prognose zu bewahrheiten. Die Bundeswehr als zentrales Element der zukünftigen EU-Armee wird schon in den Norden Afrikas geschickt, um Mali in „eine friedliche Zukunft zu führen“. Rührend. Wir sind natürlich nicht dort, um Kampferfahrung zu sammeln und die Kontrolle über die Bodenschätze zu sichern. Nein… Ich verneige mich vor der Propaganda-Abteilung des Spiegel, die mein „Demokratie in der Welt verteidigen“ überboten hat. Respekt.

Libyen ist noch zu heiß für die EU. Nicht umsonst habe ich der EU ein ganzes Jahrzehnt Zeit eingeräumt, um die militärische Nase in Libyen reinzustecken. Inzwischen hat es Hinweise gegeben, dass Putin seine Hand nach Libyen ausstreckt. Wenn sich das bestätigt, wird die EU allenfalls von Putins Gnaden in Libyen tätig werden. Das bedeutet, dass die Libyen-Prognose sogar kippen könnte – wenn die EU besonders unartig ist. Halte ich für unwahrscheinlich, dass es so weit kommt, aber wir behalten diesen doch möglichen Entwicklungsstrang (Russland blockiert der EU den Zugang zu Libyen) im Hinterkopf.

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Quellenangabe vergessen?

Zufällig auf diesen Artikel bei RT deutsch gestoßen. Titel: „Ja, Russland hat die US-Wahl 2016 beeinflusst“. Vom 21. Januar 2017.

Erster Gedanke: Das kenne ich doch. Also reingucken in den Artikel. Viele, viele, viele Worte, die das Versprechen der Überschrift nicht einlösen und erst am Ende wird der Clou endlich enthüllt:

Um aber dennoch auf die Frage der russischen Beeinflussung kurz zurückzukommen: Da, Ja, Yes, #RussiaDidIt. Aber nicht so, wie es berichtet wird. Die Beeinflussung fand auf einer anderen Ebene statt, die nichts mit gehackten Servern oder einer öffentlichen Diskreditierung von Hillary Clinton zu tun hat.

Durch die – zumindest bis auf Weiteres erfolgte – Vereitelung der neokonservativen Träume einer unipolaren Weltordnung, angeführt durch die USA, mit Zerschlagung einer ganzen Reihe von Staaten im Mittleren Osten und dem ausdrücklichen Wunsch und Willen, Russland erneut – wie der UdSSR 1979 in Afghanistan – eine militärische Falle zu stellen, löste dieser Zustand der gefühlten Niederlage eine erhebliche Krise in diesen Kreisen aus. Diese innere Krise zwang die Anhänger dieses Milieu jeder Couleur, sich mit den Ursachen der vermeintlichen Niederlage zu beschäftigen.

Am 23. November 2016 war hier im Blog etwas erstaunlich ähnliches zu lesen:

Die Botschaft kam, als die USA im Machtpoker eine Esklationsstufe hochkletterten. Was bedeutete das? Nun, wenn Russland nicht nachzog, hätte es bedeutet, dass der Hegemon sich durchgesetzt hat. Der Weg für Clinton wäre frei gewesen. Sie stand für die „weiter wie bisher“-Linie. Russlands Botschaft war das Signal an die Partner in den USA, dass die sich keine Sorge machen müssen, dass alles wie geplant umgesetzt wird.

(….)

Insofern hat Russland tatsächlich geholfen, Trump an die Macht zu bringen. Aber nicht mit solchen Kleinigkeiten wie den Email-Hacks. Völlig unnötig, sowas in Russlands Hände zu legen, dafür gibt es mehr als genug Geheimdienste in den USA, die dazu in der Lage sind und auf Trumps Seite stehen. Russlands Anteil war die Entthronung des Hegemons. In einem öffentlichen Akt, der an den Zombies vorbeigegangen war, nicht aber an den Eliten, ist der Hegemon vor Russland eingeknickt. Damit war klar, dass die Obama-Clinton-Pläne zur Aufrechterhaltung der Hegemonie gescheitert sind. Clintons Linie war schon einen Monat vor der Wahl endgültig gescheitert.

(….)

Die Entthronung hat das Scheitern von Hillarys Vorhaben offenbart. Für die unentschlossenen Elitengruppen in den USA, die sich noch nicht sicher waren, ob sie von Clintons oder von Trumps Politik mehr profitieren würden, war die Unsicherheit nunmehr beseitigt. Das ist Putins Beitrag zu Trumps Sieg. Das ist ein sauberer und mächtiger Zug auf dem geopolitischen Schachbrett. Im Vergleich dazu muten irgendwelche Hacks wie Kinderkram an (gemessen am Aufwand und Risiko der Operationen).

In einem Anflug von Größenwahn habe ich mir eingebildet, dass der RT-Autor meine Analyse aufgriff, ohne die Quelle zu nennen. In einem zweiten Anflug von Größenwahn war ich kurz davor, stolz darüber zu sein. Im dritten Anflug habe ich mich auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Man kann sich auch einem Zweckoptimismus hingeben und sich die Welt schön malen, auch ganz ohne Beweise…

Aber wo wir diesen RT-Artikel (der von mir keine Leseempfehlung bekommt) schon reingezerrt haben, möchte ich Sie auf das Datum seiner Veröffentlichung aufmerksam machen. Einen Tag nach Trumps Vereidigung. Sehen Sie, „Zweckpessimismus“ ist auch bei RT zu Hause. Die Hosen waren offenbar voll ob der Befürchtung, dass Trump die Vereidigung nicht (üb)erleben könnte. Den Artikel mit der herausfordernden Überschrift hat man daher vorsichtshalber zurückgehalten, bis die Luft rein war.

RT deutsch ist im übrigen eine gute Quelle im deutschen gleichgeschaltetem Medienwald.

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