Die Matrix

Wenn Sie den Film „Matrix“ noch nicht gesehen haben, seien Sie gewarnt, hier wird gleich gespoilert.

„Matrix“ wird aus irgendwelchen Gründen unter Science Fiction einsortiert. Bei Science Fiction geht es darum, ein Zukunftsbild zu malen, das sich auf wissenschaftliche Erkenntnis und Prognose gründet. Dabei darf phantasiert und geträumt werden. Aber das „Science“ steht nicht umsonst im Namen des Genre – zumindest das Bemühen, die Zukunft wissenschaftlich erklärbar zu machen, sollte vorhanden sein.

Bei „Matrix“ gibt es dieses Bemühen nicht mal im Ansatz. Nur weil die Handlung in der Zukunft spielt, ist das noch lange keine Science Fiction. „Matrix“ ist eine lupenreine Legende und als Legende ist der Film interessant und aussagekräftig.

Legenden sind so toll, weil sie Gegebenheiten unserer realen Welt in Metaphern verpacken. Metaphern sollte man nicht wörtlich nehmen, denn Metaphern zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie im übertragenen Sinn zu verstehen sind. Das Wörtliche einer Metapher ist nur ein Bild für das, was eigentlich gemeint ist. Wenn jemandem das Herz gebrochen wird, ist das eine Metapher, die jedem einleuchtet, der den Ausdruck nicht wörtlich nimmt, sondern den übertragenen Sinn erkennt. Metaphern sind besonders geeignet, um etwas nicht nur abstrakt darzustellen, sondern es dem Gefühl und der Intuition zugänglich zu machen. Metaphern lassen uns die Dinge besser verstehen.

Und obwohl wir alle mit Metaphern vertraut sind, werden wir durch unsere abstrakt-logische Bildung und Erziehung derart verblödet und verblendet, dass wir es schaffen, Metaphern zu verkennen, sie wörtlich zu nehmen und uns immer wieder über die Blödheit von dieser und jener wörtlich genommener Metapher zu erheitern. Womit wir allenfalls die eigene Blödheit unter Beweis stellen. Prominentestes Beispiel ist die Bibel, die eine riesige Ansammlung von Metaphern darstellt. Wir sind meisterhaft darin, die Bibel-Metaphern wörtlich zu nehmen und uns damit der Weisheit zu verschließen, die in ihnen steckt.

„Matrix“ ist eine Metapher für unsere Welt. Für die heutige Welt. Für uns im hier und jetzt. Die Matrix ist das westliche Weltbild.

– Die Matrix ist allgegenwärtig. Sie umgibt uns. Selbst hier ist sie, in diesem Zimmer. Du siehst sie, wenn du aus dem Fenster guckst oder den Fernseher anmachst. Du kannst sie spüren, wenn du zur Arbeit gehst. Oder in die Kirche. Und wenn du deine Steuern zahlst. Es ist eine Scheinwelt, die man dir vorgauckelt, um dich von der Wahrheit abzulenken.

– Welche Wahrheit?

– Dass du ein Sklave bist, Neo. Du wurdest wie alle in die Sklaverei geboren und lebst in einem Gefängnis, das du weder anfassen, noch riechen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand.

Dialog von Morpheus und Neo. Neo ist der Auserwählte, Morpheus sein Entdecker und Förderer. Die Matrix als Weltbild. Das Weltbild ist überall, denn es ist in unseren Köpfen. Wo immer wir sind, das Weltbild begleitet uns. Wir sehen die Welt durch unser Weltbild. Unser Weltbild ist eine vorgegauckelte Illusion, um uns von der Wahrheit abzulenken. Und als Gegenmittel hat Morpheus nur eines im Angebot: Wahrheit.

Spüren Sie es? Der Film ist über uns. Über die Zombies in der Matrix.

Neo nimmt die Wahrheit. Er wird der Matrix entrissen, er blickt über die Grenzen seines illusorischen Weltbildes. Er sieht die Wahrheit und… das tut weh. Neo sieht Menschen, die keine Menschen sind, sondern nur Humanressourcen. Die Humanressourcen werden gemolken und ihre Vorstellung von ihrem tollen Leben ist… nur eine Illusion, die ihnen von ihren Beherrschern eingeimpft wird.

Nachdem Neo hinter die Kulissen geblickt hat, stößt ihn das System ab. Als Kenner der Wahrheit ist er nicht willkommen, er wird von den lebenserhaltenden Maßnahmen abgeklemmt und entsorgt. Neo erlebt seine Wiedergeburt auf dem Raumschiff. Sein entsorgter Körper wird dort aufgenommen und aufgepäppelt.

Tod und Wiedergeburt ist eine universelle Metapher, die weltweit in den verschiedensten Kulturen verbreitet war und ist, von den einfachsten Wildbeutergesellschaften bis zu unserer technisierten Zivilisation. In der christlichen Religion steht diese Metapher im Zentrum. Diese Metapher ist universell, weil sie für alle Menschen von größter Bedeutung ist, unabhängig von historischer Zeit und dem Ort. Das eigene Weltbild zu verlieren kommt gefühlt einem Tod gleich. Deswegen neigt der Mensch dazu, selbst das nutzloseste und schlimmstmögliche Weltbild in seinem Kopf zu verteidigen, so als ginge es wirklich um Leben und Tod. Darum geht es auch. Es geht um geistigen Tod. Und um die geistige Wiederauferstehung. Das ist die Lehrstunde, die uns Jesus Christus erteilt: Habe keine Angst zu sterben, die Wiedergeburt ist möglich. Nicht die körperliche, wir dürfen die Metapher nicht wörtlich nehmen. Die geistige Wiedergeburt ist möglich, das teilt uns die Metapher mit.

Neo erlebt den geistigen Tod und die geistige Wiederauferstehung. Körperlich ist er der gleiche, körperlich ist er nicht gestorben. Aber er ist gestorben. Sein Weltbild ist zerbrochen und das kommt dem geistigen Tod gleich. Das ist ein reinigender Prozess, aber damit man sich darauf einlässt, muss man die Hoffnung und die Gewissheit haben, dass der Tod nicht das Ende sein wird. Man muss glauben, dass es danach mit einem neuen Leben weitergeht.

Diese Hoffnung zu vermitteln ist übrigens eine der zentralen Aufgaben der Bibel und des Christentums. Die Metaphern stehen bereit, aber wer sie wörtlich nimmt, verbaut sich die Hoffnung und Zuversicht, die sie zu spenden vermögen.

Neos Wiedergeburt ist ein grausamer, schmerzhafter Prozess. Das alte Weltbild stirbt dabei. Das eigene Ich stirbt dabei. Neo wird als neuer Mensch jenseits der Matrix wiedergeboren. Er wird bei diesem Prozess begleitet, von der Entscheidung bis zur Vollendung. Auch das ist ein Spiegelbild der Wirklichkeit. Schon bei den „Wilden“ wurde das Ritual der Wiedergeburt stets von der Gemeinde begleitet. Den (metaphorischen!) Sprung über den Abgrund traut man sich eher zu, wenn man vertraute Menschen um sich hat, die deutlich machen, dass sie einem dabei helfen werden, aus dem Abgrund zurück zu kehren.

– Warum tun meine Augen so weh?

– Weil du sie noch nie benutzt hast.

Athrophierte Muskeln, unbenutzte Augen – ein Zombie. Neo war ein Zombie und er muss erst lernen, seinen Körper und seine Sinne zu gebrauchen. Dann wird ihm erneut die Matrix gezeigt. Jetzt blickt er von außen auf sein ehemaliges Weltbild, jetzt kann er es reflektieren.

Das hier ist das Konstrukt. Unser Ladeprogramm.

Laderaum. Alles wird geladen. Ins Gehirn. Bildungssystem und Medien laden uns die Pogramme ins Gehirn.

Und die Gegenmaßnahme besteht auch darin, etwas ins Gehirn zu laden. Nämlich die Wahrheit. Morpheus zeigt Neo die Traumwelt und die reale Welt. Die Illusion einer moralisch überlegenen Demokratie im Kontrast zu völlig moralbefreiter Ausbeutung, Vernichtung und Tod. Im Film wird das klar kontrastiert. Eine blühende westliche Metropole und die dahinsiechenden Ruinen dieser Metropole.

Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit.

Maschinen gegen Menschheit. Die Maschinen sind die Metapher für das supranationale Oligarchat. Oligarchat und einfache Bevölkerung kämpfen gegeneinander, das Oligarchat gewinnt, die Menschen werden zu Humanressourcen degradiert und gemolken. Die einfachen Menschen als Batterien.

Das erzählt der Film, man muss nur die Metaphern lesen.

Neo kann es nicht fassen, kann das denn sein? Das Weltbild zerbricht, Wahrheit tut weh. Tod und Wiedergeburt sind schmerzhaft.

Warum gibt es überhaupt den Widerstand, wenn doch die Menschen verloren haben gegen die Oligarchen? Weil es einer durchschaut hat und ein paar Menschen die Wahrheit erzählte. Diese paar Menschen hüten die Wahrheit und versuchen sie weiter zu verbreiten. Das System jagt solche Menschen erbarmungslos. Wer sein Haus auf Lügen gebaut hat, muss sich vor der Wahrheit fürchten, muss die Wahrheit bekämpfen.

Erkennen Sie die Parallelen? Der Film ist über unsere Welt. Unsere angeblich so tollen Demokratien übertreffen sich gerade darin, alle Meinungen zu unterdrücken, die dem propagierten Weltbild widersprechen. Das Lügengebilde fürchtet sich vor der Wahrheit.

Mach dich von allem frei, Neo. Angst, Zweifel, Misstrauen. Du musst deinen Geist befreien.

Die in der Matrix gefangenen Menschen sind so angepasst, dass sie das System und die Matrix verteidigen. Sie verteidigen ihr Weltbild, denn das Wechseln des Weltbildes kommt einem geistigen Tod gleich.

Wieso wollte ich Idiot nicht die blaue Kapsel?

Unwissenheit ist ein Segen.

Die Zombies haben es gemütlich in ihrer Scheinwelt. Süße Lüge statt schmerzhafter Wahrheit. Im Film gibt es eine Figur, die sich für die süße Lüge entscheidet. Bewusst und wissentlich. Weil die Lüge süß ist. Diese Figur ist eine Metapher für die Stimme in unserem Kopf, die uns dazu drängt, das Süße zu akzeptieren. Vorwände finden sich mehr als genug. Man hat keine Zeit, man ist unpolitisch, die Gegenseite lügt nicht weniger, eine Wahrheit gibt es doch sowieso nicht.

Haben Sie sie jemals genau betrachtet? Bestaunt, wie makellos und schön sie ist? Milliarden Menschen leben einfach vor sich hin… und haben keine Ahnung.

So beschreibt ein Agent der Matrix die Matrix.

Das System hält die Menschen für einen Virus. Die Maschinen sind die Heilung. Mittels seines Agenten sagt das System:

Ich hasse diesen Planeten.

Das ist Faschismus. Menschen werden zu Unmenschen degradiert, zu Viren. Hat die Entmenschlichung erst stattgefunden, ist jedes Mittel zur Bekämpfung der Unmenschen recht. Das passiert hier und heute, in unserer realen Welt. Das passiert, wenn das Weltbild auf Hass gebaut ist, statt auf Nächstenliebe. Hass führt nicht zu Erlösung, sondern zu Tod und Leid, immer weiter, bis man die ganze Menschheit versklavt. Selbst dann wird der Hass nicht vergehen, wird sich kein Glück einstellen. Das System hinter der Matrix hat die volle Kontrolle erlangt, aber der Hass ist geblieben, das Glück hat sich nicht eingestellt.

Jeder hat die Wahl. Blaue Pille oder rote Pille. Wer sich für die Wahrheit entscheidet, wird vom System bekämpft. Die Agenten des Systems sind übermächtig. Wer als einfacher Mensch der Matrix entkommt, kann das System doch nicht besiegen, sondern ist immer auf der Flucht vor dessen Agenten. Nur der Auserwählte hat die Kraft, dem System zu trotzen, aber er erkennt es nicht. Deshalb verliert er im Kampf gegen die Agenten. Neo stirbt.

Als das System zu gewinnen scheint, ist es die Liebe, die denjenigen, der nach Wahrheit sucht, am Leben hält. Die Liebe. Die Liebe.

Neo erlebt seine zweite Wiedergeburt. Der Zweifler stirbt, der Auserwählte ist geboren. Sein Weltbild hat sich erneut verändert. Sein Ich nimmt nach der Wiedergeburt eine neue Rolle ein. Die Welt wird aus einer feindlichen, nicht zu ändernden Realität zu einer formbaren Realität. Neo erkennt, dass er die Welt verändern kann. Entsprechende Zeichen wurden ihm mehrfach ausgesandt, aber er konnte sie nicht deuten, in seinem alten Weltbild war das nicht möglich. In seinem neuen Weltbild ist die Welt formbar, das eröffnet seinem Ich plötzlich ungeahnte Freiheiten und Möglichkeiten. Neo stürzt sich wieder in die Matrix, haut dort alles kurz und klein, kann die übermächtigen Agenten mit Leichtigkeit besiegen.

Das ist eine Metapher für jeden von uns. Wir können daraus lernen. Neo zeigt uns, dass man sich von den Zwängen im eigenen Kopf freimachen kann. Er zeigt uns, was dann alles möglich ist. Der Film zeigt uns, was dafür nötig ist: Das Schwert der Wahrheit und das lebensspendende Feuer der Liebe.

Was soll dieser Film? Steckt ein Agent der Wahrheit dahinter, der uns mit diesem Film helfen will, die Wahrheit zu erkennen? Der Film spiegelt unsere Welt mit ihren Lügengebilden sehr gut wieder. Der Film zeigt, wie man das ändert.

Oder stecken die Betreiber der Matrix selbst dahinter? Ist der Film ein besonderer sadistischer Genuss für die Eliten, die uns das Lügenweltbild einprogrammieren? Nach dem Motto: Wir zeigen den Zombies, wie sehr sie Zombies sind und sie erkennen es nicht, halten dieses Spiegelbild für Science Fiction, ergötzen sich an Spezialeffekten und Lederfetisch. Haha, was für ein Spaß!

Oder ist das unabhängige Kunst, die zufällig ins Schwarze getroffen hat?

Wie auch immer es geplant war. Die Wahrheit wird sich durchsetzen. Die Matrix wird zerstört werden. Und „Matrix“ mit all seinen treffenden Metaphern wird neben anderen Werkzeugen benutzt werden, um die Menschen aufzuwecken. Es wird viele geistige Tode geben. Es wird viele Wiedergeburten geben. Liebe und Wahrheit werden es möglich machen.

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Wenn Schulz von den Transatlantikern vorgeschoben wird…

Die Transatlantiker sind offenbar in Panik. Sie haben eine Liste von Putins trojanischen Pferden in Europa erstellt, in der auch namhafte deutsche Politiker (u.a. Sigmar Gabriel) vertreten sind. Dazu gibt es Empfehlungen, wie etwa die Blockade von Nord Stream 2. Die supranationale Krake windet sich im Todeskampf.

Im zitierten Artikel schreibt Norbert Häring bezüglich des SPD-Kanzlerkandidaten:

Dass Gabriel, der sich noch erklären muss, ob er Kanzlerkandidat werden will, von diesem sehr einflussreichen Verein so radikal abqualifiziert wird, erklärt potentiell einiges (Ab hier kommen vor allem die Freunde der gepflegten Verschwörungstheorie auf ihre Kosten). Ich hatte mich schon sehr gefragt, warum um Himmels Willen ein Martin Schulz, der die Chance bekommt, Außenminister zu werden, dafür zur Bedingung machen sollte, dass er auch Kanzlerkandidat wir. (…) Ich habe mich auch gefragt, warum er mit solchen Spielchen riskiert, sowohl in Brüssel, als auch in Berlin alle zu verärgern, und am Ende ganz ohne Amt und Unterstützer dazustehen, wenn es schiefgeht. Wenn er allerdings mächtige Unterstützer hat, die ihn unterstützen, wenn er sicherstellen kann, dass die SPD im Wahlkampf nicht auf Schröder macht und zum Stimmenfang den transatlantischen Seniorpartner verleugnet, dann ergibt alles viel mehr Sinn. Dafür muss er Kanzlerkandidat werden.

Dass der Atlantic Council* dem weithin als prinzipienlosen Wendehals eingeschätzten Gabriel trotz seines heldenhaften Einsatzes für Ceta und TTIP gegen die Stimmung in Parteivolk und Bevölkerung nicht traut, wird sehr deutlich. Schulz dagegen ist ein ebenso überzeugter wie verlässlicher Transatlantiker. Im Lichte dieser Veröffentlichung nehme ich Wetten an, dass der SPD-Kanzlerkandidat 2017 Martin Schulz und nicht Sigmar Gabriel heißen wird.

Schulz als Schutzschild gegen prorussischen Wahlkampf der SPD? Interessanter Gedanke. Damit wäre die SPD mal wieder zum Scheitern verurteilt, was so weit ganz normal und natürlich wäre.

Wir legen Norbert Härings Prognose zu den bisherigen Prognosen dazu und warten auf den Frühling.

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In der Kürze liegt die Würze (11) – Musikalischer Sinneswandel

Vor ein paar Wochen haben alle Radiosender gleichzeitig den Anteil deutscher Musiker im Programm drastisch erhöht. Bis jetzt ziehen sie das konsequent durch.

Wenn ich mich recht erinnere, gab es vor einigen Jahren ein Gesetz, das die Sender dazu verpflichtete, dass mindestens 30 % des ausgestrahlten Liedguts deutschen Ursprungs sein müssten. Damals gab es auch so einen sprunghaften Anstieg, aber lange haben sie es nicht durchgehalten und das moderne deutsche Liedgut verschwand wieder in der Versenkung.

Mal sehen, wie lange der Gehorsam diesmal dauert und ob dieses mal eine von oben verordnete Kulturrevolution Erfolg haben wird.

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Nachtrag, 30.11.2016: Das kommt kurz nach Merkels Aufruf, dass wir an Weihnachten zu Flötenklängen ein paar deutsche Lieder singen sollen.

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Wie Merkel stürzen könnte

Als Nachtrag zu diesem Beitrag.

Martin Schulz wechselt Anfang 2017 in die Bundespolitik. Entweder als Außenminister oder als Kanzlerkandidat. Das ist spannend.

Der schreibende Kater, den ich neuerdings in meine Quellenliste aufgenommen habe, prognostiziert Merkels Fall bei den kommenden Wahlen. Auch spannend.

Also wenn Merkel sich im Wahlkampf eine russophobe Rheotorik zu eigen macht und Schulz als Kanzlerkandidat auf vollen Schmusekurs zu Putin geht… dann ja, dann kann Merkel wirklich verlieren. Das sind in etwa die Marker, bei denen ich meine Prognose überdenken werde. Das wäre ein offensichtlicher strategischer Fehler von Merkel, so eine Konstellation im Wahlkampf zuzulassen. Wenn sie es tut, wäre ich überrascht.

Ich setze mein Geld jetzt noch nicht darauf, dass es so kommen wird. Merkel glänzt zwar weiter mit Ausfällen gegen Russland, aber Trump ist auch noch nicht im Weißen Haus angekommen. Noch ist Obama mit seiner Terror-Mannschaft im Amt. Für die Weihnachtszeit haben die USA eine Terrorwarnung für Europa ausgegeben. Und die Deutsche Bank, die gerade von den USA fertig gemacht wird, könnte in Trump ihren Retter finden.

A group of top House Democrats are warning federal investigators that President-elect Donald Trump might give special favors to beleaguered Deutsche Bank AG, the only big Wall Street bank that lends to him.

Die Demokraten fürchten bereits, dass Trump die Untersuchungen gegen die Deutsche Bank beeinflussen wird. Deutsche Bank ist die einzige an der Wall Street vertretene Großbank, die Trump Geld leiht. Das Interesse Deutschlands, den Prozess gegen die Deutsche Bank bis Trumps Amtsantritt zu verschleppen, ist offensichtlich.

Zwei gute Gründe für Deutschland, die USA jetzt nicht zu reizen. Die Unabhängigkeit von den USA wird kommen (in mehr oder wenigen großen Ausmaßen), aber es ist noch zu früh, das zu feiern.

Im Frühling wird sich der Nebel lichten.

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Gedanken über Trump und den Kontext

Zur Einstimmung:

Das Video ist von 1988, Trump äußert sich darin über seine mögliche Präsidentschaftskandidatur. Er ist sich treu geblieben und das Video daher so aktuell, als wäre es von gestern.

Zunächst mal ist Trumps Sieg nicht überraschend. Jedenfalls, wenn man der Propaganda-Glocke entschlüpft ist, ein breites Spektrum alternativer Meinungen gesehen hat und sich anschließend eine Reihe von alternativen Quellen ausgesucht hat, die sich über längere Zeit bewährt haben. Meine Hauptquellen haben Trump gute bis sehr gute Siegchancen eingeräumt (50% oder mehr). Ein wichtiger Marker war für mich, als Roldugin, ein russischer Dirigent und Freund von Putin (er ist uns hier schon mal begegnet), am 22. September am Rande einer Staatszeremonie die Presse ungefragt mit der Behauptung überraschte, dass er wisse, wer nächster US-Präsident sein wird und dass es Trump sein wird. Das war schon sehr merkwürdig. Roldugin ist Musiker, er wird nicht nach politischen Themen gefragt. Überhaupt bekommt er nur selten die ganz große Medienbühne zur Verfügung gestellt. Jemand hielt es aber für nötig, dass Roldugin zur rechten Zeit auf der großen Bühne anwesend war und Roldugin hielt es für nötig, auf dieser Bühne aus eigener Initiative den nächsten US-Präsidenten zu verkünden. Wenn viele komische Zufälle zusammenkommen, haben wir es nicht mit Zufällen zu tun.

Geheimdienste kommunizieren so miteinander. Sie senden einander Botschaften über öffentliche Kanäle. Manche Kanäle sind speziell abgesprochen, z.B. bestimmte Medien, Blogs oder Foren. Diese abgesprochenen Kanäle werden von Agenten der Gegenseite dauerüberwacht, weil sie wissen, dass da Botschaften übermittelt werden. Man kann aber auch nicht abgesprochene Kanäle nutzen. Damit die Botschaft ankommt, muss der Kommunikationskanal aber so laut sein, dass man ihn praktisch mit Garantie nicht überhören kann. Roldugin hat so einen Kanal benutzt. Als Freund Putins spricht er offensichtlich in Putins Namen, auch wenn er sein exklusives Wissen von einem weisen Mann aus dem fernen Osten haben will. Roldugin hat die Botschaft herausgeschrien und ihm wurde dafür ein möglichst großer Lautsprecher in die Hand gegeben. Wer in russischen Medien unterwegs ist, konnte praktisch unmöglich an dieser Botschaft vorbeikommen. Fragt sich nur, an wen die Botschaft gerichtet war. Wir kommen darauf noch zurück.

Putins Freund hat also Trump als zukünftigen US-Präsidenten versprochen. Hat also Russland die Clinton-Mails gehackt und so den Wahlkampf beeinflusst? Man kann das nicht ausschließen, aber vermutlich nicht. Russland hat auf andere Art und Weise den US-Wahlkampf beeinflusst. Keine drei Wochen nach Roldugins Botschaft und noch einen ganzen Monat vor der US-Wahl hat Putin den Hegemon USA entthront. Das war kein zufälliger Zeitpunkt, dieser rituelle Akt musste noch vor der US-Wahl stattfinden und hat die US-Wahl entscheidend beeinflusst. Warum?

Die Obama-Administration und die Elitengruppe, die nach außen durch Hillary Clinton vertreten wird, hatten einen gar nicht so schlechten (wenn auch schwer umsetzbaren) Plan zur Rettung der geopolitischen Konfiguration und der eigenen dominierenden Rolle in der Weltpolitik. Um den Plan zu realisieren, mussten die Prozesse der wirtschaftlichen Globalisierung bis zum äußersten ausgereizt werden, während gleichzeitig China und Russland von wirtschaftlichen Integrationsprozessen zu isolieren waren (genau in diesem Kontext hat Hillary Clinton so aktiv gegen die Eurasische Wirtschaftsunion und gegen das chinesische Projekt der „Neuen Seidenstraßen“ gekämpft). Es blieb noch ein letzter Schritt zu tun, genauer gesagt, zwei Schritte: Einbindung der asiatischen Länder und der EU in die eigenen Integrationsprojekte, bei gleichzeitiger Beseitigung ihrer staatlichen Souveränität und der Möglichkeit, ihre Märkte gegen transnationale Konzerne zu schützen, die eng mit der Clinton-Gruppe arbeiteten und sie auf verschiedene Art und Weise unterstützten. Um dieses Schema zu realisieren, wurden TTIP und TPP ins Leben gerufen. Diese „Partnerschaften“ sahen zum einen die Beseitigung aller Barrieren, die transnationale Konzerne den Zugang zu den nationalen Märkten erschweren (die Beseitigung dieser Barrieren würde zum Tod der regionalen Wirtschaft führen). Zum anderen war die Unterordnung der Gesetzgebung und der Gerichtsbarkeit der betroffenen Staaten unter den Mechanismus ISDS (Investor-state dispute settlement) vorgesehen, wobei die transnationalen Konzerne in privaten supranationalen Schiedsgerichten gegen die Staaten klagen könnten, falls die Staaten dem Gewinnstreben im Wege stünden. Der ISDS-Mechanismus bedeutete, wie aus seiner Beschreibung ersichtlich ist, faktisch den Verlust der staatlichen Souveränität für diejenigen Staaten, die TTIP und TPP unterschrieben.

Quelle, Übersetzung von mir.

Fokussieren wir kurz auf die transnationalen Konzerne, zu denen wir den Bankensektor mitzählen wollen. Transnationale Konzerne (TNK) sind nicht an ein bestimmtes Land gebunden, wie schon der Name sagt. Diese Großkonzerne operieren weltweit, bewegen sich dahin, wo sie aktuell die meisten Gewinne abschöpfen können. Mit ihrer schieren Geldmacht können sie kleine Konkurrenten erdrücken. Das ist das jedem Deutschen bekannte Prinzip, dass die Aldi-Kette mittel- und langfristig alle Tante-Emma-Läden in den Tod treibt. Alle Großkonzerne funktionieren nach diesem Prinzip, aber die TNK grasen nicht nur im eigenen Land die Märkte ab, sondern auch in anderen Ländern. Staaten neigen dazu, ihre Schlüsselindustrien zu schützen, indem irgendwelche regulatorischen Barrieren oder Zölle eingeführt werden, die es den TNK erschweren, Fuß zu fassen. Freihandelsabkommen, die diese Barrieren einreißen, sind den TNK daher willkommen. Zugang zum Markt beseitigt aber nicht alle Probleme der Gewinnmaximierung. Der Staat kann immer noch eingreifen, indem er Steuern, Gehälter, Sozialabgaben, Umweltstandards usw. anpasst. Das kann in Kosten ausarten, die die TNK gern vermeiden möchten. Die privaten Schiedsgerichte sind das Werkzeug zu dieser Vermeidung. TTIP und TPP machen den TNK den Weg frei, um ungehindert zu plündern. Wenn Sie jetzt entgegnen, dass die doch ohnehin schon ungehindert plündern, dann haben Sie auf der einen Seite Recht, auf der anderen aber auch nicht. Die TNK plündern schon jetzt sehr herzhaft, aber rechnen Sie sich erst einmal aus, wie sehr das mit TTIP und TPP noch steigerbar ist. Relativ zu dem, was uns bis vor kurzem noch drohte, sind die derzeitigen Plünderungen der TNK noch als gehindert einzustufen.

Wenn wir von den TNK und ihren Interessen sprechen, meinen wir deren Besitzer. Ein Großkonzern wie Aldi setzt sich personalmäßig zu großen Teilen aus Verkäuferinnen zusammen, aber sie profitieren nicht von der Größe und der Macht ihres Arbeitgebers, ganz im Gegenteil. Es profitieren die Besitzer, denn sie streichen sich das ein, was jedem Mitarbeiter zu wenig gezahlt wurde und was an den Umweltstandards gespart wurde usw. Die TNK handeln im Interesse ihrer reichen Besitzer, auf diese Gruppe kommt es also an. Putin hat diese Interessengruppe als „supranationale Oligarchie“ bezeichnet.

Die TNK finanzieren massiv den US-Wahlkampf. Damit machen sie die Kandidaten von sich abhängig, bzw. verhelfen nur solchen Kandidaten zum Sieg, die den TNKs wohl gesonnen sind. Üblicherweise werden beide Seiten finanziert, so dass man eine win-win-Situation aus der Sicht der TNK hat. Die USA sind besonders wichtig, weil sie als Welthegemon die Interessen der TNK weltweit aggressiv vertreten. Es ist nicht das Wohl des US-Staates und der US-Bürger, das die supranationalen Oligarchen interessiert. Es sind die US-Armee und der Petrodollar und der politische Hegemonie-Wille, die interessieren. Die US-Bürger sind längst auf dem absteigenden Ast, was ihre Lebensbedingungen angeht. Die US-Bürger profitieren längst nicht mehr von der US-Hegemonie. Der Staat USA lässt sich von einer bestimmten Elitengruppe ausnutzen. Andere Elitengruppen und die US-Bürger profitieren nicht mehr mit. Das ist der Grund für die Spaltung der US-Gesellschaft. Sie alle wären gern weiter Weltpolizist, wenn sie weiter davon profitieren würden. Das tun sie aber nicht mehr.

Noch mal crimsonalter, Übersetzung von mir:

Das Prinzip der „Gruppe Clinton“ (Soros, Kagan u. a.): „Was gut für General Motors ist, ist gut für die USA.“

Das Prinzip der „Gruppe Trump“: „Was gut für General Motors ist, ist gut für die USA nur dann, wenn General Motors in den USA produziert und in den USA die Steuern zahlt.“

TPP (genau wie TTIP) sind sehr gute Vereinbarungen für die transnationalen Konzerne, für die gilt (beispielhaft-anschaulich): Hauptquartier in den USA, Produktion in Taiwan, Steuern in den Offshores. Für die US-amerikanischen Unternehmen (nicht dem Hauptquartiersitz, sondern dem Wesen nach) und für die Steuerzahler ist das von Nachteil und nicht von Vorteil. Dabei ist der Nachteil so schwerwiegend, dass die Bereitschaft vorhanden ist, zwecks seiner Beseitigung auf die Ketten zu verzichten, mit denen die ehemaligen radikal-globalistischen US-Regierungen Asien und die EU umwickelten.

Auf den Punkt gebracht: Hier prallen die nationalen US-Interessen und die privaten Interessen des supranationalen Oligarchats aufeinander.

Welche Elitengruppen stehen hinter Trump?

Die Vorstellung von Trump als „Kandidat außerhalb des Systems“ ist im Kern falsch. Er ist Teil des Systems, ist gut integriert in die US-Eliten, aber die Sache ist, dass die US-Eliten untereinander einen äußerst harten inneren Kampf zwischen zwei Lagern führen, deren Interessen, Zukunftsbilder und Ideologien nicht kompatibel sind. Das fundamentale Problem besteht darin, dass das Geld nicht für alle reicht, so dass es schwer ist, nach Kompromissen zu suchen.

Trump wird unterstützt von Developern (darunter die im Bereich Infrastruktur), Ölwirtschaft, Kohlewirtschaft, einem Teil der Pharmalobby und einem Teil der Agrarwirtschaft, dazu noch von den Industriellen, die ihre Produktion noch nicht nach China oder Mexiko verlagert haben. Der Kandidat der Republikaner verspricht etwa, den Militärs „Billionen“ wegzunehmen, die Washington für internationale Interventionen ausgibt, und dieses Geld für Infrastrukturprojekte in den USA auszugeben. Das ruft Begeisterung bei den Developern und der Bauindustrie hervor, und wird gleichzeitig ein Hassgrund für einen Großteil des militärisch-industriellen Komplexes sein, der an den Militäraufträgen Geld verdient.

Von hier, Übersetzung von mir. Und noch ein Zitat von hier, weil die Aufzählungen nicht ganz deckungsgleich sind:

Trump wird die Interessen der USA verteidigen, und die Interessen konkreter Elitengruppen, (…): Ein Teil der Geheimdienste, Ölwirtschaft, Kohlewirtschaft, ein Teil der Pharmaindustrie, ein Teil des Agrarsektors und natürlich die Developer, denen man versprochen hat, das Geld zu geben, das man an der internationalen militärischen Präsenz einsparen kann.

Noch ein Zitat zur Verdeutlichung:

Trump ist nicht einverstanden mit dem Format der Globalisierung, bei dem das supranationale Oligarchat alle Boni einstreicht, und das US-Oligarchat (das von Trump vertreten wird) die Armee und die Geheimdienste bezahlt, die die Unterordnung der Vasallen sicherstellen und Konkurrenten vom Markt drängen. Dass das supranationale Oligarchat die Arbeitsplätze aus den USA verlagert und die Gewinne konsequent in den Offshores parkt, ist das Sahnehäubchen auf der Torte.

Wir beobachten einen Fall von vollständiger Interessenkongruenz der US-Wirtschaft und des US-Mittelstandes. Der Konflikt zwischen Trump (als Vertreter dieser Interessen) und den transnationalen Konzernen (zum Beispiel Apple) wird vermutlich das Hauptthema seiner Präsidentschaft.

Von hier, Übersetzung von mir.

Wir kauen das so langatmig durch, um die Bruchlinie in den USA zu verstehen. Sie verläuft nicht zwischen Hautfarben oder sexuellen Orientierungen, wie uns die Medien mitunter weissmachen wollen. Die Bruchlinie verläuft zwischen nationalen und supranationalen Interessen. Das supranationale Oligarchat hat sich wie ein Parasit auf die USA geheftet und saugt den US-Staat aus. Die USA als Nation profitieren nicht davon. Hier verläuft die Bruchlinie. Clinton wollte die Interessen des supranationalen Oligarchats weiter vertreten, Trump will die Interessen des US-Oligarchats und des US-Staates vertreten.

Trumps Wahlkampfstratege Steve Bannon bringt es so auf den Punkt:

I’m not a white nationalist, I’m a nationalist. I’m an economic nationalist

Hervorhebung von mir. Oder hier aus dem gleichen Artikel:

„The globalists gutted the American working class and created a middle class in Asia. The issue now is about Americans looking to not get f—ed over. (…) That’s what the Democrats missed. They were talking to these people with companies with a $9 billion market cap employing nine people. It’s not reality. They lost sight of what the world is about.“

Übersetzung:

Die Globalisten haben die amerikanische Arbeiterklasse ausgeweidet und eine Mittelschicht in Asien erschaffen. Jetzt geht es für die Amerikaner darum, dass sie nicht gefickt werden. Das ist das, was die Demokraten nicht erkennen. Sie sprachen zu diesen Menschen, deren Unternehmen 9 Milliarden Dollar Wert am Markt und nur 9 Mitarbeiter haben. Das ist nicht die Realität. Sie haben aus den Augen verloren, worum es in der Welt geht.

Und noch ein Zitat aus dem Artikel, ohne Übersetzung, einfach zum genießen:

While Clinton was largely absent from the campaign trail and concentrating on courting her donors, Trump — even after the leak of the grab-them-by-the-pussy audio — was speaking to ever-growing crowds of 35,000 or 40,000. „He gets it; he gets it intuitively,“ says Bannon, perhaps still surprised he has found such an ideal vessel. „You have probably the greatest orator since William Jennings Bryan, coupled with an economic populist message and two political parties that are so owned by the donors that they don’t speak to their audience. But he speaks in a non-political vernacular, he communicates with these people in a very visceral way. Nobody in the Democratic party listened to his speeches, so they had no idea he was delivering such a compelling and powerful economic message. He shows up 3.5 hours late in Michigan at 1 in the morning and has 35,000 people waiting in the cold. When they got [Clinton] off the donor circuit she went to Temple University and they drew 300 or 400 kids.“

In Deutschland weiss man von all dem fast nichts, warum? Weil die großen Medien vollständig in der Hand des supranationalen Oligarchats sind. Trump steht ihnen in unverbrüderlicher Opposition gegenüber und erfuhr deshalb von den Medien eine Hetze, die nah an die Putin-Hetze der letzten Jahre reichte.

In einer Welt, in der die Interessen des supranationalen Oligarchats immer weniger mit den Interessen der einfachen Bürger kompatibel sind, wird eine Regel immer zuverlässiger: Wenn die Massenmedien des Oligarchats sagen, dass etwas oder jemand gut ist, dann ist der jemand oder das etwas schlecht. Wenn die Massenmedien jemanden verteufeln, dann ist es jemand, der die Interessen der einfachen Menschen vertritt. Je stärker die Hetze der Medien, desto besser ist in Wirklichkeit der Verteufelte für die einfachen Menschen. Mit dieser Regel im Kopf kann man aus unseren Massenmedien derzeit durchaus schlau werden – man muss nur alles ins Gegenteil verkehren, um der Realität nahe zu kommen. Aber kommen Sie bitte nicht auf die Idee, Ihr Leben lang von dieser Regel Gebrauch zu machen. Die Medien werden sich auch noch ändern und dann werden Sie mit dieser Regel nicht mehr weiterkommen. Aber im Moment gilt sie.

Bezüglich der Medien kann man weiterhin konstatieren, dass sie nicht die vierte Macht sind. Trump hat gewonnen, obwohl alle großen Medien gegen ihn waren, und zwar nicht nur tendentiell, sondern offen hetzerisch. Gleichzeitig haben die Medien eine Werbekampagne für Clinton gefahren. Es hat alles nichts genützt. Stärker hätten sich die Medien nicht auf eine Seite stellen können und es hat nichts genützt. Was sagt uns das über die Macht der Medien? Das sagt uns, dass die Macht nicht von den Medien ausgeht, sondern von den Eliten. Die Eliten hinter Trump hatten keine Medienmacht und haben auch ohne Medienmacht gewonnen.

Eine Besonderheit von Trumps Sieg ist, dass er kaum Großspender hatte. Er hat sich nur von wenigen abhängig gemacht, ist nur wenigen etwas schuldig. Das erlaubt ihm viel mehr Freiheiten, als ein US-Präsident typischerweise hat. Das Ausbleiben der Großspender wirft abermals die Frage auf, wie Trump gewinnen konnte. Kein Geld, die Medien voll gegen sich. Er ist durchs Land gereist und hat die Sorgen der einfachen Menschen angesprochen, hat ihnen Besserung versprochen. Kann das allein schon ausreichen?

jim_garrison, ein erfahrener Stratege, nimmt an, dass ein supranationaler Geheimdienstverbund seine Finger im Spiel hatte:

Über einige Aspekte des klan-elitären Hintergrunds von Trumps Kampagne, eine Hypothese.

In engen Kreisen ist die Geschichte des informellen Verbunds von Geheimdiensten, des s.g. Safari Club, bekannt. Man schreit nicht an jeder Ecke darüber, aber das ist auch keine Verschwörung, vieles ist längst beschrieben worden. Über die Bank BCCI wurde sogar ein Film gedreht, ein nutzloser übrigens. In den gleichen engen Kreisen existiert die beharrliche Meinung, dass der Safari Club entscheidend zum Sieg von Reagan beigetragen hat, indem die Verhandlungen zur Freilassung der US-Geiseln im Iran in die Länge gezogen wurden, damit Carters Position untergrabend. Mit dem unerwarteten Fall von Bush Senior im Jahr 1992 bekam der Club einen schweren Schlag. Formal hat der Safari Club seine Existenz mit dem Ende des Kalten Krieges beendet, aber die Menschen und die Kontakte sind natürlich geblieben. Jemand ist rausgegangen, jemand ist zum Feind geworden, aber die Beziehungen der Saudis und der CIA bezüglich Libyen und Syrien sind geblieben, um ein Beispiel zu nennen, und gemeinsame Operationen kann man durchaus erkennen.

Jetzt die eigentliche Hypothese.

Viele Ereignisse lassen sich erklären, wenn man annimmt, dass vor einiger Zeit ein Club entstand (oder sich abspaltete) und wirkt, d.h. ein informeller Verbund von Geheimdiensten, den wir vorläufig Safari-2 nennen können, ein Gegner/Konkurrent von Safari-1. Die Clubs sind nicht streng national, d.h. verschiedene amerikanische (genauso französche, israelische) Geheimdienste oder klan-elitäre Gruppen in Geheimdiensten sind Mitglieder in unterschiedlichen Clubs.

Also, Wikileaks, Snowden, IS, verschiedene islamistische/antiislamistische Aktionen der Strategie der Anspannung in den USA und in der EU, die Leaks von Hersh und vieles andere mehr geht auf das Konto von Safari-2. Da sind Amerikaner, Israelis, Engländer, Russen, Deutsche und noch einige andere. Es versteht sich von selbst, dass die Geheimdienste nicht von sich aus spielen, sondern auch andere Eliten vertreten. Dabei haben sie schwache Positionen in den weltweiten Massenmedien und der Weltfinanz, aber ernsthafte Positionen in vielen anderen Dingen.

Bezogen auf die Wahlen in den USA hat Safari-2 für Trump gespielt. Mittels des FBI, mittels mancher Islamisten und mittels Wikileaks. Neben vielem anderem haben sich Trumpisten in Hillarys Vorwahlen eingeschleust und haben vor den Wahlen entlarvendes Material über schmutzige Vorwahlkampfpraktiken in Hillarys Kampagne rausgelassen. Einschleusen ist der modus operandi von Geheimdiensten, nicht von üblichen Polittechnologen.

Nun zu dem, was alle interessiert. Putin ist auch in Safari-2 vertreten, aber er ist dort nicht der dominierende Spieler, und nicht mal besonders einflussreich. Aber die Dämonisierung Putins gibt ihm eine einzigartige Gelegenheit, erlaubt es ihm, wie man so schön sagt, „mit dem Gesicht zu handeln“, offen oder weniger offen die Verantwortung für fremde Aktionen auf sich zu nehmen – zu verlieren hat er dabei ohnehin nichts.

Das ist die Hypothese. Natürlich kann man sie nicht wissenschaftlich überprüfen, aber gewisse Dinge kann sie ganz gut erklären und vorhersagen. Die „Oktoberüberraschung“ zum Beispiel hätte mit geheimdienstlicher Tätigkeit zusammenhängen müssen und so kam es dann auch.

P.S. Für die stürmisch-schnell-reagierenden. Jeder Prozess hat eine klan-elitäre Komponente. Das setzt nicht außer Kraft, dass jeder Prozess eine wirtschaftliche Komponente hat und alle anderen Komponenten. Lärmen in der Art von „ah, bei euch bestimmen Geheimdienste den Lauf der Welt, das ist ein Zeichen für verschwörungstheoretisches Denken“ ist daher nicht nötig.

Übersetzung von mir.

Das ist in der Tat Stoff zum Nachdenken. Bei CNN ist beispielsweise dieser Tage ein Interview mit Kissinger erschienen, bei dem offenbart wird, dass Kissinger und Putin sich bereits 25 mal getroffen haben. Das heißt, die beiden treffen sich im Durchschnitt öfter als einmal im Jahr. Was haben sie sich wohl zu sagen? Kissinger ist die graue Eminenz der US-Außenpolitik, auf einer Stufe mit Brzezinski. Kissinger ist bis heute in den wichtigsten Zirkeln der Macht vertreten, so etwa bei den Bilderberg-Treffen. Kissinger hat schon zu Beginn der Ukraine-Krise offen gesagt, dass man Russland nicht in die Enge treiben dürfe, dass die USA eine diplomatische Lösung suchen müssen. Damit steht er in Opposition zur Russland-Politik der Obama-Administration und der „Clinton-Gruppe“. So wie Trump. Direkt nach der Wahl hat Kissinger in einem Interview gesagt, dass er Trump selbstverständlich gern sprechen würde, wenn er dazu eingeladen wird. Eine Woche später hat es ein Treffen der beiden gegeben. Wenn es einen Safari-2 Club gibt, könnte Kissinger gut und gerne Teil davon sein.

Wir erinnern uns außerdem, dass Leute aus Trumps Mannschaft in Moskau waren und Kontakte zum Kreml hatten. Aus Russland wurden solche Kontakte bestätigt. Noch eine Verbindung, wobei Russland betont hat, dass es zu beiden Lagern der US-Wahl Kontakte hatte.

Und wir kommen auf Roldugins Botschaft zurück, die ein bisschen unnatürlich über einen sehr lauten öffentlichen Kanal ausgestoßen wurde. Trump wird Präsident, das war die Botschaft. Am 22. September. Wir erinnern uns, dass das die Phase war, in der die diplomatische Lage rund um Syrien eskalierte. Die USA hatten kurz zuvor die syrische Armee angegriffen und damit den großen US-russischen Syrien-Deal vereitelt. Dann kam ein UN-Hilfskonvoi zu Schaden, die Presse hyperventilierte, die USA drohten offen, dass die syrischen Terroristen Russland ins Visier nehmen würden. Während die Lage also eskalierte, verkündete Roldugin seine Botschaft. Hat dieses Timing einen Sinn? Ja.

Die Botschaft kam, als die USA im Machtpoker eine Esklationsstufe hochkletterten. Was bedeutete das? Nun, wenn Russland nicht nachzog, hätte es bedeutet, dass der Hegemon sich durchgesetzt hat. Der Weg für Clinton wäre frei gewesen. Sie stand für die „weiter wie bisher“-Linie. Russlands Botschaft war das Signal an die Partner in den USA, dass die sich keine Sorge machen müssen, dass alles wie geplant umgesetzt wird. So ergibt das ungelenke, deplatzierte Interview mit Roldugin Sinn.

Wer sind Russlands Partner in den USA? Die USA sind Russlands Feind, das wird unter Trump nicht anders sein, darüber gibt es in Russland keine Illusionen. Russlands Partner in den USA sind dennoch die nationalen US-Eliten, die sich um die angehäuften internen US-Probleme kümmern wollen. Diese nationalen Eliten sind geradezu ein Geschenk im Vergleich zu den supranationalen Eliten, die die USA missbrauchen, um weltweit Kriege und Chaos zu verbreiten. US-Eliten, die das Geld nicht in Kriege, sondern in die US-Infrastruktur investieren, sind Russland als Partner willkommen. Trump vertritt diese Eliten. Es geht nicht um Trump persönlich. Es geht um die politische Ausrichtung der USA.

Insofern hat Russland tatsächlich geholfen, Trump an die Macht zu bringen. Aber nicht mit solchen Kleinigkeiten wie den Email-Hacks. Völlig unnötig, sowas in Russlands Hände zu legen, dafür gibt es mehr als genug Geheimdienste in den USA, die dazu in der Lage sind und auf Trumps Seite stehen. Russlands Anteil war die Entthronung des Hegemons. In einem öffentlichen Akt, der an den Zombies vorbeigegangen war, nicht aber an den Eliten, ist der Hegemon vor Russland eingeknickt. Damit war klar, dass die Obama-Clinton-Pläne zur Aufrechterhaltung der Hegemonie gescheitert sind. Clintons Linie war schon einen Monat vor der Wahl endgültig gescheitert. Ja, sie hätte es dennoch versucht, wenn sie gewählt worden wäre. Aber der Zug war abgefahren. Der Versuch, das Unmögliche möglich zu machen, hätte zwar weltweit für mehr Blutvergießen und vielleicht für die ein oder andere erfolgreiche farbige Revolution gesorgt, aber nicht für den Erhalt der Hegemonie, denn die war bereits verloren. Clinton hätte die USA nur noch tiefer in den Abgrund gestürzt, ohne Aussicht darauf, dass sich das bezahlt gemacht hätte.

Ein anderer von mir geschätzter Blogger, yurasumy, hat übrigens genau deshalb geschrieben, dass er lieber Clinton als Präsidentin gesehen hätte. Je tiefer die USA in den Abgrund gekommen wären, desto geringer wären die Chancen, dass sie einen erfolgreichen Versuch der erneuten Machtergreifung unternehmen können. Trump wird schon jetzt zu einer Beruhigung der Weltlage beitragen, aber wenn er sein Vorhaben zur inneren Stärkung der USA erfolgreich umsetzen kann, bestünden gute Chancen, dass die USA sich in absehbarer Zukunft revanchieren könnten.

Er hat Recht, das habe ich auch schon so geschrieben, aber ich stimme ihm nicht zu, dass Clinton deswegen besser wäre. Nein, sie würde keinen atomaren Krieg gegen Russland anzetteln. Aber sie könnte die ohnehin gebeutelten USA so sehr in den Abgrund treiben, dass unvorhersehbare und unaufhaltsame chaotische Prozesse einsetzen, wie etwa eine Spaltung des Landes. Das ist auch für Russland (und alle anderen Staaten dieser Welt) nicht gut, wenn der Feind, der mit einem riesigen Arsenal von strategischen Atomwaffen ausgestattet ist, in Chaos versinkt. Lieber ein stärkerer, aber berechenbarer Feind. Ich bin inzwischen der Meinung, dass die USA auch im Falle der erfolgreich umgesetzten Trump-Mission praktisch keine Chancen mehr haben werden, als Hegemon auf die Weltbühne zurück zu kehren.

Jedenfalls hat der Kreml entschieden, dass es besser ist, die supranationalen Eliten, die die USA befallen haben, lieber heute als morgen aus den Angeln zu heben. Deswegen wurde der Akt der Entthronung, der genauso auch irgendwann nach der US-Wahl hätte stattfinden können, schon vor der Wahl vollzogen. Und als es noch nicht danach aussah und die USA die nächste Eskalationsstufe erklommen, sandte der Kreml eine Botschaft an seine US-Verbündeten: „Keine Sorge, alles wird gut, wir werden unseren Teil beitragen, arbeitet ihr ruhig euren Teil weiter, Trump wird Präsident.“

Wir erinnern uns auch, wie Putin die USA am 24. Oktober als Bananenrepublik bezeichnete, übrigens klar mit Blick auf Hillarys Version der USA. Auch sonst tat Russland im letzten US-Wahlkampfmonat alles, um den verlorenen Hegemon-Status der USA kenntlich zu machen.

Die Entthronung hat das Scheitern von Hillarys Vorhaben offenbart. Für die unentschlossenen Elitengruppen in den USA, die sich noch nicht sicher waren, ob sie von Clintons oder von Trumps Politik mehr profitieren würden, war die Unsicherheit nunmehr beseitigt. Das ist Putins Beitrag zu Trumps Sieg. Das ist ein sauberer und mächtiger Zug auf dem geopolitischen Schachbrett. Im Vergleich dazu muten irgendwelche Hacks wie Kinderkram an (gemessen am Aufwand und Risiko der Operationen).

In der Tat, die Annahme eines supranationalen elitären Zusammenschlusses (Safari-2) als Gegengewicht zum supranationalen Oligarchat passt ins Bild. Viele ungewöhnliche Puzzlestücke lassen sich mit dieser Annahme sinnvoll einordnen. Und die Logik spricht auch dafür. Denn in jedem Fall ist klar erkennbar, dass in den USA nationale und transnationale Eliten aufeinander gestoßen sind. Es ist klar erkennbar, dass Russland die nationalen US-Eliten unterstützt hat. Wenn es aber diese Unterstützung, diese Kooperation gegeben hat, muss sie auch irgendwie vermittelt und koordiniert worden sein. Das ist einfach nur logisch. Klar, man kann argumentieren, dass das russische Lager stillschweigend und ohne Koordination dem US-Lager zugearbeitet hat. Aber das wäre unlogisch. Wenn es in der Politik etwas zu koordinieren gibt, dann tut man das. Wir haben auch direkte Belege dafür, etwa die bestätigten Treffen von Trumps Leuten mit dem Kreml.

Derweil zerbröselt die alte Welt vor unseren Augen. Australiens Handelsminister hat am 17. November angekündigt, dass es mit TPP bergab geht und dass Australien sich deshalb das Angebot einer Freihandelszone mit China ansehen werde. Tschüss USA, hallo China. Australien hat TPP bereits unterschrieben und Australien war bis jetzt ein treuer Vasall. Wenn schon solche Staaten abspringen, was ist dann von anderen zu erwarten? Der König ist weg, rette sich wer kann. Es passiert vor unseren Augen, die US-Vasallen suchen sich neue Herren. So etwas erlebt man nicht alle Tage. Verpassen Sie es nicht.

Wenige Tage nach Australiens Ankündigung hat Trump seine Agenda für die ersten 100 Tage seiner Präsidentschaft verkündet. TPP soll gleich am ersten Tag aufgekündigt werden. Tschüss, Vasallen. Auch sonst dreht sich alles in seiner Ansage um interne US-Angelegenheiten, um Jobs, um die US-Wirtschaft. Die Wahl ist vorbei, Trump muss nicht mehr um Stimmen buhlen, aber er hält an der Linie fest, die er im Wahlkampf versprochen hatte: Konzentration auf die USA selbst, Konzentration auf die Jobs, Konzentration auf die US-Wirtschaft.

Trump meint es ernst. Schauen Sie, im April hat er angekündigt, dass Apple und andere Konzerne in den USA produzieren werden, wenn er gewählt wird. Schon den Gedanken daran fand Apple so furchtbar, dass Apples Chef Tim Cook Geld für Clinton sammelte. Es war vergebens und noch vor der Wahl (!) unternahm Apple die ersten Schritte, um die Produktion seiner Smartphones in die USA zu verlagern:

„Apple asked both Foxconn and Pegatron, the two iPhone assemblers, in June to look into making iPhones in the U.S.,“ a source told Nikkei. „Foxconn complied, while Pegatron declined to formulate such a plan due to cost concerns.“

But the change wouldn’t come cheaply, according to the report.

Apple hat im Juni beide Produzenten der iPhones, Foxconn (China) und Pegatron (Taiwan) nach einer Verlagerung der Produktion in die USA angefragt. Taiwan hat abgelehnt. China ist zur Verlagerung bereit, wird sich das aber königlich bezahlen lassen.

Wir sehen daran nicht nur den Ernst von Trumps Absichten, wir sehen auch die Verwundbarkeit der transnationalen Oligarchie. Die TNK sind gar nicht unbesiegbar. Putin hat sie in Russland gezähmt, Trump macht sich daran, sie in den USA zu zähmen. Die TNK sind nur mächtig, wenn sie die Staatsführung schmieren und die staatlichen Ressourcen (Armee, Geheimdienste, Politik) für sich arbeiten lassen. Wenn der Staat aber Ernst macht und sich gegen die TNK positioniert, haben sie aus eigener Kraft nicht viel anzubieten und werden auf das reduziert, was sie sein sollten: Wirtschaftsunternehmen.

Die Zeiten ändern sich. Zum Besseren.

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Schnell weg mit ihm…

Es ist mir gerade durch den Kopf geschossen, bei der Sichtung der Bundespressekonferenz vom 9. November. Steinmeier hat Trump als „Hassprediger“ bezeichnet und deshalb, DESHALB schiebt Merkel ihn aufs Präsidenten-Abstellgleis. Steinmeier ist verbraucht.

Warum aber hat Steinmeier sich zu solch radikalen Äußerungen hinreißen lassen? Das tat er nicht ohne Absprache mit Merkel. Nun, wenn Clinton gewonnen hätte, wäre alles viel schlimmer für Deutschland. Dann wäre es gut gewesen, wenn wir einen Außenminister hätten, der Clinton schon frühzeitig tief in ein gewisses Löchlein gekrochen war und die ach so große deutsche Loyalität bekundet hätte.

Und wenn Trump gewinnt, muss Steinmeier einfach in den gut bezahlten Ruhestand als Präsident geschickt werden. Würde mich kein bisschen wundern, wenn das exakt so abgesprochen war. Würde mich aber genauso wenig wundern, wenn Steinmeier von Merkel in die Falle gelockt wurde, ohne es zu ahnen.

Für das Amt des Außenministers wird Merkel einen unbefleckten Kandidaten finden. Steinmeier ist ohnehin kein Verlust. Und ganz nebenbei entzieht Merkel der SPD eine SPD-Größe im Vorfeld der anstehenden Bundestagswahl. Die sie selbstverständlich gewinnen wird, denn… gefährliche Konkurrenz ist weit und breit nicht auszumachen. Und Merkel beginnt bereits damit, die Früchte der von der AfD verrichteten Drecksarbeit einzusammeln. Wie bereits geschrieben (irgendwo in den Kommentaren oder in einem der Artikel, ich weiss es nicht mehr) – die AfD ist ein CDU-Projekt. Mittels der AfD wurde die Wut der Bürger kanalisiert, hat man die Themen für die Bundestagswahl ausgelootet. Spulen Sie noch mal zurück und schauen Sie nach, wer die AfD gegründet hat. Es ist einfach grandios, wie die Eliten die Zombies an der Nase herumführen. Es ist kein Geheimnis, steht sogar recht offen in der Wikipedia:

Parteipolitisch kamen die nachmaligen Funktionäre vor allem aus der „zweiten Reihe“ von CDU und FDP. (…) Hingegen sei die Einbindung rechter Protestwähler eine der Funktionen der AfD.

Schauen Sie, wie die CDU ihrem eigenen Spoiler die vorbereiteten Wahlthemen enteignet:

Betont wird, dass man sich nun verstärkt der Abschiebung abgelehnter Asylbewerber zuwenden wolle. Eine weitere Verschärfung der Asyl- und Flüchtlingspolitik wird nicht ausgeschlossen, „weil wir das Ziel haben, dass sich die Ereignisse des vergangenen Jahres nicht wiederholen dürfen“. Auch das Burka-Verbot findet einmal mehr Eingang in den Text, wenn auch nur als Teilverbot: „Vollverschleierung vor Gericht und Behörden muss ebenso verboten werden wie die Eheschließung mit Minderjährigen.“

Und das sagt die CDU nicht nur so. Merkel hat da was vorbereitet

Merken Sie, wie sich die Puzzlestücke professioneller politischer Arbeit zusammenfügen? Strategische Voraussicht und Planung, jahrelange Vorbereitungen. Im kommenden Jahr werden wir sehen, wie Merkel die Früchte einsammelt.

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Der offene Krieg der Westeliten

Der Westen ist im Wirtschaftskrieg. Nicht nur gegen andere, sondern auch untereinander.

Bereits 2014, als die Welt sich offen in den hybriden Weltkrieg stürzte, verhängten die USA eine Rekodstrafe von 9 Milliarden Dollar gegen die französische Bank BNP Paribas. Kurz nach dem Putsch in Kiew war klar, dass die USA ihre EU-Freunde hintergangen haben. Die EU saß in der Falle und begann ihren Überlebenskampf. Zum Glück hat sich Putin nicht auch in die Falle locken lassen. Er ließ sich von der Hysterie und dem vom Westen verbreiteten Hass nicht anstecken und streckte der EU geduldig die Hand aus. Die EU klammerte sich an diesen Strohhalm und inzwischen sieht es für die EU gar nicht schlecht aus.

Die für die EU schädlichen Sanktionen gegen Russland wurden der EU von den USA aufgezwungen, gegen den Willen der EU.

Die USA traten Ermittlungen gegen Volkswagen los. Volkswagen ist ein zentraler deutscher Industriegigant. An Volkswagen hängen ganze Branchen von Zulieferern dran. Die USA schlugen ins Herz der deutschen Industrie. Fast 15 Milliarden Dollar Strafe wurde VW in den USA verhängt.

Von der Deutschen Bank fordern die USA 14 Milliarden Dollar Strafe. Die Deutsche Bank ist der deutsche Finanzgigant. Die USA geben sich längst nicht mehr mit Signalen ab, sie prügeln offen auf die zentralen wirtschaftlichen und finanzillen Säulen Deutschlands ein.

Aber die EU wehrt sich. So hat sie etwa Ermittlungen aufgenommen, bei denen es darum geht, dass Apple, Amazon, Starbucks und andere US-Konzerne Steuern nachzahlen müssen. Die USA haben der EU offen gedroht, das bitte sein zu lassen. Die EU hat daraufhin 13 Milliarden Euro Steuerrückzahlungen von Apple verlangt. Achten Sie auf diesen kleinen Satz:

Die Brüsseler Behörde hatte seit 2014 die Steuervereinbarungen Irlands mit dem US-Unternehmen genau unter die Lupe genommen.

2014 haben die USA die Karten offengelegt. Seit 2014 führen die USA Krieg gegen die EU. Seit 2014 bereitet die EU Gegenmaßnahmen vor, die jetzt zum Zug kommen.

Weiter geht’s. NRW ermittelt wegen Steuerbetrugs gegen riesige Banken, darunter JP Morgan. NRW nimmt solche Ermittlungen nicht von sich aus auf, egal wie viele CDs mit noch so klaren Beweisen im NRW-Postfach landen. JP Morgan ist einfach eine Nummer zu groß für NRW, vermutlich eher mehr als eine Nummer zu groß. Der Angriffsbefehl kommt aus Berlin und nur mit Berlins Rückhalt kann NRW sich trauen, gegen Finanzgiganten von Welt aufzumucken. In Wirklichkeit schießt da Berlin eine Warnung, vielleicht sogar einen echten Schuss, gegen die USA ab, aber der Prozess wird an NRW delegiert, um die Bundesregierung formal aus der Sache rauszuhalten. Wenn Obama bei Merkel anruft und schreit „Angela, what the fuck?!“, kann sie sich einfach blöd stellen und sagen, dass die Landesgerichte nun mal unabhängig seien und selbst ermitteln, was sie wollen.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen Mark Zuckerberg wegen Verdachts zur Beihilfe von Volksverhetzung.

Aus den USA wird, ganz frisch, eine Sammelklage gegen Audi eingereicht, wegen neu aufgedeckter Manipulationen.

Ist das alles noch normal? Die USA belegen zentrale europäische Banken und Konzerne mit astronomischen Strafen. Die EU bringt sich gegen zentrale US-Banken und -Konzerne in Stellung, um mit gleicher Münze zu antworten. Ist das der Ausdruck einer gesunden transatlantischen Freundschaft?

Das ist lupenreiner Wirtschaftskrieg. Inzwischen wird das auch offen so gesagt. Peter Ramsauer, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, spricht von „wirtschaftskriegsähnlichen Zügen“, „handelskriegsähnlichen Scharmützeln“ und „erpresserischen Schadensersatzforderungen“.

Allerdings gibt es ein „Aber!“. Es gibt eine Welt vor dem 3. Oktober 2016 und es gibt eine Welt nach dem 9. Oktober 2016. Davor gab es den Welthegemon USA, danach nicht mehr. In der Woche dazwischen vollzog sich der Sturz des Hegemons. Wenn wir nun die Meldungen sichten und jeweils auf das Datum achten, stellen wir fest, dass bis auf die Klage gegen Audi, die eine private Klage ist, alles andere sich noch in der alten Welt abgespielt hat. Und die gegenseitigen Schläge häuften sich, welch Wunder, zum Höhepunkt hin. Nach dem Sturz der USA kehrte im EU-US-Wirtschaftskrieg gefühlt Ruhe ein. Jedenfalls habe ich keine großen Schlagzeilen von staatlichen Aktionen registriert. Es kann gut sein, dass der Krieg relativ still beigelegt wird.

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Gedanken über die zukünftige EU-Armee

Die EU-Armee wird es wohl geben. Sie wurde bereits angekündigt und Trumps Sieg bei den US-Wahlen ist den Plänen der EU-Armee auch förderlich.

Im gleichen Grundsatzpapier, in dem die EU-Armee angekündigt wurde, wurde auch ihr offensiver Einsatz angekündigt. Die Schwäche des Königs war erkannt, die Vasallen müssen jetzt selbst ran, um „die Demokratie in der Welt zu verteidigen“. Lassen wir diesbezüglich die Gedanken schweifen.

Eine EU-Armee wird zunächst mal eine ziemlich armselige Erscheinung sein. Die USA haben nach dem Zweiten Weltkrieg mit gutem Grund die europäischen Vasallen militärisch kastriert. Die Armeen der EU-Staaten sind als Zulieferer und Helfer der US-Armee konzipiert und aufgestellt. Für sich genommen, ohne die US-Armee, sind die Armeen der EU-Staaten ein nutzloser Haufen. Selbst wenn wir eindeutigen politischen Willen zum Aufbau der EU-Armee unterstellen (selbstverständlich ist das nicht), wird es lange dauern, den Haufen Zulieferer zu einer eigenständigen, sich selbst genügenden Armee umzubauen. Das ist eine Mammutaufgabe.

Eine neue Armee muss man in der Praxis erproben. Zur rechten Zeit braucht es einen kleinen Konflikt, in dem man Erfahrungen sammeln kann, um Schwachstellen aufzudecken und Verbesserungspotentiale zu erkunden. Wenn man keinen echten Konflikt zur Hand hat, muss man einen aus dem Hut zaubern. Von echten militärischen Kriegen ist die EU nicht bedroht. Wo ließe sich ein Konflikt aus dem Hut zaubern?

Im Westen hat die EU Ozean und dahinter die USA. Da ist nichts. Im Norden hat die EU Ozean und dahinter die USA. Auch nichts. Im Osten steht die EU schon an der Grenze Russlands. Keine Spielwiese zum Test einer neuen Armee. Im Südosten ist der Nahe Osten. Der ist super! Diese Option entfällt aber, denn im Nahen Osten hat sich Russland breit gemacht, und zwar derart, dass es bis hin zu den USA jedes Militär blockieren kann. Bleibt nur noch die Südrichtung. Und hier werden wir tatsächlich fündig. Im Süden haben wir den afrikansichen Kontinent, wir sind dort bereits militärisch und wirtschaftlich vertreten, wir haben dort Konflikte, die uns direkt betreffen, wir haben dort keine übermächtige Konkurrenz. Alles passt!

Wenn man sich die Weltkarte anschaut, stellt man fest, dass der einzige Ort, dem sich die EU militärisch widmen kann, der Norden Afrikas ist. Nordafrika ist erreichbar, machbar, relevant und von keinem Konkurrenten uneinnehmbar besetzt. Alle aufgezählten Voraussetzung sind notwendig. Alle anderen Regionen verletzten mindestens eine dieser notwendigen Voraussetzungen und kommen daher als Abenteuerspielplätze nicht in Frage.

In Nordafrika ist Libyen der beste Kandidat. Libyen, das von der EU selbst zerstört wurde, ist ein herrliches Territorium, um die neue EU-Armee trainieren zu lassen. Da herrscht Chaos, dieses Chaos schadet der EU, in Libyen hat sich keine geopolitische Großmacht militärisch breit gemacht, Libyen ist nah dran an der EU. Wenn wir im Strategiestab der EU-Armee sind, sieht Libyen wie eine Schatzkiste für uns aus. Eine perfekte Spielwiese. Moralisch leicht zu legitimieren. Geeignet, um See-, Luft- und Bodenstreitkräfte im Verbund an einem ungefährlichen Feind üben zu lassen. Wir (die EU) werden wohl im Laufe des kommenden Jahrzehnts die Demokratie nach Libyen bringen müssen.

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Was wir von der EU haben

Die Niederlande ist ein moderner europäischer Staat (wir ignorieren einfach, dass sie formal Teil eines Königreichs ist). Die Niederlande verfügt über eine hoch entwickelte Industrie, sie ist ein moderner, geradezu vorbildlicher Industriestaat. Die Niderlande ist Teil der EU. Was hat die Niederlande in der EU zu melden? Nichts. Die EU wird geprägt und gelenkt von den drei großen Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich und Großbritanien. Was diese Großen entscheiden, wird die Niederlande akzeptieren müssen. Warum? Weil die Niederlande so klein ist. In der EU ist sie ein Zwerg, da mögen die Industrie noch so gut entwickelt und die Unis noch so angesehen und die Technologien noch so fortschrittlich sein. Ein Zwerg ist ein Zwerg, auch wenn er gute Werkzeuge hat.

Das war die Niederlande bezogen auf die EU. Schauen wir uns Deutschland bezogen auf die Welt an. In der EU ist Deutschland der Platzhirsch, aber im globalen Maßstab ist Deutschland ein Zwerg. China und USA sind Giganten, neben ihnen ist Deutschland ein Zwerg, genauso wie die Niederlande ein Zwerg neben Deutschland und Frankreich ist.

Was hätte Deutschland in der Welt zu melden, wenn es die EU nicht gäbe? Nichts. Frankreich auch nicht. Großbritanien auch nicht. Und die zweite und dritte Reihe der EU-Staaten entsprechend noch weniger als nichts. Aber alle zusammen, die erste, zweite und dritte Reihe der EU-Staaten, sind ein wirtschaftlicher Gigant, auf Augenhöhe mit China und USA.

Es gibt drei große Wirtschaftsgiganten in der Welt: China, EU, USA. Und damit ist der Sinn der EU im Grunde schon erklärt. Die EU kann mit den anderen Giganten auf Augenhöhe verhandeln. Über die EU haben wir alle was zu melden in der Welt. Und Sie, ja Sie, einfacher Bürger, profitieren auch davon. Wenn unsere EU-Fischkutter die afrikanische Küste leerfischen und wir Fisch zu unverschämt günstigen Preisen im Supermarkt kaufen können, haben wir das auch der EU zu verdanken, weil die EU als Wirtschaftsgigant afrikanische Staaten zu selbstzerstörerischen „Freihandelsabkommen“ zwingen kann. Wenn Gasprom Preisnachlässe gewährt, um Zugang zum riesigen EU-Markt zu erhalten, haben wir vergünstigte Heizkosten auch der EU zu verdanken. Günstiges Gas bedeutet aber nicht nur eine günstige Heizung, sondern auch günstige Energie für die Wirtschaft, damit also einen Wettbewerbsvorteil für die EU-Wirtschaft.

Und so geht das weiter, in den verschiedensten Lebensbereichen. Die hohen EU-Umweltstandards sind aus wirtschaftlicher Sicht nichts anderes als eine Protektionismus-Maßnahme. Die EU schottet damit ihren Markt gegen ausländische Waren und Technologien ab, was unter anderem Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe in der EU erhält. Ohne EU keine gemeinsamen EU-Umweltstandards, also kein Zwang für die deutschen EU-Partner, die teure deutsche Technik zu kaufen. Die Chinesen haben es billiger und es ist unerheblich, dass es die Umwelt stärker belasten würde. Deutschland dominiert den EU-Markt, weil es sich die EU zurechtgelegt hat als einen Markt, der viele Konkurrenten abschottet.

Glauben Sie, Deutschland wäre in der Lage, im Alleingang, auf allen Fronten, die die EU beackert, ähnliche Vergünstigungen und Privilegien für sich auszuhandeln, wie es die EU schafft? Global gesehen ist Deutschland ein Zwerg. Wenn die EU sich auflöst, werden die Mitgliedstaaten zu Zwergen auf einer großen Bühne, und entsprechend werden sie behandelt werden. Nicht nur verlören alle heutigen EU-Staaten vieles von ihren Privilegien, sie würden auch geschickt aufeinander gehetzt werden, der Platz für Intrigen wäre riesig. Teile und Herrsche wäre nirgends so einfach anzuwenden, wie in Europa. Zwei Weltkriege haben gezeigt, wie man auf heutigem EU-Raum die Staaten gegeneinander ausspielen kann. Und auch heute gibt es „Freunde“ der EU, die nicht abgeneigt wären, das Spielchen zu wiederholen. Das würde mindestens einen globalen Konkurrenten beseitigen.

Nicht alles ist gut an der EU. Die moralischen Aspekte, die die EU nach innen und nach außen vertritt, sind ein Grund für Wehklagen, Widerstand und Veränderungen. Für den Euro gilt das Gleiche. Es gibt mehr als genug zu verbessern. Es gibt nichts abzufeiern bezüglich der EU. Aber zu behaupten, dass wir nichts von der EU hätten, entspricht einfach nicht den Tatsachen.

Unser Wohlstand gründet sich nicht auf unseren Fleiß. Anderswo arbeiten Menschen härter, unter abscheulichen Arbeitbedingungen, und zu einem Bruchteil des Lohns, den man in der EU für weniger Arbeit unter besseren Arbeitsbedingungen bekommt. Auf dieser Ungleichheit begründet sich unser Wohlstand. Wir streichen uns den Lohn anderer Arbeiter ein. Und die EU trägt stark dazu bei, dass es weiter so bleibt. Das ist das, was wir von der EU haben. Moralisch abscheulich, wirtschaftlich sehr einträglich. Das sind die beiden Seiten der westlichen Medaille. So funktioniert der Westen nun mal, unverändert seit einem halben Jahrtausend.

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Deutschlands Meuterei

Ein Leser hat auf eine Meldung der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ (SWP) aufmerksam gemacht. Zum vierseitigen PDF-Dokument geht es hier entlang, es ist zur Lektüre unbedingt empfehlenswert. „Auch ohne Trump wird vieles anders“ heißt es im Titel. Gravierende Änderungen der Weltordnung werden angekündigt. Deutschland solle seine Beziehungen zu den USA und seine Rolle in der Welt reflektieren. Es wird konstatiert, dass Trump die US-Hegemonie nicht mehr aufrecht erhalten will. Es wird konstatiert, dass die Vasallen sich darüber mächtig in die Hosen machen. Viele Vasallen haben nämlich nicht viel in der eigenen Hose und sind auf den Schutz der USA angewiesen, um ihre aktuelle politische Ausrichtung (die häufig auf Konfrontation mit den Nachbarn setzt) aufrecht erhalten zu können.

Die Politik der USA wird als „mitunter schlicht kontraproduktiv“ für die Weltordnung bezeichnet. In solchen Fällen müsse Deutschland sich in Zukunft klar positionieren und seine Position frühzeitig geltend machen. Deutschland und Europa sollten das Feld ordnungspolitischer Entwürfe nicht den USA überlassen, heißt es. So steigert sich der Artikel zum Höhepunkt:

Das bedeutet auch, die im exzeptionalistischen Selbstbild der USA begründete Haltung zu hinterfragen, dass amerikanische Interessen per se globale Interessen seien. Zugleich gilt es darüber nachzudenken, wie man reagiert, sollte das Verhalten der USA aus deutscher Sicht kontraproduktiv sein. Wenn man »gute transatlantische Beziehungen« zum Selbstzweck erklärt und grundsätzlich über andere Erwägungen stellt, beraubt man sich der Möglichkeit strategischen Handelns. Ohne die Bereitschaft, sich mit der US-Regierung zu streiten, scheiden viele Optionen der Einflussnahme von vornherein aus.

Spricht man so über einen König? Die Auserwähltheit der selbsterklärten Auserwählten wird in Frage gestellt. Die Interessen der USA werden in Frage gestellt. Transatlantische Beziehungen werden in Frage gestellt. Die Bereitschaft, mit den USA zu streiten, wird gefordert. Geht es noch deutlicher?

Die SWP ist ein transatlantisch verseuchter, sehr bedeutsamer deutscher Think Tank. Wie kann es sein, dass ein transatlantisch orientierter, auf die USA zugeschnittener Think Tank, so rüde mit den USA umgeht? Das ist ganz einfach und wurde bereits thematisiert. Die Beziehung zwischen König und Vasall ist von gegenseitigem Geben und Nehmen geprägt. Der König gibt Schutz und streicht von den Vasallen Steuern ein. Die Vasallen nutzen den Schutz des Königs, um andere auszurauben und auszuplündern. Solange die Vasallen dank des Schutzes des Königs mehr plündern können, als sie dem König zahlen müssen, ist für beide Seiten alles in bester Ordnung, gemessen an den westlichen Wertemaßstäben. Problematisch wird es, wenn der König für seine Schutzfunktion mehr bezahlt als er an Steuern bekommt. Oder wenn die Vasallen mehr Steuern bezahlen müssen als sie durch Plünderungen verdienen. Dann ist gar nichts mehr in Ordnung und dann kommt es zum Konflikt zwischen den Verbündeten. Dann sind die Vasallen zur Rebellion bereit.

Die Taten sprechen schon lange für eine Rebellion des deutschen Vasalls. Jetzt wird das Offensichtliche auch offen ausgesprochen.

Der SWP-Artikel erschien im Oktober. Im Oktober hat der König seine Krone abgelegt. Viele einfache Menschen wollen das nicht glauben, aber die Eliten reagieren sehr schnell und sehr eindeutig. Der Tenor der SWP ist übrigens durchgehend: „Das Gesagte gilt sogar für Clinton, aber mit Trump gilt es doppelt und dreifach“. Trump ist es geworden, die Ansage der SWP kommt also mit besonderem Schmackes daher.

Merkel ist auch auf dieser Linie. Sie drückt sich natürlich diplomatischer aus, aber die Botschaft ist eindeutig:

Deutschland und die USA seien durch gemeinsame Werte verbunden. Sie nannte Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. „Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an.“

Die angebotene Zusammenarbeit ist an eine Bedingung geknüpft! Merkel stellt Trump Bedingungen, während sie ihm zur gewonnenen Wahl gratuliert.

Die Welt hat sich verändert.

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