Das Jammern der CDU-Transatlantiker

In der CDU hat es einen Zwergenaufstand gegen Merkel gegeben. Sie wollten nicht weniger als das Ende der Ära Merkel! Die waghalsigsten wollten Merkel sogar innerhalb der Legislaturperiode vertreiben.

Spahn sieht überall gute Leute in der CDU, womit er in erster Linie sich selbst meint. Und er wäre gar bereit, sofort von Merkel zu übernehmen. Aber zumindest Minister oder CDU-Generalsekräter müsse er schon werden, fordert SPON. Roland Koch (die älteren Leser werden sich an ihn erinnern…) wirbt ebenfalls für Spahn als CDU-Führungspersönlichkeit noch innerhalb der laufenden Legislaturperiode. Röttgen hat sich ebenfalls bei den CDU-Meuterern eingereiht.

Das ist alles recht schwachbrüstig. Spahn ist noch ein Niemand. Koch wurde von Merkel von der Bühne geräumt. Röttgen wurde von Merkel von der Bühne geräumt. Die Liste von Merkels Opfern ist äußerst lang und hat auch klangvollere Namen. Merkel hat sie alle gefressen und das Bellen von der Ersatzbank wird sie nicht aus der Ruhe bringen. Es wird interessant sein, wie sie Spahn zur Strecke bringt. Bisher hat Merkel noch keinen Konkurrenten politisch überleben lassen, selbst über Parteigrenzen hinweg.

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Korruption vs. fahrlässige Aufsichtspflichtverletzung

Airbus muss 81 Millionen Euro Bußgeld zahlen:

Die Staatsanwaltschaft hat keinen Nachweis für Bestechung in Verbindung mit Eurofighter-Verkäufen gefunden – und stellt ihre Ermittlungen ein. Dennoch muss der Konzern ein Millionen-Bußgeld zahlen.

Logisch, oder? Kein Beweis für Bestechung, Verfahren eingestellt, aber eine mächtige Strafe gibt es dennoch. So stellt man sich das Rechtssystem in einem echten Rechtsstaat vor.

Es geht um den Verkauf von 18 Eurofightern an Österreich. Die Ermittlungen zeigten, “dass bei den mit dem Geschäft verbundenen legalen Kompensationsgeschäften dreistellige Millionenbeträge ohne belegbare Gegenleistung für unklare Zwecke verwendet worden seien”. Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen. Mit dem Verkauf von 18 Kampffliegern sind “legale Kompensationsgeschäfte” verbunden. Uhaha, was für eine Zombiekacke. Bei diesen Schmiergeldzahlungen “Kompensationsgeschäften” sind irgendwas zwischen 100 und 999 Millionen Euro ohne belegbare Gegenleistung, für unklare Zwecke, verwendet worden. Das muss man Wort für Wort genießen. Ist ja klar, dass die Konzerne heutzutage bei jedem mittelgroßen Auftrag Hunderte Millionen Euro ohne Gegenleistung, rein kompensatorisch, irgendwohin verschicken. Und diese unbelegte, kompensatorische Geldverschwendung hat man am Ende juristisch als “fahrlässige Aufsichtspflichtverletzung” qualifiziert und dafür das Bußgeld verhängt. Damit es keine Anreize gibt, solche unbelegten Kompensationszahlungen in Zukunft zu vermeiden, hat man das Bußgeld deutlich kleiner als die Kompensationssummen angesetzt.

Ist das geil oder ist das geil? Wenn sowas östlich von Deutschland passiert, wird es Korruption geschimpft. Wenn es in Deutschland passiert und der Staat beim Schmieren vergessen worden ist, eröffnet man ein Verfahren, einigt sich auf die Schmiergeldsumme für den Staat und wickelt das formal-juristisch ab. Hier in Deutschland ist Korruption kein Verbrechen, sondern ein juristisch legales Verfahren. Schmiergeld nennt sich “legale Kompensationszahlung ohne belegbare Gegenleistung für unklare Zwecke” und wenn vergessen wurde, eine wichtige Partei legal zu kompensieren, wird ein legales Verfahren eröffnet, um die Kompensationssumme für die vergessene Partei zu verhandeln. Wenn die Verhandlungen abgeschossen sind, wird formal-juristisch eine “fahrlässige Aufsichtspflichtverletzung” konstatiert, das Verfahren geschlossen und die Zahlung überwiesen. Wenn Korruption so zivilisiert-rechtsstaatlich abgewickelt wird, ist sie auch gar nicht schlimm. Deswegen ist der Fall nicht mehr als eine einmalige Meldung wert. Keine wochenlange Hysterie, keine weltweit vorgetragenen Rufe nach der sofortigen Absetzung Merkels und der Übergabe der Macht an den nächstbesten Penner, dem man eilig einen Blog eingerichtet hat.

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Widersprüche in der Matrix

Die virtuelle Realität in der Matrix wird gebogen, bis die Gehirne bluten. Die Quälitätspresse ist sich dabei für nichts zu schade. Man könnte mit Leichtigkeit ein Tagesblatt mit Berichten darüber füllen. Aber zur Veranschaulichung reichen gelegentliche Beispiele. Zuletzt hat die Süddeutsche geglänzt. Putin säubert die Rattennester und bei den Rattenherren knirschen vor Zorn die Zähne. Diesmal hat es dagestanische Ratten erwischt und so berichtet die Süddeutsche:

Seitdem in der Nachbarrepublik Tschetschenien Ramsan Kadyrow mit rücksichtsloser Gewalt herrscht, ist Dagestan zum neuen Zentrum islamistischer Extremisten im Kaukasus geworden. Immer wieder werden bei Anti-Terror-Operationen Extremisten und Angehörige der Sicherheitskräfte getötet. In der Vergangenheit hatte die Zentralmacht in Moskau die Herrschaft mafiöser Klans in der Republik in Kauf genommen, solange diese die Terroristen in Schach hielten. Das ist nun offenbar vorbei.

So viel widersprüchliche Scheiße in so wenigen Worten ist eine matriziöse Kunst, die zu sezieren sich wirklich lohnt. Schauen Sie, seitdem der böse böse Kadyrow in Tschetschenien “herrscht” (in Russland regiert man nicht…), ist Dagestan zum neuen Zentrum des Islamismus geworden. Verstehen Sie? Tschetschenien war das Zentrum des Islamismus, aber seitdem der böse Kadyrow da herrscht, ist der Islamismus in Tschetschenien zurückgedrängt worden. Verstehen Sie, warum Kadyrow der böse Herrscher ist? Genau darum. Denn Kadyrow prügelt ja keine Kinder und Hausfrauen auf der Straße, richtig? Richtig, er prügelt Islamisten und räuchert deren Nester aus. Sonst hätte der Islamismus ja keinen Grund, sein Zentrum aus Tschetschenien zu verlegen, richtig? Richtig, denn die Islamisten würden wohl kaum abhauen, wenn Kadyrow rücksichtslos über Frauen und Kinder herrschen würde. Haben Sie ausgekostet, wie die westliche Gesellschaft diejenigen beschimpft, die Terrorismus wirkungsvoll bekämpfen? Ohje, unsere Terroristen, unsere Investitionen…

Gehen wir weiter. In Dagestan finden Terroristen Unterschlupf und dort müssen “immer wieder” auch Sicherheitsbeamte ihr Leben lassen im Kampf gegen den Terrorismus. Haben Sie sich die armen unterdrückten Hausfrauen und Bauern ausgemalt, die immer wieder Spezialkräfte bei Sondereinsätzen zu töten vermögen? Da sitzen sie, die armen Unschuldigen, und plötzlich kracht und wummt es, die Tür fliegt durch das Zimmer, Rauch überall, Geschrei, Befehle, kräftige Arme, die einen auf den Boden drücken. Können Sie sich vorstellen, wie speziell ausgebildete Sondereinsatzkräfte (denken Sie an GSG 9) Opfer beklagen müssen, wenn sie die Wohnungen unschuldig unterdrückter Bauer stürmen? Der Agent der Matrix schwafelt von “rücksichtsloser Gewalt” und gibt im nächsten Satz an, dass immer wieder Spezialkräfte bei Einsätzen sterben. Die stolpern doch nicht zu Tode, nicht wahr? Der Agent der Matrix gibt mit seiner Scheiße eine bestimmte Denkrichtung vor, aber wenn wir ihm den Gefallen nicht tun und ihn fragen würden, was er denn vorschlagen würde im Kampf gegen Terroristen, die selbst Spezialkräften trotzen? Wer bildet diese Arschlöcher denn aus, dass sie Spezialkräften strotzen können? Wir reden hier nicht von Straßengangstern, wir reden von Terroristen mit Spezialkräfte-Ausbildung. Man kann Spezialkräfte nur dann immer wieder überwinden, wenn man selbst Spezialkraft ist. Wäre denn mehr Rücksicht geboten? “Klopf klopf, meine Herren, hätten Sie die Güte, ihre Waffen nicht zu gebrauchen und uns auf das Revier zu folgen, damit wir euch in die Zelle stecken können? Nein? Ok, verzeihen Sie die Störung, aber bitte, denkt noch einmal über unsere Bitte nach, hier ist meine Visitenkarte, ruft mich an, wenn ihr es euch anders überlegt habt…” Aber nein, der rücksichtslose Kadyrow…

Und wie haben die mafiösen Klans denn die Terroristen in Schach gehalten, wenn “immer wieder” Sondereinsatzkräfte bei Anti-Terror-Einsätzen ums Leben kommen? Wo Terrorismus eingedämmt wurde, sieht der Agent der Matrix Rücksichtslosigkeit walten. Wo das Zentrum des Terrorismus ist, sieht der Agent die Terroristen in Schach gehalten. Matrix-Logik.

Hier noch mehr davon:

Jahrelang hat der Kreml die Verantwortlichen in der Region gewähren lassen. Im Gegenzug lieferten sie bei Wahlen – ähnlich wie Tschetschenien – stets fantastische Resultate für den Präsidenten und die Regierungspartei, mit über einhundert Prozent Wahlbeteiligung in eigenen Bezirken.

Wir haben den Kreml und die Verantwortlichen der Region. Der Kreml lässt den Verantwortlichen freie Hand. Die Verantwortlichen schreiben im Gegenzug in den eigenen Wahlbezirken eine Wahlbeteiligung von über 100 %. Lassen wir den Wahrheitsgrad der Behauptungen außen vor, denn in diesem Beitrag interessieren uns nur die inneren Widersprüche der Lügengebilde. Was ist denn das für ein beschissener Deal für den Kreml, wenn die Vasallen eine Wahlbeteiligung von über 100 % generieren? Für wie blöd muss man die Leser halten, um ihnen den beschrieben Deal zu verkaufen? Unregelmäßigkeiten bei der Wahl torpedieren die Wahlergebnisse und liefern Futter für sämtliche Feinde Russlands. In wessen Interesse handeln die Verantwortlichen der Republik Dagestan, wenn sie eine Wahlbeteiligung von über 100 % hinkritzeln? Das ist offene Sabotage gegen den Kreml, zugunsten der westlichen Rattenherren, damit die ihren Lesern Scheiße in die Gehirne schaufeln können. Wer dem Kreml dienen will, sorgt für Ordnung in der Region, so wie Kadyrow. Und wenn schon Fälschungen in Auftrag gegeben werden, dann natürlich nicht solche, wie sie der Agent der Matrix beschreibt. Es sei denn, die Fälschung wurde von Betreibern der Matrix bestellt, dann macht alles Sinn. Das kapiert doch jedes Schulkind, dass eine Fälschung echt aussehen muss, um unerkannt zu bleiben. Wer eine Fälschung macht, die zu 100 % als Fälschung auffliegt, ist offensichtlich daran interessiert, dass die Fälschung auffliegt. Der böse Kreml bestellt Wahlfälschungen, die zu 100 % als Fälschungen enttarnt werden können – mit so einem Müll werden Sie in der Matrix gefüttert. Auf so einer Scheiße basiert das Russland-Bild der Deutschen. Es ist abartig.

Was sehen wir? Der Agent der Matrix nimmt die Klanführer Dagestans in Schutz, attestiert ihnen, die Terroristen in Schach gehalten zu haben, obwohl doch gerade in ihrer Republik die Terroristen Unterschlupf finden und kaum auszuräuchern sind. Der Agent der Matrix stellt diese Klanführer als Putins Handlanger dar, die Putin auch mit Wahlfälschungen dienen sollen. Dabei können die behaupteten Wahlfälschungen unmöglich Putin dienen, sondern nur dem Westen. Die Agenten des Westen, die in Russland Terrorismus unterstützen und Wahlen sabotieren, werden als Putins Agenten verkauft. Merken Sie sich dieses Muster. Die Arschlöcher, die Ihre Gesellschaft von innen heraus zersetzen und zerstören, werden als Ihre Freunde und Gönner vermarktet. Der Virus, der Sie zerstören soll, wird als Ihr Heilmittel verkauft, damit Sie sich nicht wehren. Und die Abwehrkräfte, die den Virus bekämpfen, werden verunglimpft, als “rücksichtslos”, “herrschend”, “unterdrückerisch”, “undemokratisch”, “korrupt” und was Ihnen sonst noch an emotionalen negativen Begriffen ins Unterbewusste geschrieben worden ist. In der Matrix stellt man alles auf den Kopf, vertauscht die Rollen von Virus und Immunsystem, damit Sie den Virus unterstützen und das Immunsystem bekämpfen.

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Schulz greift Gabriel an

Der Kampf der Transatlantiker gegen die Multipolaristen auf deutschem Boden geht weiter. Auf dem Koalitionsvertrag trocknet noch die Tinte, da greift Schulz an, indem er Ansprüche auf den Posten des Außenministers anmeldet. So sieht das aus:

Während seiner Amtszeit sei ihm zudem die Neuausrichtung der SPD nicht so geglückt, wie er es erhofft hatte. “Die Erwartungshaltung, die ich auch an mich selbst habe, die Partei zu erneuern, ist eine, der ich nicht in dem Umfang gerecht werden kann, den dieser Erneuerungsprozess braucht.” Die Aufgabe sei für ihn “unter den obwaltenden Umständen kaum noch zu leisten”.

(….)

Auf die Frage, warum der bisherige Außenminister Sigmar Gabriel nicht mehr im neuen Merkel-Kabinett vertreten sein soll, sagte Schulz: Gabriel habe eine sehr gute Arbeit geleistet, “aber ich habe mich entschieden, als Außenminister in die Regierung einzutreten”.

Beeindruckend. Ins Deutsche übersetzt: “Ich habe die Aufgabe der Parteiführung grandios vergeigt und kann es auch nicht mehr retten, deshalb habe ich beschlossen, Deutschland in der Welt zu vertreten”. Armes Deutschland, dass die Bürger so etwas ertragen müssen.

In der Fotostrecke zum Artikel, in der die möglichen Minister der neuen Regierung vorstellt werden, hat man Gabriel komplett ausgelassen. Und der Vorsitz der SPD soll an Nahles gehen. Der Groll gegen Gabriel ist groß, die Transatlantiker und ihre Presseorgane will ihn aus allen hohen Ämtern wegignorieren. Wir sind nicht überrascht über diese Intrige. Gabriel wird vom eigenen Mann angegriffen, aber wir hatten es schon, dass die beiden nicht auf der gleichen Seite der Front kämpfen. Interessant an der Liste der Ministerkandidaten ist auch das Fehlen von Jens Spahn. Es könnte ein Deal sein – wir drängen Gabriel raus, aber dafür bleibt Spahn auch draußen. Es wäre ein wenig zu viel des Guten für die Transatlantiker, aber möglich ist es. Warten wir ab, wie sich das entwickelt. Die Vorstellung, wie Schulz bei Lawrow die Pläne der russischen Regierung auszuspionieren versucht, ist jedenfalls sehr erheiternd.

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Nachtrag, 08.02.2018:

Gabriel schlägt zurück und wirft Schulz Wortbruch vor. Und degradiert ihn nebenbei zum “Mann mit den Haaren im Gesicht”. Es rollt auch schon der erste Kopf – Handelsblatt-Herausgeber Steingart hat die Dinge beim Namen genannt und muss dafür gehen.

Es ist KRIEEEEG!

Nachtrag, 09.02.2018:

Habe gestern vergessen den Absenden-Knopf für den Nachtrag zu drücken, deswegen ist der gestrige Nachtrag erst heute reingekommen. In den Kommentaren ist bereits vermerkt worden, dass Schulz seine Außenminister-Kandidatur zurückgezogen hat. Das ging schnell! Aber nicht wirklich überraschend, denn wie weiter oben geschrieben steht: “Es wäre ein wenig zu viel des Guten für die Transatlantiker”. Jetzt fehlt noch, dass man Gabriel bittet, Außenminister zu bleiben. Das Theater ist wirklich großartig. Zu vermerken ist weiterhin, dass der Rauswurf von Steingart ebenfalls nicht glatt über die Bühne geht. Chefredakteure und Geschäftsführer der Verlagsgruppe beschweren sich schriftlich beim Boss, dass man im Hause fliegt, wenn man nur einmal eine unangenehme Meinung äußert. Damit rücken sie dem Boss auf die Pelle. In unserer Matrix-Welt sind die westlichen Medien absolut frei und ein so massiver Vorwurf der Unfreiheit aus den höchsten Etagen der eigenen Reihen kann eigentlich nicht spurlos ignoriert werden. Wir können gespannt sein, was sich da noch entwickelt. Wenn es doch ignoriert wird, ist es auch gut – es wäre ein weiterer Riss in der Matrix.

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Schritte zum Umbau der EU

Die EU erarbeitet Regeln, um künftig die Auszahlung von Geldern an Mitgliedsstaaten zu begrenzen. Wer rechtsstaatliche Prinzipien verletzt, dem werden Zahlungen gekürzt, so der Plan.

Na und? Typische EU-Bürokratie, typischer EU-Schmarrn, eine typische Erwähnung in der Presse, kurz aufgetaucht und schnell vergessen, wenn überhaupt wahrgenommen.

Tatsächlich wird hier ein Grundstein zum Umbau der EU gelegt. Im Namen des Guten, des Besten und der Rechtsstaatlichkeit, um Widerstand nicht aufkommen zu lassen. Horden von Juristen feilen gerade an den Formulierungen, damit die Gesetze später so ausgelegt werden können, dass, rein zufällig, versteht sich, bei genau den richtigen EU-Staaten ein Mangel an Rechtsstaatlichkeit festgestellt wird. Dann werden ihnen die EU-Gelder gekürzt, womit ihr einziger Grund für den Verbleib in der EU entfällt und diese Staaten werden selbst darum betteln, aus der EU auszutreten. Die schmerzhafte Variante eines Austritts wird gerade an Großbritanien exerziert. Bei den übrigen Austrittskandidaten werden die vorher ausgemachten Deals entscheiden, wie glatt oder rau, wie still oder laut die Austritte erfolgen werden. Bei diesen Deals werden Drittmächte, wie etwa Russland, eine große Rolle spielen.

Ungarn zum Beispiel fühlt sich ohnehin nicht wohl in der EU und hat gute Beziehungen zu Russland. Es kann gut sein, dass Ungarn es kaum erwarten kann, bis die gerade vorbereiteten Maßnahmen greifen. Es kann gut sein, dass Russland die EU freundlich bittet, Ungarn beim Austritt nicht zu malträtieren und es kann sehr gut sein, dass die EU der Bitte nachkommt.

Polen hingegen ist ein Kandidat für eine maximal schmerzhafte Abwicklung. Polen kassiert unsagbar viel Geld aus Brüssel und scheißt der EU gleichzeitig am meisten ins Haus. Das Geheul wird groß sein, wenn die Geldflüsse versiegen. Und dann wird das Geheul noch größer werden, wenn die EU die Austrittsbedingungen diktiert und Polen erwürgt. Im Namen des Guten und der Rechtsstaatlichkeit, versteht sich. Russland wird zustimmend nicken und der EU mitteilen, dass es nichts, aber auch gar nichts gegen ein Abwürgen Polen einzuwenden hat. Für Polen wird es kein Entkommen geben. Wer sich unverschämt dämlich verhält, und das auch noch auf der Verliererseite, wird unverschämt hart bestraft werden. Polen allein ist Grund genug für die neuen Regeln, die derzeit ausgearbeitet werden. Polen ist das primäre Ziel.

Wie genau es sich abspielen wird, werden wir sehen. Aber für solche und ähnliche Szenarien bereitet die EU gerade alles vor.

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Von Kriegern und Arbeitern

Die Rollen sind klar verteilt. Russland kämpft, China baut.

Militärisch hat sich China nirgendwo eingemischt. Die für Syrien angekündigten 5000 chinesischen Soldaten sind nicht eingetroffen. In chinesischen Gewässern patroullieren weiterhin US-Kriegsschiffe und mehr als Protestnoten hat China nicht aufzubieten. Zum Kontrast erinnere man sich an US-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer – Russland hat damals deutlich gemacht, wer Herr im Meer ist. Als eine russische SU sämtliche Elektronik des US-Flaggschiffs lahmgelegt hat und einen Scheinangriff nach dem anderen flog, blieb den US-Matrosen nicht mehr, als es auf ihre Smartphones aufzunehmen und sich später in den Medien auszuheulen. Spüren Sie den Unterschied? USA in chinesischen Gewässern – Chinesen heulen, USA in russischen Gewässern – USA heulen.

Diese Woche hat Russlands General und Verteidigungsminister Schoigu eine mehrtätige Reise nach Süd-Asien beendet (zusammenfassende Berichte). In Myanmar, Laos und Vietnam traf er nicht nur Verteidigungsminister und Generäle, sondern auch Premierminister. Auf der Tagesordnung standen Rüstungsverträge und intensivierte militärische Zusammenarbeit. Eine solche Zusammenarbeit mit Myanmar bedeutet beispielsweise, dass russische Kriegsschiffe in Myanmar anlegen dürfen, wenn sie es nur ein paar Tage vorher ankündigen. Die Erlaubnis gibt es automatisch, nur bitte rechtzeitig bescheid sagen, damit Platz gemacht wird. Das gleiche Recht gilt für Myanmars Schiffe in russischen Häfen. Ein Blick auf die Karte verrät uns, dass Vietnam und Myanmar lange Küsten an den für China kritischen Meeren und Meerengen aufweisen. Womit geklärt wäre, wer an Chinas Südflanke künftig für Ordnung sorgen wird, wenn China es wieder einmal nicht über eine Protestnote hinaus schafft.

Nebenbei hat Schoigu bekannt gegeben, dass der Vertrag über die Lieferung von S-400 Systemen an die Türkei vor kurzem besiegelt wurde. Die Türkei hat damit offiziell die militärische Schirmherrschaft gewechselt, es gibt kein Zurück mehr.

Und China? Chinas Vize-Premier ist dieser Tage in Kiew zu Besuch gewesen, um Infrastruktur-Investitionen in Höhe von 7 Milliarden Dollar anzukündigen. Russland wird die Ukraine befreien, nachdem der Westen dort alles dem Erdboden gleichgemacht hat. Und China wird dann alles neu bauen. China hat das Geld und die Arbeiter und den Fleiß, um wie verrückt zu bauen. Ein westlicher Experte ahnt sogar wahrhaft Böses voraus:

“An acceptable end state for both countries would likely be a Ukraine that is under Russian political and military influence, is being rebuilt with Chinese funds, and serves as a conduit for Chinese influence to Europe, where Western influence is minimized,” Holcomb said.

Für Russland und China wäre es akzeptabel, so Holcomb, wenn Russland die politische und militärische Kontrolle über die Ukraine bekommt und China dort die Infrastruktur für einen Korridor in die EU aufbaut.

Das identische Bild in Syrien. Russland hat Syrien erkämpft, China wird es aufbauen. Eine chinesische Delegation war beim syrischen Verkehrsminister zu Besuch und hat angekündigt, in den Wiederaufbau der syrischen Infrastruktur zu investieren.

In Nordkorea wird es genauso sein. Russische Militärs waren vor einigen Wochen dort. Russland garantiert Nordkoreas Schutz, China wird in Nordkorea einen großen Investitionsmarkt vorfinden, nachdem die Wiedervereinigung eingeleitet wird.

Venezuela und Libyen sind weitere heiße Kandidaten für die arbeitsteilige Schirmherrschaft Russlands und Chinas. Das Modell funktioniert prächtig.

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Der Staubsauger

Spon glaubt Merkels Kronerbin gefunden zu haben. Kurz geschaut, wer das ist und siehe da:

In der Flüchtlingspolitik hat Kramp-Karrenbauer die Politik Angela Merkels unterstützt. Sie sprach sich Anfang 2016 gegen eine einseitige Schließung der deutschen Grenzen aus, da sie ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union befürchtete.

Sieh an, sieh an.

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Kapitulation

“Erdogans Geschenk an Assad” – so betitelt SPON einen Artikel, der eine völlige Abkehr von der bisherigen Propaganda darstellt. Dort werden die Kurden beweint, die einem Deal zwischen Putin, Erdogan und Assad zum Opfer fallen.

Wo ist bloß das Feuer der letzten Jahre abgeblieben? Wo ist die emotionale Dämonisierung von Erdogan, Putin und Assad, diesen teuflischen Verschwörern? Wo sind die Kraftadjektive? Seit wann ist Putin einfach nur “der russische Präsident Putin”? Wo ist der Elan im Anschreiben gegen das Böse? Stattdessen müde Lakonie.

Und dann noch Selbstentlarvung:

Hinzu kommen Milizen aus der syrischen Provinz Idlib, allen voran die Rebellengruppe Faylaq al-Sham. Deren Vorgehen zeigt beispielhaft, wie sehr sich Syriens Aufständische von ihren ausländischen Finanziers dirigieren lassen.

Moment mal. In Syrien gibt es nur das böse Regime, den bösen IS und die gute Oppisition, die tapfer gegen Regime und IS kämpft. Das hat uns SPON jahrelang beigebracht. Und jetzt heißt es plötzlich, dass die Rebellengruppen demokratische Opposition aus dem Ausland finanziert und gesteuert wird? Sind die Lügenmedien des Lügens müde geworden? Oder bricht sich da der Schmerz der Enttäuschung seinen Bahn? Die Söldner kämpfen plötzlich auf der falschen Seite. So ist das mit Söldnern der demokratischen Opposition – sie ist frei zu entscheiden, wofür sie kämpft. Der Kurswechsel der Opposition ist der beste Beweis für eine lebendige und funktionierende Demokratie, und damit ein Grund zur Freude!

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Nachtrag, 25.01.2018: Der Autor des zitierten Artikels hat im August 2016 getitelt:

Die Islamisten sind Aleppos letzte Hoffnung (…) Angeführt werden sie von einer Terrormiliz.

Danke für den Leserhinweis.

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Lösung des Kurdenproblems beginnt

Zum Kurdenproblem hat es vor etwas weniger als einem Jahr einen Beitrag gegeben.

Die Kurden sind nicht böse, sie sind einfach ein Problem, weil gewisse Kreise sie ganz bewusst zu einem Problem gemacht haben. Und da die Kurden mit Waffen versorgt wurden und militärisch ausgebildet worden sind und laufende militärische und geheimdienstliche Unterstützung erhalten, sind sie ein Problem, das nicht mit rein politischen Mitteln neutralisiert werden kann. Die militärische Macht, die (ob eingesetzt oder nur angedroht) zur Lösung des Kurdenproblems notwendig ist, kann derzeit nur Erdogan offen gebrauchen, weil er die Kurden nie auch nur ansatzweise als das Gute akzeptiert hat und daher niemandem moralisch verpflichtet ist, die Kurden mit Samthandschuhen anzufassen.

Wie hätte es anders sein sollen, Erdogan macht den kurdischen Söldnern und ihren Herren im Nordwesten Syriens schon mal die Hölle heiß. Die Operation läuft. Russland hat sein Militär aus der Region zurückgezogen, das russische Außenministerium äußert Besorgnis, das russische Verteidigungsministerium hat Verständnis und sieht alle Schuld bei den USA. Moskau beobachtet die Situation und die anstehenden Verhandlungen in Sotschi sind in keiner Weise betroffen, wie demonstrativ verkündet wird.

Erdogan handelt mit dem vollen Segen Russlands, hat gewiss auch russische Aufklärungsdaten, um die Amis möglichst effektiv zu treffen. Genau, die Amis. Denn unter dem Deckmantel der Kurden (analog zum IS) operieren die US-Spezialkräfte und es sind US-Waffenlager und US-Stellungen, die Erdogan derzeit dem Erdboden gleichmacht. Ein NATO-Mitglied prügelt gerade ein anderes NATO-Mitglied in Syrien. Einfach sagenhaft.

Jemand hatte in den Kommentaren gefragt, wie man die USA aus dem Nahen Osten vertreiben wird. Nun, genau so, wie es derzeit geschieht.

Bei den Verhandlungen in Sotschi sollen auch Kurden mit am Tisch sitzen. Für sie gilt es jetzt zu verstehen, dass eine Autonomie innerhalb des syrischen Staates in etwa das Maximum ist, worauf sie hoffen sollten. Je schwieriger sich diese Erkenntnis durchsetzen wird, desto mehr wird Erdogan dabei nachhelfen.

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Prognosen für 2018

Um ehrlich zu sein, ist die Lust am Prognosieren verflogen. Der Grund dafür ist, dass sich die geopolitische Wetterlage geklärt hat und die Spannung der letzten Jahre raus ist. Im Kleinen sind viele Varianten möglich, hier ist Spannung drin, aber um dafür Prognosen aufzustellen, muss man sich in die kleinen Details reinwühlen – aber das ist mit den zeitlichen und personellen Möglichkeiten hier im Blog unrealistisch, dafür sind die großen Medien da (hehe). Die kleinen Details sind von Interesse, um das große Ganze besser zu verstehen und um das Denken zu schulen, und dafür werden sie weiter herangezogen.

Da Traditionen traditionell nicht abrupt aussterben, soll es in diesem Jahr noch mal eine Prognose geben:

  • In Russland wird Putin zum Präsidenten gewählt.
  • In Deutschland wird die Regierung wieder aus der großen Koalition gebildet.
  • In den USA veranstaltet Trump weiter medialen Zirkus und die Medien spielen fleißig ihre dämlichen Rollen.
  • Derweil isoliert Trump die USA international weiter, immer weiter.
  • Mit der Isolation der USA geht ein Verlust ihres Einflusses einher, im Nahen Osten, in Europa, in Asien, in Afrika, überall.
  • Ehemalige US-Vasallen und US-Opfer stehen bei Putin Schlange mit der Bitte um Audienz.
  • Neue geopolitische Bündnisse werden geschmiedet, mit Putin als de facto Mediator. Größte Kandidaten dafür sind der Nahe Osten, Nordafrika und Ostasien.
  • Schlchte Zeiten für Israel.
  • Schlechte Zeiten für Saudi-Arabien.
  • Schlechte Zeiten für die Kurden.
  • Die EU bemüht sich um einen Posten als großer Mitspieler in der multipolaren Welt, wird aber allenfalls als Junior Partner behandelt.
  • Die EU transformiert sich weiter in eine “EU der zwei Geschwindigkeiten”. Das Duo Deutschland-Frankreich prescht weiter mit einer Koalition der Willigen voran und löst drängende Probleme unter Umgehung der strengen EU-Bürokratie. Die EU-Armee und sonstige Sicherheitsstrukturen sind 2018 ein zentraler Aspekt dieser Transformation.
  • Die transatlantische Scheidung schreitet voran. EU und USA ecken weiter an, streiten, drohen, zerreißen die Bande.
  • Deutsche, französische und EU-Offizielle sprechen vermehrt offen über die Integration der EU in das Seidenstraßenprojekt (oder Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok oder wie auch immer es genannt werden wird).
  • Unabhängig vom offiziellen Gelaber läuft die eurasische Integration (EU, Russland, Naher Osten, Zentralasien, China) unvermindert weiter.
  • Die Dedollarisierung schreitet sachte voran, ohne Geschrei, ohne ruckartige Bewegungen.

Die meisten Punkte beschreiben eine Fortsetzung von bereits begonnenen Entwicklungen. Das ist damit gemeint, dass die Spannung raus ist. Nichts deutet darauf hin, dass diese Entwicklungslinien noch umgekrempelt werden.

Nachtrag: Kommentare geöffnet. Es werden nur Leser-Prognosen durchgewinkt, keine Diskussionen.

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