Deutschlands Meuterei

Ein Leser hat auf eine Meldung der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ (SWP) aufmerksam gemacht. Zum vierseitigen PDF-Dokument geht es hier entlang, es ist zur Lektüre unbedingt empfehlenswert. „Auch ohne Trump wird vieles anders“ heißt es im Titel. Gravierende Änderungen der Weltordnung werden angekündigt. Deutschland solle seine Beziehungen zu den USA und seine Rolle in der Welt reflektieren. Es wird konstatiert, dass Trump die US-Hegemonie nicht mehr aufrecht erhalten will. Es wird konstatiert, dass die Vasallen sich darüber mächtig in die Hosen machen. Viele Vasallen haben nämlich nicht viel in der eigenen Hose und sind auf den Schutz der USA angewiesen, um ihre aktuelle politische Ausrichtung (die häufig auf Konfrontation mit den Nachbarn setzt) aufrecht erhalten zu können.

Die Politik der USA wird als „mitunter schlicht kontraproduktiv“ für die Weltordnung bezeichnet. In solchen Fällen müsse Deutschland sich in Zukunft klar positionieren und seine Position frühzeitig geltend machen. Deutschland und Europa sollten das Feld ordnungspolitischer Entwürfe nicht den USA überlassen, heißt es. So steigert sich der Artikel zum Höhepunkt:

Das bedeutet auch, die im exzeptionalistischen Selbstbild der USA begründete Haltung zu hinterfragen, dass amerikanische Interessen per se globale Interessen seien. Zugleich gilt es darüber nachzudenken, wie man reagiert, sollte das Verhalten der USA aus deutscher Sicht kontraproduktiv sein. Wenn man »gute transatlantische Beziehungen« zum Selbstzweck erklärt und grundsätzlich über andere Erwägungen stellt, beraubt man sich der Möglichkeit strategischen Handelns. Ohne die Bereitschaft, sich mit der US-Regierung zu streiten, scheiden viele Optionen der Einflussnahme von vornherein aus.

Spricht man so über einen König? Die Auserwähltheit der selbsterklärten Auserwählten wird in Frage gestellt. Die Interessen der USA werden in Frage gestellt. Transatlantische Beziehungen werden in Frage gestellt. Die Bereitschaft, mit den USA zu streiten, wird gefordert. Geht es noch deutlicher?

Die SWP ist ein transatlantisch verseuchter, sehr bedeutsamer deutscher Think Tank. Wie kann es sein, dass ein transatlantisch orientierter, auf die USA zugeschnittener Think Tank, so rüde mit den USA umgeht? Das ist ganz einfach und wurde bereits thematisiert. Die Beziehung zwischen König und Vasall ist von gegenseitigem Geben und Nehmen geprägt. Der König gibt Schutz und streicht von den Vasallen Steuern ein. Die Vasallen nutzen den Schutz des Königs, um andere auszurauben und auszuplündern. Solange die Vasallen dank des Schutzes des Königs mehr plündern können, als sie dem König zahlen müssen, ist für beide Seiten alles in bester Ordnung, gemessen an den westlichen Wertemaßstäben. Problematisch wird es, wenn der König für seine Schutzfunktion mehr bezahlt als er an Steuern bekommt. Oder wenn die Vasallen mehr Steuern bezahlen müssen als sie durch Plünderungen verdienen. Dann ist gar nichts mehr in Ordnung und dann kommt es zum Konflikt zwischen den Verbündeten. Dann sind die Vasallen zur Rebellion bereit.

Die Taten sprechen schon lange für eine Rebellion des deutschen Vasalls. Jetzt wird das Offensichtliche auch offen ausgesprochen.

Der SWP-Artikel erschien im Oktober. Im Oktober hat der König seine Krone abgelegt. Viele einfache Menschen wollen das nicht glauben, aber die Eliten reagieren sehr schnell und sehr eindeutig. Der Tenor der SWP ist übrigens durchgehend: „Das Gesagte gilt sogar für Clinton, aber mit Trump gilt es doppelt und dreifach“. Trump ist es geworden, die Ansage der SWP kommt also mit besonderem Schmackes daher.

Merkel ist auch auf dieser Linie. Sie drückt sich natürlich diplomatischer aus, aber die Botschaft ist eindeutig:

Deutschland und die USA seien durch gemeinsame Werte verbunden. Sie nannte Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. „Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an.“

Die angebotene Zusammenarbeit ist an eine Bedingung geknüpft! Merkel stellt Trump Bedingungen, während sie ihm zur gewonnenen Wahl gratuliert.

Die Welt hat sich verändert.

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