Erdogans Kniefall und die Kriegserklärung des Westens

„Entschuldigung“.

Erdogan hat es getan. Er hat sich bei Putin entschuldigt. Ein weiterer Beweis dafür, dass hochrangige Politiker nicht dumm sind. Sie können sich verzocken, sie können bis zuletzt bluffen, kämpfen, sich an Strohhalmen festhalten… aber sie sind nicht dumm.

Fassen wir im Schnelldurchlauf zusammen, was mit der Türkei geschehen war und was nun mit ihr geschieht. Erdogan hat anderhalb Jahrzehnte geduldig auf ein Neoosmanisches Imperium hingearbeitet. Mit „Soft Power“ hat die Türkei ihre Fühler großräumig ausgestreckt. Ein Imperium braucht eine vereinende Ideologie. Die türkische säkulare Regierungsform, die von Atatürk („Vater der Türken“) nach dem Ersten Weltkrieg etabliert wurde, die neue lateinische Schriftform, die Atatürk eingeführt hatte, waren nicht geeignet, die Türkei zum zentralen und verbindenden Element der islamischen Welt des Nahen Ostens zu machen. Erdogan vollzog den Schwenk von Säkularität zum Islam. Koran-Schulen schossen unter seiner Regentschaft wie Pilze aus dem Boden. Die Lehre der arabischen Sprache und Schrift wurde massiv vorangetrieben. Die Türkei sollte islamisch werden, um von der islamischen Welt als Anführer angenommen zu werden.

Vor sechs Jahren überwarf sich die Türkei mit Israel. Israels Außenpolitik basiert darauf, keine Regionalmacht neben sich selbst im Nahen Osten zu dulden. Das gilt auch für die Türkei, deren Ambitionen schon damals nicht zu übersehen waren. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern wurden auf Eis gelegt. Dann kam der „Arabische Frühling“. Die Interessen von USA und Türkei fielen zeitweilig zusammen. Beide waren daran interessiert, die Regionalmächte des Nahen Ostens zu schwächen. Libyen als Antreiber nordafrikanischer Integrationsprozesse wurde zerstört, Ägypten stark geschwächt, Syrien angegriffen. Syrien ist als säkularer Staat eine besonderere Hürde für neoosmanische Pläne. Diese Barriere nach Süden sollte weggeräumt werden. Der Sturz von Assad war der Türkei daher ein besonders wichtiges Anliegen. So wichtig, dass Erdogan unverhohlen auf die Terrororganisation Islamischer Staat und andere islamistische Terrorgruppen setzte und die Türkei nicht nur zum Islam, sondern zum radikalen Islamismus trieb. Den USA und auch der EU war das nur Recht, sie verfolgten hierbei eigene anti-eurasische Pläne.

Erdogan streckte seine Fühler auch auf den krisengeschüttelten Balkan aus und organisierte 2015 eine Flüchtlingswelle aus jungen Männern, die den Balkan überfluten und islamisieren sollten. Den USA war das Recht, um die ungehorsam gewordene EU zu schwächen. Der EU war das gar nicht Recht, aber auf den unerwarteten Angriff konnte sie vorerst nicht anders reagieren als mit dem deutschen Staubsauger, der die Flüchtlinge vom Balkan nach Deutschland zog, um den vorzeitigen EU-Zerfall zu verhindern. Die Beziehungen zwischen EU und Türkei waren dadurch vermiest, aber solange die EU gegen Erdogans Angriff wehrlos war, leckte sie beschwichtigend seine Stiefel, in der Hoffnung, damit Zeit zu gewinnen und die Situation abzumildern.

Erdogan hatte eine Alternative zum Neoosmanischen Reich. Das war die Mitgliedschaft im Seidenstraßenprojekt von China, gepaart mit einer strategischen Partnerschaft mit Russland. Nach der Kriegserklärung des Westens an Russland 2014 bot Putin der Türkei mit Türkisch Stream sogar die Möglichkeit an, wichtigstes Transitland für russisches Gas in die EU zu werden. Auch andere Warenströme im Rahmen der Neuen Seidenstraßen sollten durch die Türkei verlaufen und die großen Wirtschaftsräume Asien und EU verbinden. Ein Geschenk Allahs geradezu. Als Transitland müssen Sie nichts tun, außer abzukassieren und es sich dabei gut gehen zu lassen. Einfach nur, weil sie in einer günstigen geographischen Lage geboren wurden.

Erdogan war das zu wenig. Oder zu langweilig. Er entschied sich jedenfalls für sein neoosmanisches Projekt und versuchte Syrien zu zerdrücken. Syrien erwies sich aber als wehrfähig, natürlich auch dank der Unterstützung von Iran, Russland und China. Als Syrien Ende 2015 dem Zusammenbruch nahe schien und der Westen mit bereits beschlossenen Plänen zur Flugverbotszone zum Todesschlag ausholte, mischte sich Russland militärisch ein und kippte die Situation radikal. Der angeblich so mächtige IS, für dessen Zerschlagung die USA mindestens fünf bis zehn Jahre einplanten, ist neun Monate nach Beginn der russischen Intervention an allen Fronten auf dem Rückzug. Sein Ende ist beschlossene Sache und bereits absehbar.

Der russische Einsatz wandte sich nicht gegen die Türkei, kam Erdogans imperialen Plänen aber in die Quere. Der Erhalt des säkularen syrischen Staates lässt kein Neoosmanisches Reich zu. Erdogan setzte alles auf eine Karte und eskalierte die Situation mit dem planmäßigen Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs. Putin hat nicht übertrieben mit seiner Darstellung, der Angriff war tatsächlich hinterhältig. Die türkischen Kampfflugzeuge kreisten in Lauerstellung stundenlang hinter einer Bergkuppe, unsichtbar für russische Radare. Als das Werk vollbracht war, wandte sich Erdogan nicht an Russland, um sich zu beschweren oder eine Klärung des Vorfalls zu verlangen. Er lief direkt zur NATO. Das Klakül der Eskalation war klar. Die NATO sollte sich hinter die Türkei stellen und Russland aus Syrien rauspressen. Im November 2015 schien das Erdogan noch realistisch. Weil ihm irgendwer aus der NATO zugeflüstert hatte, dass es realistisch ist. Das US-Verteidigungsministerium hat sich im Syrien-Krieg immer wieder als Kriegstreiber offenbart und Obamas Bemühungen einer Deeskalation geradezu demonstrativ Steine in den Weg gelegt. Auch US-Vizepräsident Biden hat die Türkei zur Eskalation aufgemuntert.

Erdogan stolperte in diese Falle. Die NATO zeigte sich kühl und versagte die erhoffte Unterstützung. Selbst der verbale Zuspruch war nur mäßig. Eine anti-russische Kampagne wurde nicht gestartet. Und schon gar nicht kam es zu einem NATO-Militäreinsatz, der Russland aus Syrien zu verdrängen versucht hätte. Die USA hatten niemals vor, wegen Erdogan einen Krieg gegen Russland zu beginnen. Sie hatten vor, Türkei und Russland in einen gegenseitigen Krieg zu verwickeln. Aber Russland ließ sich nicht provozieren und die Türkei hatte im Alleingang nicht den Mut, Russland militärisch entgegen zu treten. Die diplomatische Eiszeit zwischen Türkei und Russland war dennoch ein Gewinn für die USA. Die eurasischen Integrationsbemühungen erlitten einen schweren Schlag. Die letzte unverseuchte Landbrücke zwischen Asien und EU wurde verseucht. Vom Baltikum bis zur Türkei wurde ein breiter Vorhang aus russlandfeindlichen Staaten aufgespannt.

Putin hat auf den Abschuss des russischen Kampfflugzeugs scharf, aber besonnen reagiert. Er sprach von Verrat, drohte Konsequenzen an, vermied aber heftige Reaktionen und ließ Erdogan von Beginn an die Tür für die Normalisierung der vergifteten Beziehungen offen. Die drei Bedingungen, die schnell formuliert und bis heute immer wieder öffentlich wiederholt wurden: Eine Entschuldigung von Erdogan, eine Entschädigung für die Angehörigen des toten Piloten und für das abgeschossene Flugzeug, eine strafrechtliche Verfolgung der für den Abschuss Verantwortlichen.

Nicht hinnehmbar für Erdogan. Nicht nur wegen seines Stolzes. Sondern auch, weil er um sich herum eine Mannschaft versammelt hat, deren gemeinsames Ziel das Neoosmanische Reich war. Davutoglu war der ideologische Architekt dieses Projektes. Eine Entschuldigung bedeutete das Eingeständnis der Niederlage und die Beendigung des Projektes. Und das bedeutete Unmut in Erdogans Mannschaft und bedrohte direkt seine politische Karriere. Erdogan gab sich entsprechend hart. Man habe sich für nichts zu entschuldigen. Wenn überhaupt, müsse sich Putin entschuldigen. Russland überlegte gründlich und ohne Hast und setzte der Türkei die Daumenschrauben an. Nahrungsmittelimporte aus der Türkei und Tourismusreisen in die Türkei wurden gestoppt. Russland stellte die meisten Touristen in die Türkei, die Zahl sank in diesem Jahr um 92 %. Gleichzeitig sanken auch die Touristenzahlen aus Europa um ein Drittel, weil die Situation in der Türkei unruhig ist und Meldungen über Terroranschläge in der Türkei fast wöchentlich durch die Medien gingen. Die türkische Wirtschaft wurde schmerzhaft getroffen. Parallel dazu verlor Erdogan den Kampf gegen die EU. Die Flüchtlingskrise konnte den Balkan nicht chaotisieren. Inzwischen ist der Flüchtlingsstrom weitgehend unter Kontrolle. Deutsche Kriegsschiffe patroullieren vor der türkischen Küste. Der Blitzkrieg gegen die EU ist gescheitert und für mehr hat Erdogan nicht die Kapazitäten. Jetzt geht die EU in die Gegenoffensive, Deutschland hat den Genozid an den Armeniern als solchen anerkannt. Ein klares Zeichen, dass das Stiefellecken vorbei ist. Die diplomatischen Beziehungen zwischen EU und Türkei sind auf einem Tiefpunkt angelangt.

Zwischenfazit. Erdogan standen zwei strategische Ausrichtungen offen. Zentraler Eurasischer Brückenkopf oder Neoosmanisches Imperium. Erdogan entschied sich für letzteres und verlor. Er wurde von den USA ausgenutzt und verraten, hat sich die EU, Russland, Israel und Iran zu Feinden gemacht. Erdogan hat damit alle angrenzenden Regional- und Weltmächte gegen sich aufgebracht. Im Austausch hat er bessere Beziehungen zur Ukraine und zu Saudi-Arabien bekommen und sich mit dem IS verbrüdert. In die Lehrbücher für Geopolitik wird das als „Epic Fail“ eingehen. Zu allem Genannten kommt hinzu, dass die USA ihr längst angekündigtes Projekt vom unabhängigen Kurdistan ungeniert vorantreiben und damit offen die nationale Souveränität der Türkei angreifen. Erdogan hat sich und sein Land in eine furchtbare Sackgasse manövriert.

Das alles ist Erdogan natürlich nicht entgangen. Er suchte schon sehr bald nach dem verhängnisvollen Abschuss der Su 24 die Annäherung an Russland, sendete Signale, belauerte Putin beim Klimagipfel in Paris vor einer Toilette, ließ seine Diplomaten beschwichtigende Worte sprechen. Es hat alles nichts genützt. Russland wiederholte gebetsmühlenartig die drei Bedingungen für die Wiederherstellung partnerschaftlicher Beziehungen. Erdogan nutzte die Zeit, um die Wende vorzubereiten. Davutoglu ist gegangen worden und wurde durch eine gefügige Marionette ersetzt. Davutoglu hat keine schmutzige Wäsche gewaschen und hat bei seinem Abgang Erdogan den Rücken gestärkt. Auch er war sich der Sackgasse bewusst und er war sich bewusst, dass mit ihm als ideologischem Vater des Neoosmanischen Reiches der zwingend notwendige Rückweg aus der Sackgasse nicht möglich ist.

Jetzt ist Erdogans Entschuldigung da. Daneben bietet er eine Entschädigung an und verspricht, dass gegen die Person, die mit dem Tod des russischen Piloten assoziiert ist, bereits ein Verfahren läuft. Auf alle drei Forderungen Russlands ist Erdogan damit eingegangen. Aber das ist nicht einfach die Unterwerfung eines Alpha-Männchens unter einen anderen, wie dieser launige Artikel suggeriert. Das ist die Absage an das Neoosmanische Reich. Die geopolitische Großwetterlage ändert sich damit mal wieder dramatisch, von einem Tag auf den anderen.

Wie dramatisch, zeigt sich an den Ereignissen, die um den Tag der Entschuldigung passieren. Das Timing ist kein Zufall.

  1. Gasprom kündigt an, dass die Bereitschaft zu Verhandlungen über Türkisch Stream noch da ist. Kaum sagt sich Erdogan von seiner neoosmanischen Linie ab, bekommt er die Einladung für die Seidenstraßen-Linie ins Haus.
  2. Israel und Türkei nehmen wieder diplomatische Beziehungen auf. Israel ist dazu bereit, weil Erdogan seine imperialen Ansprüche fallen lässt.
  3. In Deutschland wird Klage gegen Erdogan eingereicht. Wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit! Wenn der Westen einen Staatsmann damit anklagt, ist es das Aussprechen eines Todesurteils. Milosevic, Gaddafi, Janukowitsch, Assad und viele andere können ein Lied davon singen. Es spielt keine Rolle, dass das deutsche Gericht nicht zuständig ist und die Klage vermutlich gar nicht bearbeiten wird. Das Signal ist klar und es kommt auf den Tag genau, als Türkei und Russland sich wieder annähern. Die 200-seitige Anklageschrift lag längst in der Schublade und die Anwälte warteten nur auf den Fass-Befehl.
  4. Im Flughafen in Istanbul hat sich ein Terroranschlag ereignet. Einen Tag nach Erdogans Entschuldigung. Die Details sind von großer Bedeutung. Größter türkischer Flughafen, „Tor zur Türkei“, Ankunftsterminal für internationale Flüge. Das passt überhaupt nicht in das Muster der Anschläge der letzten Monate. Hier sind westliche Geheimdienste am Werk, die der türkischen Tourismusbranche einen Schlag unter die Gürtellinie verpassen.

Als er vom Osmanischen Reich phantasierte und dafür eine strategische Dummheit nach der anderen beging, war Erdogan „unser Hurensohn“. Man hat ihn gewähren lassen, hat über alle seine Schandtaten hinweggesehen, selbst wenn sie der Öffentlichkeit nicht mehr verborgen werden konnten. Die Absage an das Osmanische Reich kann in strategischer Hinsicht nur die Hinwendung zu den Seidenstraßen bedeuten. Das macht Erdogan zum Hurensohn, der auf der falschen Seite steht. Der Krieg gegen ihn ist eröffnet, kaum dass er die Wende verkündet. Den diplomatischen Kniefall vor Putin wird Erdogan noch häufiger machen müssen in seinem neuen politischen Überlebenskampf. Einen besseren Weg hat er nicht mehr. Zurück kann er nicht, da ist die Sackgasse. Es gilt zu retten, was noch zu retten ist. Es gilt, den türkischen Staatszerfall zu verhindern.

In strategischer Hinsicht zeichnet sich folgender Deal ab: Die Türkei legt ihre Expansionspläne zu den Akten und konzentriert sich auf das eigene Staatsgebiet. Sie hilft bei der Beseitigung des IS und anderer Terrorgruppen in Syrien. Im Gegenzug helfen Russland und Israel, einen kurdischen Staat zu verhindern. Genau solche Deals werden in diplomatischen Hinterzimmern ausgehandelt und genau dafür hat sich Putin in den letzten beiden Jahren so häufig mit zahlreichen Staatsführern aus dem Nahen Osten getroffen, darunter auch mehrmals mit Israels Premier Netanjahu. Die USA werden diesen Deal torpedieren. Der Türkei stehen heiße Zeiten bevor.

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36 Kommentare zu “Erdogans Kniefall und die Kriegserklärung des Westens
  1. Klaus-Peter sagt:

    Israelische Position zu einem Kurdenstaat:

    http://www.israelnetz.com/aussenpolitik/detailansicht/aktuell/schaked-zeit-den-kurden-zu-helfen-94726/

    Müsste man mal auf den aktuellen Stand hin überprüfen, aber von israelischer Hilfe kann so einfach nicht die Rede sein.

  2. Aarsupilani sagt:

    Danke für diese Zusammenfassung, die ich stimmig finde. Lehre für andere Staaten daraus: wer sich mit den amis ins Bett legt, wird früher oder später verraten, betrogen, ausgenutzt. Ich denke, dass werden sich viele Staaten dort unten merken.

  3. Thomas Roth sagt:

    Was hat Erdogan gezwungen, sich zu entschuldigen?

    Der russische Präsident, Wladimir Putin, hat von seinem türkischen Kollegen Erdogan ein persönliches Schreiben anlässlich des Abschusses der Su-24 und der Tötung des Piloten bekommen.
    Man kann vermuten, dass Erdogan die akkuraten Formulierungen verwendete, die Russland erlauben, den Text wie eine offizielle Entschuldigung wahrzunehmen und ihm zu ermöglichen, das Gesicht vor der türkischen Öffentlichkeit nicht zu verlieren und ein starker Führer zu bleiben.

    Ich denke, die weitere Entwicklung der Ereignisse wird von der Genauigkeit der Diplomaten abhängen, die am Prozess der Normalisierung der Beziehungen arbeiten werden. Ein beliebiger unvorsichtiger Schritt, einschließlich in der informativen Sphäre, kann den nur geplanten Fortschritt abreißen. Man hörte, Putin wolle Erdogan anrufen.

    Aber warum hat der türkische Führer, der lange Zeit auf der Absicht beharrte, keine Zugeständnisse zu machen, doch gegenüber Russland den ersten Schritt gemacht?

    Ich denke nicht, dass der Prozess der Regelung einfach wird. Es wird davon abhängen, inwiefern operativ und inhaltsreich die Türkei operativ und inhaltsreich bereit ist, die russischen politischen Interessen zu befriedigen. Für alle ist absolut klar, dass sich Erdogan in einer kritischen Situation befunden hat, die nicht nur die Regierung, sondern auch die Zukunft der Türkei betraf. Und die Rede ist hier nicht nur von dem abgeschossenen russischen Flugzeug und den Handlungen der Türkei im Nahen Osten, insbesondere im syrischen Konflikt. Erdogan hat einen Kardinalfehler zugelassen, er hat auf die falsche Karte gesetzt. Dabei beabsichtigte er große Dividenden zu erzielen, bekam aber nur die größten Unannehmlichkeiten und stellte die Existenz der türkischen Staatlichkeit in Frage.

    Ich denke, dass das Schreiben Erdogans eine operative Reaktion auf einen Fehler des britischen Ministerpräsidenten Cameron war. Letzterer hatte seinen Wählern für den Sieg bei den Wahlen das Referendum zum Austritt aus der EU versprochen, damit rechnend, die Staatsangehörigen Ihrer Majestät davon überzeugen zu können, für die Erhaltung der formalen Beziehungen zur Europäischen Union zu stimmen. Er hat sich geirrt.

    Eine Folge wurde nicht nur die Erklärung über den Rücktritt des britischen Ministerpräsidenten. Die Entscheidung des Referendums hat auch eine ernste Krise in der Europäischen Union hervorgerufen. In den nächsten Monaten und Jahren wird die EU mit den Versuchen beschäftigt sein, die Folgen des britischen Austritts zu minimieren und, die Einheit zu bewahren. Und das wird nicht einfach werden.
    Mit Großbritannien gehen 13 % des Budgets der EU weg. Dieses Geld muss man erst einmal irgendwie kompensieren. Die Möglichkeiten des Hauptspenders der Europäischen Union, Deutschland, sind angespannt. Das bedeutet, man muss die Programme der Unterstützung der Peripherie der EU (Süd- und Osteuropas) reduzieren. Das wird seinerseits zu einem raschen Anwachsen der euroskeptischen Stimmungen in den entsprechenden Ländern führen. Und für eine Umwidmung des Geldes für Flüchtlingsprogramme wird der Haushalt nicht reichen. Das heißt, der Europäischen Union steht bevor, mit der Gefahr „des Domino-Effektes“, hervorgerufen von der britischen Demarche, zu kämpfen.

    Inzwischen wollte Erdogan, dass die Türkei unter Ausnutzung der europäischen Abhängigkeit in der Frage der Flüchtlinge, die Kosten der russischen Sanktionen minimiert. Grob gesagt, sollte das europäische Geld für die Flüchtlinge die Verluste vom Bruch der Wirtschaftsbeziehungen mit Russland kompensieren. Diese Hoffnungen und Pläne wurden nicht realisiert.
    Die EU hat andere Probleme und das Geld wird in nächster Zukunft knapp werden. Und wer ist im auseinander laufenden Europa überhaupt noch der Partner?

    Man kann über Erdogan denken was man will, aber er hat augenblicklich reagiert. Unter diesen Umständen ist nicht nur für die Türkei, sondern auch für die EU die Wiederherstellung der normalen handels-ökonomischen und politischen Beziehungen mit Russland die einzige Rettung. Und Derjenige, der sich mit Moskau als Erster vereinbaren wird, kann bestimmte Vorteile für sich beanspruchen.
    Wir werden die Ereignisse nicht vorwegnehmen. Die Normalisierung der Beziehungen mit Ankara kann kommen (und wird es wohl auch), aber der Prozess wird aller Wahrscheinlichkeit nach langwierig und kompliziert werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auf uns noch einige Überraschungen warten.

    Nichtsdestoweniger werden wir nicht vergessen, dass Erdogan ein charismatischer Führer ist, der über große Vollmachten verfügt und in der Annahme operativer Lösungen wesentlich freier ist als die von ewigen Widersprüchen zerrissene Europäische Union. In der EU erfordert jede seriöse Entscheidung den Konsens der Staaten mit ihren oft diametral entgegen gesetzten außenpolitischen Konzeptionen. Weil bei den günstigen Bedingungen die türkische Richtung die schnelleren und wirksameren Lösungen als die europäische verspricht, in der man erst den Widerstand der proamerikanischen russophoben Limitrophe in Verbindung mit der Eurobürokratie überwinden muss.
    Dabei ist es nötig zu verstehen, dass der Türke eher an der Rückführung der türkischen Produkte auf die russischen Märkte und der russischen Touristen an die türkischen Strände interessiert ist und die Interessen Moskaus vorzugsweise eine politisch-diplomatische Komponente haben.
    Insbesondere ist Russland an der Veränderung der türkischen Position in der syrischen Frage interessiert, wobei es sich nicht nur um die Unterbrechung des Handels mit dem Erdöl mit IS handelt. Für Moskau wäre es viel interessanter, den türkischen Einfluss auf die Kämpfer in Nordsyrien, unter anderem nördlich des Bezirkes Aleppo, zu senken, damit dort die Kriegsoperationen gegen Assad eingestellt werden, sie ihn als gesetzlichen Chef Syriens anerkennen und den Prozess der Wiedereingliederung in die syrische Gesellschaft beginnen. Wenn sie die türkische Unterstützung verloren haben, werden sie gezwungen sein, ernste Zugeständnisse zu machen und die syrische Macht, die dann an der Nordfront fertig wäre, könnte endlich die Kräfte gegen den IS und andere Terroristen in den Bezirken Damaskus, Hamas und im Süden Syriens konzentrieren.

    Russland ist auch an der allgemeinen türkisch-syrischen Position in der äußerst komplizierten kurdischen Frage interessiert. Wenn es durch Vermittlung Moskaus gelingen würde, einen dreiseitigen Kompromiss zu erreichen (Ankara-Damaskus-Kurden), würde das die russischen Positionen auf dem ganzen Nahen Osten deutlich verbessern.

    Ankara hat Einfluß auf die Krimtataren sowie auf die Situation in Transkaukasien und im kleineren Maß in Mittelasien. Sogar das einfache Beenden der türkischen Gegenwirkung gegen die russische Politik in diesen Regionen wird die Stabilität festigen und wird die mangelnden russischen Ressourcen für die Konzentration auf andere Richtungen der globalen Politik freimachen.

    Die Türkei ist ein aktiver Spieler auf dem Balkan. Die Koordination ihrer Handlungen mit Russland wird Moskau auch gestatten, die Positionen in der Region zu festigen, aus der es in den letzten Jahrzehnten durch die EU und die USA herausgepresst wurde.

    Und endlich kann man zu den Bauentwürfen der Gasleitungen durch das türkische Territorium zurückkehren. Sogar der einfache Beginn der Verhandlungen über die Erneuerung des Projektes „Südstrom“ würde die Positionen Russlands in den Verhandlungen nicht nur beim
    „Nordstrom – 2“, sondern auch während der langfristigen Zusammenarbeit in der Gassphäre verstärken.
    Und das sind nur die offensichtlichen politischen Vorteile der Normalisierung. Letzten Endes wird die Qualität des Ergebnisses davon abhängen, ob Erdogan nur taktisch manövriert oder auch die Vorteile erkennt.
    Und die Erweiterung der Geografie der Sommererholung der Russen, wird die Krim- und kaukasischen Kurorte nebenbei aktiv zwingen, die Preise zu verringern und den Service zu verbessern. Das wird ein angenehmer Bonus zu den unmerklichen aber wichtigen politischen Lösungen sein.

    Am 29.06. telefonierten die beiden Staatschefs. Im Ergebnis vereinbarten sie die Wiederaufnahme der Beziehungen und einpersönliches Treffen, sowie das Ende der Tourismusbeschränkungen.
    Das ist eine Zusammenfassung aus russischen Blogs (u.a. 2x R.I.)

  4. kein Plan sagt:

    @T.Roth

    Genau darum geht es :
    „Und endlich kann man zu den Bauentwürfen der Gasleitungen durch das türkische Territorium zurückkehren. Sogar der einfache Beginn der Verhandlungen über die Erneuerung des Projektes „Südstrom“ würde die Positionen Russlands in den Verhandlungen nicht nur beim
    „Nordstrom – 2“, sondern auch während der langfristigen Zusammenarbeit in der Gassphäre verstärken.“

    Die EU wird Nordstrom 2 Boykottieren wo es geht und das mit Ansage.

    @Analitik

    Danke für den Aufschlussreichen Artikel!Der geht runter wie Öl

    • Matthias sagt:

      „Die EU wird Nordstrom 2 Boykottieren wo es geht und das mit Ansage.“

      Das halte ich für unwahrscheinlich und das bisherige Verhalten der EU zeigt dafür auch keine Hinweise. Besonders für Deutschland hat Northstream 2 schlagende Vorteile:
      – eine direkte Verbindung zum Lieferanten, nicht über Drittstaaten. Somit keine Durchleitungsgebühren, keine Gasklau wie immer wieder in der Ukraine, auch Sabotage ist bei einer Leitung auf dem Meeresgrund relativ schwierig.
      – Deutschland wird zum bedeutenden Verteilerland, das immer mitkassiert und bei Bedarf andere erpressen kann.
      – auch für Deutschlands Nachbarstaaten – Niederlande, Frankreich, Österreich, … bedeutet Northstream 2 eine langfristig sichere Gasversorgung.
      – eine Leitung über die Türkei und den Balkan ist einfach keine Alternative: viel zu viele beteiligte Staaten, davon einige, die nicht besonders politisch stabil sind (was würde bei einem islamistischen Staatsstreich in der Türkei wohl passieren?). Der Bau würde viel länger dauern: Für den Bau würde eine neue Trasse erst schlossen werden, während für Northstream 2 nur zusätzliche Röhren neben den vorhandenen verlegt werden.

      Daher haben signifikante Teile der EU ein großes Interesse an dieser Pipeline. Sie zu sabotieren würde die Energiesicherheit massiv verschlechtern. Es sind eher die USA, die ein Interesse an Sabotage haben.

      • Hans aus Olb sagt:

        Bezüglich Northstream sehe ich ebenso kaum eine Möglichkeit, wie die EU das rechtlich sauber verhindern will.

        Man bedenke: Es sind Privatunternehmen, die eigenverantlich die Pipeline bauen. Baurecht besteht und ist gesichert bereits mit NS 1.
        Die Leitung führt durch internationales Gebiet, berührt das Gebiet der EU erst in Dtschl.

        Erst dort kann die EU mit ihren Maßgaben eingreifen -die vor allem darin bestehen, das Betreiber und Lieferant getrennte Unternehmen sind usw. Das ist dann einfach zu gewährleisten durch das Konsortium.

        Man könnte mit schmutzigsten Tricks die NS II boykottieren. Aber das wäre ein verheerendes Signal in Richtung Investitionssicherheit. Das traut man sich wahrscheinlich dann doch nicht.

  5. Roland K. sagt:

    Hochinteressante Zusammenfassung, auf die ein „Normalbürger“ wie ich sonst gar nicht kommen könnte. Meinen herzlichen Dank dafür – übrigens auch für den Kommentar von Herrn Roth, sehr aufschlussreich.

    Ohne das alles würde ich ziemlich blind und doof bleiben.

  6. ansa sagt:

    vielen Dank Analitik und Hr Roth für diese interessanten Gedanken!
    Aufgrund der historischen Kriege zwischen dem Osmanischen Reich und Russland und der damit einhergehenden Gebietsverluste des Osmanischen Reiches an Russland,stelle ich mir eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der beiden schwierig vor u.a wegen Armenien.

  7. Thomas Roth sagt:

    Mal noch eine andere Sicht, in der EU keine Rolle spielt:

    Ich weiß, dass es zu Putins Eigenheiten gehört, bei der Vorbereitung wichtiger Entscheidungen immer den ersten Vorschlag gegenseitig vorteilhaft auszuarbeiten. Der zweite und der dritte Vorschlag sowieso werden für die Gegenseite deutlich schlechter. Den Vorschlag bezüglich der Gasversorgung der türkei und des Mittelmeerraumes hat Erdogan verquatscht. Man könnte daraus ableiten, dass die reale Strafe für die Türkei genau darauf fußt. Um das Problem zu lösen, mußten die Russen mehr als ein Jahr daran arbeiten.

    Es ist nicht wichtig, was der Spießbürger auf dem Sofa denkt und wünscht, wichtig ist nur, was das tausendjährige Russland für seine Entwicklung und sein Gedeihen in weiteren Jahrtausenden braucht!
    In der realen großen Politik hat auch niemand den Brief mit den Entschuldigungen nötig. Genauso wenig wie auch die Kopeken der Kompensation für den Tod des Piloten und den Verlust des Flugzeuges. Das ist alles nur Geplauder für die Massenmedien. Die reale Strafe für die Türkei besteht in etwas ganz anderem:
    – Sie wird das Gas von Russland und nur von ihm bekommen. Und alles andere ist unbedeutend, der „Blaue Strom“, der „Südstrom“ oder der „Jüdische Strom“ von Leviathan (Seeungeheuer der jüdisch-christlichen Mythologie). Und das ganz klar zu den russischen Bedingungen:
    – Für Russland ist es notwendig, dass im Süden ein gewisses Gleichgewicht zwischen der Türkei einerseits und Persien andererseits existiert.
    – Russland braucht die sunnitischen Gasleitungen aus Katar in den Mittelmeerraum durch das Territorium Syriens überhaupt nicht.
    – Russland braucht auch die schiitischen Gasleitungen aus Persien in den Mittelmeerraum durch das Territorium Syriens nicht.
    – für Russland sind auch die jüdischen Gasleitungen uninteressant.
    – denn Russland ist es, dass selbst in den Süden Syriens – selbst auf die Golan-Höhen – wenn es notwendig ist und die Juden es brauchen – das Gas von Gazprom aus seinem Vorkommen Leviathan in der Nähe von Zypern liefern würde.
    – Russland ist es, dass im Westen Syriens Schiffe und Flugzeuge stationiert hat, die die Gasvorkommen Israels schützen werden, da sie von Israel schon an Gazprom verkauft wurden, aber alle denken, dass das Gas noch jüdisch ist.
    – für Russland ist es notwendig, dass im Osten Syriens eine Zone mit „wilden tapotschniki“ entsteht, mit denen keiner sprechen darf (Türkei), damit sie das Gas und das Erdöl aus dem Westen Syriens kaufen müssen (es wird angenommen, dass rund um Palmira schon alles gesäubert ist, um dort russische Transporte fahren zu lassen). Die Tapotschniki bilden eine perfekte Sperrlinie.
    – für Russland ist es wichtig, dass sich Erdogan bewußt ist, dass das jüdische Gas ihm nur über Gazprom verkauft werden kann, dass das syrische Gas ihm nur über Gazprom verkauft werden kann, dass ihm überhaupt alles Gas nur über Gazprom verkauft wird und in nächster Zukunft wird das auch so bleiben, auch mit dem katarischen Gas. Selbst die Tankschiffe mit Flüssiggas aus Katar und Amerika werden bei ihm niemals ankommen, weil sie schon vorher von den Chinesen weggekauft wurden.

    Und wenn er sich all dessen bewußt ist und die richtigen Schlussfolgerungen zieht, dann wird er sich möglicherweise in den Händen der wilden Kurden und Perser wiederfinden, die bis jetzt noch bereit sind, mit der ganzen Welt – über Gazprom – zu handeln. Und solange – bis sie alle bereit sind – wird es dort nicht anders aussehen als bei jeder anderen Behandlung von Hochmut. Der wird immer am besten durch eine Hungerkur behandelt. Wobei das nicht nur Erdogan betrifft. In diesem Sinn meine ich, dass das auch die Juden betrifft und dass der Türke, der Araber, der Perser alle sehr schnell verstehen werden und dass gerade deshalb Israel im nächsten halben Jahrhundert dort der russische Hauptvorposten sein wird und niemand anderer.

    Im Allgemeinen, ich weiß nicht, wie es betreffs der türkischen Strände, des dortigen Gemüses oder der Früchte ist, weil das wirklich völlig unwichtig ist. Aber ich weiß, dass der „Türkische Strom“ immerhin ganz und gar nicht zu jenen Bedingungen fließen wird, über die man gewagt hat, zu debattieren, anstatt sofort gut zu überlegen und den ersten Vorschlag anzunehmen.
    Im übrigen, diese Strandsaison hat Erdogan aller Wahrscheinlichkeit nach schon verschwendet. Die laufenden Schäden sind bis Ende Juni schon auf etwa 15 Milliarden Dollar aufgelaufen und es werden noch mehr werden. Jetzt zur Erholung in die Türkei zu fahren ist Selbstmord, weil sie von Islamisten überfüllt ist, die noch nicht nach Europa abgefahren sind.
    Alles was im Nahen Osten geschieht, fußt auf Öl und Gas. Einverstanden? Und Russland hat gewonnen!

    • ansa sagt:

      darum wurde die Vollmitgliedschaft des Iran in die SOZ verschoben….ist der russische Preis Konstantinopel?

    • Frank Walle sagt:

      Applaus: Genauso sehe ich es schon von Anfang an. Das wichtige Aktuelle beruht immer auch in den Zielen für kommende Dekaden. Statt westliche Planunsicherheit und Chaosphilosophie ernsthaftige Fleißarbeit auf ortodox.

  8. SecurityScout sagt:

    Danke, sehr guter Bericht!

    Fragt sich, wie sich das auf die Situation in Deutschland auswirkt.
    WANN wird man die Invasoren aka Flüchtlinge wieder zurück schicken???

    • Ein Sheeple sagt:

      Gar nicht. Sie werden assimiliert werden. Genauso wie die Hugenotten damals und genauso wie die Gastzarbeiter gestern und vorgestern.

      seit dem entstehen der „Deutschen Frage“ ist die deutsche Kultur zu einer sehr assimilierungsfähigen geworden. Die Frage wurde erst vor 26 Jahren beantwortet und die Kulturellen Nachwirkungen werden noch mindestens 40 bis 50 Jahre nachhallen, also etwas zwei drei Generationen, so das wir in dieser Zeit immer noch Fremde ausnehmen und problemlos assimilieren können. Davon ab wird das Internet sooderso eine gewisse Art der Transzendenz herstellen, so das eine scharfe kulturelle Abgrenzung wie früher gar nicht mehr möglich ist. Davon ab ist die Menschliche Art mittlerweile technisch so weit entwickelt das Traditionen nicht mehr so regional notwendig sind um das die Gruppe/Völker überleben können. Damit wird automatisch eine Vereinheitlichung der Kulturen über die Zeit stattfinden.

  9. kranich05 sagt:

    Ich habe die Analyse (und die Ergänzungsanalyse von Thomas Roth) damals bei Erscheinen gelesen und fand sie gut.
    Ich lese sie heute wieder und finde sie noch besser.
    Wirklich großes Dankeschön.
    Ich werde dies auch auf mir zugänglichen Webseiten, opablog und Berliner Freidenker http://www.berlin.freidenker.org/?p=2457 verbreiten.

  10. Christoph Stein sagt:

    Wie passt der Putsch ins Bild?

    • Analitik sagt:

      Die USA sind offiziell kein Freund der Türkei mehr.

      • Ein Sheeple sagt:

        War der Putsch nur eine US LIHOP? Oder hatten sie schlicht keine Zeit mehr eine richtige MIHOP oder mehr zu organisieren?

        In dem Sinne frage ich mich: was waren die Gezi Proteste? An eine Farbe will ich nicht glauben. Damals war noch nicht abzusehen das die Türkei mal so Richtung Russland driften würde oder?

      • Ein Sheeple sagt:

        Nachtrag:

        http://www.debka.com/article/25560/Erdogan-locks-US-airmen-nuclear-arms-in-Incirlik

        Ja…das die USA keine „Freunde“ mehr sind kann man sehen…Erdogan sollte vorsichtig sein wa er da tut…das kann böse Reaktionen hervrufen. Besonders das einhellige SCHWEIGEN der US Administration würde mir als Staatschef große Sorgen machen.

        • Analitik sagt:

          Nicht umsonst führt er gerade radikale Säuberungen durch. Die US-Netzwerke werden gerade brutal abgeholzt.

          • Ein Sheeple sagt:

            Wird ihm aber im Ernstfall nicht helfen. Ein Forent in einem anderen forum mutmaßte bereits das Erdogan bzw. die Türkei zum Abschuß freigegeben seien und es gibt andere Analysen die nahelegen das nicht nur Syriens Staatsgebiet zur Disposition steht.

            Wenn diese These alle so stimmen, und danach sieht es mom tatsächlcih aus, bin mal ernsthaft gespannt was die US Chaos Fraktion nun tun will.
            Die Türken aus der Nato schmeißen? Putin würde wahrscheinlich einen Lachanfall bekommen von dem er sich Wochenlang nicht erholen würde.

            Den IS in die Türkei marschieren lassen? Der Türkische Staat ist trotz aller Querelen und Säuberungen immer noch stark und stabil. Und mit dem derzeitigen jetzt entstehenden System wäre es dem MIT ein leichtes den IS aus zu räuchern wenn sie es wollten.

            Wenn die Bruchlinie da wirklich langläuft ist die US Unterstützung für die Kurden pures Gift und würde der Türkei im Endeffekt eine Freikarte für Syrien liefern. Denn Russland würde sich demnach nicht entgegenstellen.

            • Analitik sagt:

              Erdogan hat gerade einen Putsch überstanden. Können Sie erläutern, was Ihrer Meinung nach den Ernstfall darstellt? Was kann die US Chaos Fraktion gerade tun?

              Dass das türkische Staatsgebiet zur Disposition steht, haben die USA 2006 öffentlich verkündet. Das ist also weder neu noch ein Geheimnis. Und der neue Deal Erdogans mit Russland sieht vor, dass diese Bedrohung mit Russlands Beistand abgewehrt wird. In dieser Angelegenheit hat die Türkei seit zwei Wochen eine starke Verbesserung ihrer Lage zu vermelden. Der gescheiterte Putsch wirkt als Befreiungsschlag; bei vielen Fragen, auch bei der Kurdenfrage.

              • Ein Sheeple sagt:

                Die Geiselhaft der Airbase ist ein derart grober Affron gegen den Hegemon das KEINER der US admins das vergessen wird.
                Weder die Chaoten noch die normalen Neocons.
                Die USA wird nun wohl versuchen ihre Destabilisierung der Türkei voranzutreiben, wenn das nicht funktioniert, und davon ist nach der Säuberung auszugehen, werden wir sehr bald entweder einen NATO Austritt haben oder wenn sie ganz gemein sind, wird die Türkei nicht mal aus der Nato raus geschmissen bevor Militärisch interveniert wird. Und bei aller Militärischen Stärke der Türkei, die echt nicht unerheblich ist, gegen einen All Out Angriff der USA hat auch die Türkei kein Chance. Und Russland KANN momentan noch nicht wieder voll dagegen halten. Die Armata sind noch in der Erprobung und werden wohl vor 2020 nicht in nennenswerter Zahl in Dienst gestellt. Die Marineinfanterie ist erst mit einem Bataillon fertig, einzig die Luftwaffe der Russen kann jetzt schon nenneswerten Druck aufbauen. Das andere Problem ist: Russland kann sich keinen „halben“ Krieg leisten, ein Grund warum sie ihren Syrieneinsatz zurückgefahren haben. Er ist schlicht zu teuer.
                Davon ab: Wie soll Russland erklären können einem Nato Staat beizustehen? Dazu noch gegen einen anderen Nato staat? Militärisch ist die Türkei mom auf sich alleine gestellt und das könnte der Hebel sein den die USA benutzen werden um den Bospurus zu zerkleinern. Es wird hier nicht mehr auf eine „Bestrafung“ hinauslaufen, wie in Frankreich, sondern auf eine Beseitigung.

              • Analitik sagt:

                Ok, Sie gehen von einem militärischen Angriff der USA auf die Türkei aus. Gut, stellen Sie sich vor, dass Sie die verrückten Neocons vertreten und gerade im Sicherheitsrat des Weißen Hauses vorsprechen dürfen. Sie sagen Obama, dass Erdogan unhörig geworden ist und schlagen vor, ihn mittels eines „All Out“ Kriegseinsatzes gegen die Türkei zu beseitigen, ja die Türkei als Staat zu beseitigen. Obama und seine Kollegen bitten Sie daraufhin, die Vor- und Nachteile Ihrer Idee zu erläutern, einen groben Plan des Vorgehens vorzulegen, ein Entwicklungsszenario vorzulegen (welche Kosten werden beide Seiten tragen, welche Verluste werden beide Seiten erleiden, wie werden sich die politischen Bündnisse im Laufe des Szenarios verändern, wie geht es nach dem Krieg weiter usw.). Außerdem werden Sie gebeten, mindestens zwei alternative Szenarien ohne Krieg gegen die Türkei vorzulegen, diese genauso durchzuspielen und am Vergleich der Szenarien aufzuzeigen, dass das Kriegsszenario vorteilhafter ist.

                Was antworten Sie?

                Ich kann Ihnen einige Hürden schon aufzählen. Wenn die USA einen NATO-Partner militärisch dem Erdboden gleich machen, weil er sich ungehorsam zeigt, wie reagiert der Rest der NATO darauf? Insbesondere in einer Situation, da sich viele andere NATO-Partner auch schon ungehorsam zeigen. Wenn der König psychopatisch einen Vasallen umbringt, wollen die anderen Vasallen nicht länger Vasallen dieses Königs sein. Die Beziehung zwischen König und Vasall ist doch folgende: Der Vasall dient dem König, dafür beschützt der König den Vasall gegen andere Könige und Vasallen. Wenn die USA einen NATO-Partner militärisch eliminieren, verlieren Sie den Rest der NATO, d.h. sie verlieren Europa. Das ist aber gerade das, was die USA gerade zu verhindern versuchen. Auch die verrückten Neocons wollen das verhindern. Die versuchen ja mit TTIP und CETA Europa an sich zu fesseln. Wenn die USA militärisch in Europa herumwütet, und zwar als Kriegsbeginner, ist Europa definitiv weg unter dem Schirm der USA. Die einzige Zuflucht ist dann Russland. Das ist eine geopolitische Katatrophe. Ist die Türkei es etwa wert, dass die USA alles verlieren, wonach sie streben?

                So läuft das nicht. Die Neocons sind verrückt, aber im Sinne von „grausam“, nicht im Sinne von „blöd“. Die Kosten-Nutzen-Rechnung Ihres Vorschlages ist äußerst schlecht für die USA. Die Idee widerspricht der US-Strategie, sie widerspricht dem bisherigen US-Vorgehen. Die USA lassen andere sich gegenseitig angreifen, stiften dazu an, warten ab, bis sich andere halbtot bekriegt haben und erscheinen dann als Retter auf der Bühne. Das haben die USA zwei mal gemacht, beim Ersten und beim Zweiten Weltkrieg. Damit sind sie Welthegemon geworden. Dieses Vorgehen hat eine wunderbare Kosten-Nutzen-Rechnung. Genau das versuchen die USA auch wieder. Sie stoßen Europa und Russland mittels Ukraine und Syrien gegeneinander. Sie stoßen Türkei und Russland gegeneinander. Sie stoßen im Nahen Osten jeden gegen jeden. Sie stoßen Ukraine, Kasachstan, Weissrussland, Aserbaidschan, Georgien gegen Russland. Sie stoßen Philippinen, Japan, Malaysia und viele andere Asien-Staaten gegen China. Überall versuchen die USA, irgendwen gegeneinander zu stoßen, damit ein großer Konflikt entbrennt. Das ist ihre Strategie, teile und herrsche. Selbst wenn die USA farbige Revolutionen, Putsche, Bürgerkriege anzetteln, um Regierungen zu stürzen, halten sie sich an ihre Strategie. Sie züchten eine Opposition hoch und lassen einen Kampf zwischen Opposition und Regierung entbrennen. Teile und Herrsche. Das ist etwas anderes als „Wir vernichten mit _unserem Militär_ alle, die uns widersprechen“.

              • Ein Sheeple sagt:

                Propagandistisch kommt da noch ne ganz andere Volte auf uns zu dazu aber heute abend mehr

              • Ein Sheeple sagt:

                So ich hab endlich Feierabend und kann nun den Frühstücksschnellschuss konkretisieren.

                Also erstmal muss ich mich entschuldigen weil ich hier wieder von einem Haufen Sachen ausgegangen bin die sie so eventuell nicht teilen.

                dazu einige Grundlagen meiner Überlegungen:
                Geopolitisch:
                mackinders Heartland Theorie.
                ich glaube das viele der Strategischen Entscheidungen der US Strategen der letzten 70 Jahre auf dieser Grundlage basieren.

                und dann dazu ein Buch:
                Zbigniew Brzezinski – Die einzige Weltmacht.

                Hier wird sehr gut und detailliert beschrieben wie die USA ihr Vormachtstellung aufgebaut, ausgebaut und bis heute benutzt haben.

                Wenn auch viele der Schlussfolgerungen aus Sicht der neocons erfolgen. Sie geben sehr gute Einblicke in das Denken und handeln der US Administration. Gerade was den Nahen Osten angeht könnte man dieses Buch schon fast prophetisch nennen. Auch wenn der Autor völlig anderes ausdrücken wollte.

                Nimmt man nun die aktuellen Ereignisse zur Hand und vergleicht sie mit den Vorhersagen des Buches fällt einem Auf das die US Administration tatsächlich versucht hat das so umzusetzen. die betonung liegt hier auf „versucht“ den seit dem 11.9 ist eine Clique an den Hebeln gewesen die nicht wirklich verstanden hatte was sie da tat und sich teilweise auf Leute gestützt hat die schlicht Scharlatane waren. Dies gilt ganz besonders für den Irak. Mit der Wahl von Obama ist dann auch noch ein Cliquenfremder an die Macht gekommen, der seit dem auf integrante weise versucht wird zu bekämpfen. Sehr schön an den E-mails zu sehen die sie in ihren letzten Artikel geschrieben haben „Den Eliten über die Schultern schauen“. Das hat zu einer Spaltung der US administration geführt die sich quasi in „normale“ Neocons und „Chaosfraktion“ aufteilt.

                Albrights Satz ist zwar so nie gefallen aber es gibt viele Hinweise gerade aus der Jelzin ära das die US Eliten durchaus immer noch vorhaben Russland zu Fall zu bringen und in das Imperium zu integrieren. Hier habe ich allerdings Informationen aus erste Hand aus dem Ölsektor, einer Meiner Bekannten hat damals dort für Exxonmobile mit verhandelt und sie mussten mit der Machtergreifung Putins unverrichteter Dinger wieder abziehen. Nicht ohne vorher per Headhunter fast alle russischen Explorationsexperten in den Westen zu locken.

                Zum Krieg gegen die Türkei:
                Es wird selbstverständlich NIEMAND zum PotUS gehen und sagen „Jo Digger, der Erdi, der olle Ziegenficker, hat aufgemuckt, der braucht mal die Fresse dick, schick mal Drohnen rüber“
                Viele der Chaos frakztion sind in Beratender Funktion und nur teilweise direkt in der kommandostruktur wie Breedlove. sie werden also koordiniert und teilweise und falschen Tatsachenbehauptungen dinge „empfehlen“ die ihre eigenen Agenda stützen. und das wird über kurz oder lang zum Krieg mit der Türkei führen.
                Eine Hillary als PotUS wird es zwar massiv erleichtern aber auch iunter Trump kann es durchaus passieren. Unter Obama wird genau gar nichts passieren, selbst wenn er JETZT SOFORT alle Hebel in Bewegung setzen würde, wären die ersten Kampfhandlung erst nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus.

                Dazu haben wir mit Erdogan bzw der Türkei einen Schlüsselpunkt der sich seiner Rolle und Stellung nicht wirklich bewusst ist. Auch das haben sie selber sehr gut herausgearbeitet in „Erdogans Kniefall“. Dazu muss man wissen das Erdogan „eigentlich“ ein Klerikalfaschist ersten Grades ist der seit Jahren von diesem Neoosmanischen Reich träumt.

                Ich teile übrigens Thomas Roths „non eu einschätzung“ „fast“ vollständig. ich denke zwar nicht das Russland Mafiagleich solche Gasvorschläge macht aber das sie sehr genau beobachten und eben konsequent in ihren Handlungen sind.

                So nun zur aktuellen Situation:

                Was wir hier haben und ihnen vielleicht noch nicht bewusst ist ist ein geopolitischer Seitenwechsel bzw. „Verrat“ der Türkei an den USA bzw. der Nato.
                Und zwar nicht das übliche rumgepolter eines Alpha Proleten der Erdogan nun mal ist sondern eine offensichtliche Strategische Neuausrichtung der Türkei gen Russland. Die Gründe können viele sein und ich „vermute“ das der Gasdeal einer davon ist.

                Der zweite ist:

                Der türkische Wahn tatsächlich Unabhängig zu sein.
                Dieser Wahn ist in der Türkei deswegen entstanden weil man sie groß teils gewähren ließ, nicht erst seit 2011, sondern schon immer, schlicht weil sie strategisch zu wichtig ist und das was sie bisher tat, der US Administration genauer der Chaosfraktion geholfen hat. dazu ist die Türkei ein Nato Grenzland das dazu noch über die größte Natoarmee außerhalb der USA verfügt.

                Höhepunkt dieses Wahns war der Abschuss der russischen Maschine und das Kalkül mithilfe der Nato Russland aus Syrien zu verdrängen um dort selber einzumarschieren. Die Soldaten standen bereit. und beim erstem mal hat sich der Generalstab schlicht geweigert. Zu einem zweiten mal kam es nicht mehr.
                denn es wurde offensichtlich das Erdogan die Nato und auch die EU benutzen wollte.
                Etwas das sich die USA aber nicht im geringsten gefallen lassen.

                Es gibt nur einen(!) der die Nato benutzt und das ist der Hegemon selber.

                Folgerichtig wurde sogar ganz offiziell der Türkei mitgeteilt das die Nato den Bündnisfall NICHT wird ausrufen wird wenn Russland bei weiteren Provokationen beschließt einen Krieg gegen die Türkei zu führen.

                An genau diesem Punkt waren die Pläne Erdogans für ein Neoosmanischen Reich gestorben. den Erdogan war sich sehr genau bewusst das Russland trotz der Türkischen Militär stärke, mit ihm den Boden aufwischen würde und binnen Monatsfrist in Ankara vor dem Palast stehen würde.

                Ab hier begann die von ihnen beschriebene Neuausrichtung. Allerdings immer noch unter dem Wahn tatsächlich unabhängig zu sein.

                Der Putsch als solches war dilletantisch, warum und wieso ist müßig. Ich denke das ein großer teil die Eile war in der man handeln musste, die stay behind strukturen waren stark angegriffen und konnten sich ohnehin nicht frei bewegen und eine Kaltstellung, allerdings weniger tödlich wie die jetzige, war ja geplant.
                Aber es war sehr interessant zu sehen wie Erdogan gleich nicht nur auf Gülen, sondern besonders auf die USA zeigte. Er also einen Bündnispartner verdächtigte einen Regime Change herbeiführen zu wollen.
                Ob LIHOP, MIHOP oder tatsächlich unabhängig ist völlig egal.
                Ein derartiger Vorwurf, einmal ausgesprochen, ist erst mal nur gerumpel. verbunden mit der Geiselnahme des Airbase aber eine diplomatische Supernova.
                Er hat damit nicht nur gesagt das er die USA verdächtigt, sondern MEINT das auch so. Und mit der Kaltstellung von Ircilik sichergestellt das die USA kurzfristig nicht reagieren können.

                Frankreich ist zwar auch ein schwieriger Verbündeter wurde aber schon für WEIT weniger abgestraft. DAS hier ist eine VÖLLIG andere Hausnummer.

                Verbunden mit der Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zu Russland und Israel (die btw. ebenfalls mittlerweile sehr enge militärische (gemeinsame Übungen) und diplomatische Beziehungen pflegen (symbolische Rückgabe eines Panzers)) wird den Chaoten in WA langsam klar das die Türkei nicht einfach nur rumrandaliert sondern ernsthaft glaubt eigene Interessen verfolgen zu dürfen.

                Die Einforderung der Bündnisstreue (2% BIP) und dem Schauplatz Polen/Ukraine wurde schon vorher langsam begonnen eine Neugewichtung der Natopartner vorzunehmen, allerdings nicht gerechnet wurde damit das die Türkei zum Verräter wird.
                Man wollte sie abstrafen mit Problemen im eigenen Land und dadurch eine erhöhte Abhängigkeit von der Nato und der EU (Visum Flüchtlingsdeal etc. da wäre noch mehr gekommen) erzwingen um sie so wieder besser zur Räson zu bringen. Die Kurden wären dafür Ideal geeignet gewesen. Deswegen auch die US Unterstützung in Rojava. Man wollte die Kurden zur einer überlebensfähigen Guerilla armee aufbauen die durch die PKK dann von selber gegen die Gräulen im Südtaurus vorgegangen wäre.
                Das hätte alles auch wunderbar gepasst solange Russland und die Türkei nicht ernsthaft zusammenarbeiten(Teile und herrsche) jetzt aber ist durch die Türkei eine Behinderung der Russischen Operationen nicht mehr zu erwarten. Was die strategische Lage völlig ändert. Wenn Russland es jetzt ernsthaft schafft das die Türkei den IS fallen lässt und Assad als Interims Präsidenten bis zum Ende der Kampfhandlungen akzeptiert, droht ein wichtiger Teil der Chaoten Strategie komplett negiert zu werden. Nämlich mit dem Türken-Kurden Konflikt und dem IS zwei permanenten Unruheherde dort zu haben. das würde über kurz oder lang die gesamte Vormachtstellung der USA dort kippen lassen. Der Iran hat sich massiv behaupten können und entwickelt sich dank diverser Glücksfälle gerade zu einer ernstzunehmenden Regionalmacht. Der Iran, ebenfalls ein Russland verbündeter könnte mit der Türkei und Israel dort tatsächlich für Ruhe sorgen und somit den Geo-strategischen Plan des „Ring aus Feuer“ um Russland durchbrechen.
                Das KSA hat gerüchteweise schon jetzt Pläne für eine Exilierung der Al-Saud in der Schublade (Quelle weiß ich mom nicht, aber auch diese Quelle spekuliert) Was den Wahabismus abklingen lassen würde, eine der Hauptquellen für den ganzen Religionswahn in der Region zur Zeit und damit auch dem IS und dem Sunna-Shia Konflikt in der Region.

                Der komplette Nahe Osten würde also in den nächsten 50 Jahren abkühlen und, ohne US Einfluß, anfangen seine ressourcenbasierte Stärke geopolitisch einsetzen. (Ölembargo…erinnert sich noch wer daran?)
                Zwar gibt es genug andere Ölquellen und Peak Öl gab es auch nie, allerdings geht mit der Diversität der Versorgungs routen (Südamerika, Südchinesisches Meer, Russland) ein Faktor, wenn nicht DER Faktor der US Hegemonie verlustigt. da die Ölversorgung maßgeblich über wohl und Wehen der US Vasallen bestimmt.

                Dazu die „Neo Seidenstraße“ die den Welthandel „KOMPLETT“ dem US Einfluss entziehen könnte.

                Das Schweigen der US Eliten bedeutet nichts weiter als das ihnen das alles bereits klar war aber sie FEST mit einer Nato Türkei gerechnet haben.

                ab hier spinne ich den Faden auf der Basis des Vorhergegangenen mal weiter:

                Jetzt droht ihnen der komplette Kontroll-verlust im Nahen Osten…und meine Befürchtung ist das sie DAS um JEDEN PREIS IN DER WELT zu verhindern suchen. Davon ab, das der Chaosfraktion seit einiger Zeit unterstellt wird, das sie innerhalb der nächsten vier Jahre versuchen werden einen heißen Krieg direkt gegen Russland anzuzetteln, wäre es wahrscheinlich ein leichtes die Türkei gleich mit auf die Abschussliste zu setzen.

                Um das zu erreichen werden sie höchstwahrscheinlich in den nächsten Jahren anfangen eine Propagandistische Volte mit dem IS und der Türkei hinlegen und die Tatsache benennen und die Türkei als Gegner propagandistisch hochziehen.

                Angefangen haben sie bereits im Versuch die Türken abzustrafen. Waren sie das nicht der darauf hinwies mit den „Anklage“ und der Resolution?

                das wird nach Obama noch mehr werden und man könnte aus dem Genozid im Südtaunus wunderbar eine humanistische Propagandaschlacht basteln mit Hitlervergleichen die dann sogar Deutschland zum direkten Militärischen Eingreifen nötigen würden.

                Nebeneffekte für Deutschland:
                Verbunden mit unserer riesigen Minderheit (ab wann ist es eigentlich keine „Minderheit“ mehr?) würden auf Deutschland sehr interessante und blutige Zeiten zukommen. In dem Sinne ist auch hier der Versuch des Bundesregierung zu verstehen endlich Soldaten im inneren einsetzen zu können. Man WEISS um die Gefahr wenn so was passiert. Meiner Bescheidenen Meinung nach war die schlechte bis nicht vorhandenen Integration der Türken Absicht. Man WOLLTE diese Parallelgesellschaften haben. Warum? Keine Ahnung.

                Russland hat in diesem ganzen Spiel mehrere entscheidende Vorteile. Als „Herzland“ hat es Zugang zu fast allen Weltmeeren (außer indischer Ozean) und damit zugriff auf die ganze Welt.

                Es ist das einzige Land der Erde das ALLE Ressourcen in industriellem Maßstab auf dem eigenen Hochzeitsgebiet hat. Es kann also völlig unabhängig von externen Quellen seine Industrie, seine Wirtschaft und dadurch auch sein Militär Versorgen. es muss sich dadurch nicht um Beziehungen zu anderen Ländern scheren.

                Die USA sind mittlerweile militärisch massiv Überdehnt und Wirtschaftlich eigentlich bankrott.
                Die Trägerflotte, die zur Machtprojektion und damit zur Kontrolle der Weltmeere und damit des Welthandels dient, ist durch moderne Raketentechnik und strategische Atombomben, militärisch nicht der Rede wert.

                Die Seidenstraße könnte, richtig plaziert, sie auch als diplomatisches Kontrollinstrument obsolet machen.
                Damit wäre der USA fast jegliche Kontrolle über den Welthandel genommen.
                Alleine die Finanzindustrie ist dann noch durch Wallstreet, IWF und die, rein amreikanischen, Ratingagenturen, in US Hand.

                Und solange der Welt handel mit Öl in US Dollar und per Tanker stattfindet war ja auch alles gut. Doch die ersten sind ausgeschert, zu erst der Irak unter Saddam…das ergebniss kennt man. Nun versucht China mit dem AIIB und einer eigenen Rohstoffbörse den Yuan in Position zu bringen. Und sich die Ölfelder im Südchinesischen Meer zu sichern.

                Wenn JETZT auch noch die Türkei abtrünnig wird…wie gesagt ich glaube NICHT das es nur beim Abstrafen bleibt. Die USA kann es sich nicht erlauben diesen Schlüsselpunkt zu verlieren, egal was es kostet.

                Und das die USA sich mit einem Abstieg zur Regionalmacht zufrieden geben…Mir ist bisher nur England bekannt das die ohne blut und Leid im eigenen Land hinbekommen hat.

              • Analitik sagt:

                Insgesamt liegen wir mit unseren Meinungen sehr nah beeinander. Hier gehen wir unterschiedliche Wege: „Die USA kann es sich nicht erlauben diesen Schlüsselpunkt zu verlieren, egal was es kostet.“

                Das „egal was es kostet“ ist der Kasus Knacktus. Ich bleibe dabei, dass es nicht egal ist. Natürlich kann man die Türkei sehr hart bestrafen. Aber das kostet sehr viel mehr, als alternative Wege. Das ist nicht egal. Die Türkei auszuradieren, kostet der USA den Einfluss auf Europa. Die Türkei zähneknirschend ziehen zu lassen, kostet viel, aber nicht den totalen Verlust von Europa. Die Türkei auszuradieren, wäre ein Abgang mit Knalleffekt, aber dafür in die tiefsten Tiefen der Weltpolitik. Die Türkei ziehen zu lassen, ist ein Abgang ohne Knall, aber dafür mit der Möglichkeit, sich eine sehr gute Position in der neuen multipolaren Weltordnung zu sichern.

                „Und das die USA sich mit einem Abstieg zur Regionalmacht zufrieden geben…Mir ist bisher nur England bekannt das die ohne blut und Leid im eigenen Land hinbekommen hat.“

                Es hat zwei Weltkriege bedurft, um Großbritanien vom Thron des Welthegemons zu stoßen. Ohne Blut und Leid ist etwas anderes. Da ist die Sowjetunion das deutlich bessere Beispiel. Mit Blut und Leid, aber nicht annähernd im Maßstab eines Weltkrieges.

                Vom Verhaltenstypus her ist von den USA das britische Vorgehen der Verteidigung zu erwarten. Aber die _Umstände_ sind kolossal anders, geradezu gegensätzlich. Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, als GB abtreten musste, entwickelten sich Weltbevölkerung und Weltwirtschaft so rasant, wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Es öffneten sich damit gigantische neue Märkte und Möglichkeiten. Um die zu kämpfen lohnte es sich und zwei Weltkriege lang (mit kurzer Atempause dazwischen) wurde darum gekämpft. Jetzt aber stagniert die Weltbevölkerung und das Wirtschaftswachstum. Am Horizont ist nichts, worum es sich zu kämpfen lohnt. Es geht jetzt darum, die eigene gute Position zu konservieren, mit Blick auf die statischen Verhältnisse, die in ein paar Jahrzehnten anstehen. Nicht so viel an Boden verlieren wie die anderen, ist jetzt eine gute Devise. Die heutige Lage bietet keinen Nährboden für aggressives Risikoverhalten, sondern für umsichtiges Sicherheitsverhalten. Das wissen und/oder spüren auch die obersten Eliten. Viel mehr noch als wir einfachen Menschen. Deswegen bin ich guter Dinge, dass der Fall der USA ohne globale Katastrophe möglich ist. Die ganze Welt bemüht sich gerade darum, den USA bei ihrem Fall unter die Arme zu greifen und eine sanfte Landung zu ermöglichen. Natürlich können die USA durchdrehen. Selbst mit schwindender Macht können sie im Fall noch ein paar Länder totklatschen. Aber dann? Dann ist nichts mit sanfter Landung mit Hilfe der Weltgemeinschaft.

                Um den Kreis zu schließen: „Die USA kann es sich nicht erlauben diesen Schlüsselpunkt zu verlieren, egal was es kostet.“

                Einerseits ja – so wäre das in einer Situation mit einem gesunden Alpha-Männchen mit unangefochtenem Alpha-Status. Aber die USA sind nicht gesund und ihr Alpha-Status wird weltweit angefochten. Die USA können die Schlüsselpunkte nicht mehr halten. Sie verlieren sie schon jetzt am laufenden Band. Dieser Prozess hat eine nicht umkehrbare Dynamik. In den letzten Jahren demonstrieren die USA ihre Stärke nur noch in den Reden von Obama und in der Zombie-Propaganda. Unter der verbalen Hülle ist schon so viel Moder, dass es nicht mehr zu Taten reicht. Heute nicht. Und morgen erst recht nicht. Für die USA geht es jetzt darum, zu retten, was noch zu retten ist.

              • Ein Sheeple sagt:

                Mir war desweiteren die ganze Zeit nicht klar warum Russland so halbherzig in Syrien agiert wo ich doch nur den Verlust Syriens sah…aber was interessiert Russland ein kleines Land wie Syrien wenn sie die Türkei als Partner gewinnen können?

                Ich komme immer mehr zu der Überzeugung das Russland das ganze schon Jahre im Voraus geahnt hatte. und das gerade deswegen sie auch so unglaublich geduldig und beherrscht waren beim Abschuss des Jets.
                Ihnen war die Türkische Position und die Zwänge der die Türkei ausgesetzt war völlig klar.
                Und sie haben gesehen wie Erdogan die ganze Zeit an seinem Neoosmanischen Reich bastelte.
                Und sie haben die USA richtig eingeschätzt.

                Es gibt mittlerweile Gerüchte das die Türkei, wohl durch lahmlegen des eigenen Generalstabs, keine Überblick mehr über ihre eigenen maritimen Operationen hatte. Und deswegen einige Schiffe „verschwunden“ sind.
                Pikantes Detail: Die USA die wohl sehr genau wissen sollte wo sich die Schiffe aufhilten, soll nicht ein Sterbenswort gesagt haben, obwohl bekannt war das die Türkei diese Schiffe sucht.

                Ich versuche gerade das Gerücht zu verifizieren aber außer schmu finde ich nichts.

              • Analitik sagt:

                „Mir war desweiteren die ganze Zeit nicht klar warum Russland so halbherzig in Syrien agiert wo ich doch nur den Verlust Syriens sah…aber was interessiert Russland ein kleines Land wie Syrien wenn sie die Türkei als Partner gewinnen können?“

                „Halbherzig“ ist eine interessante Einschätzung. Wie kommen Sie dazu?

              • Ein Sheeple sagt:

                Die Waffenruhe an der russland mitgewirkt hat.

                Sie kam strategisch viel zu früh, genau zu dem Zeitpunkt an dem in Syrien gerade mal ein Gleichgewicht herrschte. Und genau dann ziehen sie einen großen Teil ihrer Flugzeuge wieder ab.
                Sie haben also den Konflikt quasi eingefroren und dann „offiziell“ eine Waffenruhe ausgehandelt. Hätten sie die Waffenruhe nur ein zwei Monate, ach was rede ich zwei Wochen, hinausgezögert sähe die Sache völlig anders aus. Im Hinblick auf die Türkei macht es jetzt aber völlig Sinn. Russland hat Syrien offensichtlich fast aufgegeben und den Konflikt soweit eingefroren das die Türkei immer noch ihre Optionen hat. So kann man den Türken ein Bündnis schmackhaft machen in dem man ihnen ihre Wünsche, die sie quasi selber erreichen wollten aber aus den bekannten Gründen nicht konnten, als Verhandlungsmasse anbietet. Solche Sachen kann man aber leider nicht genau timen von den volten die die andere Regierung noch im Fluss der Ereignisse vollzieht mal ganz abgesehen. Deswegen überschneiden sich auch diverse Ereignisse wie zb Davoglus Rücktritt. Aber so hat Russland für die Türkei noch alle Optionen offen und kann ihr Anbieten diese gemeinsam zu verwirklichen.
                Die Militärhilfe in Syrien ist gleichzeitig ein Einlösen der Treue Syriens gegenüber und zugleich ein Hearts und Minds Projekt zugunsten Russlands in der Region.
                (Es gibt Viedeos in denen russische Bombe bei ihren Angriffen mit Gebeten auf arabisch gesegnet werden, vom filmenden)
                Mein Respekt vor der Russischen Außenpolitik wächst mit jeden Tag. Wer immer sich das Ausdenkt, und ich bezweifele das es Putin selber ist, ist ein wahres Genie in seinem Fach.
                Naja kein Kunststück wenn man nur die Westliche Außenpolitik zum Maßstab nimmt. und ich kenne leider keine andere. ^^

              • Analitik sagt:

                Die Waffenruhe in Syrien hatte drei Ziele:
                1. Das militärische Eingreifen der Türkei, der USA oder eines anderen Akteurs auf Seiten des IS zu verhindern. Man kann so ein Eingreifen schlecht legitimieren, wenn gerade offiziell Waffenruhe ist und die UN scheinbar erfolgreich an einer politischen Lösung arbeitet.
                2. Die syrische Opposition zu spalten und diejenigen herauszustellen, die zu politischen Kompromissen bereit sind. Es gibt solche Teile der Opposition und ihnen hat man die Tür geöffnet, um gesichtswahrend und ohne unnötigen Verluste aus der Sackgasse zu entrinnen, in die sie geraten sind, als Russland sich eingemischt hat und klar wurde, dass Syrien nicht wie Libyen abgeschlachtet wird.
                3. Der angeschlagenen syrischen Armee die Möglichkeit geben sich zu regenerieren und sich auf bestimmte Frontabschnitte zu fokussieren.

                Alle drei Ziele wurden voll erreicht. Einen Teil der Flugzeuge hat Russland abgezogen, als sie nicht mehr benötigt wurden. Das wurde dann auch noch als Entgegenkommen den anderen Konfliktparteien gegenüber verkauft. Das ist auf jeder Ebene wichtig. Den Einsatz so groß wie nötig, aber so klein wie möglich zu halten, ist wirtschaftlich sinnvoll. Russland hat keinen Dollardrucker wie die USA und Russland war schon zu Beginn des Syrieneinsatzes mitten in einem Wirtschaftskrieg gegen die gesamte westliche Welt. Die Kosten nicht unnötig ausufern zu lassen ist wichtig. Und der zweite Aspekt, das Entgegenkommen, ist nicht minder wichtig, vielleicht sogar noch wichtiger, weil es in Syrien nur eine politische Lösung geben kann, an der alle umliegenden Länder und Syrien selbst beteiligt sind. Russland kann Syrien nicht dauerhaft militärisch verteidigen gegen alle Feinde Syriens. Wozu auch? Das ist teuer und ineffizient. Viel besser ist es, Syriens Feinde zu einigermaßen neutralen Nachbarn Syrien zu machen, dann entfällt die Notwendigkeit teurer militärischer Verteidigung. Der Teilabzug war ein Schritt der Deeskalation und wiederum ein Türöffner für Syriens Nachbarn und den Westen, um den Fokus wieder stärker auf politische Verhandlungen zu legen.

                Wenn Russland vor hätte, Syrien aufzugeben, hätte es sich gar nicht erst eingemischt. Syrien ist die Barriere gegen das Chaotisieren des Nahen Ostens. Aus strategischen Gründen kann es sich Russland nicht leisten, Syrien aufzugeben. Es stand auch nie zur Debatte. Das Zusammenwirken von Diplomatie und Militär, das Russland in Syrien gezeigt hat, wird in die Lehrbücher eingehen. Das war wirklich meisterlich.

                Inzwischen ist Syrien aus den Schlagzeilen verschwunden. Warum? Der heiße Informationskrieg an der Syrien-Front ist beendet. Der Kampf der IS-Koalition gegen die Russland-Koalition ist entschieden. Die „Journalisten“-Armee wird an andere Fronten geworfen, wo der Ausgang des Krieges noch nicht entschieden ist. Ich nehme an, im Westen haben nur recht wenige mitbekommen, dass die USA vor kurzem Al Nusra als Terrororganisation eingestuft haben und sich bereit erklärt haben, mit Russland den Kampf gegen Al Nusra zu koordinieren. Das ist die Unterschrift Kerrys unter die Kapitulationserklärung in der Syrien-Frage. Es ist auch ein Eingeständnis, dass die USA jahrelang Terroristen als „gemäßigte Opposition“ verkauft haben.

              • Ein Sheeple sagt:

                Hmm ihr Zirkelschluss mit der Preisfrage klingt für mich valide.

                auch die Aussicht von heute zu der Großbritanniens stimme ich zu.

                Allerdings fällt mir momentan kein Land der Weltgemeinschaft ein, außer Russland, das den USA ernsthaft und freiwillig(!) versucht hat zu helfen. Ich sehe mom nur konfrontation, meistens ausgelöst durch die strukturelle hegemonie der USA oder sogar direkt. Kurze Schlagwörter wären nett. Eine sehr interessant Option nennen sie hier.

                Die Stagnation die sie erwähnen, und die ich in ihrer Form auch teile, aber nicht in die Geopolitischen Überlegungen mit einbezogen habe, ist ebenfalls ein Punkt der mir gerade etwas klar macht.

                Kennen sie das Experiment mit den Mäusen?

                es gab mal in den siebzigern ein Experiment zur Überbevölkerung. Da hatte man Mäuse in einen riesigen Käfig gesperrt und immer für perfekte Bedingungen gesorgt. Es kam zu einer Bevölkerungsexplosion bis zur Stagnation. Am Ende waren alle Mäuse tot. Einfach so.

                Eine Stagnation der Weltbevölkerung kann ähnlich geartet sein. Demnach würde die Welt von heute an in ewiger Unruhe langsam zugrunde gehen bis alle Menschen ausgestorben sind…

                Nein das führt noch zu nichts ich muss das mit der Stagnation nochmal genauer ansehen.

                Aber wenn es darum geht sein altes Revier nicht zu verlieren warum versuchen die USA mit aller Gewalt Russland zu vernichten? An China kommen sie auch nicht vorbei? Der derzeitige Kurs der US Administration führ fast geradezu in einen direkten Krieg mit den BRICS oder Schanghaier Staaten.

                Ebenso die Konfrontation im Südchinesischen Meer. so ungerechtfertigt ich die Chinesischen Forderungen auch finde. Flugzeugträger helfen da nicht. Dieses ganze Nato gebaren ist in meinenaugen weit mehr als nur „Sicherung“ hier wird Angriff gefahren und zwar an allen Fronten.

                Ich brauche endlich Urlaub das ich mal wieder meine Quellen in Ruhe durcharbeiten kann.

              • Analitik sagt:

                „es gab mal in den siebzigern ein Experiment zur Überbevölkerung. Da hatte man Mäuse in einen riesigen Käfig gesperrt und immer für perfekte Bedingungen gesorgt. Es kam zu einer Bevölkerungsexplosion bis zur Stagnation. Am Ende waren alle Mäuse tot. Einfach so. “

                Unter künstlichen Bedingungen geschehen oft Dinge, die in freier Wildbahn nicht passieren. Die Verhaltensprogramme aller Arten sind auf die Umwelt abgestimmt und führen in dieser Umwelt zu einem bestimmten Verhalten. Verändert man die Umwelt, führen die Verhaltensprogramme unter Umständen zu einem ganz anderen Verhalten. Je unnatürlicher die Bedingungen, unter denen Tiere in Gefangenschaft gehalten werden, desto größer sind die Abweichungen vom natürlichen Verhalten. Deswegen kann man von Laborexperimenten nicht immer direkt auf das schließen, was außerhalb des Labors geschehen würde.

                Was die Bevölkerungsstagnation angeht, habe ich hier etwas dazu geschrieben: http://analitik.de/2015/08/24/entwicklung-weltbevoelkerung-folgen-gesellschaftliche-organisation-20713360/

                „Aber wenn es darum geht sein altes Revier nicht zu verlieren warum versuchen die USA mit aller Gewalt Russland zu vernichten? An China kommen sie auch nicht vorbei?“

                Die US-Strategie schreibt ihnen vor, Russland zu vernichten. Die Vernichtung Russlands ermöglicht ein Teile-und-Herrsche in Eurasien. Ein lebendiges Russland dagegen vermag die beiden wirtschaftlichen Schwergewichte EU und Südostasien zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum zu integrieren. Gegen ein ungeteiltes Eurasien sind die USA machtlos. Wenn die USA Russland nicht ausschalten können, werden sie versuchen, China und EU direkt anzugreifen. yurasumi hat das vor über einem Jahr geschrieben und einen Angriff auf die EU vorhergesagt, wenn es den USA nicht gelingt, die diplomatischen Beziehungen zwischen EU und Russland zu kappen. Seine Voraussage erfüllt sich gerade. Frankreich und Deutschland, die beiden wichtigen Meuterer in der EU, versinken jetzt in Terror. Der Ausgang dieses Krieges ist weiterhin offen. China wird auch angegangen und lässt sich leider im Südchinesischen Meer provozieren, statt sich ein weiteres Jahrzehnt lang in Geduld zu üben. Die USA nutzen Chinas Machtdemonstrationen, um alle Nachbarn Chinas gegen China aufzubringen.

                „Der derzeitige Kurs der US Administration führ fast geradezu in einen direkten Krieg mit den BRICS oder Schanghaier Staaten.“

                Der derzeitige Kurs ist der gleiche wie seit einem Jahrhundert. Und er führt nicht in einen direkten Krieg, sondern in eine direkte _Konfrontation_. Das ist ein Unterschied. Die Konfrontation der USA mit Deutschland oder Russland hat nie aufgehört, aber ohne direkten militärischen Kriegseinsatz konnte man die Konfrontation als Freundschaft verkaufen, obwohl in Diplomatenkreisen nie ein Hehl daraus gemacht wurde, was Sache ist. Deutschland muss klein gehalten werden, Deutschland darf keine guten Beziehungen zu Russland haben, usw. Das ist US-Politik seit einem Jahrhundert. Unter dem Deckmantel der Freundschaft und Partnerschaft hat sich das realisieren lassen. Mit einem Militäreinsatz wären die USA nie so weit gekommen, wie sie gekommen sind. Der Krieg hat in Wirklichkeit nie aufgehört. Man hat nur die Zombies glauben lassen, dass er aufgehört hätte. Die „Friedenszeit“ zwischen USA und Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde genutzt, um Russland zu töten. Ende der 90er wurde die Auflösung Russlands in den Elitenkreisen Russlands ernsthaft diskutiert. Russland lag halbtot am Boden. Hätten die USA mit einem militärischen Krieg so weit kommen können? Und vor allem so billig? Ohne eigene Verluste? Und dabei auch noch als Helfer und Retter und Vorbild in Erscheinung treten, während man andere Staaten und ganze Regionen in Chaos und Tod stürzt? Nein.

                Ich glaube, Brzensinski selbst hat die Bush-Politik (eigentlich Cheney-Politik) der 2000er stark kritisiert. Weil die USA in dieser Zeit vom Pfad der „Soft Power“ abgewichen sind und zum militärischen Knüppel gegriffen haben. Die inneren Probleme in den USA waren damals schon so groß, dass etwas großes geschehen musste. Damals waren die USA noch absolut unangefochten die einzige Weltmacht, China war noch schwach, Russland lag völlig am Boden. Es schien in dieser Lage möglich, mit „Hard Power“ die Position des Hegemons zu festigen. Wie sich gezeigt hat, war das ein Irrtum. Anderthalb Jahrzehnte danach ist China wirtschaftlich gleichrangig, Russland wieder auferstanden und die EU entgleitet der US-Kontrolle.

                Obama versucht wieder die Kehrtwende. Er gibt den Fiedfertigen, hat sich in keinen großen Krieg reinziehen lassen, lässt sich geduldig als Weichei beschimpfen. Seine Pfeiler im Köcher sind TTIP, TPP und analoge Ersatz-Abkommen, falls die beiden großen scheitern. Das ist sie, die „Soft Power“, die nicht minder zerstörerisch daherkommt, aber so freundlich verpackt werden kann. „Freihandel“, blablubb. Obama selbst sagt offen, worum es dabei einzig geht: Hegemonie. https://www.washingtonpost.com/opinions/president-obama-the-tpp-would-let-america-not-china-lead-the-way-on-global-trade/2016/05/02/680540e4-0fd0-11e6-93ae-50921721165d_story.html

                Es könnte zu spät sein. Bush und Cheney hätten diesen Weg gehen sollen. Damit hätten sie sich die Welt zu Füßen gelegt, ohne Militäreinsätze. Und ohne großen Widerstand. Jetzt aber gibt es großen Widerstand. Die USA sind 1. entzaubert und 2. längst nicht so stark wie 2000 und 3. das Kräfteverhältnis zwischen USA und den zu bezwingenden Feinden hat sich stark zu Ungunsten der USA verschoben. Im Grunde ist das Spiel aus. Obama versucht die Hegemonie noch zu retten, aber im Hintergrund müssen schon die Vorbereitungen und Verhandlungen laufen für den Fall, dass es nicht klappt. Wenn die USA jetzt verhandlungsbereit sind, können sie sich sicherlich die beiden Amerika-Kontinente sichern und beschränkte Einflussmöglichkeiten in Eurasien und Afrika. Wenn sie nicht verhandlungsbereit sind und verlieren, bleiben ihnen nur die Amerika-Kontinente und im schlimmsten Fall nur der nordamerikansiche Teil davon. Und verlieren werden sie, denn wie sich gezeigt hat, ist die Militärmacht der USA gut genug, um eine Großregion in Chaos zu stürzen, aber nicht im Ansatz stark genug, um die ganze Welt mit Gewalt zu kontrollieren.

  11. elli sagt:

    Für Russen war die Türkei ein beliebtes Urlaubsland und wird es wieder. Ich glaube, wenn man den Durchmarsch von Erdogan sich anschaut, läuft es sehr glatt und hierzu braucht man Unterstützung. Demokratische Länder werden sich dahingehend zurückhalten aber Russland? Die strategische Bedeutung der Türkei wird für Russland ein Sprung zurück an die Weltmacht

    • kein Plan sagt:

      Ach @elli,Russland war schon vor Deiner Geburt Weltmacht,die haben es nur nicht so offen zur Schau gestellt wie Deine „Demokratischen Länder“ und deren Führungsoffizier.
      Selbst unter Jelzin waren die noch Weltmacht,wenn auch nur Nukleare.

      Für Russland ist wichtig das die NATO an der Südflanke geschwächt ist,Erdogan seine Neoosmanischen Träume aufgiebt, und sich die Tükei dem Projet Eurasischer Binnenmarkt/Seidenstraße beteitigt.
      Geschieht dies,hat die Herzlandstrategie der USA eine Niederlage erlitten von der sie sich nicht mehr erholen wird.

  12. kein Plan sagt:

    Ich lese den Artikel im nun schon das zweite mal und bin der Meinung er sollte zur Standartlektüre werden wenn es um die Türkei und deren Außenpolitik unter Erdogan geht.
    In Hinblick auf den Anschlag gegen Erdogan hast Du Dich wieder als „Prophet“ erwiesen.

    Das ist wirkliche Analyse ohne Drumherum,Hut ab!

6 Pings/Trackbacks für "Erdogans Kniefall und die Kriegserklärung des Westens"
  1. […] dem Boden. Die Lehre der arabischen Sprache und Schrift wurde massiv vorangetrieben. Die Türkei sollte islamisch werden, um von der islamischen Welt als Anführer angenommen zu […]

  2. […] solche Analyse zur Lage der Türkei und Erdogans gab es Ende Juni bei Analitik unter dem Titel: „Erdogans Kniefall und die Kriegserklärung des Westens“. Wobei die beiden Kommentare (hier und hier) von Thomas Roth dazu eine wertvolle Ergänzung und […]

  3. […] man Artikel 5 nicht bemühen sollte in diesem Fall. Die Türkei hat verstanden und hat inzwischen die Seiten gewechselt. Und damit die Europäer vollends überzeugt sind davon, dass der König sie nie und nimmer fallen […]

  4. […] man Artikel 5 nicht bemühen sollte in diesem Fall. Die Türkei hat verstanden und hat inzwischen die Seiten gewechselt. Und damit die Europäer vollends überzeugt sind davon, dass der König sie nie und nimmer fallen […]