Entwicklung der Weltbevölkerung und Folgen für gesellschaftliche Organisation

Schauen wir uns die zahlenmäßige Entwicklung der Weltbevölkerung an:

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Wir sehen oben im Bild eine Kurve, die anderthalb Jahrtausend lang nur geringen Zuwachs verzeichnet und ab etwa 1650 geradewegs explodiert. Die zweite Grafik verrät uns, dass die Geschwindigkeit des Wachstums ihren Höhepunkt bereits überschritten hat und rapide sinkt. Wir vermehren uns als Menschheit noch, aber die Zuwächse werden schon kleiner.

Wie wird es weitergehen? Es gibt verschiedenste Szenarien:

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Welches Szenario wird eintreffen? Horden von hochdotierten Statistikern beschäftigen sich mit dieser Frage. Dabei reicht Biologie-Wissen aus der Schule völlig aus. Der Bequemlichkeit halber verwende ich Wikipedia:

Die Entwicklung einer Population wird in Phasen eingeteilt. Eine typische Population durchläuft eine Phase der Stagnation, wo sich eine gewisse Zeit lang fast nichts tut. Dann gibt es einen explosiven Anstieg der Population, der ebenso abrupt abbremst, sobald die Kapazitätsgrenze näher kommt. Die Population stabilisiert sich anschließend auf dem hohen Niveau, kann aber auch wieder bis auf null runtergehen, wenn sich die Kapazitätsgrenze nach unten verschiebt.

Wir haben es mit einem biologischen Prinzip zu tun, dessen Gültigkeit von Mikroorganismen bis zu den höchstentwickelten Lebewesen reicht.

Die allerkleinsten entwickeln sich nach diesem Schema…


Die mittelgroßen auch…

Und wir, die selbsternannte Krone der Schöpfung, sind auch keine Ausnahme. Unsere bisherige Bevölkerungsentwicklung ist bis jetzt absolut lehrbuchmäßig und alles spricht für einen lehrbuchmäßigen weiteren Verlauf. Den Wendepunkt haben wir bereits hinter uns. Mit dem Wissen aus Sekundarstufe 1 können Sie leicht selbst beurteilen, welche der drei von der UN vorgeschlagenen Szenarien Sinn machen. Sie können auch die apokalyptischen Vorhersagen verschiedenster Experten, die uns wahlweise erzählen, wie wir uns derzeit ausrotten oder aber uns vermehren, bis die Erdkruste unter uns einbricht, in neuem Licht betrachten.

Die Phase unseres exponentiellen Wachstums begann mit leichten Anlaufschwierigkeiten in der Neuzeit. Interessant, dass gerade da auch der Kapitalismus seine Geburtsstunde hatte. Eine zufällige Parallele? Oder steckt ein System dahinter, dass wir als Menschheit unsere Wirtschaft nach dem Prinzip der Maximierung gestaltet haben, gerade zu der Zeit, da wir dabei waren, unsere Bevölkerungszahl zu maximieren? Ist es Zufall, dass die Blütezeit des Kapitalismus im 19. und 20. Jahrhundert zeitlich exakt übereinstimmt mit den größten Zuwachsraten der Weltbevölkerung? Und ist es Zufall, dass der Kapitalismus genau dann in seine Krise abzugleiten begann, als der Höhepunkt der Zuwachsraten überschritten war? Die Krise, inzwischen als „Systemkrise“ erkannt, wird zunehmend schlimmer, während gleichzeitig die Zuwachsraten der Weltbevölkerung weiter fallen.

Der Kapitalismus hat der Menschheit seinen Dienst erwiesen. Einen Dienst, der mit sehr viel Leid verbunden war. Einen Dienst, in dessen Ära die Zahl der Menschen förmlich explodiert ist.

Das Prinzip der Maximierung hat jedoch ausgedient. Die Nutzung der Ressourcen konnten wir maximieren, während wir noch wenige waren. Jetzt müssen wir unsere Art und Weise des Wirtschaftens umorganisieren nach dem Prinzip der Optimierung. Wir haben die Fähigkeit, die Ressourcen der Welt in voller Höhe auszuschöpfen. Wir müssen jetzt lernen, das so effizient wie möglich zu tun. Wir müssen lernen, mit so viel Vorlieb zu nehmen, wie man zum Leben braucht. Neun oder zehn Milliarden Menschen können nebeneinander auf der Erde leben, aber wir werden unsere verschwenderische Lebensweise dafür aufgeben müssen.

Wir sind dabei, es zu lernen. Es wird noch viele weitere Jahrzehnte dauern und noch viel weiteres Leid kosten. Aber wir werden es schaffen.

Systeme haben die Eigenschaft, sich selbst zu erhalten. Und wenn ein System bedroht wird, befolgt es seine Regeln umso härter, denn etwas anderes kennt es nicht. Unser kapitalistisches Wirtschaftssystem ist keine Ausnahme. Es wehrt sich und es wird sich noch härter wehren. Bis zum Kollaps. Dann werden wir ein neues Wirtschaftssystem erfinden. Dieser Übergang wird so schmerzhaft sein wie jeder andere. Für uns Individuen. Aus der Vogelperspektive wird man aber weiterhin eine leichte Zunahme der Weltbevölkerung bis hin zu ihrer Stabilisierung sehen.

Die Zeit der Ideen ist gekommen. Die meisten Ideen werden sich nicht als die richtige Lösung erweisen. Aber von den Tausend Ideen, die die Menschheit produzieren wird, werden auch ein oder zwei passende dabei sein. Je schneller und je mehr Ideen wir generieren und erproben, desto leichter wird die Umstellung nach dem Kollaps des jetzigen Systems. Je länger und verkrampfter wir am jetzigen System festhalten, desto härter wird der Übergang. Gelingen wird er aber in jedem Fall.

Wenn Sie Ideen haben, tragen Sie sie in die Welt hinaus. Die Zeit ist reif. Mit etwas Glück gehen Sie sogar in die Geschichtsbücher ein.

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2 Kommentare zu “Entwicklung der Weltbevölkerung und Folgen für gesellschaftliche Organisation
  1. Heine sagt:

    Warum das Rad neu erfinden:

    http://mega.bbaw.de

  2. Heinz Göd sagt:

    „Wenn Sie Ideen haben, tragen Sie sie in die Welt hinaus. Die Zeit ist reif.“
    Ja, die Zeit ist reif.
    Und Ideen gibt es auch, eine Zusammenstellung auf
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html
    Damit aus diesen Ideen etwas werden kann,
    müsste der Großteil der Bevölkerung mitdenken und mitarbeiten und dazu müsste die Bevölkerung in der Breite informiert werden – aber die Massenmedien tun da noch nicht mit, denn die sind in der
    Hand der Systemprofiteure.

    Nach meiner Beobachtung tun sich alle echten Querdenker schwer, in die breite Öffentlichkeit zu kommen.
    Die Wirklichkeit bestätigt Noam Chomsky’s Einsicht:
    „Wer in seinem Denken zu unabhängig ist
    oder auf die falschen Gedanken kommt,
    bekommt keine Chance, seine Ideen zu verbreiten.“
    http://hauptwort.at/2010/02/22/warum-die-mainstreammedien-mainstream-sind-von-noam-chomsky/
    Nach meiner persönlichen Erfahrungen veröffentlichen die meisten Medien sehr wohl jegliche Kritik am bestehenden System, unterdrücken aber jegliche Idee zu dessen Überwindung.
    Zudem haben die meisten Menschen derzeit zuviele Alltagssorgen und sind daher zu erschöpft,um echte Alternativen zu erfinden oder zu unterstützen.
    Es ist im Augenblick wesentlich leichter, Teile der Bevölkung gegeneinander aufzuhetzen
    als konstruktive Ideen zur Diskussion zu bringen.