Quellenangabe vergessen?

Zufällig auf diesen Artikel bei RT deutsch gestoßen. Titel: „Ja, Russland hat die US-Wahl 2016 beeinflusst“. Vom 21. Januar 2017.

Erster Gedanke: Das kenne ich doch. Also reingucken in den Artikel. Viele, viele, viele Worte, die das Versprechen der Überschrift nicht einlösen und erst am Ende wird der Clou endlich enthüllt:

Um aber dennoch auf die Frage der russischen Beeinflussung kurz zurückzukommen: Da, Ja, Yes, #RussiaDidIt. Aber nicht so, wie es berichtet wird. Die Beeinflussung fand auf einer anderen Ebene statt, die nichts mit gehackten Servern oder einer öffentlichen Diskreditierung von Hillary Clinton zu tun hat.

Durch die – zumindest bis auf Weiteres erfolgte – Vereitelung der neokonservativen Träume einer unipolaren Weltordnung, angeführt durch die USA, mit Zerschlagung einer ganzen Reihe von Staaten im Mittleren Osten und dem ausdrücklichen Wunsch und Willen, Russland erneut – wie der UdSSR 1979 in Afghanistan – eine militärische Falle zu stellen, löste dieser Zustand der gefühlten Niederlage eine erhebliche Krise in diesen Kreisen aus. Diese innere Krise zwang die Anhänger dieses Milieu jeder Couleur, sich mit den Ursachen der vermeintlichen Niederlage zu beschäftigen.

Am 23. November 2016 war hier im Blog etwas erstaunlich ähnliches zu lesen:

Die Botschaft kam, als die USA im Machtpoker eine Esklationsstufe hochkletterten. Was bedeutete das? Nun, wenn Russland nicht nachzog, hätte es bedeutet, dass der Hegemon sich durchgesetzt hat. Der Weg für Clinton wäre frei gewesen. Sie stand für die „weiter wie bisher“-Linie. Russlands Botschaft war das Signal an die Partner in den USA, dass die sich keine Sorge machen müssen, dass alles wie geplant umgesetzt wird.

(….)

Insofern hat Russland tatsächlich geholfen, Trump an die Macht zu bringen. Aber nicht mit solchen Kleinigkeiten wie den Email-Hacks. Völlig unnötig, sowas in Russlands Hände zu legen, dafür gibt es mehr als genug Geheimdienste in den USA, die dazu in der Lage sind und auf Trumps Seite stehen. Russlands Anteil war die Entthronung des Hegemons. In einem öffentlichen Akt, der an den Zombies vorbeigegangen war, nicht aber an den Eliten, ist der Hegemon vor Russland eingeknickt. Damit war klar, dass die Obama-Clinton-Pläne zur Aufrechterhaltung der Hegemonie gescheitert sind. Clintons Linie war schon einen Monat vor der Wahl endgültig gescheitert.

(….)

Die Entthronung hat das Scheitern von Hillarys Vorhaben offenbart. Für die unentschlossenen Elitengruppen in den USA, die sich noch nicht sicher waren, ob sie von Clintons oder von Trumps Politik mehr profitieren würden, war die Unsicherheit nunmehr beseitigt. Das ist Putins Beitrag zu Trumps Sieg. Das ist ein sauberer und mächtiger Zug auf dem geopolitischen Schachbrett. Im Vergleich dazu muten irgendwelche Hacks wie Kinderkram an (gemessen am Aufwand und Risiko der Operationen).

In einem Anflug von Größenwahn habe ich mir eingebildet, dass der RT-Autor meine Analyse aufgriff, ohne die Quelle zu nennen. In einem zweiten Anflug von Größenwahn war ich kurz davor, stolz darüber zu sein. Im dritten Anflug habe ich mich auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Man kann sich auch einem Zweckoptimismus hingeben und sich die Welt schön malen, auch ganz ohne Beweise…

Aber wo wir diesen RT-Artikel (der von mir keine Leseempfehlung bekommt) schon reingezerrt haben, möchte ich Sie auf das Datum seiner Veröffentlichung aufmerksam machen. Einen Tag nach Trumps Vereidigung. Sehen Sie, „Zweckpessimismus“ ist auch bei RT zu Hause. Die Hosen waren offenbar voll ob der Befürchtung, dass Trump die Vereidigung nicht (üb)erleben könnte. Den Artikel mit der herausfordernden Überschrift hat man daher vorsichtshalber zurückgehalten, bis die Luft rein war.

RT deutsch ist im übrigen eine gute Quelle im deutschen gleichgeschaltetem Medienwald.

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