Gedanken über die zukünftige EU-Armee – erste Ergebnisse

Brainstorming vom 16. November:

Im gleichen Grundsatzpapier, in dem die EU-Armee angekündigt wurde, wurde auch ihr offensiver Einsatz angekündigt. Die Schwäche des Königs war erkannt, die Vasallen müssen jetzt selbst ran, um „die Demokratie in der Welt zu verteidigen“. Lassen wir diesbezüglich die Gedanken schweifen.

(….)

Eine neue Armee muss man in der Praxis erproben. Zur rechten Zeit braucht es einen kleinen Konflikt, in dem man Erfahrungen sammeln kann, um Schwachstellen aufzudecken und Verbesserungspotentiale zu erkunden. (….) Wenn man sich die Weltkarte anschaut, stellt man fest, dass der einzige Ort, dem sich die EU militärisch widmen kann, der Norden Afrikas ist. (…)

In Nordafrika ist Libyen der beste Kandidat. (…) Wir (die EU) werden wohl im Laufe des kommenden Jahrzehnts die Demokratie nach Libyen bringen müssen

Der Spiegel verkündet nun die frohe Botschaft:

Scheitert Mali, drohen Chaos und neue Flüchtlingsströme. Daher weitet die Bundesregierung den Bundeswehreinsatz in Westafrika noch einmal aus, um das bitterarme Land in eine „friedliche Zukunft zu führen“.

Fantastisch.

Die Regierung tut alles, um meine Prognose zu bewahrheiten. Die Bundeswehr als zentrales Element der zukünftigen EU-Armee wird schon in den Norden Afrikas geschickt, um Mali in „eine friedliche Zukunft zu führen“. Rührend. Wir sind natürlich nicht dort, um Kampferfahrung zu sammeln und die Kontrolle über die Bodenschätze zu sichern. Nein… Ich verneige mich vor der Propaganda-Abteilung des Spiegel, die mein „Demokratie in der Welt verteidigen“ überboten hat. Respekt.

Libyen ist noch zu heiß für die EU. Nicht umsonst habe ich der EU ein ganzes Jahrzehnt Zeit eingeräumt, um die militärische Nase in Libyen reinzustecken. Inzwischen hat es Hinweise gegeben, dass Putin seine Hand nach Libyen ausstreckt. Wenn sich das bestätigt, wird die EU allenfalls von Putins Gnaden in Libyen tätig werden. Das bedeutet, dass die Libyen-Prognose sogar kippen könnte – wenn die EU besonders unartig ist. Halte ich für unwahrscheinlich, dass es so weit kommt, aber wir behalten diesen doch möglichen Entwicklungsstrang (Russland blockiert der EU den Zugang zu Libyen) im Hinterkopf.

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