Den Eliten über die Schulter schauen

Philip Breedloves gmail-Account wurde gehackt. Hier ein Bericht. Hier können Sie die Mails lesen.

Was soll ich sagen… Es ist interessant und enttäuschend. Interessant, weil man die Seilschaften und Konflikte erkennt. Da arbeiten Breedlove, Wesley Clark, Nuland, Phillip Karber und viele andere mehr geschlossen gegen Obama an und versuchen, die USA stärker in den Ukraine-Konflikt reinzuziehen. Man kann ihnen bei dieser Arbeit zuschauen. Wie sie Kontakte vermitteln, sich Informationen zuschustern, einander zuflüstern, was gutes Vorgehen wäre und was nicht. Interessant zu sehen, dass Mega-Militärstrategie-Experte Karber (der hier im Blog schon mal erwähnt wurde) und General Clark ganz banal als Spione im Donbass gearbeitet haben. Im Hinterland, an der Frontlinie und sogar jenseits der Front im Feindesland. Interessant zu lesen, was Spione so berichten an die NATO-Generalität. Interessant, die Namen vieler ukrainischer Politiker, Militärs, Journalisten und Aktivisten in den Mails wiederzuerkennen und zu sehen, wie sie sich den US-Herren andienen und anbiedern. Das alles ist sehr interessant.

Und enttäuschend ist es, weil diese Eliten, die Creme de la Creme, mit ganz normalem Wasser kochen. Mit Leitungswasser. Nur leicht gesalzen. Speziell von Karber hätte ich viel mehr erwartet. Dass er Breedlove regelmäßig mit Open-Source-Quellen zumüllt, ist schon ziemlich armselig. Eines solcher Open-Source-„Beweise“ hat es durch Karbers Hände bis zu einem US-Senator geschafft und für hysterische anti-russische Propaganda gesorgt, bevor sich herausstellte, dass es Photos von Georgien 2008 waren. Erbärmlich.

Dass die Leute sich gegenseitig NY-Times-Artikel und sonstige Links auf den üblichen Presse-Blödsinn herumschicken, und zwar ziemlich häufig, ist für mich erschreckend. Ich habe schon mal geschrieben, dass die Eliten öffentliche Kanäle für den Austausch nutzen. Aber dass die höchsten Eliten derart öffentliche Kanäle nutzen, erscheint fast surreal. Für ein bisschen mehr Romantik war ich schon aufgeschlossen. Aber die Eliten des Westens kochen echt so sehr im eigenen Saft, dass sie den Blödsinn selbst glauben, den sie für die Veballhornung der Massen produzieren. Karber, der große Stratege, der mehrere US- und eurpäische Regierungen auf höchster Ebene militärisch beraten hat. Karber, einer der besten Kenner Russlands. Karber, der Breedlove mit Einschätzungen über Russlands Vorbereitungen auf einen großen Kriegseinsatz in der Ukraine bombardierte. Karber, der sich verrechnet hat, trotz all der Informationen, die er persönlich an der Front und sogar hinter der Front eingesammelt hat und trotz seiner angeblich so ausgezeichneten Russland-Kenntnis.

Was kann man für Lehren daraus ziehen? Die bekannte Lehre, dass alle nur mit Wasser kochen. Wirklich alle. Wenn Sie es nicht glauben, vergewissern Sie sich selbst. Schauen Sie rein in die Emails. Die Eliten können keine Magie und besitzen keine Superkräfte. Klar, sie sind intelligent, zielstrebig, gut vernetzt. Aber sie sind stinknormale Menschen. Und wenn Breedlove einen Kollegen abblitzen lässt (es geht um nicht weniger als die Strategie der NATO gegen Russland!), weil er den 35. Hochzeitstag mit seiner Frau feiern muss, erlebt man als einfacher Mensch die Entzauberung der Eliten.

Von Karber, der sehr viel Zeit in der Ukraine verbracht hat und dort bei einer Weihnachtsfeier anwesend war, möchte ich abschließend folgendes Zitat über besagte Weihnachtsfeier anführen:

Like American Christmas Eve’s of the 1950s, before commercialism came in and Christ dropped out.

Tja. Was die russische Welt sich noch erhalten hat, findet Karber beneidenswert. Und er arbeitet wirklich hart dafür, es der russischen Welt zu nehmen. Ich bin zuversichtlich, dass er damit scheitern wird. Paradoxerweise tragen seine Bemühungen dazu bei, dass es scheitert (warum das so ist, steht hier). Und ich bin zuversichtlich, dass Karbers Enkel und Urenkel den Schatz, der in der russischen Welt noch erhalten ist, bald zurück in ihre eigene Heimat tragen werden, um selbst daran teil zu haben und sagen zu können: „Christ came in and commercialism dropped out“.

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14 Kommentare zu “Den Eliten über die Schulter schauen
  1. Hans-Peter Radenberg sagt:

    Ja, das habe ich auch immer wieder feststellen können, daß letztendlich alle nur mit Wasser kochen. Und auf was für Banalitäten Leute mit Geld und Macht ihre Entscheidungen stützen. Um so wichtiger ist es, die Macht, die man über sein eigenes Leben hat, nicht leichtfertig anderen Menschen zu geben.

    Und was Herrn Karbers Beobachtung angeht:

    „Like American Christmas Eve’s of the 1950s, before commercialism came in and Christ dropped out.“

    Nun, ich war im letzten Jahr zum ersten Mal in der Ukraine und seitdem noch zweimal, und ja, ich hatte das gleiche Gefühl. Eine Zeitreise, als ob ich meine Kindheit noch ein zweites Mal erleben durfte. Nicht so viele Spielzeuge wie hier, aber dafür eine tiefe und lebendige Spritualität, die den Menschen innere Kraft gibt.

    Und Herr Karber sollte sich mal fragen, welchen Anteil er selbst daran trägt, wenn seinem Land diese Dinge verloren gegangen sind.

    Ich kenne Rußland (leider) nicht, aber ich denke, dort wird es nicht viel anders sein. Und solange diese innere Kraft vorhanden ist, wird das Land nicht untergehen.

    Bei uns ist der Zug schon längst abgefahren. Wir haben es nur noch nicht gemerkt.

  2. Tja ANALITIK, wie auch auf dem SAKER betreff Ukraine beklagt, möchte ich doch gerne auf QUER-DENKEN.tv bzgl. Friedens- vs. Kreuzzüge hiermit verweisen, denn ich kenne den Lieferanten wirklich gut! Noch Fragen?

  3. Paleene sagt:

    Bei Lektüre dieses Artikel fiel mir wieder ein, dass ich, Ich erinnere nicht mehr wo, über das Prinzip, wie die Kontrolle über komplexe und umfassende Systeme funktioniert gelesen habe: durch das sog. „need to know“-Prinzip. Jeder Mensch erfährt in der Position, in welcher er sich befindet, gerade soviel wie nötig ist, damit er die ihm zugedachte Aufgabe im Sinne der Systemlenkung erfüllt.

    • Tja Paleene, genau aus diesem Grund, erklärten I. KANT & K. MARX den ‚actus purus‘ meines ‚baumeisterlichen‘ Kollegen ARISTOTELES zum: „Jetzt spinnt er aber!“ Noch Fragen?
      PS.: Da ich von Haus aus einen Hang zum Größenwahn habe, so lehrte mich doch meine Theorie der Paradigmen-TdP, das doch vor mir schon andere drauf gekommen seien müßten, auf das ich auf H. SEIDEL bzgl. obigen stieß usw., usf. bis gut dokumentiert ins ca. 15.Jh. vor der selbsternannten Zeitrechnung, also lange vor dem ca. NZR 200 abgeschlossenen Deuteronium; „Alles nur gestohlen, alles nur geklaut?“, aber sehr erfolgreich! Noch Fragen?

  4. Tja ANALITIK, und „Einparteibuch“ bleibt a’la „Schall & Rauch“ auch nur noch die Desavouierung seiner Kommentatoren ! Noch Fragen?

  5. ansa sagt:

    Wunderbare Zusammenfassung!
    Diese Ernüchterung stimmt mich wohlgemut 🙂

  6. Thomas Buschmann sagt:

    Frage an Analitik: Wie entwickelt sich Polen? Meine These ist, dass die herrschende Gruppe in Polen mit der EU brechen will und im Verein mit den USA die Westukraine schlucken will. Großpolen wie vor dem WK II plus deutsche Ostgebiete, ein Traum polnischer Chauvinisten. Demnächst könnte der nächste Coup in der Ukraine stattfinden – gegen die Oligarchen, die – als Begründung -„versagt“ haben.

    • Analitik sagt:

      Polen ist fest in der Hand der USA und wird von diesen als Rammbock gegen die EU und als Barriere zwischen Deutsch-Russischen Beziehungen eingesetzt werden. Polen wird als Leitwolf der Visegrad-Gruppe aufgebaut.

      In der Ukraine wird es keinen Coup geben.

  7. Thomas Buschmann sagt:

    „In der Ukraine wird es keinen Coup geben“. Und heute berichtet Analitik das Gegenteil.
    Ich würde wirklich empfehlen, sich mit polnischen Großmachtträumen zu befassen. Noch dazu, wo deren Verwirklichung perfekt in das US Konzept der Eindämmung Russlands passen würde. Dann können die USA Russland bis zum letzten Polen bekämpfen.

  8. Alex Illi sagt:

    „Eliten“ 😉

    Mit goldenem Loeffel im Mund Geborene – Talent hat da wenig bis gar keinen Vorrang.