„Putin-Berater“ schlägt vergeblich Alarm

„Putin-Berater“ Sergej Karaganow meldet sich bei SPON zu Wort. Dass Russland das Baltikum anzugreifen drohe, ist „idiotisch“, meint Karaganow. Er warnt außerdem die NATO mit äußerst klaren Worten, keinen Krieg gegen Russland zu beginnen. Und er erklärt, dass der Westen kein Modell mehr für Russland bietet.

Wer ist dieser Karaganow und warum ist sein Wort von Bedeutung? Er mag „Kreml-Berater“ oder „Putin-Berater“ sein, das bedeutet nichts. Der Kreml im Allgemeinen und Putin im Speziellen lassen sich von allen Seiten beraten, auch von denen, deren Politik der Kreml nicht im geringsten zu befolgen gedenkt. So machen das kluge Leute und Organisationen: sie hören allen zu, auch den Feinden.

Und Karaganow gehört zu den Feinden. Seit 1998 ist Karaganow Mitglied der Trilateralen Kommision – eine mächtige Organisation des Westens, deren Ausrichtung per Definition antirussisch ist. Außerdem wirkte Karaganow zehn Jahre lang beim Council on Foreign Relations mit – einer der einflussreichsten US-Think Tanks, selbstverständlich auch anti-russisch bis ins Mark. Karaganow ist „unser Hurensohn“, wie die USA sich auszudrücken pflegen. Er selbst nennt sich „Europhiler“. Er vertritt denjenigen Teil der russischen Eliten, die Russlands Einordnung als Junior Partner in das US-Hegemoniesystem befürworten und anstreben. Deswegen hat Karaganow Zutritt zu den bedeutendsten Entscheider-Organisationen des Westens.

Und jetzt solche drastischen Worte von ihm. Das Gelaber des Westens schimpft er „idiotisch“. Die NATO warnt er vor einer Strafe Russlands. Und dem Westen spricht er die ehemals vorhandene Vorbildfunktion nunmehr ab. Karaganow schlägt Alarm. Er tut es schon lange, in verschiedensten Medien.

Karaganow versucht dem Westen einen Dienst zu erweisen. Er kennt Russland. Er weiss, wie der Westen Russland besiegen kann. Er sieht, dass der Westen diesen Weg verlassen hat und einen Weg nimmt, der alle Errungenschaften des Westens in der Unterwanderung Russlands zunichte macht. Karaganow schlägt Alarm.

Russland ist mit Waffengewalt nicht zu besiegen. Die Chance des Westens besteht in einer schleichenden „Demokratisierung“ Russlands. Was bedeutet Demokratisierung? Es bedeutet die Infiltration Russlands mit westlichen Agenten und westlichen Werten. Es bedeutet die Bindung russischer Eliten und russischer Gelder an westliche Offshores, um Russland erpressbar zu machen. Es bedeutet die Zersetzung und Ersetzung der russischen Kultur und der russischen Werte. Es bedeutet die Transformation des russischen politischen Systems hin zu einem ineffizienten, handlungsunfähigen System, wo die Macht auf verschiedene Gruppen gleich verteilt ist, damit die sich dauernd bekriegen und sich dabei doch niemand durchsetzen kann. Das alles braucht Zeit. Ein Vierteljahrhundert hat der Westen genau das gemacht. Russische Intellektuelle umgezüchtet, die russophoben unter ihnen mit Geld vollgepumpt; Russland mit westlichen Gütern und Kulturgütern überschwemmt; Russland politische „Demokratie“ beigebracht.

Der Welt schrieb Karaganow 2011:

Ziel ist die Bewusstseinsänderung der russischen Gesellschaft und der Eliten. Eine Modernisierung des Landes ist politisch und technisch unmöglich, ohne zuvor das Denken der Menschen zu verändern, ohne ein Verantwortungsgefühl für sich und das Land und ohne ein wenngleich bitteres Gefühl des Stolzes.

Das Russische muss in Russland sterben. Erst dann kann es die „Modernisierung“ geben. Gemeint ist damit die Kolonialisierung Russlands.

Putin arbeitet gegen all das an. Mit Erfolg, gewiss. Aber Karaganow als intelligenter Mensch weiss, dass der Westen darauf nicht mit offener Eskalation, sondern mit Geduld reagieren muss. Ein Putin lebt nicht ewig. In zehn, zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren kommt jemand an die Macht, der das Entscheidende aus dem Auge verliert, der davon überzeugt ist, dass der Westen Russland Gutes will. Oder der die Überzeugung hat, dass es bequemer ist, sich unterzuordnen, statt ewig gegen einen mächtigen Feind zu kämpfen. Dann geht die Arbeit zur Aushöhlung Russlands wieder schneller voran, verlorenes Terrain wird wieder gut gemacht. Ja, das ist ein langer Weg, einer, der viel Geduld erfordert. Aber nur so geht es gegen Russland. Und der Westen kennt sich damit aus. Die Strategie zur Eindämmung Russlands ist seit bald einem Jahrhundert explizit formuliert und dient als Basis der westlichen Russland-Politik. In den letzten Jahrzehnten ist es auch gelungen, im Rahmen dieser Strategie die Fühler des Westens mitten nach Russland auszustrecken, mit tausenden Fangarmen aus NGOs, Beratern, Menschenrechtlern, Künstlern, Stipendiaten usw. Der Westen hat sich bis zur ehemals unzugänglichen russischen Kultur vorgearbeitet und hat schon damit begonnen, diese zu zersetzen. Mit einigem Erfolg, wenngleich noch viel Arbeit in dieser Richtung aussteht. Eine Generation ist einfach zu wenig, um eine Kultur zu zersetzen. Man muss die jungen Menschen „richtig“ programmieren und die alten Menschen, die „falsch“ programmiert sind, aussterben lassen.

All das, was der Westen in diese Richtung schon erreicht hat, verliert er jetzt. Weil er sich Russland offen als Feind präsentiert. Das ist der große strategische Fehler. Der Westen hätte sich Russland weiter als Freund präsentieren müssen, um die Zersetzungsarbeit im Inneren Russlands weiter zu führen. So lange, bis die russische Gesellschaft ihrer Widerstandskraft beraubt worden wäre. Dann hätte man die Masken fallen lassen können. Der Westen hat die Masken zu früh fallen gelassen. Deswegen schlägt Karaganow Alarm. Im jahrhundertelangen geopolitischen Krieg gegen Russland wirft sich der Westen gerade um Jahrzehnte zurück. Die Situation droht noch schlimmer als im Kalten Krieg zu werden. Damals galt der Westen der Sowjetunion in vielerlei Hinsicht als Vorbild. Die Sowjetbürger haben die Errungenschaften des Westens bewundert. Deswegen haben sie sich auch bereitwillig dem westlichen System geöffnet. Zuerst die Eliten, die den Zusammenbruch der Sowjetunion organisierten, dann die einfachen Menschen, die zwar im Gegensatz zu den Eliten keine Wahl hatten, aber die Wende doch mit reichlich Optimismus vollzogen und sich bei der Neuordnung Russlands stark am Westen orientierten. Der Westen hatte Vorbildfunktion.

In nur zwei Jahren hat der Westen seinen moralischen Kredit in Russland verspielt. Das ist das Furchtbarste für langfristig denkende Strategen wie Karaganow. Leute wie ihn hat man in die Think Tanks des Westens geholt, um über die Stimmung in Russland informiert zu werden. Um genau das nicht zuzulassen, was jetzt passiert ist. Haben Karaganow und andere russische Kollegen zu spät Alarm geschlagen? Haben die Strategen des Westens die Warnungen überhört? Nicht ernst genommen? Oder hatte der Westen keine Wahl mehr? Keine Kraft mehr, um noch drei Jahrzehnte gute Miene zum bösen Spiel zu machen?

Karaganows Interview kommt zum NATO-Summit, bei dem die Verlagerung zusätzlicher NATO-Truppen an die russische Grenze beschlossen wurde. Mit der wahrhaft idiotischen Begründung, dass Russland dort angeblich einfallen wolle. Solche Idiotie ist ein großer Dienst für Russland. Der Westen sägt damit noch tiefer in den strategischen Ast, auf dem es sitzt. Der Westen selbst macht Russland unabhängig vom Westen. Leute wie Karaganow, die langfristig auf eine Kolonialisierung Russlands hinarbeiten, packen sich verzweifelt an den Kopf.

Karaganow kritisiert die Vorgehensweise des Westens häufig. Aber nicht, weil er ein Putin-Freund ist. Sondern weil er ein Freund des Westens ist. Er spricht sich konsequent gegen eine Eskalation gegen Russland aus, weil er genau weiss, dass Russland mit Eskalation nicht zu bezwingen ist. Er versucht es seinen Freunden im Westen zu vermitteln. Vergeblich.

Ein Sahnehäubchen zum Schluss. Im Jahr 2009, ein Jahr nach der georgischen Provokation gegen Russland (und drumherum die Bemühungen, Georgien in die NATO zu bringen), schrieb Karaganow:

Ich hoffe, dass die in diesem Krieg getöteten Ossetiner, Russen und Georgier nicht als umsonst gefallen zählen werden, wenn Historiker den Angriff Georgiens auf Südossetien aufarbeiten werden. Die russischen Streitkräfte haben die georgische Armee zerstört, aber sie haben auch einen schweren Schlag gegen die Logik der NATO-Osterweiterung verpasst. Wenn die NATO-Erweiterung nicht abgebrochen wird, führt sie unweigerlich zu einem großen Krieg im Herzen Europas.

Aus diesem Artikel (Bezahlschranke), zitiert nach jim_garrison. Ein Kommentator fragte:

Wo ist wohl das Herz Europas, Karaganows Meinung nach?

Worauf jim_garrison antwortete:

In diesem Text zählen bei ihm Russland und USA zu Europa. Und irgendwas lässt mich denken, dass er das Herz dieser Region irgendwo in der Region der Ukraine verortet.

2009 war das. Der Stratege Karaganow sah das Unheil kommen und der Stratege jim_garrison konnte es verorten.

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28 Kommentare zu “„Putin-Berater“ schlägt vergeblich Alarm
  1. B.Lo sagt:

    Auf Karaganow bezogen eine schlüssige Analyse. Aber er kann der Sache, klingt nur um einen Satz an. „Oder hatte der Westen keine Wahl mehr?“ Ein Ertrinkender wird auch den Retter unter Wasser drücken, gegen jede Logik und Vernunft.
    Diese ein, zwei, drei Dekaden hat dieses System offensichtlich nicht mehr. Arroganz und Gier im Westen, die Jelzin-Ära im Osten, alles schien in bester Ordnung. Im Westen nichts neues, immer steil bergauf, Wachstum im Quadrat? Nicht ganz. Arroganz und Gier hebeln in der Finanzwelt in anderen Potenzen. Eine Blase jagt die nächste, auch wenn sie platzen, läßt sich drauf wetten und Gewinn machen, ganz virtuell.
    Daran wird das System kollabieren. Es sei denn ein substitives Ereignis, eine nicht Finanzkrise, eine begrenzte Auseinandersetzung, ermöglicht eine „heiße Abkühlung“.
    Sehr gefährlich aber in der Logik eines Ertrinkenden, notwendig.

  2. B.Lo sagt:

    Handytastauren taugen nicht. Ich bitte um Entschuldigung.
    Im Beitrag oben, muß es heißen: Aber der Kern der Sache….

  3. alex sagt:

    Ich denke mal, das der Mann einen entscheidenden Punkt nicht begriffen hat: Der Westen hat diese Zeit einfach nicht mehr, denn er geht schneller vor die Hunde, als ihm lieb ist. Die Erosion hat bereits begonnen.

    • Hans aus Olb sagt:

      „Der Mann“ hat das sehr wohl begriffen. Im Spiegel- Interview sagt er klipp und klar, dass *das Modell Europa* für die *nächsten Jahrzehnte* für Russland keine Option ist.

      • alex sagt:

        Es geht hier nicht um das Modell Europa, sondern schlichtweg um den Niedergang des Westens und der besteht eben nicht nur aus Europa.
        Was will denn der in 10 oder 20 Jahren noch erreichen mit Zersetzung.
        Ein Putin lebt nicht ewig, der Westen in jetziger Form auch nicht.

  4. Mariano Karbe sagt:

    @ Analitik,Danke für die Sichtweise.Beim lesen verstärkte sich in meinem Hinterkopf der Spruch „Schwerter zu Plugscharen“ und wo uns dies ganze hingeführt hat zeigt uns ja das ganze Pastorengesocks und dabei sollten WIR natürlich nicht die grünen Pastorenkrieger vergessen.

  5. Heinz Göd sagt:

    @Analitik: Danke für Ihre sorgfältig recherchierte Analyse.

    „Der Westen hat die Masken zu früh fallen gelassen. ….
    Oder hatte der Westen keine Wahl mehr? Keine Kraft mehr, um noch drei Jahrzehnte gute Miene zum bösen Spiel zu machen?“
    Der ‚Westen‘ hat die Kraft nicht mehr, wie die Daten von Deutschland zeigen:
    http://www.members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Archiv/Wirtschaft/WirtDatD.jpg
    Die Daten der U$A sind wahrscheinlich noch schlechter – echte Daten für die U$A sind aber schwer aufzutreiben.

    Wir sind bereits wieder im ‚roten Bereich‘ des Kapitalismus und ein ‚Reset‘ steht an.
    Bis jetzt war dies immer Krieg – was Gescheiteres ist den Machthabern noch nicht eingefallen.
    Es wird Zeit für Protest gegen die Kriegstreiber –
    – und auch langsam Zeit für ein neues Gesellschafts- und Wirtschafts-System …

  6. Hans aus Olb sagt:

    Ich bin mir ganz und gar nicht so sicher wie Analitik, ob die *Abqualifizierung* Karaganovs als *Freund des Westens* tatsächlich in der Sache völlig richtig ist.

    Zuallererst ist er wohl doch Politikwissenschaftler. Und zu seinen Aufgaben gehört nun mal die Analyse von politischen Entscheidungen und Tendenzen. Das tut er in seinem Spiegel-Interview für meine Begriffe recht treffend, ohne ideologisches Wunschdenken.

    Auch wenn er sich als Europhilen bezeichnet…. was daran ist schlecht? Ich persönlich würde sogar den *frühen* Putin so bezeichnen, genügend Ansatzpunkte gab es doch in seinem Reden und Handeln.

    Zitat:“ Er vertritt denjenigen Teil der russischen Eliten, die Russlands Einordnung als Junior Partner in das US-Hegemoniesystem befürworten und anstreben.“
    Ich persönlich kann das so nicht erkennen. Gibt es dazu nähere Infos?

    Im Spiegel- Interview gibt es fast nichts, was ich nicht genauso beurteilen würde. Hart und klar umreißt er die Situation.

    Er tut letztlich dem Westen zwar auch einen kleinen Gefallen, indem er einige Äusserungen macht, die z. B. jetzt als Beleg für die *russische Aggressivität* herhalten müssen, aber was solls?
    Dafür muss sowieso alles herhalten. Wenn er darauf hinweist, dass die Nato Waffen im Baltikum im Konfliktfall sowieso erstes Ziel sind, dann ist das doch wohl richtig.

    Die einzige Dummheit Karaganovs im Interview ist nach meiner Meinung die Äusserung vom Anspruch, eine Großmacht zu sein. Das muss man nicht einfordern. Man ist es- oder eben nicht.

    • Hans aus Olb sagt:

      Noch was: Ich stimme Analitik absolut zu, dass die Strategie des Westens bezüglich Russland völlig verfehlt ist, kontraproduktiv selbst zu den Interessen des Westens. Ja, der Westen selbst macht Russland unabhängig vom Westen. Gut so.

      Aber das Karaganov das beklagt? Ich sehe es einfach nicht. Selbst die zitierten Äusserungen aus der Gazette „WELT“ taugen dazu nicht als Beleg.

      Es ist schon richtig in Bezug auf Russland, dass *Eine Modernisierung des Landes ….unmöglich [ist], ohne zuvor das Denken der Menschen zu verändern, ohne ein Verantwortungsgefühl für sich und das Land …“

      Analitik interprediert das so: „Das Russische muss in Russland sterben. Erst dann kann es die „Modernisierung“ geben. Gemeint ist damit die Kolonialisierung Russlands.“

      Wieso? Natürlich muss auch ein Bewusstseinswandel her nach 70 Jahren Staatswirtschaft und dem Wahnsinn der Jelzin- Jahre. Das ist nötig, und das scheint langsam in Gang zu kommen. Einer Kolonialisierung werden sie sich wohl widersetzen aus den in den 90-er jahren gemachten Erfahrungen heraus.
      Das ein Teil der Eliten das evtl. anders sieht und persönliche Bereicherungsmotive über alles stellt, sich täuschen und kaufen ließe, dürfte ausser Frage stehen. Aber da ist der WWP wohl doch davor, das hat er bewiesen.

    • Analitik sagt:

      Sehen Sie, genau deshalb ist Karaganow so wertvoll. Er vermag die antirussischen Ziele so hübsch zu vermarkten, dass selbst kritisch eingestellte Menschen darauf hereinfallen. Das ist ganz anderes Niveau als beim stümperhaften Nawalny.

      „Natürlich muss auch ein Bewusstseinswandel her nach 70 Jahren Staatswirtschaft und dem Wahnsinn der Jelzin- Jahre. Das ist nötig, und das scheint langsam in Gang zu kommen.“

      Was in Gang kommt, ist ganz und gar nicht das, was Karaganow in Gang zu bringen versucht. Schauen Sie selbst: http://www.ng.ru/ideas/2011-04-01/5_destalinizaciya.html

      Nachtrag: Nicht die Übersetzung, aber zum gleichen Thema und ähnlich aufschlussreich, auf englisch: http://karaganov.ru/en/publications/245

      • Hans aus Olb sagt:

        Danke Analitik. Der *Welt*- Artikel, den Sie oben verlinkten, ist ja wohl hieraus extrahiert: http://karaganov.ru/en/publications/245. (Ihr Link im Vorpost)

        In großen Teilen geht es um die Entstalinisierung der russischen Gesellschaft. Wenn sie meinen, dass Karaganov dieses Thema ohne Differenzierung angeht, ja, das stimmt wohl doch. Insofern könnte der Versuch, alles russische im russischen Volk auslöschen zu wollen, durchscheinen, also der Vorwurf, den Sie ihm machen, berechtigt sein.

        Nun bin ich leider nicht in der Lage zu beurteilen, wie die Russen selbst Karaganov bzw. seine Äusserungen bewerten.

        Aber solange die Person des Karaganov nicht von unserer dt. Presse hochgejubelt wird wie ausnahmslos alle, die irgendwann mal was gegen Russland oder Putin sagten (egal, ob sie nationalistisch- faschistische Tendenzen vertreten, sich Hühnchen zwischen die Beine schieben, ihr Skrotum aufs Pflaster nageln, Steuerhinterzieher sind oder Mafiaverbindungen nutzen), solange dürfte Karaganov Russland wohl eher nützlich sein.

        Aber danke, dass sie mich zum Nachdenken gebracht haben.

        • Analitik sagt:

          In gewisser Hinsicht ist Karaganow ja auch nützlich für Russland. Er ist ein Kommunikationskanal zwischen russischen und westlichen Eliten. Er ist für diese Aufgabe geeignet, weil er überdurchschnittlich intelligent ist, beide Seiten kennt und von beiden Seiten als Kommunikator akzeptiert wird. Als solcher wird er akzeptiert, weil er eben nicht so platt pro-westlich ist, wie der typische russische Liberale. Karaganow ist differenziert. Aber er ist kein Russland-Freund.

  7. ansa sagt:

    zum Thema Verfall hat Diogenes Lampe wieder einmal hervorragendes zu Papier gebracht Zielgrade…..

    http://www.geolitico.de/2016/07/11/klerikalfaschismus-als-linksgedrehter-antifaschismus/

  8. ansa sagt:

    da fehlt ja die hälfte von meinem geschrieben !??

    zu Thema Verfall hat Diogenes Lampe wie der einmal hervorragendes zu Papier gebracht,wie Analitik in seinem Gedankengang !

  9. ansa sagt:

    zum Thema eindampfen des USA aber nicht Berlins ))

    http://www.fit4russland.com/kriege/1720-gebotene-notwehr

  10. Pechblende sagt:

    Das ist einer der sicher provozierenden, aber äußerst lesenswerten Artikel, für die es sich lohnt diesen Blog in regelmäßigen Abständen aufzusuchen. Die Analyse klingt weit und stringent vorausgedacht, eine Prise bitter-sarkastisch, aber sie könnte der Wahrheit ziemlich nahe kommen.

  11. Tja, da fiel mir doch (Kurzfassung auf dem SAKER gelesen)zugleich & sofort der Anfang 1990 wohl selig gestorbene KAGANOWITSCH, der letzte Jude neben STALIN, ein! Noch Fragen?

  12. Peter Pan sagt:

    Welches Interesse könnte ein intelligenter Russe daran haben sich als Juniorpartner einzuordenen und damit zum Arschloch der Anglozionisten zu werden, wenn man das auf Grund der Stärke gar nicht nötig hat?
    Die primitive Mikey Mouse und Coca Cola Kultur der Yankees wird langfristig weder in Russland, noch in den meisten osteuropäischen Ländern fruchten. Hier in D haben die Yankees das Volk weichgespült und entdeuscht, aber die Menschen sind unzufrieden und die Unzufriedenheit wächst.
    Die paar Nato Hanseln im Baltikum sind doch ein Witz und dienen nur dazu, die osteuropäischen Menschen im Falle eines Falles zur Räson zu bringen falls sie auf dumme Gedanken kämen.

  13. Tja ANALITIK, Sie und nicht zuletzt ich, können sich eigentlich glücklich schätzen, nicht durch (ät) tommmm, Nionde, Möve Jonatha, (Peter Pan), (Seiler), thom ram, Max, Raphaela Langenberg, Kropotkin und meine Spezis Politicus & Thomas vs. Joseph Roth vom adäquaten analysieren abgehalten zu werden; RUSSOPHILUS scheint da zeitlich besser aufgestellt zu sein! Noch Fragen?
    MfG
    RRD
    PS.: Nach der Begeisterung von Benjamin SANDER & Noam CHOMSKY für ‚Killery‘ ist die US-Wahl bei „Nocheinparteibuch..“ erledigt! Noch Fragen?
    RRD

  14. Beat Mario Kurt sagt:

    Hallo Analitik,

    Seit 10 Jahren rüsten die Amis ihre Polizei mit richtig schwerem Kriegsgerät aus. Dazu werden fleißig Lager gebaut, „prophylaktisch für Katastrophenfälle“. Die jetzigen Polizistenmorde passen plötzlich genauso ins Bild, wie viele vorigen false flags-Übungen. Es gibt Unterstützung durch Sniper, eine amerikan. staatsterroristische Standardlösung. Und das alles nachdem seit Jahren täglich grundlos mehrere Schwarze durch Polizisten hingerichtet werden, was das Alltagsklima massiv anheizt. Das sieht nicht mehr nach „Zufällen“ aus.

    Bis vor kurzem dachte ich, man bereitet sich vorsehend fur die Folgen eines eventuellen Währungszusammenbruchs vor, und akzeptiert die Collateral-Schäden. Jetzt denke ich, man versucht langfristig einen (begrenzten?) Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen, um viele einfache Menschen zu eliminieren, und danach dadurch Arbeit fur den Rest zu erschaffen.

    Oder schult man nur seine Polzeigarde sehr hart für den kommenden Ernstfall, wenn zB. die Lebensmittel knapp werden könnten? Es gibt ja genug Waffen in den Haushalten.

    Analitik, wie schätzen Sie diese Situation ein?

    • Analitik sagt:

      Zum einen bereitet man sich auf Unruhen und Bürgerkrieg vor. Den Eliten in den USA bleibt natürlich nicht verborgen, dass die soziale Situation im Land dramatisch den Bach runtergeht. Irgendwann sind solche Menschenmassen davon betroffen, dass selbst übelste Propaganda das nicht übertünchen kann. Unruhen in den USA bedeuten den sofortigen Einsatz von automatischen Schusswaffen. Man wird auf der Eskalationsspirale also gleich sehr hoch einsteigen. Die Militärisierung des Polizeiapparates dient unter anderem der Vorbereitung darauf.

      Ein weiterer Grund ist, dass man damit die Rüstungsindustrie unterstützt. Das alte Zeug vom Militär wandert an die Polizei ab. Das Militär muss die Lücken füllen und neue Bestellungen aufgeben. Die Staatskassen finanzieren sowohl die Verschiebung als auch den Neukauf und halten die US-Industrie damit am Leben (natürlich nicht nur damit). Bei uns in Deutschland hat der Staat in der Krise das gleiche getan und Geld in den Rachen der Autoindustrie geworfen. Bei uns hängt sehr viel an der Autoindustrie, in den USA ist es die Rüstungsindustrie. Das Geld wird dahin gepumpt, wo die industriellen Stützpfeiler stehen.

      Ein weiterer Grund ist ebenfalls wirtschaftlicher Natur. In den USA gilt die „Safety first“ Doktrin für die Polizeibeamten. Gemäß dieser Doktrin haben nicht Bemühungen zur Deeskalation oder Schutz der zivilen Bevölkerung Vorrang, sondern der Selbstschutz der Polizisten. Entsprechend sind alle Verhaltensprotokolle gestaltet. Wann immer sich ein Polizist in den USA bedroht fühlt, zieht er die Knarre, brüllt wild herum, zwingt die Leute auf den Boden, setzt sich mit seinem Fetten Arsch drauf usw. Und weil irgendwelche Untersuchungen gezeigt haben, dass ein professioneller Messerstecher (die 0.x % der Bevölkerung ausmachen) innerhalb einer Sekunde drei Meter zurücklegen und einen Menschen niederstechen kann, verhalten sich die Polizisten gegenüber 100 % der Menschen so, als wären sie professionelle Menschenstecher mit der Absicht, den Beamten zu töten. Es gilt safety first, also wird geschossen, sobald jemand bis auf 3 Meter herankommt oder den hysterischen Brüllbefehlen nicht sofort Folge leistet. Es könnte ja sein, dass… Vom moralischen Standpunkt ist das hochgradig behämmert. Die Polizeibeamten werden genau dafür überdurchschnittlich gut entlohnt, dass sie sich in Gefahrensituationen begeben, um Menschen zu schützen und Verdächtige und Verbrecher zu fassen. Aber was spielt Moral schon für eine Rolle, wenn es um Geld geht? Ein toter oder verletzter Polizeibeamte muss mit Abfindungen entschädigt werden. Wer zahlt die Abfindungen? Die Versicherung. Wer zahlt die Versicherung? Der Staat oder das Land oder die Stadt – je nachdem, wer die Polizisten beschäftigt. Was sagt die Versicherung? Sie fragt, was zum Schutz der Polizisten getan wird, die bei ihr versichert werden sollen. Je mehr Wert auf den Schutz der Polizisten gelegt wird, desto günstiger ist die Versicherungspolice. Der Staat muss Geld sparen.

      Und so kommt es, dass die Polizisten, statt zu deeskalieren, wie es Polizisten überall auf der Welt machen, in den USA diejenigen sind, die eine Situation eskalieren. Sie haben entsprechende Dienstvorschriften. Auf lange Sicht führt das dazu, dass zwischen Polizei und Bevölkerung eine gefährliche „wir gegen sie“ – Mentalität entsteht. Jedes mal, wenn ein Polizist völlig unnötig eine Frau gezwungen hat, sich in den Schlamm zu werfen und sich dann auf sie drauf geworfen hat und sie gewürgt hat, kommt ein Tropfen Hass in den großen Topf der Volksstimmung. Wenn ein Betrunkener, der sich kaum selbst auf den Beinen halten kann, halb tot geprügelt wird von Polizeibeamten, kommt ein Tropfen Hass dazu. Wenn eine Frau die Polizei ruft, um irgendwas zu klären und der eintreffende Beamte brüllt die Frau an, sie solle sich auf den Boden legen und die Frau zu erklären versucht, dass sie gar nicht diejenige ist, um die es geht und der Beamte in Rage verfällt, weil sein Befehl nicht sofort umgesetzt wurde und die Frau zu Boden wirft und fesselt und ihr weh tut, statt ruhig zu klären, worum es eigentlich geht, kommt ein Tropfen Hass hinzu. Und irgendwann ist das Fass voll und immer mehr Menschen sehen die Polizisten nicht mehr als Beschützer, sondern als Feinde.

      Bleibt die Frage, ob die jüngsten Polizistenmorde von den Geheimdiensten orchestriert wurden, um die Stimmung im Land weiter zu eskalieren. Die Situation in den USA ist so, dass sie sich von sich aus auf eine Eskalation zubewegt. Die „safety first“ Doktrin der US-Polizei ist eine tickende Zeitbombe. Sie explodiert, wenn sie nicht entschärft wird. Ohne Zutun von Geheimdiensten. Die soziale Misere im Land wirkt als Verstärker und Beschleuniger. Geheimdienste können, müssen aber nicht ihre Finger im Spiel haben.

  15. tommmm sagt:

    @Analitik

    wie immer schreiben Sie schlüssige Analysen zu vielen aktuellen Themen.
    Vielleicht wird es auch mal Zeit den Kommentarbereich dieses Blogs zu analysieren?
    Wäre schade um die ganze Arbeit.

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