Gedanken über die zukünftige EU-Armee

Die EU-Armee wird es wohl geben. Sie wurde bereits angekündigt und Trumps Sieg bei den US-Wahlen ist den Plänen der EU-Armee auch förderlich.

Im gleichen Grundsatzpapier, in dem die EU-Armee angekündigt wurde, wurde auch ihr offensiver Einsatz angekündigt. Die Schwäche des Königs war erkannt, die Vasallen müssen jetzt selbst ran, um „die Demokratie in der Welt zu verteidigen“. Lassen wir diesbezüglich die Gedanken schweifen.

Eine EU-Armee wird zunächst mal eine ziemlich armselige Erscheinung sein. Die USA haben nach dem Zweiten Weltkrieg mit gutem Grund die europäischen Vasallen militärisch kastriert. Die Armeen der EU-Staaten sind als Zulieferer und Helfer der US-Armee konzipiert und aufgestellt. Für sich genommen, ohne die US-Armee, sind die Armeen der EU-Staaten ein nutzloser Haufen. Selbst wenn wir eindeutigen politischen Willen zum Aufbau der EU-Armee unterstellen (selbstverständlich ist das nicht), wird es lange dauern, den Haufen Zulieferer zu einer eigenständigen, sich selbst genügenden Armee umzubauen. Das ist eine Mammutaufgabe.

Eine neue Armee muss man in der Praxis erproben. Zur rechten Zeit braucht es einen kleinen Konflikt, in dem man Erfahrungen sammeln kann, um Schwachstellen aufzudecken und Verbesserungspotentiale zu erkunden. Wenn man keinen echten Konflikt zur Hand hat, muss man einen aus dem Hut zaubern. Von echten militärischen Kriegen ist die EU nicht bedroht. Wo ließe sich ein Konflikt aus dem Hut zaubern?

Im Westen hat die EU Ozean und dahinter die USA. Da ist nichts. Im Norden hat die EU Ozean und dahinter die USA. Auch nichts. Im Osten steht die EU schon an der Grenze Russlands. Keine Spielwiese zum Test einer neuen Armee. Im Südosten ist der Nahe Osten. Der ist super! Diese Option entfällt aber, denn im Nahen Osten hat sich Russland breit gemacht, und zwar derart, dass es bis hin zu den USA jedes Militär blockieren kann. Bleibt nur noch die Südrichtung. Und hier werden wir tatsächlich fündig. Im Süden haben wir den afrikansichen Kontinent, wir sind dort bereits militärisch und wirtschaftlich vertreten, wir haben dort Konflikte, die uns direkt betreffen, wir haben dort keine übermächtige Konkurrenz. Alles passt!

Wenn man sich die Weltkarte anschaut, stellt man fest, dass der einzige Ort, dem sich die EU militärisch widmen kann, der Norden Afrikas ist. Nordafrika ist erreichbar, machbar, relevant und von keinem Konkurrenten uneinnehmbar besetzt. Alle aufgezählten Voraussetzung sind notwendig. Alle anderen Regionen verletzten mindestens eine dieser notwendigen Voraussetzungen und kommen daher als Abenteuerspielplätze nicht in Frage.

In Nordafrika ist Libyen der beste Kandidat. Libyen, das von der EU selbst zerstört wurde, ist ein herrliches Territorium, um die neue EU-Armee trainieren zu lassen. Da herrscht Chaos, dieses Chaos schadet der EU, in Libyen hat sich keine geopolitische Großmacht militärisch breit gemacht, Libyen ist nah dran an der EU. Wenn wir im Strategiestab der EU-Armee sind, sieht Libyen wie eine Schatzkiste für uns aus. Eine perfekte Spielwiese. Moralisch leicht zu legitimieren. Geeignet, um See-, Luft- und Bodenstreitkräfte im Verbund an einem ungefährlichen Feind üben zu lassen. Wir (die EU) werden wohl im Laufe des kommenden Jahrzehnts die Demokratie nach Libyen bringen müssen.

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