Vorangehen in der Asylfrage

Am kommenden Sonntag steht ein EU-Sondergipfel zum Thema Asyl an. Von Juncker eingeladen sind: Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Niederlande, Belgien, Bulgarien, Griechenland und Malta. Das ist die Kern-EU zusammen mit den Staaten, über die Flüchtlinge EU-Boden betreten. Nicht eingeladen und offen gegen den Gipfel sind die osteuropäischen Mitgliedsstaaten.

Resümieren wir kurz. In der ersten Phase der Gipfelvorbereitung veranstalten die Kern-EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien synchrones Flüchtlingstheater, um den Preis der eigenen Verhandlungspositionen in die Höhe zu treiben und um den Ergebnissen des Gipfels Legitimation zu verleihen. Von deutscher Seite wird eine mächtige Regierungskrise vorgetragen, damit Merkel beim Gipfel sagen kann: “Also ihr seht ja, wie mich der Horst daheim grillt, dem müssen wir seinen Wunsch wohl erfüllen. Sonst zerbricht die deutsche Regierung und dann herrscht in der gesamten EU Chaos und davon habt ihr ja auch nichts…”. In der zweiten Phase der Gipfelvorbereitung hat sich Merkel mit Macron getroffen, um die wesentlichen Eckpunkte der neuen Asylregelung in der EU auszuhandeln. In der dritten Phase der Gipfelvorbereitung werden gewisse Infos geleakt (Druck von deutsch-französischer Seite), wird mit Absagen gedroht (Gegendruck von italienischer Seite), wird zurückgerudert (Merkel sagt, dass das geleakte noch gar nicht gilt) und dergleichen mehr.

Das ist alles die tagespolitische Umsetzung einer Strategie. Schauen wir zwei Jahre zurück und zitieren direkt aus einem deutsch-französischem Strategie-Papier:

Deutschland und Frankreich sind überzeugt, dass es an der Zeit ist, eine wirklich integrierte europäische Asyl‑, Flüchtlings‑ und Einwanderungspolitik zu begründen. Angesichts der Dringlichkeit schließen wir nicht aus, dass wir mit einer Gruppe von Mitgliedstaaten vorangehen, die unsere Auffassung einer gemeinsamen Verantwortung teilen.

Das ist die zwei Jahre alte, exakte Ankündigung dessen, was wir heute beobachten können. Beachten Sie insbesondere auch, wie die Teilung der EU angesagt wurde und wie das tatsächlich umgesetzt wird.

PS: In den Kommentaren wurde gefragt, was ich von Q-Anon halte. Nicht viel, habe ich dort geantwortet. Stattdessen habe ich das Studium von Taten und von offiziellen Stellungnahmen empfohlen. Das oben verlinkte Strategie-Papier zitiere ich alle paar Monate seit zwei Jahren, weil sich die dort dargelegten Pläne mit äußerster Präzision erfüllen. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass ich dieses Papier auch wieder zitieren werde. Politik wird nicht von Tagespolitik bestimmt. Dass die Asylpolitik in der EU grundlegend verändert wird, auch rigoros gegen Widerstände aus eigenen Reihen!, hat sich nicht der Horst aus einer Laune heraus ausgedacht und dann eigenhändig angeschoben. Der Horst darf einfach eine Rolle übernehmen, die ins Konzept passt. Tagespolitik ist der Ausdruck einer langfristigen Strategie. Und die langfristigen Strategien sämtlicher Akteure sind kein Geheimnis, sie liegen offen herum wie das deutsch-französische Papier, man muss nur einmal damit beginnen, die Müllschleudern zu ignorieren und seine Zeit in das Studium relevanter (und überhaupt nicht geheimer) Dokumente zu stecken.

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Schmökern in der gemeinsamen Erklärung

Russlands Präsident Putin und Boliviens Präsident Evo Morales haben vor einer Woche eine gemeinsame Erklärung abgegeben. Wer des russischen mächtig ist und sich vom Diplomatenjargon nicht abschrecken lässt, findet dort so manche interessanten Sachen…

Zum Beispiel das hier:

Die beiden Staatsführer haben ein besonderes Interesse daran bekundet, dass die erneuerte internationale Architektur die Vielfalt der modernen Welt wiederspiegelt, und sehen daher die Notwendigkeit weiterer zwischenstaatlicher Verhandlungen bezüglich der Reform des UN-Sicherheitsrates zwecks der Erhöhung der Repräsentativität dieses Organs, der eine entscheidende Verantwortung für den internationalen Frieden und die Sicherheit trägt.

Übersetzung von mir.

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Flüchtlings-Theater

In der EU wird um Flüchtlinge gepokert. Ein Schiff voller Flüchtlinge versucht sie irgendwo loszuwerden und die europäische Presse verfolgt gebannt jeden Paddelschlag. Italien und Frankreich zerstreiten sich darüber, versöhnen sich dann wieder. Parallel entfesselt Deutschland ein Flüchtlings-Regierungskrise-Theater (manche glauben, dass Merkel wieder einmal entthront wird – jetzt endlich wirklich), das sich im Kern darauf reduziert, die EU unter Druck zu setzen mit der Drohung, dass Deutschland sonst eine eigene Regelung trifft und die Hälfte der staubgesaugten Flüchtlinge wieder dahin zurückschickt, wo sie zuerst EU-Boden betreten haben. Naja, oder so ähnlich. Die Quälitätspresse emotionalisiert qualitativ hochwertig, damit niemand kapiert, worum es eigentlich geht, wenn gleich mehrere Flüchtlings-Theaterstücke in der EU parallel aufgeführt werden.

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Ein Wort zum Gipfel Trump – Kim

Wenige Tage vor dem Gipfeltreffen von Trump und Kim Jong-un war Russlands Außenminister Lawrow nach Nordkorea gereist, um letzte Anweisungen an Kim zu überbringen.

Und zwei Tage nach dem Gipfeltreffen ist ein Sondergesandter von Kim nach Moskau geeilt, um persönlich Bericht zu erstatten und Putin einen Umschlag zu überreichen. Putin lobte das Gipfeltreffen ausdrücklich, woraus wir schließen dürfen, dass Trump und Kim alles so gemacht haben, wie es ihnen aufgetragen wurde.

Es zeichnet sich folgendes Szenario für die nahe Zukunft ab (Achtung, Prognose!): Pünktlich zum nächsten US-Präsidentschaftswahlkampf werden medienwirksame Schritte zur Denuklearisierung Nordkoreas stattfinden. Trump wird das in vollem Umfang als Erfolg für sich verbuchen dürfen und der Welt und den USA zeigen, dass die USA noch ganz viel wohltuenden Einfluss in der Welt haben (Putin wird energisch zustimmend nicken). Das wird eine der Säulen für Trumps Wiederwahl sein. Russland übernimmt die absolute Garantie für Nordkoreas Sicherheit – entsprechende Unterschriften sind spätestens bei der neulichen Reise von Lawrow überreicht worden. Die atomare Abrüstung Nordkoreas wird einhergehen mit dem Abzug der US-Truppen aus Südkorea. Der Abzug der US-Truppen aus Japan wird dann auch nicht lange auf sich warten lassen. Nord- und Südkorea werden durch Infrastrukturprojekte miteinander verbunden (Gasleitungen und Eisenbahnlinien von Russland nach Südkorea über Nordkorea). Darauf basierend wird die Wiedervereinigung Koreas eingeleitet.

PS: Ob im überreichten Umschlag Botschaften von Kim oder von Trump enthalten waren, wurde der Presse nicht mitgeteilt.

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Einige Anmerkungen zu Putins Sprechstunde

Zwei mal im Jahr nimmt sich Wladimir Putin die Zeit, um vier Stunden lang den Fragen seiner Bürger Rede und Antwort zu stehen. Eine bewusste Rückkopplung der Führungsspitze mit dem einfachsten Volk. Damit die Führungsspitze nicht aus den Augen verliert, was die Sorgen und Nöte der Bevölkerung sind. Jetzt war es wieder so weit.

Ein paar von Putins Antworten scheinen mir auch für das ausländische Publikum von Interesse zu sein.

  • Wenn die Ukraine während der WM mit einer Eskalation im Donbass provoziert, wird das “Folgen für die gesamte ukrainische Staatlichkeit haben”. Das ist eine deftige Ansage. In der gleichen Fragestunde hat Putin das Innenministerium angewiesen, allen willigen Ukrainern (und auch allen anderen russischsprachigen Personen, die sich der russischen Welt zugehörig fühlen) die russische Staatsbürgerschaft nicht zu verweigern.
  • Russlands Militäreinsatz in Syrien dient auch und vor allem russischen Interessen, von denen Putin zwei benennt: Sicherheitsinteressen (effektive Abwehr von Terrorismus, bevor er Russland erreicht) und wirtschaftliche Interessen. Ich kann mich nicht erinnern, dass Putin letzteres bezüglich Syrien bis jetzt so offen benannt hätte. Was genau er damit meint, erläuterte er nicht. Tipp: Es geht um Erdgas.
  • Unter anderem mit Japans Premier Abe, mit Macron und Merkel, ist Putin per “du” und pflegt persönliche, über die reine Politik hinausgehende, Beziehungen. Tschechiens Präsident spricht er aber mit “Sie” an, wegen des merklichen Altersunterschieds.
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Bugariens Premierminister fällt auf die Knie vor Putin

Bulgariens Premierminister Bojko Borissow hatte eine Audienz bei Putin. Auf der abschließenden Pressekonferenz hat er vor der Weltöffentlichkeit seine Schuld für die Verschlechterung der russisch-bulgarischen Beziehungen eingestanden.

Putin machte folgendes klar:

  • South Stream, weches Bulgarien zu einem recht fetten Gas-Transitland gemacht hätte, ist Geschichte.
  • Von Türkisch Stream ist eine Leitung bereits komplett verlegt und die andere zur Hälfte.
  • Erdogan sei aber nach Gesprächen mit Putin bereit, einen Teil von Türkisch Stream in die EU und Richtung Bulgarien weiter zu leiten.
  • Die Fertigstellung des Atomkraftwerks in Bulgarien, mit dessen Bau Russland bereits begonnen hatte und das von Bulgarien gestoppt wurde, könne vollzogen werden, allerdings nur “nach marktwirtschaftlichen Prinzipien”.

Borissow machte folgendes klar:

  • Ja, South Stream ist Geschichte, und wir sind selbst schuld daran.
  • Bulgarien will aber ein Verteilungsknoten für russisches Gas in die EU werden. Russisches Gas kommt bereits über die Ukraine nach Bulgarien. Nun soll eine weitere Route über die Türkei nach Bulgarien führen. Borissow hat das Ehrenwort von Juncker mitgebracht, dass diese Pläne von der EU genehmigt sind. (Ein freier westlicher Staat darf selbstverständlich nicht selbst entscheiden, ob es ein Gasrohr auf seinem Territorium verlegen darf oder nicht…)
  • “Wir haben unsere Lektion gelernt” und jetzt versucht Bulgarien einen Investor zu finden, um das Atomkraftwerk fertig zu stellen.
  • “Wir wissen über die schwierigen Beziehungen, die wir hatten, und wir sind dankbar dafür, dass die [russischen] Kollegen nicht nachtragend sind und dass die russisch-bulgarischen Beziehungen nicht von der Höhe der Schuld eines Politikers abhängen.”
  • “… und unabhängig von der Entwicklung der Beziehungen erweise ich Präsident Putin für seine Einstellung erneut meine Dankbarkeit. Ich hatte die Schuld für das Entstehen einer gewissen Anspannung, aber während der Treffen in Gdansk, Sofia, wir hatten Telefongespräche, in den schwierigsten Momenten, wenn ich anrufen wollte, wurde ich immer gehört. Und ich nehme wirklich einen Teil der Schuld auf mich für die Entwicklung der Situation.”
  • South Stream (welches von Russland direkt nach Bulgarien gehen sollte) ist Geschichte, weil die zweite Linie von Türkisch Stream bereits im Bau ist. Aber wenn sich Bulgarien als stabiler und zuverlässiger Gas-Verteilungspunkt erweist, kann es sich für 9 Milliarden Euro South Stream doch noch holen.
  • “Das bulgrische Publikum weiss es nicht, aber Gasprom und Putin haben darauf verzichtet, sich von uns 800 Millionen Euro erstatten zu lassen für die italienischen Firmen, die die Plattformen nach Burgas gebracht haben.” [Konkrete und kostspielige Vorbereitungen für den Bau von South Stream wurden bereits begonnen, als sich Bulgarien auf Wunsch von Senator McCain quer stellte.]

So schnell ändern sich die Zeiten. Und wer die Änderungen am schnellsten erkannt hat, bekommt von Putin die besten Angebote. Wer zuletzt kommt, muss sich mit den Rest begnügen. Deutschland bekommt seine direkte fette Gas-Leitung, weil Merkel sich nicht blenden ließ und Nord Stream 2 nicht blockierte. Deutschland spart dadurch nicht nur Transitkosten ein, sondern wird selbst zum Transitland für russisches Gas – verwandle zusätzliche Kosten in zusätzliche Gewinne. Erdogan ist rechtzeitig genug aufgewacht und hat seine Leitung auch bekommen und eine zweite dazu, die er für die Weiterleitung in die EU nutzen darf, um Geld praktisch aus dem Nichts zu verdienen. Bulgarien ist zu spät aufgewacht und darf sich nun erst einmal als Verteilungsknoten auf dem Balkan wieder beweisen. Dann vielleicht, für vorgestrecktes Geld, bekommt auch Bulgarien seine Leitung, aber das ist jetzt ferne Zukunftsmusik, während die Leitungen für Deutschland und die Türkei schon im Bau sind (und die bulgarische Leitung schon fertig wäre, wenn…).

Bulgarien hat sich besonders ungeschickt verhalten, weil es sich nicht nur die Gasleitung versaut hat, sondern auch das Atomkraftwerk, das dringend gebraucht wird. Auch hier gilt: Bei Putin geht die Tür niemals zu, aber die Bedingungen werden radikal schlechter. Statt freundschaftlicher Nachlässe und vorgestreckter Leistung kommen jetzt knallharte “marktwirtschaftliche Prinzipien” ins Spiel. Keine Preisnachlässe. Keine vorgestreckten Leistungen für unzuverlässige Kunden. Strafen für Vertragsbrüche. Der Punkt mit der Suche nach Investoren für das Projekt ist sehr spannend. Russland vergibt üblicherweise selbst Kredite für den Bau seiner Atomkraftwerke im Ausland. Raten Sie mal, was mit dem (üblicherweise moderaten) Zinssatz dieser Kredite passiert, nachdem marktwirtschaftliche Prinzipien voll zuschlagen. Bulgarien wird sein Atomkraftwerk bekommen, aber der Preis wird ein anderer sein.

Und die 800 Millionen Schaden, die Gasprom entstanden sind, wurden von Borissow nicht des Spasses wegen erwähnt (werden müssen). Er hat seine Schuld eingestanden, er hat auf den Schaden hingewiesen, der Russland dadurch entstanden ist und der nicht beglichen wurde. Die logische Konsequenz ist, dass Bulgarien diese Schuld gegenüber Gasprom begleicht. Borissow erwähnte anstehende Verhandlungen mit Gasprom bezüglich des Aufbaus des Gasverteilers in Bulgarien. Die 800 Millionen werden dann entweder offiziell beglichen oder als Kosten in den neuen Verträgen versteckt.

Man lerne daraus Putins Politik. Als die Situation heiß war und weiter erhitzt wurde, um Russland und die EU voneinander zu trennen, hat Putin sich nicht reizen lassen, hat fleißig deeskaliert und sogar hohe monetäre Verluste hingenommen. Aber nichts davon ist vergessen und alles wird beglichen werden müssen. Wir sehen bereits die ersten (öffentlich!) ausgestellten und entgegengenommenen Rechnungen für den völlig bescheuerten Krieg gegen Russland, auf den sich die EU eingelassen hat. Wir sehen aber auch, dass selbst diejenigen, die sich am bescheuertsten verhalten haben, wieder am gemeinsamen Tisch Platz nehmen dürfen. Niemand wird ausgeschlossen, aber jeder wird für seine Fehler bezahlen müssen.

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Die Werte, auf denen die EU gegründet wurde

Crimsonalter hat auf eine Bemerkung von George Soros aufmerksam gemacht:

Orban, who ran an anti-Semitic election campaign which held Soros up as a hate figure, is “posing as the defender of his version of a Christian Europe that is challenging the values on which the European Union was founded. (…)” Soros said.

Indem Orban das christliche Europa verteidige, fordert er die Werte heraus, auf denen die EU gegründet wurde, so Soros.

Preisfrage: Auf welchen Werten wurde die EU gegründet, wenn christliche Werte eine Herausforderung dafür darstellen?

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In der Kürze liegt die Würze (18) – Handelskrieg

Wir haben da schon was vorbereitet…

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Eurasien zu Gast bei Putin

Auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg hat sich – so will es der reine, unverfälschte Zufall – das neue Eurasien versammelt. Frankreich wurde vertreten von Präsident Macron, Japan von Premierminister Abe, China von Wang Qishan, dem Stellvertreter Xi Jinpings. Dazu war Lagarde da, um im Namen des IWF zu sprechen.

Was gut für Eurasien ist, ist schlecht für die transatlantischen Globalisten. Und so wundert es nicht, dass sie das Treffen zu torpedieren versucht haben. Dazu wurde die MH 17 Leiche aus dem Keller und vor die Kameras gezerrt. Monsieur Macron, was sagen Sie denn dazu? Wollen Sie wirklich ein strategisches Bündnis mit Russland eingehen? Aber, aber… das Flugzeug! Was sagen Sie jetzt, Monsieur?

In Wirklichkeit ist das ziemlich armselig und einfallslos, aber es zeigt auch, wie wenig die Globalisten noch in der Hand haben. In St. Petersburg ließ sich niemand von der Leiche erschrecken. Macron schob sie höflich beiseite und im übrigen wurde das Störgeräusch aus den Niederlanden gekonnt ignoriert, so sehr sich die anwesenden Journalisten auch um das Gegenteil bemühten.

Lagarde war voll des Lobes für Putin und Russland und die makroökonomischen Errungenschaften der letzten Jahre.

Abe hat deutlich gemacht, dass Japan zu Russland überlaufen will. Die Frontlinie des Kalten Krieges, auf der Japan liege, müsse ersetzt werden durch blühende eurasische Kooperation. Japan will russische Energieressourcen, Japan hat im Gegenzug Technologien und Know-How anzubieten. Japan hat einen Minister für russische Beziehungen. Einen Minister, der sich nur mit dem Aufbau und der Pflege von Beziehungen zu Russland kümmert!

Macron hat sich bei Putin eingeschleimt, so gut es nur ging. Zwischen Russland und Frankreich wurde eine systematische Kooperation von NGOs gestartet. Das bedeutet, dass in naher Zukunft die französische Matrix inhaltlich korrigiert werden wird, was die Einschätzung von Russland angeht. Eine analoge Kooperation wird gerade auch mit Japan durchgestartet – deren Matrix wird auch korrigiert.

Putin hat scherzhaft angeboten, die EU militärisch zu schützen. Wenn Putin Scherze darüber macht, dann ist es äußerst ernst damit und wir werden den russischen strategischen Schutzschild über der EU schon bald bewundern dürfen. Macron war überrascht und stammelte sofort was von der Bedeutung der USA für die europäische Sicherheit, erholte sich aber wenig später und sprach ebenfalls von einer neuen Sicherheits-Architektur.

Alle haben mit dem Finger auf die USA gezeigt und gesagt: “Ne, also die machen das gerade gar nicht gut, das ist ja alles destruktiv, das geht so nicht”.

So viel zu eurasischer Geopolitik auf dem Petersburger Wirtschaftsforum.

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Ruhe in Frieden, liberale Weltordnung

“Ruhe in Frieden, liberale Weltordnung” – so lautet der Titel eines Artikels des Council on Foreign Relations, geschrieben von Richard Haass, einem der einflussreicheren globalistischen Meinungsmacher. Die sinkende liberale Weltordnung, so Haass, ist weder liberal, noch weltumspannend, noch eine Ordnung.

Die obersten Globalisten-Sprecher tragen ihr Schätzchen öffentlich zu Grabe. Während manche von der Presse vergifteten Bürger noch voller Angst und Ehrfurcht an die Rückkehr der Clintons glauben.

Nur anderthalb Jahre hat Trump gebraucht, um den Tod der liberalen Weltordnung fachmännisch so weit abzuwickeln, dass die Hoffnung auf eine Wiederkehr tot ist – bei den Globalisten selbst.

Rufen wir uns Trumps geopolitische Taten in Erinnerung:

  • Aufkündigung von TPP. Womit er nicht nur ganz Südost-Asien, sondern sogar auch Australien in Chinas ausgestreckte Arme übergeben hat.
  • Torpedierung der NATO, die Trump offen als nachteilig für die USA beschreibt. Von der EU verlangt Trump horrende Milliardensummen für den Aufrechterhalt der NATO. Mit der Folge, dass die EU nun offen mit dem Aufbau der EU-Armee begonnen hat.
  • Aufkündigung des Iran-Deals und Ankündigung von damit verbundenen Sanktionen gegen EU-Unternehmen. Trumps große Trumpf-Karte, die er sich lange aufgespart hat.
  • Die Forderung an Deutschland, Nord Stream 2 zu Grabe zu tragen. Würde aus deutscher Sicht genauso wie das Aufkündigen des Iran-Deals den Zugang Europas zu Energieressourcen einschränken, was den Tod der europäischen Industrie oder die totale Auslieferung an die USA bedeuten würde.
  • Wirtschaftskrieg gegen China und EU mittels Zöllen auf bestimmte Waren.
  • Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen, womit Trump die USA auf einer weiteren Spielwiese vom Rest der Welt isoliert hat.
  • Verlegung der israelischen US-Botschaft von Tel-Aviv nach Jerusalem, womit Trump sowohl die EU als auch den gesamten Nahen Osten (mit Ausnahme Israels und Saudi-Arabiens) gegen die USA aufstellt. Ehemalige Verbündete im Nahen Osten wie Türkei und Ägypten, werden durch das symbolische Geschenk an Israel weiter von den USA abgestoßen.
  • Torpedierung von NAFTA, womit Trump sowohl Mexiko als auch Kanada gegen die USA aufbringt.

Das sind nur die großen Taten, die hoffentlich einigermaßen vollständig erinnert wurden. Daneben gab es noch viel mehr im kleineren Maßstab, etwa die militärisch völlig sinnlosen Raketen-Shows in Syrien, die jeweils zur Folge hatten, dass die globalistischen Söldner in Syrien riesige Gebiete verloren.

Bei allen Fragen, die der EU wichtig sind, hat Trump stets gegen die EU gehandelt. Die transatlantischen Berührungspunkte werden immer weniger und Trump hält sich nicht mit Kleinigkeiten auf, er schlägt auch überall dort zu, wo es besonders weh tut. Mit dem Ergebnis, dass die EU endlich so weit ist, offen ihre politische Selbstständigkeit zu proklamieren.

Aber Trump zerstört nicht nur die transatlantischen Bande, er hackt auch fröhlich an asiatischen Banden herum und selbst die direkten Nachbarn auf dem amerikanischen Kontinent hat er gegen die USA aufgestellt.

Trumps bewusst maßlosen und unerfüllbaren Forderungen haben nicht das Ziel, erfüllt zu werden. Sie haben das Ziel, die Beziehungen zu zerstören. Trump fordert das Unmögliche, um die Beziehungen zu vergiften. Um dabei besonders effektiv zu sein, pflegt er das Image des Wilden und Unberechenbaren, der wie ein Psychopath agiert. “Fürchte mich, hrr! Gleich fresse ich dich! Hrrr!” Das ist wahrlich komisch. Gleichwohl ist es nur Theater, um den Übergang zur neuen Weltordnung zu legitimieren und “logisch” erscheinen zu lassen – in der Matrix. Jenseits der Matrix ist Trump absolut berechenbar. Er leitet die USA in geopolitisches Mittelmaß. Und weil das für die meisten Menschen dieser Welt eine unvorstellbare Vorstellung ist, fuchtelt Trump so wild mit den Armen herum und bellt alle an, damit die Menschen aus lauter Angst glauben, dass die USA weiterhin groß und stark und mächtig sind. Das ist schon das ganze Geheimnis von Trumps Außenpolitik seiner ersten Amtszeit.

Wer erinnert sich noch daran, wie Trump zum ersten mal Syrien mit Tomahawks angegriffen hat? Wer erinnert sich noch an die Todesängste, dass die USA da jetzt einmarschieren und alle platt machen? Was ist tatsächlich passiert? Tatsächlich haben die US-Söldner dort massiv Gebiete und Einfluss verloren. Wer erinnert sich noch daran, wie Trump die “Mutter aller Bomben” über Afghanistan abwarf und mehr Truppen für den dortigen Krieg versprach? Viele haben sich in die Hosen gemacht und die unglaubliche Größe der USA mit ihrer ganzen Angst erfahren. Wo sind die zusätzlichen Truppen für Afghanistan und ihre glorreichen Siege? Dann bellte Trump Nordkorea an, bis sich wieder alle in die Hosen gemacht hatten. Der Atomkrieg kommt, Trump, der unberechenbare Psychopath, wird ihn noch diese Woche lostreten! Wie viele Monate ist das jetzt her? Inzwischen ist ein Treffen zwischen Trump und Kim vereinbart, Trump hatte auch schon lobende Worte für seinen nordkoreanischen Kollegen gehabt. Dann hat Trump den Handelskrieg mit China eröffnet. Ohje, das führt in eine neue Weltwirtschaftskrise, ganz bestimmt. Nun wurde aus dem Weißen Haus verlautbart, dass eine Einigung erzielt wurde. Anderthalb Jahre fuchtelt Trump fürchterlich wild mit den Armen herum. Jedes mal folgt darauf… nichts, außer der Tatsache, dass die Welt sich ein Stück mehr von den USA distanziert hat.

Mit den erpresserischen Drohungen zerstört Trump nicht nur Beziehungen, sondern auch die Dollar-Hegemonie. Worauf basieren die Sanktionen der USA gegenüber der EU? Sie basieren darauf, dass die USA den Zahlungsverkehr in Dollar kontrollieren und jederzeit jeden davon ausschließen können. Europäische Konzerne, die ihren internationalen Handel in Dollar abwickeln, sind verwundbar. Das waren sie schon immer, aber jetzt wird diese Verwundbarkeit tasächlich genutzt – oder besser gesagt: Trump droht die Nutzung dieser Verwundbarkeit glaubhaft an. Damit zwingt Trump die EU, Auswege zur Nutzung des Dollars im internationalen Handel zu suchen. Indem Trump die EU dazu zwingt, fügt er der Dollar-Hegemonie den größtmöglichen Schaden zu.

Und Alternativen gibt es. In China wird inzwischen Öl in Yuan gehandelt. Wie Reuters kürzlich berichtete, entfallen auf die Shanghai International Energy Exchange (INE) inzwischen bis zu 12 % des globalen Öl-Handels. Befeuert unter anderem durch den Ausstieg der USA aus dem Iran-Deal. Der Iran-Deal hob die Sanktionen gegen den Iran auf und erlaubte es, iranisches Öl auf den Weltbörsen einzukaufen. Die Wiedereinführung der Sanktionen durch Trump torpediert diese Möglichkeit wieder und das Kontroll- und Durchsetzungsinstrument der USA in dieser Frage ist der Dollar, denn Öl wird üblicherweise in Dollar gehandelt. Wozu zwingt also Trumps Ausstieg? Er zwingt die potentiellen Käufer des iranischen Öls, an Börsen zu gehen, auf denen Öl ohne Dollar-Beteiligung verkauft wird. Hoppla, welch glücklicher Zufall, dass die Chinesen gerade erst eine solche Börse in Betrieb genommen haben. Trump scheucht die Öl-Händler auf die INE. Trump zerstört die Grundlagen der US-Hegemonie. Mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit und doch perfekt koordiniert mit den großen Spielern dieser Welt. Psychopatisch ist dabei nur das Matrix-Theater, das in den Matrix-Medien aufgeführt wird.

Die Isolation der USA, die Trump gerade vollzieht, hat einen interessanten Aspekt. Trump isoliert die USA von der ganzen Welt, die direkten Nachbarn eingeschlossen. Der ganzen Welt? Nein, zwei wagemutige Staaten haben sich im Tornado, das Trump entfacht hat, eng an die Seite der USA gestellt: Israel und Saudi-Arabien. Das sind mit die einzigen Staaten, denen Trump gut zuredet und Geschenke überreicht. Da es in der Politik keine Zufälle gibt, ist auch hier nichts zufällig. Israel und Saudi-Arabien werden sich gemeinsam mit den USA von der übrigen Welt isolieren. Israel und Saudi-Arabien waren schon lange in höchstem Maße auf die USA als Schutzmacht angewiesen. Doch gerade jetzt manövrieren sie sich in eine totale Sackgasse. Direkt um sie herum wird ein neues Eurasien ausgehandelt, werden die Rollen für die Zukunft verteilt. Israel und Saudi-Arabien nehmen an dieser Verteilung nicht teil und haben somit entweder gar keine Rolle in der Zukunft des Nahen Ostens oder bestenfalls die Rolle desjenigen, der die Reste vom Fest aufsammeln darf.

Das Ausschlachten von Saudi-Arabien ist bereits in vollem Gange. In den deutschen Medien wenig beleuchtet, sind sich die Prinzen dort gegenseitig an die Gurgel gegangen. Aus denjenigen, die verloren haben, wurden schon bis Anfang des Jahres 86 Milliarden Dollar rausgeprügelt. Die Summe hat sich sicherlich weiter erhöht. Reparationszahlungen für den verlorenen Krieg in Syrien. Und es ist keinesfalls sicher, dass es das Ende des saudi-arabischen Leidens ist.

Trump hat den Saudis neulich angeboten, eine führende Rolle in Syrien zu übernehmen. Und die Saudis haben daran auch noch Interesse bekundet! Dabei ist recht offensichtlich, wohin dieses Abenteuer führen wird. Trump wird die USA aus Syrien rausziehen und dann steht Saudi-Arabien ganz allein im direkten Konflikt mit der syrisch-russisch-iranisch-türkischen Koalition. Das kann zum Verschwinden Saudi-Arabiens von der Weltkarte führen. Die Saudis haben es nicht einmal geschafft, Jemen unter ihre Kontrolle zu bringen – obwohl die jemenitischen Aufständischen keine Versorgungsroute über Land zu ihren Unterstützern haben. Daran lässt sich das Potential der saudischen Armee ablesen. Wenn die Saudis sich offen in Syrien einmischen, werden sie dort einfach zerfleischt. Trump lockt die Saudis in diese Falle rein.

Mit Israel ist es das gleiche Spiel. Trump lockt Israel auf seine Seite, mit leeren Versprechungen und symbolischen Geschenken. Israel lässt sich dummerweise locken, zu seinem eigenen Leidwesen in nicht allzu ferner Zukunft. Das israelische Kalkül basiert einzig darauf, dass die USA als Schutzmacht niemals abtreten werden. Sollten die USA einmal beiseite treten, steht Israel umringt von feindlichen Staaten da. Das wird nie passieren? Warum denn nicht? Trumps Doktrin ist “America first”, er macht allen Verbündeten klar, dass diese für den Schutz dramatische Abgaben leisten müssen, er macht klar, dass die USA sich aus der Welt zurückziehen und sich auf sich selbst konzentrieren werden. Wenn Trump mit etwas konsequent ist, dann ist das Abstoßen von Verbündeten. Israel spielt ein äußerst gefährliches Spiel. Übrigens, das Haus Rothschild distanziert sich (mindestens) zum zweiten mal innerhalb der letzten Wochen von Israel und Netanjahu.

Mit der Aufkündigung des Iran-Deals seitens der USA haben sich endgültig zwei Lager gebildet. Auf der einen Seite die USA, Israel und Saudi-Arabien (plus nicht weiter erwähnenswerte Mini-Vasallen). Auf der anderen Seite Russland, China, Indien, EU, Türkei, Iran – also das große Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok. Es hat etwas Zeit gebraucht, die Karten so zu sortieren und jetzt liegen sie genau so, wie man sie haben will. Jetzt wird der Graben zwischen den beiden Lagern vertieft werden. Und dann werden sich die USA auf ihren Kontinent zurückziehen. Und zwei Freunde werden merken, dass die USA nach dem Rückzug sicher auf einem anderen Kontinent sind, während die beiden Freunde am Rande eines großen politischen Eurasiens liegen, zu dem sie das Gegenteil von guten Beziehungen aufgebaut haben. Dann werden neue Grenzen auf der Weltkarte nicht unwahrscheinlich werden.

Wir sind mittendrin in einem sehr spannenden Prozess. 2014 bäumte sich der Hegemon zum Kampf gegen seine Herausforderer auf. 2016 wurde der Hegemon des Throns enthoben. Trump wurde als Insolvenzverwalter eingestellt. Keine zwei Jahre später ist die liberale Weltordnung offiziell für tot erklärt worden. An der neuen Weltordnung wird sehr aktiv gebastelt. Wir sind noch nicht am Ende der Umwandlung. Vor uns liegen noch einige Höhepunkte.

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