Gedächtnisverlust als Wirkung moderner Kriegsführung

Viktor Marachowski hat einen spannenden Beitrag herausgebracht. Titel: “Effekt der ‘Waffen des XXI. Jahrhunderts’ bekannt geworden: Die Opfer verlieren das Gedächtnis”.

Hier die Übersetzung, basierend auf DeepL und von mir gründlich nachbearbeitet (an der menschlichen Sprache beißt sich auch die beste KI noch immer großartig die Zähne aus):

Zuerst die Nachrichten. Der BBC-Produzent Riam Dalati, der etwas zu viel getwittert hat, hat seinen Twitter-Account vor der Öffentlichkeit verborgen.

Zur Erinnerung: Am Tag zuvor veröffentlichte dieser Mitarbeiter der British Broadcasting Corporation ein paar Tweets über den berühmten Gasangriff in Duma. Für diejenigen, die es vergessen haben: Der große Angriff geschah im vergangenen Frühjahr. Nach Angaben des vereinigten Westens ließen Hubschrauber der syrischen Armee “zwei Fässer Chlor” oder “zwei Streubomben” oder sogar “Sarinmunition” (je nach Quelle) auf eine Stadt fallen, die von der militanten Gruppe Dschaisch al-Islam gehalten wurde. Siebzig Menschen wurden getötet.

Als Beweis für das Verbrechen präsentierte die “Weiße Helme” Filmgesellschaft eine herzzerreißende Szene im Krankenhaus, wo Ärzte krampfhaft Wasser über vergiftete Kinder gossen und versuchten, deren Leben zu retten.

Eine Woche lang wurde in den Schlagzeilen über dieses Verbrechen geschrien, untermauert mit den Aufnahmen der “Helme” von den kaum lebendigen Kindern.

Die Führer der Weltfreiheit, von Trump bis zum letzten Macron, sprachen mit Härte und mit kalter, rechtschaffener Wut darüber.

Eine Woche später starteten die USA, Frankreich und Großbritannien einen gemeinschaftlichen Raketenvergeltungsschlag gegen Syrien – auch berühmt, weil er gemäß Syrien und Russland mit einem Totalversagen und gemäß den USA mit einem kompletten Erfolg endete.

Und weitere Zehn Tage später traf eine Delegation von 17 Teilnehmern der berühmten Duma-Filme in Den Haag ein – darunter einer der Jungen, die an einer Vergiftung vor der Kamera starben. Die Teilnehmer erzählten, dass es gar keinen Angriff gab: es gab einen Film. Der Junge erzählte, wie die Männer von den “Weißen Helmen”, Freunde der Militanten, die damals die Stadt hielten, ihn für Datteln anheuerten und wie sie ihn aus irgendeinem Grund in einem Krankenhausgebäude bewässerten.

Aber dieses Briefing wurde von allen fortschrittlichen Ländern ignoriert, weil es vom lügnerischen Russland organisiert wurde.

Monate sind vergangen. Und nun gab Produzent Dalati vorsichtig zu: “Nach einer sechsmonatigen Untersuchung können wir ohne Zweifel sagen: Die Szene im Krankenhaus wurde inszeniert. Niemand ist dort gestorben.” Er fügte jedoch hastig hinzu: “Es GAB einen Angriff. Sarin wurde nicht verwendet. Wir sollten auf den Abschluss der OPCW (Organization for the Prohibition of Chemical Weapons) warten, die den Einsatz von Chlor oder etwas anderem beweisen wird.”

Dann erkannte er schnell, dass er selbst das nicht hätte schreiben sollen, und sein Twitter wurde schlagartig “privat”. Die BBC antwortete auf die Fragen der frechen russischen Medien gereizt, dass “es die persönliche Meinung des Mitarbeiters war”.

…Und jetzt das Wichtigste. Es ist zuglich das Traurigste.

Über den Anflug von Ehrlichkeit beim Produzenten berichteten laut Google News:

  • Russische Medien
  • RT
  • Sputnik
  • Einige kleine kroatische, serbische und pakistanische Seiten

und sonst niemand.

Natürlich kann man sagen: Was soll’s, es war eine Fälschung. Was soll’s, deswegen wurden Hundert Raketen auf ein Land abgefeuert, dem es ohnehin nicht gut geht. Das ist doch auch schon lange her. Die Öffentlichkeit ist nicht mehr interessiert, die Öffentlichkeit will die aktuellen Neuigkeiten erfahren. Wegen einer anderen Fälschung wurde ganz Irak zerstört, sollen wir uns also jetzt plötzlich Sorgen machen?

Aber die Sache ist die, dass die BBC die Ergebnisse der Untersuchung genauso gut hätte veröffentlichen können, zum Beispiel irgendwo in der Rubrik “Meinung”. Und das Gleiche hätten auch all die anderen Medien tun können, die vor einem Jahr über das abscheuliche Verbrechen von Putin und Assad heulten. Und diese Widerlegung hätte dem von den führenden Massenmedien produzierten Propaganda-Weltbild in keiner Weise geschadet.

Denn wir leben in einer Zeit, in der die Grundinhalte vergangener Jahre, wie etwa die “Widerlegung in den Medien”, einfach irrelevant und bedeutungslos geworden sind.

Im weit entfernten 20. Jahrhundert, als der Durchschnittsbürger eine einzige Zeitung (“The Times” oder “Время” oder “Zeitung” oder “Le Tempe”) abbonierte, hätte die zuerst mit der Schlagzeile “Iwanow tötete Petrow” erscheinen und dann am nächsten Morgen eine Widerlegung veröffentlichen können: “Iwanow hat Petrow doch nicht getötet”. Und Iwanow konnte sich in der Stadt zeigen und wusste, dass in den Augen der überwältigenden Mehrheit seiner Mitbürger sein guter Ruf wiederhergestellt war.

Aber jetzt ist die Realität in den Händen der Medien schlimmer als Knetgummi. Das ist sowohl eine Sandburg als auch ununterbrochene Wellen, die diese Burg unterspülen. Im Gedächtnis der Massen”existiert” nur das wirklich, was permanent reingehämmert wird. Schwächen Sie das Einhämmern ab – und selbst die Erinnerung an Dinge, die scheinbar unmöglich zu vergessen sind, wird verschwinden. Und umgekehrt: Nehmen Sie beispielsweise für einige Jahre die Nachfahren sowjetischer Soldaten, die die Ukraine befreit haben, ins Dauerfeuer aus Fantasien und Zweigen der künstlichen Realität – und diese Nachfahren werden stolz darauf sein, sich Bandera-Jünger zu nennen.

Der Angriff in Duma war inszeniert? Versuchen Sie, einen Menschen in irgendeiner europäischen Stadt anzuhalten, der im April 2018 vor dem Fernseher prustete und “Assad, dieser Bastard” flüsterte und ihn darauf anzusprechen. Er wird wahrscheinlich fragen: “Duma? Verzeihung, wo ist das überhaupt?” In seiner Erinnerung gibt es ein allgemeines Wissen: “Der syrische Tyrann Assad bombardiert seine eigenen Bürger mit Sarin”. Denn sowohl vor der Fälschung der “Weißen Helme” als auch nach der Fälschung der “Weißen Helme” wurde ihm das dutzende Male eingetrichtert und aus jeder Ecke wiederholt.

Genau genommen ist “die Waffe des XXI. Jahrhunderts” genau das: eine kontrollierte durchfließende Realität, die durch den Kopf eines einzelnen Bürgers gelegt wird. Wenn das Gedächtnis und die Weltsicht des Menschen nicht mehr ihm selbst gehören, sondern ihm per Abonnement gestreamt werden, ist das im Prinzip eine schlimmere Bedrohung als jeder “Klimawandel”.

Man sollte übrigens nicht denken, dass wir hier vor “Gedächtniswaffen” geschützt sind, die auf Wunsch der Besteller die Realität des Publikums erzeugen. Das ist nicht der Fall. Natürlich hat unser Land seine eigenen Informationsabwehrsysteme, aber sie arbeiten nur gegen große Ziele. Und so wird jedem unserer Landsleute mindestens einmal am Tag ins Ohr geflüstert: “Höre nicht auf die Propaganda des Kremls – es ist eine Lüge. Lies nicht die staatlichen Medien – sie lügen. Glaub ihnen nicht. Glaub an die Sensationen, die deine Freunde aus sozialen Netzwerken dir von anonymen Quellen weitergeleitet haben. Diese würden nie lügen.”

Nein, natürlich wäre es töricht zu sagen, dass “die russischen Medien immer die Wahrheit berichten”. So lange Hellseher mit ägyptischen Pyramiden, Werbung für Mistomyzin und Meister des kontaktlosen Kampfes ihren festen Platz in den Staatssendern haben, würde eine solche Aussage lächerlich klingen.

Aber Russland bombardiert wenigstens niemanden auf der Grundlage irgendwelcher talentlosen Videoproduktionen. Und diesen Fakt, den wichtigsten, wird man nicht abstreiten können.

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Oligarchischer Kapitalismus

Der ehemalige Bürgermeister der Stadt New York, Milliardär Michael Bloomberg (sein Vermögen wird von Forbes auf 46,2 Milliarden Dollar geschätzt), will mindestens 500 Millionen Dollar aus der eigenen Tasche in den kommenden Präsidentschaftswahlkampf in den USA investieren, wie Politico mit Berufung auf Mitglieder der demokratischen Partei berichtet. Der ehemalige Bürgermeister hat bereits eine Mannschaft versammelt, die sich seit Ende November mindestens einmal in der Woche im Stabquartier von Bloomberg Philanthropies in Manhattan zur Diskussion von Plan A und Plan B versammelt, wie Politico berichtet. Plan A ist einfach: Bloomberg tritt selbst als Kandidat der demokratischen Partei an. Plan B sieht vor, dass Bloomberg mit allen verfügbaren Mitteln den Kandidaten der demokratischen Partei unterstützt, um Trumps Wiederwahl zu verhindern, so Politico.

… Und diese Leute wollen uns Demokratie lehren und uns etwas über russische Oligarchen erzählen. Ein Oligarch ist ein Superreicher, der mit seinem Geld und seinen Verbindungen die Staatspolitik beeinflussen kann. Und beeinflussen kann er sowohl die Wahlen als auch die Gesetzgebung. In den USA herrscht oligarchischer Kapitalismus. In Russland kann man sich schwerlich einen Unternehmer vorstellen, der ähnliche Ankündigungen macht. Und das bedeutet, dass es in Russland keine echten Oligarchen mehr gibt.

Zitiert aus einem russischen Telegram-Kanal, Übersetzung von mir.

Ich wollte schon seit langem einen zumindest kleinen Artikel mit der Überschrift “Der letzte Oligarch” schreiben, um den gleichen Gedanken zu vermitteln. Der letzte russische Oligarch war Chodorkowski. Er führte den letzten großen Versuch, die russische Politik zu bestimmen und wurde dafür von Putin abgesägt. Das war Anfang der 2000-er. Seitdem gibt es in Russland keine Oligarchen mehr, sondern nur Superreiche. Sie können sich von ihrem Geld allen möglichen Luxus kaufen, nur eben keinen politischen Einfluss in Russland. Und nachdem der Westen in den letzten Jahren seine entfesselte Sanktionspolitik gegen Russland und alles Russische führt, sind den russischen Superreichen die Fluchtwege abgeschnitten und Putin zwingt sie in Russland gar zu Sonderabgaben.

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In der Kürze liegt die Würze (20) – Energie

Wenn man die Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse beiseite lässt, ist die Geschichte der menschlichen Zivilisation im Kern die Geschichte von der Entwicklung von energetischen Ressourcen. Von der eigenen Muskelkraft zur Muskelkraft der Tiere, zur Energie des fallenden Wassers und des Windes, nach der Erkundung der Geheimnisse der Dampfenergie zu energetischen Ressourcen, die sich in “schwarzen Steinchen”, Erdöl und Erdgas verbergen, und als Spitze der heutigen Entwicklung – die Nutzbarmachung der Energie der Atomkerne des Urans und Plutoniums.

Von hier, übersetzung von mir.

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Tschüss INF, hallo neue Unsicherheit

Die USA haben den INF-Vertrag aufgekündigt. Noch mal zur Erinnerung:

Bereits 2007 hat die russische Militärführung dafür plädiert, aus dem Vertrag auszusteigen. Zum einen, weil zahlreiche andere Staaten solche Raketen entwickelten, zum anderen weil die USA Raketenabwehrsysteme in Osteuropa einzurichten begannen. Der damalige russische Verteidigungsminister Iwanow nannte den INF-Vertrag ein Relikt des Kalten Krieges und sagte, dass Russland Kurz- und Mittelstreckenraketen bräuchte. 2013 dann hat Russlands Präsident Putin offen ausgesprochen, dass der Vertrag schlecht für Russland ist. Es sei nicht klar, warum die Sowjetunion diesen Vertrag unterschrieben habe.

Wir haben also einen Vertrag, der schlecht für Russland, aber gut für Europa ist.

USA und Russland bedrohen sich durch Langstreckenraketen. Mit Kurz- und Mittelstreckenraketen bedrohen sich Russland und West-Europa. Wenn Trump also den INF-Vertrag aufkündigt, dann steigen die Spannungen in den Generalstäben der EU-Staaten. Umso mehr, als Trump deutlich macht, dass für den Schutz Europas durch die USA ab sofort eine Sondersteuer fällig wird.

Putin hat sich bereits gemeldet. Im Gespräch mit Lawrow und Schoigu haben alle drei ihre Rollen gehabt:

  • Lawrow durfte erläutern, wie die USA nach und nach einseitig aus vielen Verträgen ausgestiegen sind und wie sie bestehende Verträge verletzt haben. Und wie Russland sich über zwei Jahrzehnte hinweg immer wieder bemüht hat, Verhandlungen zum Erhalt der Verträge zu initiieren. Das tat Lawrow, damit niemand vergisst, wer Schuld an der ganzen Misere hat. Wenn die Europäer bald heulend angelaufen kommen, werden Lawrows Aussagen zitiert und die Kläger an die USA weitergeleitet.
  • Schoigu teilte mit, dass die russische Armee bereit ist, Kalibr in bodenbasierter Version sowie neue Mittelstrecken-Hyperschallraketen zu entwickeln. Ohne Budgetanpassungen! Interne Umstrukturierungen würden ausreichen. Zur Info: Die existierenden Kalibr verletzten den INF-Vertrag nicht, weil sie nur see- und luftbasiert eingesetzt werden. Aber es braucht keine Hochleistungen, um den Startkontainer, der auf Schiffen eingesetzt wird, auf der Erde oder auf einem Spezial-LKW zu montieren. Was die Hyperschallraketen angeht, hat Russland die luftbasierte Mittelstreckenrakete Kinschal und die bodenbasierte Langstreckenrakete Avangard. Beide Systeme werden in Serie gefertigt. Die Lücke zur bodenbasierten Mittelstreckenrakete zu schließen dürfte auch nicht viel Zeit in Anspruch nehmen.
  • Putin gab folgende Anweisungen: Wir verhalten uns spiegelbildlich zu den USA; die USA steigen aus dem Vertrag aus, wir auch; die USA entwickeln bodenbasierte Mittelstreckenraketensysteme, wir tun das auch. Da unsere Verhandlungsangebote konsequent abgelehnt wurden, machen wir von jetzt an keine neuen Angebote mehr. Wir warten, “bis unsere Partner reif werden” (Zitat). Und wir setzen unsere neuen Systeme nicht in denjenigen Regionen ein, in denen auch die USA ihre bodengestützten Mittelstreckenraketen nicht einsetzen.

Letzteres ist ein Wink an die EU und an Japan. Die EU hat bereits bodenbasierte US-Systeme (Polen, Rumänien), von denen sich Mittelstreckenraketen ohne irgendwelche Modifikationen am System einsetzen lassen. Japan hat gerade erst beschlossen, es der EU in dieser Hinsicht gleich zu tun. Das bedeutet, dass Putins wohlwollende Regelung nicht auf EU und Japan anzuwenden ist.

Der Kater sprüht vor Begeisterung und erklärt, was es für die EU bedeutet (zusammenfassende sinngemäße Übersetzung):

Trump hat uns befreit und die Europäer sind jetzt in einer verdammt ausweglosen Lage. In JEDEM Szenario eines hypothetischen zukünftigen Krieges (und diese Szenarien liegen immer auf dem Tisch und müssen in jedem Fall berücksichtigt werden) wird die EU garantiert zerstört – egal wie der Krieg endet. Egal wer den hypothetischen Krieg beginnt, egal wer ihn gewinnt – der EU-Raum wird garantiert ausgelöscht. Im Falle eines zukünftigen Krieges hängt es nun allein von Russland ab, ob die EU überlebt oder stirbt. Deswegen muss die EU um jeden Preis dafür sorgen, dass Russland seine Atomwaffen nicht auf auf die EU richtet, und das geht nur, wenn die EU die bei sich stationierten US-Waffen hinauswirft. Wir sind in diesem Spiel die Guten und verteidigen uns nur, aber die EU wird im Falle des Falles auf jeden Fall und vor allen anderen verrecken. Dafür gibt es jetzt keine Schranken. Deswegen hat Putin auch gesagt: Keine Abrüstungsinitiativen mehr!

Das ist das große Schachspiel, dessen sich die wenigsten Menschen bewusst sind.

Man könnte meinen, dass die USA mit ihren Waffen aus der EU zu werfen nur eine Möglichkeit ist. Die andere könnte doch sein, mehr US-Waffen in die EU reinzuholen, um Russland Paroli zu bieten. Diese scheinbare Lösung hat zwei Probleme: Erstens führt sie dazu, dass Russland umso mehr eigene Raketen auf di EU richten wird, je mehr US-Raketen in der EU stationiert sind, was im Falle des Krieges zu einer umso gründlicheren Auslöschung der EU führen wird. Das eigentliche Problem würde also gar nicht gelöst werden. Zweitens würde diese “Lösung” bedeuten, dass die EU ihren gerade hart erarbeiteten Emanzipationskampf komplett aufgibt und sich Trump zu Füßen wirft und ihm alles Geld in den Rachen wirft, was er nur verlangt. Denn Trump verlangt schon für den jetzigen Zustand viel mehr Vasallensteuer von der EU, als diese bereits entrichtet. Was käme erst, wenn die USA plötzlich in der Rolle wären, die EU gegen neueste russische Raketensysteme schützen zu dürfen…

Tatsächlich ist die Dynamik im aktuellen Krieg schon so weit fortgeschritten, dass sich kein Scheideweg auftut. Es gibt nur einen Ausweg und es ist der gleiche wie bisher. Die EU muss sich von den USA frei machen. Die Auflösung des INF-Vertrags und die neue Sicherheitslage, die sich dadurch ergibt, sorgen nur dafür, dass die EU umso schneller den einzigen Ausweg nehmen muss und umso weniger Spielraum hat, auf diesem Weg eigene Forderungen zu stellen.

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EU legt los mit Dedollarisierung

2018 ist Donald Trump aus dem Iran-Deal ausgestiegen. Den EU-Partnern, die unbedingt drin bleiben wollten und wollen, hat er mit Androhung von Sanktionen verboten, Handel mit dem Iran zu treiben. Die EU reagierte trotzig, aber die europäischen Banken zogen die Schwänze ein und wollten keine Finanzgeschäfte mit dem Iran abwickeln. Wenn die privaten Banken nicht wollen würden, werde man eben selbst einen Mechanismus schaffen, so die EU. Anfang 2019 ist es so weit. Der Mechanismus ist startklar. Es ist eine Tauschbörse. Iranisches Öl gegen Waren aus der EU. Keine Dollar im Spiel. Die Dedollarisierung schreitet voran, unaufhaltsam.

Wem haben wir es zu verdanken? Trump. Ohne seine Arschtritte hätte sich die EU niemals aus ihrer Lethargie aufgerafft.

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Medwedew abgeschottet

In den letzten Monaten ist aufgefallen, dass Russlands Premierminister Medwedew häufig nicht an den Sitzungen des russischen Sicherheitsrates teilnimmt. So auch bei der letzten Sitzung, in der Venezuela und der Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag besprochen wurden.

An der Liste der Teilnehmer erkennt man übrigens die Leute, die genug Vertrauen genießen, um an den sensibelsten sicherheitskritischen Informationen teilzuhaben.

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Warum poltert Italien gegen Frankreich?

Die italienische Regierung hat sich auf Frankreich eingeschossen. Die Gelbwesten werden offen zur Standhaftigkeit aufgemuntert, Macron sei ein schlechter Präsident, Frankreich unterdrücke afrikanische Länder und Italien werde deswegen EU-Sanktionen gegen Frankreich beantragen. Und so weiter, stets in diesem partnerschaftlichen Tenor.

Die zombiegerechte Erklärung dafür aus dem letzten verlinkten Beitrag:

Eigentlich wollte Luigi Di Maio nur mal wieder einen raushauen. Irgendwas, das ihn und seine Fünf-Sterne-Bewegung in die Medien zurückbringt.

Ja, so einfach ist die Welt. Di Maio sitzt den ganzen Tag herum und überlegt sich, wie er endlich wieder eine Schlagzeile bei SPON ergattern kann. Wie könnte man das besser erreichen, als durch einen Frontalangriff auf den großen Nachbar Frankreich.

Wer noch glaubt, dass die große Politik aus ein wenig mehr Tiefe besteht als dem stumpfen und möglichst idiotischen Buhlen um Matrix-Aufmerksamkeit, dem sei noch mal an Bannon erinnert:

[Bannon] spricht fast im Klartext darüber, wie die EU zu zerschlagen ist und über seine persönliche Antipathie gegenüber Macron. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass dieser Vortrag vor dem Beginn der Gelbwesten-Proteste in Frankreich gehalten wurde. Bannon tourt gerade durch Europa und versammelt “The Movement” – eine Koalition europäischer Politiker, die die EU zerstören werden.

Zufall mit Ansage ist der schönste Zufall.

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Neuer Angriff auf Venezuela

Der venezolanische Oppositionsführer Guaidó erklärt sich zum Präsidenten. Das Weiße Haus unterstützt ihn offen aus allen Rohren und erkennt ihn als legitimen Präsidenten an. Teile Südamerikas schließen sich den USA an. Nur wenige Wochen zuvor war Präsident Maduro kurz nach seiner Vereidigung nach Moskau gereist.

Putin erkennt Maduro offiziell an. Trump erkennt den selbsternannten Oppositionellen offiziell als Präsidenten an. So sieht er aus, der Krieg um Südamerika. Hier im Blog haben wir schon vor langer Zeit festgehalten, dass Trump Europa und Asien an Russland abtritt, aber um Südamerika kämpfen wird:

Was haben wir gesehen? Trump poltert besonders stark gegen Iran und Nordkorea, spielt ihnen aber in Wirklichkeit zu. Die eurasischen Schauplätze schenkt er also her – genau das bewirkt sein “dummes” Verhalten. Venezuela will er dagegen mit Demokratie bescheren. Offenbar gibt es bezüglich Südamerika keinen Deal mit Putin – dort wird ernsthaft gekämpft. Das macht Sinn. Den eigenen Hinterhof wollen die USA nicht verschenken und kämpfen noch darum. Der Rest ist bereits abgeschrieben. Zum abgeschriebenen Rest gehören die treuen Vasallen in ganz Eurasien, die Trump mit jeder nur denkbaren Gelegenheit vergrault.

Russland wiederum hat in den letzten Jahren Milliarden Dollar in Venezuela investiert – und tat es sicher nicht in der Absicht, Venezuela an die USA abzutreten.

Nun ist Venezuela nicht erst seit gestern im Krieg und die USA mischen sich nicht erst seit heute ein. Warum also erst jetzt der massive Angriff auf Maduro? Brasiliens neuer Präsident Bolsonaro hat wie die USA öffentlich den selbsternannten Präsidenten als legitimen Herrscher anerkannt. Die USA haben auf Brasilien gewartet. Und wir wissen nun, wie Bolsonaro geopolitisch zu verorten ist.

Es ist wirklich traurig um Südamerika und die Menschen dort. Aber das Leid kommt nicht unerwartet (Einschätzung von Februar 2016):

Es sieht überall schlecht aus. Aber derzeit sieht es überall in der Welt schlecht aus. Die jetzige Krise ist eine Weltkrise. Alle Großmächte kämpfen derzeit, niemand hat etwas zu lachen, nicht mal USA oder China. Und der Tiefpunkt ist noch lange nicht erreicht. Es wird für alle noch schlimmer werden. Südamerika wird mit am meisten leiden.

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Diplomatisches Worträtsel

Wladimir Putin wünscht seinen Kollegen ein frohes neues Jahr (hier auf englisch). So weit, so förmlich und unspektakulär. Aber wenn wir genau hinschauen, sehen wir ein diplomatisches Worträtsel für uns Laien. Was sagen die Glückwünsche jeweils über die Beziehung zum beglückwünschten Land aus? Alle sind betont freundlich… und doch sehr unterschiedlich. Worauf kommt es an und welche Botschaften entdecken wir im Wust der freundlichen Worte? Das Spannende ist, dass wir hier Dutzende kleine diplomatische Botschaften zum gleichen Thema nebeneinander stehen haben, das macht uns den Vergleich sehr einfach.

Einen kleinen Dienst will ich erweisen, indem ich die Gratulierten in der originalen Reihenfolge aufliste:

  1. Abchasien
  2. Aserbaidschan
  3. Armenien
  4. Weißrussland
  5. Kasachstan
  6. Kirgistan
  7. Moldawien
  8. Tadschikistan
  9. Turkmenistan
  10. Usbekistan
  11. Südossetien
  12. Argentinien
  13. Brasilien
  14. Vatikan
  15. Großbritannien
  16. Ungarn
  17. Venezuela
  18. Vietnam
  19. Deutschland
  20. Griechenland
  21. Israel
  22. Indien
  23. Spanien
  24. Italien
  25. Kanada
  26. China
  27. Südkorea
  28. Kuba
  29. Monaco
  30. Serbien
  31. Syrien
  32. Slowenien
  33. USA
  34. Türkei
  35. Finnland
  36. Frankreich
  37. Kroatien
  38. Tschechien
  39. Südafrika
  40. Japan

Das einfachste Rätsel sei sogleich gelöst – die Reihenfolge der gratulierten Staaten ist von 1 – 11 und von 12 – 40 jeweils alphabetisch sortiert (im russischen ist es so, auch wenn es in der Übersetzung nicht so aussieht). Zuerst wurden also die ehemaligen Sowjetstaaten gratuliert, dann alle anderen. Den Verwandten gewährt Putin Vorrang vor den übrigen, aber innerhalb der beiden Gruppen lässt er das Alphabet walten, um keine offensichtliche Gewichtung zu verraten.

Kommentare nur für Mitspieler geöffnet.

Nachtrag, 5. Januar 2019: Der Benutzer “Helm ab zum Gebet” hat eine Übersetzung ins deutsche zukommen lassen. Nach Prüfung und Korrekturen meinerseits können wir Putins Glückwünsche an die ehemaligen Sowjetstaaten nun in deutscher Sprache analysieren:

In seiner Botschaft an den Präsidenten der Republik Abchasien, Raul Khadjimba, stellte Wladimir Putin fest, dass das abgelaufene Jahr den zehnten Jahrestag der Anerkennung Abchasiens durch die Russische Föderation markiert und äußerte sich überzeugt über den weiteren Ausbau der bilateralen Bündnisbeziehungen und der strategischen Partnerschaft zum Wohle der brüderlichen Völker beider Länder im Interesse der Stärkung des Friedens und der Gewährleistung der Stabilität im Kaukasus.

In der Botschaft an den Präsidenten der Republik Aserbaidschan, Ilham Alijew, betonte der Präsident Russlands, dass 2018 ein hochproduktives Jahr für die Beziehungen zwischen Russland und Aserbaidschan war, und wies auf Fortschritte bei der Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen und den politischen Dialog auf allen Ebenen hin.

Der russische Präsident zeigte sich auch zuversichtlich, dass die Umsetzung der bilateralen Abkommen, die während der substantiellen und konstruktiven Gespräche in Moskau, Sotschi und Baku unterzeichnet wurden, die strategische Partnerschaft zwischen Russland und Aserbaidschan weiter stärken wird.

Wladimir Putin sendete seine Glückwünsche auch an den Präsidenten der Republik Armenien, Armen Sarkissjan und an den Premierminister der Republik Armenien, Nikol Pashinyan.

Der russische Präsident betonte, dass die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf jahrhundertealten Traditionen der Freundschaft und der kulturellen und spirituellen Verbundenheit beruhen, und äußerte sich überzeugt hinsichtlich der weiteren Stärkung der Bündnisbeziehungen, der konstruktiven und partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Russland und Armenien im Rahmen der eurasischen Integrationsprozesse, die den Interessen der brüderlichen Völker beider Staaten in vollem Umfang gerecht werden und zur Stärkung der regionalen Stabilität und Sicherheit beitragen.

In seinen Glückwünschen an den Präsidenten Weißrusslands Alexander Lukaschenko stellte der Präsident Russlands fest, dass sich die russisch-weißrussische Zusammenarbeit auf der Grundlage guter Traditionen der Freundschaft und der nachbarschaftlichen Beziehungen im politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Bereichen produktiv weiterentwickelt, dass weiter an der Stärkung des Unionsstaats gearbeitet wird, dass eine enge Koordination der Bemühungen innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion, der GUS und der CSTO stattfindet.

Wladimir Putin zeigte sich auch überzeugt, dass eine weitere Stärkung der strategischen Partnerschaft zwischen Russland und Weißrussland den Interessen der beiden brüderlichen Völker in vollem Umfang entspricht.

Der Präsident wünschte Herrn Lukaschenko von Herzen kernige Gesundheit, Wohlergehen und Erfolg sowie allen weißrussischen Bürgern Glück, Güte und Fortschritt. [“kernige Gesundheit” wirkt im deutschen holprig, ist im russischen aber eine übliche und wohlmeinende Steigerung von Gesundheit]

In seiner Ansprache an den Präsidenten der Republik Kasachstan, Nursultan Nasarbajew, betonte der Präsident Russlands, dass sich die strategische Partnerschaft und das Bündnis zwischen Russland und Kasachstan dynamisch entwickeln und dass die handelspolitische, wirtschaftliche, energiewirtschaftliche, wissenschaftliche, technische und kulturelle Zusammenarbeit expandiert, wobei auch die interregionale Zusammenarbeit zunimmt. “Moskau und Astana spielen eine aktive Rolle bei der Förderung von Integrationsprozessen im eurasischen Raum”, merkte der russische Staatschef an.

Wladimir Putin zeigte sich auch zuversichtlich, dass die Umsetzung der umfangreichen Pläne zum Aufbau der gesamten Bandbreite der russisch-kasachischen Beziehungen dem Wohlergehen der brüderlichen Völker und der Gewährleistung regionaler Stabilität und Sicherheit dienen wird.

In der an den Präsidenten der Kirgisischen Republik Sooronbay Jeenbekov gerichteten Botschaft schätzte der russische Staatschef die Bündnisbeziehung und die strategische Partnerschaft zwischen Russland und Kirgisistan hoch ein und zeigte sich überzeugt, dass die gemeinsame Arbeit zum weiteren Aufbau des gesamten Komplexes bilateraler Beziehungen und zur Stärkung der konstruktiven Zusammenarbeit im Rahmen der eurasischen Integrationsprozesse im Interesse der Völker beider Länder und der Entwicklung der gesamten Region fortgesetzt wird.

In seinen Glückwünschen an den Präsidenten der Republik Moldau, Igor Dodon, äußerte der russische Präsident die Hoffnung, dass die Traditionen der Freundschaft und der Verbundenheit im Geist, die die Völker der beiden Länder verbinden, weiterhin als Grundlage für die Förderung einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Russland und der Republik Moldau und einer Partnerschaft im GUS-Raum dienen werden.

In der Botschaft an den Präsidenten der Republik Tadschikistan, Emomali Rahmon, verwies Wladimir Putin auf die dynamische Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und Tadschikistan im Geiste des Bündnisses und der strategischen Partnerschaft und äußerte sich zuversichtlich über den Erfolg der gemeinsamen Arbeit zur Stärkung der bilateralen Zusammenarbeit in den Bereichen Politik, Handel, Wirtschaft, Kultur und vielen anderen Bereichen, sowie zur Lösung wichtiger Fragen der regionalen Agenda zum Wohle der befreundeten Völker der beiden Länder im Interesse der Gewährleistung von Sicherheit und Stabilität in Zentralasien.

In seiner Ansprache an den Präsidenten Turkmenistans, Gurbanguly Berdimuhamedov, betonte der russische Präsident, dass das jüngste Inkrafttreten des Vertrags über die strategische Partnerschaft zwischen der Russischen Föderation und Turkmenistan neue Möglichkeiten zur Stärkung der für beide Seiten vorteilhaften bilateralen Zusammenarbeit in den Bereichen Politik, Handel, Wirtschaft, Energie, Kultur und vielen anderen Bereichen eröffnet und zweifellos den Erwartungen der befreundeten Völker beider Länder entspricht.

In seinen Glückwünschen an den Präsidenten der Republik Usbekistan Shavkat Mirziyoyev unterstrich Wladimir Putin, dass die Bündnisbeziehungen und die strategische Partnerschaft zwischen Russland und Usbekistan sich gut weiterentwickeln. “Die Gespräche in Taschkent haben zum Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit in den Bereichen Politik, Handel, Wirtschaft, Investitionen und militärisch-technische Angelegenheiten sowie Landwirtschaft und friedliche Nutzung der Kernenergie beigetragen”, konstatierte der russische Präsident unter anderem.

Wladimir Putin zeigte sich auch zuversichtlich, dass Russland und Usbekistan durch gemeinsame Anstrengungen in der Lage sein werden, weiterhin erfolgreich gegenseitig vorteilhafte Beziehungen in allen Bereichen aufzubauen, was in vollem Umfang den Interessen der beiden Länder entspricht und zur Stärkung von Frieden, Sicherheit und Stabilität in der zentralasiatischen Region beiträgt.

Wladimir Putin übermittelte auch dem Präsidenten der Republik Südossetien, Anatoli Bibilow, seinen Glückwünsch, in dem er daran erinnerte, dass das vergangene Jahr von einem wichtigen Ereignis geprägt war: dem zehnten Jahrestag der Anerkennung der Unabhängigkeit Südossetiens durch die Russische Föderation. Der russische Präsident zeigte sich überzeugt, dass die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und Südossetien im Geiste des Bündnisses und der für beide Seiten vorteilhaften Partnerschaft im Interesse der brüderlichen Völker der beiden Länder ist und im Einklang mit der Stärkung von Frieden und Stabilität im Südkaukasus stattfindet.

Weiterer Nachtrag, 5. Januar 2019: Weitere Übersetzungen von Putins Glückwünschen:

In den an den Präsidenten der Argentinischen Republik Mauricio Macri gerichteten Glückwünschen betonte der russische Staatschef, dass die jüngsten Gespräche in Buenos Aires den freundschaftlichen und konstruktiven Charakter der Beziehungen zwischen Russland und Argentinien in vollem Umfang bestätigt haben. Wladimir Putin zeigte sich auch zuversichtlich, dass die Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen zum weiteren Ausbau der gesamten Palette der bilateralen Beziehungen beitragen wird, im Geiste einer umfassenden strategischen Partnerschaft und im Interesse der Stärkung der internationalen Sicherheit und Stabilität.

Der russische Präsident beglückwünschte den Präsidenten der Föderativen Republik Brasilien Michel Temer und den gewählten Präsidenten der Föderativen Republik Brasilien Jair Bolsonaro. Im Zusammenhang mit dem Ende der Amtszeit von Michel Temer als Staatsoberhaupt dankte Wladimir Putin für die konstruktive Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis zwischen den beiden Führern während der Zeit der gemeinsamen Arbeit und schätzte seine Bemühungen zur Stärkung der strategischen Partnerschaft zwischen den beiden Ländern hoch ein.

In seiner Ansprache an Jair Bolsonaro stellte der russische Staatschef fest, dass sich die Beziehungen zwischen Russland und Brasilien im Geiste der strategischen Partnerschaft produktiv entwickeln: die Länder kooperieren in Politik, Handel, Wirtschaft, Energie, Kultur und anderen Bereichen und koordinieren ihre Bemühungen zur Lösung wichtiger regionaler und globaler Probleme.

Wladimir Putin bekräftigte auch seine Bereitschaft zur gemeinsamen Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Russland und Brasilien, sowohl im Hinblick auf die bilaterale als auch auf die internationale Agenda, auch in BRICS, wo Brasilien im nächsten Jahr den Vorsitz führen wird.

In seinen Weihnachts- und Neujahrsglückwünschen an den Römischen Papst Franziskus äußerte Wladimir Putin die Hoffnung auf eine weitere Stärkung der Beziehungen zwischen Russland und dem Vatikan im Interesse der Verteidigung allgemein-menschlicher Werte und der Behauptung der Ideale von Gerechtigkeit und Frieden in der Welt, sowie zur Förderung des Dialogs zwischen den verschiedenen religiösen Konfessionen.

Der russische Staatsoberhaupt übermittelte seine Glückwünsche auch auf den Namen der Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland Elisabeth II. und der Premierministerin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland Theresa May, in denen er ihnen und ihren Familienangehörigen kernige Gesundheit, Glück und Erfolg, und dem britischen Volk Wohlergehen und Fortschritt wünschte.

In seinen Glückwünschen an den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban stellte der russische Präsident fest, dass in den Beziehungen zwischen Russland und Ungarn erhebliche Fortschritte erzielt werden konnten und dass neue Meilensteine der Zusammenarbeit erreicht wurden. Er betonte auch, dass er auf eine Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit zur Stärkung der bilateralen Beziehungen in verschiedenen Bereichen setzt.

In den Glückwünschen an den Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela, Nicolas Maduro, stellte der Präsident Russlands fest, dass die jüngsten Gespräche in Moskau die Nähe der Standpunkte der beiden Länder zu Schlüsselfragen der internationalen Agenda bestätigten und es ermöglichten, Schritte zum Ausbau der für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit aufzuzeigen. Der russische Staatschef zeigte sich zuversichtlich, dass die getroffenen Vereinbarungen die strategische Partnerschaft zwischen Russland und Venezuela weiter stärken werden.

Und ein paar Kommentare:

  • In Putins diplomatischem Code gibt es “Partner” (darunter fallen auch Feinde) und “strategische Partner”. Wer es zum strategischen Partner Russlands geschafft hat, darf stolz und glücklich sein und sich zu Russlands Partnern im eigentlichen Wortsinn zählen. Wo immer Putin von strategischen Partnern spricht, sind gute, fruchtbare und auf Langfristigkeit ausgelegte Beziehungen am Werk. Die Steigerung der strategischen Partner sind “Freunde”.
  • “Bündnis”-Beziehungen kennzeichnen eine tiefe wirtschaftliche und politische Integration mit Russland. Es bedeutet auch, dass der russische Bündnispartner in seiner Außenpolitik nicht von Moskau abweicht. Bündnisse sind eindeutig eine Steigerung zur “strategischen Partnerschaft”.
  • Bezüglich Weißrussland ist von einem “Unionsstaat” die Rede. Das ist ein supranationaler Überbau von Russland und Weißrussland, eingeleitet 1996, als Gründungsvertrag 1999 unterschrieben, im Jahr 2000 von beiden Ländern ratifiziert und seitdem in Kraft. Das wird gerade mit neuem Leben gefüllt. Die Konsumenten “alternativer” Quellen russischer Herkunft haben diesbezüglich vermutlich schon die schlimmsten Horrorszenarien in den Kopf gepflanzt bekommen.
  • In den Botschaften äußert Putin immer wieder Hoffnung, Zuversicht und Überzeugung bezüglich der anvisierten Entwicklungen in der Zusammenarbeit. Das sind unterschiedliche Gewichtungen. Alle drei Begriffe klingen gut und doch verraten sie, wie gut oder schwierig es um die Beziehungen tatsächlich steht. Die Glückwünsche an Moldau zum Beispiel enthalten gerade einmal die Hoffnung, dass die Zusammenarbeit (ohne nähere Spezifierung, in welchen Bereichen genau) besser wird. Das ist ein zartes Pflänzchen.
  • Großbritannien wurde von vielen Kommentatoren erwähnt. Man beachte, dass Großbritannien nicht einmal als Partner bezeichnet wird. Man beachte, dass nicht einmal Hoffnung zum Ausdruck gebracht wird. In der Sprache der Personalabteilungen heißt das: “Wir konnten Sie leider nicht berücksichtigen. Für Ihren weiteren beruflichen und persönlichen Werdegang wünschen wir Ihnen alles Gute”. Selbiges gilt für die Glückwünsche an Kanada.
  • Gegenüber Brasilien bekräftigt Putin seine Bereitschaft, die Zusammenarbeit zu verstärken. Das ist ein Angebot an die neue Regierung.
  • Ungarn hat eine echte Kehrtwende in seiner Russland-Politik vollzogen. Das weiss man mit Sicherheit, basierend allein schon auf den wenigen Zeilen von Putins Grußbotschaft, selbst wenn man sonst überhaupt nicht mitverfolgt, was im letzten Jahr zwischen Russland und Ungarn gelaufen ist.
  • Österreich fehlt überraschend, wie schon die Leser angemerkt haben. Auf die kleine Spion-Affäre würde ich mein Geld nicht verwetten. Hier ist Raum für mehr und Stoff zum Nachdenken.
  • Iran fehlt, wie ebenfalls Leser angemerkt haben. Garantiert nicht wegen irgendwelcher Probleme, denn Iran ist ein “strategischer Partner” Russlands. Hier würde ich zur völlig banalen Erklärung tendieren, die ein Leser in den Kommentaren dargelegt hat: das westliche Neujahrsfest ist der iranischen Kultur so fern, dass Gratulationen absurd wären.
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Bannon in Oxford

Der geschätzte Blogger crimsonalter hat diesen Auftritt von Steve Bannon in Oxford empfohlen:

Aus crimsonalters Empfehlung:

Die ideale Veranschaulichung des Blicks der “antiglobalistischen Eliten” auf die Welt, die Zivilisation, den Populismus, den Post-Kapitalismus usw. Bannon ist ein hervorragender Redner, ein sehr tauglicher Ideologe und ein sehr talentierter Organisator. Als Bonus: Er spricht fast im Klartext darüber, wie die EU zu zerschlagen ist und über seine persönliche Antipathie gegenüber Macron. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass dieser Vortrag vor dem Beginn der Gelbwesten-Proteste in Frankreich gehalten wurde. Bannon tourt gerade durch Europa und versammelt “The Movement” – eine Koalition europäischer Politiker, die die EU zerstören werden. Dieser Auftritt ist sein Manifest, aber das ist nicht das Manifest eines “Anti-Europäers”, das ist eher das Manifest derer, die nicht nur zurück in die gelobten 80er (oder sogar 1950er) zurück wollen, sondern auch erhebliche finanzielle und politische Ressourcen zur Erreichung dieses Ziels zur Verfügung haben. Der Konflikt um den Erhalt oder die Demontage der gesamten Nachkriegs-Weltordnung und der internationalen Beziehungen wird das Hauptthema der Geopolitik im Jahr 2019.

Nach Durchsicht des Videos möchte ich hinzufügen:

  • Wer Interesse hat, kann die Bodyguards zählen. Und ausgehend davon, dass alle Einstellung nur auf eine Wand gerichtet sind, hochrechnen, wie viele es insgesamt sein müssen. So viel zu Bannons bescheidenen Worten, dass er nur ein einfacher Mann sei.
  • Wer der Presse oder den “alternativen” Medien auf den Leim gegangen ist und immer noch an einen Konflikt zwischen Trump und Bannon glaubt, achte darauf, wie sich Bannon zu Trump äußert. Ja, genau so sieht hundertprozentige Unterstützung aus. Bannon steht voll und ganz hinter Trumps Politik. Und wenn Sie sich fragen, warum er vom hohen Posten des Sicherheitsberaters gegangen ist, sehen Sie auch die Antwort: Bannon tourt durch die ganze Welt und sucht antiglobalistische Gleichgesinnte. Seine Reise durch Asien hatten wir hier im Blog gestreift. Damals war auch schon klar, dass Bannon nicht im Konflikt gegangen ist, sondern um wichtigeres zu tun, als Sicherheitsberater zu sein.
  • Das Publikum verdient ebenfalls die Aufmerksamkeit. Die Studenten sind ideologisch verbohrt, fernab der Realität, ohne die geringste Bereitschaft, den Diskussionspartner zu verstehen, völlig uninteressiert an den Informationen, die sie aus einer einflussreichen politischen Person herauskitzeln könnten. Die leben alle in der Matrix. Und dort sind sie nicht einmal moralisch integer, wie sie glauben, sondern einfach nur politisch korrekt in fanatischer Ausübung. Der Diskussionsleiter hat seine Unsicherheit durch eine übertrieben arrogante Sitzhaltung zu überdecken versucht, die er stoisch über eine Stunde lang durchgehalten hat. Peinlich. Und Hochachtung vor Bannon, mit wie viel Gelassenheit er das ertragen hat. Das Problem der globalistischen Eliten ist, dass diese globalistischen Nachwuchskräfte nicht willens sind, die Situation in der Welt zu verstehen, den Gegner zu verstehen. Ideologisch verbohrt zu sein wäre aus machtpolitischen Gesichtspunkten gar nicht schlimm an sich, aber wenn es dazu führt, dass man die Welt und den Gegner überhaupt nicht verstehen will, verliert man. Der stumpfe Glaube, dass der Gegner böse ist und es darüber hinaus nichts zu verstehen gibt, funktioniert nur bei den Gelenkten. Die Lenker müssen pragmatisch sein, können den Gelenkten gerne einimpfen, dass der Feind abgrundtief böse ist, müssen aber selbst den Feind sehen, wie er ist, um zu verstehen, wie er zu besiegen ist. Genau das war nicht zu erkennen. Wenn das die westliche Elite ist – und bei Oxford muss man wohl davon ausgehen, dass ungefähr so die westliche Elite von morgen aussieht – dann müssen sich Russland und China keine Sorgen machen.
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