In der Kürze liegt die Würze (13) – Farbige Revolutionen

Dick Cheney, damaliger Vize-Präsident der USA, in seiner Rede auf einer Konferenz in Vilnius im Jahr 2006:

This conference has drawn together men and women from diverse nations and cultures, and from many different callings here today. We have elected and appointed officials, community activists, entrepreneurs, students, brave leaders of color revolutions.

Soll ohne weiteren Kommentar hier verweilen, für den Fall, dass jemand irgendwann noch den Mut aufbringt zu behaupten, dass „Farbige Revolutionen“ ein von russischer Propaganda ausgedachter Kampfbegriff ist.

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Großvater Agwan

Igor Rasterajew, den wir hier schon kennengelernt haben, mit seinem Gedicht „Großvater Agwan“ („Дед Агван“):

Den russischen Text gibt es hier auf der Seite des Autors.

Meine Übersetzung ist wie immer möglichst wortgetreu:

Großvater Agwan

Ich habe meine eigenen Großväter nicht gesehen,
Das konnte ich auch gar nicht:
Noch vor meiner Geburt
Sind sie alle verstorben.

Aber ich bin nicht vom Schicksal benachteiligt,
Ich bin trotzdem glücklich.
Ein Großvater war in der Nähe, wenn auch kein leiblicher,
So doch ein heiß geliebter.

Er war kein Russe – sondern Armenier,
Aus einem Dorf, aus dem Volk –
Agwan Tigranytsch Grigorjan,
Jahrgang 26.

Er war ein Held und Veteran –
Wie aus dem Bilderbuch –
Für alle. Aber ich habe ihm
Eiswürfel hinter den Kragen geworfen.

Von Kindheit an wusste ich alles über den Krieg –
Denn der Großvater hat ungeschönt
Mich täglich unterrichtet
Bei einem Teller Grießbrei.

Es war so: er hat in Frieden
Schafe am Ararat gehütet.
Doch plötzlich ging
Die deutsche Armada auf uns los,

Damit weder Russen, noch Armenier
Hier weiter leben konnten,
Aber dann kam Großvater Agwan angefahren,
Und er war schwer dagegen.

Er kam angefahren, natürlich nicht allein…
Wie Flüsse flossen dorthin zusammen
Tausende Georgier,
Kasachen und Usbeken…

Als vielsprachiger Haufen
Besetzten sie die Schützengräben.
Und in jenen Schützengräben
Sind sie schlagartig russisch geworden.

Statt der Schaafe waren dieses mal
Andere die Tiere.
Und der Großvater hütete „Tiger“
Durch das Zielvisier, heizte den „Pantern“ ein…

Auf russisch konnte er sich zunächst
Nicht sonderlich verständigen,
Aber den Ausdruck „durchgeknallt“
Verstand er durchaus – wörtlich.

Ich konnte mit dem Großvater
Gut drei Teller von dem Brei essen,
Lauschend, wie sie zu Fuß
Nach Westen aufgebrochen waren.

Und so wie immer, abermals
Haben sie ordentlich eingeschenkt…
Und dann ging die Geschichte so,
Wie in einer Seifenoper:

„Berlin, April. Die Erde bebt.
Geschosse, Kugeln – wie Hagel…“
Und Großvater läuft über die Straße
Mit einem erbeuteten Gewehr.

Um ihn herum – zerstörte Häuser,
Dem kaukasischen Bergkamm gleich.
Großvater hat fünf Granaten bei sich,
Dann sieht er, auf einem Trümmerhaufen

Liegt und stöhnt ob seiner schweren Wunden,
Allein wie ein Blatt im Sturm,
Genau so wie er selbst, ein Junge,
Nur in der deutschen Uniform.

Und er zeigt Großvater auf ein Fenster,
Erklärt ihm mit den Händen,
Dass er neben seinem eigenen Haus
Daniederliegt im Sterben.

Dass seine Eltern dort drin sind,
Dass er von hier ist, ein Berliner,
Der Krieg hat ihn
Bis vor das eigene Haus gespült.

Zusätzlich zu seinem eigenen Gepäck,
Und obwohl er nicht der stärkste war,
Lud Großvater ihn auf und trug ihn herauf –
Ins Stockwerk, wo Papa und Mama waren,

Wo eine Explosion den Balken verzog,
Wo eine Öllampe Wärme spendet:
„Empfangt, ‚Frau‘,
Euren deutschen Soldaten“…

Wenn Großvater von diesem Augenblick sprach,
Veränderte er sich plötzlich:
Wie schrecklich der Schrei der Mutter war,
Wie er dort geblieben ist.

Wie in der Küche, in der ein Kerzenständer leuchtete,
Ihm Wasser erwärmt wurde,
Wie er mit dem Schmutz den Hass abwusch,
Der sich in Jahren und Wochen angesammelt,

Wie er auf weißen Laken schlief
Inmitten von Krieg und Hölle
Und wie er träumte von friedlichen Tagen
Im Ararat-Tal.

Wie er am Morgen wieder aufgebrochen war
Zum nahen Tag des Sieges,
Er hörte hinter sich „Danke schön“,
Und antwortete „Прощайте“… [„Lebt wohl“]

Hier unterbrach ich immer ihn,
Kaum je zu Ende lauschend:
„Opa, was ist das für ein Quatsch?
Erzähl über das Schießen!

Erzähl, wie du im Feuer branntest,
Wie du fast auf der Mine gestorben wärst…“
Ich habe mich nicht interessiert
Für Laken in Berlin.

Aber Großvater wurde still,
Holte einen Nachschlag Brei
Und stopfte mir den Brei in den Mund,
Damit ich schneller wachse…

Er ist schon weg, und ich bin groß.
Und plötzlich habe ich verstanden:
An jenem Tag fand der wichtigste Kampf statt –
Um Menschlichkeit.

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Heckler & Koch haben verstanden

Das deutsche Unternehmen Heckler & Koch, das im letzten Jahr fast 40% seines Umsatzes auf dem zivilen Waffenmarkt der USA erwirtschaftet hat, verlegt die Produktion der entsprechenden Güter in die USA. Der Chef des Unternehmens gesteht ganz offen ein, dass Trumps Politik der Grund ist.

Ergänzung zu diesem, diesem und diesem Beitrag.

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Gedanken über die zukünftige EU-Armee – dritte Ergebnisse

Erste Stellungnahme bezüglich EU-Armee und Libyen:

In Nordafrika ist Libyen der beste Kandidat. Libyen, das von der EU selbst zerstört wurde, ist ein herrliches Territorium, um die neue EU-Armee trainieren zu lassen.

Aktualisierung zu Libyen:

Libyen ist noch zu heiß für die EU. Nicht umsonst habe ich der EU ein ganzes Jahrzehnt Zeit eingeräumt, um die militärische Nase in Libyen reinzustecken. Inzwischen hat es Hinweise gegeben, dass Putin seine Hand nach Libyen ausstreckt. Wenn sich das bestätigt, wird die EU allenfalls von Putins Gnaden in Libyen tätig werden.

Hervorhebung von mir.

Bei Merkels Visite in Sotschi gab es eine Fortsetzung. Putin bei der Begrüßung von Merkel:

(…) Und natürlich werden wir dieses Treffen nutzen, um über die bilateralen Beziehungen zu reden, über die problematischsten Punkte, ich meine die Ukraine, Syrien, vielleicht irgendwelche andere Regionen.

Merkel bei der Begrüßung:

Natürlich werden wir auch internationale Angelegenheiten besprechen: Die Situationen in der Ukraine, Syrien, Libyen.

Hervorhebung von mir. Übersetzungen von mir.

Merkel will um Putins Gnade bitten. Herrlich übrigens, wie Putin den Pass gespielt und Merkel annimmt.

Aber… nach dem Treffen auf der Pressekonferenz war noch kein Doppelpass gespielt worden. Putin sprach vom Austausch über Syrien und Ukraine, erwähnte Libyen aber mit keinem Wort. Dafür Merkel:

Ich hoffe, wir werden dann auch noch die Gelegenheit haben, über Libyen zu sprechen, weil auch dies eine große Herausforderung ist.

Einig sind wir uns im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Hierbei können Deutschland und Russland noch enger zusammenarbeiten. Aber wir als Deutschland leisten in der Anti-IS-Koalition auch unseren Beitrag, um den islamistischen Terrorismus zu bekämpfen. Hierbei sind wir auch mit Russland einer Meinung.

Putin hat sie also in der ersten Gesprächsrunde abblitzen lassen, was Verhandlungen über Libyen angeht. Merkel musste ihr öffentliches Bittgesuch wiederholen und Werbung für das Thema machen. Am Anfang der Pressekonferenz wurde angekündigt, dass die Gespräche anschließend weiter gehen würden.

Ob Merkel doch noch über Libyen sprechen konnte? Vielleicht, aber ihre Verhandlungsposition war stark geschwächt wegen der Tatsache, dass sie zwei mal um das Thema buhlen musste und Putin kein Interesse dafür zeigte.

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Das Kurdenproblem

Aus den Kommentaren zur Frage des Kurdenproblems und der „bösen“ Kurden:

Sie sind nicht besser oder schlechter als andere. Sie sind ein größeres Problem, weil unsere westlichen Medien ihnen einen Heiligenschein über die Köpfe gemalt haben (was keine objektive Begründung hat, sondern ausschließlich geopolitischen Zielen geschuldet ist) und die Kurden damit gegen jede Kritik und gegen jedes Eingreifen beschützen. Die Kurden wissen das natürlich und das Wissen darum, dass sie zu Unantastbaren und zu dem Guten schlechthin erklärt wurden und erklärt werden, und dass alle, die auch nur ein Wort gegen die Kurden sagen, zum Bösen schlechthin erklärt werden und bekämpft werden, das Wissen darum verleitet die Kurden dazu, schlechter zu sein, als sie eigentlich sind. Es ist so, als wenn Sie einem Menschen sagen, dass er quasi heilig ist und ein Recht auf Grundbesitz in Deutschland hat und diesem Menschen auch noch Waffen geben und ihm dabei helfen, durch Deutschland zu streifen und Boden als seinen eigenen zu beanspruchen. Normale Menschen werden dadurch zu Kriminalität verleitet und Menschen mit krimineller Ader werden völlig maßlos in ihren Verbrechen, weil sie offiziell ja das Gute sind, das nicht bekämpft werden kann, und weil ihnen das nicht nur zugesichert wird, sondern weil sie dabei auch mit Taten von äußerst mächtigen Staaten unterstützt werden.

Die Kurden sind nicht böse, sie sind einfach ein Problem, weil gewisse Kreise sie ganz bewusst zu einem Problem gemacht haben. Und da die Kurden mit Waffen versorgt wurden und militärisch ausgebildet worden sind und laufende militärische und geheimdienstliche Unterstützung erhalten, sind sie ein Problem, das nicht mit rein politischen Mitteln neutralisiert werden kann. Die militärische Macht, die (ob eingesetzt oder nur angedroht) zur Lösung des Kurdenproblems notwendig ist, kann derzeit nur Erdogan offen gebrauchen, weil er die Kurden nie auch nur ansatzweise als das Gute akzeptiert hat und daher niemandem moralisch verpflichtet ist, die Kurden mit Samthandschuhen anzufassen.

Und wenn wir vom Kurdenproblem reden, dann reden wir nicht von den einfachen Kurden, die täglich ihrem Broterwerb nachgehen, sondern wir reden von den Kurden, die auf den Gehaltslisten der westlichen Staaten und Geheimdienste stehen, von diesen für den Kampf ausgebildet worden sind und von diesen für den Kampf ausgerüstet werden. Der Westen benutzt die Kurden, um den Nahen Osten zu sprengen. Das ist ein Problem und diejenigen Kurden, die sich dafür einspannen lassen, sind ein Problem.

Die Kurden stellen das gleiche Problem wie der IS dar – eine Gruppierung entlang ethnischer oder religiöser Merkmale (Standardvorgehen immer und überall…), die zur Sprengung des Nahen Ostens eingesetzt wird. Aber während der IS medial als das Böse stilisiert wurde, sind die Kurden als das Gute stilisiert worden. Am Boden sind das genau die gleichen Söldner. Der Unterschied ist, dass niemand etwas schlechtes sagen kann, wenn Russland mit seiner Koalition den IS militärisch zerstört, während das mit den Kurden ganz anders aussieht. Das macht die Kurden zu einem viel größeren Problem als den IS. Das Drehbuch der Matrix sieht nicht vor, dass man das Kurdenproblem einfach so lösen kann.

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Dechristianisierung

Ein lustiger Animationsfilm:

Schauen wir unter den Humor, dann sehen wir:

  1. Der coole Wikinger hat keine ebenbürtigen Gegner. Die tollsten Kämpfer beseitigen sich angesichts des Wikingers praktisch von selbst. Die wehrlosen Christen dagegen werden lebendig verbrannt und von Monstern gefressen. Und wenn der Wikinger nicht wäre… Wähle deine Religion, mein Junge.
  2. Der Wikinger rettet die Nonnen, aber sie versauen ihm alles, ziehen ihn in ihre langweilige christliche Religion ein, entreißen ihn aus seiner eigenen, obercoolen Religion.
  3. Wikinger-Romantik, die bei der Jugend so beliebt ist, durchsetzt den gesamten Film und verstärkt alle bewussten und unbewussten Gedanken und Rückschlüsse aus den obigen Punkten.
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Türkei im hybriden Krieg

Türkei verbietet Kuppelshows, weil diese die Institution der Familie beschädigen. Und Wikipedia ist in der Türkei auch gesperrt worden.

Logische Schritte im hybriden Krieg. Drastische Schritte, aber logische. Das Schlachtfeld des hybriden Krieges sind die Gehirne der Menschen. Auf etwas anderes als die Gehirne der Massen können Kuppelshows und Wikipedia auch nicht einwirken.

Nebenbei reißt die Türkei die Brücken zur westlichen Wertegemeinschaft weiter ein. So wird die Wende umgesetzt. Da der Abschied vom Westen offen und mit endgültiger Absicht erfolgt, besteht für die Türkei kein Grund für Heuchelei und Entgegenkommen. Gestrige Partner können als Nazis und Faschisten beschimpft werden, westlicher Medienmüll kann radikal verboten werden. Was soll der beleidigte Westen schon dagegen machen? Sanktionen gegen die Türkei würden die türkische Wende nur bestärken. Wenn der Westen die Türkei nicht völlig an Russland und China verlieren will, muss er die verbliebenen Brücken schützen – also deeskalieren so weit es geht und hoffen, dass die Türkei nicht alle Brücken sprengt. Geschenke an die Türkei wären hilfreich, aber der Westen hat keine Geschenke mehr zu verteilen.

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Israelische Freuden

Dr. Guy Bechor
Ph.D., Tel Aviv University, 1999
Dr. Bechor heads the Middle East division at the Lauder School of Government and teaches at the Sammy Ofer School of Communications. He has written several books and academic articles on Arab civil law and the politics and history of the Arab Middle East. Dr. Bechor has served as a lecturer and consultant to the IDF, Israel Police and Israeli Ministry of Foreign Affairs. He helped establish the Arabic website of the Yedioth Aharonot daily newspaper and has been an Arab affairs commentator for leading newspapers and TV stations like CNN, Al-Jazeera and the BBC. Dr. Bechor is a member of the Israeli Bar Association and the Israeli Press Council.

Von hier.

Guy Bechor ist ein namhafter israelischer Politologe, ein Experte für die arabische Welt. Der israelische Regieungsapparat lässt sich von ihm konsultieren und Bechor ist auch in großen israelischen und internationalen Medien als Experte präsent.

Chanukka ist ein acht Tage dauerndes jüdisches Weihe-Fest, bei dem jeden Tag eine Kerze angezündet wird, so dass am Ende acht Kerzen brennen. Im Jahr 2015 begann das Fest am 7. Dezember. An diesem Tag (also 2015 schon) hat Bechor einen Artikel verfasst, in dem er acht Kerzen für Israel angezündet hat. Es gibt eine autorisierte Übersetzung von Alexander Nepomnaschij ins russische, die ich nachfolgend ins deutsche übersetze, ohne weitere Kommentare (Hervorhebungen wie im übersetzten Artikel):

In jenen Tagen, in dieser Zeit

Dieser Tage hat der bekannte israelische Politologe und Orientalist Dr. Guy Bechor einen feierlichen Artikel veröffentlicht, der speziell zum Chanukka-Fest geschrieben wurde. Diese Publikation hat faktisch den Schlussstrich unter viele vorherige Publikationen von Bechor aus diesem Jahr gezogen.

Manchen wird sein Ansatz vielleicht zu optimistisch erscheinen. Und dennoch, im Großen und Ganzen, so scheint es mir, hat Bechor die Haupttendenz der heutigen Zeit genau richtig erfasst. Er nennt diese Zeit „die Zeit Israels“ und sogar „die Epoche der Wunder“.

Und wirklich, es ist sehr wichtig zu erkennen, dass wir in eine völlig neue Zeit eingetreten sind, dass wir aufhören sollten, auf absurde Ängste, leere Drohungen und blödsinnige Ermahnungen zu reagieren. Etwas anderes haben unsere Feinde nicht mehr in der Hand.

Und überhaupt, wann sollten wir die Wunder, die in der Welt geschehen, auch sonst feiern, wenn nicht an Chanukka.

Daher biete ich, mit der freundlichen Genehmigung des Autors, meine Übersetzung des Artikels an, dessen Original in hebräisch sich unter diesem Link findet.

Frohes Fest!

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Wenn man in dieser Woche acht helle, leuchtende Kerzen anzündet, kommt man an dieser Frage nicht vorbei: „Wie ist es passiert, dass wir das alles erreicht haben?“ Acht erstaunliche Prozesse, von denen jeder vielleicht nur einmal pro Jahrtausend für die Menschheit zu beobachten war, geschehen jetzt vor unseren Augen, alle gleichzeitig. Ist wirklich die Epoche angebrochen, die die Zeit der Wunder einleitet oder ist das schon die Zeit der Wunder selbst? Das Wunder ist zum Instrument der Realitätsveränderung geworden, zum Wegweiser, zum Zeichen der neuen Zeit.

Was ist ein Wunder? Seit der Zeit, in der organisierte Religion entstanden ist, vor etwa sieben Tausend Jahren, glaubt der Mensch an Wunder. Allerdings hat jede Religion eine eigene Beziehung zu Wundern.

Die Anhänger des Schamanismus zum Beispiel sind überzeugt, dass der Mensch in einer Einheit mit den Geistern lebt und sich mit ihnen jeden Tag trifft. Daher ist das Übernatürliche natürlich.

Pantheistische Religionen, in denen der Gott die Natur ist (sagen wir, Hindusimus), glauben nicht an Wunder. Denn Wunder sind nach Definition das, was gegen die Gesetze der Natur geschieht. Aber wenn die Natur Gott ist, dann sind Wunder unmöglich.

Im Judentum, Christentum und im Götzendienst, dort wo es einen Gott oder Götter gibt, gibt es auch Raum für Wunder. In der ungleichen Beziehung zwischen Mensch und den höchsten Mächten sind das die Ereignisse, die man nicht vorhersehen kann, denn Sterbliche können Gottes Werk nicht erkennen.

Aus der Sicht des Judentums ist das nicht nur eine göttliche (und gütliche) Einmischung, sondern auch ein Weg, um aus unserer Welt in die höchsten Welten aufzublicken, die wir nicht verstehen können; deswegen ist es für uns ein „Wunder“, ein „Zeichen“ oder, wenn Sie so wollen, ein „Wegweiser“ zwischen den Welten. Gemäß den Ansichten der jüdischen Halacha verwirklicht ein Wunder nicht nur die göttliche Vorsehung bezüglich der Söhne Israels, sondern erinnert uns auch daran, dass es eine unsichtbare Welt der himmlischen Kausalität gibt, die über die Geschichte der Menschheit bestimmt.

Im Gegensatz dazu verneinen weltliche philosophische Strömungen das Konzept des Wunders und schlagen, beispielsweise in der Wissenschaft, bei der Analyse ungewöhnlicher Ereignisse eine naturalistische Herangehensweise vor, bei der es keinen Platz für höhere Kräfte gibt. Atheisten streiten die göttliche Idee gänzlich ab und behaupten, dass alles ohne die Einmischung der höchsten Macht geschieht und dass es keine Vorsehung gibt. Sie erinnern an die bittere Erfahrung der Katastrophe.

Hat der Mensch eine Möglichkeit, die Wunder zu lenken? Der Zionismus, der das traditionelle Judentum herausgefordert hat, war nicht bereit, noch zwei weitere Jahrtausende zu warten und für das Wunder der Rückkehr zu beten, welches irgendwann schon geschehen werde. Der Zionismus hat dieses Wunder aus eigener Kraft geschaffen („Das Wunder ist nicht geschehen, im Krug haben wir kein Öl gefunden“, sangen die Zionisten in den 30-er Jahren). Natürlich finden sich auch diejenigen Vertreter des Glaubens, die entgegnen werden, dass ein Wunder, das mit der Kraft eigener Hände erschaffen wurde, kein Wunder ist. Mit anderen Worten, der Mensch denkt nur, dass er unabhängig in seinen Taten ist, in Wirklichkeit aber ist er nur ein Teil von etwas viel größerem als er selbst.

Heute pflegt man unter dem Begriff „Wunder“ eine positive Entwicklung der Ereignisse zu verstehen, die entgegen allen Annahmen geschieht, ohne dieser Tatsache eine besondere religiöse Bedeutung beizumessen. Im Endeffekt kann sich jeder die Wahrnehmung aussuchen, die ihm am besten gefällt.

In den jetzt beginnenden Chanukka-Feiertagen zünden wir acht Kerzen an, in Gedenken an ein Wunder, das mit einem Krug im Gotteshaus geschah (im Jahr 167 vor unserer Zeit) und singen: „Der das Wunder bewirkte für unsere Väter in jenen Tagen, in dieser Zeit“. In unserer Zeit geschehen auch acht Prozesse, die fast nicht erklärbar sind, die keiner vorhergesehen hat, die keiner vorhersehen konnte. Und sie verändern zweifellos die Welt, in der wir leben. Sind das Wunder? Jeder wird das für sich entscheiden.

Die erste Kerze – die Zerstörung der arabischen Staaten

Keine Prognose konnte erahnen, dass so wenig von den arabischen Staaten übrig bleibt. Dass an der Stelle von Syrien, Irak, Libyen und Jemen nur leere Weiten bleiben, auf denen Wind und Feldtiere herrschen, dass diese Weiten, überhäuft mit Hunderttausenden Leichen, zerrissen werden von streunenden Banden von Sunniten und Schiiten.

Was in genau diesem Monat vor fünf Jahren mit einer US-Fanfare über „Demokratie“ und über den „arabischen Frühling“ begann, endete mit dem Untergang. Und selbst die verbliebenen Staaten unserer Region verwandlten sich in „Zombies“, die mit Mühe gerade mal sich selbst dahinschleppen.

Der Libanon ist ein Staat im Zerfall, ohne Präsidenten, ohne die Möglichkeit eine Wahl zu organisieren, ohne funktionierende Regierung, ohne Parlament. Jordanien, ein Königreich, dessen Existenz in jedem Moment aufhören kann, ist von fast allen Seiten von Feinden und Bedrohungen eingekreist (aber es ist, zu seinem Glück, ein Nachbar des starken Staates Israel). Ägypten, ein Staat mit zerfallender Infrastruktur, das nicht mehr in der Lage ist, seine neunzig Millionen Menschen zu ernähren; ausgeblutet durch Terror und Bürgerkrieg, der passiv, aber nicht beendet ist.

Die entvölkerten Weiten, gefüllt von bewaffneten und gefährlichen Banden, bedrohen auch die Türkei, deren Soldaten schon im Irak stehen, was wiederum den Iran zur Weißglut treibt. So saugt dieses Vakuum mit erschreckender Geschwindigkeit unsere unterschiedlichen Feinde in sich auf.

Erinnern Sie sich noch an das Verständnis, mit dem wir aufgewachsen sind – „arabische Armeen“? Es gibt sie nicht mehr. Von der zerstörten syrischen Armee ist nurmehr eine Volkswehr übriggeblieben, die um ihre Existenz kämpft und vom Krieg gezeichnet ist, ähnlich einem Knecht, der für Schulden in die Sklaverei abrutscht.

Die irakische Armee ist zu Staub zerfallen. Die Streitkräfte von Jordanien und Libanon sind genaugenommen gar keine Armeen. Die Armee Ägyptens, geplagt und angeschlagen auf dem Sinai, versucht aus allen Kräften, den Staat zu erhalten, der nicht fähig ist, normal zu funktionieren. Die „Hisbollah“, eine Miliz, die früher als einflussreich galt, ist in Kämpfen an der Grenze zwischen Syrien und Libanon gebunden, ohne Möglichkeit einer Verschnaufpause, weil der sunnitische Feind sonst bei ihr ins Haus fällt, in den Libanon, um die Schiiten abzuschlachten, wie er es versprochen hat.

Kein Mensch hat sich ausgemalt, dass die nationalen Subjekte, die vor genau hundert Jahren mit dem geheimen britisch-französischen Sykes-Picot-Abkommen erschaffen wurden, so rasend einstürzen. Von nichts kommt nichts – ex nihilo nihil fit (Lukrez, „Über die Natur der Dinge“).

Die zweite Kerze – die Auslöschung ausgedachter nationaler Grenzen

Diese Grenzen wurden weder von den Klans, noch von den ethnischen Gruppen, noch von den religiösen Gemeinschaften angenommen. Jetzt haben sich alle diese Gruppen und Gemeinden zum Aufstand erhoben, um neue Grenzen zu schaffen.

Die Sunniten Syriens, Libanons und Iraks vereinen sich, die ehemalige künstliche Teilung überwindend. Der „Islamische Staat“ löscht Grenzen bewusst aus und will ein islamisches Kalifat im gesamten Nahen Osten und überhaupt in der ganzen Welt erschaffen. Das gleiche Ziel verfolgen andere kalifatische Gruppen, etwa die „Hizb ut-Tahrir“.

Die Araber haben sich an Alexandrette erinnert, die heute den Türken gehört und Provinz Hatay heißt. Die Sunniten Irans planen die Gründung eines arabischen sunnitischen Staates mit dem Namen Ahvaz.

Die Türken sind in den „Irak“ eingedrungen, während die Kurden von der Teilung der Türkei selbst träumen, künstliche Grenzen zwischen Türkei, Irak, Syrien und Iran einreißen und, zumindest in der PKK („Kurdische Arbeiterpartei“), von der neuen kurdischen Heimat sprechen, die auf den Ruinen dieser alten Gebilde entstehen wird.

Dschihadistische Milizen verwischen unaufhörlich die Grenzen in Nordafrika und träumen vom Gleichen in Europa.

Und nur uns erzählt man bis heute von der illusorischsten Linie der Welt, die nie existiert hat – der Linie von 1967, die dem Grunde nach die Linie von 1949 ist.

Hundert Jahre nach Sykes-Pikot verlangt der Nahe Osten eine neue Umgestaltung. Auch die palästinensischen Araber, die ihren Anteil in Jordanien bekommen wollen. Das Königreich ist bald an der Reihe und wenn es so weit ist, wird es neu aufgeteilt.

Vorher haben Grenzen das Leben bestimmt, jetzt bestimmt das Leben die Grenzen. Vorher haben europäische Staaten die Karte des Nahen Ostens gezeichnet, jetzt verändert der Nahe Osten die Karte Europas. Vorher haben sie hier die Grenzen bestimmt, jetzt geschieht es genau umgekehrt.

Die dritte Kerze – die muslimische Expansion nach Europa

Nachdem ihre Staaten gestürzt sind, fluteten Millionen Muslime Europa. Der „aufgeklärte“ koloniale Kontinent, sich seiner vollen Straffreiheit gewiss, hat die „Kinderchen“ aus der Ferne regiert. Doch jetzt ist er selbst Opfer einer „aufgeklärten“ Besitznahme geworden. Drei Millionen Muslime sind in diesem Jahr nach Angaben der Europäischen Union in der EU angekommen. Im kommenden Jahr kann sich diese Zahl auch verdoppeln. Die Völkerwanderung, deren Ziel nicht so sehr ein besseres Leben, sondern eher die Besitzergreifung von Europa ist, ist unmöglich aufzuhalten.

Wenn man früher von „Flüchtlingen“ sprach, meinte man die ewigen professionellen „Flüchtlinge“ aus den Reihen der Eretz-Israel-Araber. Jetzt ist es die gesamte islamische Welt, die nach Europa will.

Seinerzeit haben sie das Problem der Flüchtlinge zementiert, um uns zu schwächen. Jetzt schwächt dieses Problem, das zum ewigen Problem geworden ist, sie selbst. Kein einziges Szenario sah die Umsiedlung von Millionen Muslime innerhalb weniger Jahre vor, die jetzt in einer langen Liste europäischer Städte zur Mehrheit werden. Europa, die erobert und unterjocht hat, ist jetzt selbst erobert und unterjocht. Das, was erhoben wurde, ist gesunken, das, was gesunken wurde, hat sich erhoben. Ex nihilo nihil fit.

Der Nutzen dieser Kerze besteht darin, dass von jetzt an keine Hilfe Israels für Europa ohne substantielle politische Bezahlung erfolgen darf, weder im Bereich der Sicherheit, noch in der Aufklärung, noch in der Forschung. Die Europäer fallen, der Terror schlägt sie und wird sie weiter gnadenlos schlagen. Sie brauchen uns. Es ist an der Zeit, die Rechnung zu stellen. Und sie werden einwilligen, da sie keine Wahl haben, denn es geht um ihr Überleben.

Völlig neue Beziehungen zu Westeuropa stehen an (die osteuropäischen Staaten sind bereits recht freundschaftlich). Während des Besuchs des griechischen Premiers in Jerusalem wurden wir Zeugen davon. Man konnte erwarten, dass dieser ultralinke Politiker sich feindlich verhalten würde. Aber nein, im Gegenteil, Griechenland, Zypern und Italien sind bereits mit uns verbündet (in erster Linie wegen des Gases). Während des Besuchs beim Präsidenten hat der charismatische griechische Oberhaupt sogar ohne Zögern ins Gästebuch geschrieben: „Es ist eine große Ehre für mich, in eurer historischer Hauptstadt zu sein und mich mit Eurer Majestät zu treffen…“

Israelis und Griechen – der Kreis hat sich genau zu Chanukka geschlossen. Hätte etwas symbolischeres geschehen können als das? Das Wunder mit dem Krug, in jenen Tagen, in dieser Zeit!

Die vierte Kerze – die Rückkehr nach Zion

Als Resultat des europäischen Unglücks werden in den kommenden Jahren etwa eine halbe Million dort lebender Juden nach Israel ziehen. Nicht einer von ihnen wollte früher in den jüdischen Staat, es ging ihnen gut in Europa. Aber plötzlich haben sie gemerkt, dass sie in „Oroba“, in „Eurabia“ leben, wo sie zudem gar nicht erwünscht sind. In manchen Fällen werden sie aus einem Überfluss an Liebe sprichwörtlich erdrückt, wie etwa in Frankreich, wo Soldaten mit Maschinengewehren jede jüdische Einrichtung bewachen.

1900 wohnte in Eretz Israel 1 Prozent des Weltjudentums. Heute wohnen hier etwa 45 Prozent. In wenigen Jahren werden wir Zeugen davon sein, dass die Mehrheit des jüdischen Volkes in sein Land zurückgekehrt ist. Erstmals seit Zweitausend Jahren.

Ein erstaunlicher Prozess, von dem niemand auch nur träumen konnte. Schon heute ist Israel das Land mit der größten jüdischen Bevölkerung weltweit – eine Million mehr als in den USA.

Die europäischen Juden haben Alternativen, aber die Mehrheit von ihnen wird dennoch nach Israel ziehen. Warum? Weil Israel zu einem Land geworden ist, in dem es sich gut leben lässt. Deshalb zieht es Juden aus aller Welt an, insbesondere vor dem Hintergrund des Untergangs ihrer bisherigen Aufenthaltsländer.

Es gibt keine Gründe, warum sich in Israel nicht 90 Prozent der weltweiten Juden versammeln sollten. Das ist nur eine Funktion unseres Wollens und der Finanzierung.

Die fünfte Kerze – die demographische

Über lange Jahre wurden wir terrorisiert von selbsternannten Verkündern des Zusammenbruchs. Und wirklich, vor Jahrzehnten schien das noch logisch – bei einer Geburtenrate von 8 Kindern auf eine israelische arabische Mutter, gegenüber von 2,5 Kinder auf eine jüdische Mutter. Aber, das Wunder ist bereits geschehen. In diesem Jahr hat sich die Geburtenrate der arabischen und jüdischen Mütter erstmals angeglichen. 3,1 Kinder auf eine Frau in beiden Gruppen.

Jetzt ist Ihnen klar, welcher Zusammenbruch in der muslimischen Geburtenrate stattgefunden hat und welcher Aufstieg der jüdischen Geburtenrate stattgefunden hat, und zwar nicht bei den Ultraorthodoxen, sondern bei den Zionisten. In Israel werden jetzt pro Mutter drei mal so viele Kinder geboren wie etwa in Deutschland.

Niemand hat diesen Prozess erwartet, der sich auch noch weiter verstärkt. Die arabische Geburtenrate fällt und sinkt zu einem Wert unter 3 Kinder pro Mutter, während die jüdische gegen einen Wert von 3,5 ansteigt. Die Geburtenrate der Araber in Judäa und Samaria ist bereits auf 2,7 Kinder pro Mutter gesunken und fällt weiter. Der Umschwung geschah in diesem Jahr!

Es ist klar, dass die fiktive „Prognose“ des zentralen jüdischen statistischen Amts bezüglich der jüdischen demographischen Krise nur ein unberechtigter Versuch war, das Gewollte für die Realität auszugeben. Politik, die als Demographie verkauft wurde.

Angesichts des starken Anwachsens der jüdischen Bevölkerung wächst die Zahl der Einwohner Israels um eine Million alle sieben Jahre. Auf diese Weise erreichen wir innerhalb eines Jahrzehnts zehn Millionen Einwohner, Juden und Araber. Das Land wird ein anderes sein. Dabei werden schon nach zwei bis drei Jahren, dank der Demographie, sieben Millionen Juden in Israel leben.

Die Demographie, die als Fluch erschien, erweist sich als Segen, die Bedrohungen haben sich in Sicherheit gewandelt, die Unkenntnis in Bestimmtheit, und der Zuwachs ist zu einem natürlichen geworden.

Die sechste Kerze – der Untergang der These über Israel als Quelle für regionales Unheil

Was für eine Katastrophe für all jene, die sich von unserem „arabisch-israelischem Konflikt“ ernährt haben! Der nämlich, der „Konflikt“, hat seine Bedeutung völlig verloren. Die diesmonatige Ausgabe des britischen „Economist“ hat das glänzend formuliert.

Im Artikel mit dem Titel „Zerriebener und Vergessener“ wurde es so beschrieben: „Die palästinensische Frage, ehemals das heißeste Thema des Nahen Ostens, hat seine Bedeutung verloren. Es wird auch 2016 zweitrangig bleiben, ungeachtet des Aufflammens von Gewalt. Andere Krisen sind derzeit viel wichtiger – der Zusammenbruch der arabischen Regimes, das Auftauchen des Kalifats ‚Islamischer Staat‘, das russische Eindringen in Syrien, der Krieg in Jemen usw.“

Aus der Sicht des stellvertretenden Nachrichtenredakteurs des „Economist“, der den Artikel verfasste, ist das palästinensische Thema zu einem Nebenschauplatz geworden, und so einem politisch korrekten Magazin wie dem „Economist“, der uns Jahr um Jahr mit Boshaftigkeit begegnete, fällt dieses Eingeständnis gewiss nicht leicht. Der Autor klagt nicht über die Palästinenser, sondern grämt sich darüber, dass Israel sich herauswinden konnte und dass der Autor all diese Jahre nichts verstanden hatte.

Wer wie bisher Israel für alles beschuldigt, stellt sich der Lächerlichkeit preis. Nur wenige wagen das noch, in der Regel von den Israelis selbst dazu ermutigt. Auf der Saban-Konferenz beispielsweise haben diese Woche versteinerte Ninja Turtles getagt, die erneut das alte Lied angestimmt haben, das aus der Zeit stammt, als Israel für alle Probleme dieser Welt verantwortlich gemacht wurde.

Sollte man diese Konferenz und andere, genauso angeschimmelte, ernst nehmen? Oder besser einfach ignorieren? Sie spiegeln die vorhistorische Realität wieder, oder genauer gesagt, die Realität vor dem Beginn der Epoche der Wunder.

Verstehen Sie, was geschehen ist? Das Wunder hat aufgehört ein „Wunder“ zu sein, es wurde einfach ein Instrument zur Korrektur der Realität, zum Wegweiser, zum Zeichen der neuen Zeit.

Was bedeutet die Alltäglichkeit des Wunders? In den altgriechischen Theaterstücken wurde manchmal, vielleicht sogar etwas zu häufig, eine Gottheit angerufen, damit sie sich einmischt, wenn die Handlung sich zu sehr verwirrt hat. Das nannte man „Deus ex machina“ („Gott aus der Maschine“).

Der brillante römische Dichter Horaz (gelebt 65 – 8 v. Chr.) hat sich gegen diese Inflation des Wunders erhoben. In seinem berühmten Traktat „Von der Dichtkunst“ hat er, sich über die Griechen lustig machend, geschrieben: „Nec Deus intersit, Nisi dignusvindice nodes“ („Gott sollte nicht herabsteigen für die Lösung einfacher Verstrickungen“, nach der russischen Übersetzung von M. Gasparowa).

Man sollte Gott nicht für Kleinigkeiten anrufen, sondern nur wenn es um etwas Großes geht. Obwohl, wer weiss, es kann sein, dass Gott ohnehin nicht auf Kleinigkeiten reagiert, sondern nur, wenn es um Großes geht…

Die siebte Kerze – der Zusammenbruch des Petrodollars (der Krug mit dem Öl)

Erstmals seit Hundert Jahren sind die USA, dank neuer Technologien, zum wichtigsten weltweiten Lieferanten für Energie geworden. Sie haben Saudi-Arabien überholt und damit das OPEC-Kartell zerstört. Die Preise sind abgestürzt.

Die USA brauchen keine Energie aus Saudi-Arabien mehr, deswegen ist die Allianz „Öl im Tausch für Sicherheit“ in diesem Jahr beendet worden. Aus diesem Grund haben die USA bereits ihren letzten Flugzeugträger aus dem Persischen Golf abgezogen. Dabei waren dort früher ganze zwei davon.

Saudi-Arabien steht kurz vor einem wirtschaftlichen Kollaps, seine Nachbarn werden folgen. Sie verbrauchen jetzt ihre Reserven. Der Petrodollar ist gestürzt und nach ihm stürzt das Ausmaß der Anstiftung, und der Terror, und die Käuflichkeit des Westens seitens dieser Länder. Diese Prozesse sind noch nicht ganz beendet, aber sie sind weit fortgeschritten.

Deshalb sind die fernöstlichen Mächte mutiger geworden und besuchen uns mit Enthusiasmus: China, Japan, Indien, Korea, Philippinen, es gibt noch andere. Die Welt ist aus dem Zeitalter des Öls in das Zeitalter der Innovationen und der geistigen Erkenntnisse eingetreten. Und das bedeutet, dass die Stärke und der Einfluss Israels wachsen werden, im gleichen Ausmaß wie die Stärke und der Einfluss der Araber weiter sinken werden.

Früher haben wir immer gefragt – wann geht den Arabern endlich das Öl aus? Heute verstehen wir, dass das einfach die falsche Frage war. Die Steinzeit endete nicht, weil die Steine aufgebraucht waren, sondern weil eine neue Technologie erfunden wurde – Metall.

Es ist schwer, sich den Maßstab des Zusammenbruchs des Petrodollars zu vergegenwärtigen. In Norwegen zum Beispiel ist das pro-Kopf-BIP in diesem Jahr wegen der gesunkenen Ölpreise um 26 Tausend Dollar gesunken, von fantastischen 107 Tausend auf 81 Tausend Dollar (nach Angaben des „Economist“ von diesem Monat). Das ist immer noch ein riesiger Wert, aber die Dynamik ist klar. Kanada ist von 54 Tausend im letzten Jahr auf 44 Tausend Dollar gesunken – 11 Tausend in einem Jahr [sic!]. Russland ist von 15 Tausend auf 9 Tausend Dollar gefallen und ist damit zu den Werten von 2007 zurückgekehrt. Libyen verlor mehr als die Hälfte, von 11 Tausend auf 5 Tausend Dollar.

Aber, von Gehirnschmalz abgesehen, haben wir auch einen eigenen Krug mit Öl, und er ist nicht gerade klein. Wir müssen unbedingt mit dem Export von Gas aus dem „Leviathan“-Erdgasfeld beginnen. Es gibt nicht wenige Länder, die dieses Gas von uns kaufen wollen. Das ist nicht nur Geld, sondern auch Einfluss. Es ist an der Zeit, noch einen Staat Israel zu planen – zur Hälfte im Mittelmeer. Eine Trillion Schekel aus dem „Leviathan“ in die Staatskasse kann dem Zionismus eine raketenhafte Beschleunigung bescheren. Genau das fürchten die Gegner eines Gas-Deals.

Es beginnt das Zeitalter Israels. Wir werden von vielen gebraucht und wir müssen das klug ausnutzen.

Die achte Kerze – die Erkenntnis

Nach und nach erwachen die Israelis, öffnen ihre Augen und befreien sich von der Düsternis der politischen Korrektheit, in der sie all die Jahre verbracht haben. In ihnen wächst die Erkenntnis. Im Verlauf von vielen Jahren sind viele Menschen Opfer von wahnhaften Leitsätzen geworden, etwa „neuer Naher Osten“, „schmerzhafte Zugeständnisse“, „besser klug sein, als Recht haben“, „demographische Bedrohung“, „zwei Staaten für zwei Völker“, „Frieden“, „palästinensischer Staat“, „Delegitimisierung“, „Zweinationenstaat“.

Opfer von irrsinnigen Ideen, wie etwa „wir können unser Schicksal anderen anvertrauen“, „Abu Mazen kann und will“, absurde Schauermärchen über die furchterregende UNO, einem aus der Luft gegriffenen Boykott, Strafverfolgung im Haager Gerichtshof und anderem Schwachsinn, was alles aus der Position und den Interessen des Feindes hervorging, zusammen mit dem Wortgeklingel anderer Slogans über „soziale Gerechtigkeit“, „soziale Revolution“, „Revolution der Gesetzgebung“. Also all diese albernen Ausgeburten der „politischen Korrektheit“…

Jetzt, endlich, beginnen viele aufzuwachen. Das Lager derjenigen, die sich von diesen sinnlosen Slogans befreit, wächst weiter an. Und in meinen Augen ist das ein gleichwertiges Wunder im Vergleich zu den anderen.

Und es ist weniger das Wunder, das die Erkenntnis bringt, sondern es ist vielmehr so, dass die Erkenntnis zum Wunder führt. Nicht die Einmischung von außen, sondern das Erwachen von innen. So wird der Mensch fähig, selbst Wunder zu wirken und sich zu befreien. Er hat jetzt die Möglichkeit, Wunder zu steuern, übrigens im gleichen Ausmaß wie das Wunder die Möglichkeit hat, ihn zu steuern. Das Wichtigste ist aber, dass das Wunder schon hier ist, schon mit uns ist.

Notwendige Warnung:

Im Gemälde „Der Wanderer über dem Nebelmeer“, 1818 vom deutschen Romantiker Caspar David Friedrich angefertigt, steht der Wanderer am Rande einer dunklen, steilen Klippe, die in Nebel gehüllt ist, und er versucht nicht zu stolpern und nicht in die Tiefe zu fallen. Muss das Wunder immer auch mit Zusammenbruch verbunden sein?

Welches ewige Problem haben wir Israelis mit Wundern? In unserem Bewusstsein ist der Abstand zwischen „Wunder“ und „Zusammenbruch“ viel zu gering. So war es im Verlauf unserer ganzen jüdischen Geschichte – entweder „Wunder“ oder „Zusammenbruch“ und nichts dazwischen, wahrhaftig ex nihilo nihil fit.

Deswegen sollten wir mit Wundern sehr sorgsam umgehen. Denn das Antiwunder begleitet jedes Wunder, ist mit ihm verwoben, verteidigt es vor sich selbst und umgekehrt. Wir müssen die Kunst der Kontrolle und der Steuerung von Wundern noch erlernen.

Wenn man in dieser Woche acht helle, leuchtende Kerzen anzündet, kommt man an dieser Frage nicht vorbei: „Wie ist es passiert, dass wir das alles erreicht haben?“ Acht erstaunliche Prozesse, von denen jeder vielleicht nur einmal pro Jahrtausend für die Menschheit zu beobachten war, geschehen jetzt vor unseren Augen, alle gleichzeitig.

Wie das? Jemand wird sagen, dass unser theaterhafter „Konflikt“ genau der Knoten ist, den zu lösen es an der Zeit ist. Aber Sie wissen jetzt, was Horaz davon hielt.

Autor: Alexander Nepomnaschij

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Zufälliger Zufall oder wie geht das?

Hier ein Video:

Ein junger Mann, Sohn eines reichen Unternehmers, knallt mit seinem Maserati gegen einen Straßenpfosten. Kann passieren, der Mann ist bekannter notorischer Raser.

Eine Kamera filmt das Geschehen. Kann passieren, absolut nicht unewöhnlich. Aber wie das Geschehen gefilmt wird, ist ungewöhnlich:

  • Es ist keine Überwachungskamera, sondern ein Mensch, der die Kamera hält. Man sieht das im Verlauf des Videos, es gibt Bewegungen, es wird gezoomt.
  • Der Mensch hält mit der Kamera mittig auf den Pfosten, gegen den dann das Auto knallt. Halten Sie das Video sofort nach dem Start an und schauen Sie sich die Situation an. Wer filmt denn sowas? Die Straße ist nur am Rand eingefangen, das Gebiet neben der Straße ist auch nur am Rand eingefangen. In der Mitte ist wirklich der Pfosten. Insgesamt gibt es in dieser Situation nichts zu filmen, was für einen normalen Filmer von Interesse wäre. Wirklich nichts. Man könnte den Verkehr filmen, aber dann würde man möglichst viel Straße im Bild einfangen. Der gewählte Bildausschnitt ist wirklich sehr, sehr ungewöhnlich. Und der Bildausschnitt ist nicht nur ein vorübergehender, sondern die Kamera hält ganz still drauf, die ganze Zeit, schon vor dem Unfall. Vermutlich deutlich länger vorher, was einfach weggeschnitten wurde.
  • Der Kameramann zuckt nicht zusammen, zeigt keinerlei Regung. Das machen die meisten Menschen so, wenn sie zufällig und hautnah einen sehr schweren und lauten Unfall mit der Kamera einfangen, nicht wahr?
  • Der Ton ist komischerweise komplett ausgeblendet. Macht man nie bei zufälligen Amateuraufnahmen, weil die emotionalen Reaktionen der Filmer genau der richtige Stoff zum Füttern der Matrix-Zombies sind. Außerdem ist das Bild farblich verfremdet. Wofür sollte das gut sein, wenn man einfach eine Amateuraufnahme von einem Unfall ins Netz stellt?

Viele sonderbare Zufälle. Wie können wir sie uns erklären?

a) Es gibt galaktisch große Treffen von Zufällen, weil Zufälle auch nur Menschen sind und sich ab und zu treffen wollen. Wir finden für jede Ungereimtheit einen passenden Zufall oder eine logische Erklärung, was uns vor schlimmeren Gedanken rettet.

b) Der Kameramann hat gewusst, wann genau und wo genau (auf den Pfosten genau!) der Unfall stattfinden wird und hat logischerweise genau die Unfallstelle zentral eingefangen. Die ruhige Hand zeugt von einem geschulten Nervenkostüm.

a) oder b), das ist hier die Frage. Wenn Sie sich für a) entscheiden, brauchen Sie viele Erklärungen für die Ungereimtheiten. Wenn Sie sich für b) entscheiden, brauchen Sie genau eine Erklärung: Wie organisiert man einen Unfall, bei dem das Auto auf den Straßenpfosten genau in die Unfallstelle gejagt wird?

Wofür entscheiden Sie sich? Und wie sehen Ihre Erklärungen aus? Bitte keine anderen Themen in den Kommentaren.

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Krieg in Ostasien ist möglich

Drei meiner besten Quellen, die sich als verlässlich erwiesen haben, sehen eine reale Gefahr für einen Krieg in Ostasien (in den letzten Wochen unabhängig voneinader geäußert und mit utnerschiedlichen Markern begründet). Der formale Anlass ist Nordkorea. Der Einsatz von Atomwaffen ist im Bereich des möglichen. Japan und/oder Südkorea werden mit hoher Wahrscheinlichkeit reingezogen.

Russland ist eingeweiht. Dritter Weltkrieg wird es nicht, wenn es dazu kommt. Aber die Panik in der Matrix wird gigantisch sein.

Hoffentlich kommt es nicht dazu, aber im Moment scheint die Gefahr sehr real.

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