Katar zum Sündenbock bestimmt

Katars Nachbarn, Verbündete und Brüder im Geiste haben Katar zum Sündenbock erklärt und es isoliert. In den deutschen Mainstreammedien habe ich keinen Versuch gesehen, die Hintergründe zu erkunden und das Ereignis in Zusammenhang mit Trumps Besuch in Saudi-Arabien zu bringen. Ein Beispiel für Dekontextualisierung. Ein Ereignis wird aus dem Zusammenhang gerissen und als alleinstehendes Informationshäppchen dargereicht. Der Zombie kapiert nicht, was es damit auf sich hat. Die offizielle Begründung, dass Katar den IS unterstützt, ist trotz der Richtigkeit des Vorwurfs nur ein Vorwand und nicht der Grund. Als ob Katars IS-Förderung vorher ein Geheimnis war und als ob das zufällig erst jetzt ein Störgrund für die anderen IS-Förderer geworden ist und als ob das überhaupt zum Störgrund für sie geworden ist…

Wir sehen eine Folge von Trumps Deals im Nahen Osten. Er polterte gegen den Iran, aber plötzlich fallen Irans Feinde übereinander her. An den Taten soll man sie erkennen. An den Taten! Womit hat Trump gedroht? Was hat er als Belohnung angeboten? Katar ist zufällig auch die Heimat eines zentralen US-Militärstützpunkts im Nahen Osten. Es kann doch nicht gut für diese US-Basis sein, wenn Katar plötzlich vor aller Welt (vor allem vor der westlichen Welt) als IS-Unterstützer da steht. Wie sollen sich die US-Agenten von der Basis in die Nachbarländer bewegen, wenn plötzlich die Verkehrswege geblockt sind, keine Flüge mehr stattfinden? Und wie sieht das aus, wenn die USA im Kampf gegen den Terror eine riesige Basis im Land eines anerkannten Terrorunterstützers betreiben?

Saudi-Arabien und die anderen Isolierer haben sich auch keinen Gefallen getan. Sie posaunen in die Welt hinaus, dass ein Staat von der arabischen Halbinsel den IS-Terror bezahlt und organisiert. Ein öffentliches Tabu ist damit gebrochen. Saudi-Arabien schaufelt damit sein eigenes Grab, denn der Gedankensprung von Katar zu Saudi-Arabien ist winzig klein und kann jederzeit ausgelöst werden.

Und ich dachte, wir in der EU wären die größten Deppen…

Nachtrag, 07. Juni 2017:

Die Gleichstellung von Katar und Saudi Arabien lässt nicht auf sich warten, z.B. hier oder hier.

Und Donald Trump hilft den Medien nach und liefert per Twitter Kontext:


Quelle.

Trump setzt seine Visite in Saudi Arabien und die Isolierung Katars in direkte Beziehung zueinander. Und er bestätigt öffentlich Katars Verbindung zu Extremismus und Terrorismus. Damit entzieht er natürlich weitere Legitimation für die Zusammenarbeit zwischen USA und Katar. Womit er Katar nun endgültig und maximal unmissverständlich in Russlands Arme treibt. Großartiger Trump, ein echter Baumeister der multipolaren Welt. Unnachahmlich, wie er die imperialen Greifarme der USA eine nach der anderen abhackt. Westpazifik, EU, NATO, Naher Osten, hack, hack, hack… Und er ist noch nicht mal ein halbes Jahr im Amt.

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Bayer-Übernahme von Monsanto

Bayer will Monsanto für 66 Milliarden Dollar schlucken. Derzeit werden die Kartellbehörden geschmiert beackert, bis Ende 2017 will Bayer grünes Licht haben.

Dieser Deal kann sich als schwere Bestrafung von Deutschland entpuppen. Denn in den USA wurde Glyphosat, Monsantos Aushängeschild, als krebserregend eingestuft und ein Gericht befasst sich außerdem mit der Manipulation von wissenschaftlichen Untersuchungen. Ein Beamter der US-Umweltschutzbehörde hat seriöse Studien, die sich mit Glyphosat befassen, „gekillt“ und sich in Mails und Telefonaten mit Monsanto damit gebrüstet, dass er dafür eine Medaille verdient habe.

Dass das Zeug von Monsanto gefährlich ist und dass Monsanto alle bekannten dreckigen Tricks benutzt, um das zu verschleiern, ist keine Überraschung. Im oben verlinkten Bericht von Bloomberg kann man sich einen ersten Eindruck von der Palette der Manipulationen machen, hier kann man sich richtig in den Fall und in offizielle Gerichtsdokumente reinwühlen, wenn man mehr will. Wichtig ist, dass das jetzt vor Gericht aufgedeckt wird und damit öffentlich wird. Das hat eine andere Qualität, als wenn Whistleblower oder investigative Journalisten davon berichten. Die beliebte Verschwörungstheoretiker-Keule wirkt nicht gegen ein US-Gericht.

Die US-Behörden haben also Monsanto beschützt, damit es sein Gift in der Welt ungestört verteilen durfte. Aber jetzt lassen die USA die Entblößung von Monsanto zu. Das Gericht bekam den Fall übrigens im Oktober 2016, also kurz vor Trumps Wahlsieg. Und seit 2017 setzt die Wirkung des Gerichtsverfahrens ein und die Presse berichtet unschöne Sachen über Monsanto.

Jemand hat Monsantos Niedergang beschlossen. Monsanto hat davon früh gewusst. Irgendwer hat beschlossen, Monsanto teuer an die Deutschen zu verkaufen. In der heutigen moralisch flexiblen westlichen Gesellschaft sagt man „clever“ dazu. Noch mal mächtig am Todgeweihten verdienen und Bayer einen riesigen, faulen Konzern ans Bein binden. An solchen cleveren Späßen kann der übernehmende Konzern auch verrecken. Insbesondere, wenn die US-Politik das so will. In diesem Fall wird noch dezent abgewartet bis zum Abschluss der Übernahme und dann wird die Scheiße erst richtig aufgekocht, vor Gericht und medial. Vielleicht wird auch nur gedroht mit dem Aufkochen der Scheiße, um Deutschland zu Zugeständnissen zu zwingen. Trump kann das gebrauchen. Deutschland und die USA sind im Wirtschaftskrieg, falls es jemand vergessen haben sollte.

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Trump baut an Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok

Ende Januar 2017 schlug die New York Times Alarm: Trump treibe US-Partner in die Arme von China. Jeroen Dijsselbloem, Vorsitzender der Euro-Gruppe, sagte der Zeitung in einem Interview:

“We’ve always said that America is our best friend,” Jeroen Dijsselbloem, president of the Eurogroup — comprising finance ministers from countries sharing the euro currency — said in an interview with The New York Times on the sidelines of the World Economic Forum in Davos, Switzerland, this month. “If that’s no longer the case, if that’s what we need to understand from Donald Trump, then of course Europe will look for new friends.”

“China is a very strong candidate for that,” he added. “The Chinese involvement in Europe in terms of investment is already very high and expanding. If you push away your friends, you mustn’t be surprised if the friends start looking for new friends.”

Übersetzung von Dijsselbloems Aussage:

Wir haben immer gesagt, dass Amerika unser bester Freund ist. Wenn das nicht mehr der Fall ist, wenn es das ist, was uns Donald Trump zu verstehen geben will, dann wird Europa natürlich nach neuen Freunden suchen. China ist ein sehr starker Kandidat dafür. China investiert bereits sehr viel in Europa, mit steigender Tendenz. Wenn man seine Freunde wegschubst, muss man nicht überrascht sein, wenn die Freunde nach neuen Freunden suchen.

Rührend, das Gerede von Freunden auf Kindergartenniveau. Wenn du nicht mehr mein Freund sein willst, suche ich mir neue Freunde! Davon abgesehen ist die Botschaft natürlich klar. Das war noch lange vor Merkels Reise in die USA und die EU hat schon maximal offen mit einem transatlantischen Bruch gedroht, wenn Trump sich nicht fügt.

Wie fügsam Trump ist, konnte inzwischen jeder sehen, der fähig ist, Taten zu sehen. Er hat die EU so sehr es nur ging vor den Kopf gestoßen. Immer wieder. Immer wieder. Bis die letzten Zweifel ausgeräumt waren und Merkel die Scheidung der EU von den USA eingereicht hat. Gabriel sprang der Kanzlerin sofort bei.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, ist nach offizieller Lesart das Pariser Klimaschutzabkommen. Trump hat angekündigt, es aufzukündigen. Oh, oh! Das x-te Abkommen in der Reihe von niemals ernst genommenen und umgesetzten Abkommen ist plötzlich das wichtigste auf der Welt. Als Zombie würde ich mich beschweren für dieses schlechte Theater. Aber gut, wir haben, was wir uns verdient haben und damit müssen wir arbeiten.

China jedenfalls findet das Klima-Abkommen auch gaaanz wichtig. Welch passende Einigkeit mit der EU. China und EU sind wie gemacht füreinander. Schaut, wie sehr wir gemeinsam für Klimaschutz heucheln kämpfen! Ja, wir sind füreinander gemacht. Die ARD treibt das Schauspiel für die Dümmsten auf die Spitze, mit der Schlagzeile „Pläne von EU und China. Klima-Allianz gegen Trump?“ Und welch Zufall, Chinas Premier Li Keqiang ist sogleich in Brüssel zu Besuch, um die verlorenen Schäfchen einzusammeln. Chinas Prsident Xi hat sich nicht persönlich blicken lassen. Wozu auch? Die Übergabe der Schafe hat er in Florida mit Trump persönlich abgeklärt, den Rest erledigt sein Mitarbeiterstab.

Der Klima-Anlass ist peinlich, aber der Wirkung tut das keinen Abbruch. EU und China teilen gemeinsame Werte, die USA stehen alleine da. Sehen Sie, mit derart billigem Theater werden geopolitische Umwälzungen den Zombiemassen nahegebracht. Emotional (das Klima!), leicht verständlich (böser Trump, gute Chinesen).

Indem Trump die EU abstößt, zwingt er sie in die eurasischen Integrationsprojekte. Selbst wenn die EU voller Clintonisten ist, kann sie gar nicht anders, als sich nach Osten zu orientieren. Dabei war die Trennung von Westeuropa und Asien die große Strategie der USA seit dem Zweiten Weltkrieg. Trump bricht damit. Mit Absicht. Er weiss genau, was er tut und er tut es bewusst. Es wird die neue multipolare Weltordnung etabliert. Vor unseren Augen!

Im Klima-Theater geht übrigens unter, dass die EU geopolitisch wild herumgeschubst wird. Plötzlich herrenlos, ohne Militär, mit einem Weltbild von gestern, das ist die heutige EU. Aber wir wollen nicht alles schlechtreden. Die EU verfügt immer noch über eine hoch entwickelte Industrie und eine grenzenlose Überheblichkeit. Unser Startpaket für den Neuanfang.

Nachtrag, 02.06.2017:

Gemeinsame Klimaerklärung von China und EU ist vorerst gescheitert. Schuld daran ist die Weigerung der EU, China als Marktwirtschaft anzuerkennen. Sie verstehen schon, das ist absolut zentral für den Klimaschutz… als Zombie würde ich mich wirklich beschweren.

Der Hintergrund des Scheiterns basiert auf der Kombination der oben erwähnten „Xi lässt die von Trump überlassenen EU-Schafe einsammeln“ und „grenzenlose Überheblichkeit der EU“.

Die EU verweigert China die Anerkennung als Marktwirtschaft, um den EU-Markt gegenüber China zu verschließen. Das dürft ihr bei uns nicht verkaufen, weil wir das selbst produzieren und loswerden wollen ihr keine Marktwirtschaft seid. In diesen Konzern dürft ihr nicht investieren, weil die CIA das verboten hat ihr keine Marktwirtschaft seid. So ist der freie Markt, die westliche Wertegemeinschaft ist frei zu entscheiden, wer was wohin verkaufen darf und wer nicht. Keqiang war gekommen, um das zu ändern. Weil Trump die EU an China weitergereicht hat. Aber die Überheblichkeit der EU lässt sie nicht verstehen, was vor sich geht. Das ist schlecht für uns, weil die EU dafür bestraft werden wird und am Ende doch an China weitergereicht wird, nur vorher geprügelt und mit schlechteren Verträgen als zusätzliche Bestrafung. Die EU ist ein Objekt der Geopolitik, bauscht sich aber wie ein Subjekt auf. Die EU glaubt, dass China an EU andockt und die EU eine Führungsrolle in Eurasien einnehmen wird. Überheblichkeit geht einher mit Blindheit, Dummheit, der Unfähigkeit zur strategischen Voraussicht und der resultierenden Notwendigkeit, aus Bestrafung zu lernen statt aus klugen Gedanken.

Juchei! Wir sind die größten! Deppen.

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Trumps große Auslandsreise – was ist aufgefallen?

Trump hat eine große Auslandsreise absolviert. Saudi-Arabien, Israel, Brüssel. Was haben wir daraus gelernt? Welche Schlüsselbotschaften hat es gegeben? Welche Weichen wurden für die Zukunft gestellt?

Bitte keine unkomentierten Links einstellen, sondern die Kernaussage zitieren oder formulieren.

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In der Kürze liegt die Würze (14) – Das Herz der Finsternis

Washington ist das „Herz der Finsternis“.

SPON ist nicht allein mit solcher Verblödung. Diese Linie reicht in Deutschland bis zu lokalen Jugend-Radiosendern, ist repräsentativ im Mainstream. Das ist systematische Verblödung. Die mediale Auseinandersetzung mit den USA wird völlig von Sachlichkeit befreit. Die Methode ist natürlich nicht neu. Gegenüber Russland, China und vielen anderen ist dieses Vorgehen längst Standard. Aber jetzt richtet es sich gegen den eigenen Herren. So kann man die Leute auch zum totalen Kollaps des Weltbildes treiben. Um ihnen dann genauso unsachlich und mit Floskeln aus Fantasy-Romanen ein neues Weltbild einzuprogrammieren.

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Es gibt keine von Geheimdiensten unabhängigen Terrorakte

Aus aktuellem Anlass. Alle Terroristen und alle Terrorakte gehen auf das Konto von Geheimdiensten. Es gibt praktisch keine „freien“, „unabhängigen“ Terroristen, die eigeninitiativ und von den Geheimdiensten unbemerkt handeln. Sie sind alle geheimdienstlich gesteuert.

Um zu erkennen, wer hinter einem Terrorakt steht, muss man schauen, wer davon profitiert und wer davon zu profitieren versucht.

Der jüngste Terrorakt in Manchester fand zwei Wochen vor einer Parlamentswahl statt. Jemand versucht die Stimmung in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Der Attentäter war den Behörden seit Jahren bekannt. Glaubensbrüder und Verwandte haben die Behörden auf seine extremistischen Einstellungen, seine Radikalisierung und seine Bewunderung für den IS mehrfach hingewiesen. Seit 2001 führt der Westen offiziell einen Krieg gegen Terror. Unzählige Bürgerüberwachungsmaßnahmen wurden und werden damit legitimiert, dass man eben solche Täter entdeckt und unschädlich macht. Nach über 15 Jahren „Kampf gegen den Terror“ muss man eine gewisse Routine und Professionalität annehmen. Dass die Behörden einen Extremisten trotz mehrfacher unzweideutiger Warnungen zufällig ignorieren, sollte inzwischen auch den gutgläubigsten Menschen verdächtig erscheinen.

Der Täter war bekannt, aber man hat ihn gewähren lassen. Man hat ihn mindestens gewähren lassen. Die Täter gewähren zu lassen ist die „sanfteste“ Kontrollmaßnahme der Geheimdienste. Sie besteht im Nichteinschreiten. Im Fall von Manchester ist es mal wieder (nicht zum ersten mal) so offensichtlich, dass es sich nicht verheimlichen lässt.

Die tatsächliche Kontrolle reicht aber viel tiefer. Selbstmordattentäter können gekauft werden, indem man ihnen anbietet, ihre Familien in der Heimat fürstlich zu versorgen. Und manche „Selbstmordattentäter“ sind gar keine. Man nehme einen jungen Mann, den man regelmäßig mit Botengängen beauftrage. Bring diese Tasche dahin. Hol ein Packet von dort ab. Der junge Mann kann jeden Dollar gebrauchen und es ist ein einfacher Job. Irgendwann explodiert die Tasche des Boten und schon hat die Welt einen „Selbstmordattentäter“, der selbst genauso Opfer des geheimdienstlichen Anschlags geworden ist wie alle anderen. So einfach kann das gehen, so verdammt einfach. Und nach oben sind den Kontrollmaßnahmen keine Grenzen gesetzt.

Nachtrag, 28. Mai 2017:

Der 22-jährige Täter hat am 22. May ein Geschenk für Theresa May gemacht, indem er bei einem Anschlag 22 Menschen in den Tod riss. Die Uhrzeit 22:22 Uhr hat er nicht ganz einhalten können, aber er war nah dran.

Sicherheit und Terrorabwehr wurden umgehend zum Wahlkampfthema. Und siehe da:

Die Labour-Partei hat laut einer aktuellen Umfrage deutlich aufgeholt. Von 24 Prozentpunkten im April schrumpfte der Abstand zwischen Mays Konservativen und Corbyns Labour-Partei laut einer YouGov-Befragung auf nur noch fünf Prozentpunkte (43:38).

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Nordkorea: Trumps Bluff

Eine Woche lang sah es so aus, als ob Trump einen Militäreinsatz gegen Nordkorea ernsthaft in Erwägung zog. Es gab verschiedene Szenarien, in denen das Sinn machen konnte und es gab Marker jenseits der Medienhysterie, etwa den Abzug von Diplomaten und deren Angehörigen aus Nordkorea.

Jede Kleinigkeit schien das Fass zum Überlaufen bringen zu können. Zum Beispiel ein angekündigter Raketentest Nordkoreas. Der Raketentest wurde dann doch abgehalten und schlug offiziellen Angaben zufolge fehl, was allen Seiten die Gesichtswahrung erlaubte. Das Weiße Haus ruderte schon vor dem Raketentest verbal zurück und nahm die Verpflichtung zu einer Reaktion von sich. Dann zeigte sich, dass die US-Flotte gar nicht wie angekündigt auf dem Weg nach Nordkorea war, sondern irgendwo bei Australien herumschiffte. Spätestens an diesem Punkt war klar, dass es mit ernsthaften Kriegsvorbereitungen nicht so weit her war. Trump hat Theater veranstaltet.

In den Kommentaren zu diesem Artikel wurden weiter unten (in verschiedenen Kommentaren) die möglichen Szenarien zu Nordkorea aufgerollt:

1. Norkoreanisches Atomwaffenprogramm zerstören. Hier gilt: Je präziser und saberer, desto besser. Das Regime ist völlig egal. Schaden von Nordkoreas Antwort ist zu minimieren. Am Ende können sich alle feiern. USA haben ihr Ziel erreicht; Nordkorea hat den Eindringling heldenhaft in die Flucht geschlagen; Russland und China haben als Vermittler ihren Status als geopolitische Mächte, die Schlimmeres verhindert haben, belegt. Die letzten Raketenstarts der USA wären in diesem Szenario als Tests vor dem Ernstfall einzuordnen.

2. Nordkorea zu einem (Atom-)Raketenschlag gegen Südkorea/Japan/USA provozieren, um anschließend US-Schulden abzuschreiben. Hier gilt: Es braucht Opfer und größte Dramatik. 911 in XXL. (Zur Not könnten die USA übrigens selbst eine Rakete auf eines der Zielgebiete abschießen und behaupten, Kim wäre es gewesen.) Wenn die USA getroffen werden, schreiben sie ihre Schulden ab – man kann vom Opfer einer solchen Tragödie doch keine Schulden einfordern, wie sähe das aus… Wenn Südkorea/Japan getroffen werden, eilt USA zur Hilfe und schreibt dann die Schulden gegenüber diesen ab – für die Rettung vor dem bösen Kim in allerhöchster Not ist das nur angemessen, nicht wahr? China hilft auch fleißig mit, USA und China verbrüdern sich dabei fast, China bekommt die Aufsicht über die Konfliktzone, die US-Schulden bei China werden im Gegenzug abgeschrieben. In diesem Szenario sind die letzten Muskelspiele der USA als Bluff einzuordnen, um Kim vom Ernst der Absichten zu überzeugen und ihn zum Erstschlag zu provozieren. Die Rache der USA wird darin bestehen, ihre Waffenlager auf Nordkorea zu entleeren. Weil darauf aber keine Besatzung folgt, können in geopolitischer Hinsicht alle gut damit leben. Der Abstieg des Hegemons lässt sich anschließend sehr gut verkaufen.

(….)

[Einen großen Krieg] sehe ich nicht kommen, in keinem der mir sinnvoll erscheinenden Szenarien. (….) Sie alle sind im Bilde, alles ist abgesprochen mit den USA. Wenn China und Russland einverstanden sind, können Sie schon selbst erahnen, um welchen Maßstab von Krieg es sich handeln kann. (…) Es kann allenfalls ‚ein wenig Kriegs-Theater‘ geben – was völlig zynisch klingt angesichts der Toten und der Zerstörung, die es mit sich ziehen würde, aber den Unterschied zu den Weltkriegen und deren Maßstab verdeutlicht. Gegen einen echten großen Krieg in Fernost würden sich China und Russland ganz anders positionieren, als sie es in der gegenwärtigen Situation tun. Folglich sehen sie keinen großen Krieg kommen, folglich ist alles abgesprochen.

(…) Das Szenario ganz ohne Krieg darf man nicht vergessen; in diesem Szenario ist die kürzlich erfolgte Eskalation pures Zombie-Theater. Das Ziel hierbei: Jeder geopolitische Rückzug der USA wird zu Tarnzwecken durch maximal machohaftes Hegemon-Verhalten eingeleitet. Die letzten Kapriolen der USA in Syrien, Afghanistan und gegenüber Nordkorea fügen sich bisher sehr gut in dieses Muster ein. Wir brauchen noch ein wenig Beobachtungszeit, um es zu verifizieren. Von den drei Szenarien, die ich hier in den Kommentaren inzwischen dargelegt habe, ist dieses letzte das friedlichste und für mich im Moment auch das wahrscheinlichste, weil es die wenigsten Widersprüche im beobachteten Verhalten aller Beteiligten generiert.

„Ein wenig Beobachtungszeit“ ist jetzt um.

Nordkorea hat am 13. Mai einen weiteren Raketentest durchgeführt. Diesmal haben sie erfolgreich eine mobile interkontinentale Rakete getestet. Das ist eine Rakete, die die US-Westküste erreichen kann. Das ist viel dramatischer für die USA als der vorherige Raketentest. Und? Nichts. Das Weiße Haus kommentierte das so:

With the missile impacting so close to Russian soil – in fact, closer to Russia than to Japan – the President cannot imagine that Russia is pleased.

(…)  Let this latest provocation serve as a call for all nations to implement far stronger sanctions against North Korea.

Das Weiße Haus bangt plötzlich um Russlands Sicherheit. Nordkoreas Raketen werden zu Russlands Problem erklärt. Kein US-Problem. Soll Russland sich doch drum kümmern, ist doch Russlands Bedrohung. Dazu noch ein kleiner Aufruf zu mehr Sanktionen gegen Nordkorea und das war es. Das Weiße Haus hat den Raketentest damit marginalisiert. Wenn überhaupt, müssten sich die Russen darum sorgen, nicht die USA.

Russland hat lapidar abgewinkt, unter anderem in Person von Putin, der auf Anfrage von Journalisten erklärt hat, dass dieser Test keine Bedrohung für Russland dargestellt hat.

Auf der großen Bühne ist das Thema damit gegessen. Trumps Nordkorea-Theater war also ein einmaliger reiner Bluff. Pures Theater.

Das Ziel hierbei: Jeder geopolitische Rückzug der USA wird zu Tarnzwecken durch maximal machohaftes Hegemon-Verhalten eingeleitet.

Das können wir uns inzwischen einrahmen. Und hier noch mal nachlesen, immer wieder. Und als Referenz darauf feststellen, dass wir nicht nur wissen, dass Theater veranstaltet wird, sondern inzwischen auch gut erkennen können, welches Stück genau aufgeführt wird.

Und zum Abschluss noch ein Kurzkommentar von jim_garrison, der die innenpolitische Dimension des außenpolitischen Theaters einfängt:

Die US-Politik ist echt amüsant.

Um seine Politik machen zu können, muss der Präsident jemanden bomben und am Rande eines nuklearen Krieges balancieren. Dann gehen seine Gesetzesvorhaben durch, und ein störender Behördenchef kann des Amtes enthoben werden.

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In der Kürze liegt die Würze (13) – Farbige Revolutionen

Dick Cheney, damaliger Vize-Präsident der USA, in seiner Rede auf einer Konferenz in Vilnius im Jahr 2006:

This conference has drawn together men and women from diverse nations and cultures, and from many different callings here today. We have elected and appointed officials, community activists, entrepreneurs, students, brave leaders of color revolutions.

Soll ohne weiteren Kommentar hier verweilen, für den Fall, dass jemand irgendwann noch den Mut aufbringt zu behaupten, dass „Farbige Revolutionen“ ein von russischer Propaganda ausgedachter Kampfbegriff ist.

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Großvater Agwan

Igor Rasterajew, den wir hier schon kennengelernt haben, mit seinem Gedicht „Großvater Agwan“ („Дед Агван“):

Den russischen Text gibt es hier auf der Seite des Autors.

Meine Übersetzung ist wie immer möglichst wortgetreu:

Großvater Agwan

Ich habe meine eigenen Großväter nicht gesehen,
Das konnte ich auch gar nicht:
Noch vor meiner Geburt
Sind sie alle verstorben.

Aber ich bin nicht vom Schicksal benachteiligt,
Ich bin trotzdem glücklich.
Ein Großvater war in der Nähe, wenn auch kein leiblicher,
So doch ein heiß geliebter.

Er war kein Russe – sondern Armenier,
Aus einem Dorf, aus dem Volk –
Agwan Tigranytsch Grigorjan,
Jahrgang 26.

Er war ein Held und Veteran –
Wie aus dem Bilderbuch –
Für alle. Aber ich habe ihm
Eiswürfel hinter den Kragen geworfen.

Von Kindheit an wusste ich alles über den Krieg –
Denn der Großvater hat ungeschönt
Mich täglich unterrichtet
Bei einem Teller Grießbrei.

Es war so: er hat in Frieden
Schafe am Ararat gehütet.
Doch plötzlich ging
Die deutsche Armada auf uns los,

Damit weder Russen, noch Armenier
Hier weiter leben konnten,
Aber dann kam Großvater Agwan angefahren,
Und er war schwer dagegen.

Er kam angefahren, natürlich nicht allein…
Wie Flüsse flossen dorthin zusammen
Tausende Georgier,
Kasachen und Usbeken…

Als vielsprachiger Haufen
Besetzten sie die Schützengräben.
Und in jenen Schützengräben
Sind sie schlagartig russisch geworden.

Statt der Schaafe waren dieses mal
Andere die Tiere.
Und der Großvater hütete „Tiger“
Durch das Zielvisier, heizte den „Pantern“ ein…

Auf russisch konnte er sich zunächst
Nicht sonderlich verständigen,
Aber den Ausdruck „durchgeknallt“
Verstand er durchaus – wörtlich.

Ich konnte mit dem Großvater
Gut drei Teller von dem Brei essen,
Lauschend, wie sie zu Fuß
Nach Westen aufgebrochen waren.

Und so wie immer, abermals
Haben sie ordentlich eingeschenkt…
Und dann ging die Geschichte so,
Wie in einer Seifenoper:

„Berlin, April. Die Erde bebt.
Geschosse, Kugeln – wie Hagel…“
Und Großvater läuft über die Straße
Mit einem erbeuteten Gewehr.

Um ihn herum – zerstörte Häuser,
Dem kaukasischen Bergkamm gleich.
Großvater hat fünf Granaten bei sich,
Dann sieht er, auf einem Trümmerhaufen

Liegt und stöhnt ob seiner schweren Wunden,
Allein wie ein Blatt im Sturm,
Genau so wie er selbst, ein Junge,
Nur in der deutschen Uniform.

Und er zeigt Großvater auf ein Fenster,
Erklärt ihm mit den Händen,
Dass er neben seinem eigenen Haus
Daniederliegt im Sterben.

Dass seine Eltern dort drin sind,
Dass er von hier ist, ein Berliner,
Der Krieg hat ihn
Bis vor das eigene Haus gespült.

Zusätzlich zu seinem eigenen Gepäck,
Und obwohl er nicht der stärkste war,
Lud Großvater ihn auf und trug ihn herauf –
Ins Stockwerk, wo Papa und Mama waren,

Wo eine Explosion den Balken verzog,
Wo eine Öllampe Wärme spendet:
„Empfangt, ‚Frau‘,
Euren deutschen Soldaten“…

Wenn Großvater von diesem Augenblick sprach,
Veränderte er sich plötzlich:
Wie schrecklich der Schrei der Mutter war,
Wie er dort geblieben ist.

Wie in der Küche, in der ein Kerzenständer leuchtete,
Ihm Wasser erwärmt wurde,
Wie er mit dem Schmutz den Hass abwusch,
Der sich in Jahren und Wochen angesammelt,

Wie er auf weißen Laken schlief
Inmitten von Krieg und Hölle
Und wie er träumte von friedlichen Tagen
Im Ararat-Tal.

Wie er am Morgen wieder aufgebrochen war
Zum nahen Tag des Sieges,
Er hörte hinter sich „Danke schön“,
Und antwortete „Прощайте“… [„Lebt wohl“]

Hier unterbrach ich immer ihn,
Kaum je zu Ende lauschend:
„Opa, was ist das für ein Quatsch?
Erzähl über das Schießen!

Erzähl, wie du im Feuer branntest,
Wie du fast auf der Mine gestorben wärst…“
Ich habe mich nicht interessiert
Für Laken in Berlin.

Aber Großvater wurde still,
Holte einen Nachschlag Brei
Und stopfte mir den Brei in den Mund,
Damit ich schneller wachse…

Er ist schon weg, und ich bin groß.
Und plötzlich habe ich verstanden:
An jenem Tag fand der wichtigste Kampf statt –
Um Menschlichkeit.

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Heckler & Koch haben verstanden

Das deutsche Unternehmen Heckler & Koch, das im letzten Jahr fast 40% seines Umsatzes auf dem zivilen Waffenmarkt der USA erwirtschaftet hat, verlegt die Produktion der entsprechenden Güter in die USA. Der Chef des Unternehmens gesteht ganz offen ein, dass Trumps Politik der Grund ist.

Ergänzung zu diesem, diesem und diesem Beitrag.

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