Privater Geheimdienst

Im Fernsehen lief vor kurzem „Kingsman: The Secret Service“. Ein Agentenabenteuer made in Great Britain, aus dem Jahre 2015. Wenn Sie den Film noch nicht kennen und ihn anschauen wollen, seien Sie gewarnt: Hier wird gleich gnadenlos gespoilert.

Die Geschichte ist im Kern einfach. Es gibt einen privaten Geheimdienst „Kingsman“, ansässig in London. Kingsman setzt sich aus den ehrenwertesten Gentlemen zusammen, die mindestens einmal im Jahr selbstlos die Welt retten und dabei auch die eigenen Leben opfern, wenn es sein muss. Auf der Gegenseite gibt es den US-Schauspieler und Unternehmer Valentine, der das Böse verkörpert. Valentine ist der Ansicht, dass die Menschen ein Virus sind und die Klimaerwärmung Ausdruck dafür ist, dass die vom Virus befallene Erde Fieber hat und gegen den Schädling kämpft. Am Ende gebe es nur zwei Auswege: Der Virus gewinnt und beide sterben, sowohl Virus als auch Wirt; oder die Erde gewinnt, dann stirbt der Virus. Da der Virus so oder so sterben muss, ist Valentine bestrebt, die Weltbevölkerung drastisch zu reduzieren. Die Erde kann überleben und die verbliebenen Menschen können gemütlich weiter leben.

Diese pessimistische Weltsicht und die Gleichsetzung des Menschen mit einem Schädling kennen wir bereits aus Matrix. Interessant ist Valentines Vorgehen zur Reduzierung der Weltbevölkerung. Er will die Menschen aufeinander loshetzen, damit die sich gegenseitig umbringen. Um das zu erreichen, entwirft er eine SIM-Karte, die er kostenlos an die Menschen verteilt. Mit dieser SIM-Karte können die Menschen umsonst telefonieren, überall hin, für immer. Diese SIM-Karte kann die Smartphones nutzen, um eine Strahlung zu erzeugen, die das Aggressionszentrum in den Gehirnen der Menschen in unkontrollierbare Aktivität versetzt, so dass die Menschen übereinander herfallen. Zu gegebener Zeit aktiviert Valentine die SIM-Karten überall auf der Welt und löst damit ein großes Massaker aus.

Valentine verkörpert auch einen privaten Geheimdienst. Seine Assistentin kann alle großen Geheimdienste dieser Welt nach belieben ausfragen. Valentine als Privatperson infiltriert also alle großen Geheimdienste des Planeten. Und er infiltiert auch Regierungen. Diejenigen Politiker, die sich ihm anschließen, nimmt er mit technischen Hilfsmitteln (die eine sofortige Tötung des Politikers erlauben) unter Kontrolle. Die unwilligen Politiker sperrt Valentine ein. Valentine wählt einen Elitenkreis aus, aus dem sich die Überlebenenden der Menschheit zusammensetzen sollen. Diese Eliten werden entweder zu Valentine in den Fluchtbunker eingeladen oder sie verstecken sich in den eigenen Bunkern, während das weltweite Massaker ausgelöst wird.

Der gute Kingsman Secret Service rettet natürlich die Welt vor dem bösen Valentine.

Das ist der Kern des Films, der Rest ist Dekoration und Popcorn.

Warum habe ich mir den Film angeschaut? Als ich gelesen habe, dass es ein britischer Abenteuerfilm über einen privaten Geheimdienst ist, war mein erster Gedanke, dass ein privater Geheimdienst sich mit diesem Film über die Zuschauer lustig machen will. Ich wurde nicht enttäuscht.

Der private Geheimdienst wird im Film als das Gute und Noble schlechthin präsentiert. So weit die Werbung, aber das allein wäre langweilig. Sie wissen schon, der Serienmörder will spielen und legt deshalb gezielt Hinweise, die auf ihn selbst deuten. Ohne Hinweise auf sich selbst ist es langweilig und sinnlos. Der echte private Geheimdienst wird durch Valentine verkörpert – das ist der Hinweis. Und das Witzige ist, dass die Zuschauer das nicht mitbekommen. Sie sehen die ganze Wahrheit und bekommen die Wahrheit doch nicht mit. Der echte private Geheimdienst hetzt die einfachen Menschen gegeneinander auf, damit die Eliten mehr Lebensraum haben und ihr schönes Leben auch weiter genießen können. Der echte private Geheimdienst ködert die Menschen mit technischen Gratisangeboten. Facebook lässt grüßen und es waren unsere Massenmedien, die Facebook als entscheidendes Werkzeug des „arabischen Frühlings“ offen gefeiert haben. Der arabische Frühling, nur zur Erinnerung, bestand in nichts anderem, als einfache Menschen gegeneinander zu hetzen, auf dass sie sich gegenseitig umbringen.

Das alles wird Ihnen gezeigt, in entsprechende naheligende Metaphern verpackt. Aber der Film ist so aufgebaut, dass Sie das nicht bemerken. Als Zuschauer gehen Sie mit dem Eindruck nach Hause, dass der noble private Geheimdienst die Welt rettet, obwohl der Film Ihnen auch einen privaten Geheimdienst zeigt, der einzig im Sinn der Eliten arbeitet und die einfachen Menschen umbringt. Sich selbst für das Gute ausgeben und die eigenen Schandtaten den Feinden in die Schuhe zuschieben – das ist der Trick, den Sie sich merken sollten.

Beachten Sie, alles Geschriebene ist kein Beweis. Es soll auch kein Beweis sein. Es ist ein – hoffentlich – ungewöhnlicher Gedanke. Und es war hoffentlich ein kleiner Spaß.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit: , ,