Neue Weltordnung: Große Deals und erbitterte Machtkämpfe

Nach einem 14-stündigen Verhandlungsmarathon haben Lawrow und Kerry, die beiden Außenminister von Russland und USA, am 9. September fünf geheime Verträge unterzeichnet. In diesen geht es unter anderem um eine Waffenruhe in Syrien. Sollte die Waffenruhe eine Woche anhalten, sollen laut Vertrag Russland und USA zu einer militärischen Kooperation im Kampf gegen IS und Al Nusra übergehen.

Das Pentagon in Vertretung des US-Verteidigungsministers Carter versuchte den Deal zu vereiteln und protestierte heftig. Obama stimmte aber zu. Carter und Obama vertreten jeweils die radikalen und die moderaten US-Eliten. Sie stoßen im Weißen Haus nicht zum ersten mal aneinander. Das moderate Lager erkennt den sinkenden Stern der USA und ist zu Kompromissen bereit, um den USA in der neuen Weltordnung einen guten Platz zu sichern. Das radikale Lager ist zu keinen Zugeständnissen bereit und besteht auf den Erhalt der totalen US-Hegemonie, auch um den Preis eines dritten Weltkrieges. Das ist der Streitpunkt, an dem die US-Eliten auseinander und aneinander geraten sind. Der interne Machtkampf wird längst öffentlich geführt. Der mit Moskau ausgehandelte Deal hat die Kluft zwischen den beiden Lagern vergrößert, wie die New York Times berichtet. Der Verteidigungsminister und seine Generäle verweigern dem Präsidenten offen die Gefolgschaft:

On Tuesday at the Pentagon, officials would not even agree that if a cessation of violence in Syria held for seven days — the initial part of the deal — the Defense Department would put in place its part of the agreement on the eighth day: an extraordinary collaboration between the United States and Russia that calls for the American military to share information with Moscow on Islamic State targets in Syria.

Am zweiten Tag der Waffenruhe verkündete das Pentagon, dass es nicht unbedingt bereit ist, am achten Tag, wie vereinbart, zur Kooperation überzugehen, selbst wenn die Waffenruhe eine Woche hält. So sieht eine Meuterei aus.

Kerry und Obama kämpfen weniger gegen Russland, sie kämpfen mehr gegen die eigenen Kollegen. Seit Beginn des russischen Militäreinsatzes in Syrien bemühen sich Kerry und Obama um einen Kompromiss und genauso lange fällt ihnen das Pentagon in den Rücken, sobald ein Kompromiss näher kommt. Das konnte dieses mal auch nicht anders sein. Der verbalen Absage hat das Pentagon Taten folgen lassen. Am sechsten Tag der Waffenruhe bombardierte das US-Militär Stellungen der Syrischen Armee bei Deir ez-Zor. Über 60 Tote und über 100 verletzte Soldaten waren die Folge. Russland berief eine Sondersitzung im UN-Sicherheitsrat ein, bei der sich die Vertreter von Russland und USA scharfe Wortgefechte lieferten.

Das pikante an dem Bombardement war, dass der IS dabei in eine Großoffensive gegen die bombardierten Stellungen gegangen ist. Es gibt keine spontanen Großoffensiven, die man startet, wenn man in der Nähe der eigenen Stellungen viele Bomben fallen hört. Die Angriffe der USA und des IS gegen die Syrische Armee waren koordiniert.

Das Ziel dieser Operation war der Bruch der Waffenruhe und die Vereitelung der Umsetzung der Verträge, die Kerry und Lawrow ausgehandelt haben. Im obigen Zitat ist klar ausgesprochen, dass das Pentagon eine Zusammenarbeit mit Russland zur Bekämpfung des Terrorismus in Syrien verhindern will. Die unverhohlene und provokative Zusammenarbeit mit dem IS sollte Streit zwischen Russland und USA sähen, um die geplante Zusammenarbeit zu vereiteln. Das Pentagon hat es nicht darauf ankommen lassen, die Waffenruhe eine Woche lang anhalten zu lassen. Sicher ist sicher.

Das ist schlecht für die USA. Der Krieg in ihren eigenen Reihen wird stärker und offener. Das gibt Moskau zunehmend bessere Möglichkeiten, die beiden Kriegsparteien in den USA gegeneinander auszuspielen. Kerry und Obama werden sich wie unartige Schulbuben vor Lawrow und Putin verantworten müssen. Kerry wird in den kommenden Verhandlungen weitere Zugeständnisse machen müssen, weil es die US-Seite ist, die ihren Teil der Deals nicht einhalten kann. Im Weißen Haus werden die Fetzen fliegen und die US-Eliten werden sich noch stärker ineinander verbeißen. Die Mühlen der russischen Diplomatie mahlen langsam, aber sie zwingen die USA immer stärker in die Ecke. Jeder neue Vertrag geht ein Stück weiter als der Vorhergehende. Mit jedem neuen Vertrag wird die Kluft zwischen den US-Eliten ein Stückchen größer.

Nebenbei bemerkt spielt der Vorfall Trump in die Hände. Clinton ist die Nachfolgerin von Obama und Obamas Team unterstützt den IS. Darauf kann Trump herumreiten, falls es ihm an schmutziger Demokraten-Wäsche mangeln sollte.

Aber das alles ist nur die Spitze des Eisberges. Lawrow und Kerry unterzeichneten fünf geheime Verträge. Einer für die Waffenruhe und die anschließende Zusammenarbeit. Und die anderen vier? Oder haben sie für jede Facette der Waffenruhe einen eigenen Vertrag ausgehandelt? Klingt unnötig. Aber beschränken wir uns auf das Sichtbare. Die Verhandlungen fielen zeitlich zusammen mit dem G20-Summit in China. Die Staatschefs vereinbarten die grobe Richtung und die Außenminister setzten sich anschließend an die Feinarbeit. Auffallend, dass die geheimen Verträge von EU, Deutschland, Frankreich und GB voll unterstützt wurden. Das bedeutet, dass der Inhalt der Verträge zumindest mit Europa abgesprochen ist. Die türkische Regierung wurde über die Verträge informiert und hat sie anschließend begrüßt. Die einzigen Unglücklichen waren die „oppositionellen“ Kampftruppen in Syrien. Sie sahen keine Chance, dass die Waffenruhe halten könnte. So sieht ein großer Deal aus. Alle großen Fische grunzen zufrieden und die kleinen Fische, deren Todesurteil unterschrieben wurde, kläffen unzufrieden.

Noch ein wichtiges Detail ist, dass zur Verkündigung der Verhandlungsergebnisse UN-Sondergesandter für Syrien Staffan de Mistura zu Kerry und Lawrow auf die Bühne gezerrt wurde und seinen Senf beisteuern konnte. Die US-Medien haben diesen Moment weitgehend ausgeblendet, während die russischen Medien es deutlich stärker in den Fokus gerückt haben. Das ist kein Zufall. De Mistura hat natürlich nichts zu sagen bei der Klärung der Syrien-Frage. Seine Rolle beschränkt sich darauf, Presse und die verschiedenen Verhandlungsgruppen bei Laune zu halten, während die großen Jungs die Entscheidungen fällen. Russland zerrt ihn aber auf die Bühne, um die Bedeutung der UN zumindest symbolisch zu untermauern. Sie erinnern sich, Moskaus diplomatische Mühlen mahlen langsam. Eine symbolische Geste hier, ein UN-Sicherheitsrat-Beschluss dort. Moskau will die UN wieder auf die Beine stellen.

Die UN ist im Kern ein Bündnis der Sieger des Zweiten Weltkrieges. Und die Kernfunktion der UN ist es, die offen verfeindeten Sieger des Zweiten Weltkrieges vom dritten Weltkrieg abzuhalten. Manche meinen, dass die UN ineffizient ist, weil sich die Siegermächte mit dem Vetorecht dauernd gegenseitig blockieren. Aber gerade dieses gegenseitige Blockieren bewahrte für Jahrzehnte sehr effizient das Kräftegleichgewicht und verhinderte eine große Eskalation. Es wurden immer irgendwo Kriege geführt, aber sie eskalierten nie zu einem Weltkrieg, obwohl die Interessen der großen Mächte immer unmittelbar betroffen waren. Die UN zwang die Siegermächte immer an den Verhandlungstisch und das Vetorecht zwang zu Kompromissen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wollten sich die USA von den UN-Fesseln freimachen. Jugoslawien wurde völkerrechtswidrig ohne UN-Mandat angegriffen und zerbombt. Das von der UN bewachte Völkerrecht wurde schleichend ersetzt durch „Verbreitung von Demokratie“ und „Kampf gegen den Terrorismus“. Die Schirmherrschaft ging an die US-kontrollierte NATO über. Damit entzogen sich die USA der UN-Kontrolle und begannen in aller Welt zu wildern.

Russland ist gerade dabei, diesen Prozess umzukehren und der UN ihre wichtige Bedeutung zurück zu geben. Nicht zufällig versucht Russland jede Streitfrage mit einer UN-Resolution anzugehen. Die Minsker Abkommen zur Lösung der Ukraine-Kriese wurden mit einer UN-Resolution untermauert. Zu Syrien gibt es drei Resolutionen. Für diesen Wunsch muss Russland bezahlen. Für diesen Wunsch fordern die USA Zugeständnisse ein. Die Konflikte lösen sich nicht so schnell wie sie es sollten. Aber die Stärkung der UN bringt uns zurück auf den Weg, auf dem sich die großen Mächte mittels der UN gegenseitig kontrollieren.

Die Tatsache, dass im Einvernehmen aller großen Spieler geheime Verträge unterzeichnet wurden, ist ein gutes Signal. Ein großer Teil der weltweiten Eliten ist sich einig. Die Radikalen geraten zunehmend ins Abseits. Und mit Aktionen wie der offenen Unterstützung des IS bringen sie sich nur weiter ins Abseits.

Die Verträge werden übrigens nicht nur vor uns Sterblichen geheim gehalten. Sondern auch vor denjenigen Eliten, die ein Interesse an der Vereitelung der Verträge haben.

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14 Kommentare zu “Neue Weltordnung: Große Deals und erbitterte Machtkämpfe
  1. Johanniskraut sagt:

    Ja, das sehe ich auch so. Die Verträge zwingen die Ziocons dazu, immer deutlicher ihre IS-Karte zu spielen und das treibt sie ins Abseits der Welteliten.

    Was nur wirklich grauenvoll ist, dass das mit 63 Menschenleben (und etlichen Verwundeten) erkauft worden ist, dieses Abkommen!

    Mein Gefühl schreit da nach ganz simpler kalter Rache und Vergeltung!
    Aber der Denker in mir – er sieht das große Ganze – er beschwichtigt mich, und sagt, das die großen Dinge eben Zeit brauchen, um sich zu ändern.
    Da hat der Denker mal ein Bündnis mit meiner Seele geschlossen, die auch zur Geduld mahnt. Und das ist ungewöhlich, denn normalerweise hat das Gefühl ein Bündnis mit meiner Seele. Und der Denker tut sich immer zusammen mit meinem Ego. Und so liegen die beiden Seiten im Klinsch, darum, wer denn nun den Bus fahren darf… 😉

    Und ich versuche, der Partei, die mit meiner Seele verbündet ist, den Vorzug zu geben. Und so ist es hier: ausnahmweise der Denker. 😉

    • Tja (ät) Johanniskraut, „Der Körper und sein Kammerdiener“/“The Body and Its Valet“, gehalten auf dem Weltkongress der Kybernetiker, Informatiker…. in Nitra und den Fussy-Logiker in Zittau/Görlitz, veröffentlicht in „Betrachtungen zur Systemtheorie,….“ ISBN 3-9808089-3-9! Noch Fragen?

  2. Hans aus Olb sagt:

    Zitat: „….Das ist schlecht für die USA. Der Krieg in ihren eigenen Reihen wird stärker und offener. Das gibt Moskau zunehmend bessere Möglichkeiten, die beiden Kriegsparteien in den USA gegeneinander auszuspielen.“

    Das gilt allerdings nur unter der Bedingung, dass das *Obama- Lager* die Oberhand so leidlich behält. Ansonsten ist es Essig damit, dass Moskau aus dieser Gemengelage irgendwelche Vorteile erzielen kann.

    Ich persönlich sehe das Lager der Falken derzeit als das stärkere. Sie torpedieren offen die Vereinbarungen ihrer Repräsentanten, und sie können es sich anscheinend erlauben -irgendeine Einigkeit eines Großteils irgendwelcher Eliten dagegen sehe ich nicht.

    Falls es so weitergeht wie bisher, sehe ich ziemlich schwarz, trotz aller guten Arbeit der russ. Diplomatie. Wenn ich einen Widerpart habe, der sich an keinerlei Vereinbarungen hält und auf den Waffengang hinarbeitet, dann bleibt irgendwann keine andere Wahl als eben dieser…. Denn wer sollte die Kriegstreiber in den USA zwingen können?

    • Analitik sagt:

      „Denn wer sollte die Kriegstreiber in den USA zwingen können?“

      Die Moderaten in den USA. Obama hat die Radikalen leidlich in Schach gehalten. Und im Moment sieht es für die Radikalen nicht gut aus mit ihrer Präsidentschaftskandidatin. Plötzlich ist sie krank. Vergiftet natürlich von Putin ( https://www.washingtonpost.com/news/early-lead/wp/2016/09/12/the-man-who-discovered-cte-thinks-hillary-clinton-may-have-been-poisoned/ Die Ukrainisierung der USA treibt wahrlich sonderbare Blüten…) und nicht etwa vom Lager der Moderaten. Die Bodyguards tragen Spritzen offen zur Schau, damit die Presse es ja sieht und nur noch über Clintons fehlende Gesundheit labert. Das hat ihnen auch Putin angeordnet. Putin ist allmächtig, diese Lektion lernen die Amis gerade.

      • Hans aus Olb sagt:

        „Die Moderaten in den USA.“

        Ach, hätte ich nur Ihre Zuversicht, Analitik. 😉

        Für mich ist es ganz und gar nicht klar, wer aus diesem US- internen Machtkampf siegreich hervorgeht. Obwohl, da haben Sie sicher recht, die Clinton- Geschichten als ein Baustein bedenkenswert sind.

    • sw sagt:

      Diese Beschreibung ignoriert allerdings den Fakt das das US-Imperium am abnippeln ist und an diesem kein Weg vorbeiführt. Und dabei stellst sich nur die Frage ob die USA „mehr oder weniger“ sanft landen und weiterhin eine Weltmacht bleiben oder richtig gegen die Wand fahren. Die „Alles-Halten-Wollen“-Vorstellung der Falken führt aber direkt gegen die Wand. Kann man schon beim Clausewitz nachlesen.

  3. triangolum sagt:

    „Wer hat das Sagen in Washington? Ist es das Weiße Haus oder das Pentagon?“

    …diese Frage stellte heute der russischen UN Botschafter Witali Tschurkin vor Vertretern der Presse im UN Haus.

    …im ganzen sagte er noch viel mehr und wie er es sagt spricht Bände:

    „Tatsächlich, die große Frage, die ich im Sitzungssaal gestellt habe und die man, denke ich, stellen muss, die jene stellen müssen, die die US-Politik verfolgt haben, die die Erklärungen gelesen haben, die von amerikanischen Politikern abgegeben wurden: Wer hat das Sagen in Washington? Ist es das Weiße Haus oder das Pentagon?

    Denn wir haben Erklärungen aus dem Pentagon gehört, die schlicht rein gar nichts mit dem zu tun haben, was wir von Präsident Obama oder Außenminister Kerry hören.“

    …das ganze hier zu lesen und auch zu sehen:
    http://vineyardsaker.de/video/eine-aussergewoehnliche-vorfuehrung-amerikanischer-grobheit/

    …was ich aus US Filmen kenne ist meist der Spruch wer im Kreml das sagen hat. Der Präsident oder das Militär. Heute haben wir dies aus dem Munde des russischen UN Botschafters vernommen und er sagte ja noch viel mehr. Das Verhalten seiner Kollegin für die USA spricht auch eine deutliche Sprache. Sie ist Mitglied der Zombie Truppe um die Neocons und Killary. Was dies bedeutet brauch ich wohl nicht extra mehr schreiben, oder?

    Moskau ist gerade dabei sich ernsthaft zu fragen wer in Waschicngton D.C. oder besser gesagt in den USA die Finger am Abzug hat.

    Eine extrem gefährliche Situation. Auschlaggebend war der Luftangriff gestern auf die SAA Stellung der Elite Garde im Osten des Landes welche einen sehr wichtigen Ort gegen massive IS Angriffe seid Jahren halten. Auf einen Schlag wurden mehr als 60 SAA Soldaten getötet und mehr als weitere 100 Verletzt. Solch ein massiver Luftschlag der so gezielt durchgeführt wurde lässt nicht nur uns Beobachtern sich fragen wie das wohl fehl geleitet gewesen sein soll sondern auch einen Chef Diplomaten mit mehr als 10 Jahren UN Erfahrung weiteren 30 Jahren diplomatischer Tätigkeit mehr oder weniger von Absicht sprechen.

    Die Absicht zu zeigen wer wirklich die Finger am Schalter hat für das US Militär.

    Die weiteren Aussagen und auch das Verhalten der US Botschafterin zeigen eines ganz klar auf: Diplomatie ist nunmehr nicht mehr möglich und seitens der USA auch völlig ohne Belang. Selbst wenn Moskau weiterhin gegen jede Vernunft hier Übereinkünfte möchte und alles macht damit dies auch wirklich zu Stande kommt gibt es auf Seiten der USA nur noch die Zombie Gruppe welche mit dem Pentagon Antworten und zwar so wie gestern.

    Syrien und der Iran werden spätestens jetzt wissen das hier nur noch Militärisch überlebt werden kann und die USA so oder so nur noch deren totale Zerstörung wollen werden. Moskau wäre nun gut beraten jedes Mittel, ob offen oder verdekt, anzuwenden um beide Staaten und damit im Grunde sich selbst zu helfen und zwar mit totaler Militärischer Unterstützung.

    Das bedeutet auch den syrischen Luftraum sofort und zu 100% zu sperren und jede Unterstützung aus der Luft in welcher Form auch immer für die Terroristen zu unterbinden.

    Es gibt keine moderaten Rebellen, es gibt nicht die friedlichen Syrer welche für ein freies Syrien kämpfen und wenn das ist das die souveräne Armee, die SAA welche nach Auftrag und nach Recht ob national oder international dies zu machen hat.

    Schluss mit diesem Verstecktspiel Herr Putin. Es ist damit nichts mehr zu gewinnen. Keine Zeit, kein Vorteil in Sachen Diplomatie oder für andere Regionen wie Ukraine & Co.
    Jetzt gilt es Stärke zu zeigen und zwar denen die in den USA meinen das Sagen zu haben. Den Zombies und dem Pentagon.

    Knall hart Kante bevor die vollständig Amok laufen. Ohne ernsthafte Grenzen jetzt auch im Militärischen Sinne werden die in zukunft auch vor Nuklear Schlägen nicht mehr halt machen und dem gilt es mit eigener geschlossener Stärke zu Antworten. Auch wenn das ernste Folgen haben kann.

    • triangolum sagt:

      SV: Ob man auf die Wiederholung einer ähnlich “falschen” Bombardierung seitens der Amerikaner warten darf? Und sollte man nicht als Antwort den Truppen Baschar al-Assad Mittel der Luftabwehr geben, die fähig sind, die amerikanischen Flugzeuge abzuschießen?

      Dazu der führende Experte vom MGIMO, Michail Alexandrow:
      M.A.: Wir haben einen großen Teil der Mittel der Luftabwehr der syrischen Armee übergeben. Ob in ihrer Verfügung eine S-300 ist, ist uns nicht bekannt. Es ist eine geheimgehaltene Information. Betreffs der unmittelbaren Nähe der Stadt Deir-ez-Zor, die schon lange Zeit von den Islamisten umgeben ist, gibt es keine ernsthaften Mittel der PWO. Bis zu den letzten Tagen konnte es Niemandem in den Kopf kommen, dass sich die USA zu solchen Provokationen hinreißen lassen würden. Aber jetzt muss man die Maßnahmen ergreifen und den Syrern die moderneren Mittel der Luftabwehr, so etwas wie das System “Buk” übergeben. Freilich, es wird sehr kompliziert nach Deir ez-Zor zu liefern sein. Unsere Luftflotte muss regelmäßig die Bezirke der möglichen Bombardierungen patrouillieren, um so die Möglichkeiten des Schlages auf die Armee Baschar al-Assads zu erschweren. Und man muß sich natürlich bemühen, nicht in direkte Zusammenstöße dabei zu geraten, aber es muß die Amerikaner stören.

      SV: Wenn die Luftabwehr Syriens ein amerikanisches Flugzeug zum Absturz bringen wird …. kann es Massenbombardierungen des Landes provozieren?

      M.A.: Kann es. Aber man muss die Wahl treffen. Entweder fortsetzen, die Interessen in Syrien zu verteidigen oder, sich zu ergeben. Wenn die Amerikaner sehen, dass Russland den Schwanz einzieht, werden sie einfach immer frecher werden. Deshalb sollten Russland und Syrien andeuten, dass im Falle einer neuen Bombardierung der syrischen Truppen, die Antwort hart sein wird. Die Amerikaner sollten wissen, dass wenn sie den dritten Weltkrieg wollen, sie ihn auch bekommen werden.

      S.V.: Berücksichtigt man, dass die amerikanischen Militärs schon mehrfach einen höchst merkwürdigen Nichtprofessionalismus zeigten, könnte man annehmen, dass in diesem Fall die Bombardierung der Positionen der syrischen Regierungsarmee ein tragischer Zufall war, – sagte der Militärkommentator der Zeitung “Morgen”, Wladislaw Schurygin.

      M.A.: Andererseits, befinden sich die Truppen Baschar al-Assads in diesem Bezirk auf diesen Positionen tatsächlich schon zwei Jahre, es ist also schwierig, sich vorzustellen, welche niedrige Qualifikation die Flieger haben sollen, damit die Schläge direkt auf die syrischen Militärs aufgetragen wurden.
      Deshalb ist wohl die Hauptversion des Schlages, dass die Amerikaner einfach prüfen wollten, wie Russland und Syrien reagieren werden.

      S.V.: Ob die Amerikaner auch die landgestützten Spotter des Feuers verwenden, wie es Russland macht? Oder verlassen sie sich ausschließlich auf die Satellitendaten?

      M.A.: Unbedingt verlassen sie sich darauf, die Landkorrektur ist die genaueste und operativ. Deshalb verwenden die Amerikaner sie auch. Aus dem Kosmos und sogar mit der Hilfe von Drohnen kann man nur begrenzte Informationen bekommen. Auf jeden Fall gibt es eine objektive Tatsache: in den 2 Jahren der Operation haben in Syrien die russischen WKS noch nie Schläge auf die Stellungen durchgeführt, in denen sich die Amerikaner oder die Gruppierungen befanden, die sie für Verbündete halten.

      S.V.: Wie müssen Russland und Syrien sich verhalten, wenn ähnliche Zwischenfälle andauern werden? Wenn die Feuereröffnung auf amerikanische Flugzeuge zu einem großen Militärkonflikt führt?

      M.A.: Und wenn man das Feuer nicht eröffnet, können die Amerikaner beginnen, alles zu bombardieren, was ihnen so vorschwebt. Es sollte eine ganze Reihe von Maßnahmen vorgenommen werden. Erstens – der volle Bruch aller Vereinbarungen mit den Amerikanern durch Syrien. Zweites – sollte eine Flugverbotszone über einem Teil Syriens erklärt werden. Unbedingt wird das zu einer heftigen Verschärfung der Beziehungen zwischen den USA und Russland führen. Es sind auch militärische Zwischenfälle absolut möglich. Deshalb sollte alles sehr sorgfältig geprüft sein. Aber man muss nicht denken, dass die Amerikaner solche sorglosen Cowboys sind. Sie verstehen sehr gut, dass jede Geduld ihre Grenze hat, und sie selbst haben was zu verlieren. Auf jeden Fall macht der Beschuss der Positionen der syrischen Regierungsarmee alle Vereinbarungen Russlands und der USA bezüglich Syriens zunichte. Und wenn sie doch noch erhalten bleiben, so nur durch ein Wunder. Die Amerikaner müssen uns lange überzeugen und irgendwelche Garantien geben. Alles wird schon in 2−3 Tagen klar sein.

      Alexei Polubota, 19.09.2016, http://svpressa.ru/war21/article/156723/

    • Analitik sagt:

      Wenn Sie sich an Putin wenden, sind Sie hier falsch. Er liest hier nicht mit.

      Und solche Ratschläge wie den Ihrigen bekommt er täglich von hunderten feindlichen Agenten in Gestalt von russischen Patrioten. Langweilig und längst abgehackt. Bei den Parlamentswahlen in Russland am Wochenden hat es keine „patriotische“ Partei (die alle das gleiche sagen wie Sie) auch nur in Sichtweite der 5%-Hürde geschafft.

  4. Hans aus Olb sagt:

    Schlagzahl erhöht sich. UN(?)- Konvoi zerstört….

    ZITAT: „Russland ist gerade dabei, diesen Prozess umzukehren und der UN ihre wichtige Bedeutung zurück zu geben.“

    Wir erhalten derzeit gerade eine Lektion, wie weit man zu gehen bereit ist…

    • Analitik sagt:

      Das geht schon die ganze Zeit so. Jeder Deal ist von einer Provokation begleitet. Jede Provokation eröffnet neue Möglichkeiten.

      Zum Deal gehörte es, dass die USA die Terroriten und die moderate Opposition physisch voneinander trennen, damit die einen bekämpft und die anderen an den Verhandlungstisch gezogen werden können. Während der monatelangen Verhandlungen haben die USA gesagt: „Bombt sie alle nicht, damit ihr die Guten unter ihnen nicht trefft. Wir handeln ja gleich aus, wie wir die Guten von den Bösen trennen, dann zerstören wir gemeinsam die Bösen“. Der Deal steht, die USA haben ihn gerissen, jetzt fehlt ihnen die Argumentationsgrundlage, um ihre „Guten“ weiter zu schützen. Das öffnet Russland die Möglichkeit, Erbostheit zu demonstrieren und einen Haufen Bomben auf den gesamten Terroristenhaufen zu werfen. Dann lösen sich die nicht ganz verrückten aus diesem Haufen von alleine raus. Das gleiche Schema wie vor einem Jahr zu Beginn der Kampagne, nur jetzt auf neuem Gebiet.

      So wird ein weiteres Stückchen Syrien bereinigt, die USA werden wieder an die Verhandlungstische zurückwollen, um den Rest ihrer Terroristen zu schützen und das Spiel wird in die nächste Runde gehen. Das kann ewig so weiter gehen. Wir sind in einem diplomatischen Stellungskrieg, jeder Quatdarmeter Boden muss hart und lang erkämpft werden.

      Die USA kapitulieren ja nicht etwa in den Verhandlungen. Auch die „moderaten“ Kerry und Obama nicht.

      Und der IS & Co. sind nicht das große Problem in Syrien. Das große Problem sind die Kurden.

      • ped43z sagt:

        „Und der IS & Co. sind nicht das große Problem in Syrien. Das große Problem sind die Kurden.“

        Ganz genau. Nicht rein setzen in das Problem, von den Emotionen einfangen lassen und dann von diesen getrieben, Entscheidungen treffen, die dann einfach nicht mehr „vernünftig“ sein können.
        Den Blick von draußen bewahren und der zeigt unmissverständlich, dass das Establishment mit seinen Plänen vom „Neuen Nahen Osten“ bislang absolut im Plan liegt. Wobei die Kurden nicht begreifen, dass sie als billiges Werkzeug dienen. Und die Türken, die es intern inzwischen fast zerreist, auch nicht. Die Zerstückelung Syriens ist noch lange nicht vom Tisch.
        siehe auch:
        https://peds-ansichten.de/2016/09/tuerkische-gratwanderungen-1/
        https://peds-ansichten.de/2016/03/ralph-peters-und-der-neue-nahe-osten/

        Viele Grüße von ped43z

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