Wem nützt die Märtyrerin Sawtschenko?

Die ukrainische Nationalistin und Soldatin Sawtschenko, die für den Tod russischer Journalisten im Donbass mitverantwortlich war und dafür in Russland verurteilt wurde, ist zurück in der Ukraine. Eingetauscht gegen zwei russische Offiziere.

Ganz großes Kino. Die Sache ist, dass Sawtschenko im heißen Jahr 2014 (heute würde sich die Geschichte schon ganz anders abspielen) von der Ukraine zur symbolischen Heldenfigur aufgebaut wurde. Die EU hat das mit großem medialem und diplomatischem Tamtam mitbefördert. Man verlieh Sawtschenko hastig diplomatische Titel, um ihr Diplomatenimmunität zu geben und anschließend Druck auf Russland auszuüben, sie frei zu lassen.

Jetzt feiert die Ukraine und feiert der Westen. Bidder, oberster SPON-Desinformator in Sachen Russland, prophezeiht Sawtschenko eine politische Karriere. Mega überraschend sei der Tausch stattgefunden. Poroschenko und Timoschenko und überhaupt die ganze Welt profitieren. Und es war selbstredend der diplomatische Druck des Westens, der Russland einknicken ließ.

Was für eine Grütze.

Zunächst mal ist hier gar nichts überraschend. yurasumi hat bereits vor zweieinhalb Monaten die Zeichen gedeutet und den Tausch prognostiziert (übrigens nicht als einziger). Und die Zeichen waren folgende. Sawtschenko wurde hysterisch zur Märtyrerin stilisiert, was Kiew in die Pflicht brachte, für ihre Rückführung zu kämpfen. Die schlaue Julia Timoschenko hat Sawtschenko bei sich in der Partei untergebracht und hat damit die besten Aussichten, die Heldin für sich auszuschlachten. Sawtschenko ist eine minderintelligente Soldatin, die in der Politik gewiss keinen eigenen Willen haben kann, noch irgendwas aufbauen könnte. Eigentlich gehört sie in die Klapse – das ist sogar Bidder nicht entgangen. In der Politik kann und wird sie nur Unheil anrichten. Genau dafür braucht Timoschenko sie, denn Timoschenko ist derzeit in der Opposition und ihr Erzfeind Poroschenko ist Präsident. Und Poroschenko kann aus den gleichen Gründen Sawtschenko so gar nicht gebrauchen in der Ukraine. Er hat auch alles getan, um den Tausch zu verhindern (Ermordung eines Anwalts inklusive), allerdings ohne Erfolg.

Und Russland? Russland hat vom Tausch doppelten Vorteil. Zwei gefangene Offiziere werden heimgeholt. Und mit Sawtschenkos Rückführung platziert man eine politische Bombe in Kiew. Russland wäre schön blöd, den Tausch nicht zu machen. Überdies hat Russland die juristische Tür für Sawtschenkos erneute Verurteilung (falls sie so lange überleben wird) offen gehalten. Sie wurde nur wegen eines ihrer Verbrechen angeklagt und verurteilt. Die Akten für weitere nicht minder schwere Verbrechen sind brechend voll und warten im Archiv auf ihren Einsatz.

Hier sehen Sie Sawtschenkos Empfang. Die Frau ist emotional, hitzig und labert nur dummes Zeug. Poroschenko ist zum Empfang geeilt, um sich wenigstens ein paar Tage lang einen taktischen Vorteil aus der für ihn strategisch sehr unschönen Situation zu ziehen. Er präsentiert sich als Retter – herzlichen Glückwunsch. Dann wird Timoschenko ihr Täubchen übernehmen. Sie kann die Heldin als Bombe nutzen, um die ohnehin sehr fragile politische Situation in Kiew zu explodieren und Poroschenko aus dem Weg zu räumen. Wenn die Einschätzung stimmt, dass Poroschenko bei den USA in Ungnade gefallen ist, dann hat er keine Rückendeckung und die Gefahr für ihn ist sehr real. Aber selbst wenn er nicht stürzt, wird ihm eine psychisch kranke Märtyrerin an den Fäden von Timoschenko garantiert nur Kopfzerbrechen bereiten.

Für Russland könnte Timoschenko durchaus die bessere Alternative sein im Vergleich zu Poroschenko.

Wie wird sich die „politische Karriere“ von Sawtschenko entwickeln? Timoschenko wird sie im Parlament bellen lassen, wenn sie es für richtig hält. Das ist das positive Karriere-Szenario für Sawtschenko. Das weniger positive Szenario ist ein baldiger Tod durch die Hand eines „Putin-Agenten“. Das ist das bestmögliche Szenario für Poroschenko.

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6 Kommentare zu “Wem nützt die Märtyrerin Sawtschenko?
  1. Thomas Roth sagt:

    Verschiedene Meinungen wimmeln durch das Netz anlässlich des Austausches von Sawtschenko. Viele werfen Putin Schwäche vor, die ukrainischen Patrioten tanzen und ich würde mich nicht wundern, wenn sie den 25. Mai in der Ukraine zukünftig zu einem nationalen Feiertag des Sieges über die russischen Aggressoren und das blutige Putinsche Regime erklären würden.
    Heute wurden die sozialen Netzwerke mit dem Gerede der liberalen Vertreter vom Sieg Poroschenkos und der bedingungslosen Kapitulation Putins vor der Ukraine – eigentlich sogar vor der ganzen europäischen Welt – überflutet.
    Aber Leute, beruhigt Euch! Ich hörte auch heute von der Rückführung der Krim, von den Handlungen der Flieger in Syrien und dem nachfolgenden plötzlichen Rückzug reden, auch war von verbrannten Hubschraubern die Rede. Putin hat den Donbass aufgegeben! Putin hat die Krim aufgegeben, Putin hat Assad aufgegeben, Putin hat Putin aufgegeben! Jaaaaa!
    Und später verschlucken sich diese liberalen und ukrainischen Schreihälse ganz heftig, wenn sie die richtigen Ergebnisse der Putinschen Überlegungen sehen.
    Der Präsident wusste natürlich auch sehr gut, dass ähnliches Geschrei kommen würde. Das alles wurde mehrmals durchgerechnet und analysiert, bevor man diese Schritte ging, es wurden alle „Für“ und „Wider“ abgewogen. Es wurden alle möglichen Folgen und Risiken durchdacht und ich werde es noch einmal wiederholen: Putin macht niemals etwas einfach nur so. Das bedeutet, man musste Nadja entlassen! Es war einfach notwendig. Und die Offiziere konnten ihre Familien wieder in den Arm nehmen.
    Wir werden sehen, wie sich die Dinge für die Ukraine und die ganze Weltöffentlichkeit weiter entwickeln werden. Jetzt wird mit Nadja ein solcher Zirkus anfangen, dass ihre Mutter nur trauern kann. Wir werden inzwischen mit den Fachkräften alles verfolgen und uns über das Getöse wundern, das aus den leeren Köpfen kommt! Man hört übrigens oft, dass die Frau nicht die hellste Kerze auf der Torte sein soll

    ps: Ich persönlich glaube dem Präsidenten und bei mir gab es noch keinen Anlaß, an der Richtigkeit seiner Entscheidungen zu zweifeln. So dass wir uns erinnern können: Wer zuletzt lacht, der lacht am Besten.

  2. kein Plan sagt:

    So eine Hohlbirne gegen 2 russische Soldaten ist einfach ein guter Tausch.
    Der Hysterie der Faschisten in der Ukraine und in Westeuropa/USA wird Ernüchterung folgen und gut.
    Was juckt einen Adler das treiben der Krähen?

  3. RotterDamm sagt:

    So ein psychisch gestörtes Wesen wird keine politische Kariere machen – wird aber sehr wohl politisch ausgeschlachtet. Und zwar auf innerukrainischer Politbühne. Wir werden noch viele groteske Momente mit der Mätyrerin präsentiert bekommen. Nach außen werden sie aber dermaßen peinlich sein, dass sie das Gegenteil des Beabsichtigten bewirken werden. Sehr schnell kommt dann das Ende der Ikone und möglicherweise sogar ihr physisches Verschwinden.
    So gesehen hat Moskau wieder einen ausgezeichneten Schritt getan. Und Kiew hat sich wieder selbst das Bein gestellt.
    Gruß
    RotterDamm

    • venice12 sagt:

      Das „physische Verschwinden“ kann man dann wie gehabt wieder „Putin“ in die Schuhe schieben – und fertig ist die Märtyrerin.

  4. alex sagt:

    Würde vermutlich auch so wie Putin handeln, eine dumme Nuss gegen zwei Offiziere ist ein sinnvoller Deal !

  5. Thomas Roth sagt:

    Die Granate ohne Sicherungssplint

    Autor: Rostislaw Ischtschenko, 28.05.2016

    Man braucht nicht darauf zu warten, dass Nadeschda Sawtschenko irgendeine wichtige Rolle in der ukrainischen Politik spielen wird oder Einfluß auf die politischen Prozesse in diesem Land bekommt. Dieser Frau fehlt sogar die Kraft, die eigene Popularität zu unterstützen. Bis jetzt waren auf sie viele Kameras gerichtet, nur weil sie im Gefängnis saß und jetzt nach Kiew zurückkehren durfte. Jetzt wird die Aufmerksamkeit der Presse für diese Person schnell nachlassen.

    Wenn Sawtschenko adäquat, zurückhaltend und weise wäre, könnte sie in irgendeiner der Parteien integriert werden und eine helle politische Zukunft erwarten. Aber diese Frau ist total impulsiv und regellos, deshalb werden weder der Präsident der Ukraine, Pjotr Poroschenko, noch die Parteiführerin von „Batkowschtschina“, Julia Timoschenko, versuchen, Sawtschenko als Freund gegen den Freund zu verwenden. In der Ukraine haben die Politiker sehr wohl verstanden, dass Sawtschenko wie eine Granate ist, die wenn man sie in den Händen hält, zu einem x-beliebigen unpassenden Moment explodieren kann.

    Meiner Meinung nach wird sich die ukrainische politische etablierte bürgerliche Gesellschaft eher darum bemühen, Sawtschenko zu entgehen.
    Erstens können sie sie einfach vergessen. Die Journalisten werden aufhören, über sie zu schreiben und man wird sie nirgendwohin einladen. Mit anderen Worten, es wird das Verschwinden aus dem politischen und öffentlichen Leben in die volle Bewusstlosigkeit.
    Zweitens: die Behörden werden ihre Rückführung an die Front organisieren, damit sie irgendwo im Dickicht neben Lugansk sitzt, wo die Journalisten selten erscheinen dafür aber oft Geschosse fliegen.
    Und die letzte radikalste Weise: Kiew wird Sawtschenko physisch beseitigen und wird dieses Verbrechen Moskau anhängen. So wird die Ukraine einen weiteren toten Helden erhalten, zu dessen Denkmal die Leute Blumen bringen werden.

    Wenn Sawtschenko in der Öffentlichkeit bleibt, wird sie zur Bedrohung für jeden beliebigen Politiker werden, weil es unmöglich ist im Voraus zu sagen, auf wen sie wann mit Fäusten losgehen und was sie morgen sagen wird. Jetzt gilt sie ihnen als vorteilhaft, aber im Augenblick wird sie aus unerklärlichen Gründen zu ihrem Todfeind.
    Mit anderen Worten, niemand von den ukrainischen Politikern wird Sawtschenko zu sich in die Mannschaft nehmen. Diese Frau kann auch keine selbständige politische Figur werden. Denn damit man etwas in der Politik bedeutet, muss man eine ernsthafte Unterstützergruppe haben: eine Partei, eine Fraktion, Finanzmittel und den Einfluss auf die Massenmedien. Bei dieser Sawtschenko gibt es das alles nicht und wird es das alles auch nie geben. Das ist alles absehbar wegen ihrer Aggressivität und der Unvorhersehbarkeit ihrer Handlungen, wegen der mit ihr niemand etwas zu tun haben will. Und in der Politik sind die Lenkbarkeit und die Vorhersehbarkeit sehr wichtig: man darf nicht in einer Mannschaft mit dem Menschen arbeiten, der sie nach einer Minute beißen kann.

    Aber das Schrecklichste für Kiew wird das Erscheinen Sawtschenkos im Europarlament sein. Dort kann sie nicht nur den üblichen Unsinn schreien, sondern auch einen beliebigen anständigen westlichen Politiker schlagen, wenn er ihr nicht gefallen wird. Das Erscheinen dieser Frau in Brüssel wird die Schädigung der ukrainischen Positionen auf der ganzen weltweiten Arena bedeuten. Diese Person handelt überall identisch: an der Front, im Gerichtsgebäude, in der Werchowna Rada oder im Europarlament. Sie kann sich überall ganz einfach auf einen Menschen stürzen.

    Zur Zeit lässt die allgemeine informative Situation nicht zu, Sawtschenko weiter zu vertreiben. Deshalb überreicht man ihr die Belohnungen und Geschenke. Aber alles das wird sich in allernächster Zukunft ändern, wenn sich die Videokameras seltener zu ihrer Seite bewegen werden. Und Sawtschenko werden wir ebenso schnell, wie auch andere Persönlichkeiten der Ukraine der letzten Zeit, zum Beispiel den Chef der extremistischen (in Russland untersagten) Organisation „Rechter Sektor“, Dmitrij Jarosch, einfach vergessen.

    Leider hat es für Poroschenko keinen Bonus, keine Vorteile und Dividenden wegen der Rückführung Sawtschenkos nach Kiew gegeben. Ja, die antirussische Stimmung in der Ukraine gibt es. Aber sie gab es auch schon ohne Sawtschenko. Mit anderen Worten, für die fünf Minuten Haß hätte Poroschenko jeden Anlass verwenden können. Aber er hat Sawtschenko verwendet und hat damit die Ausschussgranate in die Hände bekommen, die jetzt für ihn brandgefährlich ist.