Anschläge in Brüssel mit Ansage von Erdogan

Am 18. März hat Erdogan folgendes gesagt:

Es gibt keinen Grund, warum diese Bomben (die in der Türkei explodiert sind, Anm. d. Red.) nicht in Brüssel oder in einer anderen Stadt in der EU explodieren sollten. Trotz dieser Realität verhält sich Europa nachlässig. Das ist zu vergleichen mit einem Tanz auf einem Minenfeld. Man weiß nie, wann man auf eine Mine tritt, aber dass es passieren wird, steht außer Frage. Ihr züchtet Schlangen heran. Diese werden eines Tages auch euch angreifen. Es kann sein, dass für euch die Bomben in der Türkei nichts bedeuten. Ihr werdet verstehen, wie wir uns derzeit fühlen, wenn auch in euren Städten Bomben explodieren, aber dann wird es zu spät sein

Schon am gleichen Abend gab es Explosionen in Brüssel, von denen einen Tag später noch nicht klar war, ob sie von Terroristen verursacht wurden oder von Sondereinsatzkräften der Polizei, die am 18. März mehrere Einsätze in Brüssel hatten, bei denen unter anderem der gesuchte Terrorist Abdeslam festgenommen wurde.

Richtig ernst wurde es für Brüssel am 22. März, als an zwei Orten Bombenanschläge verübt wurden. Wie Erdogan sagte, es gibt keinen Grund, warum die Bomben nicht in Brüssel explodieren sollten.

Zufall? Vielleicht.

Vielleicht war es aber auch kein Zufall. Erdogan selbst gab bekannt, dass man einen der Terroristen von Brüssel in die EU deportiert habe. Die EU hat das inzwischen bestätigt:

Turkey’s president criticised Belgium for failing to track Ibrahim El Bakraoui, a convicted Belgian armed robber whom it deported last year and who blew himself up at the airport on Tuesday (….)

An official from the Netherlands has confirmed that Ibrahim El Bakraoui was deported from Turkey to the Netherlands last year amid concerns that he was a militant.

„The Turkish authorities requested Ibrahim El Bakraoui to leave the country and put him on a flight from Istanbul to Amsterdam on July 14, 2015,“ Dutch Justice Minister Ard van der Steur said in a statement.

Was macht man mit einem belgischen Militanten, den man gefangen hat? Logisch, man setzt ihn in einen Flieger in die Niederlande und informiert viel zu spät irgendeinen Belgier in der Türkei darüber:

Belgien ist laut Justizminister Koen Geens im vergangenen Jahr sehr spät von der Türkei über die Ausweisung des Terrorverdächtigen Ibrahim El Bakraoui informiert worden. „Wir wurden erst gewarnt, nachdem das Flugzeug (mit El Bakraoui) in Schiphol gelandet war“, sagte Geens am Donnerstagabend mit Blick auf den niederländischen Flughafen in der Nähe von Amsterdam.

Zufall? Wie viele unveröffentlichte Zufälle dieser Art gibt es noch?

Erdogans Ansage wurde von einem Terroristen in die Tat umgesetzt, den die Türkei selbst sehr dubios in die EU eingeschleust hat.

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12 Kommentare zu “Anschläge in Brüssel mit Ansage von Erdogan
  1. kein Plan sagt:

    Hallo,

    Das alles habe ich auch schon gelesen und Quergedacht!
    Ich frage mich allerdings was Erdogan davon hätte das die EU infolge der Anschläge näher an Russland rückt.
    Die Russen warnten Brüssel schon geraume Zeit das Kopfabschneider zu hunderten einrücken,was tat Brüssel bzw.Belgien?
    Nichts!
    Man ließ die in der EU frei herumspazieren.
    Die Attentate sind ein herber Rückschlag für die US Neocons und richen für mich nach Gladio.
    Vielleicht wollte man gerade das und suchte eine Möglichkeit über diese Attentate mit Moskau ins Gespräch zu kommen.
    Keine Ahnung!Ich lass mich auch gerne von Dir eines besseren belehren.

  2. CGB sagt:

    Danke Analitik, das ist interessant.

  3. kein Plan sagt:

    Nun langsam wird die Katze auch dem Sack gelassen.
    Der Saarländische Innenminiester fordert den sofortigen Einsatz der Bundeswehr im Inneren.
    Zum Kotzen,dient ja nur unserer Sicherheit!

    Ich bin libertärer Linker und ich stehe der schleichenden Installation eine neuen/alten Nationalsozialismus kritisch gegenüber!
    Die Masse der Gutmenschen passt ihre Meinung der politischen Vorgabe an und hetzt gegen alles und jeden der es wagt eine eigene Meinung zu haben.
    Hier mal ein Beispiel
    http://www.danisch.de/blog/2016/03/25/tod-eines-backers/
    (Ihr findet wenn ihr googelt mehr Quellen wie diese)

    Man könnte den Spieß auch umdrehen! Libertäre sind keine NationalSOZIALISTEN. Sie lehnen jede Form von fremdbestimmter Herrschaft ab. Sie wollen weniger Staat, also auch weniger Deutschland. Nazis hingegen wollen mehr Staat, mehr Macht und mehr Zentralisierung. Nazis manipulieren ihre Presse, Nazis lügen und betrügen und Nazis streben nach Macht über andere Menschen. Nazis wollen die totale Gleichheit und fühlen sich dabei moralisch überlegen.

    Nazis pflegen Führer-und Personenkult um ihre Politiker und Nazis stehen für ein undemokratisches Europa, wie es durch EU und EZB umgesetzt ist. Die EZB hat sogar eine der größten NSDAP-Forderungen umgesetzt: Die Abschaffung der Zinsen. Nicht die freien Menschen sind die Nazis. Nein ihr Volltrottel: Ihr seid die Nazis und ihr merkt es noch nicht mal.

    Mich entsetzen die Parallelen zur Installation des Dritten Reichs und ich sehe auf weiter Flur keinen Widerstand der von einer Mehrheit der Bevölkerung getragen wird.
    Die Mehrheit ist für Nationalsozialismus,Dumm und ungebildet!

    Die ganze Thematik wäre mal einen Artikel von Dir wert!

  4. Beat Mario Kurt sagt:

    Der Anschlag von einem unklugen cholerischem (narzistischen – die eigenen strategischen Wünsche betreffend) in die Enge getriebenen Erdogan inituert – von der EU geduldet (?) von weiteren (?) flankiert – als Erdogans Machtdemonstration innerhalb der laufenden Verhandlungen, sowie sich beängstigend anbahnender Verkleinerung des türkischen Gebiets? Eine Verzweiflungstat also?

    Analitik, was meinen Sie, cui bono làsst sich ja hier bezüglich Erdogan wirklich nicht vernünftig sagen..

    Ein äußerst detaillierter und historisch aufschlussreicher Artikel zur Türkei (mit allen Details von Sevres, Kemal bis zur Duma) hat Diogenes Lampe verfasst:

    Erdogans Reich zerfällt bereits

    http://www.geolitico.de/2016/03/26/erdogans-reich-zerfaellt-bereits/

    Ein frohes Osterfest allen!
    Danke für Eure Beitràge hier.

    • Analitik sagt:

      Erdogan handelt seit einem Jahr so, dass es ihm nicht nützt. So sieht es von außen aus. Man muss dabei natürlich Erdogans Zielsetzungen berücksichtigen und bedenken, dass vorübergehende Nachteile (auch schwere) auf dem Weg zum Ziel standardmäßig in Kauf genommen werden.

      Außerdem wissen wir nicht, ob es wirklich Erdogan war, der den Befehl für die Brüsseler Anschläge gegeben hat. Das ist eine von vielen Möglichkeiten, die Erdogan durch seine unbedachten Aussagen selbst zum Thema macht. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Erdogans „Partner“ seine unbedachten Aussagen mit Taten unterfüttert haben, um Erdogan zu diskreditieren.

      Erdogan hat solche Tricks selbst schon angewendet. Als Obama die Dummheit beging, öffentlich eine „rote Linie“ für Syrien zu markieren, hat Erdogan für False Flag Operationen gesorgt, die es für die westlichen Zombies so aussehen ließen, dass Assad Obamas rote Linie überschritten hatte. Erdogan hat daraufhin von Obama das versprochene militärische Eingreifen in Syrien gefordert und war sehr wütend darüber, dass Obama sich lieber von Putin retten ließ und keine Truppen schickte.

    • Analitik sagt:

      Die Analyse von Geolitico gefällt mir nicht.

      Da wird unterstellt, dass alle Großmächte sich über die Gründung eines Kurdenstaates einig sind. Unter anderem heisst es:

      „Dagegen könnte ein kurdischer Staat, zusammengesetzt aus heute türkischen, irakischen, iranischen und syrischen Kurdengebieten, als großer Pufferstaat gegen die Resttürkei mit denselben Mitteln des innenpolitischen Ausrichtungsstreits klein gehalten werden, wie die heutige Türkei: Mit Panideologie versus Nationalismus; dazu aber auch noch mit dem Schüren kurdischer Stammeskonflikte.

      Wenn sich die drei Großmächte USA, Russland und China zusammen mit Israel, GB und Frankreich auch um die Einflusszonen im Nahen und Mittleren Osten streiten; sie sind sich vermutlich alle einig in Bezug auf das gemeinsame Zurückdrängen der Türkei als einen Machtfaktor bei der Neuaufteilung Eurasiens.“

      Da werden die Pläne der USA, explizit die von Ralph Peters ( http://analitik.de/2015/08/22/teile-herrsche-20711165/ ), auf andere Länder projiziert, unter anderem Russland und China. Das Interesse der USA an solchen Plänen ist klar. Teile und Herrsche, erzeuge Konflikte, die du dann kontrollierst. Dass dieser Plan den Nahen Osten sprengt, ist zweifellos. Als würden Syrien, Irak und vor allem Türkei und Iran einfach so Territorien abgeben an einen neuen Kurdenstaat. Zu unterstellen, dass Russland solche Pläne unterstützen würde, zeugt in meinen Augen von einem stark defizitären Verständnis der geopolitischen Interessen der Großmächte. Eine massive Destabilisierung des Nahen Osten von der Türkei bis zum Iran (de facto Krieg im gesamten Nahen Osten, was ein Übergreifen auf Nachbargebiete äußerst wahrscheinlich macht) ist das exakte Gegenteil russischer und chinesischer Interessen.

      Die grobe Fehleinschätzung des Autors (oder der Autorin) bezüglich russischer und chinesischer Pläne ist leider keine Nebensächlichkeit, denn die Schlüsse basieren mittelbar oder unmittelbar alle auf dieser Annahme. Damit fällt die gesamte Analyse. Details zur Geschichte der Türkei können das nicht retten.

      Außerdem fallen solche Sätze:

      „Sein Ziel war es nicht, die türkische Kultur zu verleugnen, sondern die neue Türkei im westeuropäischen Sinne zu verändern, um die überall herrschende Rückständigkeit, die der Islam mit sich brachte, auf allen Gebieten zu überwinden.“

      Der Islam bringt also überall Rückständigkeit mit sich. Das begräbt endgültig meine Erwartung, dass da jemand versucht logisch zu analysieren.

      • Tja ANALITIK, RF hat letztlich nur ein einziges grenznahes vs. ernstes Problem, sprich, die letztlich aus der Konkursmasse des „Polnischen Vetoladen“ des 17.-18. Jahrhundert (Folge der sogenannten Polnischen Teilungen) resultierende Ukraine mit einer indigenen ausbeuterischen Chasarenelite: „Ist der Laden noch so klein, bringt er mehr als Arbeit ein“! Noch Fragen?

      • Beat Mario Kurt sagt:

        Danke für Ihre wichtige Klarstellung!

        Ihre Zweifel (russische Interessen anders als ein ungeteiltes Syrien betreffend) hatte ich auch, jedoch auf einer typischen laienhaften unkritischen Ebene. Es könnte ja doch auch ’so‘ sein. Als strategischer Ausweg – auch temporär.

        Letztlich steckt dann doch eher die Art des Denkens, der Souveränität dahinter. Wer wie die Russen ein Zentrum, ein klares Ziel und keine vorgeschobenen Werte besitzt und auch bereit ist angemessen zu verteidigen – muss eher nicht relativieren, er/sie steht zum Gesagten.

        Das ist im punktuell gesteuerten Europa, im unsouveränen („schuldhaften“) Deutschland, mit medialer zwielichter Dauerbeschallung leider noch anders. Einige unsere haben somit zwangsläufig ihre ganz eigenen souveränden „Fixpunkte“, wie Preußen oder eben Russland – siehe vineyardsaker > Russophilus – im Kontext des Multipolaren.

        Nun – es ist högschde Zeit.

  5. kein Plan sagt:

    @Analiltik
    Zitat:
    „Erdogan hat daraufhin von Obama das versprochene militärische Eingreifen in Syrien gefordert und war sehr wütend darüber, dass Obama sich lieber von Putin retten ließ und keine Truppen schickte.“

    Klasse,wir sind einer Meinung,zumindest in der Frage warum und wie der russische Syrieneinsatz zu stande kam und erfolgreich abgeschlossen wurde.
    Selbst die neu installierten 2 amerikanischen Stützpunkte waren meiner Meinung nach Teil einer absprache.
    Man beachte dabei das sich der Ton der USA (Obamas) gegenüber den Wahabiten und Zionisten verschärft hat und der US Präsi mal nicht zurück gerudert ist als die Fraktionen dort heulten.
    Mal schauen was wird!

  6. Dieter sagt:

    @ Analitik

    „Als würden Syrien, Irak und vor allem Türkei und Iran einfach so Territorien abgeben an einen neuen Kurdenstaat. Zu unterstellen, dass Russland solche Pläne unterstützen würde, zeugt in meinen Augen von einem stark defizitären Verständnis der geopolitischen Interessen der Großmächte. Eine massive Destabilisierung des Nahen Osten von der Türkei bis zum Iran (de facto Krieg im gesamten Nahen Osten, was ein Übergreifen auf Nachbargebiete äußerst wahrscheinlich macht) ist das exakte Gegenteil russischer und chinesischer Interessen.

    Da machen Sie einen Denkfehler. Natürlich liegt eine massive Destabilisierung – die übrigens längst im Gange ist – nicht im Interesse der Russen und Chinesen. Nichtsdestotrotz gehen sie im Unterschied zum westlichen Imperium von einer Welt aus, wie sie ist und nicht, wie sie sein sollte. Und sie wissen sicher auch, das Politik die Kunst des Möglichen ist.

    „Einfach so“ werden Syrien, Irak und Iran natürlich kein Territorium für einen Kurdenstaat abgeben, geschweige die Türkei. Das hat Diogenes Lampe auch gar nicht behauptet. Aber sie werden es tun müssen, denn einen Kurdenstaat wird es in jedem Fall geben. Da sind sich alle Großmächte doch längst einig. Wo wird der denn Ihrer Ansicht nach entstehen? Auf wessen Territorium?

    Es geht doch schon los! Kaum ist die nach meiner Ansicht stichhaltige Analyse auf Geolitico erschienen, da ging der Konflikt in Berg-Karabach wieder los, auf den Diogenes Lampe hingewiesen hat. D.h., der Osten Anatoliens wird über den Armenien-Aserbaidschan Konflikt destabilisiert. Da stecken die Russen als Schutzmacht Armeniens voll mit drin.

    Um einen Kurdenstaat schaffen zu können, braucht es eine völkerrechtliche Legitimation. Und die verschaffen sich die Großmächte immer durch das Schüren von Territorialkonflikten.

    Also das „stark defizitäre Verständnis der geopolitischen Interessen der Großmächte“ dürfte sich eher in Ihrem Kommentar finden, als in der nach meinem Dafürhalten, stimmigsten Analyse, die zu diesem Thema im Netz bisher zu finden ist. Aber beobachten wir einfach, was weiter passiert. Auch in Bezug auf Griechenland scheinen sich ja die Dinge in genau die Richtung zu bewegen, die Diogenes Lampe voraus sieht.

  7. egi sagt:

    Analitik, um bei Thema zu bleiben,
    Fakt ist dass während der Zeitpunkt von Erdogans Rede (direkt nach Explosionen in Ankara) in der Nähe des Europäischen Parlements kurdische (PKK) demonstranten seit zwei Tagen zelteten. Das ärgerte Ihn, Deswegen seine Rede Richtung Brüssel. Ich glaube nicht das er bescheid wusste. Wenn er bescheid wüsste dann waere es doch ziemlich bescheuert von Ihm darüber zu Reden. Nach ca. zwei Tagen gingen leider die Bomben in Brüssel hoch.