Sagt später nicht, es war nicht absehbar…

Die Probleme mit den ukrainischen Atomkraftwerken gehen weiter.

In Europas größtem Atomkraftwerk in Saporoghje hat es diese Woche vier Vorfälle gegeben. VIER in einer Woche.

Am 18. Juli hat sich der 1. Block selbst abgeschaltet. Die Ursache habe man schnell gefunden und am 19. Juli wurde der Block wieder auf volle Kraft aktiviert.

Am 20. Juli wurde der 5. Block für Reparaturmaßnahmen abgeschaltet und am 24. Juli wieder in Betrieb genommen. Dabei wurde der 5. Block erst im Februar für umfassende planmäßige Reparaturmaßnahmen abgeschaltet und Ende Mai vorzeitig (17 Tage früher als geplant) wieder in Betrieb genommen.

Am 21. Juli hat der 3. Block seine Leistung selbst heruntergefahren. Planmäßige Reparaturarbeiten an diesem Block wurden erst am 6. Juni (ebenfalls früher als geplant) beendet. Die Leistung des 3. Blocks wurde noch am 21. Juli wieder auf volle Kraft hochgefahren.

Am 25. Juli wurde der 1. Block (ja, der gleiche vom 18. Juli, wo man die Ursache angeblich schnell gefunden hatte…) für Reparaturmaßnahmen heruntergefahren. Für einen Tag. Einen Tag später heißt es, der Block werde etwa bis zum 7. August abgeschaltet bleiben müssen.

In Saporoghje sind derzeit Ukraines beste Experten auf dem Gebiet der Atomkraftwerkstechnik versammelt.

Die Atomkraftwerke haben letzten Winter die Hälfte des ukrainischen Stroms generiert. Sie sind alternativlos. Sie werden auch kommenden Winter wieder die Hauptlast der Stromversorgung tragen müssen. Die Ukraine wird sie ungeachtet aller vorhersehbaren und noch unvorhersehbaren Risiken in Betrieb nehmen.

Die ukrainischen Atomkraftwerke sind, historisch bedingt, voll und ganz auf die Dienstleistungen des russischen „Rosatom“ angewiesen. Politisch bedingt werden diese Dienstleistungen nicht in Anspruch genommen. Aus Prinzip. Die EU ist für diese politische Einstellung der Ukraine zu 50% verantwortlich. Die EU ist schon auf die Probleme der ukrainischen Atomkraftwerke aufmerksam geworden. Was wird sie daraus machen?

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