Elektromaidan (2)

Fortsetzung zum gestrigen Material.

Die Regierung in Armenien hat angekündigt, die Strompreiserhöhung zu prüfen.

Scheiße! Wenn es den Demonstranten um die Strompreise ginge, wäre es ja das Ende der Demonstrationen. Aber darum geht es natürlich nicht. Deswegen muss schnell gekontert werden, indem neue Forderungen gestellt werden:

  • Zusätzlich zu der aktuellen Preiserhöhung soll auch die vom letzten Jahr rückgängig gemacht werden.
  • Für den Polizeieinsatz vom 22. Juni müssen Köpfe rollen.

Puh, das war knapp. Aber jetzt ist wieder sichergestellt, dass die Pseudogründe für den Maidan nicht ausgehen. Alles läuft nach Handbuch. Wenn die Regierung auf die dumme Idee kommt, den Aktivisten entgegen zu kommen, rücken letztere der Regierung umso schamloser weiter auf die Pelle. Es darf keine konstruktive Lösung des Problems geben. Die Daumenschrauben werden so lange angezogen, bis die Regierung gestürzt wird. Oder bis die Polizei hart durchgreift, wie es in Schurkenstaaten wie USA oder Deutschland üblich ist, in einer jungen Demokratie wie Armenien aber auf keinen Fall passieren darf.

Pünktlich zum Wochenendbeginn wurde heute auf dem ersten armenischen Informationskanal 1in.am über einen just veröffentlichten US-Bericht über die Korruption in Armenien berichtet. Das Timing ist selbstverständlich zufällig. Der Bericht bemängelt „systematische Korruption“, „mangelnde Transparenz der Regierungsarbeit“, „zahlreiche Berichte über Korruption auf Regierungsebene“. Man muss schnell weg von der nichtigen Stromkacke und hin zu den Dingen, auf denen man Großes bauen kann. Die USA gießen Öl ins Feuer.

Fleißige Leute haben 1in.am unter die Lupe genommen. Die Email des Administrators findet sich… in den Maillisten des US-Geheimdiensts Stratfor. Schauen Sie selbst nach: hier die Datei 150269_sfiblist.txt aufrufen und nach armanbabajanyan@hotmail.com suchen (Suchfunktion aufrufen: Strg + f).

Interessantes Detail am Rande: Der US-Konzern ContourGlobal hat im April diesen Jahres Wasserkraftwerke in Armenien zu 100% aufgekauft. Allein dieser Deal sichert den Amerikanern die Kontrolle über 16% der gesamten armenischen Stromerzeugung und 50% der Stromerzeugung durch Wasserkraft zu. Alles ist infiltriert. Und alles, was infiltriert ist, spielt beim Maidan eine Rolle.

Die Demos gingen heute weiter. In der Hauptstadt wurden einige Hauptstraßen blockiert.

Richard Miles hat derweil verkündet, dass die Demos in Armenien keine Ähnlichkeit zum Kiewer Maidan haben und die USA auch nicht involviert seien. Warum sagt er denn sowas? Es ist eine Kontermaßnahme gegen die Kontermaßnahmen. Es herrscht richtiger Informationskrieg. Russen und Ukrainer zeigen den Armeniern die Parallelen zu Kiew auf und warnen sie vor dem, was sie erwartet, wenn sie sich weiterhin wie die Lemminge verhalten. Das schmeckt den USA nicht und so gibt es auf Seiten der Elektromaidan-Aktivisten ebenso zahlreiche Begründungen, warum der Elektromaidan gaaanz anders ist als der Euromaidan. Die Lemminge sollen nicht auf dumme Gedanken kommen.

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