Die Fronten in Deutschland

Die politische Front in Deutschland verläuft nicht mehr zwischen CDU und SPD. Die Front verläuft – sehr grob vereinfachend – zwischen Transatlantikern und Multipolaristen.

Große Koalition

Die große Koalition hat seit dem US-Verrat in der Ukraine offen die multipolare Linie eingenommen, von der es für sie auch kein zurück mehr gibt. An den Gegnern und Befürwörtern der großen Koalition können Sie derzeit mit großer Klarheit die Feinde und Freunde der multipolaren Welt erkennen. Die große Koalition ist das einzige politische Gebilde, was Deutschland zur multipolaren Welt streben lassen kann. Alles andere wird diesen Weg sabotieren.

SPD

Das Gesicht der Transatlantiker in der SPD ist Martin Schulz. Er versucht alles mögliche gegen die große Koalition zu unternehmen. Erst macht er eine kategorische Absage, dann, als es nicht durchgeht, legt er möglichst viele Steine in den Weg.

Das Gesicht der Multipolaristen ist Sigmar Gabriel. Er prügelt auf den USA herum, pflegt enge Kontakte zum Kreml.

CDU

Als Gesicht der Transatlantiker wird der bis vor kurzem unbekannte Jens Spahn intensiv aufgebaut. Er schießt gegen Merkel und die große Koalition.

Merkel ist das Gesicht der Multipolaristen. Sie legt sich offen mit Trump an, setzt gegen US-Widerstand wirtschaftliche Großprojekte mit Russland um.

FDP

Es mag vielleicht manchen überraschen, dass ausgerechnet die FDP sich im Rahmen der Bundestagswahl 2017 besonders verdient um die multipolare Linie gemacht hat. Lindner hat dem giftigen deutschen Jamaika den Dolch ins Herz gerammt. Aber die FDP gehört so umfänglich der deutschen Wirtschaft wie keine andere Partei und die deutsche Wirtschaft ist derzeit die treibende Kraft der multipolaren Linie, so dass es in Wirklichkeit nicht verwunderlich ist, dass die FDP so gut mitspielt.

Grüne

Deutschlands Kriegspartei, die sich als Naturfreund tarnt. Die grüne Außenpolitik treibt Deutschland konsequent in jeden möglichen Konflikt mit Russland – wer daraus nicht schlau wird, ist selbst schuld. Aber die Grünen sind grün und grün steht für Naturliebe und so! Der Trick ist so billig wie wirksam. Ein Häckchen fürs Gewissen im Gegenzug für CIA-Einfluss im deutschen Bundestag oder gar der deutschen Regierung – so lautet der Deal. Herzlichen Glückwunsch, wer darauf reinfällt.

Wie man sieht, gehört jeweils eine kleine Partei komplett einem Lager an, während die beiden großen Parteien CDU und SPD zerrissen sind. Irgendwann im Wahlkampf kam mir angesichts der unfassbar unverhohlenen massenmedialen FDP-Werbung der Gedanke, dass auf eine schwarz-gelbe Mehrheit spekuliert wird. Sieht man sich jetzt die Fronten an, wirkt das umso plausibler. Merkel hat die SPD zur Wahl zerpflückt – Steinmeier ins Abseits geschoben und die Parteiführung Transatlantiker-Schulz zugeschustert. Dann hat es aber doch nicht gereicht und jetzt läuft eine unfassbar komplizierte und mühsame Operation “Zurück zur GroKo”. Erst glaubhaftes “wir-wollen-alle-wirklich-Jamaika”-Theater, dann Lindners Heldentat (gewiss im Alleingang!), dann die Zermürbung von Schulz. Das alles begleitet von permantem Störfeuer. Erinnern Sie sich zum Beispiel noch an den CSU-Menschen, der kurz nach den ersten Anzeichen für mögliche GroKo-Sondierungen “im Alleingang” irgendeine Entscheidung traf, die diametral den SPD-Grundsätzen zuwiderlief? Das war nicht im Alleingang, sondern in Rücksprache und auf Anordnung der transatlantischen Drahtzieher. So enttarnen sich die Agenten, so müssen sie sich enttarnen, weil die Situation so kritisch ist, dass getarnte Agenten geopfert werden müssen. Und auf der SPD-Seite ploppten umgehend die Agenten aus dem gleichen transatlantischen Lager hoch, die sofort möglichst hysterisch in der Presse herumschrien, dass diese CSU-Aktion den Tod der GroKo bedeutet, unbedingt!

Der politische Kampf in Deutschland entfaltet sich zwischen Transatlantikern und Multipolaristen. Auf der multipolaren Linie sind schwarz-gelb und GroKo. Auf der Seite der Transatlantiker ist alles andere – Jamaika, Minderheitsregierung der Linken mit der AfD und sonstige Späße. Nachdem es für schwarz-gelb nicht gereicht hat, bleibt den Multipolaristen nur die GroKo. Der Kampf darum ist ein Kampf um Deutschlands Platz in der neuen multipolaren Welt. Eine andere Welt wird es nicht geben. Wenn jetzt noch Transatlantiker ans Ruder gelangen, werden sie die ersehnte US-Hegemonie nicht zurückholen, aber im Versuch, es doch zu tun, werden sie gegen die multipolare Welt kämpfen und damit Deutschlands Rolle in dieser Welt mindern. Die Hoffnung, dass dieser Blödsinn nicht begangen wird, ruht… nicht auf dem Wahlvolk, sondern auf der deutschen Industrie und deren Möglichkeiten, die deutsche Politik zu beeinflussen. Das Wahlvolk ist vernebelt von Propaganda, die Industrie aber zählt Geldscheine und Gewinnaussichten, und Aussichten gibt es derzeit nur in der multipolaren Welt. Die Wirtschaft ist deswegen schon auf Kurs und ihre Vertreter sind dabei, die Politik auf Kurs zu bringen.

Und wer hilft den deutschen Multipolaristen? Trump! In seiner großen Rede in Florida von vor ein paar Tagen kommt er unter anderem auf die NATO zu sprechen (Video, ab Minute 53). Er brüstet sich damit, wie er die NATO-Staaten aufforderte, zu zahlen. Die NATO-Partner seien unverschämt, die USA nicht zu bezahlen. Und wenn die USA dann wegen so einem nicht zahlenden Partner in einen Krieg gegen Russland ziehen müssen, ne ne ne… Gut in Fahrt gekommen, kommt Trump direkt auf Deutschland und Merkel zu sprechen. “Ich sagte, Angela, lass uns ein wenig von eurem Cash zukommen! Denn wir verteidigen sie, wir haben 40.000 Soldaten in Deutschland. Ich sagte, Angela, lass mal was rüberwachsen. Sie sagte, Donald, die Deutschen wären darüber nicht erfreut. Ich sagte, weisst du was?! Die Amerikaner sind nicht erfreut über den aktuellen Zustand!” Herrlich! Wessen Position wird dadurch geschwächt? Die Position all der Spahns und Schulzes, die auf transatlantische Bande setzen. Trump zeigt den deutschen Eliten, dass es keine transatlantische Einigkeit mehr gibt und dass es sie nicht mehr geben wird. Hinter dem Ozean verlangt ein psychopatisch wirkender US-Präsident höhere Vasallenabgaben, während aus Asien verlockende Angebote für große wirtschaftliche Zusammenarbeit angeboten werden. Die Transatlantiker-Lemminge mögen sich noch so sehr abstrampeln, der Zug ist auf strategischer Ebene schon längst abgefahren. Auf taktischer Ebene kann man ihm noch zu Fuß auf den Gleisen hinterherlaufen, während Klügere die guten Plätze im neuen Zug besetzen. Und so führt an der großen Koalition kein Weg vorbei, außer dem Weg in den Abgrund.

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