Tolkien als Spiegel der angelsächsischen Welt

Es folgt die Übersetzung dieses gleichnamigen Beitrags von madezhik.

Das Jahr 2017 ist angebrochen, bald steht die Vereidigung des neuen US-Präsidenten an, und viele rätseln im Kaffesatz, wie sich die Einstellung der angelsächsischen Spitzeneliten gegenüber Russland verändern wird. Viele erwarten eine Entspannung. Seid beruhigt: Die Einstellung wird sich nicht verändern. Diese Einstellung ist eingewoben in den kulturellen Kode der angelsächsischen Welt.

Um den Kode kennen zu lernen, muss man keine besonderen Bücher lesen und keine besonderen Filme schauen. Viele uns liebgewordene Bücher sind voll von Details, die wir nicht bemerken. Für wen halten die Angelsachsen sich selbst? Wie denken sie? Wie handeln sie? Was ist von ihnen zu erwarten? All das erkennt man in den Detektiven, Romanen, Filmen.

Nehmen wir als Beispiel die bekannte Triloge „Herr der Ringe“ von John Ronald Reuel Tolkien. Wie soll man weitreichende Schlüsse aus Fantasy ziehen? Nun, uns interessiert nicht die Faktologie, sondern der nationale Charakter, der sich in den Details zeigt. Begeben wir uns auf die Jagd nach diesen Details.

Eine charakteristische Eigenheit der Mittelerde ist das „Blut“-Konzept. Es gibt gute Herkunft, die Nachfahren dieses Blutes sind ehrwürdig, klug, weise und herrschen zu Recht und mit Recht. Und es gibt schlechtes Blut, die Nachfahren dieser Zweige sind per Definition böse und man darf sie allein wegen ihrer Herkunft töten.

Was ist die Mittelerde? Das sind Ländereien, auf denen die „Freien Völker“ leben. Die Völker gehen ab und zu ein Bündnis ein. Das heißt auch „Bündnis der freien Menschen“. Die Entscheidung dieses Bündnisses heißt „Wille der freien Menschen“. Die Handlungen dieses Bündnisses sind per Definition gönnerhaft, gut und richtig, und nur böse Wesen können sich diesen Handlungen widersetzen. In unserer Welt und zu unserer Zeit wird dieses Konzept „Weltgemeinschaft“ genannt.

Was sind das für Völker? Gleicher unter den freien Völker sind natürlich die Elfen. Sie sind stark, geschickt, weise, schön, unsterblich. Sie schießen und schneiden alles, was sich bewegt. Sie mischen sich in alle Angelegenheiten ein. Weil sie es können. Weil sie es für richtig halten. Sie sind die Anführer der freien Völker. Wegen ihrer Herkunft. Wer daran zweifelt, ist ein Diener des Bösen und muss umgebracht werden. In unserer Welt sind die Elfen natürlich der angelsächsische Adel. Die Unsterblichkeit symbolisiert die Fortwährung der Adelsfamilien, auch wenn die Familienmitglieder sterblich sind.

Dann kommen die Zwerge. Sie sind weniger ehrwürdig, aber sie leben auch lange, haben ihren eigenen Adel (unzählige Zweige) und haben ein Monopol auf Förderung und Verkauf von Gold und Edelsteinen. Sie stehen in Konflikt mit allen, aber ihre Diense werden von allen Herrschern in Anspruch genommen. Sie leben abgeschottet und heimlich, was durch die Höhlen verdeutlicht wird. Sie akzeptieren den zweiten Platz hinter den Elfen, wenn auch ohne Enthusiasmus. Es ist wohl klar, wer das in unserer Welt ist.

Dann kommen die Menschen. In Tolkiens Welt sind Menschen recht sinnlose und nichtsnutzige Wesen ohne besondere Fähigkeiten, außer eines kleines Zweiges, der sich vor den Elfen verneigt. Dieser Zweig gilt als ehrbar, aber natürlich nur unter den Menschen. Elfen sind darüber amüsiert, die Zwerge ignorieren das einfach. Die Völker, die den Elfen dienen, übrigens unentgeltlich (eine charakteristische Eigenheit), sind die entwickelten Völker. Alle anderen verdienen keine Erwähnung.

Das sind die guten Völker? Und wer sind die Bösen? Das sind Goblins und Orks. Goblins wohnen in Höhlen und sind dem Grunde nach das Gleiche wie die Zwerge. Sie haben lediglich die falsche Herkunft. Deswegen ist ihr Leben furchtbar, ihre Gebräuche primitiv, und es ist gut, dass dieser Abschaum in Höhlen verborgen bleibt. Warum? Weil es Goblins sind. Die Orks können sowohl in den Bergen als auch in der Ebene leben. Orks sind falsche Elfen. Sie sind auch schrecklich, widerlich und böse per Definition. Goblins und Orks können getötet werden, ohne sich nach dem „Warum?“ zu fragen. Sie sind einfach das Böse. In unserer Welt haben viele Völker diesen Platz gehabt, von den Chinesen, Indianern, bis zu den Russen. Sie sind per Definition böse und man darf sie aufgrund ihrer Herkunft vernichten.

Der größte Bösewicht ist Sauron. Wer ist er? Er ist ein Diener Melkors. Wer ist Melkor? In unserer Welt steht er einem Engel am nächsten. Was hat er sich zuschulden kommen lassen? Er wollte nicht im gemeinsamen Chor mitsingen, wollte kein willenloses Werkzeug des Erschaffers sein. Deswegen wurde er zum Bösen erklärt und die anderen sind mit Krieg auf ihn gegangen. Diesen Moment halte ich für sehr charakteristisch für die angelsächsische Weltsicht: Du bist nur deswegen schuldig, weil du nicht mit allen anderen das Lied singen willst, welches man dir vorgibt, deswegen bist du das Böse und man kann mit dir alles machen, was man will, ohne sich weitere Fragen zu stellen. Die Parallelen zu unserer Welt und unserer Zeit sind offensichtlich.

In einem kurzen Abriss kann man nicht die ganze Trilogie durchpflügen. Aber ich möchte auf die Magier aufmerksam machen. Das sind gewisse Greise, die die Mittelerde durchstreifen, die über Macht und Wissen verfügen und die sich überall einmischen. In unserer Welt und unserer Zeit sind die Parallelen mehr als offensichtlich.

Wie kämpfen denn die „Freien Völker“ Mittelerdes? Erstens, sie töten die Orks überall, wo sie nur können, ohne dieses Verhalten zu reflektieren. Siehst du ein aisatisches Gesicht in ungewöhnlicher Kleidung, so sollst du es töten. Weil es so richtig ist. Zweitens, sie brechen zu den Grenzen Mordors auf, einem Land, das sie nicht kennen, ein Land, das von den falschen Völkern bevölkert ist, das von den falschen Herrschern regiert wird. Deswegen muss man sie alle töten und alles zerstören. Aber auch das Tötungsmittel selbst ist interessant! Während sie an der Grenze lärmen und die Aufmerksamkeit und Kräfte des dortigen Herrschers binden, schicken sie einen Trupp von Diversanten, der das Land von innen zerstören soll. Das fertige Szenario „farbiger Revolutionen“.

Wenn Sie ein angelsächsisches Buch lesen oder einen Film schauen, achten Sie mal auf solche Details. Es gibt sie in praktisch jedem Werk. Eine Zeitlang habe ich gedacht, dass es Propaganda ist, aber keine Propaganda dieser Welt kann alles kontrollieren. Diese Weltsicht ist in ihren kulturellen Code eingewoben: Das Wichtigste ist die Herkunft, dem Ehrbaren ist alles erlaubt, das Böse geht von niederer Herkunft aus und man kann es allein wegen seiner Herkunft vernichten. Und die Welt wird sauberer. Besonders gefährlich sind diejenigen, die sich weigern, im gemeinsamen Chor die verlangte Melodie einzustimmen. Oh ja.

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