Bannon in diplomatischer Mission unterwegs

Steve Bannon war vor einer Woche in Hong Kong, um auf einer Investorenkonferenz aufzutreten. Bei diesem Besuch hat er gegenüber der South China Morning Post unter anderem das hier gesagt:

In the US, there has been a ratcheting up of rhetoric about military solutions (…) There have also been people like the Secretary of State and others that are pushing towards potential discussions with North Korea. But I think the first thing we need to push is actually engage China one-on-one on North Korea

Übersetzung:

In den USA nehmen Gespräche über militärische Lösungen zu (…) Außerdem gibt es Leute, wie den Außenminister und andere, die zu Gesprächen mit Nordkorea drängen. Aber ich denke, wozu wir als erstes drängen sollten, ist es, China im eins-zu-eins mit Nordkorea zu engagieren.

So so. Bannon besucht also eine Investorenkonferenz in Hong Kong. Ist er nicht wieder mit seiner Webseite beschäftigt? Was hat er als Webseitenbetreiber auf einer bedeutenden Investorenkonferenz verloren?

Und in welcher Funktion spricht sich Bannon dafür aus, die Verantwortung für Nordkorea komplett an China zu übergeben? Ist das der Vorschlag eines unabhängigen Webseitenbetreibers?

Manche Leser waren schwer besorgt über den „Rauswurf“ von Bannon. Trump sei von den Globalisten in die Enge getrieben worden, man nehme ihm die engsten Verbündeten. Derlei Panikmache (was nur ein einzelnes Beispiel von sehr vielen ist) wird von vielen „alternativen“ Medien systematisch verbreitet – aus Überzeugung oder auch aus kaltblütigem Kalkül heraus. Die verlorenen Schäfchen werden dadurch fleißig eingesammelt und es geschieht mit ihnen das, was auch mit den Konsumenten der Systemmedien geschieht: Permanente Panikmache erzeugt eine dauerhafte Anspannung, die den Kopf nicht ruhig denken lässt.

Die Meinung eines Webseitenbetreibers interessiert absolut niemanden auf einer großen Investorenkonferenz. Die Meinung eines engen Trump-Vertrauten hingegen…

Als Trump-Vertrauter ist Bannon bei dieser Visite genau am richtigen Ort und macht genau die richtigen Dinge. In dieser Funktion macht alles Sinn. Im Kreis der Investoren werden große wirtschaftliche Deals ausgehandelt oder im Detail abgewickelt. Über die anwesenden hohen Staatsbeamten können ohne Zuhilfenahme von Telefonen Details zur anstehenden UN-Generalversammlung mit China abgestimmt werden.

Der Ernst mancher Vorschläge wird durch öffentliche Verkündung bekräftigt. Das betrifft die zitierte Passage und weitere Zitate, die im Artikel nachzulesen sind. Was schlägt Bannon dort vor? Er schlägt vor, dass die USA sich vorerst nicht um Nordkorea kümmern, weder militärisch, noch diplomatisch. Stattdessen solle China die Verantwortung übenehmen. Wenn China aber die alleinige Verantwortung übernimmt, wer hat dann keine Verantwortung? Korrekt, die USA. Das ist Bannons Vorschlag, in Trumps Namen.

Die South China Morning Post ist ein mediales Pfund in China. Das ist keine Müllhalde, die Fakes verbreitet. Es muss uns nicht stören, dass die Meldung von der Westpresse nicht prominent zitiert wurde. In China wird das Blatt von den Eliten gelesen, darauf kommt es an.

Interessant ist, dass im Artikel betont wird, dass die Aussagen Bannons in Hong Kong seinen eigenen Aussagen gegenüber dem US-Sender CBS praktisch diametral entgegen stehen. Ein Hinweis darauf, dass das kein Versehen ist. Später wird noch mehrmals (!) darauf hingewiesen, dass Bannons Ton in Hong Kong ein ganz anderer ist, als man es von seiner Zeit aus dem Weißen Haus gewöhnt war. Es gibt verschiedene Adressaten und Bannon sendet jedem die passende Botschaft. Dem zombifizierten Westpublikum präsentiert er sich als harter Macker mit schwerer Keule gegen Nordkorea und vielen Druckmitteln gegenüber China. Hinter dem Vorhang dieses Theaters wird im Kreis der Eliten ein ganz anderes Spiel gespielt.

Und so wundert es nicht, dass Trump in seiner UN-Rede die größtmögliche verbale Keule gegen Nordkorea auspacken kann. Pure Show. Bannon hat das bei seiner persönlichen Visite im Reich des Drachen klargestellt und die wirklichen Absichten der USA mitgeteilt.

Lustigerweise wird dieses Spiel öffentlich ausgetragen – Sie erhalten gerade einen Einblick über öffentliche Medien. Wenn man sich den Blick nicht zumüllen lässt, liegt alles offen da.

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