Trump baut an Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok

Ende Januar 2017 schlug die New York Times Alarm: Trump treibe US-Partner in die Arme von China. Jeroen Dijsselbloem, Vorsitzender der Euro-Gruppe, sagte der Zeitung in einem Interview:

“We’ve always said that America is our best friend,” Jeroen Dijsselbloem, president of the Eurogroup — comprising finance ministers from countries sharing the euro currency — said in an interview with The New York Times on the sidelines of the World Economic Forum in Davos, Switzerland, this month. “If that’s no longer the case, if that’s what we need to understand from Donald Trump, then of course Europe will look for new friends.”

“China is a very strong candidate for that,” he added. “The Chinese involvement in Europe in terms of investment is already very high and expanding. If you push away your friends, you mustn’t be surprised if the friends start looking for new friends.”

Übersetzung von Dijsselbloems Aussage:

Wir haben immer gesagt, dass Amerika unser bester Freund ist. Wenn das nicht mehr der Fall ist, wenn es das ist, was uns Donald Trump zu verstehen geben will, dann wird Europa natürlich nach neuen Freunden suchen. China ist ein sehr starker Kandidat dafür. China investiert bereits sehr viel in Europa, mit steigender Tendenz. Wenn man seine Freunde wegschubst, muss man nicht überrascht sein, wenn die Freunde nach neuen Freunden suchen.

Rührend, das Gerede von Freunden auf Kindergartenniveau. Wenn du nicht mehr mein Freund sein willst, suche ich mir neue Freunde! Davon abgesehen ist die Botschaft natürlich klar. Das war noch lange vor Merkels Reise in die USA und die EU hat schon maximal offen mit einem transatlantischen Bruch gedroht, wenn Trump sich nicht fügt.

Wie fügsam Trump ist, konnte inzwischen jeder sehen, der fähig ist, Taten zu sehen. Er hat die EU so sehr es nur ging vor den Kopf gestoßen. Immer wieder. Immer wieder. Bis die letzten Zweifel ausgeräumt waren und Merkel die Scheidung der EU von den USA eingereicht hat. Gabriel sprang der Kanzlerin sofort bei.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, ist nach offizieller Lesart das Pariser Klimaschutzabkommen. Trump hat angekündigt, es aufzukündigen. Oh, oh! Das x-te Abkommen in der Reihe von niemals ernst genommenen und umgesetzten Abkommen ist plötzlich das wichtigste auf der Welt. Als Zombie würde ich mich beschweren für dieses schlechte Theater. Aber gut, wir haben, was wir uns verdient haben und damit müssen wir arbeiten.

China jedenfalls findet das Klima-Abkommen auch gaaanz wichtig. Welch passende Einigkeit mit der EU. China und EU sind wie gemacht füreinander. Schaut, wie sehr wir gemeinsam für Klimaschutz heucheln kämpfen! Ja, wir sind füreinander gemacht. Die ARD treibt das Schauspiel für die Dümmsten auf die Spitze, mit der Schlagzeile „Pläne von EU und China. Klima-Allianz gegen Trump?“ Und welch Zufall, Chinas Premier Li Keqiang ist sogleich in Brüssel zu Besuch, um die verlorenen Schäfchen einzusammeln. Chinas Prsident Xi hat sich nicht persönlich blicken lassen. Wozu auch? Die Übergabe der Schafe hat er in Florida mit Trump persönlich abgeklärt, den Rest erledigt sein Mitarbeiterstab.

Der Klima-Anlass ist peinlich, aber der Wirkung tut das keinen Abbruch. EU und China teilen gemeinsame Werte, die USA stehen alleine da. Sehen Sie, mit derart billigem Theater werden geopolitische Umwälzungen den Zombiemassen nahegebracht. Emotional (das Klima!), leicht verständlich (böser Trump, gute Chinesen).

Indem Trump die EU abstößt, zwingt er sie in die eurasischen Integrationsprojekte. Selbst wenn die EU voller Clintonisten ist, kann sie gar nicht anders, als sich nach Osten zu orientieren. Dabei war die Trennung von Westeuropa und Asien die große Strategie der USA seit dem Zweiten Weltkrieg. Trump bricht damit. Mit Absicht. Er weiss genau, was er tut und er tut es bewusst. Es wird die neue multipolare Weltordnung etabliert. Vor unseren Augen!

Im Klima-Theater geht übrigens unter, dass die EU geopolitisch wild herumgeschubst wird. Plötzlich herrenlos, ohne Militär, mit einem Weltbild von gestern, das ist die heutige EU. Aber wir wollen nicht alles schlechtreden. Die EU verfügt immer noch über eine hoch entwickelte Industrie und eine grenzenlose Überheblichkeit. Unser Startpaket für den Neuanfang.

Nachtrag, 02.06.2017:

Gemeinsame Klimaerklärung von China und EU ist vorerst gescheitert. Schuld daran ist die Weigerung der EU, China als Marktwirtschaft anzuerkennen. Sie verstehen schon, das ist absolut zentral für den Klimaschutz… als Zombie würde ich mich wirklich beschweren.

Der Hintergrund des Scheiterns basiert auf der Kombination der oben erwähnten „Xi lässt die von Trump überlassenen EU-Schafe einsammeln“ und „grenzenlose Überheblichkeit der EU“.

Die EU verweigert China die Anerkennung als Marktwirtschaft, um den EU-Markt gegenüber China zu verschließen. Das dürft ihr bei uns nicht verkaufen, weil wir das selbst produzieren und loswerden wollen ihr keine Marktwirtschaft seid. In diesen Konzern dürft ihr nicht investieren, weil die CIA das verboten hat ihr keine Marktwirtschaft seid. So ist der freie Markt, die westliche Wertegemeinschaft ist frei zu entscheiden, wer was wohin verkaufen darf und wer nicht. Keqiang war gekommen, um das zu ändern. Weil Trump die EU an China weitergereicht hat. Aber die Überheblichkeit der EU lässt sie nicht verstehen, was vor sich geht. Das ist schlecht für uns, weil die EU dafür bestraft werden wird und am Ende doch an China weitergereicht wird, nur vorher geprügelt und mit schlechteren Verträgen als zusätzliche Bestrafung. Die EU ist ein Objekt der Geopolitik, bauscht sich aber wie ein Subjekt auf. Die EU glaubt, dass China an EU andockt und die EU eine Führungsrolle in Eurasien einnehmen wird. Überheblichkeit geht einher mit Blindheit, Dummheit, der Unfähigkeit zur strategischen Voraussicht und der resultierenden Notwendigkeit, aus Bestrafung zu lernen statt aus klugen Gedanken.

Juchei! Wir sind die größten! Deppen.

Veröffentlicht in Analysen Getagged mit: , , , ,