Trump lässt Merkel abblitzen

Das für Dienstag geplante Treffen von Merkel und Trump in Washington wurde von Trump verschoben. Wegen eines aufziehenden Schneesturms.

Ist das eine demütigende Geste oder nicht? Man kann darüber diskutieren, ob der Schneesturm unter anderen Umständen dazu führt, dass ein wichtiges Treffen von Staatsführern verschoben wird. Im Grunde ist es fast egal.  Nehmen wir wohlwollend für Merkel an, dass der böse Schneesturm unabhängig von der politischen Wetterlage zu einer Verschiebung des Termins hätte führen müssen. Geschenkt. Können wir aber glauben, dass das Weiße Haus die Gefahr des Schneesturms erst in dem Augenblick erkennt, wo das Flugzeug der Kanzlerin schon startbereit auf der Startbahn steht? Drei Stunden vorher waren sich die Meteorologen des Schneesturms noch nicht bewusst?

De Zeitpunkt der Absage verrät uns die böse Absicht. Zumindest ein Teil der Passagiere befand sich bereits an Bord. Trump verhinderte Merkels Reise also in letzter Sekunde. Wenn der Schneesturm nicht der offizielle Anlass, sondern der wahre Grund für die Terminverschiebung gewesen wäre, dann wäre die deutsche Delegation mindestens um Stunden früher informiert gewesen.

Woran werden wir Merkels Reaktion erkennen? Hier ist die Spur (aus dem obigen SPON-Artikel):

Laut Weißem Haus soll das Treffen nun am Freitag stattfinden. Die deutsche Regierung muss den neuen Termin noch bestätigen.

Das Weiße Haus hat den gemeinsam vereinbarten Termin abgesagt und den neuen Termin einseitig verkündet. Diese diplomatische Geste zeigt, wer befiehlt und wer zu gehorchen hat. Wenn Merkel den Termin am Freitag wahrnimmt, demonstriert sie Unterwerfung. Wenn das Kanzleramt sagen wird, das Freitag leider nicht möglich ist und für das Treffen ein anderer Termin gesucht werden müsse, ist es eine Kampfansage.

Egal, wie Merkel reagiert – Trump schlägt damit einen Keil zwischen USA und Deutschland. Das ist nicht zu verwechseln mit einem Keil zwischen Trump und Merkel. Es kann sich bei dieser kleinen Affäre um (abgesprochenes) Theater handeln, welches dazu dienen soll, USA und Deutschland ein wenig voneinander loszueisen und beiden Ländern Handlungsspielraum für Alternativen zur engen „Freundschaft“ zu eröffnen. Das würde sehr gut zu den Ankündigungen sowohl von Trump als auch von Merkel passen, die beide große Richtungswechsel angekündigt haben, in denen wenig Platz für eine US-deutsche Symbiose ist.

Wenn das, was nach einem politischen Konflikt aussieht, beiden Parteien nicht wirklich weh tut und die Interessen beider Parteien fördert, dann ist der Konflikt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Theaterstück. Aufgeführt wird „Die Scheidung von USA und Deutschland, 1. Akt“. Wie so häufig bei Scheidungen, muss man darauf gefasst sein, dass es unfreundschaftlich zugehen könnte.

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