Meuterei der Ukraine – eine Gegenmeinung

Die aktuellen politischen Umwälzungen in der Ukraine habe ich im vorherigen Beitrag so interpretiert, dass die USA die Kontrolle über die Ukraine verlieren. Möglicherweise geben Sie die Kontrolle über den weniger wichtigen Teil der Ukraine im Rahmen eines Deals ab. Vielleicht reißen sie aber auch mit einem brutalen Nazi-Putsch das Ruder noch mal herum.

Der geschätzte jim-garrison hat eine andere, fast entgegengesetzte Interpretation der Ereignisse angeboten. Er ist politischer Stratege und hat viel Erfahrung mit politischen Technologien. So ordnet er die Ereignisse ein:

Unsere US-Partner können was, das muss man ihnen lassen.

Neuer Premierminister der Ukraine sollte offensichtlich Jaresko werden. Allerdings ist sie Bürgerin der USA. Das wäre toll, wenn die nahe Zukunft Wachstum, Erfolg usw. mit sich bringen würde. Die nahe Zukunft allerdings bringt selbst nach offiziellen Prognosen kaum Wachstum oder gar eine Stagnation mit sich, daneben eine Menge Korruption. Die Tarife für die Bevölkerung müssen angehoben werden und früher oder später kommt der kalte Winter. Dazu kommen ein rasanter Anstieg der Kriminalität und immer stärker hervortretende gesellschaftliche Wunden nach der Art der „Bernstein-Republiken“ und der „glatzköpfigen Karpaten“*.  Das alles zusammen statt des versprochenen Glücks.

Die USA haben natürlich gar kein Interesse daran, mit den „Erfolgen“ dieser Ukraine in Verbindung gebracht zu werden.

Ein solches Jahr Premierminister-Tätigkeit verwandelt die USA nicht nur bei den „Separatisten“ in das Böse, sondern auch bei der „progressiven Gesellschaft“.

Deshalb gibt es eine Finte – die US-Amerikaner und alle mit ihnen assoziierten Personen verlassen die sichtbarsten Posten, das „Poroschenko-Regime“ wird harter Kritik unterzogen. Der neue Premierminister wird unter Verletzung der Konstitution gewählt** und kommt nur mit Hilfe von oligarchenkontrollierten Abgeordneten an seinen Posten. Und damit auch der letzte kapiert, was los ist, unterbreitet der neue Premier die These, dass die Oligarchen die Würde des ukrainischen Staates darstellen. Eine „Oligarchen-Revanche“, na klar.

Dabei werden Poroschenko & Co. die ganze Drecksarbeit verrichten. Sie werden dabei allen Unmut auf sich ziehen, aber die USA sollten nicht an echter Kontrolle verlieren. Na gut, die Leine wird ein wenig länger. Ob man aus ihm einen „prorussischen Diktator“ machen wird?

Die Energie des Widerstands wird die „pro-US“-Opposition in sich aufnehmen.

Und dann…

Alle wissen schon, was dann kommen muss.

* Mit „Bernstein-Republiken“ sind illegale Bernstein-Fördergebiete im Westen der Ukraine gemeint. Dort wird in großem Maßstab und mit furchtbaren ökologischen Folgen Bernstein gesammelt. Regionale Politiker stecken mittendrin, Kiew hat keine Kontrollmöglichkeit. Die Bernsteinsammler sind bewaffnet und werden außerdem gedeckt von Nazi-Bataillonen, die wie alle anderen Geld verdienen wollen. Anschaulich: video 1, video 2, video 3. „Glatzköpfige Karpaten“ beschreibt das Phänomen, dass die Menschen in großem Maßstab die Wälder der Karpatenberge abholzen, um damit zu heizen, weil sie sich die neuen Gastarife schlicht nicht leisten können. Anschauliche vorher-nachher-Fotos gibt es hier.

** Laut Konstitution muss die Regierungskoalition eine Stimmenmehrheit haben, damit eine Regierung gebildet werden kann. Die Regierungskoalition hatte aber keine Mehrheit. Die nötigen Stimmen kaufte man sich bei parteilosen Abgeordneten und bei der Partei „Oppositionsblock“.

jim-garrison behauptet also, dass der Oligarchen-Aufstand eine Inszenierung der USA ist. Seine Argumente sind stichhaltig.

Von außen ist nicht zu erkennen, welche Interpretation zutreffend ist. Es könnte eine Inszenierung sein oder ein echter teilweiser Machtverlust. Die Zukunft wird es zeigen.

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4 Kommentare zu “Meuterei der Ukraine – eine Gegenmeinung
  1. raw sagt:

    Die Videos sind ja echt heftig!

  2. Tja, sollte POROSCHENKO „ausfallen“, wären halt der 2.& 3. Repräsentant der Ukraine plus Innenminister als ehemalige Jäger des Maidan die Kescher! Noch Fragen?

  3. Hans aus Olb sagt:

    „Der geschätzte jim-garrison hat eine andere, fast entgegengesetzte Interpretation der Ereignisse angeboten.“

    Mir scheint das tatsächlich eine *Interpredation* -und zwar eine, die die USA in einem möglichst günstigen Licht erscheinen lässt.

    Dennoch: Die Leine wird nicht nur ein *wenig länger*. Die USA haben die Kontrolle über die Ukraine via Marionetten verloren, da beisst die Maus den Faden nicht ab.

    Plan 1 und 2 wie im vorigen Tread genannt bleiben die optionen -bzw. etwas, was in diese Nähe kommt. Es hat die USA noch nie interessiert, ob man sie mit irgendwas in Verbindung bringt.

  4. Lausitzerin sagt:

    Bin gerade hier reingestolpert („Ischenko“ gegoogelt…).
    Der Artikel von ihm passt gut zur Ihrem Beitrag Analitik.
    http://www.politaia.org/balkanisierung/rostislav-ischenko-sagt-krieg-in-europa-voraus/