Über verschiedene Arten des Wirtschaftens

Es war einmal, da sind die Menschen als Wildbeuter (Jäger und Sammler) durch die Lande gezogen. Und dann, so erzählen es uns die Soziologen, haben die Menschen die Landwirtschaft entdeckt und sie sich sofort angeeignet, weil das Leben mit Landwirtschaft viel leichter und sicherer wurde als der knallharte Überlebenskampf der Wildbeuter.

Das ist nachweislich falsch. Die Nachweise gibt es aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Medizinische Knochenanalysen jahrtausendealter Knochen zeigen etwa, dass Wildbeuter einen mindestens gleichwertigen Gesundheitszustand hatten im Vergleich zu Bauernkulturen, tendentiell sogar einen besseren.

Besonders spannend: Mitte letzten Jahrhunderts sind Völker- und Menschenkundler sprichwörtlich mit der Stoppuhr zu den letzten Wildbeutern hingegangen und haben gemessen, wie lang die Wildbeuter „um ihr Überleben kämpfen“ mussten. Das Ergebnis: 4 bis 8 Stunden Arbeit am Tag, Haushaltskram (Kochen, Putzen usw.) eingeschlossen. Vergleichen Sie das mit Ihrem Leben: 8 Stunden Arbeit plus Fahrtzeit, dazu noch Haushalt. Man muss bedenken, dass die untersuchten Wildbeuter im letzten Jahrhundert bereits Restpopulationen waren, von uns Zivilisierten verdrängt in die unwirtlichsten Regionen. 4 bis 8 Stunden Arbeit täglich sind damit der worst case bei Wildbeutern (die 8 Stunden waren bei einer in der Wüste lebenden Kultur gemessen worden). Als die Wildbeuter noch die guten Jagd- und Sammelreviere bewohnen durften, war die Arbeitszeit entsprechend noch kürzer.

Das hört sich nicht nach Überlebenskampf an. War es auch nicht. Der Mythos vom Überlebenskampf der Wilden ist Quatsch, der von Leuten ausgedacht wurde, die nie selbst mit Wildbeutern in Kontakt kamen und auch kein Interesse an Wildbeutern hatten, und die Wildbeuter mehr der Vollständigkeit halber in ihre Theorien einbezogen, um keinen weißen Fleck auf der Zeitleiste zu hinterlassen. Das Leben der Wildbeuter war in Wirklichkeit sehr chillig. Den Großteil der Zeit verbrachten sie mit Muße, Tänzen, Gesängen, Ritualen. Mit Kultur also.

Wenn das Leben als Wildbeuter so gemütlich war, warum hat man es nicht dabei belassen? War das Bauernleben etwa noch gemütlicher? Keinesfalls. Das Bauernleben war härter und entbehrungsreicher. In einer Bauernkultur musste man mehr arbeiten. Gleichzeitig mussten frühe Bauern häufiger und schlimmer hungern als Wildbeuter. Das ist nicht so paradox wie es klingt. Wildbeuter beuten im Laufe des Jahres unterschiedlichste Nahrungsquellen aus. Ihre Nahrungsquellen waren diversifiziert, wie man heute im Wirtschaftssprech sagt. Wenn eine Quelle ein schlechtes Jahr erwischt hat und wenig Ertrag lieferte, hatte man noch die vielen anderen. Im Gegensatz dazu waren die Bauernkulturen auf wenige oder sogar nur eine Hauptnahrungsquelle angewiesen. Eine schlechte Ernte mündete zwangsläufig in einer ernsten Hungersnot. Und schlechte Ernten gab es häufig. Häufig sogar über mehrere Jahre hintereinander. Die Geschichtsbücher sind voll davon.

Warum also der Wechsel vom Wildbeutertum zur Landwirtschaft? Weil Wildbeutertum nur eine sehr beschränkte Bevölkerungsdichte erlaubt. Pro Quadratkilometer maximal 1 Person. In der Regel deutlich weniger. Deutschland hat eine Fläche von knapp 360 Tausend Quadratkilometer. Mit wildbeuterischer Lebensweise könnten in Deutschland also höchstens 360 Tausend Menschen leben. Mehr ist einfach nicht drin, wenn man den Lebensraum nicht bewirtschaftet, sondern sich einfach nimmt, was die Natur von sich aus zu bieten hat.

Frühe Bauernkulturen haben bereits eine Bevölkerungsdichte von 10 Personen pro Quadratkilometer. Eine aktive Bewirtschaftung des Lebensraumes ermöglicht es also, schon auf einer sehr primitiven Stufe, die Bevölkerungskapazität mehr als zu verzehnfachen.

Vielleicht ist es ein Zufall, vermutlich aber eher nicht, dass die Landwirtschaft unabhängig voneinander und zeitlich sehr nah beeinander auf verschiedenen Kontinenten erfunden wurde, gerade als die Welt komplett von Menschen bevölkert war und die Wildbeuter nirgendwo mehr hingehen konnten, um neue Lebensräume zu erschließen. Auf jeden Fall ist damit etwas entscheidendes passiert. Der Mensch hat alle verfügbaren Lebensräume erschlossen und ging dazu über, die Kapazität seiner Lebensräume durch Bewirtschaftung aktiv zu erweitern. Bevölkerungswachstum wurde erkauft durch harte Arbeit und regelmäßige Hungerkrisen.

Ein großer Zweck des Wirtschaftens, der uns nicht bewusst werden muss, liegt darin, die Bevölkerungskapazität des Lebensraumes zu erweitern, indem der Lebensraum aktiv und unter Einsatz von Energie und Arbeitskraft gestaltet wird. Wir reden uns gern ein, dass es um Wohlstand geht. Und wir reden uns ein, dass Wohlstand zu Glück führt. Es ist durchaus funktional, dass wir uns das einreden, denn wir müssen weitermachen. Wenn wir aufhören mit harter Arbeit, wenn wir aufhören mit der intensiven Bewirtschaftung unseres Planeten, müssen die meisten von uns sterben. Weder gibt es so viele Freiwillige, noch kann man so etwas mit Gewalt durchsetzen, also müssen wir weitermachen. Die harte Arbeit wird erträglicher, wenn wir uns einreden, dass es uns glücklicher macht und dass es die „Wilden“ früher viel schlimmer hatten als wir heute. Deswegen gedeihen falsche Theorien über die Entwicklung des Menschen so prächtig. Sie sind funktional in ihrer Falschheit.

Vor etwa 10000 Jahren begannen die ersten Menschen mit Landwirtschaft. Erst vor wenigen hundert Jahren setzte die industrielle Landwirtschaft ein, so dass wir auf etwa zehn Jahrtausende „traditionelle“ Landwirtschaft zurückblicken können. Was passierte da? Da passierte ein zyklisches auf und ab in verschiedensten Regionen der Erde. Die einfachste Landwirtschaft wurde durch Bewässerung verbessert, was die Bevölkerungskapazität des Lebensraumes verdoppelte. Es folge weitere Effizienzsteigerung, die auch damit verbunden war, dass der Anteil der Arbeitskraft, der in die Landwirtschaft investiert werden musste, von 95% auf bis zu 70% fiel. Das heißt bis zu einem Drittel der arbeitenden Bevölkerung konnte für andere Tätigkeiten als die Nahrungsversorgung freigestellt werden. Es entwickelten sich Hochkulturen. Jede Hochkultur basierte darauf, dass sie die Landwirtschaft intensivierte, die Ernteerträge immer weiter steigerte und gleichzeitig immer weniger Arbeitskräfte für die Landwirtschaft benötigte. Die freigewordene Arbeitskraft wurde reingesteckt in den Bau von Tempeln, Städten, in spezialisiertes Handwerk.

Intensive Bewirtschaftung des Bodens hat ein Problem. Sie laugt die Böden aus und irgendwann bricht die Ernte weg. Dieses Problem wird in einer Hochkultur dadurch verschärft, dass durch die Entstehung der Städte der natürliche Stoffkreislauf – Düngen durch Scheißen auf das Feld – ausgehebelt wird. Geschissen wird woanders, als der Dünger gebraucht wird. Das Problem ist übrigens nach wie vor aktuell, wir haben es bis heute nicht gelöst. Wir kompensieren es dadurch, dass wir Dünger industriell herstellen.

Zurück zu den Hochkulturen. Sie stiegen auf, erreichten einen Höhepunkt und verschwanden wieder von der Bildfläche, als sie die Kapazität des Lebensraumes überreizten. Überall auf dem Globus das gleiche Bild. Hochkulturen entstanden und kollabierten. An anderer Stelle (aus naheliegenden Gründen oft nicht weit entfernt) konnte eine neue Hochkultur entstehen, die zu gegebener Zeit auch kollabireren musste. Regional schwankte die Bevölkerungszahl dadurch beträchtlich, global stieg sie langsam an und näherte sich dem Maximum, der durch traditionelle Landwirtschaft gegeben war.

Dann geschah der entscheidende Sprung. Die Menschen verbanden Industrie und Landwirtschaft. Mit Hilfe der Industrie pumpte man bis dahin unvorstellbar große Mengen Energie in die Landwirtschaft und konnte damit die Erträge erneut erhöhen – und vor allem dauerhaft hoch halten.

Die gigantischen Energiemengen stammten aus fossilen Brennstoffen. Kohle war natürlich schon vorher bekannt, aber vor ein paar Jahrhunderten kam man auf die Idee, damit die Landwirtschaft zu befeuern. Seitdem gilt: Wir verbrauchen beim Landwirtschaften viel mehr Energie, als wir an Ernteerträgen wieder herausholen. Das ist nur dank Nutzung fossiler Energiequellen möglich geworden. Früher mussten die Felder mit menschlicher oder tierischer Muskelkraft bestellt werden. Diese eingesetzte Muskelkraft hat einen Teil der Ernteerträge wieder verbraucht. Selbstredend musste der Kaloriengehalt des Ertrages höher sein als die investierten Kalorien der Feldarbeit, sonst wären unsere Vorfahren verhundert. Der Intensität der Bewirtschaftung waren damit Grenzen gesetzt. Dank fossiler Energien, zu Beginn der Entwicklung war es Kohle, konnte man viel mehr Kalorien (die in Kohle gespeicherte Energie kann man auch in Kalorien messen) in die Landwirtschaft investieren, als es je möglich war. Viel mehr auch, als man an Ernte-Kalorien wieder zurückbekam. Dieser kuriose Umstand erlaubte es, mehr und intensiver zu landwirtschaften, bei gleichzeitig zurückgehender investierter Arbeitskraft. Konnten Hochkulturen früher bis zu 30% der Arbeitsbevölkerung von der Landwirtschaft freistellen, stieg dieser Anteil seit der Industrialisierung an. Wo früher fünf Bauern mit Pferden pflügen mussten, reichte nunmehr ein Bauer mit dampfkraftbetriebenem Traktor aus. Heutige Industriegesellschaften beschäftigen weniger als 5% der Arbeitskraft in der Landwirtschaft.

Mit der industriellen Landwirtschaft setzte eine Dynamik ein, die uns in wenigen Jahrhunderten in die heutige Welt katapultiert hat. Die industrielle Nutzung von Kohle löste Energieprobleme und setzte Arbeitskräfte frei. Auch für die Wissenschaft, die parallel mit der Industrie ihren steilen Anstieg nahm, der bis heute andauert. Mit Hilfe der Wissenschaft und der grenzenlos vorhandenen Energie wurde das Problem der Bödenerschöpfung durch Kunstdüngung gelöst. Mittels Industrie und industrieller Landwirtschaft hat es die Menschheit geschafft, die Kapazität des Lebensraumes Erde noch mal auszuweiten. Damit begann die Bevölkerungsexplosion, die bis heute andauert.

Der Schlüssel dafür ist in mehrerer Hinsicht die Nutzung fossiler Energien. Wir verbrennen viel mehr Kalorien beim Landwirtschaften, als wir an Ernte-Kalorien wieder einfahren. Die Steigerung der Ernteeffizienz steht in keinem guten Verhältnis zur Steigerung des Energieverbrauchs, aber das ist uns egal, weil Energie im Überfluss vorhanden ist. Weiterhin erlaubt es der Energieüberfluss, Maschinen einzusetzen, so dass Arbeitskraft in einem bis dahin undenkbaren Ausmaß für andere Tätigkeiten frei wird. Unter anderem in die Entwicklung der modernen Medizin, welche die Kindersterblichkeit dramatisch reduzierte und damit ebenfalls entscheidend zur Bevölkerungsexplosion beigetragen hat.

Mit dem rasanten Bevölkerungswachstum und der Industrialisierung etablierte sich ein neues Wirtschaftssystem: Kapitalismus. Er war schon vorher bekannt, entstand zumindest in Ansätzen schon in allen vorhergehenden Hochkulturen jeweils im letzten Abschnitt des Höhenfluges. Ausgeklügelte Finanzsysteme, Bank- und Kreditwesen, herrschende Geldeliten – das alles haben wir nicht erst im Zuge der Industrialisierung erfunden, das alles gab es schon zig mal vorher in der Menschheitsgeschichte. Es ist jedes mal untergegangen mit dem Untergang der Hochkulturen. Auf darunterliegenden Organisationsebenen macht Kapitalismus als Wirtschaftsform einfach keinen Sinn.

Wann macht Kapitalismus denn Sinn? Kapitalismus ist eine Wirtschaftsform, die schnelles Wachstum fördert und schnelles Wachstum benötigt. Zusätzlich benötigt Kapitalismus ein hohes Level an Arbeitsteilung, viel freie Arbeitskraft und damit einhergehend eine Größe von realisierten Projekten, die nicht wie früher von Familienbetrieben umgesetzt werden können. Das größte, was man in Gesellschaften unterhalb von Hochkulturen baut, ist ein Haus, eine Werkstatt, eine Mühle, ein Tempel. Dafür trommelt man Familie und eventuell die Dorfbewohner zusammen (quasi erweiterte Familie) und macht es. Familie und Gemeinde helfen bei sowas mit, weil sie umgekehrt die gleiche Hilfe erhalten und sich darauf auch verlassen können. Den Bau von gigantischen Tempelanlagen, Burgen, Fabriken und anderen Großprojekten, die in einer Hochkultur notwendig werden, kann man als Dorfgemeinde nicht mehr stemmen. Es wird so viel Arbeitskraft benötigt, dass man unbekannte Leute hinzuziehen muss. Haben Sie schon mal Freunden beim Umzug geholfen? Und haben Sie schon mal Fremden beim Umzug geholfen? In den meisten Fällen werden Ihre Antworten „ja“ und „nein“ sein und Sie können selbst erspüren, warum Zusammenarbeit unter anonymen Bedingungen etwas ganz anderes ist als Zusammenarbeit im Kreis von Freunden und Verwandten. Warum sollten die Bewohner eines entfernten Dorfes zu uns vorbei kommen, um bei uns eine riesige Kirche mit zu bauen? Wer garantiert ihnen denn, dass wir ihnen im Gegenzug auch helfen, eine riesige Kirche zu bauen? Die auf persönlichen Beziehungen basierenden Gegenseitigkeiten und Kontrollsysteme, die in Familien und Dorfgemeinden greifen, haben in großem Maßstab keine Wirkung, weil sie sich zu leicht unbestraft aushebeln lassen. Die Anonymität der Großstadt gebiert neue Probleme und verlangt nach Lösungen. Aus diesem Grund entstand parallel zu vielen anderen neuen gesellschaftlichen Systemen auch ein Rechtssystem und in der Folge auch ein Staatssystem. Veränderungen an einer Stelle haben Veränderungen an anderen Stellen des gesellschaftlichen Lebens notwendig gemacht – so entstand eine Dynamik, die eine Kaskade von neuen Institutionen und Organisationsformen mit sich brachte. Diese Entwicklung ist noch immer nicht abgeschlossen.

Kapitalismus ist ein sich selbst organisierendes System, bei dem die Produktionsmittel mehrheitlich in privater Hand sind und die Besitzer der Produktionsmittel Reichtum und Macht mehren können – und das vor allem auch wollen, weil der gemehrte Reichtum ihnen persönlich zufällt. Der Kapitalismus stützt sich hierbei auf das tiefe Bedürfnis des Menschen, in der gesellschaftlichen Hierarchie nach oben zu streben. Diesem Streben gibt der Kapitalismus freie Hand. Der sich selbst organisierenden kapitalistischen Wirtschaft steht ein von oben organisierender Staat gegenüber. Der Staat sorgt für Ordnung (und nicht zuletzt für den Schutz des privaten Reichtums) und greift zusätzlich regulierend in die Wirtschaft ein. Aber nur ein bisschen. Die kapitalistische Wirtschaft reguliert ihr Wachstum selbst, korrigiert und optimiert eigenständig – natürlich immer auf Wachstum bedacht. Der Staat setzt diesem Prozess ein paar Regeln und Schranken, kümmert sich um die notwendige Infrastruktur und einige andere Projekte von primärer Bedeutung und hält sich sonst zurück.

Übrigens ist das Leben im Industriezeitalter nicht einfacher geworden als es vorher war. Gerade zu Beginn der Industrialisierung wurden die Menschen gnadenlos ausgebeutet, mussten nicht weniger arbeiten als ihre frühen Bauernkollegen und hatten zusätzlich noch die viel schlimmeren Arbeitsbedingungen – extreme Hitze, geschlossene Räume, wenig Sonnenlicht, mit Giftstoffen verseuchte Luft, Schichtarbeit usw. Je weiter sich der Mensch entwickelt, desto härter wird das Leben. Auch das ist nicht so paradox wie es klingt. Je mehr Individuen einer Art sie in einen abgegrenzten Lebensraum reinstecken, desto härter wird es für alle, weil pro Nase immer weniger Platz und Rohstoffe zur Verfügung stehen. Ob es mehr Bakterien in einer Petri-Schale sind, mehr Schafe in einem Gatter oder mehr Menschen auf dem Planeten – das Prinzip ist überall gleich.

Während der Kapitalismus blühte, tauchte die Idee einer anderen wirtschaftlichen Organisationsform auf – Kommunismus. Werfen wir die künstlich aufgebauschten ideologischen Unterschiede beiseite und arbeiten uns gleich zum entscheidenden Unterschied von Kapitalismus und Kommunismus durch. Im Kapitalismus sind die Produktionsmittel in Privatbesitz, im Kommunismus sind die Produktionsmittel in Gemeinbesitz. Sind mehr als 50% der Produktionsmittel in Privatbesitz, haben wir es mit Kapitalismus zu tun, sonst ist es Kommunismus. Das ist die Definition für den Rest des Artikels.

Wichtig: Es geht nur um Produktionsmittel. Um Fabriken also. Die Produkte, die die Fabriken herstellen (Kleidung, Möbel, Autos, …) sind irrelevant für die Unterscheidung. Hinsichtlich der Produkte unterscheiden sich die beiden Systeme nicht: wer sie gekauft hat, besitzt sie.

Die Vertreter des Kommunismus haben argumentiert, dass der Kapitalismus sich bald selbst zerstören wird und der Kommunismus die natürliche nächste Wirtschaftsordnung ist. Sie haben sich, was die baldige Selbstzerstörung des Kapitalismus angeht, auf eine Prognose von Marx gestützt, der jedoch einen Fehler in der Berechnung hatte und das Entwicklungspotential des Kapitalismus falsch einschätzte. Das baldige Ende des Kapitalismus schon vor Augen, haben die Verfechter des Kommunismus eine sich bietende Gelegenheit beim Schopf ergriffen und auf dem Gebiet des krisengeschüttelten Russischen Reiches den Kommunismus eingeführt. Russland war als Standort nur zweite Wahl, weil noch nicht genug industrialisiert und laut Theorie gar nicht bereit für Kommunismus. Die Kommunisten dachten sich: besser in Russland als gar nicht, und die fehlende Industrialisierung müssen wir eben als Zwischenschritt von oben verordnen und organisieren.

So passierte etwas wirklich paradoxes. Der Kommunismus in der Sowjetunion hat über Jahrzehnte hinweg für wirtschaftliches Wachstum sorgen müssen (der Kapitalismus im Rest der Welt wollte einfach nicht kollabieren und die Sowjetunion musste viel länger in Konkurrenz durchhalten, als anfang gedacht), was überhaupt nicht der Neigung des kommunistischen Wirtschaftssystems entspricht. Im Kommunismus fehlen nämlich die „natürlichen“ Anreize für Wachstum. Die Produktionsmittel sind in Gemeinbesitz, so dass sich niemand persönlich daran bereichern kann. Und wenn sich ein Mensch nicht persönlich bereichern kann, fehlt ihm die Motivation, sich immer neue Produkte auszudenken, neue Märkte aufzubauen, die Produktion immer weiter zu steigern usw. Die Produktionsmenge wird im Kommunismus jenseits des eigentlichen Unternehmens bestimmt, man hat lediglich einen Auftrag abzuarbeiten. Alle sowjetischen Unternemen können Sie sich vorstellen als Unterabteilungen und Tochterunternehmen eines einzigen gigantischen (Staats-)Konzerns. Keine Anreize für explosives Wachstum. Kommunismus ist eine Wirtschaftsform, die gut geeignet ist, einen Zustand zu konservieren. Eine Wirtschaftsform, die gut geeignet ist, um das erreichte Niveau zu stabilisieren. Während der gesamten Bestehensphase in der Sowjetunion musste der Kommunismus aber so organisiert werden, dass er Wachstum generierte. Der Kommunismus wurde zur falschen Zeit eingeführt.

Weder Kapitalismus noch Kommunismus hat es bisher in Reinform gegeben. Das heißt, dass keine Industriegesellschaft 100% der Produktionsmittel entweder in privatem oder in öffentlichem Besitz konzentriert hatte. Wir hatten und haben es immer mit einer Mischung von beidem zu tun, auch in der Sowjetunion, auch in den USA. Die Goldene Mitte ist aber ein instabiler Zustand. Stellen Sie sich einen Hügel vor und eine Kugel auf der Hügelspitze. Die Kugel will irgendwo herunterkullern. Oben ist ihr Zustand instabil. In der Talsenke am Rand ist der stabile Zustand. Man kann die Kugel auf der Hügelspitze halten, aber dann muss man sie ständig von verschiedenen Richtungen hochschieben, sobald sie sich zu einer Seite neigt. Eine Unachtsamkeit und der stabile Zustand ist verloren, die Kugel rollt ins Tal in Richtung eines Extremums. Jede Industriegesellschaft tendiert dazu, die Produktionsmittel mehrheitlich in privaten Besitz oder umgekehrt, mehrheitlich in öffentlichen Besitz zu nehmen – je nachdem, wessen Vertreter an der Macht sind.

Das heutige Russland ist ein Beispiel dafür, wie man die goldene Mitte zwischen Kapitalismus und Kommunismus sucht. Infrastruktur und Schlüsselindustrien wurden unter Putin wieder unter Staatskontrolle genommen. Gleichzeitig ist der Rest, vor allem der ganze unkritische Verbrauchsgütermarkt (Möbel, Kleidung, Vergnügen, …) dereguliert, also der „unsichtbaren Hand“ des freien Marktes überlassen. Die russische Regierung wird von den Neoliberalen beschimpft, weil sie Schlüsselindustrien nicht privatisieren lässt. Die russische Regierung wird von den „Patrioten“ beschimpft, weil sie so viele wichtig erscheinende Industrien, Unternehmen und Banken frei gewähren lässt und sogar Staatsunternehmen privatisiert. Das heutige Russland ist ein gutes Beispiel dafür, wie man mit großer Anstrengung die richtige Balance zwischen privatem und öffentlichem Besitz an Produktionsmitteln sucht.

Wir im Westen sind ein gutes Beispiel dafür, wie man die Balance verloren hat und in Richtung eines Extremes abdriftet. Inzwischen sind wir so weit abgedriftet, dass die Schmerzgrenze teilweise überschritten wurde. Privatisierte Energie- und Wasserversorgungssysteme werden wieder in öffentliche Hand überführt, nachdem die Menschen den Segen der Infrastruktur-Privatisierung am eigenen Leib erfahren haben.

Grundsätzlich ist es gut, wenn Infrastruktur, Bildung, Medizin, Wissenschaft und Sicherheitssysteme (Armee, Polizei) in öffentlichem Besitz sind, während sonstige Produkte und Dienstleistungen mehrheitlich der Selbstregulation des freien Marktes überlassen werden. Grundsätzlich.

Bei genaueren Hinsehen sieht es aber so aus, dass wir diese Aufteilung nicht werden aufrecht erhalten können. Wir werden uns mehr in Richtung Kommunismus bewegen müssen. Noch mal zur Erinnerung: Kommunismus definiere ich in diesem Beitrag einzig und allein über den Anteil der Produktionsmittel in öffentlichem Besitz. Diesen Anteil werden wir steigern müssen. Und das Beispiel des heutigen Russlands wird dabei nur ein Zwischenschritt sein.

Wir können nicht mehr weiter wachsen. Ein bisschen Wachstum geht noch, aber das Ende ist schon absehbar. Die aktuelle weltweite Wirtschaftsflaute ist weder zufällig noch vorübergehend. Wenn wir nicht mehr wachsen können, macht eine kapitalistische Wirtschaftsweise keinen Sinn mehr. Sie ist nur für Wachstum gut. Für den Erhalt des Erreichten ist die kommunistische Wirtschaftsweise die geeignete. Man wird sie uns unter einer anderen, emotional unbelasteten Bezeichnung kredenzen (wie wäre es mit „Nachhaltige Marktwirtschaft“?), aber sie wird kommen. Sie werden sie daran erkennen, dass der Anteil der Produktionsmittel in öffentlicher Hand zunehmen wird.

Dass wir im Moment noch in die entgegengesetzte Richtung streben, wird uns den unausweichlichen Übergang umso schwerer machen, je weiter wir noch in neoliberaler Richtung vorstoßen. In dieser Hinsicht sind Russland und China sehr viel besser für die Zukunft vorbereitet als der Westen.

Neulich hörte ich einen jungen Mann sagen, dass die Geschichte ja gezeigt habe, dass der Kommunismus eine tolle, aber nicht umsetzbare Idee ist. Der junge Mann, dessen Meinung eine weit verbreitete ist, wird noch zu Lebzeiten vom Gegenteil überzeugt werden. Seine heutige Überzeugung basiert darauf, dass er den Kontext ausblendet. Er übersieht, dass der Kommunismus im ersten Anlauf gescheitert ist, weil er nicht zur rechten Zeit eingeführt wurde. Der junge Mann kommt nicht auf die Idee, dass ein Experiment unter veränderten Bedingungen zu einem ganz anderen Ergebnis führen kann. Bitten Sie einen 5-jährigen Jungen, eine 50-kg-Hantel anzuheben. Bitten Sie den gleichen Jungen im Alter von 15 Jahren erneut, eine 50-kg-Hantel anzuheben. Der Kommunismus wurde in der Sowjetunion eingeführt, als die Bevölkerungsexplosion gerade in den Steilanstieg ging. Genau der falsche Zeitpunkt. Unter diesen Umständen ist es erstaunlich, wie lange die Sowjetunion mit kommunistischer Wirtschaftsweise durchgehalten hat. Erst jetzt, ein Jahrhundert später, ist der richtige Zeitpunkt für den Kommunismus gekommen. Die Menschheit hat ihr Wachstumspotential bald ausgereizt. Der nur für Wachstum geeignete Kapitalismus durchlebt folgerichtig eine existentielle Krise (und nicht eine Blütezeit, wie vor einem Jahrhundert).

Alles zu seiner Zeit. In Zeiten zunehmender Ressourcenausschöpfung kann die Menschheit die rücksichtslose Wirtschaftsweise des Kapitalismus nicht mehr lange aufrechterhalten und wird notgedrungen dazu übergehen, die Verwaltung der Ressourcen und damit auch zunehmend der Produktion immer mehr in öffentliche Hand zu nehmen, um einen schonenden und nachhaltigen Umgang sicher zu stellen.

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75 Kommentare zu “Über verschiedene Arten des Wirtschaftens
  1. Stephan Colbert sagt:

    @Analitik

    Eine kleine Randbemerkung zu später Stunde..
    Analitik, Danke für Ihren Artikel. Eine Freude irgendwie. Ihr „Optimismus“ hat ja etwas magisches. Gerade bei uns jungen Leuten kommt das gut an. Die Welt, das Netz sind momentan übervoll von angsteinflößenden Zukünften und Meinungen. Totalüberwachung, Artensterben, KI, Industrie und wenige werden gebraucht, Studiengangsverdummung, jetzt noch die vielen Fremden usw.usw.usw. Man wills ja alles gar nicht mehr wissen. Eine Hysterie. Man hat uns gesagt, dass das vor 20 Jahren noch ganz anders diskutiert wurde. Naja, klagen hilft ja nicht. Wo aber anfangen? Das ist aber keine Frage an Sie, eher ein Gedanke. Wir lesen gern hier.

    MfG

    • Analitik sagt:

      Danke auch Ihnen.

      Lesen Sie bei Gelegenheit Joseph Campbell.

      • Stephan Colbert sagt:

        @ Heinz Göd,

        Hallo! Ein Dankeschön für Ihren Link. Ein paar Namen auf ihrer Liste kenne ich, das andere werde ich mir bei Gelegenheit anschauen. Entschuldigen Sie, wenn ich jetzt mal ehrlich bin und ein Feedback gebe: Ihre Seite schreckt optisch ab, gerade für so junge Leute wie uns. Ist nich bös‘ gemeint, ich weiß ja, die Inhalte zählen!

        MfG

        • Heinz Göd sagt:

          @ Stephan Colbert
          „Entschuldigen Sie, wenn ich jetzt mal ehrlich bin und ein Feedback gebe: Ihre Seite schreckt optisch ab, gerade für so junge Leute wie uns.“
          Ja, da gehen die Meinungen von ‚liebevoll gestaltet‘ bis ‚extrem hässlich‘ 🙂
          Die Seite habe ich zu Zeiten des Röhren-Bildschirms zusammengeklempnert – daher der augenschonende schwarze Hintergrund.
          Jetzt bin ich 71 und habe ein Problem mit den Augen:
          das moderne Design der Webseiten tut meinen Augen physisch weh,
          vor allem weisser Hintergrund, vielleicht geht das anderen Altersgenossen ebenso.
          Die EntscheidungsTräger dieser Welt sind – leider – alt 🙂
          und die Jungen müssen um ihr Leben kämpfen, haben also weniger Muße zum Nachdenken.
          Ich bin mir immer noch nicht im Klaren, ob ich mich mit der Webseite vornehmlich an jung oder alt wenden soll.

          • Stephan Colbert sagt:

            Hallo Heinz Göd,

            Danke für Ihre ehrliche Antwort, ich hatte es bereits vermutet! Sie sagen „Augen schonend“ und ich empfand das Gegenteil. Für die jüngere Generation werden wahrscheinlich Seiten wie diese als Augenschonend empfunden. So gibt es also mittlerweile eine *jüngere* Lesehürde festzustellen. Reduzierte Sehreize – sagt man heute – ermüden die Augen nicht so leicht, und da es bereits heute Screens in jedem Quadratmikrometer gibt, sind wir wohl eher Seh-überreizt. Aber man spürt die Energie der Farben, es ist auch ein Statement. Das von mir so nebenbei..

            Zu den wichtigeren Inhalten: Ich werde mir Ihre geordneten Themenbereiche sobald mehr Zeit ist durchschauen.

            MfG

  2. Hans sagt:

    Nur kurze Anmerkungen bzw. Konkretisierung:

    Der Energieeinsatz der industriellen Agrarwirtschaft beträgt das zehnfache dessen, was wir an Nahrungsenergie wieder entnehmen können.
    Je nachdem, wie die angestrebte *Decarbonisierung* der Gesellschaft (Pariser Verträge) tatsächlich durchgesetzt wird, bedeutet das neben De- industrialisierung auch eine schwere Belastung für die Landwirtschaft, also für die Nahrungsgrundlage der menschl. Gesellschaft. Hinzu kommen noch andere Unwägbarkeiten, z. B. der vielzitierte *Peak Phosphor*.

    Es kann also durchaus sein, dass das Ziel am Ende nicht irgendeine im Grunde *kommunistische Wirtschaft* ist (*nachahltige marktwirtschaft*)die das erreichte Niveau konserviert, sondern einfach ganz unverfroren ein RESET aktiv angestrebt wird.
    Habe gestern woanders schon über Ted Turner geschrieben, seiner Aussage nach sind 95% der Erdbevölkerung überflüssig (ja, er ruderte später davon zurück, aber nur tws., 1,5 Mrd oder so wären auch genug).
    Er ist damit auch keinesfalls allein, man schaue sich seine Freunde und Verbindungen an, man führe sich vor Augen, dass er ein wesentlicher Financier der UN ist….
    Diese Leute haben ja tatsächlich Macht (über ihr Geld und ihre Verbindungen) und es ist nicht zu erwarten, dass sie formulierte Ziele nicht auch tatsächlich verfolgen würden.
    Noch ne Story über diesen Turner: Mitte der 2000-er Jahre war er zu Gast bei dem Saudischen Umweltbeauftragten der UN, irgendso ein Prinz, dort bat er um Unterstützung für ein Anti- kernwaffen- Abkommen und nukleare Abrüstung. Begründung: „Bei einem konventionellen Krieg braucht man viel mehr Panzer, Flugzeuge… also auch Öl…. das wäre doch gut für saudi- Arabien“ (das ist dem Sinne nach beschrieben, das korrekte Zitat weiss ich nicht mehr, Quelle war irgendwann der Spiegel).

    In der Rückschau sage ich… *na, da schau her…*

    Ansonsten scheint es zu stimmen, das durchaus auch von unseren Eliten mischformen des Eigentums akzeptiert werden, also auch Staats- oder Gemeineigentum an Produktionsmitteln. Mir ist nur nicht klar, wo und warum da Unterschiede gemacht werden, in Russland sind Staatsbetrieb der Energiewirtschaft in unseren SAugen teufelszeug, in Norwegen sind aber SÄMTLICHE Energieunternehmen zzgl. Strom- verteilnetze und Kommunikation mehrheitlich in Staatshand (*Statoil*, *Statkraft*, *Statnet*….) und auch die Kommunen (in Norwegen sind damit größere Verbunde als gemeinden gemeint) haben große Anteile.
    darüber regen wir uns nicht auf…

    komisch, das alles.

    • Analitik sagt:

      „Mir ist nur nicht klar, wo und warum da Unterschiede gemacht werden, in Russland sind Staatsbetrieb der Energiewirtschaft in unseren SAugen teufelszeug, in Norwegen sind aber SÄMTLICHE Energieunternehmen (…)“

      Der Feind ist immer der böse, man selbst immer der gute – selbst wenn man genau gleich ist. So funktioniert die menschliche Psyche, so funktioniert Politik. Daraus resultieren die aufgebauschten Unterschiede, die ich beiseite geschoben habe.

      • Hans sagt:

        „So funktioniert die menschliche Psyche, so funktioniert Politik.“

        Ja, ich kanns aber trotzdem nicht begreifen. Es ist doch so durchsichtig.

        • Analitik sagt:

          Ha! Natürlich ist es das. Die Psyche hat nicht wenige solcher Eigenheiten, wo man etwas vollkommen durchschaut, aber trotzdem nicht anders kann. Die Liebe zum Beispiel… alles rationale Durchschauen, dass die Angebetene keine geeignete Partie ist, hilft überhaupt nichts, wenn Amors Pfeil erst einmal getroffen hat.

          Bezüglich dieser Eigenheiten hilft nur sehr intensives meditieren. 🙂

    • Tja Hans, ist halt nicht so leicht, ausgeprägt gestandene Bauern & Fischer, aber mobile (der Mecklenburger von THAER:“ Das Geld klebt an den Rädern!“ Völker a ‚la Schweiz, Dänemark, Norwegen, Finnland plus akt. Visegradgruppe auf Dauer zu kujonieren! Noch Fragen?

      • Hans sagt:

        „Das geld klebt an den Rädern!“

        Interessanter Denkansatz.

        „Noch Fragen?“

        ja. Einige sogar. Die stelle ich aber nicht Ihnen, da ich wenig erschöpfende Antworten erwarte, wäre es anders, hätten Sie etwas breiter ausgeführt.
        danke trotzdem.

  3. Thomas Roth sagt:

    Werkverträge, Leiharbeit, Minijobs. Das ganze prekäre Dickicht am unteren Ende des Arbeitsmarktes, in dem viele längst auf Dauer verfangen sind. Die Banken, die nach der Finanzkrise fast ebenso unreguliert spekulieren können wie vorher. Vieles kommt hier zusammen: Wie hilflos eine gewählte nationale griechische Regierung war gegenüber den Auflagen der Troika von Brüsseler Beamten und internationalen Finanzinstitutionen. Die geplante Entmachtung nationaler Rechtsstaatlichkeit durch Freihandelsabkommen wie TTIP. Das weckt in vielen Menschen Zweifel an diesem System und steigert ihre Wut darauf. Aber das Ressourcen knapp werden ….
    Ich erinnere mich an Ilja Schmelzer. Mit einem ähnlichen Text über das Verhältnis von Kapitalismus und Kommunismus begann seine Schlußetappe, ehe dann sein Verhältnis zum Strafrecht den Schlußpunkt setzte. Übrigens, wenn ich mir vorstelle, dass Sie das sind, fügt sich alles sehr gut. Ich empfinde den Artikel heute als den Versuch einer sehr reduzierten und dazu noch populärwissenschaftlichen Beschreibung einer Wissenschaft. Kommunismus wird kommen müssen weil die Ressourcen knapp werden – das glauben Sie doch wohl selber nicht. Der Ansatz „Besitz an Produktionsmitteln“ ist richtig aber sehr kurz gesprungen.
    Unabhängig von allem, soll natürlich jeder sagen und schreiben dürfen was er möchte.

    • Hans sagt:

      @Thomas Roth

      „Der Ansatz „Besitz an Produktionsmitteln“ ist richtig aber sehr kurz gesprungen.“

      „Eigentum an Produktionsmitteln“…. das dürfte einen, evtl. DEN Unterschied machen.
      Für mich persönlich sind Tendenzen im gesamten Wirtschaftsystem erkennbar, dass sich eine sehr kleine Gruppe mehr und mehr alle Güter und Ressourcen des Planeten aneignet, u.a. auch, indem sie alles im Lebensumfeld kommerzionalisiert (*die Luft zum Atmen besteuert*).

      Wenn dieser Prozess konsequent fortschreitet, dann haben wir am Ende ein System, in dem der Einzelne kein Eigentum mehr hat, sondern zur Miete wohnt, das Auto geleast/gemietet hat, der *unternehmer* auf gepachteten Grund und Boden in gemieteten Fabrikhallen mit gemieteten Maschinen produziert…. das wäre ziemlich ähnlich kommunistischen Besitzverhältnissen, denn *Volkseigentum* war ja wohl auch nur eine Phrase.

      Übrigens sehe ich ein *Bürgergeld* als einen wichtigen Baustein für diese Richtung.

      • Thomas Roth sagt:

        @Hans Wissen Sie, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass eine Verknappung von Rohstoffen/Ressourcen dazu führt, dass die Eigentümer von heute, ihren Besitz aufgeben und daraus gesellschaftliches Eigentum entsteht. Freiwillig jedenfalls nicht. Im Gegenteil. Das Netz über den Leuten wird immer engmaschiger gewebt, persönliche Freiheiten werden weiter zurückgefahren und die sich daraus entwickelnden Handybesitzer werden in letzter Konsequenz völlig entsolidarisiert gar nicht mehr in der Lage sein, etwas Grundsätzliches zu ändern. Und der Gewöhnungsprozeß wird sich unendlich fortsetzen. Das Bürgergeld, dass Sie erwähnen, ist auch nichts anderes als ein Konditionierungsmittel, selbst der Antrieb Geld verdienen zu müssen, entfällt dann mehr oder weniger. Uns rettet nur noch eins: Eine Niederlage in einem Großen Krieg (wenn wir Glück haben, was ich aber nicht glaube, ohne Atomwaffen) und ein reset.

        • Hans sagt:

          @ Thomas Roth

          evtl. habe ich zu schnell geschrieben und es ist nicht das angekommen, was ich aussagen wollte.

          1. wichtig ist mir der begriff: Eigentum anstelle Besitz von Produktionsmitteln.
          2. zweitens: Die Wandlung des Eigentums wird nicht darin bestehen, es in (gesamt)gesellschaftlcihes Eigentum zu überführen, sondern darin, dass nur noch eine kleine Gruppe -evtl. sogar eine anonyme- Eigentum besitzen wird.
          3. folgt daraus, dass diese Elite zum eigenen Überleben und zum Machterhalt (auch wenn sie alle Produktionsmittel auf der Welt besitzen sollte, sie aber nicht selbst nutzen kann und auch nicht will/muss) zumindest zeitweilig einem anderen in Besitz geben muss, der für sie wirtschaftet und zwar genau so, wie diese Elite es will.

          das wäre dann zwar für die Masse kein großer Unterschied zum kommunistischen Wirtschaften, da sie hier wie da wirklichen Eigentums und unternehmerischer Freiheit beraubt sein werden, aber eine Art Kommunismus wäre es dennoch nicht.

          Die Gesellschaft der Zukunft wird eher eine feudalistische sein als alles andere, zwischenstufe sicher eine die nationalstaaten übergreifende Oligarchie.

          Das angesprochene Bürgergeld -tatsächlich wie Sie schreiben ein Konditionierungsmittel- kann diesen Vorgang tatsächlich beschleunigen, auch bestimmte Aspekte bezüglich des Erwerbs und Erhalts von Eigentum werden dadurch anscheinend unlukrativ, zusätzlich wird es mit Sicherheit so bemessen sein, dass es, wenn überhaupt, nur ein Existenzminimum decken wird.

          Insofern glaube ich wie Sie nicht, dass -aus welchem Grund auch immer- *gesamtgesellschaftliches Eigentum* entstehen wird. ich glaube aber, dass die Masse wirklichen Eigentums beraubt werden wird bzw. es schon ist.

          Trost: Das handy wird uns bleiben. 😉

          • Fetzenflug sagt:

            @Hans

            „dass die Masse wirklichen Eigentums beraubt werden wird bzw. es schon ist“

            Wie nimmt man einem Bauern das Land, einer Familie eine „Eigentums“wohnung oder ein „eigenes“ Einfamilienhaus?

            Außer über Überschuldung, Überschreibung an Banken ob nicht bezahlenter Kredite (siehe Spanien in den letzten Jahren…), oder realer Zerstörung via Krieg und Tod?

            • Thomas Roth sagt:

              @Fetzenflug Guten Abend. Unaufgefordert meine Meinung: Acker und Wohnraum sind zweierlei Dinge. Acker ist Produktionsmittel. Hektarpreise von 40000 oder mehr Euro werden gezahlt. Dann werden große Kooperative gebildet und so profitabel wie möglich ausgebeutet. Im alten Mitteleuropa war das kaum möglich, und wenn dann nur in überschaubaren Chargen. In der Osterweiterung ging das schon viel besser und in der Ukraine war nach einem halben Jahr das halbe Ackerland in den Händen internationaler Konzerne. Bauern sind dann Landarbeiter.
              Mit Wohnraum ist das etwas anders. Damit kann man nichts anfangen und die pleitegegangenen Eigentümer sind eher Opfer der unsoliden Geschäftsgebahren der Banken. Enteignungen sind nur schwer umsetzbar, also zu vernachlässigen.
              Grüsse ..

            • Hans sagt:

              @Fetzenflug
              „Wie nimmt man einem Bauern das Land, einer Familie eine „Eigentums“wohnung oder ein „eigenes“ Einfamilienhaus? Außer über Überschuldung, Überschreibung an Banken…“

              Das ist ziemlich einfach. Man erhöht die Nebenkosten für Eigentum. Z.B. über Beteiligung an *Ausbaugebühren*. Z.B. über neue Verordnungen, wo man für lange abbezahlte Häusle dann neue Kredite aufnehmen muss, um die Bedingungen zu erfüllen. Z.B. durch die gestaltung von Satzungen, die einem Verbieten, vorhandenes Brunnenwasser zu nutzen. Z.B. durch exorbitante kanalgebühren für das regenwasser, was aufs dach fällt. Durch das Verbot des betreibens von Kaminen ohne Filter. usw.

              Wohnraum ist schon lukrativ, und die Enteignung dessen ist gar nicht schwer umsetzbar, allenfalls ein langwieriger Prozess, das sehr kleinteilig strukturiert. Aber eben das ändert sich. VONOVIA ist Besitzer von 370 000 Wohnungen=> ebenfalls internationaler Konzern.

            • Politicus sagt:

              Steuern!

              • Politicus sagt:

                @ Fetzenflug

                DM—–€…..nannte man das 2001 Währungsreform? (ich glube nicht)

                Steuern

                staatlich verordnete Lohnsenkung (wetten das keiner drauf kommt was ich meine)

          • Analitik sagt:

            „Insofern glaube ich wie Sie nicht, dass -aus welchem Grund auch immer- *gesamtgesellschaftliches Eigentum* entstehen wird. ich glaube aber, dass die Masse wirklichen Eigentums beraubt werden wird bzw. es schon ist.“

            Was ist dann in den letzten Jahren mitten in Deutschland geschehen, als Städte und Gemeinden ehemals privatisierte Elektrizitäts- und Wasserversorgung wieder in Gemeindebesitz genommen haben? Die Menschen sind dafür auf die Straßen gegangen und haben demonstriert. Flankiert wurden sie von zahlreichen Reportagen und Dokumentationen über die böse Privatisierung – in unseren Massenmedien!

            Nach meiner entideologisierten Definition sind das kommunistische Unterfangen! Hier und heute. Freilich vollziehen sie sich noch im kapitalistischen Rechtssystem: Wasserwerke billig aus Gemeindehand verkaufen, fünf Jahre später zig fach teurer zurückkaufen. Aber an vielen Stellen passiert es eben: Produktionsmittel gehen aus Privatbesitz in Gemeindebesitz über.

      • Tja Hans, in J. ORWELLs „1984“ ist wohl auch keiner verhungert und die „Westliche Welt“ ist wohl mehr als schlicht beobachtet, diesbzgl. auf dem besten Weg! Noch Fragen?

    • Heinz Göd sagt:

      @Thomas Roth
      „Kommunismus wird kommen müssen weil die Ressourcen knapp werden – das glauben Sie doch wohl selber nicht.“
      Das sieht analitik m.E. vollkommen richtig. Analitiks These wird von der Praxis bestätigt:
      Beispiel 1: Kriegs- und Nachkriegs-Zeit
      Im Krieg waren Nahrungsmittel echt knapp. Marktwirtschaft konnte die Knappheit nicht managen und daher wurde auf Planwirtschaft umgestellt. Jeder Haushalt bekam eine berechnete Menge an
      Lebensmittelmarken, der Haushalt konnte dann soviel Lebensmittel kaufen, wie er Marken hatte. Marktwirtschaft fand dann am ‚Schwarzmarkt‘ statt. da tauschten dann Raucher einen Teil ihrer Brotration gegen Zigarretten, Städter ihre Eheringe gegen Kartoffeln.. Und das blieb auch noch einige Zeit nach dem Krieg noch so.
      Beispiel2: Erdöl-Krise 1973
      https://de.wikipedia.org/wiki/Erd%C3%B6lkrise#Die_erste_.C3.96lkrise_1973
      Damals war ich Techniker in der Entwicklungsabteilung eines Betriebes mit ca.6000 Mitarbeitern. Der Betrieb bestand aus einem Edelstahl-Werk und mehreren Verarbeitungsbetrieben.
      Wegen der westlichen Israel-Politik drosselten die OPEC-Länder die Ölförderung.
      Unser Betrieb benötigte für die Produktion kein Erdöl, ausgenommen ein bisschen Öl für die Härterei und ich dachte, dass es den Betrieb nicht treffen würde. Das war aber zu optimistisch.
      Als erstes traf es die Druckluft-Geräte-Erzeugung. Die Druckluft-Geräte waren für Bergbau,
      HüttenWerke, Tunnelbau, Straßenbau, Schiffbau, Montage. Die kauften plötzlich keine Druckluft-Geräte mehr. Zuerst erzeugte unser Betrieb auf Lager; als die Lager fast voll waren, kam
      Kurzarbeit; als die Lager voll waren, wurde die Erzeugung eingestellt und die Maschinen geputzt; als die Maschinen blitzblank waren, bekamen die Arbeiter Zwangsurlaub bei gekürztem Lohn.
      Die HochdruckArmaturen-Abteilung hatte gerade einen Langzeit-Auftrag und arbeitete normal in 2 Schichten. Innerhalb des Betriebes gab es also Benachteiligte und Begünstigte – und dann kamen Neid und Missgunst. Die Firmenleitung reagierte darauf, indem sie der HochdruckArmaturen-Abteilung ebenfalls Kurzarbeit verordnete. Die HochdruckArmaturen-Abteilung konnte dadurch den Auftrag nicht termingemäß fertigstellen und der Betrieb musste Pönale zahlen.
      Der Spuk dauerte zum Glück nicht allzulange.
      Wenn man die Arbeitlosen-Statistik von Deutschland ansieht,
      http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitslosenstatistik#Entwicklung_der_Arbeitslosenquote_in_Deutschland
      so ist bei 1973 ein Anstieg, der nicht mehr ganz zurückging.
      Wenn ich mir eine Welt vorstelle, in der alle Erzlager ausgeschöpft sind und NeuErzeugung nur durch Recycling des Bestandes möglich ist, dann wird … mein Post zu lange 🙂

  4. sw sagt:

    Bei der Bewertung des realen Kommunismus und Kapitalismus sollte man auch nicht ignorieren das die UDSSR im 2.Weltkrieg erhebliche menschliche Verluste erlitten hatte. Und die westlichen Regionen wie auch eroberten Gebiete waren größtenteils zerstört. Natürlich hat sich das auf den möglichen Lebensstandart der Bevölkerung ausgewirkt.
    Und nach dem 2.Weltkrieg wurde gleich der „Kalte Krieg“ mit massiven Bedrohungen durch die westlichen Staaten begonnen.

    • Tja Schwarz-Weiß, es gibt aber auch eine nicht unwesentliche Gruppe, welche die durchaus nachvollziehbare These vertreten, das Ganze sei nur passiert, weil STALIN die originären Bolschewiken über die Klinge hat springen lassen! Noch Fragen?

  5. ansa sagt:

    erinnert mich an das wundervolle Buch “ der Zorn der Wölfe“
    das Bauernvolk der Han Chinesen und die Wildbeuter Mongolen…..

    • Analitik sagt:

      Mongolen sind keine Wildbeuter, sondern Nomaden. Das ist eine eigene Art des Wirtschaftens, die dort betrieben wird, wo Ackerbau aufgrund des Klimas / der Böden unmöglich ist. Die Bevölkerungskapazität ist vergleichbar mit der von primitivem Ackerbau, aber Nomadentum hat damit auch schon seine Decke erreicht und kann die Kapazität des Lebensraums im Gegensatz zum Ackerbau nicht weiter ausbauen durch Intensivierung.

      • Tja ANALITIK, meinerseits würde ich Ihnen „Das Rätsel der Donauzivilisation“ H. HAARMANN empfehlen, deren friedlichen Stätten ich über das Eiserne Tor bis ins Museum von Varna gefolgt bin, wobei die verbliebene Wegstrecke zur noch viele Jahrhunderte überlebenden Enklave zwischen Dnepr & Don 2012 nach Sotschi dem Einfall MÜNTEFEHRINGscher „Heuschrecken“ zum Opfer fiel! Noch Fragen?

      • Tja ANALITIK, für irgendetwas muß Grundlagenforschung irgendwann auch zu etwas nutze sein, z. B. um heutigen Tags in etwa Alter & Herkunft eines biologischen Systems geographisch recht gut eingrenzen zu können, auf das sich raus stellte, daß das mongolisch genutzte Pferd wohl seinen Ursprung an einer archaischen „Seidenstraße“ hat und was macht Jäger in der baumlosen Landschaft: Er setzt sich auf den Galopper“! Noch Fragen?

  6. Tja Ansa, dem Ausgang der Geschichte Kain vs. Abel folgt: „Ist der Laden noch so klein, bringt er mehr als Arbeit ein“! Noch Fragen?

  7. RK sagt:

    Sehr umfangreicher Artikel, habe ihn vorerst nur quergelesen und bin glatt über die Definition von Kapitalismus und Kommunismus bzgl. Produktionsmittel gestossen.

    Kann man ja sehen wie man möchte: Aber, es gibt keinen Gemeinschaftsbesitz – in dem Sinne das alle Eigentumsrecht an etwas haben. Gab es auch nicht in der DDR, UDSSR schon gar nicht unter Mao. Kein Arbeiter konnte einfach daher gehen und Stück Dachpappe vom VEB runterreißen, weil er es für seine Laube benötigt hätte (wäre ja sein Eigentum). Es gab auch keine demokratische Abstimmung der gesamten Staatsangehörigen, ob ein Kombinat heute Schrauben und morgen Schürzen herstellen soll. Also bitte diese wohlklingenden Utopien und Pseudodefinitionen einfach vergessen.

    Noch bevor Marx sein Manifest fertiggestellt hatte, gab es eine Person, die wunderbar naturwissenschaftlich darlegen konnte, wann eine Wirtschaftsform wie Kommunismus entsteht. Das hat etwas mit Bedarf des Menschen zu tun, der a) individuell ist, b) einem stets veränderlichen Grenznutzen unterliegt.

    Gerade das mit dem Grenznutzen werden Kommunisten nie begreifen. Kapitalisten ignorieren ihn leider auch stets aufs Neue.

    Wir sehen das zum Beispiel an skandinavischen Ländern. Viel Platz, viele Ressourcen, wenige Menschen deren Bedarf es gilt zu decken. Norwegen (kann auch Finnland gewesen sein) hat einst in den 70igern mal Mofas an die ganze Bevölkerung verschenkt.

    Diese nordischen Staaten sind „genetisch“ prädestiniert für eher sozialistisch/ kommunistisch ausgelegte Systeme. Ändert sich aber, je mehr Menschen dann an diesen Segnungen Teil haben wollen und es dann gilt, aus den Ressourcen mit einmal mehr Bedarf zu decken.

    vgl. Carl Menger – Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

    • Analitik sagt:

      „Aber, es gibt keinen Gemeinschaftsbesitz – in dem Sinne das alle Eigentumsrecht an etwas haben. Gab es auch nicht in der DDR, UDSSR schon gar nicht unter Mao. Kein Arbeiter konnte einfach daher gehen und Stück Dachpappe vom VEB runterreißen, weil er es für seine Laube benötigt hätte (wäre ja sein Eigentum).“

      Was Sie beschreiben, ist die persönliche Bereicherung vom Gemeinbesitz. Kein gelungenes Beispiel meiner Meinung nach. Das macht Gemeinbesitz ja auch aus, dass kein einzelner hingehen und sich davon etwas wegnehmen kann. Ganz im Gegensatz zum Kapitalismus, wo der Eigentümer der Fabrik ein Stück Dach von _seiner_ Fabrik herunterreißen kann, weil er es zum Bau seiner Privatvilla benötigt.

      Das Buch von Menger habe ich mir übrigens ausgeliehen aus der Bücherei. So Gott mir ein wenig Zeit schenkt, blättere ich da ein wenig herum.

      • Tja ANALITIK, demnächst werde ich Ihnen in bewährter Kurzform den prinzipiellen Unterschied zwischen „Raubzug-Rußland“ vs. „Raubzug-Ost“ liefern, so es genehm ist?
        MfG
        RRD

      • RK sagt:

        Sie übersehen dabei, dass der vermeintliche „Gemeinbesitz“ des VEBs zwar nicht vom Arbeiter selbst, aber doch von anderen Gestalten entwedet wurde.

        Das Recht/ die Möglichkeit auf Eigentum ist die Grundvoraussetzung jedes Wirtschaftens. Das Dinge ausgedacht und hergestellt werden können. Der Zusammenhang zwischen dem unabdingbaren Eigentumsrecht nach britischem Recht und das wir es beim britischen Pfund mit der dienstältesten Währung des Planeten zu tun haben (über 1200 Jahre), kommt nicht von ungefähr.

        Wo kein Eigentum an etwas existiert, entsteht auch keine Verantwortung für etwas. Oder einfacher ausgedrückt, dann kümmert man sich auch nicht darum.

        Wirtschaftssysteme denen diese Idee des Gemeinbesitzes zu Grunde liegt, erzeugen nicht die Quantitäten und Qualitäten an Gütern, die reichen würden den Bedarf zu decken. So retten sich kommunistische Ökonomien über die Zeit, in dem sie andere Quellen anzapfen (Beschlagnamung, Enteignung). Großteil der DDR Produktion ist einfach in Waggons in die UDSSR verladen worden.

        Oder nehmen sie aktuellere Beispiele – Venezuela und Chavez. Rennt mit seinen Kadern durch die Straßenzüge und ruft, das enteigenen, den enteigenen. Am Ende gab es dann nicht mal mehr Klopapier zu kaufen. Blick nach Nordkorea reicht auch.

        • Fetzenflug sagt:

          Dem steht meines Wissens nach jedoch das durchaus erfolgreiche Modell des israelischen Kibbutz entgegen!

          Ich bin noch nicht komplett eingelesen in die Materie ob Zeitmangels.

          Aber der Niedergang des Kibbutz hat scheinbar nicht damit zu tun, dass das Modell an sich nicht funktionierte, im Gegenteil. In der Regel entstand aus dem Nichts sehr Produktives.

          Die Auflösung des Kibbutz´ in seiner ursprünglichen Form – also die Überleitung in kapitalistische Marktwirtschaft durch Privatisierung etc. – hat wohl mehr damit zu tun, dass sich dieses kleine Modell im Sinne einer „Mücke gegen Elefanten“ nicht mehr rentabel behaupten konnte. Es wurde überrannt.

          • Tja Fetzenpflug, das erinnert doch sehr an den hervorragen Slapstick „2 Schonsteinfeger, einer fällt in den Schnee usw. usf. ..“ aus den für die Deutschen nun wahrlich nicht Goldenen 20-er Jahre! Noch Fragen?

          • Tja Fetzenpflug, da erinnert mich das an die dezidierte Antwort (in etwa) des CDU-Mitglied Michl FRIEDMANN: „Sie werden nicht Glauben, wie in der Synagoge die Fetzenfliegen“! Noch Fragen?

        • Analitik sagt:

          Wofür steht die Abkürzung VEB?

          „Das Recht/ die Möglichkeit auf Eigentum ist die Grundvoraussetzung jedes Wirtschaftens.“

          Dem habe ich nirgendwo widersprochen. Was persönliches Eigentum (an Endprodukten) angeht, unterscheiden sich die Systeme auch gar nicht. Bezüglich des Eigentums an Produktionsmitteln unterscheiden sich die Systeme hinsichtlich des Anteils.

          „Wo kein Eigentum an etwas existiert, entsteht auch keine Verantwortung für etwas. Oder einfacher ausgedrückt, dann kümmert man sich auch nicht darum.“

          Das ist nicht wahr. Es sei denn, Sie definieren „kümmert man sich nicht darum“ als „versucht man nicht, maximalen Profit auszuquetschen“. Sie müssen nicht weit suchen, schauen Sie sich die Autobahnen, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser hier in Deutschland an. Seit Jahrzehnten kümmert man sich verantwortungsvoll darum, obwohl diese Objekte in Gemeineigentum sind.

          Ich frage mich auch, wie an etwas von Menschenhand erwirtschaftetem kein Eigentum bestehen kann. Es gehört immer jemandem. Die deutschen Autobahnen sind doch nicht eigentumsfrei.

          „Wirtschaftssysteme denen diese Idee des Gemeinbesitzes zu Grunde liegt, erzeugen nicht die Quantitäten und Qualitäten an Gütern, die reichen würden den Bedarf zu decken.“

          Definieren Sie den Bedarf.
          Ist Bedarf = die Bevölkerung hat Grundversorgung an allem Lebenswichtigen?
          Ist Bedarf = die Bevölkerung hat Grundversorgung und zusätzlich begrenzte Luxusartikel?
          Ist Bedarf = die Bevölkerung hat Grundversorgung und breiten Zugang zu Luxus?
          Ist Bedarf = die _Weltbevölkerung_ hat Zugang zu Grundversorgung und Luxus?

          Die Sowjetunion hat die zweite Definition erfüllt. Der Westen erfüllt die dritte Definition. Die vierte Definition hat noch keine Wirtschaftsform erfüllen können.

          Wenn Sie am Beispiel DDR/Sowjetunion auf das Verhältnis von Zentralmacht und ausgebeutete Kolonie anspielen wollen, müssen Sie das auch für die kapitalistische Wirtschaftsweise tun, wo das Verhältnis sehr viel grauenhafter ist. Viele der von uns ausgebeuteten Länder können bis heute nur davon träumen, die (längst veralteten) Wohlstandsverhältnisse der DDR bei sich zu haben.

          • RK sagt:

            VEB = Volkseigener Betrieb*

            *Dieser historische Begriff sollte geläufig sein, gerade wenn man über ein Thema wie dieses schreibt.

            Bedarf, ist das was der Wort in seinem Sinn schon her gibt. Wenden sie es nicht an auf eine Gruppe von Menschen oder Kategorie von Gütern. Denn der Bedarf im volkswirtschaftlichen Sinn lässt sich nicht verallgemeinern. Er ist stets individuell und nicht fixiert, da er dem Grenznutzen unterliegt.

            Zur Verdeutlichung, ganz einfach, ganz simpel.

            Ein Bauer in kälteren Berglagen wird einen höheren Bedarf an nutzbarem Brennholz haben, als in einer sonnigeren Gegend.

            Was ist das mit dem Grenznutzen? Ganz blöd ausgedrückt, auch ein Millionär ißt nur ein Schweinebraten am Tag.
            Sie haben Hunger, kaufen sich ein Schnitzel, dass kostet 5 Euro, es sättigt sie. Wieviel wären sie jetzt bereit für ein zusätzliches Schnitzel auszugeben? Nochmal 5€, ok. Und für ein drittes?

            Selber Effekt tritt auch bei Arbeitszeit und Lohn ein. Sie arbeiten 20 Tage im Monat, haben 10 Tage frei, erhalten 2000,-€ (Also 100€ pro Arbeitstag). Wieviel muß man ihnen zahlen, dass sie bereit sind 1 weiteren Tag zusätzlich zu arbeiten, also nur noch 9 Tage im Monat für Frau, Kinder und Privates haben? 100,- zusätzlich? Würden sie auch für 700,-€ zusätzlich, ihre freien Tage auf 3 reduzieren?

            Irgendjemand der das liest vielleicht schon, ich nicht. Aber pauschal lässt sich das auch nicht sagen, da ja vielleicht eine größere Anschaffung ansteht. Dann ist das aber wieder nur temporär, weil dann der Grenznutzen des Mehr an Geldes den der Freizeit überwiegt.

            So, und wenn sie das mit dem Grenznutzen verstanden haben, können sie erklären, wie man Preisstabilität erreicht oder mit einem staatlich ausgearbeiteten 5 Jahresplan einen VEB produktiv bekommt.

            • Hannes sagt:

              Hallo RK,

              Interessante These. Als Laie verstehe ich zwar wie wichtig Preisstabilität fürs Wirtschaften ist, allerdings bekomme ich Ihre Brücke zum Grenznutzen nicht gedacht.

              Was mir in dem Zusammenhang allerdings paradox erscheint ist folgendes:

              Wenn der Grenznutzen ja die Motivation des Einzelnen wie auch das Glück/Wohlbefinden mit-abbildet, wie auch durch höhere Einkommen dieser sinken muss, also keine höheren Aktions-Motivationen verursacht, warum polarisieren sich dann die Einkommensverhältnisse immer weiter? (Das passiert ja nicht automatisch, wie es auch gegenteilig bekämpft wird). Ab einem bestimmten Grenznutzen-Level dürften ja dann keine Steigerungen individuell mehr aktivierend sein. Schließlich entstehen ja dadurch lethargische (ich habe keine Antrieb da es nichts gibt was ich noch wollen kann) oder euphorische Menschen (mit dem 15 Prozent an Mehrarbeit könnte ich schon etwas glücklicher sein). Ich rede hier im Allgemeinen von fleißigen und aktiven…

              Welche Grenze wird denn hier von wem und wie definiert?

              • RK sagt:

                Anhand ihrer Antwort sieht man, wie tiefgreifend das „Austrichtern“ der schon vor über 100 Jahren ganz nüchtern und wissenschaftlich erkannten Basiselemente funktionierenden Wirtschaftens geschritten ist. Das betrifft nicht sie als Person, es ist wirklich ein Generations-übergreifendes Problem. Man glaubt ja heute immer noch, das Wirtschaftswunder kam erst nach 1945 durch Erhard.

                Grenznutzen heißt in der Praxis: So etwas wie Preisstabilität gibt es nicht, kann es nie geben, wird es nie geben! Weil alles einem Grenznutzen unterliegt, der ganz individuell und auch noch änderbar ist.

                Jeder zwanghafte Versuch dieses Naturgesetz abzustellen, wird in ökonomischen Verwerfung und Fehlnutzung/ Verschwendung von Ressourcen führen.

                Schauen sie sich die Zentralbanken an, was passiert denn bei dem Versuch, „Preisstabilität einer Währung“ zu erreichen.

                Genau da ist das Problem. Kommt natürlich die Frage, wie kriegt mans ökonomisch dann stabil?

                Antwort: Nur der Durchschnitt gezogen aus einer größtmöglichen Varianz glättet!

            • Analitik sagt:

              „So, und wenn sie das mit dem Grenznutzen verstanden haben, können sie erklären, wie man Preisstabilität erreicht oder mit einem staatlich ausgearbeiteten 5 Jahresplan einen VEB produktiv bekommt.“

              Gegeben in der Realität:
              – Kommunistische Wirtschaftsform in der Sowjetunion,
              – mit Wachstumsraten teilweise im zweistelligen Bereich,
              – über viele Jahrzehnte hinweg, inklusive mehrerer Landwirtschaftsreformen, Industrialisierung und weltführender Hochtechnologien. Alles entstanden in der Phase der kommunistischen Wirtschaftsform.

              Ich war nicht im Planungsbüro und kann Ihnen nicht sagen, wie man das bewerkstelligt hat. Aber es ist Realität. Von uns beiden sind Sie der bessere Grenznutzen-Experte. Wie erklärt die Grenznutzen-Theorie, was in der Realität passiert ist?

              PS: Mit dem plötzlichen Auftauchen von Preisstabilität kann ich noch nichts anfangen. Warum sollte das ein Ziel sein?

              • RK sagt:

                @ Analitik

                „Wie erklärt die Grenznutzen-Theorie, was in der Realität passiert ist?“:

                Wurde bereits erklärt.

                „Mit dem plötzlichen Auftauchen von Preisstabilität kann ich noch nichts anfangen. Warum sollte das ein Ziel sein?“:

                Wo habe ich gesagt, dass Preisstabilität das erklärte Ziel sei, noch von einem plötzlich Auftretenden selbiger gesprochen?

                Ihr gegebenen Kennzahlen aus der UDSSR können sie knicken. Das Überleben dieser Ökonomie war nur möglich weil Ressourcen anderer Gebiete geplündert werden konnten, um das eigene Defizit zu überstrecken. Finanzpolitische Überschuldung oben drauf. Schauen sie sich den Zusammenbruch an, und was dann freigelegt gewesen ist. Ist ähnlich wie im Frühling, wenn der Schnee schmilzt.
                Es gab keine Ressourcen mehr, die ausgeplündert werden konnten.

                Der Kommi und das fängt schon bei Marx an, hat das grundsätzliche Problem, das er von einem Mehrwert ausgeht, der ja nur richtig verteilt werden müsste. (Armut ist nur falsch verteilter Reichtum)

                Das Mehrwert aber erst mal erzeugt werden muss, und nicht einfach so vom Himmel fällt, und diese Erzeugung ganz bestimmt und unabdingbare Voraussetzungen braucht, will in so einen Kopf einfach nicht rein.

              • Analitik sagt:

                Ich sehe schon, wir werden uns nicht einig.

                „Wurde bereits erklärt.“

                Wo?

                „Wo habe ich gesagt, dass Preisstabilität das erklärte Ziel sei, noch von einem plötzlich Auftretenden selbiger gesprochen?“

                Aus Ihrem Kommentar zur Erinnerung:
                „Grenznutzen heißt in der Praxis: So etwas wie Preisstabilität gibt es nicht, kann es nie geben, wird es nie geben! Weil alles einem Grenznutzen unterliegt, der ganz individuell und auch noch änderbar ist.“

                Preisstabilität ist in Ihrem Kommentar plötzlich aufgetaucht. Sie schreiben, es kann sie nicht geben, was darauf hindeutet, dass es ein unerreichbares Ziel ist. Ich habe keine Ahnung, wie Sie überhaupt auf diese Variable kommen. Ich weiss auch nicht, wofür oder wogegen Sie damit argumentieren oder wie Ihr Zitat was widerlegen oder belegen soll. Meine Überlegungen spielen sich auf einer anderen Ebene ab. Daher meine Nachfrage.

                „Ihr gegebenen Kennzahlen aus der UDSSR können sie knicken. (…)“

                Enttäuschen Sie mich nicht. Sie verlassen das Feld der Analyse und betreten gehässige Ideologie. Dort können Sie sich ohne mich austoben.

              • RK sagt:

                Sie haben das leider mit dem „knicken“ falsch verstanden.

                Das heißt nicht, dass diese statistischen Zahlen nicht existent waren. Es geht mir dabei darum, ob eine kommunistisch organisierte Ökonomie aus sich selbst heraus so ein Wunderwerk aufstellen kann. Und das kann sie eben nicht.

                Bei den USA war das übrigens nicht viel anders. Durch den Kalten Krieg waren sie gezwungen einen riesigen Militärhaushalt permanent aufzustellen. Dieser Haushalt hat zwar tonnenweise Jobs am laufen gehalten und auch West Europa konnte in diese Geldmassen gut reinverkaufen. Der „Kernantrieb“ war aber wertlos. Was willst auch anfangen mit 10.000 B52 Bombern, die auf einem Parkplatz stehen.

                Die USA waren am Ende des Kalten Krieges auch kaputt, aber nur finanziell. Die UDSSR und Blockstaaten finanziell und mit ihrer Industrie.

                Das finanzielle Desaster des Kalten Krieges seitens der USA badet der Planet heute noch aus. Um das zu beseitigen wurde losgebubbelt mit Alan Greenspan und dann kam schon die Saving and Loan Krise, dann die Internetblase, Subprime Krise. Die platzenden Bubbles stopfen das Finanzloch des Kalten Krieges.

                Bzgl. Grenznutzen und Preisstabilität muß ich sie leider auf die Postings davor verweisen, denn es ist da beschrieben und einfacher gehts leider nicht.

              • Analitik sagt:

                „Es geht mir dabei darum, ob eine kommunistisch organisierte Ökonomie aus sich selbst heraus so ein Wunderwerk aufstellen kann. Und das kann sie eben nicht.“

                Sie behaupten, dass die Realität nicht real ist.

                „Die USA waren am Ende des Kalten Krieges auch kaputt, aber nur finanziell. Die UDSSR und Blockstaaten finanziell und mit ihrer Industrie.“

                Das ist falsch. Den Industrielevel von 1991 hat Russland erst vor ein bis zwei Jahren wieder erreicht. Das heutige Russland als industriell kaputt zu bezeichnen ist unseriös. Die UDSSR war auch finanziell nicht kaputt. Sie wurde in den letzten Jahren ihrer Existenz gezielt kaputt gemacht. Haben Sie sich mal informiert über das Finanzmodell der Sowjetunion? Man findet sehr schwer Informationen dazu, selbst im russischsprachigen Internet. Das wenige, was ich bisher gefunden habe, haut aber von den Socken. Das sowjetische Finanzsystem war in sich geschlossen und stabil, bedurfte aber der Einhaltung einiger elementarer Regeln, um nicht zu kollabieren angesichts der kapitalistischen Konkurrenz. Unter Gorbatschow wurden diese Regeln gezielt verletzt.

              • RK sagt:

                Haben sie sich mal vor Ort die „Industrieparks“ und „Gewerbegebiete“ angeschaut nach Ende des kalten Krieges, wie es da aussah in dem „roten Block“.

                In sich geschlossen und stabil? Also sowas kann nur jemand schreiben, der dann auch nachfragen muß, was VEB eigentlich heißt.

                Lassen wir das an der Stelle. Viel Erfolg noch mit dem Blog.

              • Analitik sagt:

                „Haben sie sich mal vor Ort die „Industrieparks“ und „Gewerbegebiete“ angeschaut nach Ende des kalten Krieges, wie es da aussah in dem „roten Block“.“

                Und? Eine Nullaussage, zu der sich jeder selbst herbeiphantasieren soll, was gemeint ist. Bennen Sie die Dinge konkret, dann können wir darüber reden.

                Die Infrastruktur und Industrie des „roten Blocks“ ist bis heute in Gebrauch. Die Ukraine als leuchtendes Beispiel lebt industriell bis heute (!) fast komplett von der Hinterlassenschaft aus Sowjetzeiten. Seit der Unabhängigkeit wurde da nichts gemacht. Und wenn die rasende Deindustrialisierung seit 2014 nicht wäre, würde die Ukraine noch heute Flugzeuge, Raketen und andere hochkomplexe Industriegüter herstellen – alles in direkter Folge der sowjetischen Hinterlassenschaften, die Sie ohne Angabe von Belegen schlechtreden.

                Die Schwächen der kommunistischen Wirtschaftsform liegen nicht, wie Sie behaupten, in dem was sie errichtet hat (genau hier hat sie sogar ihre Stärken), sondern in dem, was sie unterlassen hat.

                „In sich geschlossen und stabil? Also sowas kann nur jemand schreiben, der dann auch nachfragen muß, was VEB eigentlich heißt.“

                Zum zweiten mal schon werden Sie ausfallend und wollen mir die Kenntnis selten benutzer Abkürzungen als Kompetenzmaßstab unterjubeln. Argumentieren Sie lieber in der Sache.

    • Tja RK, der sprach doch der saarländische Dachdecker: “ Aus unseren volkseigenen Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen!“, auf das der kluge Tischler Tag für Tag zum volkseigenen Pförtner mit einer Schubkarre voller Sägespäne kam; „Halt, Kontrolle!“ und irgendwann kam der, als wohl Letzter, auf die Frage: “ Was klaust Du eigentlich Kollege?“ – “ Na‘ Schubkarren“! Noch Fragen?

      • ansa sagt:

        auch wenn ich mit Deiner art zu schreiben nicht ganz einverstanden bin ( muss ich ja auch nicht ) so huscht mir doch ab und an ein Lächeln übers Gesicht und erinnert mich irgendwie an York’s Kommentare beim Saker , die ich mit Vergnügen lese!

        • Tja Ansa, dessen Vorfahren liegen seit ca. 500 Jahren auf seinem heimatlichen Friedhof nähe Wartburg, während meine nach dem 1560 verloren Kampf gegen die katholische Maria STUART ins damals offene Litauische Großreich an die Memel ins Pruzzenland flüchten mußten vs. konnten und für das folgende empfehle ich Ihnen wärmstens „Preußen“ Christopher CLARK! Noch Fragen?
          Mit Gruß an YORK
          RRD

          • Stephan Colbert sagt:

            Herr Davideit, da ich keine Schlacht 1560 wie beschrieben fand, bin ich in Amboise gelandet. Wo bin ich denn falsch abgebogen?

            • Tja Colbert, Ihr berühmter Namensvetter war, wie die sich drüber vor der Pleite rettenden FUGGER, im Gegensatz zur HANSE mit ihrer Lichtan-Lichtaus-Buchung, mit der Doppik (s. „Prolog“ meiner Theorie der Paradigmen -TdP), wohl sehr vertraut und ich hoffe mal, das Sie in Anbesicht meiner Wenigkeit, meinen Vorfahren eine zumindest vergleichbare Intelligenz (nicht Intellektualität) zutrauen würden! Noch Fragen?

              • Stephan Colbert sagt:

                Ja Davideit, ich kenne natürlich den (unseren scherzhaften) Familienspruch: „Hätte ich für Gott so viel getan wie für diesen Mann, so wäre ich zehnfach gerettet.“ Und ja – ich hab mich verlesen: Sie sagten Kampf, ich verstand Schlacht.
                Grüßen Sie den lust und listigen York!

              • Tja Colbert, wurde vor Jahr & Tag (der hervorragende Theoretische Physiker Ilja SCHMELZER, bzgl. de BROGLIE-Führungswelle, war es als Dritter im Bunde beim SAKER nicht!),rausgeschmissen, aber mit dem Einstieg von RUSSOPHILUS, hatten sich meine Zweizeiler bzgl. pot. Trolle eh‘ erledigt! Noch Fragen?

  8. Wie versprochen ANALITIK: „Raubzug OST“ betrachte ich unter dem Zeitfenster etwas differenzierter; der Erfolg von Rußlandraub, basiert auf dem SU-Selbstverständnis (Tonnenideologie) bzgl. Leichtindustrie und genau auf diesen Markt, haben sich die Enkel der NEP „Ist der Laden noch so klein, bringt er mehr als Arbeit ein!“,über den Komsomol, aus den Kombinaten heraus, spätestens ab dem Mineralsekretär mit guten Voraussetzungen regelrecht gestürzt! Noch Fragen?

  9. CGB sagt:

    Hallo Analitik,
    „Der Kapitalismus stützt sich hierbei auf das tiefe Bedürfnis des Menschen, in der gesellschaftlichen Hierarchie nach oben zu streben.“ Korrekt, sieht auch Christoph Deutschmann so. Nach ihm besteht in Deutschland Sorge hinsichtlich des Wirtschaftswachstums, da die „Aufstiegsdynamik“ der Unteren nicht mehr gegeben sei.

    Das Scheitern des Kapitalismus wird von den Marxisten generell prognostiziert – der Marxist Rudi Hilferding argumentierte im Herbst 1931 auf der Geheimkonferenz der Friedrich-List Gesellschaft (über Möglichkeiten und Folgen einer Kreditausweitung) genau so (interessanterweise im Gleichklang mit dem „neoliberalen“ Argentarius (Alfred Lansburgh). Beide argumentierten vehement gegen den Lautenbach-Plan. Der Rest der Geschichte ist bekannt.
    Wenn sie mich fragen, befinden sich die Marxisten, Feministen, Linksgrünsozialen vor den Karren der Neoliberalen gespannt (ohne es zu merken).
    Kapitalimus funktioniert, wenn er unter einer sozialen Komponente reguliert wird (vgl. „Soziale Marktwirtschaft“ – diese war gestern).
    Der Kapitalismus scheitert, weil er scheitern soll! Stephan Schulmeister weist auf das tatsächlich strukturelle Problem hin (vgl. Der neoliberale Wechselschritt) – die sinkenden Realinvestitionen der Unternehmer (zu Gunsten steigender Finanzinvestitionen). Der EU ist die Thematik bekannt, nichts wird dagegen unternommen, im Gegenteil. Kann sie auch nicht, sie ist (globalen) Finanzinteressen hoffnungslos unterlegen.

    Bloß meine Perspektive darauf.
    Herzliche Grüße
    CGB
    P.S. RRD bitte ersparen sie sich eine Sinnlos-Kommentierung, die fast 😉 nur sie verstehen. Danke für ihr Verständnis, keine Fragen!

  10. Ulli sagt:

    Hi ANALITIK,

    „Werfen wir die künstlich aufgebauschten ideologischen Unterschiede beiseite und arbeiten uns gleich zum entscheidenden Unterschied von Kapitalismus und Kommunismus durch. Im Kapitalismus sind die Produktionsmittel in Privatbesitz, im Kommunismus sind die Produktionsmittel in Gemeinbesitz.“

    Das ist schon richtig. Aber Du solltest zuvorderst die Frage beantworten: wieso weißt die kommunistische Wirtschaftsorganisation denn überhaupt der Übertragung der Produktionsmittel an die Produzenten als Gemeinbesitz einen solch hohen Stellenwert zu?

    • Ulli sagt:

      Sorry … Muss natürlich ‚weist‘ anstelle von ‚weißt‘ heißen. Beim Nachlesen gerade darüber gestolpert.

  11. Nur mal zur Info sagt:

    Der Kommentarbereich ist ein Zoo für bezahlte Trolle!

  12. Heinz Göd sagt:

    Der Artikel bringt eine sehr interessante Sichtweise auf WirtschaftsSysteme,
    angenehm unvoreingenommen und vorurteilsfrei.

    „Intensive Bewirtschaftung des Bodens hat ein Problem. Sie laugt die Böden aus und irgendwann bricht die Ernte weg. Dieses Problem wird in einer Hochkultur dadurch verschärft, dass durch die
    Entstehung der Städte der natürliche Stoffkreislauf – Düngen durch Scheißen auf das Feld – ausgehebelt wird. Geschissen wird woanders, als der Dünger gebraucht wird. Das Problem ist übrigens nach wie vor aktuell, wir haben es bis heute nicht gelöst. Wir kompensieren es dadurch, dass wir Dünger industriell herstellen.“
    Dieser Sachverhalt wird von den meisten Menschen übersehen oder gar nicht erkannt.
    Auch von den meisten Wissenschaftlern. Die suchen nach schwarzen Löchern im Weltall, aber die lebenserhaltenden Kreisläufe unseres Raumschiffs Erde kennen wir nur ansatzweise bis gar nicht.
    Möglicherweise haben wir bereits schon ein Problem mit unseren NutzBöden, siehe
    http://www.sswm.info/sites/default/files/toolbox/UNEP%20et%20al%201997%20soil%20degradation.png
    http://www.desertifikation.de/faktensammlung/fakten-degradation/
    Ausgezehrte Böden liefern nur nährstoffarme – also minderwertige – Nahrungsmittel,
    was schleichend zu Krankheit und Degeneration bei den Menschen führt.
    Obst und Gemüse verlieren an Qalität
    Die üblichen Dünger enthalten vornehmlich Stickstoff und Phosphor, sie ersetzen aber nicht die von den Pflanzen entnommenen Spurenelemente.
    Im ‚Modell 2069‘ ist für dieses Problem ein Lösungsvorschlag
    http://www.members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html#Modell2069
    ‚Am einfachsten erreicht mensch einen Kreislauf,
    wenn mensch auf dem Grundstück lebt, von dem er lebt.‘
    Das ist zwar eine über mehrere 100 000 Jahre bewährte Lebensweise, aber im Augenblick nicht ‚in‘ –
    das könnte sich aber mit der nächsten gröberen Krise ändern, siehe
    http://www.konjunktion.info/2016/01/systemfrage-die-usa-als-zentrum-des-globalen-wirtschaftlichen-zusammenbruchs/
    Besser wäre natürlich Einsicht bevor eine Krise kommt.
    Im Krieg und auch noch kurz danach war die Ernährungslage kritisch.
    Ich bin in einem Haus mit einem kleinen Gemüse- und Obst-Garten aufgewachsen. Wenn ich Hunger hatte, konnte ich im Garten einen Kohlrabi abschneiden oder eine Möhre zupfen oder Zuckererbsen abreissen oder einen Apfel(Birne, Zwetschke, Marille) pflücken oder den Hühnern ein Ei stehlen. Dadurch war ich in bester gesundheitlicher Verfassung. Mein Banknachbar in der Schule ist in dieser Zeit in einer größeren Stadt aufgewachsen und hatte eine faustgroße Vertiefung beim Brustbein – Rachitis wegen Mangelernährung.
    In Krisenteiten ist ein Stück Land mehr als Goldes wert.

  13. Sören sagt:

    Hallo Analitik,

    Es gibt technische Bestrebungen zur völligen Kontrolle bzw anpassbaren Kontrollmöglichkeit. Ein anderes Wort dafür ist die 4. industrielle Revolution oder Wirtschaft 4.0. Im folgenden Kommentar wird das bildhaft ausgeführt.

    http://www.iknews.de/2014/12/21/offtopic-2-7/comment-page-77/#comment-210578

    Der Kommentator formuliert amerikazentriert bzw. dunkel oder bedrohlich insofern dies kommen wird. Vom Vorstellungsvermögen ist das realistisch, es ist für deren „Organisatoren“ ein Geschäftsmodell für quasi „Arbeitsloses Einkommen“.

    Wenn beschränkte zukünftige Ressourcen verwaltet werden müssen, ist dies doch die Technik der Wahl.
    Jedoch tritt in diesen Szenarien nicht die Öffentlichkeit als Regulator auf, sondern mächtige private Verwalter, bzw. mächtige private Dienste.

    Zu meiner Frage:
    Wie werden Ihrer Meinung nach diese Technologien überhaupt „demokratisch“ gesteuert werden können?
    Dazu wären ja geschaffene ähnlich gleichstarke mehrere globale Zentren notwendig.

  14. Analitik sagt:

    „Wie werden Ihrer Meinung nach diese Technologien überhaupt „demokratisch“ gesteuert werden können?“

    Indem man sie in Gemeineigentum nimmt.

    „Dazu wären ja geschaffene ähnlich gleichstarke mehrere globale Zentren notwendig.“

    Wir sind schon auf dem Weg dahin.

    Mit dem verlinkten Kommentar kann ich nicht sehr viel anfangen. Vernetzung ist nicht das Problem. Vernetzung ist unvermeidlich. Je größer die Bevölkerungsdichte auf der Erde, desto größer ist die Vernetzung der Menschen und aller menschlicher Organisationen, die wirtschaftlichen eingeschlossen. Dass es eine Hierarchie geben wird, bei der die einen Steuern und die anderen ausführen, ist auch nicht das Problem – das ist seit dem Übergang zur Landwirtschaft nie anders gewesen und die Menschheit ist daran nicht zerbrochen und die Menschen auch nicht.

  15. Politicus sagt:

    Scheele gestern im Interview im DLF.

    Seit 8 Jahren bin ich am Arbeitsmarkt tätig und kann behaupten, die Führungsebene der Bundesagentur für Arbeit mit ihren Jobcentern LÜGEN. Sie redet der Politik ins Maul damit die Damen und Herren ein gemütliches auskommen auf ihren bequemen Sesseln haben. Kritische Mitarbeiter werden gekündigt und öffentlich Diffamiert.
    Wenn das mit den 700 000 neuen Arbeitsplätzen JÄHRLICH stimmen würde, dann hätten wir Vollbeschäftigung.

    Jobbörse der AfA Stand heute:
    2 981 673 Bewerberprofile stehen gegen 1 054 966 offene Stellen.

    Das offene Stellen, durch das System Leiharbeit (dank dem Superminister Clement, der heute sein erbärmliches da sein im ADECCO Aufsichtsrat sich versüßt) und private Arbeitsvermittler, bis zu 50 mal pro reale Stelle in der Jobbörse, von da hat der gute Scheel seine Zahlen, ausgeschrieben sind, davon erzählen die Lügner der BA nichts.

    Hier die neueste aussage der AfA

    Der deutsche Arbeitsmarkt kann rund 350.000 Flüchtlingen aufnehmen. So hoch ist laut Arbeitsagentur auch die Zahl der anerkannten Asylbewerber, die in diesem Jahr Ausbildung und Arbeit in Deutschland suchen werden.
    Die Bundesagentur für Arbeit hält den deutschen Arbeitsmarkt für stark genug, um eine große Zahl von Flüchtlingen aufnehmen zu können. „350 000 Flüchtlinge jährlich sind für den deutschen Arbeitsmarkt rein quantitativ derzeit kein Problem, denn jährlich entstehen rund 700 000 Arbeitsplätze neu“, sagte BA-Vorstand Detlef Scheele der „Welt“ (Montag). Eine Konkurrenz zu arbeitslosen Deutschen sieht er im Regelfall nicht: „Dafür ist die Gruppe der Migranten zu klein.“

    Wie ich längst schrieb, egal von welcher Seite ich die Welt betrachte es gibt keine friedliche Rettung.

  16. Politicus sagt:

    Da ist mir ein Fehler unterlaufen…..So ist es korrekt

    Seit 8 Jahren bin ich am Arbeitsmarkt tätig und kann behaupten, die Führungsebene der Bundesagentur für Arbeit mit ihren Jobcentern LÜGEN. Sie redet der Politik ins Maul damit die Damen und Herren ein gemütliches auskommen auf ihren bequemen Sesseln haben. Kritische Mitarbeiter werden gekündigt und öffentlich Diffamiert.
    Wenn das mit den 700 000 neuen Arbeitsplätzen JÄHRLICH stimmen würde, dann hätten wir Vollbeschäftigung.

    Jobbörse der AfA Stand heute:
    2 981 673 Bewerberprofile stehen gegen 1 054 966 offene Stellen.

    Das offene Stellen, durch das System Leiharbeit (dank dem Superminister Clement, der heute sein erbärmliches da sein im ADECCO Aufsichtsrat sich versüßt) und private Arbeitsvermittler, bis zu 50 mal pro reale Stelle in der Jobbörse, von da hat der gute Scheel seine Zahlen, ausgeschrieben sind, davon erzählen die Lügner der BA nichts.

    Scheele gestern im Interview im DLF.

    Der deutsche Arbeitsmarkt kann rund 350.000 Flüchtlingen aufnehmen. So hoch ist laut Arbeitsagentur auch die Zahl der anerkannten Asylbewerber, die in diesem Jahr Ausbildung und Arbeit in Deutschland suchen werden.
    Die Bundesagentur für Arbeit hält den deutschen Arbeitsmarkt für stark genug, um eine große Zahl von Flüchtlingen aufnehmen zu können. „350 000 Flüchtlinge jährlich sind für den deutschen Arbeitsmarkt rein quantitativ derzeit kein Problem, denn jährlich entstehen rund 700 000 Arbeitsplätze neu“, sagte BA-Vorstand Detlef Scheele der „Welt“ (Montag). Eine Konkurrenz zu arbeitslosen Deutschen sieht er im Regelfall nicht: „Dafür ist die Gruppe der Migranten zu klein.“

    Wie ich längst schrieb, egal von welcher Seite ich die Welt betrachte es gibt keine friedliche Rettung.

  17. ped43z sagt:

    „Der Kapitalismus stützt sich hierbei auf das tiefe Bedürfnis des Menschen, in der gesellschaftlichen Hierarchie nach oben zu streben.“

    Ich würde es anders ausdrücken, denn so wie sie steht, suggeriert uns die Aussage eine gewisse Alternativlosigkeit, die ich nicht teile.

    Kann es sein, dass wir natürlicherweise ÜBERHAUPT NICHT SO ticken – nämlich in Macht und Herrschaft – und wir deshalb über Gesellschaftsmodelle so diskutieren, weil die Grundlage dafür immerfort und auf subtil vielfältige Weise in unseren Köpfen gewalttätig(!) implementiert wird?

    Aus diesem Grund ändere ich obige Aussage mal ein wenig:
    —-
    Der Kapitalismus stützt sich hierbei auf das permanent eingeimpfte und in dieser Form unnatürliche Bedürfnis des Menschen, in der gesellschaftlichen Hierarchie nach oben zu streben.
    —-

    Eng damit zusammen hängt unser Besitz- und Eigentums-Verständnis. Durch Gier als gesellschaftlich anerkannte Verhaltensnorm füttert (zumindest in der „Ersten“ Welt) die Masse der Menschen ein System, welches die menschliche Gesellschaft als Ganzes in eine neue Steinzeit überführen könnte.
    Nichts anderes sind Sprüche wie „Geiz ist Geil“ oder der unzählige Male pro Tag hingenommene „Preisvorteil“, der über Egotismus Blut und Tränen ausblendet, die mit dem „Vorteilsangebot“ verbunden sind.

    http://peds-ansichten.de/2015/10/werbung-und-konsum-zwei-seiten-einer-medaille/

    @RK: Sie haben es auf den Punkt gebracht:
    „Was ist das mit dem Grenznutzen? Ganz blöd ausgedrückt, auch ein Millionär ißt nur ein Schweinebraten am Tag.
    Sie haben Hunger, kaufen sich ein Schnitzel, dass kostet 5 Euro, es sättigt sie. Wieviel wären sie jetzt bereit für ein zusätzliches Schnitzel auszugeben? Nochmal 5€, ok. Und für ein drittes?

    Selber Effekt tritt auch bei Arbeitszeit und Lohn ein. Sie arbeiten 20 Tage im Monat, haben 10 Tage frei, erhalten 2000,-€ (Also 100€ pro Arbeitstag). Wieviel muß man ihnen zahlen, dass sie bereit sind 1 weiteren Tag zusätzlich zu arbeiten, also nur noch 9 Tage im Monat für Frau, Kinder und Privates haben? 100,- zusätzlich? Würden sie auch für 700,-€ zusätzlich, ihre freien Tage auf 3 reduzieren? “
    ……………….

    Systeme ändern sich – aus meiner Sicht – nur dann, wenn auch geistige Grundhaltungen sich ändern. Davor aber scheuen die meisten dann doch zurück. Wenn sich die Frage (über die reine Überlebensfrage hinaus, das ist unstrittig) nicht mehr stellt, für wieviel Geld man seinen Anspruch auf ein selbstgewähltes glückliches Leben aufgibt, um sich der Knechtschaft des Geld-Fetischs zu unterwerfen, dann ist der Punkt erreicht, bei dem man auch über struktuelle Änderungen reden kann.

    Danke allen für die außerordentlich interessanten Beiträge!
    VG ped43z

    • Analitik sagt:

      „Kann es sein, dass wir natürlicherweise ÜBERHAUPT NICHT SO ticken – nämlich in Macht und Herrschaft – und wir deshalb über Gesellschaftsmodelle so diskutieren, weil die Grundlage dafür immerfort und auf subtil vielfältige Weise in unseren Köpfen gewalttätig(!) implementiert wird?“

      Leider kann das nicht sein. Das Streben, vor und über den Artgenossen zu stehen (zumindest in bestimmten Situationen), als erster an begrenzte Resourcen zu kommen, ist definitiv da. Es ist sehr viel älter als der Mensch, ein biologisches Erbe. Es ist nicht einmal eine Erfindung der Säugetiere (die wir sind), sondern die ersten Säugetiere vor über hundert Millionen Jahren hatten das von ihren Vorfahren geerbt. Es ist eine überaus archaische Eigenschaft, mit der wir leben müssen.

      Man muss sie auch gar nicht verdammen. Wir leben erfolgreich damit und pflanzen uns hübsch fort. Die Bildung von Hierarchien ist im übrigen _konfliktreduzierend_. Wären wir zu Hierarchiebildung nicht in der Lage, wären die Ressourcenkonflikte um ein vielfaches blutiger und häufiger.

      Was man dem Kapitalismus aber sehr wohl vorwerfen kann, ist dass er dieses Bedürfnis (nennen wir es plakativ Egoismus-Bedürfnis) auf den Thron setzt und ihm huldigt, anstatt eine mäßigende Beeinflussung anzustreben. Denn auch wenn unsere Biologie so ist wie sie ist – man kann ihre Wirkung kulturell verstärken oder abschwächen. Und gerade Egoismus ist eine Eigenschaft, die keine natürliche Schranke kennt, im Gegensatz zu vielen anderen biologischen Bedürfnissen. Deswegen sind kulturelle Schranken für Egoismus so wichtig.

  18. ped43z sagt:

    @Analitik

    > Leider kann das nicht sein.

    Warum? Sie schreiben es doch selbst:
    —-
    Das Streben, vor und über den Artgenossen zu stehen (**zumindest in bestimmten Situationen**), als erster an begrenzte Resourcen zu kommen, ist definitiv da.
    —-

    In allem was Sie nachfolgend schreiben, stimme ich Ihnen zu. Aber dass wir ein solches Verhalten womöglich nur **in bestimmten Situationen** zeigen, darüber lohnt es nachzudenken.

    Keinesfalls blende ich aus, dass wir biologische Wesen sind. Und unsere Sinne, die auf Wahrnehmung, unbewusst – affektiv und damit effektiv reagieren, haben eine enorme und positive Bedeutung. Es sind Überlebenswerkzeuge. Und sie werden natürlicherweise angewandt, wenn sie tatsächlich benötigt werden.

    Aber es gibt mehr – nicht nur beim Menschen. Auch andere höhere Säugetiere zeichnen sich durch mehr als nur unbewusste oder auch rationale Handlungen aus – und darum geht es.

    Schauen wir uns unsere innere „Verarbeitungskette“ an, könnte man sie vielleicht so definieren:

    1. Reiz
    2. Wahrnehmung
    3. Sinne
    4. Emotion
    5. Verstand
    6. Vernunft

    Wenn wir bei Vernunft stehen bleiben, dann sehe ich ihre Annahme übrigens als vollumfänglich richtig(!), aber ist die Vernunft das Ende der Kette?

    Ich setze mal Reiz und deren Wahrnehmung durch unsere Sinne als selbsterklärend voraus (auch wenn das durchaus nicht so ist 😉 und schaue mir die Emotionen an.

    Das sind – komplexe, in weiten Teilen genetisch präformierte Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben, um bestimmte Anpassungsprobleme zu lösen und dem Individuum ein schnelles und der Situation adäquates Handeln zu ermöglichen. Emotionen „warten“ in der Halle des Unterbewussten (mal eher dämmernd herum lümmelnd, mal voller Erwartung) und „bewerten“ die eingegangenen Informationen. Informationen, welche eine Emotion ansprechen, die also zu einer Emotion „passen“, wie ein Schlüssel, regen diese Emotion an. Das Stirnhirn (präfrontaler Cortex) integriert die aus der Halle des Unbewussten rufenden Emotionen und kann sie in bestimmtem Maße auch kontrollieren.

    Hier möchte ich auf etwas aufmerksam machen:
    —-
    Emotionen die übermäßig oft angeregt werden, erliegen einer Konditionierung und sind dann dauerhaft hellwach. Das kann u.U. für einen Menschen auch gefährlich werden (Stichworte: Überlastung, Stress, Psychosen, es gibt auch für Gesellschaften den sehr bezeichnenden Ausdruck **Kriegspsychosen**). Wir können Emotionen nicht wirklich unterdrücken, allenfalls verbergen.
    —-

    Ich meine schon, dass unsere Emotionen in völlig unnatürlicher Weise angeregt werden, wir viel zu oft und zu lange in Stress sind, weil wir entsprechend getriggert werden. Nehmen wir (und ich schaue auf unsere Gesellschaft hier) die überlebenswichtigen Dinge raus, wage ich zu behaupten, dass mehr als 80 Prozent unserer Kaufentscheidungen, rein emotional angelegte Entscheidungen sind – und zwar bewusst mit Vorsatz erzeugte Emotionen. Kriegsbereitschaft im Menschen wird übrigens genauso hergestellt und seien wir uns gewahr, dass das ein unterbewusster Prozess in uns ist.

    Aber – dazu weiter unten mehr – wir können unsere Emotionen verstehen und aus ihnen lernen. Aber wir haben ja den Verstand, bringt der uns weiter?
    —-
    Verstand ist das Substantiv zu „verstehen“ von althochdeutsch „farstān“ mit der ursprünglichen Bedeutung „davor stehen“ (wodurch man z. B. eine Sache genau wahrnehmen kann), was von Anfang an im übertragenen Sinn („begreifen“, „durchschauen“) verwendet wurde.[Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache]
    —-

    Das „Ver“ kommt in diesem Zusammenhang also aus dem Altdeutschen „far“ wie „davor“. Der Verstand ist mit der Genese des Tieres Mensch gewachsen und wird durch die Kette (sehr vereinfacht) Wahrnehmung – Emotion – Präfrontaler Cortex angeregt. Der Verstand ist eine jedem Menschen innewohnende Fähigkeit, allerdings von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Verstand lernt durch Erfahrung, wobei auch die Lernfähigkeit stark zwischen den Individuen divergiert und durch vielfältige Komponenten beeinflussbar ist.

    Damit ist der Mensch als **biologisches Wesen** weitgehend komplett; oder doch nicht ganz, denn da gibt es ja noch die Vernunft:
    —-
    Vernunft ist das geistige Vermögen des Menschen, Einsichten zu gewinnen, Zusammenhänge zu erkennen, etwas zu überschauen, sich ein Urteil zu bilden und sich in seinem Handeln danach zu richten [Der Duden]
    —-

    Ohne Vernunft hängt der Verstand in der Luft. Die Vernunft erst erlaubt kreatives Handeln, sie schließt kognitives Denken ein, kann verschiedene Sichten und Handlungsebenen überschauen und in einen gemeinsamen Kontext bringen. Handlungen beruhen allgemein auf Erkenntnissen und sind das Ergebnis des Zusammenspiels von Verstand und Vernunft.

    Und noch immer bin ich bei Ihnen, Analitik!
    Das Folgende aber ist es wert, mehr als einmal gelesen zu werden:
    —-
    All das bisher Beschriebene ist absolut lebensnotwendig und „funktioniert“ auch ohne Gewissen. **Gerade Psychopathen agieren oft sehr vernünftig, manche sagen auch, pragmatisch oder konsequent oder kompromisslos. Sie handeln extrem rational**.
    —-

    Und das war’s? Sind wir alle Psychopathen? Natürlich nicht, Schätzungen sprechen von drei bis sechs Prozent „Hardcore“-Psychopathen (immer noch erstaunlich viel). Ich weiß, ich lehne mich ziemlich weit heraus – postuliere es aber als die meinige Ansicht. Diese Welt, in der wir leben, ist psychopathisch gesteuert und die Ideologien, welche den Sozialdarwinismus, den Neoliberalismus, das konkurrierende Wesen des Menschen als das „Normale“ postulieren, sind Manipulationswerkzeuge um ganze Gesellschaften in pathologischem Sinne zu steuern.
    Meinen Sie wirklich, das ist natürlich?

    Was unterscheidet uns denn von Psychopathen?

    Das Gewissen – und das kann nur greifen, wenn es zuvor eine Selbstreflexion gegeben hat. Dazu sind Psychopathen nicht fähig. Und ab hier baut sich bei mir nun ein anderes Menschenbild auf.
    —-
    Selbstreflexion bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, über die eigene Situation nachzudenken. Reflexionen von äußeren oder inneren Beobachtungen können als Chancen zum Erkennen von Problemen und Ansatzpunkten für Veränderungen angesehen werden. Selbstreflexion setzt das Vermögen zur differenzierten Selbstbeobachtung und eine gewisse Distanz zu sich selbst voraus.
    [http://lexikon.stangl.eu/7084/selbstreflexion/]
    —-

    Selbstreflexion hängt eng mit Empathie (Selbstempathie) zusammen und beschreibt die Fähigkeit, zu seinen Gefühlen, zu seinem tiefsten Innern zu stehen, OHNE dabei seine Persönlichkeit bedroht zu fühlen. Damit ist ein gewissermaßen objektiver Blick von außen auf das eigene Ich möglich. Die mögliche Kritik an sich selbst führt nicht zum Konflikt mit der eigenen Persönlichkeit. Man kann auch sagen, Selbstreflexion ist der Mut in den anderen hineinzuschauen und Empathie ist die Kraft, das was man dort erkennt, wahrzunehmen UND auszuhalten.

    Wir sind der Selbstreflexion, die z.B. ein grenzenlos egoistisches Verhalten verhindert, allesamt fähig (wie gesagt, Hardcore-Psychopathen ausgenommen). Selbstreflexion ist beim Menschen völlig normal. Aber sie kann blockiert werden. Propaganda einschl. Werbung z.B. verhindert wirkungsvoll Selbstreflexion, das sind Gewaltakte, die auf unser Unterbewusstes zielen!

    Die uns innewohnende Selbstreflexion erlaubt uns Empathie – womit wir eben keine Humanroboter sind, die in dem einen System so funktionieren und in dem anderen wiederum anders (es lohnt sich die Geschichte der RAND-Corporation und die von John Nash zu erforschen), willen- und seelenlos und auf die reinen Überlebenstriebe konditioniert, das kann man aber mit Menschen machen, wenn man deren Empathie unterdrückt.

    Die Empathie ist jedoch das, was unser alltägliches Leben tatsächlich ausmacht (und man lebt sie beileibe nicht nur in Wohlfühlatmosphäre, empathische Menschen sind kein Idealtypus):
    —-
    Von kognitiver Empathie spricht man, wenn man wahrnimmt, was in einem anderen vorgeht, jedoch ohne dabei die emotionale Reaktion seines Gegenübers zu zeigen. Dazu gehört z.B. auch die Anwendung eines Persönlichkeitsmodells. Zur kognitiven Empathie gehören aber auch unbewusste, intuitive Bestandteile, so lange sie auf rationalen Abläufen im Gehirn basieren. Kognitive Empathie bedeutet also, dass man versteht, was in einem anderen vorgeht.
    —-
    Von emotionaler Empathie spricht man, wenn man die Gefühle eines anderen annimmt – im wahrsten Sinne des Wortes. Man fühlt das, was auch der andere fühlt. Emotionale Empathie ist also dasselbe wie Mitgefühl, Mitleid oder auch die Teilhabe an der Freude anderer. Emotionale Empathie wird oft auch affektive Empathie genannt.
    [http://www.empathie-lernen.de/empathie-definition]
    —-

    Selbstreflexion kann so im Zusammenspiel mit der Empathie auch affektives Verhalten auswerten (sowohl das Eigene als auch das Anderer) und uns befähigen bis zu einem gewissen Maße besser mit unseren und anderen Gefühlen umzugehen (z.B. um zu verhindern, dass unsere Gefühle andere Menschen verletzen).
    —-
    Das Gewissen ist eine emotionale Reaktion auf die eigenen Handlungen, Worte und Entscheidungen. Es definiert, ob wir eine Entscheidung für gut oder schlecht befinden, da wir uns auf die eine oder andere Weise damit identifizieren können.
    [http://www.psychologie-studieren.de/glossar/gewissen/]
    —-

    Dass der Mensch, trotz seines natürlichen Egotismus (das t in der Mitte gehört dort hin), in seinem Wesen empathisch und kooperativ ist, selbst in lebensbedrohlichen Situationen, statt egoistisch, rücksichtslos und konkurrierend, dafür gibt es unzählige Beispiele.

    Die Protagonisten dieses umfassend ausbeuterischen und zelbstzerstörerischen Systems ziehen jedoch alle Register, um den Menschen einzutrichtern, dass stattdessen ihr Verhalten (das der Psychopathen) normal ist. Sie können es ja auch gar nicht anders, denn sie sind unfähig zur Selbstreflexion, also können sie auch nicht irren – sie sind Gott (aus ihrer Sicht folgerichtig). Sie drehen die Dinge einfach um, schaffen ihre Wahrheit und bemächtigen sich unserer Hirne – und schaffen es, unsere Schwächen auszunutzen, sodass wir ihre Gedanken annehmen (weil unterbewusst), wehe wenn wir das nicht erkennen.

    Abschließend möchte ich sagen, dass ich dem Kapitalismus nichts vorwerfe und ich meine, wir sollten erkennen, dass wir das System in unserem Kopf tragen. Wir kämpfen sinnlos, wenn wir das System im Kopf schonen, uns selbst außen vor lassen. Übrigens, wer sich jetzt fragt, ob er vielleicht auch ein Psychopath ist, kann beruhigt sein – eine solche Frage stellen sich Psychopathen nicht.

    Vielleicht können sie jetzt auch erahnen, warum sich mir die Frage Kapitalismus oder Kommunismus nicht stellt. Ich sehe das Problem woanders – was die Lösung allerdings auch nicht trivial werden lässt. Aber die Ideen der „Big Bangs“, der revolutionären Umstürze haben für mich etwas von diesem Menschentyp, den man eher nicht als Nachbar haben will…

    Ich hoffe, dass es nicht zu ausschweifend war und nehme ihren eventuellen Rüffel mit Haltung an.

    Herzliche Grüße
    ped43z

    • Analitik sagt:

      Ich bin mit Ihnen weitgehend einverstanden. Dass unsere heutige Gesellschaft Psychopaten in Spitzenpositionen befördert, ist bereits durch wissenschaftliche Studien bekräftigt. Dass wir Menschen nicht nur Egoisten sind, sondern auch viel Mitmenschliches in uns haben, steht außer Frage.

      Zu einer Sache möchte ich eine Anmerkung machen:
      „In allem was Sie nachfolgend schreiben, stimme ich Ihnen zu. Aber dass wir ein solches Verhalten womöglich nur **in bestimmten Situationen** zeigen, darüber lohnt es nachzudenken.“

      Die Situationen lassen sich konkretisieren: beschränkte Ressourcen, die nicht für alle ausreichen. Schon überall im Tierreich sieht man Konkurrenzkämpfe unter Artgenossen („ich zuerst!“ bzw. „nur ich, du nicht!“) fast nur in solchen Situationen. Das ist bei uns Menschen nicht anders. Nun ist es aber so, dass der Zustand beschränkter Ressourcen bei uns ein permanenter ist. Das Bedürfnis, sich gegen Artgenossen durchzusetzen, wird permanent getriggert.

      Das war nicht immer so. In der Phase des Wildbeutertums lebten noch so wenige Menschen auf der Welt, dass sie einander schlicht aus dem Weg gehen konnten und jeder trotzdem bekam, was er wollte. Einzige ernsthafte Ausnahme war der Konkurrenzkampf um das andere Geschlecht. Tatsächlich zeigt die Forschung, dass es unter Wildbeutern keine Kriege gab und unter den Mitgliedern eine vorbildliche Gleichheit von Rechten herrschte. An Raum und Nahrung standen mehr Ressourcen zur Verfügung, als man brauchte. Damit gab es keine zwingenden Konfliktgründe. Im Konfliktfall musste niemand eskalieren, man konnte einfach ausweichen – Ressourcen waren ja da.

      Ab einer gewissen Bevölkerungsdichte hat sich das Blatt gewendet. Die frei herumliegenden Ressourcen reichten nicht mehr für alle. Jetzt mussten Ressourcen durch Arbeit erschlossen werden (Landwirtschaft). Seitdem ist Ressourcenknappheit permanent und wir müssen permanent dagegen anarbeiten. Die „bestimmte Situation“, von der die Rede war, ist für uns Menschen also längst dauerhaft und daran wird sich vorerst nichts ändern. Ich hätte präziser schreiben sollen, dass in bestimmten Sitationen (Bevölkerungsdichte nicht ressourcenausschöpfend) das „Egoismus-Bedürfnis“ stumm bleiben darf. Heutzutage ist das die Ausnahme, nicht die Regel. In den übrigen Situationen (Bevölkerungsdichte ressourcenausschöpfend) muss das Egoismus-Bedürfnis häufiger zum Einsatz kommen.

      Aber wie Sie richtig schreiben, sind wir Menschen sehr wohl befähigt, damit umzugehen. Klar ist aber auch, dass der Stresslevel für alle Beteiligten proportional zu Bevölkerungsdichte und Ressourcenknappheit steigt. Burnout wird inzwischen zur Volkskrankheit. Und wir sind als Menschheit ja auch schon nah dran am Limit, an dem es so ungemütlich wird für alle, dass wir die weitere Vermehrung einstellen werden.

  19. ped43z sagt:

    @Analitik

    sehr herzlichen Dank erstmal für Ihre Replik. Überhaupt ist der Ansatz, den Sie für den Artikel gewählt haben, spannend und fördert Diskussion wie Erkenntnis.

    Insbesondere die Gedanken über das Wildbeutertum (ein mir völlig neuer Begriff) sind sehr interessant. Aber auch hier möchte ich etwas gegenüber (nicht dagegen!) stellen. Es gibt bereits in biologischen Systemen (Gesellschaften „unterhalb“ der des Menschen) Mechanismen, die verhindern, dass es zu Nahrungsknappheit und dem damit (möglicherweise!) beginnenden Kampf um die eingeschränkten Ressourcen kommt. Populationen von Säugetieren (nachgewiesen hat man es z.B. bei Feldmäusen) senken oder heben ihre Fruchtbarkeit und steuern so die Zahl ihrer Nachkommen – abhängig vom Nahrungsangebot. Bei den Frühmenschen – meine ich – hat es so einen Mechanismus auch gegeben. Sie haben zwar immer neue Gebiete der Erde besiedelt, aber sich dort nicht maßlos vermehrt, eher stellte sich irgendwann ein natürliches Gleichgewicht, der verschiedenen Lebensformen einschl. des Menschen heraus.

    Dass es zum Kampf, zu Aggressivität kommen kann, als einer Möglichkeit, die Tieren (zu denen der Mensch ja auch gehört) zur Verfügung steht, um das Überleben zu sichern steht außer Frage. Aber dass dieses Verhaltensmuster zwangsläufig als Folge von Knappheit eintreten muss, bezweifle ich – selbst bei Säugetieren und Vögeln. Die Dinge sind komplex, bei Greifvögeln bspw. läuft das Ganze über Kainismus, bzw. die Elterntiere füttern „pragmatisch“ nur ihre stärksten Nachkommen, statt in aggressive Konkurrenz zu den Artgenossen zu treten. Ich widerspreche Ihnen damit ausdrücklich nicht, möchte Ihre Ausführungen dazu nur etwas relativieren.

    Manchmal – es geschieht selten, was ich gut verstehe – erzählt mir meine Mutter über ihre Erlebnisse als Kriegskind. Wie sie mit ihren Geschwistern und ihrer kranken Mutter mit dem Pferdewagen wochenlang in Eiseskälte unterwegs war. Meine Mutter war damals sechs Jahre alt. Die Menschen froren, erfroren, weil es nichts zum Heizen und nicht genug Decken gab, sie hungerten. Jeden Tag sah sie Menschen sterben. Kinder wurden im Schneesturm geboren und Tage später am Straßenrand abgelegt, den begraben konnte man sie nicht. Die Menschen waren zu schwach und die Böden gefroren. Und trotzdem spricht meine Mutter dann immer voller Dankbarkeit von – menschlicher Wärme, Hilfe, Aufopferungsbereitschaft. Die Menschen hatten fast nichts – und teilten es. Das passt nicht zum sozialdarwinistischen Bild des Menschen, der in Mangelsituationen zum Raubtier mutiert.

    Und das ist das wahre Leben. Sicher gab es damals auch in den Trecks Psychopathen; aber sie spielten überhaupt keine Rolle, es waren Neutrums. Entscheidend für das Überleben war die Empathie! Es war sogar so, dass in dieser Extremwelt, ein Psychopath ganz schnell erkannt wurde…
    Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für Empathie in Extremsituationen sind die dramatischen Ereignisse um Fuerza-Aérea-Uruguaya-Flug 571. Und das, obwohl die Menschen, um zu Überleben, Kannibalismus betrieben. Wie sie aber diesen „Prozess“ lebten, zeugt von Menschlichkeit, Gefühlen und rein gar nicht von egoistischer rücksichtsloser Überlebensmentalität.

    Schauen wir auf unsere gegenwärtige menschliche Welt ist doch eines auffällig: Dort wo der Mangel am größten ist (ich schaue da auf Schwarzafrika), gibt es die höchsten Geburtenraten! Gleichzeitig registriert man dort die (prozentual) höchste Kindersterblichkeit, überhaupt eine extrem niedrige Lebenserwartung. Hier sehe ich den natürlichen Mechanismus, die Population in eine ebenso natürliche Balance zu den Umgebungsbedingungen zu halten, außer Kraft gesetzt. Als ob, gerade wegen der hohen Sterberate mehr Kinder geboren werden.

    Vor allem aber sind die Menschen dort in Massen zunehmend entsozialisiert – und die Sozialisierung ist der wichtigste Baustein für empathisches Verhalten!. Genau aufgrund dieser Entsozialisierung nehmen Menschen Verhaltensweisen an, die raubtierhaft, hochgradig egoistisch, gewalttätig sind. Sie wurden so konditioniert und da sehe ich das mich immer wieder so verstörende Werk von Psychopathen umgesetzt. Denn diese Menschen müssen sich Mitmenschen nach dem eigenen Bilde schaffen, damit jene funktionieren wie sie selbst.

    In Afrika herrscht also der größte Mangel – aber wo kommt er her? Wird der Mangel nicht künstlich erzeugt? Wer initiiert diesen Mangel? Man hat herausgefunden, dass die Technologien des Hochmittelalters bereits genügten, mehr Menschen mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen, als damals existierten. Da hatte der Kapitalismus seinen (vermeintlichen) Siegeszug noch gar nicht angetreten. Und selbst heute, in einer Welt die mir menschlich überbevölkert scheint, könnten alle Menschen satt sein, ohne dass der Planet geplündert würde. Der Mangel, der in unsere Köpfe argumentiert wird, ist scheinbar. Wie sagte ich im vorigen Post? Psychopathen erzeugen ihre eigene Welt. Ich erweitere das und sage: Psychopathen schaffen eine Welt des Mangels! Der Mangel ist künstlich erzeugt – in jeder Hinsicht.

    Wir haben doch hier keinen Mangel! Untersuchungen haben ergeben, dass 40 Prozent unserer Nahrungsmittel „in der Tonne landen“ – in welcher auch immer. Die Menschen in Afrika hungern nicht, weil es so viele sind, sondern weil die gierig gehaltene Gesellschaft der Ersten Welt deren wirtschaftliche Grundlagen zerstört hat.

    Wir sind schon nah beieinander, daher zitiere ich Sie auch noch einmal:

    „Nun ist es aber so, dass der Zustand beschränkter Ressourcen bei uns ein permanenter ist. Das Bedürfnis, sich gegen Artgenossen durchzusetzen, wird permanent getriggert.“

    und setze das gegenüber:

    Nun ist es aber so, dass der Zustand beschränkter Ressourcen bei uns künstlich und permanent aufrecht erhalten wird. Das Bedürfnis, sich gegen Artgenossen durchzusetzen, wird permanent getriggert.

    Und der albernste Mangel – der von „Experten“ als unvermeidbar und (schein-)wissenschaftlich uns immer wieder neu aufs Brot geschmiert wird, damit wir bei der vermeintlichen Mangelbehebung immer weiter mitmachen um so im Sinne der Gier unsere eigenen Lebensgrundlagen unreflektiert und maßlos zu plündern – ist der einer Illusion an sich – des Geldes.

    Viele Grüße
    ped43z

    • Analitik sagt:

      „Populationen von Säugetieren (nachgewiesen hat man es z.B. bei Feldmäusen) senken oder heben ihre Fruchtbarkeit und steuern so die Zahl ihrer Nachkommen – abhängig vom Nahrungsangebot. Bei den Frühmenschen – meine ich – hat es so einen Mechanismus auch gegeben.“

      Frühmenschen kannten pflanzliche Verhütung und haben, wenn das nicht gegriffen hat, mit Kindstod reagiert. Das sind bereits zwei Methoden. Hinzu kommt, dass Stress sich bereits auf tiefer biologischer Ebene negativ auf die Fruchtbarkeit auswirkt. Je schwerer die Lebensbedingungen, desto weniger Kinder können überhaupt gezeugt werden. Im Extremfall verlieren Frauen ihre Periode und bilden sich bei Männern die Hoden zurück (bei Häftlingen auf unteren Hierarchiestufen sehr häufig zu beobachten).

      „Die Menschen hatten fast nichts – und teilten es. Das passt nicht zum sozialdarwinistischen Bild des Menschen, der in Mangelsituationen zum Raubtier mutiert.“

      Ihnen fehlt noch ein Puzzlestück: Die Unterschiedung „meine Clique“ – „nicht meine Clique“, oder, etwas brutaler: Freund – Feind. Mitglieder der eigenen Gemeinschaft verdienen unsere Hilfsbereitschaft, die Feinde verdienen Härte. Der Konkurrenzkampf um Ressourcen verläuft gegen den Feind. Soziales Verhalten gibt es für Freunde.

      Jeder Mensch hat viele solche Clique-Grenzen. Situativ wird eine davon ausgewählt. Die Holländer zum Beispiel sind „Feinde“, wenn es ein Fußballspiel Deutschland – Holland gibt. Hingegen sind die Holländer „Freunde“, wenn es darum geht, gemeinsam gegen Russland zu hetzen. Die gleiche Person bzw. der gleiche Personenkreis kann also situationsbedingt auf unsere Hilfe zählen oder auf harten bis hin zm tödlichen Konkurrenzkampf. Wir sind sehr flexibel. 🙂

      Die Hilfe in großer Not, die Sie beschreiben, geschieht innerhalb der Gruppe „Freund“. Das ist kein Widerspruch zur Konkurrenzmentalität, die Konkurrenz ist ja auf „Feind“ gerichtet, in diesem Fall also inaktiv.

      Und noch ein Aspekt: Der Wille, sich durchzusetzen, kann vorübergehend gebrochen werden. Ihr Beispiel ist aus genau so einer Situation. Man hat gegen einen äußeren Feind gekämpft, hat verloren und wird apathisch. Da ist nichts mehr mit Kampf, da ist Unterwerfung angesagt. Das ändert sich aber wieder, sobald man sich berappelt hat. Wir sind flexibel.

      „Schauen wir auf unsere gegenwärtige menschliche Welt ist doch eines auffällig: Dort wo der Mangel am größten ist (ich schaue da auf Schwarzafrika), gibt es die höchsten Geburtenraten!“

      Das ist ein spannender Punkt für sich! Landwirtschaft ist eine Wirtschaftsform, bei der viele Kinder nützlich sind. Es waren wiederum die Völkerkundler, die ausgerechnet haben, dass ein Kind in einer frühen Landwirtschaftsform die Kosten seiner Erziehung mit 14 Jahren bereits amortisiert hat, weil es mit 7 schon auf dem Feld zu arbeiten anfängt. Ab dann bringt das Kind der Familie Reingewinne ein. Viele Kinder sind also gut. Im Gegensaz dazu müssen Kinder in Industriegesellschaften inzwischen fast 30 Jahre mitgezogen werden, bis sie auf den eigenen Beinen stehen. Dann zahlen sie nicht direkt in den „Familienfond“ ein, weil wir keine Großfamilien mehr haben. Und am Ende hängt nicht mal die Altersversorgung von den Kindern ab. Aus ökonomischer Sicht sind Kinder in modernen Industriegesellschaften eine Belastung. Entsprechend sind die Geburtenraten bei uns.

      „Wird der Mangel nicht künstlich erzeugt? Wer initiiert diesen Mangel?“

      Wir erzeugen ihn. Denken Sie an das „meine Clique – fremde Clique“ Schema. Wir sorgen für Überfluss bei uns und erzeugen dafür Mangel bei den Fremden. Das ist der Konkurrenzkampf. Viel von diesem Kampf wurde inzwischen von der persönlicher Ebene auf die Ebene nationaler und supranationaler Strukturen verlagert. So merken Sie davon wenig, aber der Kampf ist da und er ist unerbittlich. Dafür, dass Sie sich eine Jeans für 10 Euro kaufen können, müssen am anderen Ende der Welt Frauen und Kinder in sklavenähnlichen Zuständen arbeiten. Wo ist denn Hilfsbereitschaft in dieser Beziehung von fremdländischen Sklaven und uns hiesigen Konsumenten?

  20. ped43z sagt:

    @Analitik

    Danke für den Diskurs! Ich steige nochmal an dieser Stelle ein.

    Auf meine Einsicht: „Die Menschen hatten fast nichts – und teilten es. Das passt nicht zum sozialdarwinistischen Bild des Menschen, der in Mangelsituationen zum Raubtier mutiert.“

    antworteten Sie: „Ihnen fehlt noch ein Puzzlestück: Die Unterscheidung „meine Clique“ – „nicht meine Clique“, oder, etwas brutaler: Freund – Feind. Mitglieder der eigenen Gemeinschaft verdienen unsere Hilfsbereitschaft, die Feinde verdienen Härte. Der Konkurrenzkampf um Ressourcen verläuft gegen den Feind.“

    Dieses Puzzlestück habe ich nicht ignoriert, die meinige Sicht ist nur eine Andere. Im Alltag haben die Menschen normalerweise kein Freund-Feind-Muster! Ein Feind-Muster versinnbildlicht Gefahr, bringt uns in Stress und in die Lage, erfolgreiche Abwehrstrategien umzusetzen. Der Alltag aber ist durch Vertrauen und Mitnahme geprägt – und ich wiederhole – so ist es eigentlich normal. Nicht normal ist, wenn der Alltag geprägt ist durch das immerwährende Triggern von Feindmustern. Darauf zielt meine Argumentation. Denn im Kriegsmodus, in dem wir hier permanent gehalten werden, da schauen wir selbstredend nach Verbündeten um den (scheinbar) gemeinsamen Feind zu entgehen oder zu bekämpfen. Ihr Zitat beschreibt Folgen – aber von was? Ich meine, es hat Sinn, hier mal über die Emotion Angst zu reden:
    —-
    „Angst ist ein völlig normales, ja unbedingt notwendiges emotionales Wesensmerkmal des Menschen… erzeugt durch alarmierende bedrohliche Ereignisse. Und wir wissen, dass Bedrohungen real aber auch imaginär sein können. Im Alltagsleben gibt es für eingebildete Gefahren unzählige Beispiele. Steht Jemand unverhofft hinter einer Tür, wird man erschrecken, ein hinter dem Rücken geplatzter Luftballon aktiviert über den Angstreiz alle Alarmsysteme ebenso wie ein Glasboden durch den man hunderte Meter tief in einen Canon schauen kann (obwohl man weiß, dass man keine Angst haben muss, ist sie trotzdem da, auch sehr bemerkenswert).
    Natürlich gibt es da auch Assoziationen in unserem Kopf, die logisch erklären, warum ein Mensch das als Bedrohungslage fühlt.
    … Halten wir einfach fest, dass unser Lebenserhaltungssystem regelmäßig Fehlalarm auslöst, unser Angst-Zentrum (so will ich es mal nennen) also vergackeiert wird, dies mehr oder weniger NICHT durch bewusstes Zutun anderer Menschen und völlig normal.
    Angst ist ein Alarmsystem, der Betroffene gerät in Stress, der Blutdruck steigt, die Pupillen weiten sich, Muskeln kontrahieren, Botenstoffe werden ausgeschüttet. Das ganze System Mensch gerät an seine Grenzen, um der Bedrohung entgehen zu können. Er ist auf schnelles instinktives Handeln ausgerichtet, die Ratio wird unterdrückt, es ist keine Zeit Entscheidungen auf ihre Sinnhaftigkeit(!) zu prüfen. Ein faszinierendes System, effizient und erfolgreich. Natürlich kann dieser Stresszustand nicht über längere Zeit aufrechterhalten werden, denn er zehrt an den Ressourcen des Körpers wie des Geistes.
    Geschieht es aber, wird der Mensch also ununterbrochen im Zustand der Angst gehalten, erfährt der Mensch das, was auch mit anderen permanent überlasteten Systemen geschieht: Er gerät in Gefahr geschädigt zu werden, erst an der Seele, dann am Körper. Und er wird von der Emotion der Angst gefangen gehalten, er wird nicht in der Lage sein, sich über den rationalen Teil seines Gehirns – über Reflexion(!) – aus dem emotionalen Angszustand zu befreien.
    Der Mensch wird von der Emotion beherrscht, sein gesamtes Handeln unterwirft sich den Botschaften, die emotional gespeichert sind und nun pausenlos abgerufen werden. Dauerhafte Angst deformiert. Die Ursachen können mannigfaltig sein, aber das will und kann ich hier nicht näher erläutern. Vielmehr will ich darauf hinleiten, dass ein solcher Zustand auch manipulativ herbeigeführt werden kann. Denn das Problem ist:
    Natürlich kann man Angst auch ganz bewusst auslösen!

    Quelle: http://peds-ansichten.de/2015/04/die-angst-und-der-krieg/

    —-

    DAS ist für mich der springende Punkt, denn nur wenn wir Angst haben, können wir überhaupt Krieg führen! Und diese ganze Gesellschaft läuft im permanenten Angstmodus. Ich finde Ihren beispielhaften Hinweis auf die Sicht Fußball und dann Russland in diesem Zusammenhang ausgesprochen treffend. Einmal ist es ein konkurrierendes Spiel (erneut mein Hinweis auf Nash) und dann bitterer Ernst. Die Menschen können sich aber überhaupt keine Situationen mehr vorstellen, in denen es nicht gegen irgendetwas geht – und sind sich andererseits ihres Verhaltens gar nicht bewusst. Im Gegenteil, sie sollen es auch gar nicht.

    Den Bezug den Sie hier hergestellt haben – woanders mag das stimmen, im konkreten Fall – meine ich – aber nicht:
    —-
    „Die Hilfe in großer Not, die Sie beschreiben, geschieht innerhalb der Gruppe „Freund“. Das ist kein Widerspruch zur Konkurrenzmentalität, die Konkurrenz ist ja auf „Feind“ gerichtet, in diesem Fall also inaktiv.“
    —-

    Das Freund-Feind-Bild entwickelt sich aus der durch Angst getriggerten Kriegsbereitschaft und ist GEGEN etwas gerichtet. Das von mir beschriebene Beispiel zeigt aber Menschen, die in gemeinsamer Not FÜR etwas tun. Das Freund-Feind-Bild greift hier einfach nicht – aus einem sehr wichtigen Grund: In Freund-Feind-Bildern wird der Feind entmenscht, denn normalerweise ist der Mensch nicht in der Lage seine eigene Spezies anzugreifen. Er muss dafür über seinen Egotismus die Empathie verschütten, erst dann ist er kampf- und tötungsbereit. Das ist weit weg von dem, was ich in den zwei Beispielen aufzeigte.

    Sehr wichtig ist der von Ihnen noch aufgezeigte Aspekt:
    —-
    „Der Wille, sich durchzusetzen, kann vorübergehend gebrochen werden. Ihr Beispiel ist aus genau so einer Situation. Man hat gegen einen äußeren Feind gekämpft, hat verloren und wird apathisch. Da ist nichts mehr mit Kampf, da ist Unterwerfung angesagt.“
    —-

    Wie gesagt, auf mein Beispiel bezogen halte ich es nicht für zutreffend, aber etwas anderes hat außerordentlich große Relevanz: Kampf und Unterwerfung.

    Denn Angst bedeutet eben auch existenzieller Kontrollverlust, mit der erkannten Gefahr als Ursache. Dem versuchen wir zu entgehen oder wir bekämpfen es. Der Kampf um Wiederherstellung von Kontrolle ist ein Kampf um Macht. Machtdenken hat seine fruchtbare Quelle in Angstgefühlen. Hier erkennen wir übrigens wieder den Unterschied des Psychopathen zu seinen Mitmenschen. Denn der Psychopath ist immerfort in der einzigen Angst, Kontrolle zu verlieren, er darf auf keinen Fall Macht verlieren, das trifft seine Persönlichkeit ins Mark.
    Nein, ich bin nicht der Ansicht, dass unser (eigentlich) normaler Lebensmodus in den Kategorien Macht und Unterwerfung läuft. Das passiert nur dann, wenn wir tatsächlich in Gefahr geraten oder aber wir darauf konditioniert werden – und das ist leider Realität in dieser Gesellschaft.

    Was den Mangel betrifft, sehen wir das schon sehr ähnlich. Aber auch künstlich geschaffener Mangel (und das ist er), der ja erst einmal ein Gefühl im Menschen ist, wurde durch Manipulation erzeugt und sie haben da auf einen Knackpunkt hingewiesen – unser unreflektiertes, egotistisches Kaufverhalten, unser Konsumdenken – als Kriegsursache.

    Danke Ihnen!
    VG ped43z