Petrorubel kommt

Sie haben bereits vom Petrodollar gehört. Die USA haben die Welt gezwungen, alles Petroleum (Erdöl) in Dollar zu kaufen und zu verkaufen. Das bedeutet, dass die Nachfrage nach Dollar immer sehr hoch ist. Das bedeutet, dass die USA fast beliebig viel Geld drucken können, ohne eine Inflation zu befürchten. Etwa 80% des Welthandels wird in Dollar abgewickelt. Dollar ist die Weltwährung.

Jedes andere Land, das Unmengen von Geld druckt, erleidet eine massive Inflation. Wenn die USA Unmengen von Geld drucken, gibt es auch eine Inflation, aber sie verteilt sich auf die gesamte Welt, weil die gesamte Welt Dollars benutzt. Die ganze Welt bezahlt die Exzesse der USA mit. Das ist wie eine verdeckte Steuer. Ein gigantisches Machtinstrument.

Die USA schützen den Petrodollar. Wer auf die Idee kommt, sich vom Dollar unabhängig zu machen, muss sterben. Wörtlich. Saddam Hussein wollte das Öl seines Landes nicht mehr gegen Dollar verkaufen. Er musste sterben. Muammar Gaddafi wollte das Öl seines Landes nicht mehr gegen Dollar verkaufen. Er musste sterben. Aber der Trend ist unaufhaltsam.

Russland und China arbeiten darauf hin, ihren Ölhandel vom Dollar abzukoppeln. 2014 wurde ein großer Schritt getan. Die Mega-Öl-Deals zwischen Russland und China sollen in Rubel und Yuan abgewickelt werden. Aber dieses Öl fließt erst in ein paar Jahren.

Noch in diesem Jahr startet Russland testweise den Verkauf einer eigenen Rohölsorte gegen Rubel. Es gibt weltweit eine Reihe von Rohölsorten, die sich in ihren chemischen Eigenschaften unterscheiden. Die beiden wichtigen Referenzsorten sind Brent (Nordseeöl) und WTI (US-Öl). Andere Sorten sind häufig unmittelbar an den Preis der Referenzsorten gebunden, je nach Qualität mit einem Abschlag oder einem Aufpreis versehen. Das gilt auch für die russischen Sorten. Heißt konkret: Wenn die Ölpreise für die Referenzsorten sinken, sinken automatisch auch die Preise für das russische Öl. Und sie ahnen es schon… die Preisbildung der Referenzsorten erfolgt ausschließlich an westlichen Ölbörsen. Der Westen kann also an seinen Börsen die Ölpreise nach oben oder unten manipulieren und der Rest der Welt wird davon automatisch mit betroffen.

Das ist so, als wenn Sie bei Ihrem Nachbarn ein Kilo Äpfel von seinem Apfelbaum kaufen wollen und sich dabei am Apfelpreis richten müssen, denn ich in einem fernen Land festgelegt habe. So funktioniert derzeit der Verkauf von Öl (und vielen anderen Produkten).

China arbeitet schon daran, eine eigene Ölbörse einzurichten, um die Preisbildung des Öls selbst mitzubestimmen. Der Preis wird außerdem nicht in Dollar festgelegt, sondern in Yuan. Ein Angriff auf den Petrodollar.

Russland macht jetzt auch den nächsten Schritt und startet den Verkauf einer eigenen Rohölsorte. Die Preisbildung erfolgt in Russland und das Öl wird gegen Rubel verkauft. Das sind erst einmal nur Testverkäufe, um die technischen Details auszuprobieren und die dabei auftretenden Probleme zu erfassen und zu korrigieren. Der vollwertige Verkauf ist für Ende 2016 geplant.

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass der Handel zwischen Russland und anderen Staaten nicht mehr zwingend an die in den USA festgelegten Ölpreise gebunden ist. Die USA können den WTI-Preis in den Keller drücken, aber wenn die russischen und chinesischen Händler der Meinung sind, dass die Angebot-Nachfrage-Situation in ihren Ländern einen anderen Preis rechtfertigt, dann handeln sie zu einem anderen Preis. Und vor allen Dingen handeln sie in Rubel und nicht in Dollar. Das senkt die Nachfrage nach Dollar und schwächt die Macht der USA.

Russland und China sind zu groß, als dass die USA diese Angelegenheit auf militärische Art und Weise lösen könnten, wie sie es in Irak und Libyen getan haben. Aber einfach zusehen können die USA auch nicht, denn die Verdrängung des Dollars aus dem Welthandel ist gleichbedeutend mit dem Ende der US-Weltherrschaft.

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6 Kommentare zu “Petrorubel kommt
  1. Thomas Roth sagt:

    Hallo, gutes Thema. Wieder nur so ein Testballon. nach dem August diesen Jahres dachte ich, jetzt wird die Antidollarkeule rausgeholt. Denkste! Man hält jeden Dollar, jede Anleihe. Als wenn man darauf wartet, dass der Dollar von den USA selbst zerlegt wird um dann einen richtigen Reibach mit Goldrubel und Goldrinminbi zu machen. Und damit den Amis das nicht auffällt werden jede Menge Fakes gestartet. Ob nun GUS oder Eurasische Wirtschaftsunion, ob nun AIIB oder eigene Ratingagenturen, das ist alles nichts. Was meinen Sie dazu, verehrter Analitik?

  2. Analitik sagt:

    Die Antidollarkeule _wird_ rausgeholt. Derart tiefgreifende Veränderungen geschehen aber nicht über Nacht. Es handelt sich um einen jahrelangen, womöglich einen jahrzehntelangen Prozess. Unsere stark von Emotionen gelenkte Psyche hat es einfach sehr schwer, den Verlauf solcher Veränderungen zu registrieren, _wenn wir mitten drin sind_. Rückwirkend, wenn man darüber im Geschichtsbuch liest, wirkt der Vorgang schnell und wie aus einem Guss. Aber wenn Sie mitten drin sind im Prozess, dann drängen sich zwischen zwei Dedollarisierungsnachrichten Tausende andere Themen und Eindrücke in ihr Wahrnehmungsfeld (Haus, Beruf, Familie, Hobbys usw.) und es entsteht der Eindruck, als ob die Dedollarisierung überhaupt nicht vorwärts kommt.

    Gedankenspiel: Sie verabreden sich mit jemanden für nächstes Wochenende. Sie treffen sich dann, alles ganz normal und absolut unspektakulär. Ein Neuron in Ihrem Gehirn, das diesen Prozess beobachtet, hat jede Sekunde hunderte abgeschlossene Denk- und Handlungsprozesse auf seiner Ebene. Eine Woche ist für das Neuron eine unvorstellbar lange Ewigkeit. Eine Stunde nach Ihrer Verabredung denken Sie an das bevorstehende Treffen: ah ja, in einer Woche treffe ich mich. Das Neuron in Ihrem Gehirn hat in dieser Zeit schon so viel erlebt, es hat schon vergessen, dass mal ein Treffen geplant war. Und jetzt hört es, dass das Treffen in einer Woche stattfindet. Das Treffen ist immer noch eine Woche entfernt, dabei ist schon SOOO viel passiert seit der Entscheidung! Das Neuron denkt sich, dass das Treffen in Wirklichkeit nie stattfinden wird. Das denkt es sich jeden Tag, wenn Sie an das Treffen denken, etwas dafür einkaufen, etwas dafür vorbereiten, noch einen klärenden Anruf tätigen usw. Bla bla, denkt sich das Neuron, das inzwischen schon Kinder und Enkel bekommen hat in seinem viel schnelleren Lebens- und Arbeitszyklus; das Gelaber um dieses Treffen höre ich schon mein Leben lang – es wird eh nicht stattfinden.

    Was das Neuron als zusammenhängende, planvolle und vorhersehbr zum Erfolg führende Handlungen wahrnimmt und erkennt, sind Sachen wie „kurz mit dem Auge zwinkern“, „Hustenreiz auslösen“ und derlei Kleinigkeiten.

    Sie verstehen schon. Sie sind das Neuron und die Dedollarisierung ist der Prozess, bei dem der Organismus, in dem Sie beheimatet sind, darüber nachdenkt, seine Dollar zur Bank zu bringen und gegen eine andere Währung einzutauschen. Nachdem der Organismus darüber nachgedacht hat, diskutiert es darüber mit seiner Frau, am nächsten Tag streitet es mit ihr darüber, weil man sich nicht einig wurde, am nächsten Tag spricht der Organismus mit seinem Kumpel, was der darüber denkt, und am nächsten Tag geht der Organismus zur Bank und tauscht die Dollar ein. Aus der Sicht des Organismus war die Dedollarisierung mehrere Tage lang das alles beherrschende Thema. Aus Ihrer Sicht (Sie sind jetzt ein Neuron) sind Jahre und Jahrzehnte vergangen, ohne dass sich das Thema vom Fleck bewegt hat.

    Wir Menschen sind besser dran als Neuronen. Wir haben die Möglichkeit, den Zeithorizont zu abstrahieren, uns in ein Neuron oder den Planeten Erde hinein zu versetzen und sehr kurzfristige und sehr langfristige Entwicklungen zu erkennen und zu analysieren. Es ist anstrengend. Aber für jeden gesunden Menschen, der sich anstrengt, ist es möglich.

  3. Thomas Roth sagt:

    Danke! sie können gut erklären. Danke schön dafür..

  4. Argonautiker sagt:

    Genau darin sehe ich die Gefahr, daß BRICS, Petrodollar, Goldrenminbi, etc., nichts anderes sein werden, als das Gleiche mit einem anderen Namen. Einem Diktat von oben herab, bei dem das Individuum Mensch keine Chance hat, sondern gnadenlos vermarktet und benutzt wird, nur eben auf einem anderen Marktplatz.

    Das hat auch nichts mit Multipolarität zu tun, wie es seitens des Ostens so gerne als Gegenmodell für das von der USA angestrebte Unipolare Modell vorgebracht wir. Es ist nichts anderes als die Herausforderung des Platzhirschen. Nur was wird entstehen wenn man auf diese Weise den Platzhirschen entmachtet hat?

    Leider ist auch das östliche System von einem dominieren wollen, anstatt einem miteinander Leben wollen geprägt, daß sieht man in Rußland sehr schön an Gazprom. Das Prinzip ist um keinen Deut anders. Gazprom frißt einen Konkurrenten nach dem Anderen. Rußland ist mit seinem System lediglich am Anfang, deshalb sprudelt es auch noch so schön, und die USA sind am Ende eine Systemzyklus, weshalb es System immanent übergriffig auf andere werden muß.

    Ohne Änderung des wesentlichen Prinzips, wird jedoch nach Abgrasung und Einverleibung der eigenen Marktkapazitäten, auch Rußland und China sich zum um sich greifen genötigt fühlen, und es dann wahrscheinlich eben auch tun müssen, weil das falsche System dazu zwingt.

    Ich sehe also im Aufbauen einer Konkurrenzwährung, keine wirkliche Lösung.

    Schöne Grüße aus Bremen

  5. Argonautiker sagt:

    Genau darin sehe ich die Gefahr, daß BRICS, Petrorubel, Goldrenminbi, etc., nichts anderes sein werden, als das Gleiche mit einem anderen Namen. Einem Diktat von oben herab, bei dem das Individuum Mensch keine Chance hat, sondern gnadenlos vermarktet und benutzt wird, nur eben auf einem anderen Marktplatz.

    Das hat auch nichts mit Multipolarität zu tun, wie es seitens des Ostens so gerne als Gegenmodell für das von der USA angestrebte Unipolare Modell vorgebracht wir. Es ist nichts anderes als die Herausforderung des Platzhirschen. Nur was wird entstehen wenn man auf diese Weise den Platzhirschen entmachtet hat?

    Leider ist auch das östliche System von einem dominieren wollen, anstatt einem miteinander Leben wollen geprägt, daß sieht man in Rußland sehr schön an Gazprom. Das Prinzip ist um keinen Deut anders. Gazprom frißt einen Konkurrenten nach dem Anderen. Rußland ist mit seinem System lediglich am Anfang, deshalb sprudelt es auch noch so schön, und die USA sind am Ende eine Systemzyklus, weshalb es System immanent übergriffig auf andere werden muß.

    Ohne Änderung des wesentlichen Prinzips, wird jedoch nach Abgrasung und Einverleibung der eigenen Marktkapazitäten, auch Rußland und China sich zum um sich greifen genötigt fühlen, und es dann wahrscheinlich eben auch tun müssen, weil das falsche System dazu zwingt.

    Ich sehe also im Aufbauen einer Konkurrenzwährung, keine wirkliche Lösung.

    Schöne Grüße aus Bremen

  6. Trader sagt:

    Bleibt eben zu hoffen, dass die einen den anderen moralisch überlegen sind. Sonst ist es egal, in welcher Währung gehandelt wird.

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