Die Fifa-Intrige

Die Fifa-Intrige weitet sich aus. Die Forderung: Blatter soll zurücktreten. Das fordern nun die vier großen US-Sponsoren. Das große Drama kurz zusammengefasst:

  • Die Fifa ist ein korrupter Sauhaufen. Das weiss man übrigens nicht erst seit gestern, sondern schon seit vielen vielen Jahren. Niemanden hat es ernsthaft interessiert.
  • Seit neuestem interessiert sich die US-Justiz für die Fifa-Korruption, mit besonderem Augenmerk auf Blatter. Sie fragen sich vielleicht: hä? In den USA wissen doch die wenigsten davon, dass es eine Sportart Fußball überhaupt gibt. Stimmt. Zu den wenigen gehören aber die Geheimdienste und eine deren zentraler Aufgaben besteht darin, für alle wichtigen Personen und Institutionen komprommitierendes Material in möglichst großer Menge zu sammeln, damit man diese Personen / Institutionen fest an den Eiern hält und, mangelnde Unterwerfungsbereitschaft vorausgesetzt, einen sturzwüdrigen Skandal entfachen kann.
  • Die USA haben ihre Ermittlungen, die niemanden in den USA interessieren, in die Weltpresse gepresst. Sie haben so viel Druck aufgebaut, dass die Schweiz nun auch Ermittlungen aufgenommen hat. Als ob die Schweiz vorher nicht gewusst hat, dass die Fifa Korruptions-Weltmeister ist…
  • Blatters Daumenschrauben werden weiter angezogen: Coca Cola, McDonald’s, Visa und Anheuser-Busch, allesamt Konzern-Giganten aus der USA, fordern den sofortigen Rücktritt Blatters. Damit sind die US-Unternehmen allein, wenn man dem zitierten FAZ-Artikel glauben darf. Deutschlands Adidas will Reformen, aber explizit nicht Blatters Rücktritt, Südkoreas Hyundai hat vorerst nichts zu meckern und Russlands Gasprom… nun, hier darf in einem westlichen Medium ein Seitenhieb nicht fehlen. Neutral formuliert hat Gasprom bisher auch nicht gemeckert.

Kommen wir zum interessanten Teil. „Warum sich ausgerechnet die vier in den vereinigten Staaten ansässigen Fifa-Partner offenbar zeitlich koordiniert nun von Blatter abwenden, ist unklar“, schreibt die FAZ.

Ist das wirklich so unklar? Sie sind Zeuge einer politischen Intrige. Die USA wollen verhindern, dass die Fußball-WM 2018 in Russland stattfindet. Und wenn sie doch in Russland stattfindet, soll sie in möglichst schlechtem Licht erscheinen. Die olympischen Winterspiele 2014 gaben Russland die Gelegenheit, sich der Welt positiv zu präsentieren (wenn Sie von der ARD und ZDF einen negativen Eindruck in Erinnerung haben, so vergessen Sie nicht, dass 1) man Ihnen damit in den Kopf geschissen hat und 2) Sie in der Welt eine Minderheit sind, die selbsternannte „internationale Gemeinschaft“. Im Rest der Welt gibt es würdigere Medien, die die Olympischen Spiele in Sotschi angemessen beleuchtet haben.) Eine Fußball-WM ist eine noch größere Gelegenheit. Eine Gelegenheit für Russland ist eine Katastrophe für den Westen. Wir sind mitten in einem medialen Weltkrieg. Ihr Gehirn ist das Schlachtfeld. Russland ist der größte Feind. Die Puppenspieler wollen, dass jede Erwähnung von Russland ausschließlich negativ konnotiert ist. Eine Fußball-WM derart hinzubiegen ist bei aller medialer Macht schwer bis unmöglich. Und was den größeren Teil der Welt angeht, der nicht Teil der „internationalen Gemeinschaft“ ist, sieht es für die westlichen Propaganda-Meister noch sehr viel übler aus.

Aus Sicht der USA ist es viel besser, die WM Russlands Händen zu entreißen. Mit Blatter an der Spitze der Fifa ist es unmöglich. Blatter muss deshalb weg. Der Nachfolger wird sich als Aufräumer bewähren müssen und darf gleich damit loslegen, echte oder erfundene Ungereimtheiten bei der WM-Vergabe an Russland aufzudecken. Eine mediale Hetzkampagne (ich schreibe bewusst nicht „beispiellos“, weil es schon so viele Beispiele gibt…) wird die ohnehin wackelnde Fifa dazu zwingen, die WM-Vergabe neu zu regeln.

Die Zeit ist knapp. Wenn der Skandal erst 2017 ins Rollen kommt, könnte es schon zu spät sein für das große Ziel. Üblicherweise nimmt die Vorbereitung auf eine Fußball-WM viele Jahre in Anspruch. Weniger als ein Jahr ist auch für einen Sonderfall sehr wenig. Spätestens 2016 sollte die Hütte schon lichterloh brennen.

Egal, wie es ausgeht – viel Vergnügen beim Schauspiel.

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