Ukrainischer Minister für Wirtschaftsentwicklung redet Klartext in seiner Heimat

In der Ukraine sind zahlreiche Ministerposten und noch viel mehr Stellvertreterposten und andere nicht so auffällige Positionen mit Ausländern besetzt. Einer von ihnen ist Aivaras Abromavicius, ein litauischer Finanzmanager, in der Ukraine derzeit Minister für wirtschaftliche Entwicklung.

Die Ukraine ist nicht etwa so rückständig, dass es ihr an professionellen Kadern fehlt. Es fehlt ihr aber an Kadern, die mit maximaler Dreistheit das Land ruinieren und es ans Ausland verkaufen. 

In seiner Heimat hat Abromavicius in einem Fernseh-Interview offen Stellung zu seiner „Mission“ bezogen. Um die Ukraine zu entwickeln, drängt er darauf, die Liste der knapp 1500 strategisch wichtigen und daher nicht zur Privatisierung zugelassener ukrainischer Staatsunternehmen um fast zwei Drittel zu kürzen und 927 der Unternehmen an US-Investmentfonds zu verkaufen. Rumänien dient als Beispiel.

Der Prozess läuft. Wie der Minister nun mitgeteilt hat, ist es sehr wichtig, dass die Unternehmen nicht an Ukrainer verkauft werden, sondern an „strategische ausländische Investoren“. Beispielsweise soll „Zentrenergo“ („Центрэнерго“), einer der führenden Stromerzeuger in der Ukraine, an Interessenten aus den USA und Frankreich verkauft werden.

So sieht moderner Kolonialismus aus. Die Regierung der Kolonie wird mit ausländischen Agenten vollgespickt, die darüber entscheiden, welche Leckerbissen der Kolonie an welche Vertreter der Kolonialherren verscherbelt werden. Das ist der Preis für IWF-Milliarden und die totale Rückendeckung des Westens für alle denkbaren Gräueltaten, die Kiew derzeit (mit)organisiert.

Zum ersten mal in der jungen Geschichte der Ukraine sind ihre Oligarchen außen vor, wenn Staatsbesitz veräußert wird. Der ungestümste von Ihnen, Igor Kolomojski, hat Abromavicius einen „inkompetenten Affen“ geschimpft. Hinter dem Affen steht aber die geballte Macht der USA und deswegen muss er nicht befürchten, mit zwei Kopfschüssen Selbstmord zu begehen, wie es jedem Ukrainer ergangen wäre, der sich den Oligarchen derart quer gestellt hätte.

Das einzige, was den Ausverkauf noch stört, sind die demokratischen Formalien, an deren Implementierung in der Ukraine der Westen so hart gearbeitet hat. Im Interview beschwert sich Abromavicius, dass die Hälfte der Abgeordneten aufgrund ihrer Unerfahrenheit (sie sind zum ersten mal dabei) nicht bereit sind, allen Gesetzesvorlagen einfach zuzustimmen. Sie wollen die Gesetze erst lesen, darüber diskutieren usw.

Der Minister spricht offen aus, dass er in der Ukraine nur einen zeitlich stark begrenzten Auftrag hat: „Unsere Mission ist recht kurzfristig, ich denke, sie dauert ein Jahr; wenn wir Glück haben und etwas Gutes schaffen, sind wir vielleicht noch zwei Jahre auf unseren Positionen, dann können wir sicherlich viel machen. Danach können wir ruhigen Gewissens und mit guter Reputation zurück in die Wirtschaft“.

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Ein Kommentar zu “Ukrainischer Minister für Wirtschaftsentwicklung redet Klartext in seiner Heimat
  1. raw sagt:

    Tja, die Ukrainer erwartet noch ein böses Erwachen. Wann das kommt, weiß keiner.