Die Pläne der USA mit der Ukraine

Plan A

Das Wunschszenario der USA war es, die Ukraine unter westliche Kontrolle zu bringen und dort die NATO zu stationieren. Davon träumen die Strategen. Anfang 2014 lief alles noch perfekt. Der Plan bekam seinen ersten Dämpfer, als die Krim sich von der Ukraine abspaltete und sich Russland anschloss. Militärisch gesehen ist die Krim mit großem Abstand das wichtigste Gebiet der Ukraine. Aber der vorzeitige Verlust der Krim war nur ein Dämpfer mit Hoffnung auf Wiedergutmachung. Zur Not würde der Rest der Ukraine auch reichen.

Plan A musste im Sommer 2014 fallen gelassen werden, als klar wurde, dass die blitzkriegartige Eroberung der Ukraine fehlgeschlagen war. Mit der Zeit würde es für die USA nicht besser werden, da Russland sich von der Überraschung erholt hatte und Zeit bekam, selbst aktiv zu werden. Die USA gingen notgedrungen zu Plan B über.

Plan B

Die Ukraine als Keil zwischen EU und Russland. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen EU und Russland sind so umfangreich geworden, dass diese eurasische Allianz eine Bedrohung für die Herrschaftsansprüche der USA wurde. Nach der Regel „divide & conquer“ (teile und herrsche) sollte diese Wirtschaftsallianz zerstört werden. Die EU allein und Russland allein sind keine wirtschaftliche Bedrohung für die USA. Für das Ziel der Spaltung Eurasiens war die Ukraine noch gut genug.

Problem: EU und Russland hatten nicht so recht Lust, sich zu zerstreiten. Zu dieser Zeit war schon offensichtlich, dass die EU kalte Füße im Ukraine-Konflikt bekam (die Pläne der USA blieben ihr nicht verborgen) und eine friedliche Beilegung favorisierte. Sie weigerte sich, ernsthafte Sanktionen gegen Russland einzuführen, weil sie der EU genauso schaden wie Russland selbst. Die EU musste dazu gezwungen werden, wie US-Vizepräsident Biden offen bekundete:

It is true – they did not want to do that but again it was America’s leadership and the President of the United States insisting, oftentimes almost having to embarrass Europe to stand up and take economic hits to impose cost,

(Für Verschwörungstheoretiker ein Video zum Beweis)

Wie haben die USA die EU dazu zwingen können? Plan B sah zunächst vor, dass Russland militärisch in die Ukraine einmarschiert. Das wäre in der angespannten Lage mehr als ausreichend, um Russland als bösartigen Aggressor dastehen zu lassen. Problem: Russland hatte die Falle durchschaut, setzte auf Diplomatie und machte keine Anzeichen, militärisch etwas zu unternehmen. Die USA erhöhten den Druck, indem sie die ukrainische Armee gegen die Zivilbevölkerung des Donbass vorgehen ließen, die zu großen Teilen aus ethnischen Russen besteht. Russland hatte doch angekündigt, seine Landsleute auch außerhalb des eigenen Staatsgebiets zu verteidigen? Bitte schön, Herr Putin, schauen Sie, was man Ihren Landsleuten antut! Tun Sie doch was! Ein Höhepunkt der Provokationen war der 2. Mai, als in Odessa ein Massaker an Maidangegnern praktiziert wurde. In Russland wurde es bereits in der Bevölkerung unruhig, aber Putin ging immer noch nicht in die Falle rein. Und solange Russland nicht in der Ukraine einmarschierte, sah sich die EU nicht genötigt, Sanktionen zu verhängen.

Mike Whitney, ein ausgezeichneter Beobachter, erkannte das alles schon damals und schrieb am 9. Juli 2014:

So all Putin has to do is sit-tight and he wins, mainly because the EU needs Moscow’s gas. If energy supplies are terminated or drastically reduced, prices will rise, the EU will slide back into recession, and Washington will take the blame. So Washington has a very small window to draw Putin into the fray, which is why we should expect another false flag incident on a much larger scale than the fire in Odessa. Washington is going to have to do something really big and make it look like it was Moscow’s doing. Otherwise, their pivot plan is going to hit a brick wall.

„Alles, was Putin tun muss um zu gewinnen, ist abzuwarten, denn die EU braucht Moskaus Gas. Wenn Gaslieferungen beschränkt werden, steigen die Preise, die EU rutscht wieder in die Rezession und Waschington bekommt die Schuld dafür zugesprochen. Also hat Washington nur ein sehr kleines Zeitfenster, um Putin zu zerstören, und deshalb müssen wir eine weitere false flag Operation erwarten, von sehr viel größerem Maßstab als die von Odessa. Washington wird etwas wirklich Großes tun müssen und es wird es so aussehen lassen, als ob Moskau es getan hätte. Andernfalls laufen Washingtons Pläne vor die Wand.“

Am 17. Juli 2014 war es so weit und ein Passagierflugzeug wurde über der Ukraine abgeschossen. Einen Tag später wusste die westliche Presse den Schuldigen zu benennen. Aus der medialen Kamagne gegen Russland wurde eine blindwütige Hetzkampagne gegen Putin. Die EU hat sich endlich zu Sanktionen durchgerungen. Da war er endlich, der Eiserne Vorhang 2.0.

Problem: Russland hatte genauso viele Beweise für die Täterschaft des Abschusses wie der Westen, und Russland begann nur wenige Tage nach dem Abschuss, diese Informationen häppchenweise der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Große westliche Fernseh- und Printmedien nahmen davon keine Notiz. Aber Online-Journalisten im Westen und den Menschen und Medien im Rest der Welt reichte die bloße Anschuldigung nicht aus, man verlangte Beweise für Putins Schuld. Anstatt Beweise zu präsentieren, versteckte der Westen die Beweise, verschleppte die Untersuchung (die immer noch nicht fertig ist), übergab die Black Box des Flugzeugs dem britischen Geheimdienst.

Wir müssen nicht alle Details aufrollen. Es reicht festzustellen, dass die Operation nicht so erfolgreich war wie geplant. Kiew hat die Durchführung versaut und in den Hinterzimmern der Diplomatie wedelten die Russen mit ihren Beweisen vor der Nase der westlichen Diplomaten herum. Die westliche Presse hat nach der anfänglichen Hyterie ein dickes Tuch des Schweigens über Flug MH 17 ausgebreitet. Aus Russland gelangen in regelmäßigen Abständen neue Spuren an die Öffentlichkeit, die die Schlinge um den Hals der Täter immer enger ziehen. Fakt ist, dass alle verantwortlichen Politiker bescheid wissen und der Eiserne Vorhang 2.0 deshalb nicht so eisern geworden ist, wie er hätte werden sollen.

Ende 2014 war Europa wieder so weit, sich offen für eine Entspannungspolitik einzusetzen. Hollande verkündete öffentlich, dass die Sanktionen gegen Russland sinnlos seien und aufgehoben werden müssten. Plan B war gescheitert.

Plan C

Wenn eine Kriegspartei sich im Krieg zurückziehen muss, so hinterlässt sie bei ihrem Rückzug eine möglichst große Verwüstung, um den Feinden, die das Gebiet erobern werden, das Leben möglichst schwer zu machen. Das ist Plan C. Es geht nicht mehr um Siege, es geht darum, zum Abschluss noch möglichst viel Schaden zuzufügen. Momentan können wir dieses Stadium im Ukraine-Konflikt beobachten. Aus diesem Grund bombardieren die ukrainische Armee und die Nazi-Bataillone nicht etwa militärische Ziele im Donbass, sondern die zivile Infrastruktur. Je zerstörter die Ukraine hinterlassen wird, desto größer die Bürde für Russland und EU, die als Aufbauer in Frage kommen – bzw. inzwischen nicht mehr in Frage kommen angesichts der gigantischen Kosten, die der Aufbau fordern wird. Tatsächlich wird der infrastrukturelle Aufbau wohl von China übernommen werden.

Den USA ist die Ukraine völlig egal. Je größer die Zerstörung des Landes, desto größer und dauerhafter die Wunde, die EU und Russland zugefügt wird. EU und Russland müssen mit dem Nachbarn Ukraine weiter leben und wünschen sich daher kein Schwarzes Loch als Nachbarn. Deswegen ziehen Russland und EU viel eher am gleichen Strang als EU und USA. Problem von Russland und EU: Die Kontrolle über ukrainische Militärstrukturen haben die USA. Russland und EU können wollen, was sie wollen. Die USA können (noch) in der Ukraine tun, was sie wollen.

Es gibt grob zwei Szenarien für den Rückzug der USA, die derzeit diskutiert werden.

Szenario 1) Ein stiller Rückzug, über den ein Tuch des Schweigens ausgebreitet wird, wie bei Flug MH 17. Für die ganze Welt wäre das die bessere Alternative. Es fragt sich, über welche Druckmittel EU und Russland gegenüber den USA verfügen, um sie zu dieser Lösung zu bewegen.

Szenario 2) Die Ukraine wird entlang des Dnepr in Ost und West gespalten, genau wie seinerzeit Deutschland geteilt wurde. Dazu müssen wohl die Dnepr-Brücken gesprengt werden. Das ist kein Problem. Verrückte ukrainische Nazis haben bereits Wasserkraftwerke auf ihrem Rückzug gesprengt und sie kündigen offen an, dass sie im Falle des Rückzugs eine Spur der Verwüstung hinterlassen werden (für Mariupol versprechen sie beispielsweise, den Hafen komplett zu sprengen). Alles östlich des Dnepr würde unter russische Kontrolle fallen. Die Armee Neurusslands verfügt nicht über die Mittel, einen so breiten Fluss im Krieg zu überqueren, also blieibt alles westlich des Dnepr unter westlicher Kontrolle, wohin sich die ukrainische Armee und die Nazi-Bataillone zurückziehen werden. Für die USA ist dieses Szenario viel besser und deswegen müssen wir uns leider darauf einstellen, dass genau das oder etwas ähnlich hässliches eintreten wird.

Fazit: Die USA werden versuchen, den Bürgerkrieg in der Ukraine möglichst lange währen zu lassen. Es geht nicht mehr um einen Sieg. Es geht darum, EU und Russland eine möglichst hässliche Hinterlassenschaft aufzubürden, um beide zu schwächen. Und wenn die Ukraine endgültig zusammenbricht, wird die USA versuchen, möglichst viel vom Westen des Landes unter militärische Kontrolle zu nehmen, um eine Ausbreitung des russischen Einflusses zu begrenzen. Vorbereitungen laufen schon. Pläne über internationale Schutztruppen für die Ukraine wurden auch schon in die Massenmedien eingeimpft, um die Bevölkerung auf diese Entwicklung vorzubereiten.

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