Noch mehr BBG-Leckerlis

Vor wenigen Tagen habe ich über das Broadcasting Board of Governors, eine US-Propagandabehörde, berichtet. Am Beispiel des vielgeprisenenen Doschd wurde sichtbar, dass das BBG nicht nur offen, sondern auch verdeckt Propagandakanäle im Ausland finanziert. Zu den selbstgesteckten Zielen der Behörde gehört eine „beispiellose Koordination der Nachrichten“ sowie eine straffe Kontrolle der Inhalte.

Schauen wir uns ein Beispiel der BBG-Kontrolle an. In Russland hat der US-freundliche Sender RBK (Russischer Business Kanal) eine neue Talkshow eingeführt. In der ersten Sendung traten Gäste von Voice of America (russlandfeindlich) gegen andere, russlandfreundliche Gäste an. Im verlinkten Artikel findet ein beispielloser Verriss der US-Leistung statt. Die BBG-Autoren schäumen vor Wut, weil die US-Leute die Debatte verloren haben.

Kritisiert wurde unter anderem:

When one VOA participant tried to offer some evidence of Russia’s military intervention in Ukraine, he was ineffective and appeared to be protesting too much. The Voice of America side also avoided any mention of President Putin, any historical comparisons between Putin and Stalin’s dealings with Hitler, or the negative perceptions in the U.S. of Putin’s aggressive moves against Ukraine, other neighboring countries and domestic opposition and independent media.

Mensch, diese Trottel haben vergessen, Putin mit Stalin und Hitler in Bezug zu setzen.

Für die Zukunft wird angemahnt, wie man es richtig macht, falls es die Dummköpfe noch nicht verstanden haben:

They should have somehow mentioned that although Putin has a very high approval rating in Russia, the rest of the world thinks he is a thug. They should have said that Hitler’s rating was also very high when he started to invade neighboring countries.

So streut man Putin-Hitler-Vergleiche professionell ein. Wer das noch nicht kann, hat es zu lernen.

Beachten Sie, wie viele Experten die Talkshow analysiert haben, die in Russland auf einem recht unbedeutendem Randsender gelaufen ist. Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von Voice of America, Informationsstrategen, ehmalige Diplomaten, Medien-Experten, ehemalige Kabinettsmitglieder von NATO-Staaten.

Wer im Ausland US-Gelder zur Unterstützung der „freien Presse“ bekommt, muss sich die Gaben hart erarbeiten. Die Überwachung ist massiv und bei Bedarf wird man öffentlich an den Pranger gestellt.

Das frische Talkshow-Format von RBK wurde übrigens wieder eingestampft. Der Herr gibt, der Herr nimmt.

Ein anderes Beispiel. Im Jahresbericht des BBG 1999-2000 wird der Journalist Andrei Babitsky noch persönlich hervorgehoben:

Andrei Babitsky, a veteran RFE/RL correspondent, was detained by Russian forces while reporting on the war in Chechnya in mid-January 2000. Accused by Russian authorities of participating in “an illegal armed formation.” Kremlin officials claimed on February 3 that he had been handed over to Chechen rebels in exchange for three Russian soldiers.

Babitsky muss so frei in seiner Berichterstattung sein, dass die tschetschenischen Rebellen bereit waren, drei gefangene russische Soldaten gegen ihn einzutauschen. Babitsky wurde vom BBG für seine Arbeit sogar prämiert.

2014 ist Babitsky vom Pfad der Tugend abgewichen und äußerte im US-Propaganda-Sender „Radio Swoboda“ seine Unterstützung für Putins Entscheidung, die Krim-Bevölkerung zu schützen. Die ukrainische Swoboda-Niederlassung machte einen Skandal daraus. Es endete mit Babitskys Entlassung. Auch die größte Freiheit hat ihre Grenzen in der Welt von doppelten Standards.

Dieser Artikel diente mir als Anregung.

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