Russlands demographisches Herz herausreißen

Im März 2014, als die Ukraine-Krise sich zum Kristallisationskern eines großen geopolitischen Events entwickelte, tauchte im Forbes-Magazin dieser Artikel auf, auf den ich erst jetzt aufmerksam gemacht wurde.

Der Autor schlägt vor, Russland fertig zu machen und stellt dazu einen Drei-Punkte-Plan auf. Zwei Punkte finde ich interessant:

2. We stabilize the U.S. dollar.  This would drive world oil prices down, thereby crushing Russia’s economy, export earnings, and government revenues.  (Details here.)
3. Then we rip Russia’s heart out, demographically.

Punkt 2 wurde Ende 2014 tatsächlich umgesetzt, aber die Fachleute sind sich nicht einig, ob das von den USA durchgezogen wurde oder ob der Markt von sich aus reif für einen neuerlichen Preisverfall beim Öl reif war.

Interessanter finde ich Punkt 3. Der vorgeschlagene Plan ist folgender:

Russland hat eine Bevölkerung von 142,5 Millionen. Davon sind 16,4 Millionen im Alter von 20 bis 30. Basierend auf IQ, Bildung, Aussehen, Sportlichkeit usw. werden die oberen 10% dieser Gruppe anvisiert, also 1,6 Millionen junge Russen.

Man errichte eine Website, auf der die Russen testen können, ob sie zu diesen elitären 10% gehören. Für diese wird über Facebook & Co ein Programm beworben, bei dem diese Leute 20.000 $, eine green card (Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis in den USA) und einen Arbeitsplatz in den USA bekommen.

Der Ideengeber geht davon aus, dass man eine Million aus der Zielgruppe damit ködern kann. Kosten des Programms: 20 Milliarden Dollar. Ist das viel oder wenig? Ein Kosten-Nutzen-Vergleich wird gleich mitgeliefert. 20 Milliarden seien nur 5% von Googles Marktwert. Das letzte Kriegsschiff der USA hat 13 Milliarden gekostet. Auf der Nutzenseite hat man die besten russichen Köpfe im eigenen Land. Wozu die fähig sind, wird auch gleich veranschaulicht: Googles Mitgründer Sergej Brin ist Russe und im Alter von 6 Jahren mit seinen exzellent in Moskau ausgebildeten Eltern in die USA eingereist. Und der größte Nutzen: die USA stehlen Russlands Bildungselite und „reißen Russlands demographisches Herz heraus“.

Der Forbes-Autor zählt nicht zu den bekannten politischen Größen, die solche Dinge ins Rollen bringen können. Mit dem gleichen Ansatz geht aber auch ein Edward Luttwak offen hausieren (zur Person).

So weit ich weiss, gibt es dieses Programm (noch) nicht. Aber ich finde es einfach schön, wie offenherzig das Imperium seine destruktiven Absichten öffentlich diskutiert. Ein harmloses, aber bezeichnendes Beispiel der US-Politik.

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2 Kommentare zu “Russlands demographisches Herz herausreißen
  1. pasparos sagt:

    „Aber ich finde es einfach schön, wie offenherzig das Imperium seine destruktiven Absichten öffentlich diskutiert.“

    Das ist aber keine Regierungsmitteilung, sondern eine in der freien Presse geäußerte Meinung eines Gastautors, die ohne Frage ignorant und hetzerisch ist. Das hingegen als etwas hinzustellen, das in den USA ernsthaft diskutiert wird, halte ich für fragwürdig.