Poroschenko

Poroschenko, der „Schokoladenkönig“. Dieses freundliche Image haben ihm die westlichen Medien verliehen.

Poroschenko, ein Oligarch. Aber er ist ein guter Oligarch, deswegen war es nicht schlimm, dass er Präsident wird. Er hat versprochen, seine Schokoladenfabriken zu verkaufen. Ein guter Oligarch.

Das war vor etwas weniger als einem Jahr.

Heute besitzt Poroschenko weiterhin alle seine Schokoladenfabriken. Er hat keine einzige verkauft.

Sein Geld macht Poroschenko aber nicht nur mit Schokolade. Wie jeder großer ukrainischer Oligarch besitzt er einen eigenen großen Fernsehsender. Den hat er auch nicht verkauft. Auch besitzt er zahlreiche Industriewerke, die unter anderem Zulieferer der Waffenindustrie sind. Das Militärbudget ist während Poroschenkos Regierungszeit kräftig gestiegen.

Poroschenko ist politisch sehr flexibel. Er war Mitbegründer der Partei der Regionen. Er bekleidete hohe Ministerposten sowohl unter Janukowitsch als auch unter Juschtschenko. Das ist keine Besonderheit von Poroschenko. Die ukrainische Politik ist grundsätzlich so und alle ukrainischen Politiker waren gefühlt schon in mindestens fünf Parteien Mitglied, dabei alle Sprektren von links bis rechts abdeckend.

Poroschenko ist auch ein US-Agent. Mindestens seit 2006. Nicht wie James Bond. Das durchschnittliche Agentenleben ist viel profaner und unspektakulärer als es Hollywood gern hätte.

Poroschenko ist auch ein Kreml-Agent. Unsere Presse hat es nicht ausgeleuchtet, aber Poroschenko hat in seiner Regierungszeit viel dafür getan, Russlands Position in der Ukraine zu stärken. Das muss man ihm hoch anrechnen, denn er wird von Hardlinern und Nazi-Bataillonen zu einer maximal aggressiven Anti-Russland-Politik angetrieben. Poroschenko hat seine Rhetorik voll auf die Bedürfnisse der Hardliner und Nazis angepasst. Und weil man in der Politik mehr auf die Rhetorik als auf die Taten achtet, konnte er auch viel tun, was den Kriegstreibern in der Ukraine (und ihren Herren in Übersee) eigentlich gar nicht passt.

Und deshalb… nähert sich die Karriere von Poroschenko als Präsident ihrem Ende. Möglicherweise einem sehr tragischen Ende. Im Februar jährt sich der Putsch. Die Nazis (sie sind nicht die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung, aber sie sind dominant im Handeln) ziehen Bilanz und sind gar nicht zufrieden. Sie werden im Osten abgeschlachtet, der Siegesmarsch nach Moskau hat immer noch nicht stattgefunden, die Korruption im Land ist viel krasser als noch vor einem Jahr, ein EU-Beitritt ist nicht in Sicht und die Wirtschaft liegt am Boden. Das ist nicht die glorreiche Ukraine, die sie sich ausgemalt haben.

Die Vorbereitungen zum neuen Putsch laufen auf Hochtouren. Bereits Ende 2014 ist frisches gründes Bargeld im Westen der Ukraine eingetroffen, um das Vorhaben zu finanzieren. Der Rechte Sektor hat im Januar damit begonnen, ein neues bewaffnetes Bataillon in Kiew zu gründen (nr. 13). Hunderte Kämpfer aus Nazi-Bataillonen sind von der Front nach Kiew gereist und haben dieser Tage auf der Straße den Rücktritt Poroschenkos gefordert. Die Medien schießen sich auf Poroschenko ein und geben ihm die Schuld für alles, was schief gelaufen ist. Parallel unternehmen seine Gegner (insbesondere Jazenjuk und Turchinow) alles Mögliche, um Poroschenko zu isolieren, indem sie seine Vertrauten aus den Ämtern drängen.

Noch hat Poroschenko Verbündete im Militär. Das könnte ihn retten. Aber der Februar hat gerade erst begonnen.

Im besten Fall bleibt Poroschenko sogar an der Macht. Das wird aber sehr schwierig, denn die Kampagne gegen ihn ist sehr mächtig.
Wenn es schlecht läuft, aber untragisch, verliert Poroschenko seine Macht. Damit einhergehend vermutlich auch etwas von seinem Imperium.
Im schlimmsten Fall wird Poroschenko als „sakrales Opfer“ gebraucht, was fast zwingend seinen Tod bedeutet.

Die Revolution frisst ihre Kinder auf.

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