Der blutige Pastor

In der Ukraine geistert gerade das Protokoll der Sicherheitsratsitzung vom 28. Februar 2014 durch die Medien. Kopien davon wurden Rada-Abgeordneten im Zuge einer Diskussion der Ereignisse ausgeteilt. Das Dokument wurde abfotografiert und ins Netz geladen.

28. Februar 2014 war eine Woche nach dem Putsch. Zwischen Putsch und dieser Sitzung tauchten die ersten „höflichen Menschen“ (wie man sie inzwischen in Russland nennt) auf der Krim auf. Thema der Sicherheitsratsitzung war die Frage, wie man reagieren sollte.

Gegen eine militärische Lösung sprachen sich Jazenjuk und Timoschenko aus – wegen finanzieller und militärischer Aussichtslosigkeit. Der SBU-Vertreter (ukrainischer Geheimdienst) wies in der Sitzung darauf hin, dass die Krim sehr stark pro-russisch ist und Kiew dort keine Unterstützung erwarten kann. Turtschinow, übrigens ein Pastor (kein Witz), plädierte für das Ausrufen des Kriegszustandes und stellte das zur Abstimmung. Er hat als einziger dafür gestimmt.

Dass Turtschinow ein besonders wertvoller US-Agent in der Ukraine ist, wurde hier im Blog schon mal erwähnt. Jetzt sieht man anhand von offiziellen Dokumenten, warum er das ist. Er hat von Anfang an einen direkten Krieg gegen Russland vom Zaun zu brechen versucht. So verrückt war sonst niemand.

Der Donbass war in der Sitzung vom 28. Februar kein Thema. Die Gefahr eines Aufstandes dort hatte noch niemand auf dem Schirm.

Später, als es im Donbass unruhig wurde, hat Turtschinow dort den Krieg begonnen, unter dem Label „Anti-Terror-Operation“. Sein Auftrag war unverändert: einen Krieg zwischen Ukraine und Russland anzetteln. Der Krieg gegen ethnische Russen im Donbass sollte der Auslöser sein. Russland ließ sich nicht in diese Falle locken, wie wir heute wissen.

Der Krieg im Donbass wurde noch vor Poroschenkos Wahl zum Präsidenten begonnen, während Turtschinow „Übergangspräsident“ war. Es hätte legitimer ausgesehen, wenn der gewählte Poroschenko den Schießbefehl gegeben hätte anstatt des selbsternannten Übergangspräsidenten. Aber das Vertrauen in Poroschenko war offenbar nicht vorhanden – völlig zurecht, wie sich später herausstellte.

Turtschinow war es auch, der am 27. Februar 2014 Jazenjuk zum Premierminister machte, genau so wie Nuland und US-Botschafter Pyatt es abgesprochen hatten.

Turtschinow, der Goldjunge. Er wurde aus der Schusslinie der Öffentlichkeit gebracht. Für den Krieg und seine Folgen müssen andere die schlechte Publicity einstecken. Turtschinow wartet derweil in einer politischen Schlüsselposition darauf, wieder eingesetzt zu werden. Zu wertvoll ist er, um wie Jazenjuk oder Poroschenko im politischen Alltag verbrannt zu werden.

 

Nachtrag, 01.03.2016: Das Protokoll ist inzwischen auch auf einer offiziellen Regierungsseite veröffentlicht worden. Inhaltlich ergibt sich dadurch kein neuer Erkenntnisgewinn, aber der Fakt, dass die ukrainische Regierung das Protokoll einer Sicherheitsratsitzung (die alle grundsätzlich geheim sind!) nicht nur offensichtlich leakt, sondern dann noch selbst ins Netz stellt, zeugt von schmutzigen Intrigen auf höchstem Niveau. Im Runet wurde vermutet, dass Julia Timoschenko, die sich gerade für die Neuwahlen positioniert, mit der Veröffentlichung angegriffen werden soll. Sie hat sich in der Sitzung gegen eine militärische Lösung ausgesprochen, damit fehlenden Patriotismus bewiesen und damit eine Todsünde auf sich geladen.

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14 Kommentare zu “Der blutige Pastor
  1. CarstenB sagt:

    ich glaub, es klingt besser ‚der blutgierige Pastor‘. Er ist ja nicht das Opfer sondern der Täter. War für mich damals auch bezeichnend, dass ein ‚Übergangspräsident‘ das Land verbrennt – Nazi eben. Aber auch uns quält ja ein ‚Mörder’Pfaffe. Passt zum Stil der Verbrecherbande uns zu manipulieren. Pfaffen sind christlich und tun keiner Fliege was und Frauen sind emphatisch und gerecht – so die Lügen. Wieviele Verteidigungsministerinnen gibt es in der EU? Und ist die NATO ein Verteidigungsbündnis? Würden nicht alle Kriege des ‚Westens‘ mit lauten Lügen begonnen (wie oh Wunder Trump jetzt erklärte).

    • Analitik sagt:

      Über Gauck habe ich mal gelesen, dass er Stasi-Akten über Stay-Behind-Netzwerke vernichten ließ. Weiss jemand etwas darüber? Könnte etwas dran sein?

      • Tja Analitik,

        ganz im Vertrauen – versuche mal Christian BOOSS mit Gruß von mir zu konsultieren! Noch Fragen?

        • Tja Analitik,

          sollten Sie Mittwochs gegen 23.00 Uhr mal in einer typischen Berliner ECK-Kneipe landen, an dessen Ende ein Kachelofen vom Pöttermeister STEIN steht, deren Name die ehemalige Hauptstadt AUSTRASIENs komplettiert, in der Nähe der Station, welche der Erfinder der Lithografie seinen Namen gab, könnten sie einen stämmigen kraushaarigen mit Brille & Vollbart Zimmermannstyp treffen; bin dort für die anderen meisten „Rudi aus Stuer“! Noch Fragen?
          PS.: Mein Rechner ist gut gesichert und verweigert sich ständig! Noch Fragen!

  2. Tja Analitik,
    warum denn in die Ferne schweifen, da vor Jahr & Tag lt. meines Anwalts Biographie „IM Larve“ in München zumindest vergleichbares propagierte! Noch Fragen?

  3. Tja CarstenB
    da standen vor Jahr & Tag zwei aus der Thüringschen Vertretung in der Mohrenstraße gegen Mitternacht Entsorgte vor dem Problem: West oder Ost- der eine wollte nicht nach Dunkeldeutschland! Noch Fragen?

  4. kein Plan sagt:

    Die werden den bald brauchen da die Zustimmung zu Poro und Jatze massiv sinkt und die ganzen Nazihorden machen was sie wollen.
    Die Ukraine ist ein Failed State wie Lybien,das Regime in Kiew vollkommen Machtlos.
    Ideen haben die allerdings noch genug! Just heute hat Rattenjatze vorgeschlagen zukünftig die „besetzten“ Donbassgebiete als Endlager für Europ.Atommüll zu nutzen.
    Von daher scheint wohl auch der Endkampf langsam in Gang zu kommen und es bleibt zu hoffen das der in Kiew endet,damit dort Schluß ist.
    Endnazifizierung muss dann wohl auch sein,leider.
    Der blutgierige Pastor wird also noch dringend gebraucht.
    Danke für den Artikel

  5. Tja Analitk, so geht das nicht!!!!!!!!!!!!!! Noch Fragen?

    • Stephan Colbert sagt:

      @Hallo Davideit,

      Habe auf Ihrer Webseite Ihre Kindergeschichten gelesen. Und habe verstanden.

      LG!

      • „Ich begrüße und beglückwünsche hiermit Stephan COLBERT“ “ (Die Antwort lautete: „Ich diene der Deutschen Demokratischen Republik“), denN mit dem Kinderbuchverlag der DDR in obiger Mohrenstr. gab es über Jahre einen lebhaften Briefwechsel, bis ich 1986 die redaktionelle Absage: “ Ihre Geschichten hinterlassen fragende Leser.“ bekam! Noch Fragen?
        Rudolf-Robert Davideit
        PS.: Ich kenne persönlich sehr viele Maler aus Ost vs. West, doch niemand sah sich letztlich in der Lage, eine komplementäre Geschichte zu liefern – bis dato und ich habe noch mehr! Noch Fragen?
        RRD

        • Stephan Colbert sagt:

          @RRD

          … zumindest wie ich Ihre *Kurzbotschaften lesen kann.

          BG

          *manchmal schwer verständlichen
          😉

  6. kein Plan sagt:

    Hallo Analitik,ich hätte nicht gedacht das Du so schnell recht haben würdest!
    Heute forderte die Rada den Austausch Jatzes gegen Turschinow.
    Fünf rechte Partein unterstützen den Ausstausch der Kreaturen!
    Ich meine ein deutlicheres Zeichen für einen sich anbahnenden Krieg im Osten bei dem alle Nazibatallione unter einem Führer geeint werden sollen,gibt es wohl nicht.
    Für die Wirtschaftliche Erholung taugt diese Kreatur nicht die Bohne,der taugt nur für Krieg!

    • Tja (ät) kein Plan, die Donbaßkumpel spielten friedlich schon beim Sturz der Mineralsekretärära eine herausragende Rolle, da warten die doch jetzt gut aufgestellt, meiner Meinung nach, seit langem geradezu auf den Angriff der Kiewer Phantasten! Noch Fragen?
      PS.: Und der Rest von NOVOWAJAROSSIJA ohnehin! Noch Fragen?

      • kein Plan sagt:

        Nein,habe keine Fragen und natürlich warten die das sich die Faschos mal wieder verausgaben wollen.
        Die klare Ansage war im Falle eines Angriffs nicht zur Verteidigung über zu gehen.
        Dürfte ja jeder verstanden haben in der RADA